Weltumsegelung, heisst, das Boot an den schönsten Orten der Welt zu reparieren…

Weltumsegelung, heisst, das Boot an den schönsten Orten der Welt zu reparieren…

21.5.-22.8.2026, Vista Mar Marina – Islas Perlas, 8751 sm seit Start

Der Begriff «Weltumsegelung» ist nicht wirklich zutreffend für diese Reise, und ob die Vista Mar Marina zu den «schönsten Orten» der Welt gehört, darf ebenfalls bezweifelt werden. Aber dass wir hier viel am Reparieren sind, trifft zweifellos zu. Dieser Bericht hat daher viel Bootstechnik drin, aber ich werde versuchen mich zurück zu halten 😉

Als wir anfangs Mai, statt wie geplant zu den Perleninseln zu segeln, notfallmässig in die Vista Mar Marina abdrehen, ahnen wir zum Glück noch nicht, wie lang dieser «Zwischenstopp» dauern wird. Im letzten Bericht nahmen wir noch an, dass wir bis Ende Juni, oder vielleicht bis im Juli alle Reparaturen erledigt haben würden. Nun ja, inzwischen sind mehr als drei Monate vergangen und wir sind erst seit kurzem aus der Marina rausgekommen… Was´n da los gewesen? Ich versuche mal die Ereignisse halbwegs chronologisch zu erzählen.

Als erstes packen wir das Motorenproblem an und bestellen die benötigten Teile, welche natürlich länger als erhofft brauchen und dann auch noch im Zoll hängen bleiben. Vor Ende Mai wird da nichts mehr passieren – also in Bezug auf den Motor, denn anderweitig passiert schon einiges…

Die Ruhe vor dem Sturm…
Morgens um 4 bricht plötzlich die Hölle los…

Vom 25. auf den 26. Mai zieht eine Gewitterfront über die Marina, natürlich um 4 Uhr morgens. Wir wachen auf, weil es draussen laut knattert und das ganze Boot vibriert. Der Wind heult mit weit über 40 Knoten durch die Marina und bläht unser Code0 Vorsegel teilweise aus. Innert Sekunden sind wir auf den Beinen und reissen das wild schlagende Segel so schnell wie möglich an Deck runter. Die Kraft vom Wind ist enorm, der Regen fliegt waagerecht und mich reisst es einmal mitsamt dem Segel sogar vom Deck in die Luft hoch. Dabei verdrehe ich mir den Daumen und Zeigefinger der rechten Hand, etwas, was ich vor lauter Adrenalin aber erst merke als wir wieder im Bett liegen. Der ganze Spuk dauert gerade mal 20 Minuten und dann ist der Wind schlagartig wieder weg und es regnet nur noch. Diese 20 Minuten reichen aber aus, um das Segel an zwei Stellen einzureissen und die ALU-Befestigungslasche vom Gennakerbaum zu verbiegen. Ein teures «Vergnügen».

Verbogener Gennakerbaum und zerrissenes Segel

Die Reparatur des Gennackerbaums kann von einem Metallbaubetrieb in der Nähe erfolgen. Aber um das Segel flicken zu können, müssen wir erst das nötige Segeltuch in USA bestellen. Uns wird langsam bewusst, dass wir hier wohl doch nicht so schnell rauskommen werden.

Ein Pelikan ist sehr an meiner Arbeit interessiert

Während wir auf die bestellten Motorenersatzteile warten, nutzen wir die Zeit um unsere Passerneuerungen anzutriggern. Ich fliege von 3.-5. Juni nach Guatamala City um in der Schwedischen Botschaft die nötigen Formalitäten zu erledigen. Leider entpuppt sich Guatamala City nicht unbedingt als die touristische Topdestination, ausserdem ist die Stadt nicht ganz ungefährlich. Also bleibe ich in den sicheren Vierteln und sehe nicht wirklich viel.

Nächtlicher Anflug auf Guatemala City
Der Passantrag muss mit Bargeld in lokaler Währung bezahlt werden. Mein Airbnb liegt unmittelbar neben dem Flughafen.

Auf dem Rückweg treffe ich mich mit dem Schweizer Martin von der AMELIE in Panama City. Er hat den neuen Topsviwel für unsere Rollanlage und Biggis Geburtsurkunde dabei, die uns Karin aus der Schweiz mitgebracht hat.

Nochmals ganz herzlichen Dank an Karin und Martin für die Botendienste!

