Waitukubuli – Die Insel des Regen(wald)s

Waitukubuli – Die Insel des Regen(wald)s

13.12.2022 – 13.01.2023, Martinique – Dominica – Guadeloupe, Logstand seit Start 6100 sm

Die öffentlichen Verkehrsmittel auf Martinique sind – ausgenommen vom Bus zwischen St. Anne und Le Marin – in der Nutzung mehr als kompliziert und auch eher unzuverlässig. Daher habe ich ein Auto gemietet, um Biggi vom Flughafen abholen zu können. Wenn man schon ein Auto hat, wird dieses natürlich maximal ausgenutzt. Also habe ich den Mietwagen mit Kurt und zwei Kanadiern samt ihrem Gepäck beladen und Kurt nach Le Marin und die Kanadier zum Flughafen gebracht. Schliesslich wollte ich im Einkaufsgebiet in Le Lamentin, welches unweit des Flughafens liegt, zum „Decathlon“ und „Mr. Bricolage“ (Do It Yourself-Laden) gehen, bevor ich Biggi abholen konnte. Dass ich für die knapp 2 km zwischen Flughafen und den Einkaufszentren eine Stunde gebraucht habe, lag nur zum Teil an dem enormen Verkehrsaufkommen. Ich und die Google Maps Navigation sind nicht füreinander gemacht! Ich habe „Schleichwege“ entdeckt, die wohl nicht mal die Einheimischen kennen – vielleicht auch, weil die meisten davon plötzlich irgendwo in einem Feldweg endeten…

Sonnenuntergang St. Anne 21.12. – heute vor einem Jahr sind wir in der Karibik in Bequia angekommen

Mit etwas Verspätung kam Biggi endlich an und auch ihr Gepäck war vollzählig dabei. Also ging es erst mal ab nach Hause aufs Boot. Der folgende Tag stand ganz im Zeichen des Einkaufens – dieses Mal jedoch vor allem von Lebensmitteln. Weihnachten und Silvester standen vor der Tür und wir wollten unsere Vorräte mit französischen Frischwaren auffüllen bevor wir gegen Norden segelten.

Einkaufen

Am 23.12. war alles verstaut und wir haben uns vom inzwischen sehr vollen Ankerplatz bei St. Anne in die nur gerade 2 Seemeilen entfernte einsame und sehr idyllische Bucht „Anse Caritan“ verlegt. Wieso diese Bucht so einsam war, wurde uns schnell klar. Obwohl es auf der Karte ziemlich gut geschützt aussah, hat es wie blöd gerollt. Am Anfang haben wir es noch ausgehalten, aber als Biggi gegen Abend während der Kochvorbereitungen plötzlich mit kreideweissem Gesicht ins Cockpit raus gestürmt kam, war die Sache klar. Vor Anker seekrank werden kann es wirklich nicht sein! So sind wir mit dem letzten Tageslicht wieder nach St. Anne zurück und haben die Ruhe im Schiff umso mehr genossen.

Anse Caritan – idyllisch, aber soo rollig!
Nach fast zwei Monaten vor Anker in St. Anne ist der Rückdämpfer vor lauter Bewuchs kaum wiederzuerkennen.

In den folgenden Tagen ging es in kurzen Schlägen über „Anse Noire“ und „Anse Mitan“ nach „St. Pierre“ an Martiniques NW Spitze hoch. Nach fast zwei Monaten St. Anne wollten wir endlich etwas weiter nach Norden segeln.

Endlich wieder Segeln, aber leider keinen Fisch gefangen

Weihnachten haben wir schnorchelnder Weise in der kleinen „Anse Noire“ verbracht. Nachts ist der Wind eingeschlafen und nachdem es den ganzen Tag nie Probleme mit den anderen Booten um uns herum gab, sind wir doch tatsächlich in der ersten Nacht mit unserem Nachbarn zusammen gestossen! Nur ganz leicht – sie haben es nicht mal bemerkt und haben friedlich weitergeschlafen – aber bei uns hat es eine Macke in der Heckplattform gegeben. Ich habe dann die Nacht mehr oder weniger mit Ankerwache im Cockpit verbracht. Nach dem Umankern am nächsten Morgen lagen wir etwas besser, aber auch jetzt kamen sich die Boote manchmal sehr nahe. 

Es weihnachtet an Bord.
Anse Noire und der Kollisionsschaden an der Heckplattform

Beim Verlassen der „Anse Noire“ haben wir dummerweise unser neues Sonnendach für die ganz kurze Etappe nach „Anse Mitan“ stehen gelassen. Keine gute Idee! Kaum waren wir aus der Bucht raus, kam uns der Wind mit mehr als 30 Knoten entgegen. Wir kamen gar nicht mehr dazu zu, das Dach runter zu nehmen, da waren schon beide Reissverschlüsse, mit denen das Sonnendach am Baum befestigt ist aufgerissen. Ärgerlich, weil das wirklich nur auf unsere Dummheit zurückzuführen war. Ohne Sonnendach ist es hier nicht auszuhalten, also mussten wir uns eine Lösung überlegen. 

In St. Pierre wollten wir aus Martinique ausklarieren, um mit ordentlichen Papieren zur nächsten Insel „Dominica“ zu segeln. Sowohl das Tourist Office, wie auch das Restaurant „L’Alsace a Kay“, wo man hätte ausklarieren können, waren kurzerhand bis 3.1. bzw. 12.1.2023 wegen Betriebsferien geschlossen. Die Franzosen sehen das offenbar wirklich SEHR locker mit dem Ein- und Ausklarieren! Also sind wir auf gut Glück ohne die nötigen Dokumente losgesegelt.

Der Törn nach Dominica war wieder von sehr viel Wind (teilweise bis zu 44 Knoten von schräg vorne) und zugehörigen Seegangsverhältnissen geprägt. Zwischen den Inseln wird der Passat durch einen Düseneffekt immer etwas verstärkt, aber mit so viel Wind haben weder wir noch die Wettervorhersage gerechnet. Wir waren entsprechend nass, holprig – aber auch sehr schnell unterwegs und sind schlussendlich statt nach Roseau im Süden von Dominica bis nach Portsmouth im Norden der Insel weitergesegelt. Hinter der Insel hat der Wind ständig zwischen 10 und 30 Knoten gewechselt und wir sind entweder gedümpelt oder mit 7-8 Knoten gesegelt. Dazu gab es immer wieder heftige Regenfälle. Langweilig ist anders!

Auslaufen aus St. Pierre bei Regen und Sonne
Rasante Fahrt durch der Dominica Channel
Ankunft in Dominica – mal bei Sonne…
Portsmouth, Dominica – und die Regenwolken türmen sich wieder auf…
… und schon prasselt es wieder runter.

Das mit dem Regen sollte uns in der Zeit in Dominica zur ständigen Begleiterin werden. Die Insel ist nicht umsonst von üppigen Regenwäldern überzogen… Es hat wirklich jeden Tag geregnet. Mehrmals. Von „normalem“ Tropenregen der schnell kommt, aber auch schnell wieder geht, bis zum stundenlangen sintflutartigen Regen.

Dominica ist die ursprünglichste und auch am wenigsten entwickelte Insel des Antillenbogens. Mit ihren hohen von Regenwäldern überzogenen Hügeln erinnert sie fast ein wenig an die Marquesas Inseln im Südpazifik. Vor einigen Jahren hatte Dominica einen etwas schlechteren Ruf, weil es immer mal wieder zu Diebstählen auf ankernden Yachten kam. Aber das ist heute anders. Von Dominica haben alle Segler geschwärmt und wir können das nur bestätigen. Wenn man sich mit dem Regen abgefunden hat, gibt es wirklich viel zu sehen und zu erleben. Das fängt schon in der Prince Rupert Bay an: Die Boat Boys haben sich in einer Organisation P.A.Y.S. (Portsmouth Association for Yacht Security) zusammengetan, um die ehemaligen Sicherheitsprobleme zu eliminieren. Und man fühlt sich seither sowohl sicher wie auch wirklich wohl hier. Die Jungs fahren ständig in der Bucht umher, schauen, dass alles in Ordnung ist und bieten Touren, Beach BBQ und andere Dienstleistungen an.  Sie machen es aber in einer sehr unaufdringlichen und freundlichen Art und man muss sich wirklich gar keine Gedanken machen, dass etwas geklaut werden könnte. Selbstverständlich haben wir, wie fast alle Segler hier, ihre Dienste in Anspruch genommen, aber auch ein „Nein Danke“ wird mit einem Lächeln akzeptiert. Nach ein paar Tagen kennt man sich und gelegentlich kommt der eine oder andere auch nur für ein Schwätzchen vorbei, ohne dass versucht wird etwas zu verkaufen. So etwas haben wir bis jetzt in der Art noch nirgends sonst in der Karibik erlebt. Wir lagen hier nicht vor Anker, sondern an einer Boje, die 30.- EC$ pro Tag kostet hat. Diese Bojen werden auch von P.A.Y.S. betrieben und scheinen in einem guten Zustand zu sein. In Anbetracht der Arbeit der P.A.Y.S. Leute finden wir das einen fairen Preis den wir gerne zahlen.

Die Jungs von P.A.Y.S.

Das Einklarieren ging, trotz fehlender Papiere aus Martinique, auch ganz einfach. Die Beamten sind sich wohl gewöhnt, dass die Segler, die ja fast allesamt von den französischen Nachbarinseln Martinique oder Guadeloupe anreisen manchmal ohne Papiere auftauchen. Die Franzosen – als streikfreudiges Völkchen – haben ihre Büros ab und zu geschlossen… Auch konnte man in einem Rutsch Ein- und Ausklarieren und bekam 14 Tage Aufenthaltsrecht für gerade mal 13 EC$ (ca. € 4.-). Das ist insofern bemerkenswert, da die Gebühren bei den meisten (nichtfranzösischen) Inseln erheblich höher sind. Je nach dem wo man hinkommt, kann das Gleiche unter Umständen mehrere Hundert US$ kosten.

Der erste Lobster, den wir selber zubereiten. Vom Fischer für 20 US$ gekauft

Dominica ist mit einem Alter von gerade mal 26 Millionen Jahren geologisch gesehen eine der jüngsten Inseln der Kleinen Antillen. Die Insel ist geothermisch noch sehr aktiv mit Vulkanen und heissen und kalten Schwefelquellen. Die ersten Einwohner „Ortoroids“ wanderten aus Südamerika ein und lebten von 3100 v.C. bis 400 n.C. hier. Danach kamen „Arawaks“, welche bis ca. 1400 n.C. die Insel bevölkerten. Um 1400 n.C. breiteten sich die „Kalinga“ oder „Caribs“ – ein kriegerisches Völkchen – von Süden her über die gesamte Inselkette der kleinen Antillen aus und metzelten die Arawaks aus. Der Name „Waitukubuli“ stammt von den Kalingas und bedeutet länglicher Körper, was der Form der Insel entspricht. 1493 kam Columbus und hat die Insel nach dem Wochentag der Entdeckung, einem Sonntag, „Dominica“ getauft. Die Kalingas haben den Europäern erbitterten Widerstand geleistet und wurden erst nach 1600 langsam überwältigt und in die Berge vertrieben. Heute leben noch ca. 2000 Kalingas in einem Reservat auf Dominica.

Heisse Schwefelquelle in der Nähe der Trafalgar Falls

Da die meisten Leute beim Namen Dominica an die Dominikanische Republik denken, gibt es politische Bestrebungen, den alten Namen wieder einzuführen, um nicht ständig mit dem grossen Nachbarn im Nordwesten verwechselt zu werden.

Am Tag nach unserer Ankunft hat ein deutscher Katamaran „USI“ an der Boje neben uns festgemacht. Als wir mit dem Dinghy an Land gefahren sind, haben wir kurz vorbeigeschaut um Hallo zu sagen. Als hinten auf dem Boot „Regensburg“ als Heimathafen stand ist Biggi (die als Kind dort gelebt hat) natürlich Feuer und Flamme gewesen und hat die Crew mit einem lauten „Servus!“ begrüsst. Statt an Land zu fahren wurden wir von Uschi und Albert sofort an Bord gebeten. Sie sind ein paar Jahre älter als wir und hatten ihre beiden erwachsenen Söhne Karl-Heinz und Stefan für vier Wochen an Bord. Unsere Aussage, dass wir eigentlich nur kurz Hallo sagen und dann weiter an Land fahren wollten, wurde geflissentlich ignoriert und Uschi hat ausgiebigst aufgetischt. Neben Wein und Knabberzeugs gab es kurz darauf auch noch einen (naja vielleicht waren es auch zwei, oder drei?) Rum zum Probieren. Entsprechend wurde unser Landausflug erst viel später angetreten.

Was so schön anfängt kann ja nur gut weitergehen! Wir haben uns mit allen Vier super gut verstanden und haben die folgenden Tage viel zusammen unternommen. 

Zuerst haben wir eine Tour durch den Indian River mit „Albert“, unserem Boat Boy, der uns schon bei der Boje geholfen hat – gemacht. Der Indian River ist einer von ca. 200 Flüssen in Dominica der durch den Dschungel geht und dieser mündet direkt hier in der Bucht. Man darf den Fluss nur mit einem zertifizierten Guide befahren und auch nur ohne Motor. Also ruderte Albert uns den Fluss hoch, der sich durch den Dschungel mäandert. Leider hatten wir kein Dictaphone dabei und haben nur einen Bruchteil der vielen Informationen behalten können, die wir von Albert erfahren haben. Neben einige Krabbenarten und viele verschiedenen Pflanzen hat er uns auch einen speziellen Baum gezeigt, der sich sehr gut für den Bootsbau eignet, da seine speziell gewachsenen Astgabelungen für die Stabilisierung von Bugspitze und Heckplatte eignet. Weiter sahen wir auch einige der Orte von Filmsets zu „Fluch der Karibik“, welcher teilweise hier auf Dominica gedreht wurde.

Impressionen vom Indian River…
… bei Regen…
… und bei Sonne.
Mit der USI Crew in der Bush Bar – natürlich bei Regen…

Der Silvesterabend wurde mit dem traditionellen Beach BBQ von P.A.Y.S. eingeläutet. Locals und Segler haben zusammen Huhn und Fisch frisch vom Grill mit lautem Soca Sound und Rumpunsch „a discretion“ genossen. Später sind wir vor dem Regen an Bord von USI geflüchtet und haben an Mitternacht die eine oder andere Notrakete steigen sehen. Eigentlich verboten, aber das wussten wohl nicht alle…

Silvester Beach BBQ

Am 2.1. stand eine gemeinsame Bustour zum südlichen Teil der Insel auf dem Programm. 

Von Portsmouth ging es der Westküste entlang bis Roseau, wo wir den Botanischen Garten besucht haben. Besonders eindrücklich der Schulbus, der 1979 während dem Hurrikan „David“ von einem afrikanischen Baobabbaum zerdrückt wurde. Der Baum hat es überlebt und wächst heutzutage um den Bus herum weiter.

Zerquetschter Bus und Würgefeige

Von dort ging es zum „Titou Gorge“ wo man in einem „eiskalten“ (naja, es war für uns verweichlichte Tropensegler wirklich saukalt!) Bach durch eine Schlucht zu einem Wasserfall schwimmen konnte. Sehr eindrücklich zwischen den schroffen hochaufragenden Felswänden in eine dunkle Höhle rein zu schwimmen, bis plötzlich der Wasserfall um die Ecke auftauchte.

Echt saukalt das Wasser!

Die nächste Attraktion waren die Zwillingswasserfälle „Trafalgar Falls“ die nebeneinander in die Tiefe stürzen. 

Karibischer Lunch

Die USIs mussten am 3.1. weiter, da Karl-Heinz und Stefan ein paar Tage später von Guadeloupe heimfliegen würden. Wir waren alle richtig traurig, dass unsere schöne gemeinsame Zeit schon vorbei war. Es ist immer wieder schön, wie schnell ganz intensive Freundschaften unter Seglern geschlossen werden, aber das klappt nur, wenn die Chemie wirklich stimmt. Bei der USI-Crew war das ganz bestimmt der Fall und das nächste Treffen in Guadeloupe ist schon vereinbart!

Uschi, Albert (der Fotograf), Karl-Heinz und Stefan bei uns an Bord

Als wir wieder alleine waren, haben wir uns an ein paar dringende Bootsarbeiten gemacht. Ein Leck in der Vorschiffskabine musste gefunden und abgedichtet werden und das zerrissene Sonnendach wurde repariert. Da die Endstücke der Reisverschlüsse vom starken Wind weggerissen waren haben wir die Reissverschlüsse kurzerhand zusammengenäht. Jetzt sind die beiden Dächer zwar nicht mehr abnehmbar, aber das ist eigentlich kein Problem – während wir segeln werden sie aufgerollt und mittels Gurtbänder am Segelkleid vom Grossbaum fixiert.

Deckenverkleidung in der Bugkabine demontieren. „Und bist du nicht willig, dann …“
Sonnensegel flicken – und jetzt steht es wieder wie neu 🙂

Die folgenden Tage haben wir den „Cabrits Nationalpark“ mit dem Fort Shirley zu Fuss erkundet, einen Teil vom Waitukubuli-Trail gemacht und sind zu guter Letzt zum „Cold Soufriere“, den kalten Schwefelquellen gewandert. 

Auf dem West Cabrit Trail
Eidechsen, Schlangen und Eremitkrebse im Cabrits Nationalpark
Waitukubuli Trail, Abschnitt 14

Der Waitukubuli-Trail ist ein mehrteiliger Wanderpfad der von Süden nach Norden durch ganz Dominica führt. Er wurde ursprünglich von den Ureinwohnern (Arawak und Caribe-Indianern) benutzt und ist heute eine anspruchsvolle Route quer durch Regenwälder und über Berggipfel. Wir haben allerdings nur einen ganz kleinen Teil gemacht, den wir von Portsmouth aus zu Fuss erreichen konnten.

Die Wanderung zum „Cold Soufriere“ war um einiges anstrengender als wir angenommen hatten. Es ging von Meeresspiegel auf 741 m ü. M. hoch (und danach logischerweise alles wieder runter). Unterwegs wurden wir den ganzen Weg hin und zurück von drei uns völlig unbekannten Hunden begleitet. Jeder nahm an, dass es sich um unsere Hunde handelte, da sie immer neben uns trotteten, aber wir wissen heute noch nicht woher sie kamen bzw. ob sie jemanden gehören. Kurz bevor wir wieder beim Dinghy ankamen waren sie genauso schnell verschwunden wie sie aufgetaucht waren.

Steil bergauf.
Endlich oben angekommen!
Krasse Gegensätze: Unterwegs sehen wir schmucke Häuser unmittelbar neben Wellblechhütten. Und alles ist bewohnt.
Auf dem Rückweg konnten wir unseren Durst an einer natürlichen Quelle löschen. Einheimische holen hier kanisterweise ihr Trinkwasser.
Panoramablick vom Cabrits Nationalpark aus über die Douglas Bay (links) und Prince Rupert Bay (rechts)

Am Freitag 6.1. haben wir versucht mit der Karte an einem Geldautomaten etwas Lokalwährung abzuheben. Was eine Woche vorher noch wunderbar geklappt hat, war jetzt plötzlich nicht mehr möglich. Es kam kein Geld raus – aber was noch blöder war – auch die Karte nicht! Zum Glück war der Automat vor einer Bankfiliale die noch auf war. Wir also dort rein und unser Problem erklärt. Die Dame am Schalter meinte dann lakonisch, dass wir doch am Montag zurückkommen sollten, bis dann hätten sie die Karte rausgenommen. Jetzt wurde ich (wie Biggi das jeweils nennt) etwas energisch und siehe da, plötzlich ging es, die Karte doch jetzt raus zu holen. Etwa eine Stunde, 10 Unterschriften und Ausweiskopien etc. später sind wir mitsamt Karte wieder auf der Strasse gestanden. Geht doch!

Strassenimpressionen aus Portsmouth
Lokales Angebot – bis jetzt haben wir noch nicht alles probiert…
Kuriositäten aus Dominica: Strassenlampen, die mit Windgeneratoren betrieben werden. Recyclingstation mit Schweizerkreuz, die aber zu tief für die Abfallkübel sind?
Sonnenuntergang und Vollmond über Prince Rupert Bay, Dominica

Am 11.1. verliessen wir Dominica (natürlich bei Regen…) und machten uns auf den Weg nach Guadeloupe. Dies war richtiges Genusssegeln, kaum hatten wir den Windschatten von Dominica verlassen kam auch die Sonne! Winde zwischen 15-20 Knoten von schräg hinten und nur ganz wenig Welle haben uns einen wunderschönen Segeltag beschert. Gegen 15 Uhr fiel der Anker neben dem Cousteau Unterwassernationalpark an der Westküste von Guadeloupe. 

A place with a view
Wunderschönes Segelwetter
Basse-Terre, Guadeloupe

Am Tag darauf kam auch USI hier an und es wurde ein sehr vergnüglicher Abend in einer etwas kleineren Runde, da Uschi und Albert nun wieder alleine unterwegs waren. Aus einem Nachmittagskaffe wurde ein spontanes gemeinsames Nachtessen gemacht. Das heisst Uschi und Biggi haben in der Küche rumgewerkelt, während Albert und ich uns ins Trampolinnetz am Bug gelegt, den Sternenhimmel bewundert und über Gott und die Welt philosophiert haben. Kann es einem besser gehen?

Wenn wir schon im bekanntesten Schnorchelspot auf Guadeloupe waren, wollten wir das natürlich auch bewundern. Nach der totalen Windstille vom Vorabend hat es in der Nacht ziemlich aufgefrischt und wir wollten mit den Dinghys zu den der Bucht vorgelagerten Iles de Pigeon rausfahren. Die Überfahrt ist zum Glück nur etwa zwei Seemeilen weit, aber das war doch echt grenzwertig, denn der Wind hatte eine ziemlich ruppige Welle aufgebaut. Die Festmacherbojen auf der Leeseite sind alle für die professionellen Tauchboote reserviert, uns blieben nur die Bojen auf der Luvseite der Insel. Dort zu schnorcheln bzw. vor allem danach wieder ins wild bockende Dinghy reinzukommen war ein Ding der Unmöglichkeit. Also wieder gegen den Wind zurück an Land. Der Hinweg mit dem Wind war schon haarig, der Rückweg gegen Wind und Welle war ein regelrechter Waschgang. Zum Glück hatten wir schon unsere Neoprenshorties an, so haben uns die Wellen, welche immer wieder ins Dinghy eingestiegen sind fast nix ausgemacht. Um nicht ganz abzusaufen habe ich versucht das Dinghy in Gleitfahrt zu halten, obwohl es teilweise abgehoben ist. Bei einem unerwarteten Sprung habe ich den Gasgriff verloren, worauf der Motor sofort eingeschlagen hat und wir in vollem Speed eine 360 Grad Pirouette gedreht haben. Uschi und Albert, die in ihrem grösseren und stärkeren Dinghy besser zurechtkamen, haben sich noch gewundert, was wir denn da für Kunststücke machen… Wir haben zum Glück keinen Abflug gemacht! Wäre schon peinlich gewesen, vom eigenen Dinghy überfahren zu werden.

Schlussendlich konnten wir an einem anderen Platz im Cousteau Unterwassernationalpark festmachen und endlich doch schnorcheln gehen. Kaum war ich im Wasser, hatte ich einen ca. 3 cm langen Pilotfisch vor der Maske. Pilotfische schwimmen normalerweise vor Haien her um sich von den Krümeln, die beim Fressen herumschwimmen zu ernähren. Mangels Haien hat dieser hier mich als Wirt auserkoren und ist wirklich die ganze Zeit bei mir geblieben, meistens wenige cm vor meiner Maske. Armer Kerl, die ganze Mühe umsonst, da es bei mir nichts zu fressen gab. Leider muss ich sagen, dass wir beide letztendlich recht ernüchtert waren. Obwohl dieser Platz immer wieder gelobt wird, hat uns der Zustand vom Riff enttäuscht oder eher erschreckt. Auch hier gab es nur wenig Fische und Korallen. Die Unterwasserwelt in der Karibik hat wirklich schwer unter den Umwelteinflüssen gelitten.

Uschi und Albert in ihrem Dinghy
Trotz Nationalpark fast nichts zu sehen.
Mein Freund der Pilotfisch
Sundowner auf der RARE BREED. Im Hintergrund Pigeon Island, zu der wir am Vormittag die turbulente Dinghyüberfahrt hatten.

