Weltumsegelung, heisst, das Boot an den schönsten Orten der Welt zu reparieren…
21.5.-22.8.2026, Vista Mar Marina – Islas Perlas, 8751 sm seit Start
Der Begriff «Weltumsegelung» ist nicht wirklich zutreffend für diese Reise, und ob die Vista Mar Marina zu den «schönsten Orten» der Welt gehört, darf ebenfalls bezweifelt werden. Aber dass wir hier viel am Reparieren sind, trifft zweifellos zu. Dieser Bericht hat daher viel Bootstechnik drin, aber ich werde versuchen mich zurück zu halten 😉

Als wir anfangs Mai, statt wie geplant zu den Perleninseln zu segeln, notfallmässig in die Vista Mar Marina abdrehen, ahnen wir zum Glück noch nicht, wie lang dieser «Zwischenstopp» dauern wird. Im letzten Bericht nahmen wir noch an, dass wir bis Ende Juni, oder vielleicht bis im Juli alle Reparaturen erledigt haben würden. Nun ja, inzwischen sind mehr als drei Monate vergangen und wir sind erst seit kurzem aus der Marina rausgekommen… Was´n da los gewesen? Ich versuche mal die Ereignisse halbwegs chronologisch zu erzählen.
Als erstes packen wir das Motorenproblem an und bestellen die benötigten Teile, welche natürlich länger als erhofft brauchen und dann auch noch im Zoll hängen bleiben. Vor Ende Mai wird da nichts mehr passieren – also in Bezug auf den Motor, denn anderweitig passiert schon einiges…


Vom 25. auf den 26. Mai zieht eine Gewitterfront über die Marina, natürlich um 4 Uhr morgens. Wir wachen auf, weil es draussen laut knattert und das ganze Boot vibriert. Der Wind heult mit weit über 40 Knoten durch die Marina und bläht unser Code0 Vorsegel teilweise aus. Innert Sekunden sind wir auf den Beinen und reissen das wild schlagende Segel so schnell wie möglich an Deck runter. Die Kraft vom Wind ist enorm, der Regen fliegt waagerecht und mich reisst es einmal mitsamt dem Segel sogar vom Deck in die Luft hoch. Dabei verdrehe ich mir den Daumen und Zeigefinger der rechten Hand, etwas, was ich vor lauter Adrenalin aber erst merke als wir wieder im Bett liegen. Der ganze Spuk dauert gerade mal 20 Minuten und dann ist der Wind schlagartig wieder weg und es regnet nur noch. Diese 20 Minuten reichen aber aus, um das Segel an zwei Stellen einzureissen und die ALU-Befestigungslasche vom Gennakerbaum zu verbiegen. Ein teures «Vergnügen».

Die Reparatur des Gennackerbaums kann von einem Metallbaubetrieb in der Nähe erfolgen. Aber um das Segel flicken zu können, müssen wir erst das nötige Segeltuch in USA bestellen. Uns wird langsam bewusst, dass wir hier wohl doch nicht so schnell rauskommen werden.

Während wir auf die bestellten Motorenersatzteile warten, nutzen wir die Zeit um unsere Passerneuerungen anzutriggern. Ich fliege von 3.-5. Juni nach Guatamala City um in der Schwedischen Botschaft die nötigen Formalitäten zu erledigen. Leider entpuppt sich Guatamala City nicht unbedingt als die touristische Topdestination, ausserdem ist die Stadt nicht ganz ungefährlich. Also bleibe ich in den sicheren Vierteln und sehe nicht wirklich viel.


Auf dem Rückweg treffe ich mich mit dem Schweizer Martin von der AMELIE in Panama City. Er hat den neuen Topsviwel für unsere Rollanlage und Biggis Geburtsurkunde dabei, die uns Karin aus der Schweiz mitgebracht hat.
Nochmals ganz herzlichen Dank an Karin und Martin für die Botendienste!