Vollmond über Vista Mar
Wegen der Mückenplage haben wir uns eine Insektenlampe angeschafft, die nachts alles in Blautönen erscheinen lässt
Nach der Nacht kommt das Morgenrot
und danach gibt es den Morgenkaffee

Jetzt haben wir auch alle nötigen Unterlagen zusammen um Biggis Passantrag stellen zu können (wobei die Frage erlaubt sei, wieso Deutsche Staatsangehörige eine Original-Geburtsurkunde hierfür vorlegen müssen). Am 8. Juni fahren wir also wieder mit dem Überlandbus nach Panama City und besuchen die Deutsche Botschaft. Hier fahren alle 10-20 Minuten Sammeltaxis oder Busse der Panamericana entlang. Man muss also nur warten bis einer auftaucht. Dabei erlebt man manchmal haarsträubende Sachen, wie z.B. ein riesiger Monitor, der den grössten Teil der Windschutzscheibe abdeckt und nicht nur die Sicht vom Fahrer einschränkt, sondern diesen auch mit lautstarken Musikvideos ablenkt. In Panama passieren etwa 140 Unfälle im Strassenverkehr pro Tag, Tendenz steigend. Bei der Fahrweise und dem oftmals desolaten Zustand der Fahrzeuge verwundert das nicht. Da kann man nur hoffen, dass es einen selber nicht trifft…

Die deutschen Behörden sind wesentlich komplizierter und vor allem, weniger effizient als ihre schwedischen Kollegen. Mein neuer schwedischer Pass ist schon knapp zwei Wochen nach meinem Besuch in Guatamala beim Konsulat in Panama City abholbereit. Biggi muss zwischen 4 und 8 (!!) Wochen auf ihren neuen Pass warten. (Spoiler: Als der Pass dann endlich am 10. Juli fertig zu sein scheint, stellen die Botschaftsmitarbeiter fest, dass sich ein Fehler im Pass eingeschlichen hat und sie einen neuen bestellen müssen!! Also fängt die Wartezeit wieder von neuem an…)

Anfangs Juni ist es dann soweit und wir haben alle benötigten Motorenersatzteile da und die neue Förderpumpe kann eingebaut werden. Beim ersten Testlauf läuft der Motor wieder einwandfrei. Wenige Tage danach mache ich einen längeren Lasttest und stelle ernüchtert fest, dass der Motor nach ca. 30 Minuten Laufzeit wieder die Leistung/Drehzahl verliert. Also wird der Dieselmechaniker wieder an Bord geholt. Diesmal meint er schon nach wenigen Minuten, dass die Einspritzpumpe ein Problem hat und von ihm neu eingestellt bzw. revidiert werden müsse. Als er uns die Kosten von $ 2´500.- nennt, sind wir kurz sprachlos (die erste Reparatur hat alles in allem bereits fast $ 1´000.- gekostet). Ich traue der (zu) schnellen Diagnose nicht und fange an nach Alternativen zu suchen. Eine Anfrage bei ChatGPT und ein Gespräch mit Martin, der früher Lastwagenmechaniker war, bestärken mich in meiner Vermutung, dass die Aussage vom Mechaniker weniger auf technischem Verständnis sondern eher auf monetäre Interessen zurück zu führen ist. Als ich ihm gegenüber meine Vermutung äussere, dass ich das Problem zuerst bei der Dieselzufuhr suchen würde, zuckt er nur mit den Schultern. Da er der einzige Mechaniker weit und breit ist, heisst das, dass ich ab jetzt auf mich selber gestellt bin.

Die Fehlersuche gestaltet sich ziemlich aufwendig, aber am Schluss liegt es wohl an einem verstopften Dieselansaugstutzen im Tank. Dieser lässt sich leider nicht lösen, also muss eine neue Lösung her und die heisst Tagestank. Ich kann über befreundete Segler zwei 25l grosse Dieseltanks in Holland bestellen, die wir anfangs September bekommen werden. Bis dahin läuft der Motor halt mit Diesel aus einem Kanister. Interessanterweise kann ich den Kanister mit einer kleinen 12V Dieselpumpe problemlos via dem Entnahmeschlauch vom Haupttank füllen, aber sobald dieselbe Leitung zum Motor geht, funzt es nicht mehr richtig. Das versteht wer will… Diese ganze Sache hat übrigens bis in den Juli hinein gedauert.

Danke für die coole Tasse, Karin!

Am 15. Juni werde ich 64 Jahre alt und kann den Kaffee morgens aus einer schönen neuen roten CH-Tasse, die Karin uns auch mitgebracht hat, geniessen. Die Freude währt nicht allzu lange, denn leider schlägt der Klabautermann schon in der folgenden Nacht wieder zu. Wir haben einen Totalausfall der Bordstromversorgung. Das Batteriemanagement System spielt völlig verrückt. Der Effekt ist, dass das ganze System sich im Sekundentakt aus- und wieder einschaltet. Und genau das passiert nachts um zwei Uhr. Plötzlich fangen alle Kontrolllämpchen an zu blinken und diverse Geräte schalten sich abwechselnd aus und wieder ein. Es braucht ein paar Sekunden bis mein vom Schlaf umnebeltes Gehirn überhaupt versteht, wieso hier gerade eine Lichtshow wie in der Disco abgeht. Es ist einer ruhigen Fehleranalyse nicht gerade förderlich, wenn es überall blinkt, piept und klickt.

Die einzige Art dem Chaos ein Ende zu bereiten ist, die Batterien sofort zu laden. Wir laden im Normalfall nur über unsere Sonnenzellen, was in stockdunkler Nacht natürlich nicht geht.