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Jan alone at home…

Jan alone at home…

22.10.- 10.12.2022, Grenada – Martinique, Logstand seit Start 5964 sm

Am Samstag, den 22.10. haben wir die Leinen in der Marina Phare Bleu gelöst und uns auf den Weg zu den nördlich von Grenada liegenden Inseln gemacht. Wir hatten keinen Stress, da Biggi’s Flug von Martinique erst zwei Wochen später gehen würde. So sind wir zuerst um die SW-Ecke von Grenada nach St Georges um zu Tanken und danach die wenigen Meilen zurück zur Bucht Morne Rouge gefahren. Morne Rouge gilt als eine der schönsten Buchten auf Grenada und wir hatten sie schon ein paar Mal von Land aus besucht. Jetzt wollten wir auch mal mit dem eigenen Boot hier ankern. 

Sonnenuntergang Morne Rouge

Auf dem Weg entlang der Südküste von Grenada haben wir festgestellt, dass unser Windmesser, dessen Geber im Masttop während des Landaufenthaltes erneuert worden ist, völlig falsche Werte angezeigt hat. Das Instrument im Cockpit hat die Windrichtung ca. 120 ° falsch angezeigt und da der Wind ziemlich schwach von hinten kam, fiel das nicht sofort auf. Kein Wunder hat Biggi die Welt nicht mehr verstanden, als das Segel «auf der falschen» Seite vom Boot ausgerollt wurde. Ich sass hinten an der Reffleine und sah den mechanischen Windanzeiger im Masttop (der vom Cockpit aus nicht sichtbar ist und natürlich die richtige Windrichtung angezeigt hat) und habe mich gewundert , als Biggi an der «falschen» Winsch hantiert hat. «Ob sie denn nicht sehe woher der Wind komme?» Klar, dass sie dann betupft war… typisch besserwisserischer Skipper! In der Folge sind wir zwei Vollkreise gefahren, um das Instrument neu zu kalibrieren, was auf dem Plottertrack ganz amüsant aussieht:

Vollkreise

Nach einer rolligen Nacht sind wir entlang der Westküste von Grenada weiter nach Norden zu Sandy Island gesegelt.

Strecke nach Sandy Island
Unterwegs und später vor Anker vor Sandy Island

Dort blieben wir trotz eher durchzogenem Wetter zwei Tage, um den Feiertag am Montag abzuwarten. Man muss hier zwischen den Inseln immer Ein- bzw. Ausklarieren. Wenn man das an einem Feiertag oder ausserhalb der Bürozeiten macht, kostet es einen «Overtime» Zuschlag. Klar, dass wir das gerne vermeiden, wenn es geht. In Tyrell Bay auf Carriacou haben wir am Morgen am 25.10. ausklariert und Martinique als nächsten Stopp angegeben. Die Windvorhersage war für die kommenden Tage moderat und so wollten wir die Wetterlage ausnutzen um möglichst viel Strecke gegen den sonst vorherrschenden Nordostwind gut zu machen. Gleichzeitig hatten wir keine Lust alles in einem Rutsch nach Martinique durchzuziehen. Der Plan war Zwischenstopps «in Transit» zu machen, sprich ohne einzuklarieren. Solange man nicht lange bleibt und vor Allem nicht an Land geht ist das auch völlig legal.

Mit Zwischenstopps nach Bequia

Mein Allerwertester hat uns aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Seit ein paar Tagen hatte ich einen stark juckenden Ausschlag auf der linken Pobacke. Erst hat es ganz klein angefangen, aber es wuchs von Tag zu Tag. Alle Versuche mit Salben usw. Linderung zu verschaffen schlugen fehl, es wurde immer schlimmer. Irgendwann wurde natürlich Dr. Google zu Rate gezogen und dann war schnell der Verdacht da, dass es sich um Gürtelrose handeln könnte. Das wollte ich nicht einfach unbehandelt lassen.

Und so sind wir zu einem ungeplanten Stopp auf Bequia gekommen, wo ich nach einem Besuch in der örtlichen Notaufnahme am Donnerstagabend zum lokalen Arzt weitergereicht wurde. Am Freitagmorgen um 9 Uhr standen wir vereinbarungsgemäss vor der Arztpraxis, nur um zu erfahren, dass Frau Doktor ausnahmsweise heute (wegen des starken Regens 😬) erst am Nachmittag kommen wurde. Karibik halt… Nach etwas hin und her per WhatsApp konnte ich dann um 14 Uhr wieder antraben. Die Wartezeit zog sich in die Länge, da neben mir natürlich  ganz viele andere Leute auch einen Termin hatten. 

Vor, bzw. in der Arztpraxis auf Bequia

Kurz vor Feierabend kam ich dann dran und der erfahrenen Dame war schnell klar worum es sich handelte. Zum Glück keine Gürtelrose, sondern eine Infektion mit kleinen Larven unter der Haut! Das Viech war ein Hakenwurm, der in den Tropen über den Sand unter die Haut gelangen kann. An sich ungefährlich, aber halt sehr unangenehm und die Vorstellung, dass sich da kleine Larven ihre Gänge unter der Haut bohren/fressen war schon ziemlich gruselig. Mit den richtigen Medikamenten war die Sache in wenigen Tagen soweit entschärft, dass es nicht mehr gejuckt hat. Der Ausschlag selber hat aber noch ca. zwei Wochen gebraucht bis er ganz weg war.

Ausschlag am Allerwertesten!!

Nach der Behandlung mussten wir schnell wieder weg, denn wir hatten eben nicht einklariert (wir haben das als Notstopp angesehen und sind wirklich nur zum Arzt und dann wieder an Bord zurück). Am Samstagnachmittag sind wir wieder ausgelaufen und in der Nacht auf Sonntag an St. Vincent und St. Lucia vorbei nach St. Anne auf Martinique gesegelt. Im Gegensatz zum letzten Mal als wir diese Strecke gemacht haben, hatten wir dieses Mal richtig gute Verhältnisse und konnten den grössten Teil der Strecke gut segeln – so gut, dass wir am Schluss die Geschwindigkeit drosseln (heisst Segelfläche verkleinern) mussten, um nicht im Dunkeln hier anzukommen.

Zügige Fahrt!

Die ersten Tage haben wir die Annehmlichkeiten von Martinique genossen und auch eine Wanderung zu unserem Lieblingsstrand Petite Anse des Salines gemacht.

Petite Anse des Salines

Dann war es soweit, Biggi musste ihre Abreise vorbereiten. Ihre Schwester musste sich einer grossen Operation unterziehen und Biggi wollte sie in der ersten Zeit zuhause unterstützen. Am 6.11. habe ich Biggi mit dem Mietwagen zum Flughafen gebracht und auf Wiedersehen gesagt. Der strömende Regen hat super zur Stimmung gepasst und die ganze Angelegenheit natürlich auch nicht besser gemacht.

Als ich wieder in St. Anne war, war ich natürlich entsprechend betrübt und nicht ganz bei der Sache. RARE BREED liegt hier vor Anker und ich muss mit dem Dinghy an Land und wieder zurück an Bord fahren. Beim Reinspringen ins Dinghy vom Dinghysteg bin ich mit dem Schlüsselbund, der an einem Schlüsselband am Rucksack hing, am Holzsteg eingehängt. Ein kurzer Blick hat genügt um zu sehen, dass das rote Schlüsselband noch am Rucksack dran war. So bin ich – immer noch bei strömenden Regen – zum Boot gefahren. Kaum an Bord habe ich entdeckt, dass das Schlüsselband zwar noch am Rucksack hing, aber vom Schlüsselbund war weit und breit keine Spur! Das Band hatte eine Plastikschnalle und die hat dem Ruck nicht standgehalten und sich gelöst. Jetzt muss man wissen, dass wir alle Luken mit Einbruchschutz gesichert haben und die stabile Gittertüre aus Edelstahl mit einem dicken Vorhängeschloss abgeschlossen ist. Ohne Schlüssel kommt man schlichtweg nicht ins Boot rein! Zudem ist das Hängeschloss derart eng drin, dass man mit Einbruchswerkzeuge fast nicht ran kommt – soll ja so sein! Das ist mir natürlich alles schlagartig bewusst geworden! Ich sass hier alleine, kannte niemanden und hatte keinen Reserveschlüssel, es wurde langsam dunkel und ich konnte nicht ins Boot rein – schlimmer konnte es eigentlich nicht kommen! Mein Puls ist schlagartig auf gefühlt 200 gestiegen und ich bin mit dem Dinghy sozusagen im Tiefflug zurück zum Dinghysteg gefahren. Die Erleichterung als ich den Schlüsselbund eingeklemmt zwischen zwei Holzplanken am Steg wiedergefunden habe lässt sich fast nicht beschreiben!

Das Corpus Delicti… Neues Schlüsselband OHNE Plastikschnalle!

Selbstredend habe ich als erstes verschiedene Vorkehrungen getroffen, damit eine solche Situation nie mehr passieren kann. Man lernt wohl wirklich nur wenn es weh tut!

Ich habe die Zeit alleine mit allerhand kleine Wartungsarbeiten und Projekten, die bis jetzt immer hinten angestanden sind, verbracht.

Basteln ist IMMER mit Chaos verbunden.
Neue Steckdosen am Navitisch installieren.
Ein neuer (temporärer) Cockpittisch machen.
Inventar von Lebensmittel und Ersatzteile.

Zudem habe ich meinem Tag einen Rhythmus gegeben, an dem ich mich orientieren konnte. Morgens habe ich wieder mit den Plank-Übungen angefangen, danach ins Wasser gesprungen und ein paar Runden ums Boot geschwommen. Danach gab es Kaffee – draussen im Cockpit oder auf der Heckplattform.

Kaffee!!
Trinken und Essen ist wichtig!!

Frühstück gab es keins, denn wir hatten schon in Grenada mit Intervallfasten nach dem 16/8 Plan angefangen. Das heisst, die erste Mahlzeit ist das Mittagessen um 12 Uhr. Vormittags habe ich entweder an Bord rumgewurstelt oder bin an Land gefahren um zu Laufen. Es gibt hier einen sehr schönen Wanderweg, der der Küste entlang an mehreren Stränden vorbei geht.

Impressionen von meiner Fitnessrunde.
Einsames Picknick in „unsere“ Bucht
Captain Jan Sparrow ;-). Schuh- und Geldwaschvorrichtung.
Coole Wandmalereien in St. Anne. „Geschickter“ Einbezug der baulichen und pflanzlichen Elemente…

Nachmittags wieder basteln oder lesen und Abends dann kochen. Und dann war es schon wieder dunkel und ein Tag vorbei.

Abendstimmung in St Anne.

Die Zeit verging schon langsam und so war es natürlich schön, als befreundete Segler vorbeikamen um zu reden. Neben Martin und Anke von der JAMBO sind auch Stefan und Barbara von der NOVA mit einem Gast bei mir an Bord zum Sundowner gewesen. 

Zudem habe ich Kurt, einen schwedischen Einhand (=Einsam)segler kennen gelernt. Er hatte Probleme mit seiner Ankerwinsch und zusammen haben wir das Teil (natürlich nicht ohne grobes Werkzeug, etwas Gewalt und den entsprechenden Karftausdrücken) ausbauen können. Unglaublich, wie sich etwas in dieser salzhaltigen Umgebung in 15 Jahren derart «festfressen» kann.

In der ersten Dezemberwoche hat das Wetter angefangen verrückt zu spielen. Statt den üblichen östlichen Passatwinden gab es plötzlich tagelang Flaute und – was viel schlimmer war – westliche Winde!

Spiegelblankes Meer – Totale Flaute!

Hier in der Karibik sind westliche Winde sozusagen nie da. Entsprechend sind (fast) alle Ankerplätze gegen Westen völlig ungeschützt. Am 5.12. hat es dann tagsüber bis auf knapp 20 Knoten aus West aufgefrischt und der Ankerplatz vor St Anne wurde echt ungemütlich. Anfänglich war es ja noch OK, aber nach und nach haben Boote angefangen umzuankern, weil sie einander oder den Bojen, die das Ankergebiet abgrenzen zu nahe kamen. Mir blieb dann nichts anderes übrig als auch umzuankern. Es gibt hier leider keine Alternative, die gegen Westen geschützt wäre, ausser in Le Marin, wo aber alles voll ist mit Booten. So haben wir alle hier ausgeharrt (die Wettervorhersage hat abflauende Winde vorhergesagt) und abgewartet, während die Boote in den Wellen wie Rodeorösser gebockt haben. Zum Glück ist der Ankergrund hier sehr gut und so war es im Endeffekt einfach nur ungemütlich, aber nie wirklich gefährlich. Ich habe trotzdem alles soweit vorbereitet, dass ich die Motoren hätte starten können um gegenan zu halten und bereitete mich darauf vor die Nacht im Cockpit zu verbringen. Gegen Abend hat es zum Glück wie vorhergesagt abgeflaut und nachts war es wieder windstill.

Absolute Ausnahme: Westwindlage in der Karibik. Alle Schiffe zeigen mit dem Bug nach Westen.

Der 6.12. verlief genau wie der erste und zweite Advent völlig ereignislos. Alleine macht es einfach keinen Spass so etwas zu feiern. Biggi war jetzt genau einen Monat weg gewesen, d.h. 2/3 der Zeit bis sie am 20.12 zurückkommen würde waren schon um.

Bald gibt es wieder Sundowner zu zweit 🙂

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Zurück zum Boot

Zurück zum Boot

23.09. – 22.10.2022, Grenada, Logstand seit Start 5779 sm 

Die letzte Zeit vom Heimaturlaub war das Wetter langsam etwas kühler geworden und so hatten wir uns schon dort auf die Wärme in Grenada gefreut. Dass es aber noch derart warm sein würde, immerhin geht es hier auch langsam auf den Herbst zu, hatten wir nicht erwartet. Mit der sehr hohen Luftfeuchtigkeit wurden aus den 30 schnell mal gefühlte 40 oder mehr Grad und im Boot an Land war es noch ein wenig heisser. Auch unser airbnb ohne Klimaanlage war nachmittags wie ein Backofen. 

Schön warm und kuschelig

Die meisten Arbeiten an Bord hatten wir vor der Heimreise schon erledigt. Die Arbeiten an der alten Scheuerleiste waren zwar nicht – wie von der Werft versprochen – fertig, wurden jedoch innerhalb der ersten 1,5 Wochen nach unserer Rückkehr noch abgeschlossen. Statt einer Gummiwurst in einem leckenden Profil haben wir jetzt eine mit mehreren Lagen GFK Matten und Polyester laminierte Verbindung. Diese wurde am Schluss mit Gelcoat überzogen und poliert. Uns gefällt es besser als die alte Scheuerleiste und sie ist vor allem zu 100% wasserdicht!

Scheuerleiste: vorher (oben) vs nachher (unten)

Wir haben zur gleichen Zeit mit dem Grundieren und Anmalen des Unterwasserschiffs mit Antibewuchsfarbe (Antifouling) begonnen. Wir hatten das Glück fünf aufeinanderfolgende Tage ohne Regen zu haben. Mehr als ungewöhnlich, da hier noch Regenzeit ist. Das war zum Malen natürlich ideal, obschon wir in den Ganzkörperplastikanzügen, Mundschutz und Schutzbrillen wegen der Hitze manchmal fast kollabiert wären. Eine Schicht Grundierung und drei Schichten Antifouling kamen drauf, zudem haben wir die Wasserlinie (also die Linie, wo das Antifouling anfängt) ca. 7 cm höher gelegt, um den hässlichen grünen Schleim an der Bordwand nicht mehr zu bekommen. Mal sehen was es bringt.

Grundierung, Arbeitsplatz unter dem Boot
Antifouling
Drei Schichten Antifouling sind drauf
Abdeckband weg…
… und FERTIG ist das Unterwasserschiff!
Die beiden Saildrives und Propeller werden auch neu beschichtet
Sogar der Aussenborder bekommt seine Farbe ab . Dies ist aber eher unter „Aus neu macht alt“ einzuordnen
Spleissarbeit: Neue Ruckdämpfer für die Ankerkette

Nach den Malerstrapazen haben wir uns am Samstag eine Abwechslung in Form eines Hashs gegönnt. Wie jeden Samstag war ein Hash-Trail vorbereitet. Dieses Mal in der Nähe der Annandale Falls. Die Wegbeschreibungen und die spärliche Beschilderung ist eindeutig für Ortskundige gedacht. Wir sind wieder einmal kreuz und quer durch die Gegend gefahren bis wir endlich das Start- und Zielgelände gefunden haben. Der Hash selber war dieses Mal echt herausfordernd. Dabei waren die Bachdurchquerungen noch harmlos. Der fast überall schlammige Untergrund hat dem Sohlenprofil meiner anfangs noch schön rot leuchtenden Schuhe sofort zugesetzt. In der Folge bin ich mehrmals ausgerutscht und habe einmal sogar eine veritable Schlammrutschpartie zum Besten gegeben. Ich sah danach wie das sprichwörtliche Erdferkel aus!

Die Schlammschlacht

Wie immer wurden auch dieses Mal die Erst-Hasher im Aufnahmeritual mit Bier geduscht. Am Schlimmsten traf es aber das junge Mädchen, welches unvorsichtigerweise zugab Geburtstag zu haben. Sie musste sich auf den Boden setzen und bekam ein steifes Rohr über den Arm gesteckt. So musste sie sich eine Flasche Bier mit dem geraden Arm in den Mund leeren. Dass sie dabei von zahlreichen «Helfern» mit Bier übergossen wurde hat es sicher nicht angenehmer gemacht. 

Hardcore Biertaufe

Am Sonntag haben wir uns mit Mike und Carol getroffen. Das sind die Besitzer des Hauses, welches unsere Freunde Gottfried und Sandra von der MOANA diesen Sommer gehütet haben. Carol und Mike gehen jeden Sommer für einige Monate zurück nach UK und brauchen in dieser Zeit jemanden, der ihre beiden Hunde Coco und Macey hütet. Das heisst, sie stellen dafür ihr Haus und Auto zur Verfügung und als Gegenleistung muss man für die Hunde schauen. Das bedeutet morgens und abends Gassi gehen und die Hunde füttern. Das Haus, also wohl eher Anwesen, ist riesig. Es hat neben dem enormen Wohn-/Esszimmer einen Garten mit Infinitypool sowie mehrere Schlafzimmer und Bäder. Zwei Mal die Woche kommt Beverly und macht den Haushalt. Simon kommt auch 1-2 Mal und kümmert sich um den Garten. Ausser für die Hunde sorgen und Einkaufen muss man also nichts machen. Die Lage oben auf der Landzunge ist erstens immer angenehm kühl und zweitens hat man einen fantastischen Ausblick über das Meer. Als Gottfried und Sandra auszogen, haben sie Carol & Mike uns als Haus & Dog Sitter für nächsten Sommer empfohlen. Also haben wir uns getroffen um zu sehen, ob die Chemie stimmt. Die Hunde kannten wir schon von diesem Sommer und nach einem kurzen Gespräch war klar, dass Carol und Mike uns gerne als Hüter haben wollten. Am Schluss haben sie uns fast schon etwas verlegen gefragt, ob wir allenfalls Zeit hätten jetzt schon für eine Woche zu kommen, da sie kurzfristig nach USA gehen würden? Da mussten wir nicht lange überlegen, denn das hat so gut gepasst, dass es fast nicht zu glauben war: Wir hatten unser airbnb von unserer Ankunft bis zum Sonntag den 2. Oktober bezahlt, und das war genau der Tag als Carol und Mike abfliegen würden. Am Montag den 10. Oktober, an dem Carol zurückkommen würde war unser Einwasserungstermin für RARE BREED und wir konnten wieder aufs Schiff umziehen. So haben wir uns eine Woche Unterkunftskosten gespart, konnten ein bisschen mit den Hunden «üben» und kamen in den Genuss des fantastischen Hauses und des Pools. Was will man denn mehr?

Coco und Macey

Die Woche oben im Haus war ein Erlebnis! Das enorme Platzangebot, die Aussicht und der Pool waren natürlich extrem cool. 

Das Haus
Der Pool am Abend…
… und am Tag

Aber auch das Leben mit den Hunden war etwas Neues für uns. Die beiden sind zwar primär Wachhunde, was bei dem etwas abgelegenen Haus sicher eine gute Idee ist, aber sie sind auch sehr gut erzogen, bzw. haben einen sehr guten Charakter. Coco als belgischer Schäfer ist der Alfahund und gibt den Ton an, Macey ist einfach nur drollig und völlig verschmust. Beide haben uns ja schon gekannt und so gab es keinerlei Probleme und sie haben uns als «Herrchen» beide akzeptiert. Die Gassirunde führt ums Kap herum auf die windzugewandte Seite der Halbinsel. Die Aussicht ist schlichtweg spektakulär. Es geht über einen Naturpfad über Wiesen, an Steilwänden am Meer entlang, sogar an ein Blow-Hole vorbei und weiter durch dichtes Gestrüpp bis man wieder auf den befestigten Weg zurückkommt. Anfänglich kannten wir den Weg noch nicht, aber Coco hat uns zielsicher geführt. Als wir uns etwas sicherer gefühlt haben, haben wir die Hunde von der Leine gelassen, aber sie haben immer wieder nach uns geschaut und auf uns gewartet. Sobald wir durch bewohntes Gebiet gelaufen sind, haben wir sie immer angeleint, denn es wimmelt dort von Hunden. Fort Jeudy ist eindeutig ein Upper Class Viertel und fast jedes Haus bzw. Anwesen hat ein oder häufig mehrere freilaufende Wachhunde auf dem Grundstück. Im besten Fall waren sie hinter Zäunen oder Mauern von der Strasse abgeschirmt, aber an einigen Häusern konnten die Hunde raus und dann wäre es nicht mehr lustig gewesen, wenn sie aufeinander los gegangen wären. In den meisten Fällen hat es gereicht, dass ich meinen Stock gehoben habe, aber als am letzten Tag ein grosser Rottweiler plötzlich AUF die Mauer hochsprang und sozusagen auf Augenhöhe vor uns stand, wurde es uns echt mulmig zu Mute. Zum Glück blieb er oben und wir trotteten von dannen.

Impressionen von der Gassirunde
Das Blow Hole

Am Montag den 10. Oktober war es endlich soweit – RARE BREED durfte nach dreieinhalb Monaten an Land wieder in ihr Element zurück. Wir hatten natürlich die Zeit an Land auch dazu genutzt, diverse Sachen im Unterwasserbereich anzupassen, die man nur machen kann, wenn das Boot nicht im Wasser ist. Entsprechend viele potentielle Leckstellen mussten sofort kontrolliert werden, als sie im Wasser war. Erst als ich alles überprüft hatte (alles war dicht!) und das OK gab und beide Motoren liefen, wurden die Gurte entfernt und wir konnten aus der Box fahren.

Der Moment der Wahrheit – Ist alles dicht?

Wir blieben noch zwei Tage an der Pier bei der Werft liegen um das Rigg zu spannen, die Segel anzuschlagen und das Boot nach der langen Pause wieder seeklar zu machen. Als wir dort lagen kam ein älteres Paar zum Boot und hat mich angesprochen (Biggi war beim Einkaufen). Er hätte die grössere Schwester von unserem Modell. Unser Bootstyp ist ziemlich selten, da nur eine Handvoll gebaut worden sind und so haben die Besitzer natürlich das Interesse sich untereinander auszutauschen. Wir hatten das grössere Boot natürlich schon lange auf dem Werftgelände gesehen, aber da nie jemand an Bord war kannten wir die Besitzer noch nicht. Nun standen sie neben unserem Boot und haben sich vorgestellt. Er hätte das Boot erst vor Kurzem gekauft und hat mich sofort mit Fragen gelöchert. Da ich gerade die Rigger an Bord hatte, haben wir uns für später am Nachmittag zum Kafi im Werftrestaurant verabredet. 

Kaum war Biggi zurück hat sie eine Kreditkarte vor unserem Boot auf der Pier entdeckt. Da sie niemanden von den Riggern gehörte, ging ich davon aus, dass der ältere Herr von eben sie verloren haben müsse.