Jetzt haben wir auch alle nötigen Unterlagen zusammen um Biggis Passantrag stellen zu können (wobei die Frage erlaubt sei, wieso Deutsche Staatsangehörige eine Original-Geburtsurkunde hierfür vorlegen müssen). Am 8. Juni fahren wir also wieder mit dem Überlandbus nach Panama City und besuchen die Deutsche Botschaft. Hier fahren alle 10-20 Minuten Sammeltaxis oder Busse der Panamericana entlang. Man muss also nur warten bis einer auftaucht. Dabei erlebt man manchmal haarsträubende Sachen, wie z.B. ein riesiger Monitor, der den grössten Teil der Windschutzscheibe abdeckt und nicht nur die Sicht vom Fahrer einschränkt, sondern diesen auch mit lautstarken Musikvideos ablenkt. In Panama passieren etwa 140 Unfälle im Strassenverkehr pro Tag, Tendenz steigend. Bei der Fahrweise und dem oftmals desolaten Zustand der Fahrzeuge verwundert das nicht. Da kann man nur hoffen, dass es einen selber nicht trifft…

Die deutschen Behörden sind wesentlich komplizierter und vor allem, weniger effizient als ihre schwedischen Kollegen. Mein neuer schwedischer Pass ist schon knapp zwei Wochen nach meinem Besuch in Guatamala beim Konsulat in Panama City abholbereit. Biggi muss zwischen 4 und 8 (!!) Wochen auf ihren neuen Pass warten. (Spoiler: Als der Pass dann endlich am 10. Juli fertig zu sein scheint, stellen die Botschaftsmitarbeiter fest, dass sich ein Fehler im Pass eingeschlichen hat und sie einen neuen bestellen müssen!! Also fängt die Wartezeit wieder von neuem an…)

Anfangs Juni ist es dann soweit und wir haben alle benötigten Motorenersatzteile da und die neue Förderpumpe kann eingebaut werden. Beim ersten Testlauf läuft der Motor wieder einwandfrei. Wenige Tage danach mache ich einen längeren Lasttest und stelle ernüchtert fest, dass der Motor nach ca. 30 Minuten Laufzeit wieder die Leistung/Drehzahl verliert. Also wird der Dieselmechaniker wieder an Bord geholt. Diesmal meint er schon nach wenigen Minuten, dass die Einspritzpumpe ein Problem hat und von ihm neu eingestellt bzw. revidiert werden müsse. Als er uns die Kosten von $ 2´500.- nennt, sind wir kurz sprachlos (die erste Reparatur hat alles in allem bereits fast $ 1´000.- gekostet). Ich traue der (zu) schnellen Diagnose nicht und fange an nach Alternativen zu suchen. Eine Anfrage bei ChatGPT und ein Gespräch mit Martin, der früher Lastwagenmechaniker war, bestärken mich in meiner Vermutung, dass die Aussage vom Mechaniker weniger auf technischem Verständnis sondern eher auf monetäre Interessen zurück zu führen ist. Als ich ihm gegenüber meine Vermutung äussere, dass ich das Problem zuerst bei der Dieselzufuhr suchen würde, zuckt er nur mit den Schultern. Da er der einzige Mechaniker weit und breit ist, heisst das, dass ich ab jetzt auf mich selber gestellt bin.

Die Fehlersuche gestaltet sich ziemlich aufwendig, aber am Schluss liegt es wohl an einem verstopften Dieselansaugstutzen im Tank. Dieser lässt sich leider nicht lösen, also muss eine neue Lösung her und die heisst Tagestank. Ich kann über befreundete Segler zwei 25l grosse Dieseltanks in Holland bestellen, die wir anfangs September bekommen werden. Bis dahin läuft der Motor halt mit Diesel aus einem Kanister. Interessanterweise kann ich den Kanister mit einer kleinen 12V Dieselpumpe problemlos via dem Entnahmeschlauch vom Haupttank füllen, aber sobald dieselbe Leitung zum Motor geht, funzt es nicht mehr richtig. Das versteht wer will… Diese ganze Sache hat übrigens bis in den Juli hinein gedauert.