Als wir ins Restaurant kamen sassen sie schon da und siehe da, die Kreditkarte gehörte ihm tatsächlich. Dass seine etwas unbeholfene Art sich später als roter Faden durch unsere Bekanntschaft ziehen würde wussten wir damals noch nicht. Was sie uns jetzt erzählten hat so ziemlich alles in den Schatten gestellt was wir bisher gehört hatten. Er, Raivo, sei 82 Jahre alt und als Kind während des zweiten Weltkriegs vor den Russen aus Estland nach Schweden geflohen. Über diverse abenteuerliche Wege kam er schlussendlich nach Kanada, wo er bis jetzt gelebt hat. Die Dame heisst Paula und war mit 79 nur unwesentlich jünger als er. Sie haben sich über das Internet kennen und lieben gelernt, hätten sich vor vier (!) Wochen das erste Mal gesehen und zwei (!!!) Wochen später auf Hawaii geheiratet. Wir waren sprachlos. «In dem Alter hätte man nicht mehr soviel Zeit und müsse schnell Nägel mit Köpfen machen». Wie wenn das nicht schon genug wäre – es ging weiter: Er habe das Boot gekauft ohne es zu sehen, hat keinen einzigen Segelschein und ist bisher nur ein paar Mal bei Freunden mitgesegelt. Paula hat noch nie im Leben einen Fuss auf ein Segelboot gesetzt (sie werde schon auf dem Kreuzfahrtschiff seekrank) und hat den Kat auf dem sie zukünftig leben und segeln wollen noch nicht mal von innen gesehen, weil sie zu viel Höhenangst hat um die Leiter hoch zu steigen. Dass sie ausserdem an Klaustrophobie leidet macht es auch nicht einfacher. Als sie dann auch noch erzählt, dass sie Glasknochen hat und eben zwei neue Hüftgelenke bekommen hat, wissen wir gar nicht mehr wie wir reagieren sollen. Ich schlage dann vor, dass sie doch zu uns an Bord kommen soll um wenigstens zu sehen wie die kleinere Version von ihrem zukünftigen Boot aussieht. Der Versuch scheiterte aber daran, dass sie es, wegen der kürzlich durchgeführten Hüft-OP, nicht schafft das Bein weit genug hoch zu bekommen um von der Pier zu uns rüber zu steigen.

Derweil hat mich Raivo mit Fragen gelöchert, die eindeutig belegen, dass er wirklich sehr wenig über Boote und deren Technik weiss.

Wir waren nach diesem Erlebnis völlig verwirrt. Einerseits bewundern wir die Energie und Zuversicht mit der sie in ihrem Alter an ein solches Projekt rangehen, andererseits schaudert uns vor der Naivität und die offensichtliche Selbstüberschätzung mit der Raivo unterwegs ist. 

Wenige Tage später waren wir mit dem Mietwagen unterwegs und sind auch wieder an der Werft vorbeigekommen. Wir haben die beiden im Restaurant sitzen sehen und sind zu ihnen hin um zu erfahren wie es weiter gegangen ist. Und wieder dieses Wechselbad der Gefühle. Raivo hatte schon die Unterwasserfarbe über meine Quelle besorgt und hat alleine (!) beide Rümpfe gestrichen. Das ist eine enorme Leistung für eine Person von seinem Alter! Paula sah aber wie ein Häufchen Elend aus und als wir ihr verbundenes Bein sahen verstanden wir auch warum. Sie sei gestürzt und hätte sich das Schienbein aufgeschlagen (erst später kam heraus, dass sie nach zwei Rumpunsch versucht hat die Treppe zu ihrem Appartement hoch zu steigen…). Sie seien am Tag vorher im Krankenhaus gewesen und hätten es verbinden lassen, aber es hätte sich entzündet und sie müsse wieder hin. Also haben wir beide (Raivo ist so gross wie ich) in unseren kleinen Mietwagen gequetscht und sind zum Krankenhaus los. Nach einem Viertel der Strecke fängt es an unruhig zu werden auf dem Rücksitz. Raivo hätte sein Handy nicht dabei. Ob es wohl im Rucksack im Kofferraum sei? Kaum am Strassenrand angehalten, reisst Raivo ohne zu schauen die hintere Autotüre zur Strasse auf. Dass das Auto heute noch eine Türe hat ist nur der schnellen Reaktion des überholenden Autofahrers zu verdanken, der es gerade noch geschafft hat auszuweichen…

Kein Handy im Rucksack. Also wohl doch im Restaurant liegen gelassen? Zehn Minuten später kann Raivo sein Handy von der Bedienung im Restaurant in Empfang nehmen. Auf den letzten Drücker vor dem Termin kommen wir im Krankenhaus an und Paula kann endlich zum Arzt. Die Wunde sieht nicht so gut aus und Paula bekommt neben einen neuen Verband eine Starrkrampfspritze und diverse Medikamente. Auf dem Weg zurück wird ihr schlecht und Biggi begleitet sie ins Appartement und hilft ihr ins Bett. Raivo geht unterdessen zum Boot, um für Paula etwas Eis zu holen damit sie ihren Arm kühlen kann. Es dauert fast 45 Minuten bis er endlich zurück ist. Er hätte der Paula noch einen frischen Smoothie gemacht…

Auf dem Heimweg waren wir sehr nachdenklich. Raivo ist zwar körperlich ziemlich fit, aber geistig manchmal wie in einer eigenen Welt und hat vor allem viel zu wenig Segelerfahrung um ein Boot zu führen, geschweige denn Verantwortung für andere (Paula) zu übernehmen. Paula hingegen ist geistig voll da, aber körperlich viel zu eingeschränkt um ein solches Leben zu führen. Irgendwie hat das Ganze uns sehr traurig gemacht und wir hoffen, dass die beiden trotzdem eine Lebensform finden um ihre restliche gemeinsame Zeit geniessen zu können.

Am zweiten Abend in Le Phare Bleu wurden wir zu einem kleinen Benefizkonzert auf einem grossen Katamaran eingeladen. Jeder bringt seine eigenen Drinks mit und spendet soviel er möchte. Die Spenden gingen zu Gunsten von einem kleinen einheimischen Jungen der wenige Tage zuvor von einem Auto angefahren worden ist. Seine Eltern können das Geld für die nötige medizinische Versorgung nicht aufbringen und so haben ein paar Segler spontan diesen Event ins Leben gerufen, um ihnen finanziell ein wenig helfen zu können. Das war ein cooles Erlebnis für einen guten Zweck.

Jetzt versteht man wieso man „Segeln auf der Barfussroute“ sagt.

Während der Wartezeit in Le Phare Bleu haben wir Uwe und Luise von der LUWINA kennen gelernt. Wir haben uns schnell gut verstanden und sind zusammen zum nächsten Hash. Dieser war wesentlich einfacher als die Schlammschlacht vor zwei Wochen und zudem ganz in unserer Nähe auf dem Gelände einer historischen Rumfabrik. Am Schluss gab es wie immer eine Bar mit kühlem Bier und ohrendbetäubend laute Musik.

Hash mit Uwe und Luise von der LUWINA

Da wir noch das Mietauto hatten, haben wir kurzentschlossen entschieden den Sonntag für einen gemeinsamen Ausflug zu nutzen. Über den Annandale Waterfall zu den Monaäffchen am Grand Etang Lake, den Concorde Falls und zum Schluss liessen wir den Tag in der schönen Badebucht Morne Rouge Bay ausklingen.

Wasserfälle
Wer schaut da ins Handy?
„Get the monkey off my shoulder…“
Abendstimmung in der Morne Rouge

Biggi wird am 6. November aus familiären Gründen nach Hause fliegen. Für uns heisst das, dass wir zusammen nach Martinique hoch segeln und Biggi von dort über Paris nach München fliegt.

Je nachdem wie lange Biggi in Deutschland bleibt, werde ich vor Anker in St. Anne auf sie warten oder mir eine Crew suchen und weiter nach Norden segeln, um Biggi dort wieder an Bord zu holen.

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Heimaturlaub mit Zwischenstopps

Heimaturlaub mit Zwischenstopps

01.08. – 22.09.2022, 4 Länder in 6 Wochen, Logstand seit Start 5774 sm

Zurzeit sind in der Karibik ein paar wettertechnische Störungen unterwegs. Hier auf Grenada nix schlimmes, aber heute morgen hat es so viel geregnet, dass wir beschlossen haben einen arbeitsfreien Tag einzulegen.

Links vom Roten Kreuz liegt Grenada, mitten in einer Tropical Depression

Na ja fast. Gegen Mittag sind wir zum Boot gefahren und haben ein paar Sachen geholt. Anschliessend ging es zu Treasure Trove – ein Gebrauchtteilehändler für Bootszubehör. Und tatsächlich haben sie es geschafft, während unserer Abwesenheit einige unserer Teile zu verkaufen. Der Erlös belief sich auf sage und schreibe 260 XCD (immerhin ca. 97,83 € 🤓). Aber da die junge Dame (die heute echt nicht gut drauf war, sie hing am Tisch mit dem Kopf auf der Tischplatte und schien kurz vor dem Einschlafen) nicht genug Geld in der Kasse hatte, haben wir halt nur 250 XCD erhalten. Vielleicht gibt’s den Rest beim nächsten Besuch. Und weiter gings in die Marina Le Phare Bleu zum Wäsche waschen. Pech für uns, dass aufgrund der erwarteten «Tropical Wave» das La Belle Vie Café und somit auch der angeschlossene Waschsalon geschlossen sind. No coffee – no laundry. 

Welcome to the caribbean way of life – take your time – no problem.

Jetzt sitz ich hier im Airbnb und lasse die letzten Wochen nochmals Revue passieren. Unsere 6-wöchige Reise in die alte Heimat, in die Schweiz und nach Bayern, inklusive einem 4-tägigen Aufenthalt in New York City. Alles Orte mit einer perfekten Infrastruktur, Läden en masse in den es alles zu kaufen gibt, Luxus im Überfluss an allen Ecken und Enden. Ich war gespannt, wie wir all das nach 9 Monaten Karibik wegstecken würden.

Aber erstmal Kofferchaos an den Flughäfen. Unsere Koffer haben es erst mit der nächsten Maschine aus Frankfurt nach Zürich geschafft.

Wir haben einen tollen Plan aufgestellt und freuen uns riesig darauf, ganz viele Verwandte und Freunde treffen zu können. In der ersten Woche läuft alles perfekt und wir können alle wichtigen Termine, wie Arztbesuche, Friseur, Applestore und Verabredungen wahrnehmen. Ziemlich genau eine Woche nach unserer Ankunft in der Schweiz hat dann Corona zugeschlagen. Jan hat es zuerst erwischt am Samstag. Schüttelfrost, Fieber und Husten haben ihn niedergestreckt. Zu dem Zeitpunkt gings mir noch prima. So bin ich schliesslich am Sonntag mit einem negativen Testergebnis in der Tasche regelrecht nach Bayern geflüchtet. Die Freude währte jedoch nicht sehr lang. Bis Dienstagmittag war alles noch ok, dann hat auch bei mir der Selbsttest «positiv» angezeigt. Langer Rede kurzer Sinn, wir waren beide für 3 Wochen ausgeknockt, schlapp beieinander und zu nix zu gebrauchen. Schweren Herzens haben wir eine Verabredung nach der anderen abgesagt. 

Zurück in der Schweiz – die Woche vor unserer Abreise – konnten wir nochmals richtig Gas geben und einige schöne Stunden mit netten Menschen verbringen.

Einfach unbezahlbar

Am 12. September sind wir leicht wehmütig in den Flieger nach Barcelona gestiegen.

Abends am Flughafen Zürich

Für eine Nacht haben wir im Hostal Portugal eingecheckt. Ein einfaches Zimmer für 60 Euro mit 2 Fenstern, die in Innenhöfe gingen und ein Etagenbad. Es war sauber, hatte einen gewissen Charme und ist super zentral gelegen, 5 Geh-Minuten von der La Rambla entfernt.

Upcycling von allen möglichen Dingen.
Zwei Fenster zum Hof.

Die La Rambla ist eine rund 1,2 km lange Promenade im Zentrum von Barcelona und endet am alten Hafen. Das hat sich wirklich gelohnt in der Stadt zu übernachten, so konnten wir auch ein klein wenig Sightseeing machen und feine Tapas essen.

La Rambla morgens um 10 Uhr
Ein „must have“ in Spanien – Tapas zum Lunch

Tags darauf ging bereits unser Flug nach New York City. Jan war noch nie dort und hat für uns ein 4-Tages-Power-Sightseeing-Programm erstellt. Mit dem City-Pass hat er bereits einige Aktivitäten im Voraus gebucht, was uns, wie sich herausgestellt hat viel Zeit und Nerven gespart hat. 

Unsere Unterkunft war – wie schon bei der Anreise – das Grand View Hotel in Flushing/Queens im asiatischen Viertel. Direkt vor dem Hotel hält der Bus, der uns zur nächsten Metrostation bringt. Da wir noch keine Metrokarten haben, nimmt uns der Busfahrer kurzerhand umsonst mit. Den Eingang in die Metrostation hätten wir glaub ohne Unterstützung von sehr hilfsbereiten Passanten nicht gefunden. Jetzt brauchten wir «nur noch» die Metrokarten. Die Automaten sind eigentlich einfach zu bedienen, aber unsere 4-stellige Postleitzahl aus der Schweiz in Verbindung mit der Kreditkarte hat einen Kauf verunmöglicht. Ein zu Rate gezogener New Yorker hatte sich sogar sofort bereit erklärt, die Metro für uns zu bezahlen, was wir dankend abgelehnt haben – das hätte unser «Problem» nur verlagert. Mit so viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft haben wir echt nicht gerechnet, New York ist auch nur ein Dorf. Zu guter Letzt haben wir die Metrokarten dann mit Cash und Angabe der Postleitzahl 99999 kaufen können 🤓.

Rückgeld in 1 $ Münzen – wusste gar nicht, dass es die gibt.

14.09.22 – Wir lassen es langsam angehen in der Stadt die nie schläft und fahren erstmal mit der Subway zum Grand Central Terminal. Eine imposante Baute, das muss ich schon sagen. Die berühmte Uhr dort müssen wir allerdings fast mit der Lupe suchen.

Grand Central Terminal mit der Whispering Gallery – wir haben es ausprobiert und es funktioniert 😎
Gefunden!

Wir schlendern durch die Stadt und gucken immer wieder fasziniert an den Wolkenkratzern hoch.

Der Besuch am World Trade Center lässt uns für einige Minuten innehalten. Die Erinnerung an die Terroranschläge vom 11. September 2001 kommt hoch. Auf Bronzebändern, die das Nord- und das Südbecken umranden, sind die Namen der 2977 Todesopfer eingraviert. 

Oculus, Haupthalle des Bahnhofs
Die U-Bahn-Haltestelle World Trade Center wurde vom spanischen Architekten Santiago Calatrava gestaltet

Zu Fuss geht es für uns weiter in Richtung Wall Street.

New York Stock Exchange – eher ein unscheinbares Gebäude

Der Charging Bull gilt als Erkennungsmerkmal der Wall Street. Mit 3,2 Tonnen Gewicht, 3,3 Metern Höhe und 6 Metern Länge soll die Statue den aggressiven finanziellen Optimismus und Erfolg durch seine angriffsbereite Haltung symbolisieren. 

Charging Bull
Manche Menschen fühlen sich genötigt, ihn an den Hoden zu berühren und sich dabei ablichten zu lassen 😂

Nach dem Treiben in der Wall Street und einer kleinen Stärkung geht es etwas gemächlicher zu auf der 1 1/2 stündigen Bootsfahrt mit der Circle Line. Los geht’s vom Pier 83 auf dem Hudson River, vorbei an Hudson Yards und Little Island, Richtung Lady Liberty und anschliessend unter der Brooklyn, Manhatten und Williamsburg Bridge durch, immer die Skyline von Manhatten im Blick. Ein schönes Erlebnis!

Lady Liberty

15.09.22 – Am Donnerstag haben wir vom Empire State Building einen wunderbaren Blick über New York geniessen können. 

Links mitten im Bild das Chrysler Building. Rechts ein Blick in die Tiefe (Selfiestick sei Dank 🤓)
Mittags sind wir kurz bei Macy’s rein. Erstens hatten wir Hunger und zweitens wollten wir mit einer der original Holzrolltreppen aus den Jahren 1920 bzw. 1930 fahren. 

Ein Spaziergang über die Brooklyn Bridge rüber nach Manhatten stand am Nachmittag auf dem Programm. Das sind gut 1,6 km und der Walk dauert ca. 40 Minuten – einschliesslich etlicher Fotostopps 😊

Ausgangspunkt Downtown Brooklyn über die Brücke nach Manhattan

Chelsea Market? Ja klar, da gehen wir hin. Viele kleine Geschäfte und einen Haufen Restaurants sind hier angesiedelt. In einem Store, in dem heimische Künstler ihre Ware anbieten, erstehe ich eine neue Handyhülle mit dem Graffiti von Ruth Bader Ginsburg. Nach der erfreulichen Shoppingrunde gibt’s erst mal zwei überteuerte Biere für 30 US$. 

Also verhungern muss hier niemand

Das Treiben auf dem Time Square ist tagsüber und abends der Hammer. Die riesigen Leuchtreklamen, die vielen Strassenkünstler, Bumble Bee, Hulk und Spiderman – das alles ist ein riesiges Spektakel – und wir mittendrin.

Das Empire State Building bei Tag und bei Nacht.
Mit unserem Ticket kommen wir abends nochmals aufs Empire State Building
Was für ein Ausblick
Ein Lichtermeer sondergleichen

16.09.22 – Mittlerweile haben wir uns zu ÖV-Cracks entwickelt und freuen uns jedes Mal wie die Schnitzel, wenn wir in die richtige Richtung fahren bzw. laufen. Nachdem alles so super läuft, entschliessen wir uns, am Freitag – vor dem Besuch des American Museum of Natural History einen Abstecher ins Herz von East Village zu unternehmen. 

Und das geht so:

Vor dem Hotel in den Bus Q25 bis Main Street Flushing -> Umsteigen auf Subway 7 bis Grand Central Station -> Umsteigen auf grüne Linie 4, 5 oder 6 Downtown bis 14th Street/Union – > Umsteigen auf graue Linie L Richtung Queens/Brooklyn -> Aussteigen bei 1st Avenue – paar Blocks laufen – easy oder 😂

An der Ecke 11th Street und 1st Avenue prangt das Graffiti meiner neuen Handyhülle von Ruth Bader Ginsburg – ich bin total begeistert!  

Ruth Bader Ginsburg. Eine Frau, die sich als Juristin und als Beisitzerin im höchsten amerikanischen Gericht, dem Supreme Court mit aussergewöhnlichem Engagement gegen Geschlechterdiskriminierung und für Minderheiten eingesetzt hat.
Gegenüber schaut Michael Jackson von der Hauswand auf uns runter. 

Am Nachmittag gehen wir ins American Museum of Natural History – wir wollen unbedingt den Blauwal und das Skelett vom Tyrannosaurus Rex in Lebensgrösse sehen.

Im Maul vom Megadolon konnten Jan und ich bequem nebeneinander stehen …
Central Park
Unsere Idee, die Eingangshalle des Guggenheim Museum zu besuchen fällt ins Wasser, da dieser und weitere Teile des Museums geschlossen ist.

17.09.22 – Unser letzter Tag in New York ist angebrochen. Heute schauen wir vom Top of the Rock über die Stadt. Unser Time Slot ist von 10 bis 12 Uhr, also machen wir uns um 8 Uhr auf den Weg. Wir können mit der Subway 7 bis zur 42nd St/Bryant fahren und weiter mit B, D, F oder M Uptown bis zum Rockefeller Center.

Geschafft 🤩
Von hier aus haben wir einen tollen Blick auf den Central Park.
Lady Liberty ist gut in der Ferne auszumachen und das Empire State Building ragt prominent in die Höhe.

Mittags schauen wir uns in Greenwich Village etwas um.

AIDS Memorial – zum Gedenken an die über 100’000 New Yorker, die an Aids gestorben sind

Die Menschen auf den Strassen sind allesamt relativ jung, die Strassencafé’s sind voll und der New York Cheese Cake im Mah Ze Dah schmeckt Jan vorzüglich.

Wo der New York Cheese Cake besser schmeckt, müsst ihr Jan fragen. Im Mai Ze Dah oder im Bubba Gump 😉

Wir spazieren am Hudson River Park entlang und kommen an Little Island vorbei. Riesige Pflanztröge wachsen zusammen zu einer grünen Oase, die zum Verweilen einlädt.

Wildlife New York

The Vessel – eine Mischung aus Gebäude, Kunstwerk und Monument. Es ist oval und besteht komplett aus Treppen, die durch Ebenen verbunden sind.

Nix für mich – viel zu wenig Wände …
Der Blick nach oben auch hier gewaltig.
Skateboarding is not a Crime
Das Flatiron Building (flaches Bügeleisen) an der Kreuzung 5th, Broadway und 23rd Street
Nur Unsinn im Sinn …
STOP WARS anstelle von STAR WARS
Rauchende Kanaldeckel – auch ein Wahrzeichen New Yorks
Im Thomas Paine Park stehen etliche dieser riesigen Holzkugeln
Auf dieser Rolltreppe war mir nicht mehr ganz wohl – für mich etwas zu steil 😬

Für die restlichen 843 Fotos von unserem New York Trip bucht gern unseren 3-tägigen Diavortrag 😂😂😂

Fazit 4 Tage New York 

  • Fitness: durchschnittlich pro Tag ca. 17’000 Schritte gelaufen
  • ÖV-km zurückgelegt: nicht rekonstruierbar
  • Ausgaben: wollen hier nicht genannt werden
  • Spassfaktor: hoch
  • will ich dort leben: nö

Am Sonntag um 4.44 AM (da war es noch finster) sind wir wieder am JFK und bereit für unseren «Heimflug» nach Grenada. Hab ich Grenada vermisst? Ja! Es ist schön, wieder hier zu sein. Entschleunigen – ab der 1. Minute. Gut, bis auf den Zoll, da kam kurz Panik auf wegen der mitgebrachten Ersatzteile für RARE BREED 😬 

Aber der Rest, was soll ich sagen, die Uhren hier gehen einfach anders, langsamer, kein Stress – nicht mal an der Kasse, wenn die Schlange durch den ganzen Laden geht.

Du denkst der Bus ist voll? Nö, da passt noch einer rein. 
Und aus der Tropical Depression wurde mittlerweile der Hurrikan Ian.
Schön wars unterwegs zu sein.

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No Pizza today!

No Pizza today!

30.06. – 31.07.2022, An Land auf Grenada, Logstand seit Start 5774 sm

Kaum war die Aufregung um den potentiellen Tropensturm vorbei, fing bei uns das Landleben an. Weil es auf der Werft keine gescheiten Sanitäranlagen hat, war ein Wohnen an Bord, wenn RARE BREED an Land steht schnell abgehakt. Die Werft selber verlangt ausserdem pro Person und Tag 5.- US$ «An Bord Wohnen Gebühr», was für die nicht gebotene Leistung völlig überrissen ist. Kein Wunder wohnt niemand an Bord, die meisten Boote sind sowieso «nur» abgestellt und verlassen. Die Eigner sind irgendwo nach Europa oder in die USA zurückgereist. Das heisst, die Werft ist zum grössten Teil ein ruhiger Bootsparkplatz – bis auf die Ecke wo wir stehen. Uns haben sie in der Arbeitsecke unmittelbar neben der Metallbauwerkstatt (grosser Vorteil!) und dem Platz, wo die Boote sandgestrahlt werden (grosser Nachteil!) hingestellt. Hier werden auch die lokalen Fischerboote und andere Yachten eher kurz abgestellt um daran zu arbeiten. Diese Ecke ist entsprechend dreckig, lärmig und geschäftig, wir fallen mit unserer Baustelle also gar nicht auf, sind aber erst recht froh nicht in diesem Dreck wohnen zu müssen.

RARE BREED in der «Arbeitsecke» mit den Fischerbooten

Wir hatten bereits beim ersten Besuch auf Grenada den Platz auf der Werft reserviert und uns eine airbnb-Wohnung für den Juli gemietet. So leben wir jetzt ein fast normales Landleben.

Unsere Bleibe an Land. Wohnzimmer und Essplatz mit Aussicht
Schlafzimmer und Gang

Morgens stehen wir um (oder kurz nach) sechs auf, um möglichst vor der grössten Hitze beim Boot zu sein. Der «Arbeitsweg» wird mit dem Auto zurückgelegt. Dann wird bis ca. 16 Uhr an Bord gearbeitet und danach sind wir wegen der Hitze und hohen Luftfeuchtigkeit ohnehin völlig geschafft.

Diverse Aussenarbeiten: abschleifen, malen und putzen

Auf dem Heimweg wird manchmal eingekauft und meistens machen wir einen Abstecher zum schönen Grand Anse Strand. Der Strand ist mit weissem Sand und glasklarem Wasser wirklich sehr schön. Um nicht völlig einzurosten laufen wir bis zum Ende vom Strand und zurück (ca. eine Stunde Fussmarsch) und hopsen dann ins Wasser. Der Strandspaziergang artet leider meist in eine Müllsammelei aus. Es steht hier alle paar hundert Meter ein Abfallkübel, aber die Leute bringen es fertig den Strand tagtäglich mit unzähligen Pappbechern, Pet- oder Glasflaschen und allerlei Plastik- und Chipstüten oder sogar Styroporverpackungen zu verschandeln. Jetzt ist absolute Tiefsaison und es hat nur vereinzelte weisse Touristen, aber der Strand ist tagtäglich voll mit Einheimischen die hier baden, joggen oder auch Party machen. Es geht uns einfach nicht in den Kopf rein, dass sie den Strand, den sie selber benutzen derart lieblos behandeln. 

Abendstimmung in der Grande Anse
Spuren im Sand
Der Flamboyantbaum blüht zur Mangozeit
Die Blüte ist wunderschön!

Wenn es langsam dunkel wird, kommen wir wieder in der Wohnung an. Nach dem Duschen und Essen sind wir beide so erledigt, dass es des Öfteren vorgekommen ist, dass wir zwischen 20 und 21 Uhr auf der Couch eingenickt sind.

Unsere To Do Liste ist in den letzten Monaten derart gewachsen, dass wir wirklich jede Ecke vom Boot aufgerissen haben, um an alle Sachen die wir warten, reparieren oder verbessern wollten ran zu kommen. Neben den üblichen Sachen wie das Unterwasserschiff abschleifen und neu malen, Motorenpflege usw. haben wir viele grössere Arbeiten eingeplant: So wurde der Mast gelegt und das ganze Rigg überprüft und einige Teile im Masttop erneuert. Die Gummischeuerleiste, welche rund ums Boot geht wurde entfernt, da sie geleckt hat. Stattdessen werden alle Schraubenlöcher mit Spachtelmasse gefüllt und das Ganze mit Glasfasermatten und Polyester ein für alle Mal abgedichtet. Dass das dringend nötig war haben wir bestätigt bekommen, als uns ca. 60 l Salzwasser entgegenliefen, als wir eher aus Zufall die beiden Crashboxen am rechten Bug geöffnet haben. Dort sollte es eigentlich staubtrocken sein… Im linken Bug war zum Glück aber alles trocken.

Da schwebt er, unser Mast
Mast am Boden und Mastkopf demontiert
Zuerst wird die «Gummiwurst» aus der Schiene gezogen…
…danach ca 150 Schrauben rausdrehen um die Schiene zu entfernen.
Wenn es fertig ist, sollte es so wie auf diesem «Probestück» aussehen, was aber noch im Rohzustand ist.
Demontage des Dachhimmels in den Achterkabinen um an die Unterseite vom Deck zu kommen…
… damit wir die neuen, stabileren Stützen für das Bimini (Stoffdach über dem Cockpit) mit Gegenplatten montieren können
Um die Wasserlinie höher zu ziehen wurde der untere Zierstreifen abgezogen
RARE BREED fertig abgeschliffen um eine neue Schicht von Antifouling (Antibewuchsfarbe) anzubringen

Wir haben einen mobilen Wassermacher, den wir bewusst gekauft haben, weil wir keinen fest eingebauten wollten. Damit haben wir uns eine aufwändige Installation im Boot erspart, aber den Nachteil in Kauf genommen, dass wir ihn jedes Mal an Deck aufbauen müssen, wenn wir Wasser machen wollen. Dies war vor Anker kein Problem, unterwegs konnten wir allerdings nur Wasser machen, wenn wir das Boot sehr langsam treiben liessen. Das war langfristig keine optimale Lösung und so haben wir jetzt einen Mittelweg gewählt: Der Wassermacher ist nach wie vor nicht wirklich eingebaut, aber der Ansaugschlauch wird nicht mehr einfach über die Bordwand ins Wasser gehängt, sondern ist an eine Einlassöffnung (Seeventil) unter Wasser im Motorraum angeschlossen. Was nach einer kleinen Modifikation tönt, hat uns insgesamt fast eine Woche beschäftigt bis alle nötigen Schläuche, Verteiler, Abstellhähne usw. installiert und quer durchs Boot gezogen waren. Im gleichen Rutsch haben wir auch die seit dem Start in Deutschland mitgeführte Deckspülpumpe installiert. Jetzt haben wir einen zusätzlichen Wasseranschluss am Heck, an dem wir Salzwasser rauslassen können. Das ist manchmal hilfreich, wenn man etwas vorspülen will oder um die Sauerei nach dem Fischfang zu beseitigen. 

Das neue Zuhause vom Wassermacher

Es waren natürlich auch weniger schöne Aufgaben wie der Einbau einer neuen Fäkalientankabsaugpumpe (zwei Tage Sch…arbeit) und das Zerlegen und Warten des WCs dabei. Jetzt können wir wenigstens den Fäkalientank elektrisch leeren und müssen nicht stundenlang in der Dusche sitzen und mit der Handpumpe alles abpumpen.

WC-Wartung…
… und Einbau eine neuen elektrischen Fäkalientankpumpe.
Manchmal braucht es drei Hände und manchmal hat es fast keinen Platz für eine…
Und natürlich entsteht beim Arbeiten im Boot an Bord ein geordnetes Chaos, bzw. muss alles x Mal umgestaut werden um an alle Ecken ran zu kommen. Unser ganzer Hausrat ist während der ganzen Zeit nämlich immer noch an Bord. Links im Bild sieht man wie es aussieht, wenn Biggi (die Tetris-Queen) alle(!!) Matratzen, Kissen, Sitzpolster usw. vom Boot ins vordere Bad reingepfercht hat.
Nach dem Stellen des Mastes muss die gesamte Mastverdrahtung wieder angeschlossen werden
Danach lief der Windmesser nicht mehr. Der Grund war mit dem abgerissenen Kabel am Instrument schnell gefunden.

In unserem ewigen Kampf Gewicht einzusparen musste auch der defekte Boiler dran glauben. Seit Martinique haben wir ihn nicht mehr verwenden können. Da er schon 20 Jahre alt ist, war er mangels Ersatzteilen unreparierbar und wurde so zu unnötigem Ballast, den wir los werden wollten. In den warmen Gefilden wo wir uns rumtreiben ist warmes Wasser zum Duschen ohnehin überflüssig, also «furt mit Schade». Als Langzeitsegler wird man zwangsläufig beim ewigen Reparieren ein wenig zum Alles(fast)könner. Aber eben nur fast, denn das bei uns verwendete Wasserrohrsystem aus starren Rohren statt Schläuchen, kannte ich nur vom Hörensagen. Jetzt musste ich es zerlegen, aber vor allem wieder anders zusammenbauen und dabei alles dicht behalten. Dass die in diesem System verwendeten Gewinde anders als die üblichen Gewinde der mir bekannten Rohrverbinder waren, weiss ich jetzt auch. Dass unsere Wasserpumpe einen ziemlich grossen Druck aufbaut, habe ich dabei auf die nasse Tour gelernt. In meiner Naivität, dass ich die beiden Leitungen «kurzfristig schon mit den Daumen dicht halten kann…» habe ich Biggi gebeten, die Pumpe einzuschalten. So wurde unsere Schlafkabine (dort unten im Motorraum wohnte der Boiler) kurzfristig zum Erlebnisbad. Unglaublich wieviel Wasser da in wenigen Sekunden durch die Gegend spritzen kann. Das heisst wohl nicht umsonst DRUCKwassersystem…

Boilerausbau mit Tücken

Einige Originalteile vom 20-jährigen Boot waren inzwischen so altersschwach, dass man sie wirklich dringend ersetzen musste. Da ist oft nix mit einem passenden Ersatzteil kaufen, stattdessen müssen die Dinger erst angefertigt werden. Dabei hatten wir das Glück, Dexter, den jungen Metallbauer/Schweisser von der Werft engagieren zu können. Er hat präzise und vor allem sehr schön alle unsere Ideen umgesetzt. Jetzt ist der Edelstahlbügel mit den Solarzellen drauf endlich wirklich stabil genug. Die ursprünglich angebrachten Diagonalverstrebungen waren einfach zu schwach und wurden durch eingeschweisste Rohre mit grösserem Durchmesser ersetzt. Am Heck sind Öffnungen, um die Motoren mit Frischluft zu versorgen. Die Originalplastikgitter davor waren völlig zerbröselt und wurden durch Edelstahlblenden auf Mass ersetzt. Und zu guter Letzt hat Dexter uns aus zwei M10er Bolzen neue Borddurchlässe gebaut, die die alten Plastikteile ersetzen. Dazu hat er durch die Bolzen ein langes 5 mm Loch gebohrt – Präzisionsarbeit.

Neue Entlüftungsöffnung für das Kühlwasser vom Motor
Unseren Salontisch haben wir fast nie gebraucht, daher wurde ein Lounge-/Schlafbereich daraus gemacht. Es ist alles in wenigen Minuten zerlegbar und den Tisch gibt es natürlich doch noch. Er hat eine eigene Halterung bekommen und verschwindet bei Nichtgebrauch unter der Liegefläche.
Michael Scott, der Inhaber von Sunshine Canvas, der für uns alles was mit Nähen zutun hat, gemacht hat

So haben wir vieles wirklich verbessert und vor allem darauf ausgerichtet, RARE BREED sicherer, trockener und bequemer für längere Strecken zu machen. 

Der Island Water World Marine Store hatte alle Teile, die wir brauchten um in allen vier Crashtanks Pumpen zu installieren
Beim Testen der Ankerwinsch haben wir entdeckt, dass die Verkabelung arg vom Rost zerfressen war. Also musste das kleinste Crewmitglied in den Ankerkasten steigen…
… um die zerbröselnden Lüsterklemmen durch wasserdichte Verbindungen zu ersetzen. Bei diesen Temperaturen im stickigen Ankerkasten mit dem Heissluftföhn zu arbeiten ist schon etwas grenzwertig!

Ohne Auto wären wir hier völlig aufgeschmissen. Erstens liegt die Wohnung oberhalb von St. Georges und damit an der Westküste, die Werft aber in der Prickley Bay an der Südküste. Ausserdem mussten wir häufig in den verschiedenen Hardware Stores und Schiffszubehörläden, die natürlich weit verstreut liegen, nach Teilen und Verbrauchsmaterial suchen. Dabei ist meistens Biggi gefahren, da sie besser sieht. Am Anfang wegen der prekären Strassenverhältnisse und dem Linksverkehr noch etwas zaghaft, aber nach einigen Tagen ging es ganz flott zur Sache. Obwohl vor allem die vielen Minibusse (Taxis) wie die Henker fahren und es alle paar Meter tiefe Schlaglöcher oder «Speed Bumps» hat, ist es meistens ziemlich entspannt. Die Autos halten mitten auf der Strasse um mit dem Entgegenkommenden ein Schwätzchen zu halten, während dahinter die Schlange von wartenden Autos schnell länger wird. Aber niemand stört’s, dann wartet man halt ein paar Minuten bis es schliesslich wieder weiter geht. Parkplätze sind hier eher unbekannt. Wenn man das Auto abstellen muss, dann macht man das einfach auf der Strasse und blockiert wegen den schmalen Strassen hier einfach eine Spur. Das heisst, alle naselang muss man anhalten, weil der Verkehr wegen abgestellter Autos nur über eine Spur läuft. Und wenn es zu eng wird, dann steht der erstbeste Nachbar vom Stuhl vor seinem Haus auf, stellt sich auf die Strasse und regelt den Verkehr. Wenn es dann mal doch fast kracht und man in letzter Sekunde zum Stillstand kommt, schauen sich die «Kontrahenten» nur verdutzt an und fahren dann langsam weiter. Kein Hupen, kein Fluchen und kein Schimpfen. «Shit happens, so keep cool man!» 

Der Strassenverkehr und die Zustände der Fahrzeuge auf Grenada würde jedem Verkehrspolizisten in Europa Angstschweiss auf die Stirn treiben. Man beachte die interessanten Reifenprofile im linken oberen Bild.
Farbenfrohe Häuser und „interessante“ Bars
Fischmarkt in St Georges – Kühlung Fehlanzeige! Aber der Fisch ist fangfrisch und geht hoffentlich so schnell weg, dass es auch ohne Kühlung geht.

Die Autovermietung ist auch etwas speziell. Wir haben natürlich die günstigste Option rausgesucht und das Auto von einem kleinen indisch stämmigen Familienbetrieb bekommen. Versicherung? «No Worries, einfach anrufen, wenn etwas ist und wir finden eine Lösung.» Nix Kreditkarte, nur Bares ist Wahres. Als wir eines Morgens während der dritten Leihwoche zum Auto kamen, hatten wir hinten einen Plattfuss. Das war nicht einfach ein kleines Loch, nein, der ganze Reifen war so zerfetzt, dass die Karkasse an mehreren Stellen rauskam. Fünfzehn Minuten nach dem Anruf, war der Sohn des Vermieters mitsamt Ersatzrad bei uns und hat eigenhändig das Rad ausgewechselt, Kosten – keine! Aber die abgenommene Radkappe mussten wir wieder mit Kabelbinder sichern, denn wenn wir die verlieren würden, müssten wir sie selber zahlen…

Dieser Reifen ist definitiv am Ende seiner Lebensdauer angekommen!

Über Freunde von einem Schweizer Boot haben wir den Tipp bekommen, dass man über einen «Pusher» Antibewuchsfarbe aus Trinidad bestellen könne. Sie sei besser als die hiesige und vor allem massiv billiger. Also haben wir die Person über eMail angeschrieben und bestellt. Per Mail war er sehr kurz angebunden, fast schon feindselig erschienen. Und so war ich dann doch etwas skeptisch als er meinte ich solle die Farbe im Wert von 1’000.- US$ in seinem Laden bezahlen und dann bringe er sie zum Boot. Über den gleichen Freund haben wir dann seine Telefonnummer bekommen und ihn angerufen. Am Telefon war er die Freundlichkeit in Person und hat sofort eingewilligt, dass wir uns treffen, er die Farbe mitbringt und wir ihn Cash zahlen. Gesagt getan, am Morgen darauf haben wir am vereinbarten Ort gewartet, als ein grosser und sehr neuer SUV angebraust kam. Als der Typ ausstieg mussten wir heimlich grinsen, denn der Bär von einem Mann sah aus wie die Parodie eines Rappers: Coole Klamotten, Sneakers und fingerdicke Goldketten um den Hals und schwere Klunker an den Händen. Herzliche Begrüssung und dann hat er mir den 5-Gallonen (ca. 19 l) Eimer aus dem Kofferraum gehoben, als wenn es ein kleines Marmeladenglas gewesen wäre. Als ich nach den restlichen bestellten Sachen (Grundierung und Verdünner) gefragt habe, hat er gemeint «Doof, die hätte er vergessen» Aber alles kein Problem, ich soll die Farbe (im Wert von 870 US$) jetzt mitnehmen und ihm alles zusammen bezahlen, wenn er mir den Rest bringe. Sei ja kein Problem, er hätte ja jetzt meine Telefonnummer und weg war er. Wir sassen im Auto und haben uns nur angeschaut und – wieder einmal – festgestellt, dass wir viel zu häufig misstrauisch sind und fremde Leute oft falsch einschätzen. Die fehlenden Sachen wurden übrigens prompt am Tag danach geliefert.

Unsere Wohnung liegt auf einem Hügel «Mount Edgecombe» inmitten vom Dschungel mit einer wunderbaren Aussicht über den Hafen von St. Georges. Sie ist Bestandteil eines 200 Jahre alten und grossen Anwesens, das «Fisher House». Es gibt keine Klimaanlage aber auch keine Glasfenster, sondern alles ist offen und nur mit Insektengittern nach aussen abgrenzt. Dadurch ist es gut vom Wind durchlüftet, aber am Nachmittag wird es schon sehr warm in der Wohnung. Leider schliessen die Insektengitter nicht überall dicht ab und so begegnen wir ab und zu irgendwelchen Insekten in der Wohnung. Bis jetzt nicht wirklich Schlimmes, aber als wir das erste Mal einen ca. 15 cm langen Wurm mit ganz vielen Beinchen im Schlafzimmer fanden, wurde es kurz etwas hektisch. Hier gibt es nämlich Hundertfüssler, die einen extrem schmerzhaften Biss verursachen können. Dagegen sollen Bienenstiche die reinste Wohltat sein. Unser Exemplar war wohl ein harmloser Tausendfüssler, aber als wir das realisiert hatten, war er schon mausetot.

Wohnen quasi im Dschungel.
Tierwelt in und um der Wohnung: Kröten, Geckos, Tausendfüssler und riesige Falter (dieser hier war ca. 10 cm lang!

Im Garten um das Haus hat es ganz viele Mangobäume und die Vermieterin wusste nicht mehr wohin mit all den Mangos die alle im Juli reif werden. Und so haben wir geholfen wo wir konnten und Mangos gegessen soviel wir konnten. Und jeden Sonntag hat Biggi einen Mangokuchen gebacken, von dem die Vermieterin und vor allem ihre 99-jährige Mutter immer ein Stück bekommen haben. Win/Win Situation.

Mango bis zum Abwinken
Kaum zu glauben wie schnell der grösste Kühlschrank an seine Grenzen kommt, wenn Biggi freie Hand hat…
Mangokuchen in allen Variationen

Biggi hat die (im Vergleich zum Boot) grosse Küche genossen und jeden Abend mit Freude die Kochutensilien geschwungen. Ab und zu sind wir trotzdem auswärts essen gewesen, oder haben es wenigstens versucht. Unmittelbar neben der Werft liegt ein kleines Restaurant, welches uns schon mittags mit wirklich leckeren Focaccias überrascht hat. Das war endlich wieder richtiges krosses Brot, hier bekommt man meistens nur weiches Weissbrot. Der Besitzer solle Italiener sein und seine Pizzas seien echt gut. Also haben wir extra am Samstagnachmittag gefragt, ob es abends Pizza gäbe. «Es gibt jeden Tag Pizza!». Also haben wir einen Tisch am Wasser für den Abend reserviert und uns auf Pizza gefreut. Abends kamen wir frisch geduscht und herausgeputzt ins Restaurant und haben unseren Tisch bezogen. Als wir bestellen wollten hiess es lakonisch «No Pizza today!» und das, obwohl ich wenige Stunden vorher bestätigt bekommen habe, dass sie immer Pizza servieren würden. Etwas frustriert sind wir von dannen gezogen und haben uns ein anderes Lokal gesucht, denn nachhause um zu Kochen wollten wir dann doch nicht. War dann schlussendlich auch fein, aber eben keine Pizza…

Schöne Aussicht auf die Prickley Bay, aber heute leider keine Pizza

Unsere Freunde Gottfried und Sandra waren in der letzten Tagen ihres House- and Dog Sittings gekommen und wir haben noch ein letztes Mal die Vorzüge des wunderschönen Hauses mit dem Infinity Pool genossen.

Kleiner Pool mit grandioser Aussicht
Hier lässt es sich gut leben!

Gottfried und Sandra’s Boot, die MOANA steht hier zum Verkauf und sie fliegen zwei Tage vor uns von hier nach Südafrika, wo ihr neuer Katamaran gebaut wird. Ziemlich genau ein Jahr haben wir uns immer wieder getroffen und sie werden uns fehlen!

Ja und wir? Wir fliegen entgegen der ursprünglichen Planung jetzt doch für etwa fünf Wochen nach Europa um Verwandte und Freunde zu treffen und andere anstehende Sachen zu erledigen. Nach unserer Rückkehr im September werden die letzten To Do’s auf RARE BREED abgeschlossen und wir gehen (hoffentlich) im Oktober wieder mit ihr ins Wasser.

Vorerst mal „Bye, bye, Karibisches Meer!“

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Eine Mango für 1$, drei für 5$… ;-)

Eine Mango für 1$, drei für 5$… ;-)

24.05. – 29.06.2022, Carriacou – Grenada, Logstand seit Start 5774 sm

Nach dem Einklarieren haben wir Tyrell Bay auf Carriacou schnell wieder verlassen und sind die wenigen Meilen bis Sandy Island getuckert, um dort ein wenig Sandstrandfeeling zu geniessen bevor es auf Grenada ins Sommerlager an Land geht. 

Strandleben auf Sandy Island
Biggi bei ihrer „Lieblingsbeschäftigung“ – Müll einsammeln

Wegen eines Stromproblems (die Batterien haben keine Ladung mehr angenommen, obwohl die Sonnenzellen brav laden wollten) mussten wir allerdings früher als geplant nach Grenada gehen. Wir brauchten interimsmässig einen Landstromanschluss und haben daher entschieden, nochmals in die Le Phare Bleu Marina zu gehen, in der wir schon im Januar gelegen waren.

Alle drei Solarregler hatten in den letzten drei Tagen trotz viel Sonne immer weniger Strom in die Batterien pumpen können. Da war etwas faul!

 

Die Überfahrt nach Grenada war ein schöner Abschluss der Segelsaison und wir sind mit gutem Wind der Ostküste entlang bis zur Südspitze von Grenada gesegelt. Da dies die windzugewandte Seite der Insel ist, sind wir gut vorangekommen und konnten bis kurz vor dem Hafen segeln. 

Der hat aber knapp vor unserem Bug gekreuzt. Unsere Route.

Ein letzter Angelversuch hat tatsächlich einen Biss gebracht. Beim Einholen sahen wir, dass es ein relativ grosser Barrakuda war. Da die grossen Barrakudas oft Träger von den Ciguatera-Bakterien sind, waren wir nicht unfroh, als er sich im letzten Moment losgerissen hat. Dumm nur, dass er dabei unseren erfolgreichsten Köder mitgenommen hat. 

Barrakuda am Haken

Ciguatera ist eine heimtückische Krankheit, die bei Fischen in tropischen Gewässern weit verbreitet ist. Das Ciguatoxin wird von Algen auf den Korallenriffen über die Nahrungskette im Fleisch der Raubfische, die in den Korallenriffen jagen eingelagert. Die Fische selber scheinen keine Probleme zu haben, aber ab einer gewissen Konzentration kommt es bei Menschen zum Krankheitsausbruch. Das heisst, je mehr infizierten Fisch man isst, desto grösser wird die Chance einer Erkrankung. Es ist allgemein bekannt, welche Fische Träger von Ciguatera sein können und Zackenbarsche und Barrakudas als Riffbewohner gehören zu den bekanntesten. Je grösser der Fisch desto grösser die Menge an im Fleisch eingelagerten Ciguatoxin. Thunfische und Goldmakrelen sind als Hochseejäger nicht Träger der Krankheit. Interessanterweise ist es aber auch ein lokales Phänomen, es gibt Riffe die sind gar nicht betroffen und solche wo es ganz schlimm ist. Im Zweifelsfall ist es besser vom Letzteren auszugehen.

So blieb uns ein Monat zum «Überbrücken» bis RARE BREED an Land gestellt werden sollte. Das Liegen in der Marina ist zwar nicht ganz billig, aber wenn man einen Monat bucht sind die Preise erträglich. Und wir konnten den Luxus von Wasser und bequemem Landzugang geniessen. Zudem wollten wir einige Arbeiten, für die man nicht aus dem Wasser muss, schon mal machen, und das ist in der Marina einfacher als vor Anker.