Am 15. Juni werde ich 64 Jahre alt und kann den Kaffee morgens aus einer schönen neuen roten CH-Tasse, die Karin uns auch mitgebracht hat, geniessen. Die Freude währt nicht allzu lange, denn leider schlägt der Klabautermann schon in der folgenden Nacht wieder zu. Wir haben einen Totalausfall der Bordstromversorgung. Das Batteriemanagement System spielt völlig verrückt. Der Effekt ist, dass das ganze System sich im Sekundentakt aus- und wieder einschaltet. Und genau das passiert nachts um zwei Uhr. Plötzlich fangen alle Kontrolllämpchen an zu blinken und diverse Geräte schalten sich abwechselnd aus und wieder ein. Es braucht ein paar Sekunden bis mein vom Schlaf umnebeltes Gehirn überhaupt versteht, wieso hier gerade eine Lichtshow wie in der Disco abgeht. Es ist einer ruhigen Fehleranalyse nicht gerade förderlich, wenn es überall blinkt, piept und klickt.
Die einzige Art dem Chaos ein Ende zu bereiten ist, die Batterien sofort zu laden. Wir laden im Normalfall nur über unsere Sonnenzellen, was in stockdunkler Nacht natürlich nicht geht.
Zweite Option: Landstromkabel anschliessen. Panama hat wie USA ein 110V Stromnetz, wir als europäisches Boot brauchen aber 220V. Um unser Kabel anzuschliessen muss der Marinaelektriker erst die 220V Versorgung einrichten. Nachts um 3 Uhr ist natürlich kein Elektriker wach.
Also dritte Option: unseren kleinen Honda Generator aus seinem Versteck in der Backskiste zerren, das Ladekabel hervorkramen und alles anschliessen. Und alles natürlich in völliger Dunkelheit mit einer Stirnlampe auf dem Kopf. Den Generator hatten wir schon monatelang nicht mehr gebraucht, da wir immer genug Sonnenenergie hatten. Tja, was soll ich sagen, kleine Motoren, die zu lange still stehen rächen sich mit Unzuverlässigkeit. So auch hier, er springt zwar an, aber nach ein paar Minuten ist es wieder still im Cockpit. Der Honda will nicht mehr. Vermutlich wegen zu altem Benzin im Tank.
Jetzt müssen wir zur allerletzten Notlösung greifen und den Dieselmotor starten. Davon haben wir zwei, aber der eine ist bekanntlich zu diesem Zeitpunkt noch ausser Betrieb. Wir sind gar nicht dafür eingerichtet die Lithiumbatterien mit den Motoren zu laden, da dies eigentlich extrem ineffizient ist. Demzufolge sind unsere Lichtmaschinen viel zu schwach und der Ladestrom viel zu tief um die Batterien voll zu bekommen. Das heisst, der Dieselmotor muss bis zum Morgen weiterlaufen bis wir einen Elektriker dazu bewegen können uns einen 220V Anschluss zu legen oder die Sonnenzellen wieder anfangen zu laden. Die verbleibenden Stunden bis zum Sonnenaufgang werden nicht sonderlich erholsam….

Die kommenden Tage verbringe ich damit, unsere Batteriebank genauer kennen zu lernen, denn bis jetzt habe ich dort nicht viel gemacht. Mangels Überwachungsmöglichkeiten, habe ich sie – frei nach dem Motto «Never touch a running system» – bis jetzt eher vernachlässigt bzw. angenommen, dass sie schon IO ist. Schliesslich hatten wir bis jetzt immer genug «Saft» um uns keine Sorgen machen zu müssen. Es gibt ja viele mehr oder weniger geistreiche Redewendungen bei Booten, wie z.B. «An deinem Boot ist alles kaputt, du weisst es nur noch nicht!» In diesem Fall trifft das voll zu.

Ohne ein Interface nach aussen muss ich eine der sechs Batterien ausbauen und öffnen um festzustellen, dass die einzelnen Zellen völlig unbalanciert sind. Das ist wohl auch der Grund, dass das Batterie Management System den Blackout ausgelöst hat. Eine Woche lang versuche ich diese Batterie wieder auszubalancieren und unsere Vorschiffskabine sieht aus wie ein Elektrolabor. Abgesehen davon, dass die Batterie sich gar nicht mehr richtig ausbalancieren lässt, stelle ich auch fest, dass sie sich im Prozess aufgebläht hat. Das Gehäuse lässt sich gar nicht mehr schliessen, weil die Schrauben nicht mehr in die Löcher reinpassen! Die auf Booten verwendeten Lithium-Eisen-Phosphatbatterien sind an sich relativ sicher, aber wenn sie anfangen sich aufzublähen wird es kritisch. Eine brennende Lithiumbatterie ist die ultimative Katastrophe auf einem Boot. Jetzt ist uns klar, dass wir hier etwas unternehmen müssen, diese Batterien sind erstens nicht mehr leistungsfähig und zweitens latent gefährlich. In Panama bekommt man natürlich keinen Ersatz und weil solche Batterien als Gefahrengut klassifiziert sind, können sie nur per Seefracht hierher geschickt werden. Und das dauert typischerweise 1-2 Monate. Der einzige Trost: Die Preise für Lithiumbatterien sind in den letzten Jahren massiv gesunken und so sind die Kosten wenigstens halbwegs erträglich. Und die neuen Batterien sind leistungsfähiger und haben ein App-Interface für die Überwachung. Ich kann sie also künftig regelmässig überprüfen ohne vorher die ganze Vorschiffskabine auseinander zu bauen.