Vollmond über Le Phare Bleu
Das frisch gemalte Light Ship, ehemals „Västra Banken“
Anfangs Hurrikansaison werden die Hurrikan-Bojen vor der Marina ausgebracht. Dabei wurden einige Leinen neu gespleisst. Das sind rechte Kaliber – siehe Grössenvergleich im rechten Bild. Wenn sie da schon gewusst hätten, wie schnell sie zum Einsatz kommen würden…

Das Zurückkommen nach Grenada und vor allem in die Le Phare Bleu war auch wie ein Heimkommen. Wir haben viele alte Bekannte wiedergetroffen. Dass kurz nach unserer Ankunft ein Konzert von Sabrina Francis in Le Phare Bleu stattfand war natürlich ein willkommenes Highlight. Diese junge Sängerin ist in Grenada sehr populär und macht Afro-Karibischen Pop und R&B. Als Marinagäste haben wir sogar Gratiseintritte bekommen. Das Konzert war unter anderem sehr schön, weil es unter freiem Himmel und unmittelbar neben dem Strand stattgefunden hat. Sabrina singt an allen möglichen Anlässen, zum Beispiel manchmal auch am Sunday BBQ auf Hog Island (Videolink – schau mal rein, wenn du Lust hast).

Unsere Eintrittsbänder
Die Location mit Bar und offenes Feuer am Strand
Sabrina and Friends
Coole Performance!

Neben dem Arbeiten haben wir uns auch die Zeit genommen die Annehmlichkeiten vom angegliederten Resort (Pool und Restaurant) und natürlich die wöchentlichen Events wie Friday Karaoke Night und Chicken Wings Special am Mittwoch zu geniessen.

Friday Night Karaoke im Light Ship
Der „Beer Bucket“ zur Happy Hour und die Chicken Wings

Inzwischen waren die Temperaturen spürbar gestiegen. Zusammen mit der hohen Luftfeuchtigkeit ist das eine Mischung, die jede körperliche Tätigkeit zur echten Anstrengung werden lässt. So haben wir unsere Tage stark nach dem Wetter gerichtet. Morgens als es noch etwas «kühler» (also knapp unter 30°…) war, haben wir unseren Morgensport gemacht.

Pause im Morgensportprogramm

Danach sind wir ins Wasser gehopst und an Land geschwommen, haben uns am Pool abgeduscht und noch schnell ein paar Runden im Pool gedreht. Danach gab es Kafi und Frühstück. Anschliessend haben wir ein paar Stunden gearbeitet und sind zwischendurch nochmals ins Wasser gehopst. Spätestens gegen halb sechs war Feierabend und ein letzter Poolbesuch angesagt, bevor irgendwann das Abendessen auf dem Tisch stand.

Und nein, es gab nicht jeden Tag die Tagessuppe 🙂 Der Strand in der Le Phare Bleu

Selbstverständlich haben wir auch ab und zu «blau gemacht» und Ausflüge oder einfach etwas anderes unternommen. Ein eindrücklicher Ausflug war zum Levera Beach im Norden von Grenada, um Lederschildkröten bei der Eiablage zu beobachten. Die Schildkröten kommen nur nachts an Land, also fährt man erst am Abend los. Die Taxifahrt war schon ein Erlebnis für sich. Wir sind als einzige weisse Touris in einem rappelvollen Minibus mitgefahren. Die zehn anderen Insassen waren Lehrer von der Uni in St. Georges. Es waren allesamt junge Leute und die Stimmung entsprechend fröhlich und ausgelassen. Kaum waren wir eingestiegen, wurde Biggi schon ein Bluetoothlautsprecher in die Hand gedrückt und ab dann schallten laute Disco- und Socabeats durch den Bus. Die anderen kannten sich alle und hatten sich die Versorgung mit Speis und Trank untereinander aufgeteilt. Wir als langweilige Europäer hatten uns belegte Brote und Wasserflaschen eingepackt. Ganz anders die Einheimischen, da kamen grosse Tüten mit dem Logo einer bekannten amerikanischen Fastfoodkette aus Kentucky und grosse Kühlboxen mit eisgekühlten Bier- und Limoflaschen zum Vorschein. Nach einem mitleidigen Blick auf unsere Stullen wurden wir selbstverständlich mitversorgt. Der Frittengeruch war noch am Tag danach in den Haaren zu riechen…

Busfahrt und Einführung vom Park Ranger

Ausserdem wurde immer wieder aus für uns unerklärlichen Gründen angehalten und jemand sprang raus um etwas zu besorgen oder sich die Beine zu vertreten. Um den Zeitplan einzuhalten hat Phillip der Chauffeur trotz strömenden Regens kräftig aufs Gas gedrückt und wir waren ganz froh, dass wir zuhinterst im Bus sassen. Wer die Fahrweise und den Zustand der Strassen in Grenada kennt und dies mit Dunkelheit und Regen kombiniert weiss, dass eine Fahrt in einer Achterbahn dagegen die reinste Entspannung ist!

Irgendwie kamen wir dann doch heil und sogar rechtzeitig an. Nach dem Bezahlen des Beitrags an die Park Ranger und einer kurzen Einführung sind wir die letzten Meilen zum Strand gefahren und haben gehofft, dass sich eine Schildkröte blicken lässt. Um kurz vor 22 Uhr war es dann soweit und wir wurden vom Park Ranger zum Strand geführt, an dem eine ca. 1.75 m grosse Lederschildkröte am Graben war. Solange sie gräbt, sollte man ihr nicht zu nahe kommen, um sie nicht zu stören. Sobald sie mit der Eiablage beginnt verfällt sie in eine Art Trance. Das ist der Moment, in dem man näher ran gehen kann um alles besser beobachten zu können. Weisses Licht oder Blitzen war verboten und daher haben alle Besucher rote Stirnlampen benutzt. Die ganze Prozedur muss unheimlich anstrengend für die Schildkröte sein und dauert mit ausgraben, Eiablage und wieder zu graben zwei bis drei Stunden. Als die Schildkröte wieder ins Meer verschwunden ist, sind wir müde aber glücklich zum Bus zurück. Wir hatten das Glück eine Schildkröte zu sehen und ausserdem hat der Regen während der ganzen Zeit Pause gemacht. Kaum waren wir im Auto ging der Regen wieder los. 

Lederschildkröte beim Buddeln

Andere haben den Ausflug ein paar Tage nach uns gemacht und an beiden Abenden wurde keine Schildkröte gesichtet. Da man für diesen Ausflug von der Phare Bleu aus hin und zurück 4-5 Stunden mit dem Auto unterwegs, ist das natürlich schade, aber die Natur lässt sich nicht beeinflussen.

Mitte Juni konnte ich meinen 60. Geburtstag feiern und seither haben wir ein weiteres schwedisches Crewmitglied an Bord.

Darf ich vorstellen: Olaf der Elch!

Als Reto und Sue von der SURET entgegen ihres ursprünglichen Plans doch auch nach Grenada runterkamen, haben wir uns natürlich sehr gefreut und ein paar schöne Tage zusammen mit ihnen verbracht. Zusammen sind wir mit dem Dinghy zum Sunday Beach BBQ nach Hog Island gedüst, mit dem öffentlichen Bus zum Markt nach St. Georges gefahren und haben zu guter Letzt die Karaoke Night auf dem Light Ship in Le Phare Bleu genossen. Danach haben sich unsere Wege erneut getrennt und sie sind weiter nach Los Roques und den ABC-Inseln (Niederländische Antillen: Aruba, Bonaire und Curacao) gesegelt, während wir unseren «An Bord Werkeln»-Alltag hier auf Grenada weitergeführt haben.

Louis Vuitton Sofa als Bushaltestelle, Landkrabbenverkauf am Markt in St. Georges
Coole Arbeitseinstellung 🙂
Mit Sue und Reto von der SURET auf Hog Island

Als wir Anfangs Juni nach Le Phare Bleu kamen, war die Marina noch zu drei Viertel leer. Im Laufe der Zeit als wir hier lagen hat sie sich zusehends gefüllt, und zwar zum grossen Teil mit Booten die Kinder an Bord haben. Innert kürzester Zeit sind um die 10-15 Kinder in allen Altersstufen auf den Stegen unterwegs gewesen. Da wurden Krabben gefangen, Sachen gebastelt und allgemein rumgerannt. Morgens war es mehrheitlich ruhig, da die meisten Kids an Bord blieben fürs Home Schooling, aber ab dem frühen Nachmittag war Ramba-Zamba. Und der ehemals beschauliche Pool wurde zum brodelnden Kinderbad. Also haben wir so oft wie möglich die ruhigen Stunden am Vormittag für den täglichen Poolbesuch ausgenutzt.

RARE BREED in einer (noch) fast leeren Marina

Juni und Juli werden die Mangos reif und da es von Mangobäumen nur so wimmelt hat es viel zu viel Mangos als dass man sie alle ernten könnte. Das heisst, es liegen überall am Strassenrand Mangos rum, einige natürlich geplatzt und überreif, aber mit ein bisschen schauen findet man immer welche, die noch tadellos sind. Wir haben, wie alle anderen, natürlich auch gesammelt als wir unterwegs waren. Dexter und Felix, zwei kleine Buben vom Nachbarsboot haben prompt einen Mangoverkauf gestartet und sind zu allen Booten hin und haben ihre Ware angepriesen: «Eine Mango für 1$, drei für 5$!». Ihr Rabattmodell war zwar etwas «speziell», aber der Lacher war uns natürlich die 5$ wert! 

Alles vom Strassenrand „gepflückt“

Im Laufe der ersten paar Juniwochen kamen wir doch schon gut mit unseren Arbeiten voran und haben angefangen im Boot ein wenig umzubauen. Als erstes wurde ein Ventilator montiert. Die Montage ging ja schnell, aber der elektrische Anschluss hat ungefähr vier mal so lange gedauert…

Ist ja nur zwei Kabel zu ziehen und anzuschliessen… bis er endlich lossurrt.

Den Tisch im Salon nutzen wir selten, da wir immer draussen essen. Und er nimmt soviel Platz weg, dass man gar nicht so richtig bequem auf dem Sofa «hängen» kann. Also haben wir entschieden unsere Sitzbank und Tisch im Salon zur Lounge umzubauen. Dabei ist auch eine neue Schlafmöglichkeit im Salon entstanden, die viel luftiger als die in der Kabine ist. Gerade in diesem tropischen Klima hier ist es eine Wohltat, wenn man beim Schlafen viel Luftzirkulation hat. Und wenn wir nachts segeln ist es einfacher, wenn die Freiwache nahe beim Cockpit ist. Das Holzfundament für die Lounge ist nur zusammengesteckt, damit man alles schnell entfernen kann, wenn man doch mal den Tisch brauchen möchte. 

Gesägt wird im Cockpit
Die Unterlage für die „Lounge“ wird aus Holz gebastelt
Jetzt fehlt nur noch eine passende Matratze.

Unser Lazy Bag (die Stoffhülle auf dem Baum in der das Grosssegel verpackt wird), welches vom Segelmacher in Fehmarn gemacht wurde, war von Anfang an ein Murks. Es war hinten viel zu kurz und eng, dafür hat vorne um den Mast herum alles geschlackert. Nachdem ich jedes Mal beim Segeleinpacken Zustände bekam und der Reisverschluss fast nicht zu zu bekommen war bzw. wegen der Spannung auch eingerissen ist, hatte ich genug. Also haben wir uns von verschiedenen Betrieben Offerten für ein neues Lazy Bag geben lassen. Und als wir schon dabei waren, auch gleich für Reparaturen am weissen Sonnendach und am Bimini (Stoffdach über dem Cockpit). Schatten und Sonnenschutz für Mensch und Segel ist in diesen Breitengraden unabdingbar. Dabei muss alles ganz genau zugeschnitten sein, damit es bei dem vielen Wind hier nicht so stark flattert. Bei uns war das alles ein wenig zu lose und in den vergangenen windigen Monaten hatte es sich schon an einigen Stellen kaputtgeflattert.

Hier gibt es eine sehr aktive Facebook Gruppe «Grenada Cruisers Information». Dort findet man allerlei nützliche Informationen, unter anderem auch Empfehlungen zu lokalen Anbietern von Dienstleistungen. Die beiden beliebtesten Canvas-Läden haben wir um eine Offerte gebeten und Michael von Sunshine Canvas hat sowohl den besten Eindruck wie auch einen attraktiven Preis und prompte Ausführung geboten. Nach der Zusage am Donnerstag kam das fertige Lazy Bag schon am Montagmorgen, und es hat auf Anhieb gepasst! Auch das neue Sonnendach war sehr schnell fertig und sass wie eine Eins. So etwas hätten wir uns hier nicht erwartet. Michaels flapsiger Spruch «Don’t waste time with others, come directly to Sunshine Canvas” hat durchaus seine Berechtigung! 

Das neue Lazy Back wird montiert
Das neue zweiteilige Sonnendach. Schneller zu montieren und wesentlich stabiler als das alte.
Nachts in der Marina

In diesen Tagen wurde auch der neue Präsident gewählt und Michael hat im Vorfeld mit uns über die lokale Politik gesprochen. Als wir gehört haben, dass der neue von ihm favorisierte Kandidat tatsächlich gewonnen hat, waren wir nicht erstaunt, dass er tags darauf strahlend zu uns kam um die frohe News kund zu tun. Die Wahlen haben natürlich allerlei kuriose Effekte auf das Leben hier. Erstens wurde am Wahltag natürlich nur der halbe Tag gearbeitet, damit jeder Zeit hat um wählen zu gehen. Dann wurde der Alkoholverkauf am Vorabend schon eingestellt (wir wissen nicht genau, ob das gemacht wurde um sicher zu stellen, dass alle beim Wählen nüchtern waren, oder um allzu heftige Festivitäten nach den Wahlen zu vermeiden?) Wobei der Tag danach sowieso zum Feiertag erklärt wurde, schliesslich musste der gewählte Präsident auch gebührend gefeiert werden. 🙂

Nix Alkohol!

Da wir RARE BREED bald an Land stellen würden und dann in eine airbnb-Wohnung umziehen würden, mussten wir ein Auto haben. Die Automiete ist hier relativ teuer und da waren wir froh, als wir ein kleines Auto mit einer Langzeitmiete für sechs Wochen bekommen konnten. Aber bevor wir den Wagen übernehmen dürfen, braucht es einen Besuch in der örtlichen Polizeistation, um einen grenadischen Fahrausweis zu bekommen. Dieser ist reine Form(Geldmach?)-Sache und kostet pro Person EC$ 60.-. Ich habe der Polizeibeamtin daher zwei 100er-Noten gegeben. Als Rückgeld bekamen wir zwei Zwanzigernoten. Auf den freundlichen Hinweis, dass die beiden Ausweise zusammen 120.- kosten würden und ich ihr doch 200.- gegeben hätte, kam sofort noch ein weiterer Zwanziger rüber. Erst als wir immer noch nicht zufrieden waren, gab es den vierten Zwanziger. Hier gehört Kopfrechnen offenbar nicht zu den verlangten Kompetenzen … Ich frage mich heute noch wie lange wir das „Rück einen weiteren Zwanziger raus“-spielchen hätten weiter treiben können 😉

Mietwagen abholen fur Fortgeschrittene

Samstags findet in Grenada der «Hash» statt. Diesen Lauf-Event haben wir schon einmal im Januar mitgemacht und sind praktisch schon «alte Hasen», trotzdem haben wir es geschafft uns am Schluss zu verlaufen. Ja nu, wir haben auch so das Ziel gefunden, aber es war schon ein bisschen doof am letzten Viertel vom Lauf so alleine den Weg zu suchen. 

Am Start sind noch alle zusammen und werden vom „Hare“ eingewiesen
Die Vollprofis in voller Hash-Montur
Durch den Dschungel
Bei 35-40° und 90% Luftfeuchtigkeit eine schweisstreibende Angelegenheit

Am Mittwochabend den 22. Juni gab es die ersten Anzeichen, dass sich eine «Tropical Disturbance» im Atlantik bildet. Ein solches Wettergebilde bringt unstetes Wetter mit sich und kann sich im schlimmsten Fall zu einem Hurrikan entwickeln. Zu dem Zeitpunkt war die Zone noch im Bereich der Kap Verden und bewegte sich mit 15 Knoten auf die Karibik zu. Im Laufe der folgenden 24-36 Stunden hat die Wahrscheinlichkeit, dass es sich zu einem tropischen Wirbelsturm entwickeln könnte rasant von 20 auf 80% zugenommen. Auch die bisher «coolen» Segler «Ach das wird schon nichts. Grenada ist viel zu weit südlich um von einem Hurrikan getroffen zu werden» wurden langsam hellhörig und nervös.

Das Auge „zielt“ genau auf Grenada. Keine gute Aussichten…
Die zweite Störung (gelb) war auch schon im Anmarsch

Überall am Steg (und in der Grenada Gruppe auf Facebook) wurde über die möglichen Optionen gesprochen. 90% der Boote, die hier im Wasser übersommern liegen in vier nach Süden offenen Buchten im Süden von Grenada. Gemäss Vorhersage vom Freitag den 24. würde das Auge über den südlichen Teil von Grenada ziehen, was unweigerlich zu südlichen- bis südwestlichen Winden und damit verbundenem starkem Seegang in allen vier Buchten führen würde. Einige sind nach Trinidad geflüchtet, andere haben sich im nahegelegenen Egmont Harbour, der als Hurricane Hole gilt verschanzt. Auch die ebenfalls nach Süden ungeschützte Le Phare Bleu Marina wäre in einem solchen Fall der denkbar schlechteste Ort um zu bleiben. Als der Marina Manager bei jedem Schiff vorbeikam um die Sturmvorbereitungsmassnahmen mit den Bootsbesitzern zu besprechen, war unser Plan schon klar.

Hier sieht man die vorhergesagte Bahn und wie schnell er durchgehen würde. Zu diesem Zeitpunkt (Dienstag) war der Kern viel weiter südlich.

Wir hatten das Glück, dass wir unseren für den 1. Juli geplanten Krantermin auf Dienstag den 28. Juni vorverlegen konnten. Das heisst, RARE BREED wurde zusammen mit der MOANA von Gottfried und Sandra als letztes Boot am Dienstag Nachmittag an Land gestellt, etwa sechs Stunden bevor das Unwetter hier sein würde.  

RARE BREED „hängt ab“
Sicher an Land gestellt und mit Gurten an versenkte Betonblöcke gesichert

Inzwischen war klar, dass es kein ausgewachsener Hurrikan werden würde, aber für Grenada wurde eine Tropical Storm Warnung ausgesprochen und als wir am Dienstagabend von der Werft zum Haus gefahren sind, wurde überall alles dicht gemacht.

Am Dienstag Nachmittag wurden die Trottoire hochgeklappt.

Gottfried und Sandra hüten seit Mai ein wunderschönes Haus mitsamt Infinity-Pool auf Grenada und haben uns sofort angeboten, dass wir bei ihnen in einem der Gästezimmer übernachten könnten bis wir am Tag danach unsere im Januar gebuchte Airbnb-Wohnung beziehen können. 

Kurzferien mit Sandra, Gottfried und Sandras Tochter Livia, die uns ein wunderbares Abendessen kredenzt haben. Vielen herzlichen Dank an euch!

Der Kern des Tiefs ist in der Nacht auf Mittwoch weiter südlich über Trinidad gegangen und damit blieben die Winde hier eher östlich als südlich. Es hat in der Nacht ein paar heftige Böen gegeben, aber vor allem sehr viel Niederschlag. Vom Haus aus hatten wir am nächsten Morgen einen schönen Ausblick über das Meer und der südlichen Zufahrt zu Egmont Harbour und Le Phare Bleu. Der Seegang war, trotz des verhältnismässig moderaten Winds sehr grob und wir waren froh, dass wir nicht in der Marina geblieben sind. 

Das einzige Schiff, welches sich am nächsten Vormittag rauswagte, war ein 100 Fuss langer Schoner, und der hat gehörig geschaukelt!

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Die Grenadinen zum Zweiten

Die Grenadinen zum Zweiten

05.05. – 23.05.2022, Bequia – Carriacou, Logstand seit Start 5728 sm

Auf der Überfahrt von St. Lucia nach Bequia hat unser kleiner Kat wieder mal gezeigt, dass er bei den richtigen Verhältnissen sehr schnell sein kann. Wir wollten spätestens am frühen Nachmittag in Bequia ankommen, um noch rechtzeitig einklarieren zu können. Die Antigentests sind offiziell nur für 24h gültig. Diesen Zeitraum hatten wir bereits überzogen, aber der Agent in Bequia hat gemeint, dass sie dort ein Auge zudrücken würden, wenn es nicht allzu viel mehr als 24h wären. Um das zu erreichen mussten wir auf der Strecke eine Durchschnittsgeschwindigkeit von mindestens 5 Knoten halten. Im Normalfall absolut kein Problem, wäre da nicht die starke Gegenströmung zwischen St. Lucia und St. Vincent gewesen – trotz gutem Wind mussten wir eine Maschine zuschalten, um nicht zu langsam zu werden. Hinter St. Vincent war wie fast immer Windstille und so liefen wir weiter unter Maschine. Kurz vor dem südlichen Ende von St. Vincent fuhren wir unmittelbar hinter einer Hallberg-Rassy her. Sie war mit 42 Fuss etwas länger als wir, aber als der Wind wieder auffrischte haben wir derart Fahrt aufgenommen, dass das Schweizer Boot schnell hinter uns zurückblieb. Wir düsten mit 8-9 Knoten in die grosse Ankerbucht von Bequia rein und mussten fast aufpassen, dass wir rechtzeitig vor dem Ufer zum Halt kamen. 

Impressionen von der Admiralty Bay, Bequia
«Baguttes» – EIne Bequianische Brotvariation?

Auf dem Nordkap der Admiralty Bay auf Bequia gibt es ein kleines Fort, dass wir tags darauf angeschaut haben. Der Weg dorthin ging um die ganze Bucht und durch die Wohnquartiere bis oben auf den Hügel. Sobald man die hübsche Hauptstrasse im Ortskern von Port Elizabeth hinter sich gelassen hat, wird es schnell sehr verfallen und slumartig. Die Häuser sind teilweise ziemlich baufällig und überall liegt Unrat, Reifen, alte Autowracks und ausgediente Holzboote rum. Das Abfall- bzw. vor allem das Litteringproblem ist in der Karibik allgegenwärtig. Es ist uns natürlich bewusst, dass die kleinen Inseln grösstenteils gar keine Möglichkeit haben ihren Abfall sachgerecht zu entsorgen, aber wir verstehen nicht, dass alles einfach auf den Boden geschmissen wird, obschon es an vielen Orten Abfallbehälter hat. Die Leute leben auf einer kleinen Insel und schmeissen ihre Petflaschen und Fastfoodverpackungen einfach ins Gebüsch. Das ist uns auch auf St. Lucia sehr aufgefallen – «Welcome to Paradise» und alle paar Zentimeter liegt irgendwelcher Müll rum. Ganz krass war es bei den grossen Hotelanlagen. Dort wo die Touristen hinkommen wird alles schön sauber gehalten, aber kaum geht man ein paar Meter hinter die Hotelanlagen ist wieder alles übersät mit Müll.

Wir haben uns schon angewöhnt bei unseren Ausflügen so viel wie möglich einzusammeln und in die Abfalltonnen zu werfen, aber es ist leider uferlos. Hier müssten diese Inseln bzw. die Bevölkerung gehörig umdenken, wenn sie nicht bald auch die Touristen und damit ihre Haupteinnahmequelle verlieren wollen.

Wenn bloss jemand die Schilder beachten würde…
Biggi am Müllsammeln

Unser nächstes Ziel, die Insel Mustique ist da ganz anders. Mustique ist in Privatbesitz und sowas wie ein Ferienparadies für die Reichen und Schönen. Hier kann man nur hin, wenn man eines der sündhaft teuren Anwesen (Einsteigspreis 15 Mio. US$) besitzt oder mietet. Entsprechend ist die Liste der Besucher bzw. Eigentümer voll von bekannten Grössen aus Showbusiness, Industrie und Adel, diejenigen halt, die diese Privatsphäre suchen und bezahlen können. Als Yachtie kann man an einer der Bojen festmachen und die Insel damit besuchen.

Der Strand von Mustique
Freitag, der 13., wir hängen an Boje Nr. 13 und RARE BREED als einzige Yacht vor Mustique – Glückstag!
Man beachte das Schild vom General Store. Hier gibt es die elementarsten Notwendigkeiten wie Wein, Alkohol und Zigarren…
Basil’s Bar – ein Must go auf Mustique. War wohl der teuerste Rumpunch, den wir bis jetzt in der Karibik genossen haben!

Früher konnte man kreuz und quer über die Insel laufen, solange man nicht in die Privatgrundstücke reinging. Inzwischen ist das leider nicht mehr möglich und man ist auf den Strandstreifen und den Weg zum Hauptort eingeschränkt. Aber auch der Spaziergang am Strand und durch den angelegten Pfad um ein Naturreservat ist sehr eindrücklich.

Luftwurzeln der Mangroven und wilde Ananas
Hat was, oder?

Mustique scheint die Insel der Schildkröten zu sein. Im Wasser hat es regelrecht gewimmelt und sogar an Land gibt es viele Landschildkröten, denen wir immer wieder begegnet sind.

Die hier typischen Landschildkröten sind eher länglich und haben orange Flecken auf den Beinen. Oben links im Bild hingegen, das ist nur ein Kunstwerk aus Metall 🙂

Wir haben uns länger mit Ali, einem ehemaligen Franzosen, der seit 40 Jahren hier lebt und die Bäckerei führt, unterhalten. Das war ein sehr interessantes Gespräch, denn wir konnten so ein wenig über die Hintergründe bezüglich des «Produkts» Mustique erfahren. Die Insel ist mit rund 1’800 Beschäftigten nach der Regierung der grösste Arbeitgeber in den Grenadinen. Der Umsatz von Mustique macht ca. 14% vom BIP der Grenadinen aus. Wenn jemand ein Geschäft aufmachen will, muss er für jeden Angestellten eine Wohngelegenheit zur Verfügung stellen und auch dessen Strom- und Wasserrechnung bezahlen. Alles, was auf der Insel gebraucht wird, kommt mit der Inselfähre von St. Vincent rüber. Es ist also kein Wunder, dass die Preise auf Mustique um einiges höher als sonst wo sind. Der Grund, dass die Bewegungsfreiheit eingeschränkt worden ist liegt darin, dass einzelne Besucher zu aufdringlich wurden und den Promis sogar vor deren Anwesen aufgelauert sind und fotografiert haben. Es gibt halt immer Leute, die durch ihr rücksichtsloses Verhalten die Freiheiten für alle zerstören.

Mustique hat die finanziellen Mittel auf Umweltschutz zu achten und verfügt unter anderem über eine komplette Abfalltrenn- und Entsorgungsanlage. Es gibt eine Umweltministerin, die ihren Job wirklich ernst nimmt und das Resultat ist offensichtlich. Hier liegt fast nichts an Müll rum und es sind ständig Gärtner unterwegs um die Landschaft zu pflegen. Das ist natürlich das andere Extrem, aber es spiegelt wider, dass die Leute begriffen haben, dass Mustique ein Produkt ist, welches ihnen auch ein Auskommen sichert und dass es zu schützen gilt. Wir hoffen, dass die Regierungen der anderen Inseln bald realisieren, dass es nicht reicht nur Hotelanlagen zu bauen, sondern dass sie aktiv in ihre Umwelt investieren müssen, wenn der Slogan «Welcome to Paradise» nicht zur Farce werden soll.

Die Kosten für die Boje auf Mustique sind natürlich auch entsprechend hoch und vor allem etwas perfide. 85 US$ für die erste Nacht und dann darf man noch zwei Nächte «gratis» bleiben. Die meisten Besucher sind Charteryachten die nur eine Nacht bleiben. Wir sind als Zeitmillionäre anders unterwegs und blieben die vollen drei Nächte. Die erste war noch ganz angenehm, aber die letzten beiden haben uns klar gemacht, wieso es im Cruising Guide als sehr rolliger Platz beschrieben ist. Sogar unser Kat hat erbärmlich gerollt und am Schluss sind wir fast quer im Bett gelegen um noch schlafen zu können.

Am Sonntag den 15. Mai haben sind wir von der Boje los und die ca. 20 Seemeilen nach Tobago Cays gesegelt.

Mustique -> Tobago Cays, 22.7 nm in 3h 47m

Der Wind kam fast von hinten und es war eine sehr angenehme Fahrt. Ideale Voraussetzungen, um wieder Mal einen Angelversuch zu starten. Kaum war der Köder im Wasser, hat schon der erste Fisch angebissen, sich aber leider sofort wieder losgerissen. Beim erneuten Rauslassen hat es wieder angeschlagen. Dieses Mal aber heftig, der Silk ist pfeifend von der Rolle gerauscht bis es einen Ruck gab und die Spannung weg war. Als wir den Köder reingeholt haben, staunten wir nicht schlecht – alle drei Spitzen des Drillinghakens waren abgebrochen. Das muss tatsächlich etwas Grösseres gewesen sein. Wir benutzen bewusst keine rostfreien Fischerhaken, damit sie sich im Salzwasser auflösen, wenn sie versehentlich abgerissen werden. So hat der Fisch eine faire Chance den Haken irgendwann wieder los zu werden. Nur sollte man dann ab und zu den Haken auswechseln, wenn er zu rostig ist…

Der erste Drillingshaken war völlig zerstört

Jetzt hat es Biggi keine Ruhe gelassen und sie hat fast den ganzen Törn hinten am Heck gesessen und immer wieder die Angelrute reingeholt und wieder rausgelassen. Der Grund zum Einholen ist leider immer der gleiche – gelbes Sargassokraut, welches hier wirklich überall rumschwimmt und sich in den Haken verfängt. Sie hat sicher fünf bis sieben Mal einen verkrauteten Köder rausgeholt. So blöd ist kein Fisch da reinzubeissen. 

Biggi im Fischerwahn

Dieses Kraut gab es übrigens vor 5-6 Jahren hier noch gar nicht. Jetzt ist es allgegenwärtig. Vermutlich auch eine Folge der Wassererwärmung. Dass die Klimaerwärmung auch hier spürbar ist, hat uns auch Ali auf Mustique bestätigt. Es sei heutzutage im Durchschnitt zwei Grad wärmer als noch vor 10-15 Jahren. Früher war es meistens so um die 24 Grad auf Mustique. Heutzutage eher 26 oder mehr.

Unser Ziel war eigentlich noch ein paar Tage im kristallklaren Wasser von Tobago Cays zu liegen, bevor wir nach Grenada gehen. Aber als wir dort ankamen war es wegen dem andauernd starken Wind fast so rollig wie auf Mustique.

Kurzstopp in den Tobago Cays

Darauf hatten wir nun wirklich keinen Bock mehr und so haben wir nach zehn Minuten kurzentschlossen den Anker wieder hochgeholt und Kurs auf Union Island abgesetzt. Der kürzeste Weg geht durch die südliche Riffpassage von Tobago Cays. Diese Passage wird im Segelhandbuch als sehr heikel beschrieben und es hat schon viele Schiffe gegeben die hier auf das Riff aufliefen. Man muss zwischen zwei Riffen durchfahren, die nur bis kurz unter der Wasseroberfläche hochkommen und es gibt keine Seezeichen oder andere Hilfen die die Durchfahrt markieren. Entsprechend vorsichtig sind wir dann dort durch, aber die Sonne stand noch hoch genug, um eine gute Sicht zu gewähren und wir konnten die Riffe gut erkennen.

Anhand der Farbe vom Wasser lassen sich die Riffe erkennen: Dunkelblau=tiefes Wasser, Hellblau bis Türkis=flaches Wasser, Braun=Korallenriff!

Die zweite Stelle, wo wir zwischen zwei Riffen durch mussten, war die Durchfahrt zwischen Palm Island und Clifton Harbour auf Union Island, hier ist es aber betonnt und damit ziemlich einfach. Etwa 1.5 Stunden später konnten wir an der letzten freien Boje bei Frigate Island auf Union Island festmachen und lagen endlich wirklich ruhig. Frigate Island ist über eine schmale Landzunge mit Union Island verbunden über die der Wind ungehindert blasen kann. Hier ist ein beliebter Kite Surfing Spot, was angesichts des starken Windes und trotzdem ruhigen Wassers verständlich ist.

Tobago Cays -> Union Island, 7.2 nm, 1h 24m

Hier wurde 1994 ein Marinaprojekt gestartet, obwohl das Gebiet damals schon als Schutzgebiet klassifiziert war. Das Projekt ist nach nur einem Jahr wegen schlechter Planung, Korruption und Geldwäscheri bankrott gegangen. Der Schaden in der Mangrovenlagune war aber schon angerichtet, da der Wasserdurchfluss durch die vielen Erdaufschüttungen blockiert war. Im Laufe der Jahre stieg das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Mangrovenlandschaften für das ganze Küsten-Ökosystem. Heute ist das ganze Gebiet renaturiert und dadurch wieder zum Leben erweckt. Es stehen noch die Reste des Marinaprojektes in Form von Holzpfählen und Erdwällen als Mahnmal in der Landschaft und es ist ein Natur-Trail durch das Gebiet angelegt worden.

Es ist schön zu sehen, wie die Natur ihr Gebiet langsam zurückerobert.
Die Überreste des Marinaprojektes
Die Hängebrücke

Nach ein paar Tagen zogen wir in die Chatham Bay weiter. Eine Bucht, die gut vor dem Atlantikschwell geschützt ist, aber von deren Hügel immer wieder Fallböen in Sturmstärke runterfegen. Von einer Sekunde auf die andere geht es von windstill zu Sturmböen, die so stark sind, dass es das Boot einfach umreisst. So schnell wie sie kommen sind sie wieder weg und alles ist wieder ruhig. 

Minihopser von Frigate Island nach Chatham Bay

Vor einigen Jahren war die Chatham Bay so etwas wie ein Geheimtipp, wo sich nur vereinzelte Yachten hin verirrten. Es gab damals nichts ausser Natur und das Panorama mit den hohen Bergen um die Bucht herum erinnert ein wenig an die Buchten in den Marquesasinseln in Französisch-Polynesien. Heute ist es natürlich etwas anders. Es gibt einige kleine provisorische und einfache Strandrestaurants und ein unauffälliges, aber luxuriöses Resort. Entsprechend waren wir dort alles andere als alleine. 

Die ehemals einsame Chatham Bay

Die Chatham Bay ist von Land immer noch nur über eine teilweise steile Off Road Piste zu erreichen.

Da die Insel Union Island ziemlich klein ist und wir sie schon beim letzten Mal hätten erkunden wollen, beschliessen wir von der Chatham Bay aus zum Hauptort Clifton am anderen Ende der Insel zu laufen, um etwas Gemüse und Obst zu kaufen. Gemäss Google Maps sollte es nur knapp 4 km weit weg sein (ein Weg). Wir sind direkt nach dem Frühstück los und als erstes diese steile Piste hochgekraxelt. Oben angekommen gab es eine wunderschöne Aussicht bis Mayreau und die Tobago Cays. Das heisst, wenn es nicht so diesig gewesen wäre, so konnten wir alles leider nur schemenhaft in der Ferne erkennen. Von hier oben schlingerte sich die Betonstrasse der Nordküste entlang stetig nach unten. Vorbei an Mangroven, einem Steinbruch und einem Salzsee erreichten wir nach gut 1,5h Clifton. Die Wander-App zeigte schon 6 km an – von wegen knapp 4 km!

Das Salz wird in Handarbeit gewonnen. Die Frauen waten knietief ca. 30 m durch den Schlick um an das Salz zum kommen, welches sie anschliessend in Eimern an Land schleppen, ein richtiger Knochenjob. Immer noch gut gelaunt verkaufen sie 1 Pfund Salz am Strassenrand für 4 EC$ was ca. 1.50 € entspricht.

Wie es halt so ist, wenn es frisches Grünzeugs gibt ist der Rucksack schnell voll und niemand denkt an das zusätzliche Gewicht. In weiser Voraussicht haben wir in Clifton noch eine zusätzliche Wasserflasche gekauft und uns dann auf den Rückweg gemacht. Der Rückweg ging – logischerweise – stetig bergauf. Inzwischen war es schon recht heiss und mit dem zusätzlichen Gepäck wurde es richtig anstrengend. Mit dem letzten Tropfen Wasser kamen wir wieder in der Chatham Bay an und waren für den Rest des Tages ziemlich erledigt.

Sogar die Kühe suchen den Schatten

Die Ankerliegerflotte war am Tag zuvor um einem Schweizer Kat erweitert worden. Mit unserer Schwedischen Flagge am Heck vermutet niemand, dass wir auch Schweizer bzw. Deutsche sind. Also haben wir uns mit den SUP auf den Weg zu ihnen gemacht, um «Grüezi» zu sagen. Sue und Reto sind mit ihrer Nautitec 40 Open, namens SURET unterwegs. Da mir dieses Boot schon immer gefallen hat, waren wir natürlich gerne dabei, als sie uns zur Bootsbesichtigung eingeladen haben. Die beiden haben das Boot vor ca. 1,5 Jahren neu gekauft und von La Rochelle bis hierher gesegelt. Im Laufe des Gesprächs haben wir immer mehr über ihren Ärger mit der Werft bzw. Bauqualität des Bootes erfahren. Wenn man bedenkt, wieviel so ein Boot kostet, ist es schon erstaunlich wie ungenau oder teilweise sogar mies gearbeitet wird. Dass Leute mit neuen Booten oft viel Ärger haben, kennen wir schon von anderen, aber es hört nicht auf uns zu erstaunen was die Werften an Pfusch abliefern. Wenn wir das hören bzw. sehen, sind wir mit unserem inzwischen 20-jährigen Boot wieder ganz zufrieden. Wie die fleissigen Leser unter euch wissen, haben wir natürlich auch immer wieder Ärger, aber das ist bei dem Alter irgendwie leichter zu akzeptieren.

Wir haben uns mit Sue und Reto auf Anhieb sehr gut verstanden und tags darauf waren sie bei uns an Bord. Aus einer Einladung zu Kaffee und Kuchen am Nachmittag wurde zuerst ein Sundowner und schlussendlich ein spontanes Spaghettiessen.

Am Montag den 23. Mai sind abermals nach Clifton um auszuklarieren. Dieses Mal aber mit einem «Taxi». Das war der ca. 15-jährige Suzuki Jeep von Seckie, dem Betreiber eines der kleinen Strandrestaurants. Die Fahrt über die Offroad-Piste war echt ein Erlebnis. Seckie fährt diese «Strasse» seit zehn Jahren mehrmals täglich mit diesem Auto. Der Jeep sah entsprechend mitgenommen aus, aber dass er diese Misshandlung so lange klaglos ausgehalten hat ist schon krass. Also wenn ich wieder ein Auto kaufe, könnte das ein Suzuki Jeep werden 😉

Auf meine Frage, ob er denn immer den Vierradantrieb eingeschaltet hat, kam die Antwort: „Nö, nur bei nasser Strasse.“
Jetzt weiss ich endlich, wo all die Papierformulare landen, die wir beim Ein- und Ausklarieren ausfüllen müssen!

Den Trip machen wir mit Andreas und Andrea von der deutschen Yacht LADY JEAN. Der Preis von 260.- EC$ für die Hin- und Rückreise war schon heftig, aber auf zwei Parteien aufgeteilt akzeptabel. Als ich Seckie 300.- EC$ gab und er dann fragte ob das so gut sei, weil er kein Wechselgeld hatte, war dann aber Schluss mit lustig! Wenn man bedenkt, dass ein durchschnittlicher Tageslohn auf dieser Insel 70.- EC$ sind, war sein Verhalten umso frecher. Der ursprünglich angedachte Besuch in seinem Restaurant zum Abendessen hat er sich so selber vermasselt.

Eine Runde schaukeln ist immer eine gute Idee 🙂

Wir wussten, dass sich die Wege von SURET und RARE BREED bald wieder trennen würden und so haben wir auch den folgenden Abend zusammen verbracht, dieses Mal in dem schönen Strandrestaurant vom Resort. Neben einem guten Essen und vielen interessanten Gesprächsthemen wurde der Abend nach dem Dessert nochmals sehr spannend, als Antonio – der italienische Besitzer der Anlage – sich zu uns gesellte. Antonio war früher in der Drogenfahndung und kennt zwischen St. Lucia und Trinidad alle Behörden, Polizei und natürlich auch die Drogenpusher. Neben der Hotelanalage hier besitzt er 15 Charterkatamarane in den Britischen Jungferninseln sowie weitere Hotelanlagen an verschiedenen Orten der Welt. Er ist zudem sehr engagiert in seiner Bestrebung die Schönheit und Unversehrtheit von Chatham Bay zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Leider gibt es auch hier ein riesiges Abfallproblem, welches er seit Jahren versucht unter Kontrolle zu bekommen. Da es hier weder Wasser noch Strom gibt, hat er grosse Dieselgeneratoren um den Strom für die Anlage und die Wasserentsalzungsanlagen zu produzieren. Um das halbwegs umweltverträglich zu machen baut er jetzt auf Solaranlagen mit Batteriebänken um. So kann er die Dieselgeneratoren sukzessive reduzieren. Selbstverständlich ist er vor allem ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann und hat schon lange realisiert, dass er mit einem ökologischen Ansatz nachhaltig mehr Gäste anlocken kann. Er ist zudem auch dabei, den ganzen südlichen Teil der Bucht zu kaufen, um daraus ein öffentlich zugängliches Wandergebiet zu machen. Er wäre natürlich kein schlitzohriger Italiener, wenn er nicht auch noch so ganz nebenbei mit einem schelmischen Lächeln die eine oder andere Geschichte auf Lager hat wie man bei all diesen Aktivitäten z.B. «kreative» Steuereinsparungen machen kann bzw. wie die eine Hand die andere wäscht. Kurzum ein sehr gelungener und kurzweiliger Abend.

Am nächsten Morgen haben wir Sue und Reto ein letztes Mal zum Abschied gewinkt, sind Anker auf gegangen und haben die Grenadinen Richtung Grenada verlassen. Das war nur ein kurzer Hopser von knapp 10 Seemeilen zur Tyrell Bay auf Carriacou.

Trotz der kurzen Distanz haben wir es wieder mit Angeln versucht (es waren wirklich keine Algenfelder auf dem Wasser) und prompt einen kleinen Thunfisch gefangen. Nach dem Fischbestimmungsbuch war es ein Grossaugen Thunfisch. Die können bis zu 250 cm lang werden, wobei dieses Exemplar leider schon im jungen Alter den Fehler gemacht hat unseren Köder zu schlucken. Es tut uns jedes Mal weh einen so schönen Fisch zu töten, aber wir verwenden dann auch wirklich jedes verwertbare Fleischstück und ein Thun in dieser Grösse reicht uns für vier Mahlzeiten. 

Fangen …
… Ausnehmen und Filettieren

Als ich nachmittags in der Tyrell Bay zum Einklarieren an Land kam, bin ich mit Andreas und Andrea von LADY JEAN zusammengestossen. Sie hatten eben einklariert und sich für die maximalen drei-, statt den üblichen einmonatigen Cruising Permit entschieden. Das kostet dann auch 150.- EC$ statt nur 50.- EC$. Trotzdem hat die Dame im Immigration Office zuerst nur einen Monat auf dem Formular eingetragen. Erst auf Andreas Reklamation hin wurde das korrekte Enddatum eingetragen.

Ich habe danach genau dasselbe verlangt und auch bezahlt und hatte prompt auch nur einen Monat im Permit drin. Auf meine Reklamation hin hat sie es wortlos korrigiert. Die Dame leidet entweder unter akutem Gedächtnisschwund oder sie macht es bewusst. In Anbetracht, dass sie höchstens halb so alt wie ich war vermute ich leider Letzteres.

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Welcome to Paradise

Welcome to Paradise

21.04. – 05.05.2022, St. Lucia – Bequia, Logstand seit Start: 5674 sm

Jan war ja schon einige Male in der Karibik und hat die Insel St. Lucia bisher immer bewusst ausgelassen, weil ihr Ruf in Bezug auf Kriminalität nicht der beste war. Umso mehr freue ich mich über diesen Stopp und wir sind beide gespannt was uns erwartet, nachdem ja vielversprechend „Saint Lucia – Let Her Inspire You“ auf unseren Armbändern steht. Abgesehen davon haben auch viele andere Segler von dem Eiland geschwärmt. 

Wir liegen in der Rodney Bay, das ist eine recht grosse Bucht mit langen Sandstränden die gesäumt sind von grossen Hotelanlagen. Wassersport wird bei den Touristen gross geschrieben und so rattern den ganzen Tag Speedboote mit Wasserskifahrern, Wetbikes oder kleine Hobie Cats mit Freizeitpiloten – manchmal verdächtig nah – an uns vorbei. Abends tönt Socasound, Westernmusik oder Karaoke vom Ufer rüber. Irgendwas ist immer …

Das Sandals ist zum Beispiel so eine grosse Hotelanlage. Vor dem Hotel gibt es (Salz-)Wasser ohne Ende, am Hintergang wird (Süss-)Wasser im Tankwagen angeliefert.

Es ist eben nicht alles Gold was glänzt.
Die Rodney Bay ist der ideale Ort um die Kayakpaddel auszuprobieren.
Obst- und Gemüselieferant und zudem ist das Boot zu mieten – AVAILABLE FOR DAY CHARTER 🙂

Am Samstag machen wir uns mit dem Beiboot auf den Weg zum Dinghydock mit direktem Zugang zu Pigeon Island.

Ausser uns parkt hier heute nur noch ein Fischer.

Kaum haben wir einen Fuss an Land gesetzt, werden wir bereits von einer netten Park Rangerin in Empfang genommen und zum offiziellen Eingang begleitet, an dem wir unseren Eintritt von 53 ECD (etwa 17€) entrichten können. Zuerst wandern wir auf den Signal Peak – sage und schreibe 109 m über dem Meer. Nach einer kurzen Rast mit Brotzeit geht es auch schon weiter zum Fort Rodney, welches auf der zweiten Erhebung von Pigeon Island liegt.

Der anfangs breite Wanderweg mutierte am Ende zur kleinen Kletterpartie.
Das Fort Rodney ist schon in Sicht.

Dieses Fort wurde früher von den Engländern benutzt, um französische Schiffe vom benachbarten Martinique zu beobachten. 

Ein paar Kanonen stehen hier noch rum. Der Blick auf die Bucht ist gewaltig.
Pigeon Island ist ein Inselfelsen, der 1972 künstlich durch Aufschüttung mit der Westküste der Hauptinsel verbunden und 1979 zum Nationalpark ernannt wurde.

Seit Donnerstag liegt auch die EXIT ONE mit Volker und Iris in der Rodney Bay. Die beiden kennen wir aus Grenada und da auch sie etwas von St. Lucia sehen wollen, haben wir uns für Sonntag zu einem Taxiausflug verabredet. Eddy, unser Fahrer hat uns am Morgen um 9 Uhr eingesammelt und sicherheitshalber gefragt, ob wir bereit seien für einen langen Tag 😉 Ja klar, kann losgehen.  Nach einer Viertel Stunde Fahrt sind wir an einem Friedhof vorbeigefahren, beste Lage mit Meeresblick und Eddy so: „The people die to lay here“, etwas makaber und heisst ungefähr: Die Menschen würden sterben um hier liegen zu können. Wo er recht hat, hat er recht. Der erste Halt ist in Castries an der Kirche, direkt am Derek Walcott Square.

Zum Gedenken an die beiden Nobelpreisträger aus St. Lucia, links Sir Derek Walcott und rechts Sir William Arthur Lewis (Wirtschaftsnobelpreis 1979)

Der aus St. Lucia stammende Poet und Dramatiker Sir Derek Walcott erhielt 1992 den Nobelpreis für Literatur und ein Jahr später wurde der Platz nach ihm benannt.

Castries, die Hauptstadt von St. Lucia, ist auch bekannt für ihren kunterbunten Markt. Der findet jeden Tag statt – ausser sonntags – leider. Nächster Stopp ist am PLAS KASSAV. Kassava ist eine Art Kartoffel und kann süss oder pikant verarbeitet werden. Schmeckt gut und macht satt – pappsatt. 

Hier gibt’s Kassavataler in allen möglichen Geschmacksrichtungen zu kaufen.
In dem Laden konnten wir nicht widerstehen und haben 4 Pralinen als Nachtisch gekauft.
Blick auf den Flughafen und Hafen von Castries.
Meine erste Kokosnuss mit Blick auf Soufrière und die Wahrzeichen von St. Lucia, Grand Piton und Petit Piton
Im Bus herrscht gute Stimmung 🙂
Wie überall in der Karibik ist alles schön bunt.