Neben all den geplanten und ungeplanten Reparaturen gibt es noch einige Sachen, die wir bisher auf die lange Bank geschoben haben. Hier in der Marina bietet sich nun die Gelegenheit einiges davon zu erledigen. Allen voran sind dies Näharbeiten mit unserer neuen «Sailrite» Nähmaschine. Das Nähen ist ausschliesslich Biggis Sache. Ich kann es schon mal wegen meinen schlechten Augen nicht machen und habe ehrlich gesagt auch keine grosse Lust mich damit zu befassen. So hat jeder seine Nischen in die der andere nicht «reinpfuscht». Es entstehen mehr und mehr genähte Schiffsverbesserungen. Als Krönung sogar ein neue Tasche für den Spinnaker.

Eines der absolut schwierigsten Nähprojekte sind sogenannte Dinghy-Shaps. Das ist ein passgenauer «Anzug» für das Schlauchboot. Die tropische Sonne zerstört über kurz oder lang die Oberfläche der Schläuche und lässt sie undicht werden. Daher machen viele Segler diesen Schutz hin. Von einem anderen Segler können wir das passende Material zu einem sehr vorteilhaften Preis kaufen und Paul, ein sehr erfahrener Segelmacher, erklärt sich bereit, uns die Shaps für einen ebenfalls sehr attraktiven Preis herzustellen. Und so bekommt unser Beiboot ein knallblauen Schutzüberzug.


Die Antibewuchsfarbe auf Booten ist dafür ausgelegt, dass sie den Bewuchs am besten verhindern, wenn das Boot in Fahrt ist. Wenn ein Boot still liegt ist sie wesentlich weniger effizient. Da wir uns seit dem Einwassern wahrlich nicht viel bewegt haben, ist unser Unterwasserschiff zur Seepockenbrutstätte mutiert.

Seepocken bauen kleine harte «Hüte» aus Kalk, die sich fest mit dem Rumpf verbinden. Inzwischen war die Kolonie von Seepocken über das ganze Unterwasserschiff verteilt – vermutlich mehrere tausend so kleine Hüte egal wo man hinlangt. Mit einer Bürste kann man da gar nichts mehr ausrichten. Da hilft nur eine Spachtel und ganz viel Kraft um die abzubekommen. Viele Boote haben deswegen spezielle Luftkompressoren mit einem sehr langen Schlauch und ein Mundstück an Bord mit dem man unter Wasser arbeiten kann ohne immer wieder auftauchen zu müssen um Luft zu holen. Diese Anlagen kann man für ein paar Tausender fixfertig kaufen. Oder für ein paar Hunderter selber bauen. Und so entsteht plötzlich das nächste Projekt – wir haben ja sonst nichts zu tun…
Einige Youtubevideos und Besuche im lokalen Do It Center später habe ich alles beisammen. Sogar einen akkubetriebenen ölfreien Luftkompressor gibt es hier zu kaufen. Hat mich schon erstaunt, weil sonst vieles hier in Panama nicht erhältlich ist. Der Kompressor hat einen 6 Liter «grossen» Drucktank und schafft es 8 Bar Druck aufzubauen, ausreichend um genügend Luft zum Atmen zu haben. Der Zusammenbau geht erstaunlich flott und siehe da, ist fast schon wie Flaschentauchen. Wobei man sich erst daran gewöhnen muss statt einer Tauchflasche auf dem Rücken einen 15m langen Luftschlauch hinter sich herzuziehen. Die Arbeit unter Wasser ist immer noch sehr anstrengend, aber um Welten einfacher als mit dem Schnorchel. Das Projekt hat sich definitiv gelohnt.