Auf einem Parkplatz mit Aussicht auf die Bucht L’Anse la Raye hat uns ein etwa 10-jähriger Junge namens Aaron erst mit „Welcome to Paradise“ begrüsst und dann ein Lied über seine schöne Heimat St. Lucia für uns gesungen. Am Ende wollte er lediglich eine Bewertung zwischen 1 und 10 von uns. Und es war eine glatte 10 – so herzig.

Weiter geht’s nach Sulphur Springs, „Saint Lucia’s and the Caribbeans’s Only Drive in Volcano“. Es sprudelt und raucht, wir gönnen uns trotzdem die Black Water Pool Combo mit der wir auch das etwa 40-grädige Schlammbad geniessen können.

Das Schlammbad stinkt nach Schwefel, soll aber sehr gesund sein. Und nein, wir waren nicht in den Sprudelbecken im rechten Bild, das hätten wir nicht überlebt 😉

Am Nachmittag steht noch der Botanische Garten mit dem Diamond Waterfall auf unserem Programm. Wir werden von der Dame an der Kasse noch ernsthaft aufgefordert unsere Masken zu tragen. Bisschen komisch, da wir nur zu viert im Garten unterwegs sind. Wir halten uns selbstverständlich (die meiste Zeit) ans Maskengebot.

Maskiert vor einer schönen Kulisse.
Herrlich diese Blütenpracht. Sogar ein Kolibri hat es auf ein Foto geschafft 🙂

Bevor wir den 2-stündigen Heimweg antreten, kehren wir zum Abschluss noch in Soufrière ein. Alles in allem ein toller Tag, müde aber happy – viel gesehen, geschmeckt, gerochen und erlebt und etliche Male mit „Welcome to Paradise“ begrüsst worden.

Eddy hat uns unterwegs unermüdlich mit Informationen zu Fischerdörfern, Sehenswürdigkeiten, Bäumen und Sträuchern gefüttert. 
Auf unserem schwimmenden Zuhause wollten wir uns dann über unseren Nachtisch hermachen – da war von Pralinen leider nix mehr zu erkennen.

Neuer Tag – neues Glück. So mache ich mich am nächsten Tag mit dem SUP auf zur EXIT ONE. Iris hat eine Essigmutter auf der Reise dabei und ist so lieb, uns etwas davon abzugeben. Essig wollte ich schon immer mal selbst machen. Hoffentlich wird’s was, dann müssen wir künftig nur noch Rotwein kaufen 🙂

Mit dem SUP zu den Nachbarn und dann wird zuhause Essig angesetzt.
Cockpit schrubben – vorher / nachher man sieht schon den Unterschied, oder …

Am Nachmittag höre ich Jan rufen: „Hello, what a nice Boat!“ Eine Prout 38 fährt an uns vorbei, der gleiche Satz schallt zu uns rüber und schon fällt der Anker in unserer Nachbarschaft. Jan klärt mich auf, dass diese Prout das Vorgängermodell von RARE BREED sei. Das erklärt natürlich seine Aufregung und so laden wir die Crew der CELTIC ROSE, Tony & Rosemary zum Sundowner bei uns ein. Tags darauf sind wir zu Besuch bei CELTIC ROSE – es gibt viel zu sehen und ist interessant, wie sich die Schiffe zum einen sehr ähneln und zum anderen wo die Unterschiede sind. Fotos machen, sich austauschen und jeder profitiert von jedem. 

Tony & Rosemary sind begeistert von unseren faltbaren Matratzen und uns gefällt deren Cockpittisch und Cockpitstuhl.
Lang lang ist’s her – endlich gibt’s mal wieder Semmelknödel. Wie sagte Volker so schön: Wenn’s mal Petersilie zu kaufen gibt, muss man Knödel machen 😉

Am Freitag soll zum ersten Mal seit Corona wieder ein Street Food Festival in Gros Ilet stattfinden. Wir können Tony & Rosemary auch dafür begeistern, fahren gemeinsam mit dem Dinghy in die Marina und laufen los. Auf dem Weg nach Gros Ilet erfahren wir, dass das Festival wegen der noch hohen Infektionszahlen um eine weitere Woche verschoben wurde. Schade, aber wir wollen trotzdem sehen, was so geboten ist im Viertel. Überall an den Strassen sind Grills aufgestellt, die Luft ist marihuanageschwängert und aus den Boxen dröhnt Musik. Schon unterwegs wird Jan ein Kotelett vom Grill angeboten und nachdem er dankend verneint, bietet das Pärchen Jan seine Tochter zum Mitnehmen an! Anfangs denken wir noch sie würden scherzen. Als der Mann jedoch meint „Sie hätte es besser bei dir“, sind wir uns da nicht mehr so sicher. (Dieses Erlebnis hat uns sehr nachdenklich gestimmt und beschäftigt uns immer noch.)

Wir landen schliesslich im Duke’s. Ein Freiluftrestaurant, dass für besten Fisch vom Grill bekannt ist. Viele Einheimische fahren mit dem Auto vor und holen sich das Essen zum Mitnehmen. Wir setzen uns gemütlich hin und essen unter freiem Himmel.

Gegrillter Fisch mit Knoblauchsauce und Salat – sehr lecker 🙂
Baywatch (in die Jahre gekommen …) und nachts zu Fuss zurück zum Dinghydock.

Am Samstag machen wir uns zu einem Beachwalk auf von der Rodney Bay Marina bis zum Pigeon Nationalpark. 

Einheimische Kinder preschen mit den Pferden im Galopp am Strand entlang – ein Augenschmaus
Die Häuser sind farbenfroh und die Laternenmasten in den Landesfarben angestrichen.
Das Motto der Grundschule: Die Erde ist unser Zuhause – kümmern wir uns darum.

Alle Strände sind öffentlich, aber an den Hotelstränden werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass wir den hoteleigenen betonierten Fussweg nicht benutzen dürften. Im Sand laufen sei kein Problem.

Beach-Shuttle von einem zum nächsten Strandabschnitt. Bezahlen müssen wir nichts, der Fährmann meinte nur: not everything is for money

Am Ende des Beachwalks setzen wir uns unter einen grossen Baum und werden mit einem freundlichen „Welcome to Paradise“ von einem Einheimischen angesprochen. Er erzählt, er sei hier geboren und alle würden ihn nur den „Bushman“ nennen. Auch dieses Mal lehnen wir das nett gemeinte Angebot ab, was zum Rauchen zu kaufen 😉

Hier ist das Ende vom Strand und der Anfang vom Pigeon Island National Landmark.

Wir beschliessen, am Montag Anker auf zu gehen und in die Marigot Bay zu verschieben. Gesagt – getan. Um 10.30 Uhr segeln wir bei schönstem Wetter und gutem Wind los. Nur einen Squall und nicht einmal 2 Stunden später erreichen wir die malerische Bucht.

Marigot Bay – idyllisch gelegen.

Die Marigot Bay ist sehr klein und ankern ist nur ausserhalb der Bucht erlaubt. Also gehen wir für 81 ECD pro Nacht an die Boje. Mit Entrichtung der Bojengebühr dürfen wir Spa und Hotelpools benutzen. Das heisst, wir machen 3 Tage Ferien vom Boot und relaxen am Pool. Es fühlt sich komisch an, mal wieder im Süsswasser zu schwimmen – irgendwie fehlt der Auftrieb …

Meist sind wir allein und ungestört im und am Pool 🙂

Die Marigot Bay wird als die schönste Bucht in der Karibik bezeichnet – dem können wir nur zustimmen. Wir geniessen die Ruhe, nachts sind nur Grillen am Zirpen und Vogelgesang ist zu hören. Hier kommt wieder das SUP zum Einsatz. Ganz entspannt drehen eine Buchtrunde im ruhigen Wasser.

Auch in dieser kleinen Bucht liegen und hängen Bootsleichen rum.

An Land geht’s für uns auch hier mit dem Dinghy. Das Dinghydock ist winzig, bietet Platz für 3 bis 4 Boote und befindet sich direkt neben der Anlegestation vom Wassertaxi. Das Einfahren erfordert ein wenig Geschick, erstens um nicht das Taxi und zweitens das felsige Ufer zu touchieren. 

Ganz schön knapp hier.

Gewöhnlich schliessen wir das Dinghy immer ab, aber dieses Mal ertönt es aus einem kleinen Häuschen (fast schon bisschen vorwurfsvoll): You don’t have to lock your dinghy here. Und wir denken so „Welcome to Paradise“ 😉

Am Dienstag lassen wir uns nach ausgiebigem Chillen am Pool für einen Sundowner ins Doolittle’s bringen – natürlich mit dem Wassertaxi. Ein berühmter Ort, denn hier wurde die Originalfassung des Musical-Streifens Doctor Dolittle aus den 1960er Jahren mit Rex Harrison und Samantha Eggar gedreht.

Am Mittwoch stehen Ausklarieren und Antigentest für 25 US$ pro Nase (hahaha, im wahrsten Sinne des Wortes) auf dem Plan und natürlich nochmal in den Pool hüpfen. Wer weiss, wann sich das nächste Mal die Gelegenheit für uns bietet im Süsswasser schwimmen zu können. Gegen Mittag lösen wir die Seile von der Boje, manövrieren uns aus der Bucht und mit einem letzten Blick zurück drehen wir ab Richtung Süden. Nächster Stopp ist die Pitons Bay, die wir nach knapp 12 sm erreichen. Die beiden Berge Grand Piton (770m) und Petit Piton (743m) sind die Wahrzeichen von St. Lucia. Dass sich die beiden erkalteten Vulkankerne tatsächlich um ein paar Höhenmeter unterscheiden ist mit blossem Auge nur schwer zu erkennen. 

Piton’s – wir kommen 🙂

Sofort ist ein Boatboy zur Stelle, begrüsst uns mit „Welcome to Paradise“, hilft uns an der Boje festzumachen – für 20 ECD – und bietet gleich weitere Dienste an. Unter anderem würde er frisches Brot für 20 ECD liefern. Das hört sich gut an, schliesslich wollen wir die Locals auch ein wenig unterstützen und wir bestellen eines. Gegen Abend kommt der kleine Bruder vom Boatboy alleine zu uns, bringt das Brot und verlangt 25 ECD. Auf unsere Frage, wieso das Brot auf einmal 25% teurer ist, antwortet er: Because Grandma said it is the last… sehr geschäftstüchtig seine Grandma 😉

Wahrlich pito(n)resk, gell Bru 🙂

Abends um 19 Uhr bekommen wir schliesslich noch Besuch vom Park Ranger, der die 51 ECD Bojengebühr einzieht. Wir bezahlen gerne, schliesslich befinden wir uns in einem UNESCO Naturerbe. 

Unser Fazit zu St. Lucia: Es ist wirklich paradiesisch, wir haben uns zu jeder Zeit sicher gefühlt und würden (werden) wieder kommen.

Am Donnerstagmorgen um 5 Uhr klingelt der Wecker und bereits um 05:30 Uhr lösen wir die Leinen von der Boje und setzen wieder zur Verschiebung an. 

Tee für die Crew und Kaffee für den Skipper. Tschüss Pitons – tschüss St. Lucia.

Und auf geht’s weiter Richtung Süden.

Höchstwerte: Fast 40 Knoten Wind und über 8 Knoten Speed.

Unser Ziel ist (wieder) Bequia, wie schon nach unserer Atlantiküberquerung – wir sind Wiederholungstäter. Es ist ein klein wenig wie heimkommen. Alles kommt uns bekannt vor mit Health Check bei Daffodils (die gleichzeitig Wäscheservice anbieten) und das Einklarieren im Customs (wo die Mädels hinterm Schalter erstmal Whatsappbilder gucken, bevor es ans Bedienen geht) & Immigration. Wir freuen uns auf ein paar schöne Tage in bekannter Umgebung.

Unmaskiert im Paradies

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Au revoir Martinique

Au revoir Martinique

27.03. – 20.04.2022, Martinique – St. Lucia, Logstand seit Start: 5600 sm 

Nach der langen Zeit in der Marina, den Reparaturen und den damit verbundenen Kosten (wir haben unser Monatsbudget glatt um 100% überschossen!) wollten wir erst mal in Ruhe ankern und unsere Bordkasse etwas schonen. Zum Glück kostet das Ankern (meistens) nichts und auch das Wandern, Schwimmen und Schnorcheln ist umsonst.

Anse Chaudiere

Anse Chaudiere, wo wir vor Anker lagen, ist eigentlich der südliche Teil der (Petite) Anse d’Arlet. Quer durch die Bucht kommt man zu einem kleinen verschlafenen Ort am nördlichen Teil mit einem Strand, der für seine guten Schnorchelgründe bekannt ist. 

Schnorcheln in der Anse d’Arlet
Vom Boot aus schnorcheln
Seesterne (die aussehen wie aus Plastik auf dem Rasen hinter dem Haus)

Bis auf die Gemüsehändler, eine Bäckerei, eine Polizeistation und eine Apotheke hat es hier nur einige Restaurants am Strand und ein paar Stände mit lokalen «Handwerks»-Erzeugnissen. Das ist wohl wirklich der ruhigste Ort, den wir bis jetzt gesehen haben. 

Verschlafenes Örtchen Anse d’Arlet
Kleiderkauf in der lokalen Markthalle

Von hier aus geht auch ein Wanderweg über den Hügel zur nördlich gelegenen Grand Anse d’Arlet. Auf dem Schild stand 1,2 km 45 Minuten. 1,2 km ist ja nichts (die 45 Minuten hätten uns aber stutzig machen sollen…), also haben wir spontan entschieden die Miniwanderung zu machen. Als die wahren Tropenprofis waren wir natürlich zur grössten Mittagshitze unterwegs und da wir ja anfangs «nur» das Dörfchen anschauen wollten, hatten wir gerade mal einen halben Liter Wasser dabei – für uns beide! Der Weg hat steil angefangen und schon nach wenigen Metern waren wir recht heftig am Schnaufen, aber nach kurzer Zeit wurden wir mit einer sehr schönen Aussicht über die Bucht belohnt. Der Weg war nicht sehr gut markiert und zudem gab es immer wieder Abzweigungen. Es kam wie es kommen musste, wir haben uns prompt verlaufen und sind irgendwie immer tiefer ins Dickicht reingekommen. Als uns dann Google Maps mangels Netzes im Stich liess und auch das Wasser langsam knapp wurde, ist die Stimmung etwas angespannt geworden. «Ich habe ja immer gesagt, dass wir nicht ohne Wasser da reinlaufen sollten!» 

Es sind ja „nur“ 1,2 km….
Blick auf die Anse d’Arlet vom Wanderpfad aus

Naja, die Tatsache, dass du dies hier lesen kannst legt die Vermutung nahe, dass wir doch irgendwann in die Zivilisation zurückgefunden haben. Anderthalb Stunden sind wir im Dickicht rumgeirrt und haben schlussendlich unseren Einstieg wiedergefunden. Das eiskalte Bier im erst besten Strandrestaurant hat göttlich geschmeckt! Und das darauffolgende über Zuckerrohr grillierte Huhn hat ebenso dazu beigetragen, dass unsere Lebensgeister bald wiederhergestellt waren.

Ein paar Tage später haben wir es dann nochmals, und zwar mit genug Wasser und früher am Morgen, probiert. Dieses Mal haben wir auch besser aufgepasst und sind nach etwa einer Stunde auf der anderen Seite angekommen. Der Weg war wirklich nicht einfach und glich teilweise einer Kletterpartie. Der Badestopp am Strand der Grand Anse d’Arlet hat uns aber für die Strapazen entschädigt. 

2. Versuch
Grand Anse d’Arlet und nah am Ufer ein patrouillierender Schiffshalter

Frisch gestärkt und erhobenen Hauptes haben wir den Rückweg angetreten. Ein Klacks, jetzt kannten wir ja den Weg… Vertieft in ein Gespräch ist Biggi plötzlich aufgefallen, dass wir an einer Stelle waren, wo wir bereits 15 Minuten vorher vorbeigelaufen sind. Wir hatten es tatsächlich geschafft wieder im Kreis zu laufen! Ich will ja nicht sagen, dass ein Anflug von Panik aufkam, aber ab dort haben wir uns wieder 100% auf die Wegmarkierungen konzentriert und sind schlussendlich heil am Einstieg angekommen. So was Blödes aber auch!

Wer genau hinschaut sieht unsere Kreise….

Das Wetter hatte sich inzwischen richtig gemausert und es hat nur noch selten geregnet. Also haben wir den schönen Ankerplatz in der Anse Chaudiere genutzt wieder mal draussen zu übernachten. Was soll ich sagen, ist ja romantisch, aber wenn der Luftmatratze langsam die Luft ausgeht wird es irgendwann unbequem. Aber wir haben eisern durchgehalten und sind am Morgen entsprechend gerädert aufgestanden. Ja, man wird wohl nicht jünger…

Draussen schlafen
Ankern im Aquarium: Manchmal wimmelte es regelrecht von Fischen.

Während wir in der Anse Chaudiere lagen, haben wir zwei neue Crews kennengelernt. Ein kleiner norwegischer Kat (kleiner als unserer) mit sechs(!) Leuten an Bord. Die sind echt nett und hart im Nehmen! Eine Familie mit zwei kleinen Jungs und ein Pärchen, welches für drei Monate bei ihnen an Bord mitsegelt. Privatsphäre Fehlanzeige! Dann wurden wir von einem deutschen Pärchen per WhatsApp kontaktiert und waren zum Sundowner bei ihnen an Bord. Echt komische Typen, wir haben uns beide überhaupt nicht wohlgefühlt dort.

Das Ankern in der Anse Chaudiere (wie auch in der nächsten Bucht) war so ganz anders als man sich es hier in der Karibik normalerweise gewöhnt ist. Hier bläst der Wind immer aus östlicher Richtung, das heisst man kann davon ausgehen, dass die geankerten Boote alle in östlicher Richtung ausgerichtet sind. Wenn man einen Platz sucht muss man daher nur schauen, dass man seinen Anker etwa neben dem Boot wirft hinter dem man nachher zum Liegen kommen will. Nach dem Werfen werden 30 bis 40 m Kette rausgelassen während das Boot vom Wind nach hinten getrieben wird. Am Schluss fährt man den Anker mit dem Rückwärtsgang richtig in den Grund rein, damit er auch wirklich hält. Danach liegt man etwa drei Bootslängen hinter dem Vordermann und gut ist. So können zur Not auch ziemlich viele Boote auf engem Raum sicher ankern, wie zum Beispiel in St. Anne. In der Anse Chaudiere hat das aber überhaupt nicht funktioniert. Der Wind hat in Fallböen, die die Hügel runter «fallen», kurz, aber dafür zum Teil sehr heftig aus allen Richtungen geweht. Dazu kamen abrupte intensive Strömungswirbel, die das Boot ständig in alle Richtungen gedreht haben. Nachts ist der Wind häufig ganz eingeschlafen und so haben die Boote wegen der Strömung regelrechte Reisen in der Bucht unternommen. Manchmal war der Anker unter dem Boot und manchmal nördlich oder südlich davon. Wir haben dreimal umgeankert und auch andere mussten manchmal Hals über Kopf Ankerauf gehen, weil der Nachbar plötzlich fast auf Tuchfühlung lag. Dabei gilt die «Regel», dass der, der zuerst da ist immer das Vorrecht hat zu bleiben, alle die später kommen müssen schauen, dass sie den bereits dort liegenden Yachten nicht in den Weg kommen. Da wir insgesamt zehn Tage dort geblieben sind, waren wir bald die Alteingesessenen und konnten gelassen beobachten, wie die Neuankömmlinge völlig verdutzt realisierten, was in der Bucht an Verschiebungen abging.

Manchmal lagen die Nachbarn weit weg und plötzlich wieder ganz nah

Über Umwege haben wir erfahren, dass Thilo und Leonie, die den erfolgreichsten deutschen Seglerkanal «Blue Horizon» auf Youtube betreiben, eine Drohne suchen. Wir hatten im Vorfeld der Reise gedacht, dass wir auch Drohnenaufnahmen machen würden und uns zuerst eine kleine Drohne gekauft. Um Aufnahmen vom segelnden Boot machen zu können, muss die Drohne genug Power haben, um gegen den Wind anzukommen und das hatte die kleine Drohne nicht. Also wurde eine grössere «DJI Phantom IV» Drohne erstanden. Damit haben wir in der Schweiz ein paar Mal geübt, aber viel zu wenig um uns zu trauen damit über das offene Wasser zu fliegen. Also lag sie unbenutzt bei uns rum und wir hatten schon lange realisiert, dass wir nicht die Drohnenflieger werden würden und uns überlegt sie zu verkaufen. Da hat es natürlich super gepasst, dass die beiden dringend eine gebraucht haben. Der Grund dafür war übrigens, dass sie inzwischen vier(!) Drohnen ins Meer versenkt hatten. War wohl doch nicht so blöd, dem Fliegen über das offene Wasser mit dem nötigen Respekt zu begegnen.

Bye, bye DJI

Kurzum haben wir mit den beiden in der nächsten Bucht abgemacht und die Drohne übergeben. Abends kamen sie nochmals zum Essen zu uns an Bord. Unser Alkoholabstinenzprogramm wurde kurzfristig auf Eis gelegt und wir verlebten einen sehr feuchtfröhlichen Abend. Entsprechend mau waren wir dann am nächsten Morgen zwäg… Aber auch wir sind hart im Nehmen und schon um 9:30 Uhr todesmutig in See gestochen, um rechtzeitig in der Anse Noire anzukommen. Die knapp drei Meilen haben wir auch mit Brummschädel überstanden. 

Hier muss das Schnorcheln wirklich schön sein, wenn es schon in der Seekarte vermerkt ist.

Die Anse Noire gilt als der Schnorchel-Hotspot von Martinique, ist aber so klein, dass vernünftigerweise maximal 5 Boote dort drin Platz haben.  Mit uns waren es dann 10…!
Wir lagen so nahe am Steilufer, dass man schon fast rüber springen konnte. 
Sind dann aber trotzdem schnorcheln gewesen und konnten prompt mit zwei Meeresschildkröten schwimmen.

Danach ging es notgedrungen weiter (dort zu übernachten war uns zu riskant) und nach einem erfolglosen Ankerversuch in Anse a L’Ane, sind wir etwas weiter in der Anse Mitan gelandet. Nach der Beschaulichkeit der letzten Woche ein regelrechter Stress – und das alles mit einem Kater.

Anse Noire => Anse l’Ane => Anse Mitan

Die Anse Mitan war ebenfalls sehr voll, aber gross genug, dass wir einen guten Platz unmittelbar vor dem Ufer, aber relativ weit weg vom Ort gefunden haben. Am Tag darauf haben wir einen Landausflug gemacht, aber der Ort hatte nur wenig Charme. Es ist eines der ersten Touristenzentren von Martinique und wirkte irgendwie künstlich. 

Vor Anker vor dem Hotelstrand – Anse Mitan

Inzwischen stand das Wochenende vor Ostern vor der Tür und wir haben unsere Optionen bis zur Hurrikansaison diskutiert. Wir sind beide lieber vor Anker als unterwegs und geniessen es, genug Zeit zu haben einen Ort länger zu besuchen. Daher haben wir beschlossen jetzt umzukehren und den Kurs wieder Richtung Grenada abzustecken. So würden wir genug Zeit haben die Orte zu besuchen, die wir auf dem Weg nach Norden ausgelassen haben. Erster Zwischenstopp sollte St. Anne werden, dort wollten wir grosse Wäsche machen und auch unsere Frischwarenvorräte nochmals aufstocken, bevor es wieder zu den englischen Inseln gehen würde. Auf dem Weg sind wir wieder an der Anse Noire vorbeigekommen und als wir sahen, dass dort nur drei Schiffe lagen und ein guter Platz in der Mitte der Bucht noch frei war, haben wir spontan umentschieden und uns dorthin gelegt.

RARE BREED in der Anse Noire zum Zweiten und auf zum Schnorcheln

Wir blieben schlussendlich drei Nächte und haben ausgiebig geschnorchelt. Hier hat Biggi auch zum ersten Mal mit dem Abtauchen angefangen. Ist wohl gar nicht so einfach, wenn man es vorher nie probiert hat. Wir mussten beide herzhaft lachen, als sie einfach nicht runterkam und immer wieder wie ein Korken hochgeploppt ist. Sie sah dann ein klein wenig wie eine auf dem Kopf stehende Ente aus. Aber sie hat nicht lockergelassen und irgendwann war der Dreh dann draussen und Biggi unten am Grund.