Einige der Mastarbeiten, die wir in Shelter Bay haben machen lassen, haben leider nicht funktioniert. Vermutlich auch, weil der dortige «Rigger» eben kein Fachmann war und vieles schlichtweg nicht wusste. Das heisst, dass wir neben der Reparatur der Rollanlage noch einige Sachen im Masttopp werden erneuern/verbessern müssen. Hier in der Vista Mar Marina können keine Masten gelegt werden und alles muss am stehenden Rigg gemacht werden.
Aus diesen Gründen entscheiden wir, dieses Mal einen ausgewiesenen Profi zu engagieren. Davon gibt es aber leider keinen in Panama. Befreundete Segler hier haben auch Riggprobleme und so lernen wir Julian kennen, als er an deren Rigg arbeitet. Seine Arbeit und Fachwissen überzeugen uns so, dass wir ihn an Ort und Stelle engagieren, obwohl er für uns aus Guatemala wird anreisen müssen. Julian hat erst wieder anfangs Juli Termine frei, was zwar etwas später ist als uns lieb wäre, aber es geht halt nicht anders.

Kaum zurück in Guatemala hat Julian einen medizinischen Notfall und muss operiert werden, was natürlich die gesamte Planung über den Haufen wirft. Das ist aber kein Drama, denn inzwischen ist uns auch klar, dass Biggis Passdebakel uns um mindestens einen weiteren Monat zurückwerfen wird.

In der zweiten Julihälfte ist Julian wieder gesund und munter und kann zu uns kommen. Am 22. Juli holen wir ihn mit dem Mietwagen in Panama City ab. Gleichzeitig können wir auch die inzwischen aus USA angekommenen Lithiumbatterien abholen.

In zwei Tagen werden alle unsere Riggprobleme behoben und ausserdem einige Verbesserungen gemacht. Dabei wird auch das ganze Rigg neu eingestellt und auf Herz und Nieren geprüft. Auch wenn es nicht ganz billig war Julian hierher zu holen, sind Biggi und ich uns absolut einig, dass es gut investiertes Geld ist, denn jetzt haben wir wirklich ein gutes Gefühl in Bezug auf das Rigg.

Als letzte grosse Baustelle packe ich den Ausbau der alten Lithiumbatterien, Umbau des Batteriefachs und den Einbau der neuen Batterien an. Dies dauert drei Tage, weil ich dabei immer ein bisschen improvisieren muss, um keinen zu langen Stromunterbruch zu verursachen.

Anfangs August ist es soweit – wir sind tatsächlich mit allen Reparaturen fertig und könnten eigentlich die Marina verlassen. Wäre da nicht die Geschichte mit Biggis Pass, auf den wir immer noch am Warten sind. Wir müssen in der Nähe von Panama City bleiben, weil wir den Pass dort abholen müssen.


Ausserdem sind in den letzten Tagen zwei heftige Gewitterstürme mit bis zu 60 Knoten Wind über die Marina gefegt. Dies an einem Ankerplatz zu erleben ist auch nicht ohne. Gewitter sind in Panama extrem häufig, aber derartig starke Stürme eigentlich nicht. Inwieweit dies dem El Niño zuzuschreiben ist, können wir nicht beurteilen, aber dass September und Oktober die schlimmsten Gewittermonate in der Regenzeit sind, ist allgemein bekannt. Das ist ja auch der Grund, dass wir eigentlich auf keinen Fall eine weitere Regenzeit in Panama verbringen wollten…

Aber die Aussicht weitere Monate in dieser Marina zu verbringen ist auch nicht so prickelnd. Als uns Karin und Alex von MABUL aus den Perleninseln schreiben und uns vorschwärmen, wie schön es ist dort vor Anker zu liegen, ist es um uns geschehen. Schnell noch Frischwaren einkaufen, alles seefest verstauen, die Wassertanks füllen und dann sind wir ready.


Am Dienstag den 11. August verlassen wir die Vista Mar Marina nach genau drei Monaten und einem Tag dort. Das erste Ziel ist die etwa 22 Seemeilen entfernte Insel Otoque, wo wir den ersten Übernachtungsstopp machen. Unterwegs testen wir natürlich sowohl die Motoren wie auch die reparierte Vorsegelrollanlage. Beides funktioniert, wobei der Backbordmotor immer noch gelegentliche Drehzahlschwankungen hat, allerdings nur minimal. Wir beschliessen damit vorerst zu leben.



Am Tag darauf geht es etwa 35 Seemeilen weiter zu den Perlen Inseln. Dabei haben wir von gutem Segelwind bis zur kompletten Flaute alles. Die Überquerung des Fahrwassers zum Panamakanal artet ein wenig in ein Katz und Maus Spiel aus, weil wir zwischen den herandampfenden Frachtern im Zickzack ausweichen müssen.


Am frühen Nachmittag fällt der Anker vor der Isla Chapera neben der MABUL. Wir sind endlich wieder vor einem tropischen Sandstrand vor Anker. Wobei der Strand bei den 5-6 m Tidenhub hier bei Hochwasser völlig verschwindet.


Am nächsten Tag will ich den Wassermacher in Betrieb nehmen. Der ist seit Februar eingemottet, da wir ihn im Hafen nicht laufen lassen wollen. Unser Wassertank ist immer noch zu 3/4 voll, aber aus einem mulmigen Bauchgefühl heraus mache ich es ganz bewusst bevor wir ihn tatsächlich brauchen werden. Und siehe da – ein kurzes Brummen und dann fliegt die Sicherung raus – er tut nicht! Und schon wieder bin ich am Basteln – diesmal tatsächlich an einem wunderschönen Ort.

Nach drei Tagen zerlegen und alles mögliche ausprobieren ist der Grund klar. Die Vorpumpe ist blockiert. Irgendwie bekommen wir sie wieder frei und der Wassermacher springt tatsächlich wieder an!

Die Wasserqualität ist einwandfrei und auch die Liefermenge von 140 l/Std ist OK. Frei nach dem Motto: “Use it or loose it” lassen wir ihn 3,5 Stunden laufen und füllen nicht nur unsere Tanks und Kanister, sondern auch die Tanks von MABUL, deren Wassermacher auch ein Problem hat. Das war es dann aber auch, denn am übernächsten Tag springt er wieder nicht an.

Der Wassermacher ist für viele Segler unverzichtbar geworden. Ohne genügend sauberem Frischwasser ist das Leben an Bord einfach nicht mehr angenehm. Nicht mal unbedingt, weil man sich einschränken muss, sondern weil man sich immer fragt, wie lange man mit den 400 l auskommen muss, bis man wieder zu Wasser kommt – sei es durch Regenwasser sammeln oder weil man irgendwo ein paar Wasserkanister auffüllen kann. Also werden wir den inzwischen fünf Jahre alten Wassermacher revidieren und genügend Ersatzteile besorgen, bevor wir Panama verlassen.

Ironischerweise fängt es zwei Tage später an wie aus Kübeln zu regnen. Wir hätten also auch ohne den Wassermacher nicht verdursten müssen…


Ansonsten gehen wir natürlich auch schnorcheln, denn das Wasser ist teilweise wirklich sehr klar. Auch der Rumpf wird wieder geschrubbt und natürlich geht es auch zum Strand, wo wir mit Karin und Alex sowie Laura und Henri (zwei Biologen, die seit 10 Jahren mit ihrem Segelboot unterwegs sind) ein Krabbenrennen veranstalten.

Nach einer Woche geht es weiter zur Isla Pedro Gonzales, wo wir unter anderem am Lagerfeuer Stockbrot und Würste geniessen. Auch der ein oder andere Wanderausflug kreuz und quer über die Inseln wird gemacht.





Was im Pazifik auch ganz anders als in der Karibik ist – wir haben hier wieder Gezeiten und zwar nicht wenig. Das Wasser geht um die fünf-sechs Meter hoch und runter. Das muss man beim Ankern natürlich berücksichtigen und auch die Tidenströme können ganz schön stark werden. Was sich unterwegs in mehr oder weniger Fahrt über Grund auswirkt ist beim Schnorcheln nicht ganz ohne. Und auch der Ausflug an Land will geplant sein, weil der Strand entweder völlig unter Wasser verschwindet oder man das Dinghy plötzlich 30-50m über den Sand schleppen muss, wenn man bei Ebbe zurückkommt. Daher verwenden wir je nach Situation einen Dinghy Anker und waten an Land statt das Dinghy den Strand hochzuziehen.



Wir rechnen damit, noch 2-3 Wochen hier in den Perleninseln zu bleiben. Danach geht es zurück nach La Playita vor Panama City um (hoffentlich…) Biggis Pass und die Wassermacher Ersatzteile abzuholen. Danach wären wir endlich frei um weiter zu segeln. Dazu mehr, wenn es soweit ist.

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