Das Abtauchen will geübt sein
Nachmittags- und…
Abendstimmung in der Anse Noire

Während wir in der Anse Noire lagen, wurden wir von Thilo und Leonie angeschrieben. Ihr alter Aussenborder hätte endgültig den Geist aufgegeben und wir hätten doch noch einen kleinen 3.5 PS Aussenborder, den wir loswerden wollten?

Demzufolge haben wir auf dem Weg zurück nach St. Anne nochmals einen kurzen Stopp in der Grande Anse d’Arlet gemacht und Thilo und Leonie auch noch unseren kleinen Aussenborder übergeben. Biggi ist dabei zum ersten Mal ein Anlegemanöver längsseits an ein anderes Schiff gefahren. Da das Boot von Thilo und Leonie an einer Boje hing und sich immer leicht gedreht hat, war das nicht ganz einfach, hat jedoch gut geklappt.

Aussenborderübergabe an Thilo und Leonie

Zurück in St. Anne haben wir die Tage vor Ostern zum Einkaufen genutzt. Da wir nicht während der Feiertage an unserem nächsten Ziel St. Lucia ankommen wollten, haben wir entschieden erst nach Ostern hier Auszuklarieren und am Mittwoch nach St. Lucia zu segeln.

Osterschmuck am Kreisel bei St. Anne. Eier finden leicht gemacht 🙂
Wenn es schon nicht mit dem Angeln klappt, dann gibts einen Besuch am Fischmarkt
Vollmond über der Bucht von St. Anne

Am Ostersamstag haben wir nochmals die Wanderung zu den verschiedenen Stränden südlich von St. Anne gemacht. Unterwegs sind wir an regelrechten Zeltdörfern vorbeigekommen. Ein Teil der Lokalbevölkerung hat offenbar die Ostertage im Zelt am Strand verbracht. Dabei waren die halben Hausstände mitgekommen und richtige Freiluftküchen und Partytische usw. aufgebaut worden. Mit kleinen Generatoren wurde der Strom für’s Licht und die überall laut aufgedrehten Musikanlagen erzeugt. Kaum war man ein paar hundert Meter vom nächsten Parkplatz weg, wurde es aber wieder still und (fast) menschenleer. So konnten wir einen lauschigen Strandtag in der Petit Anse des Salines geniessen.

Überall sind solche Zeltsiedlungen entstanden
Da sind wir mit unserer Strandmuschel voll im Trend gelegen
Etwas weiter weg von den Parkplätzen war der Strand menschenleer

Zwei ereignisreiche Monate in Martinique liegen hinter uns: Shoppingcenter besucht und im Stau gestanden, viele schöne Ausflüge und Wanderungen gemacht, (zu) viele Croissants und Pain au Chocolat gegessen, sehr schöne Strände besucht und Schnorchelausflüge gemacht, (zu) wenig gesegelt, (viel zu) viele Reparaturen gemacht und Zeit in der Marina verbracht und – nicht zu vergessen – einen Zahn ziehen lassen.

Ein letztes Mal „Cafe avec Croissant et Pain au Chocolat“ – ein schöner Abschluss

Am 20. April haben wir Martinique verlassen. Das Ziel Rodney Bay auf St. Lucia liegt ca. 23 sm weiter im Süden. Zum ersten Mal nach dieser langen Zeit sind wir wieder über offenes Wasser gesegelt. Und wie! Der Wind war mit 20 bis 23 Knoten frisch und kam von der Seite, das heisst der schnellstmögliche Kurs zum Wind. Und schnell waren wir, mit etwas Unterstützung durch die hereinrollende Atlantikdünung kamen wir in Spitzen auf 10 Knoten Speed und das Speedometer pendelte die meiste Zeit zwischen 7 und 8 Knoten. Das war eine wahre Rauschefahrt mit dem zugehörigen Geschaukel und einer richtig heftigen Salzwasserdusche, als eine Welle voll gegen die Seite vom Boot klatschte und sich über das Cockpit ergoss. Da blieb kein Fleckchen trocken. Besonders schön – Biggi wurde es trotz des Geschaukels nie schlecht.

Rasante Fahrt nach St. Lucia
Ausser Tang nichts gefangen.

Nach den Hunderten von Booten in der Bucht vor St. Anne war es eine Wohltat in der Rodney Bay anzukommen und gerade mal 15 Boote vorzufinden. Platz a gogo zum Ankern.

Nach dem Aufklaren vom Boot und einem Mittagessen ging es zu den Behörden an Land um Einzuklarieren. Zuerst zum Health Check, drei Formulare, danach zum Customs, sechs(!) Formulare, und schliesslich zur Immigration, nochmals zwei Formulare. Dass überall das Gleiche ausgefüllt werden muss und dass wir zwei Tage vorher von Martinique aus alles schon elektronisch eingegeben hatten, tat nichts zur Sache. Vor Ort muss man trotzdem dieselben Angaben wieder x-Mal machen. Ausser als Arbeitsbeschaffung kann ich mir nicht vorstellen wozu das alles gut sein soll? Aber es waren alle zuständigen Personen nett und aufgestellt und am Schluss bekamen wir Armbänder angelegt, die uns berechtigen überall ohne Zertifikat reinzukommen. Ein bisschen kommen wir uns wie Gäste in einem «All-Inclusive»-Resort vor.

Formulare ohne Ende
Unsere „All-inclusive“-Bänder

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Hamnröta (=Hafenfäule)

Hamnröta (=Hafenfäule)

12.03. – 26.03.2022, Martinique: Le Marin – Anse D’Arlet, Logstand seit Start: 5538 sm

Dieser Bericht hat (wieder einmal) fast keine Seemeilen und wir haben ein wenig das Gefühl hier auf Martinique festzukleben. Einerseits, weil es uns hier halt schon gefällt, aber vor allem, weil wir so viel ungeplante Reparaturen und sonstige Aktionen hatten. Daher auch der Titel „Hamnröta“ was der schwedische Begriff ist, wenn ein Schiff nicht aus dem Hafen kommt bzw. dort „verfault“.

Beim letzten Beitrag waren wir in der Marina und unsere Motoren nach dem Reinigen der Dieseltanks und aller Leitungen wegen dem verschmutzten Diesel zwar wieder in Betrieb, aber sie liefen nur stotternd. Ein Dieselmotor muss ein absolut dichtes Dieselsystem haben, weil er sonst Luft ins System saugt und nach kurzer Zeit abstirbt. Genau das ist nach dem ganzen Zerlegen und wieder Zusammenbauen passiert. Trotz vorschriftsmässigem Entlüften wollten sie nicht sauber laufen. Nach einer längeren Suche waren die Übeltäter gefunden: Beide (!) auf Fehmarn im Mai 2021 neu eingebauten Separfilter hatten einen kleinen Riss im Deckel, wo natürlich Luft reingekommen ist. Auf Martinique war kein Ersatz aufzutreiben und so mussten wir notgedrungen zwei neue Grobfilter/Wasserabscheider kaufen und einbauen. Dabei haben wir auch gleich zwei neue elektrische Dieselpumpen ersetzt. Am 14.3. liefen endlich beide Maschinen wieder sauber. Ein Katamaran hat mit den doppelten Motoren zwar eine Redundanz (wenn einer ausfällt, kann man wenigstens mit dem zweiten weiterfahren) aber eben auch den doppelten Aufwand und Kosten. Der ganze „Spass“ hat uns fast € 1‘500.- gekostet.

Basteln am Backbordmotor (unter der Koje in unsere Schlafkabine)
Die defekten Separ-Filter und der neu installierte Ersatz

Zuhause kommt der Strom aus der Steckdose und kein Mensch käme auf den Gedanken das zu überwachen. Auf dem Boot ist das natürlich anders. Jedes Watt das wir verbrauchen muss irgendwie generiert bzw. in den Batterien geladen werden. Um den Überblick zu behalten verwenden wir einen Batteriemonitor der ständig die entnommene und zugeführte Energie misst und den Zustand per App anzeigt. Ich werfe jeden Tag mehrmals kurz einen Blick drauf um allfällige Unregelmässigkeiten rechtzeitig zu entdecken. So auch am Sonntagnachmittag den 13.3. Obwohl es schön sonnig war hat keine der drei Sonnenzellen geladen und die Batterien waren nicht – wie sonst immer – 100% voll. Als erstes haben wir das Landstromkabel angehängt, was wir sonst nie machen, da die Sonnenzellen immer mehr als genug laden. Auch das hat nichts gebracht, denn da kam auch kein Strom. Komisch. Also hatten wir zwei Elektroprobleme auf einmal: Die Sonnenzellen haben nicht geladen UND das Landstromkabel hat offenbar einen Wackelkontakt. Jetzt hat sich ausgezahlt, dass ich die ganze Sonnenzelleninstallation damals auf Fehmarn selber entworfen hatte, denn der Fehler mit den Sonnenzellen war dann recht schnell gefunden: Ich hatte zwischen den Solarladereglern und den Batterien einen Batterieschalter eingebaut, um das Laden der Batterien abstellen zu können. Der Schalter war für 300 Ampere Dauerleistung ausgelegt (geflossen sind nie mehr als vielleicht 100 Ampere) und seit Monaten konstant eingeschaltet gewesen. Von jetzt auf plötzlich hat er den Geist aufgegeben. Ohne dass er bewegt wurde und ohne irgendwelche äussere Zeichen, dass etwas faul sei. Da ich ihn entgegen meiner ursprünglichen Annahme fast nie ausgeschaltet hatte, habe ich ihn nicht ersetzt, sondern kurzerhand kurzgeschlossen und die Sonnenzellen haben wieder brav geladen. Danach haben wir die Stecker vom Landstromkabel aufgeschraubt und siehe da, eine Ader hatte sich gelöst. So haben wir wieder ungeplant zwei bis drei Stunden mit Flicken verbracht. Dies nur als Illustration, wie wir unsere Zeit verbringen 😉. 

Batterieüberwachung und der defekte Schalter
Elektrobasteln = Kabel flicken im Cockpit

Als Nebenschauplatz war ja auch noch unser defekter Hondagenerator. Da der Verkäufer es verpennt hat ihn ins Hondasystem einzutragen, hat sich die hiesige Hondavertretung geweigert ihn auf Garantie zu reparieren. Weder der ursprüngliche Händler in Deutschland noch Honda Deutschland wollten etwas machen – jeder schob die Schuld auf den anderen. Als dann die hiesige Hondavertetung (Mechanic Plaisance) sogar eine „Parkgebühr“ von € 50.-/Tag wollte, weil der Generator bei ihnen in der Werkstatt stand – während ich versucht habe die Garantie/Kulanz zu regeln – ist mir die Hutschnur geplatzt. So ein lausiger Kundenservice ist mir echt noch nie untergekommen. Jetzt steht der Generator wieder in seiner Kiste und wir werden schauen, ob wir ihn in Grenada flicken lassen können. Von der Firma Honda kommt mir nie mehr ein Teil an Bord!!

Da unser Backup für die Stromversorgung (eben der Hondagenerator 🙄) jetzt weg war, habe ich das eingebaute, aber bis jetzt nicht angeschlossene Batterie-zu-Batterie-Ladegerät (B2B-Lader) in Betrieb genommen. Bisher haben wir unsere Lithiumbatterien nur über die Sonnenzellen geladen. Die Motoren haben nur die Starterbatterien geladen. Dies weil das Laden von Lithiumbatterien etwas komplexer ist und potentiell zu Beschädigungen der Lichtmaschinen an den Motoren führen kann. Mit dem Hondagenerator als Backup war es also nicht nötig auch diese Komplexität (=weiteres elektronisches Gerät) ins System einzubauen. Ohne den Generator musste ich in den sauren Apfel beissen und den B2B-Lader doch anschliessen. Schlussendlich war es dann leichter als gedacht und in einem Tag abgeschlossen. 

Der B2B-Lader in Betrieb
Wenn man schon einen Stegplatz mit Wasseranschluss hat: Fender putzen und die neuen Wasserfilter ausprobieren
Waschsalon vs. Hand- bzw. Fusswäsche

Nachdem wir die technischen Probleme gelöst hatten, hätten wir eigentlich aus der Marina raus können. Aber da Biggi’s Backenzahn am Montag den 21.03. gezogen werden würde, haben wir den Aufenthalt bis zum folgenden Freitag verlängert. Um die Zeit besser zu nutzen und um für den Eingriff und allfällige Komplikationen mobil zu sein, haben wir uns ausserdem ein Auto für eine Woche gemietet. Die Automietaktion war schon sehr speziell. Von anderen Seglern hatten wir den Tipp bekommen, wo man ein günstiges Auto mieten könne, man müsse einfach keine zu grossen Erwartungen haben. So war es dann auch, die Mietfirma hat ein vielleicht 10 Quadratmeter grosses „Büro“ und ein Chaos ohne Ende. Unser reserviertes Auto war natürlich nicht verfügbar, als wir kamen. Um ehrlich zu sein wussten sie nicht mal wo es war. Also wurde hektisch rumtelefoniert bis irgendwann ein Auto auftauchte. Ein dreckiger, verbeulter und verrosteter Peugeot 107, der mit 188’000(!) km seine besten Tage schon lange hinter sich hatte. Bremsen und Motor funktionierten noch, im Gegensatz zu so ziemlich allem anderem. Aber wer braucht schon eine Klimaanlage, wenn es Fenster hat? Und Rückspiegel werden auch überbewertet… Wie hatte der Segler gesagt – „Man hätte das Gefühl, die Autovermietung vermietet ein Auto und klaut es dann irgendwo.“ So ganz sicher waren wir nicht, ob da alles mit rechten Dingen zu und her ging.

Das Auto von seiner weniger verbeulten Seite…
… und von der weniger hübschen Seite – 188’000 km auf dem Tacho!
Ja auch hier auf Martinique gibt es regelmässig Stau

Die erste Fahrt ging zum Shoppingviertel in Le Lamentin. Mit gezückten Einkaufslisten wurden „Mr Bricolage“, «Decathlon» und „La Galleria“ systematisch abgearbeitet. Vor allem das «La Galleria» war fast schon ein Kulturschock für uns: Das ist ein riesiges Einkaufscenter, mit einer Lebensmittel- und Haushaltabteilung, die sich nicht mal hinter dem KDW in Berlin verstecken müsste. Wir wollten unter anderem eine neue Bratpfanne kaufen und wurden ob der riesigen Auswahl fast erschlagen. So etwas hätten wir hier in der Karibik nie im Leben erwartet! Da wir vorhaben die Hurrikan-Saison von Juni bis November in Grenada zu verbringen, war es DIE Möglichkeit nochmals unseren Lebensmittelvorrat aufzustocken. Vor allem Sachen, die es auf anderen karibischen Inseln entweder gar nicht gibt, oder aber nur zu sehr viel höheren Preisen wurden gebunkert – und wieder einmal sind wir mit vollen Stauräumen und einem entsprechend schweren Boot unterwegs…

Shoppingwahnsinn: Hier gibt es (fast) nichts was es nicht gibt.
Es gab auch eine Tierhandlung, die sogar Hundewelpen und Kätzchen verkauften. Das war schon etwas heftig!
Flossen anprobieren

Mit dem Auto haben wir natürlich auch ein paar Ausflüge gemacht und sind an die Atlantikküste von Martinique gefahren, weil wir dort eher nicht mit dem Boot hinkommen werden. Die Halbinsel «Presqu’Île de la Caravelle» und eine Wanderung bei «Le Vauclin» waren sehr eindrücklich. Sehr schöne Strände, welche aber alle mit grossen Mengen von den hier überall vorkommenden orangegelben Algen bedeckt sind. Der Geruch ist auch sehr penetrant, da der Wind hier immer vom Meer her weht. Hier liegt auch sehr viel Müll rum und es stimmt einen schon traurig, wie man wirklich überall in der Natur statt Fuss- die Abfallspuren der Menschen sieht.

Hafeneinfahrt des Grauens an der Atlantikküste: Wer hier nicht den richtigen Moment erwischt hat verloren!
Halbinsel „La Caravelle“
La Caravelle – Leeküste
Rundwanderweg auf Le Vauclin mit den Algenstränden
Überall Abfall 😔

Die sechs Kilometer lange Rundwanderung bei «Le Vauclin» ging dem Meer entlang um ein Kap zur Leeseite, durch Savannen, Mangroven und Wälder. Die angegebenen 20m Höhenunterschied laut Beschreibung haben nicht ganz gestimmt, schlussendlich haben wir laut Wanderapp 420 Höhenmeter gemacht – und das alles natürlich in der grössten Mittagshitze – Profis halt…

Trou de Cochon

Apropos grösste Mittagshitze – das Wetter hat sich tatsächlich ab Mitte März etwas normalisiert – es regnet viel weniger und auch der Wind bläst nicht mehr immer ganz so stark.

Am 21.3. war es dann soweit und es  ging Biggi’s Zahn an den Kragen – oder besser an die Wurzel. Der Eingriff ging erstaunlich schnell und nach nicht mal 45 Minuten hat Biggi mich mit etwas undeutlicher Aussprache aus dem Wartezimmer gerufen. Schnell noch die Medikamente in der angrenzenden Apotheke geholt und ab zu einem Ausflug, den wir dann aber wegen ihrer Schmerzen abgeblasen haben. Die folgenden Tage waren kulinarisch gesehen etwas eintönig, da Biggi vieles nicht essen durfte. Inzwischen geht es wieder besser, aber Hühnerbrühe wird wohl so schnell nicht mehr auf unserem Speiseplan stehen. Da Biggi wegen ihrer Medi’s keinen Alkohol trinken darf, haben wir beschlossen eine Alkoholpause einzulegen. Als Alternative zum Sundowner mit Rum haben wir Guavejuice entdeckt!

Unser neues Lieblingsgetränk – Guavejuice

Le Marin, wo auch die Marina liegt ist ein verzweigter „Fjord“ wo vermutlich mehrere Hundert Schiffe an Bojen oder vor Anker liegen. Einige davon sind in einem erbärmlichen Zustand und vermutlich schon seit Jahren nie mehr bewegt worden. Keine Angst – soweit wird es bei uns dann doch nicht kommen!

Blick über einen Teil vom Ankerfeld in Le Marin. Das „Boot“ mit dem Sonnendach im rechten Bild bestand wirklich nur noch aus Rost – aber es lebt jemand mitsamt Hund und Katze darauf.

Statt grosse Wanderungen zu machen, sind wir kurzerhand mit dem Auto zum Strand gefahren und haben so die Wartezeit überbrückt. Lustig eigentlich, denn seit wir mit dem Boot unterwegs sind, sind wir fast nicht mehr an einem Strand zum Baden, da wir lieber direkt vom Boot ins Wasser hopsen.

Kleine Wanderung zum Strand Petite Plage des Salines
Auf Martinique gibt es immer wieder grosse Herden weidender Kühe, was man auf den anderen Karibikinseln wesentlich seltener sieht.

Am letzten Abend in der Marina waren wir schon im Bett, als es irgendwo in der Nähe plötzlich eine Art „Guggen-Konzert“ gab. Eine Trommlertruppe hatte sich auf dem Parkplatz vor dem kleinen Supermarkt eingefunden und gab ihr Bestes, um alle im Umkreis von ein paar Kilometern wach zu halten. Logisch sind wir wieder raus aus den Federn und ab auf die Piste 😎.

Bengalisches Feuer – nur das beste für die Gäste
Unser auf dem Parkplatz abgestelltes Auto eignet sich offenbar auch gut als Sitzgelegenheit bzw. Getränkeablage…

Am Freitag den 25.3. war es dann soweit, wir haben die Marina verlassen und gleich noch die halbvollen Dieseltanks wieder aufgefüllt. Dabei hatten wir das Glück, von noch sehr moderaten Preisen profitieren zu können. In Martinique sind die Preise an allen Tankstellen gleich und sie werden jeweils nur zum Monatsbeginn angepasst. Das heisst, wir konnten Diesel für € 1.67 pro Liter bunkern, während er in Europa an den meisten Stellen ein Stück über € 2.- liegt. Bei 230l fällt das schon ins Gewicht.

Abfahrt vom Tanksteg und zurück nach St. Anne

Für eine Nacht tuckerten wir zurück nach St. Anne.

Das Dinghydock von St. Anne – und wieder haben ein paar Schlaumeier ihr Dinghy zu kurz angebunden und vergessen, dass es auch hier einen Tidenhub hat.
Abendstimmung in St Anne mit – was wohl? Richtig! Einen Guavesaft! 😉

Am Samstag haben wir den Mietwagen zurückgebracht und sind dann bei Jean-Francois und Dominique – unsere lieben Stegnachbarn, die uns zum ersten Zahnarzttermin gebracht haben – zum Essen eingeladen gewesen. Sie lagen mit ihrem kleinen Katamaran (noch 1 Fuss kürzer als unserer 😬) neben uns in der Marina und haben uns immer wieder ihre Hilfe angeboten und auch sonst mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Als Dank für ihre Unterstützung hatten wir sie vor Biggis zweitem Zahnarzttermin zum Essen bei uns an Bord eingeladen und nun wollten sie sich ¨ revanchieren. Sie leben das halbe Jahr hier auf Martinique, wo sie den Kat in der Marina und zusätzlich eine kleine Wohnung mit Blick über den Hafen und die Bucht von „Le Marin“ haben. Die restliche Zeit vom Jahr verbringen sie in ihrem Haus in Frankreich oder kurven mit ihrem Wohnmobil durch Europa. Da hat jemand wohl alles richtig gemacht!

Sie haben uns lauter Spezialitäten von Martinique aufgetischt: Accras mit Fisch, eine scharf gewürzte Blutwurst zum Auszuzeln und einen Auflauf aus Christophenes. Aber das Highlight war ein über Zuckerrohr grilliertes Poulet mit kreolischen Kräutern. Magnifique! Wobei die mit Rum flambierten Bananen zum Nachtisch auch nicht ohne waren.

95% der Unterhaltung verlief auf Französisch und obwohl Biggi eigentlich kein Französisch kann, hat sie fast alles verstanden und mit Händen und Füssen fleissig mitgeredet.

Jean-Francois und Dominique mit ihrem Hund Junior
Abends haben wir uns in der Strandbar in St. Anne mit Jürg und Katharina von der Schweizer Yacht STELLA MARIS getroffen. Schön mal wieder Schweizerdeutsch reden zu können nach dem vielen Französisch am Nachmittag.

Am Sonntag fuhren wir von „St. Anne“ nach „Anse d’Arlet“, eine kleine Bucht an der Westküste von Martinique. Dabei haben wir die Abkürzung durch den „Passe des Fous“  (=Pass der Verrückten) zwischen Martinique und dem „Diamond Rock“ genommen. Ich weiss nicht wieso er diesen Namen trägt, denn die Durchfahrt war unproblematisch und landschaftlich reizvoll.

Endlich wieder unterwegs. In der Ferne ist der Diamond Rock und die Durchfahrt ersichtlich
Le Rocher du Diamant – Diamond Rock. Früher von strategischer Bedeutung, heute immer noch imposant (und sieht bisschen aus wie Darth Vader, oder?).
„Passe des Fous“ und unser „Riesenschlag“ von gerade mal 13 Seemeilen nach Anse D’Arlet 😉

Nachdem unsere Versuche mit der Schleppangel nur Algenfetzen eingebracht haben, hat Biggi einen Angelversuch am Ankerplatz gestartet. Obwohl es ganz offensichtlich viele Fische hat, war unser Köder wohl nicht nach ihrem Gusto. Gab es halt Spaghetti mit dem letzten Glas selber eingekochter Bolognese aus der Schweiz zum Nachtessen. Auch gut!

Die Profifischer am Werk….
Vor Anker in Anse D’Arlet
und wieder einmal ist Schiffschrubben angesagt.
Biggi ist für den oberen und ich für den unteren Teil „zuständig“

Anse D’Arlet ist ein beliebtes Wochenend-Ausflugsziel für die Jugend und die Bucht war voller Motorboote, deren Musikanlagen sogar lauter als die Motoren waren. Erst spätabends sind die letzten Partyjünger in den Hafen zurück und die Ruhe ist in der Bucht eingekehrt.

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