Zweite Option: Landstromkabel anschliessen. Panama hat wie USA ein 110V Stromnetz, wir als europäisches Boot brauchen aber 220V. Um unser Kabel anzuschliessen muss der Marinaelektriker erst die 220V Versorgung einrichten. Nachts um 3 Uhr ist natürlich kein Elektriker wach.

Also dritte Option: unseren kleinen Honda Generator aus seinem Versteck in der Backskiste zerren, das Ladekabel hervorkramen und alles anschliessen. Und alles natürlich in völliger Dunkelheit mit einer Stirnlampe auf dem Kopf. Den Generator hatten wir schon monatelang nicht mehr gebraucht, da wir immer genug Sonnenenergie hatten. Tja, was soll ich sagen, kleine Motoren, die zu lange still stehen rächen sich mit Unzuverlässigkeit. So auch hier, er springt zwar an, aber nach ein paar Minuten ist es wieder still im Cockpit. Der Honda will nicht mehr. Vermutlich wegen zu altem Benzin im Tank.

Jetzt müssen wir zur allerletzten Notlösung greifen und den Dieselmotor starten. Davon haben wir zwei, aber der eine ist bekanntlich zu diesem Zeitpunkt noch ausser Betrieb. Wir sind gar nicht dafür eingerichtet die Lithiumbatterien mit den Motoren zu laden, da dies eigentlich extrem ineffizient ist. Demzufolge sind unsere Lichtmaschinen viel zu schwach und der Ladestrom viel zu tief um die Batterien voll zu bekommen. Das heisst, der Dieselmotor muss bis zum Morgen weiterlaufen bis wir einen Elektriker dazu bewegen können uns einen 220V Anschluss zu legen oder die Sonnenzellen wieder anfangen zu laden. Die verbleibenden Stunden bis zum Sonnenaufgang werden nicht sonderlich erholsam….

Die kommenden Tage verbringe ich damit, unsere Batteriebank genauer kennen zu lernen, denn bis jetzt habe ich dort nicht viel gemacht. Mangels Überwachungsmöglichkeiten, habe ich sie – frei nach dem Motto «Never touch a running system» – bis jetzt eher vernachlässigt bzw. angenommen, dass sie schon IO ist. Schliesslich hatten wir bis jetzt immer genug «Saft» um uns keine Sorgen machen zu müssen. Es gibt ja viele mehr oder weniger geistreiche Redewendungen bei Booten, wie z.B. «An deinem Boot ist alles kaputt, du weisst es nur noch nicht!» In diesem Fall trifft das voll zu.

Ohne ein Interface nach aussen muss ich eine der sechs Batterien ausbauen und öffnen um festzustellen, dass die einzelnen Zellen völlig unbalanciert sind. Das ist wohl auch der Grund, dass das Batterie Management System den Blackout ausgelöst hat. Eine Woche lang versuche ich diese Batterie wieder auszubalancieren und unsere Vorschiffskabine sieht aus wie ein Elektrolabor. Abgesehen davon, dass die Batterie sich gar nicht mehr richtig ausbalancieren lässt, stelle ich auch fest, dass sie sich im Prozess aufgebläht hat. Das Gehäuse lässt sich gar nicht mehr schliessen, weil die Schrauben nicht mehr in die Löcher reinpassen! Die auf Booten verwendeten Lithium-Eisen-Phosphatbatterien sind an sich relativ sicher, aber wenn sie anfangen sich aufzublähen wird es kritisch. Eine brennende Lithiumbatterie ist die ultimative Katastrophe auf einem Boot. Jetzt ist uns klar, dass wir hier etwas unternehmen müssen, diese Batterien sind erstens nicht mehr leistungsfähig und zweitens latent gefährlich. In Panama bekommt man natürlich keinen Ersatz und weil solche Batterien als Gefahrengut klassifiziert sind, können sie nur per Seefracht hierher geschickt werden. Und das dauert typischerweise 1-2 Monate. Der einzige Trost: Die Preise für Lithiumbatterien sind in den letzten Jahren massiv gesunken und so sind die Kosten wenigstens halbwegs erträglich. Und die neuen Batterien sind leistungsfähiger und haben ein App-Interface für die Überwachung. Ich kann sie also künftig regelmässig überprüfen ohne vorher die ganze Vorschiffskabine auseinander zu bauen.

Neben all den geplanten und ungeplanten Reparaturen gibt es noch einige Sachen, die wir bisher auf die lange Bank geschoben haben. Hier in der Marina bietet sich nun die Gelegenheit einiges davon zu erledigen. Allen voran sind dies Näharbeiten mit unserer neuen «Sailrite» Nähmaschine. Das Nähen ist ausschliesslich Biggis Sache. Ich kann es schon mal wegen meinen schlechten Augen nicht machen und habe ehrlich gesagt auch keine grosse Lust mich damit zu befassen. So hat jeder seine Nischen in die der andere nicht «reinpfuscht». Es entstehen mehr und mehr genähte Schiffsverbesserungen. Als Krönung sogar ein neue Tasche für den Spinnaker.

Eines der absolut schwierigsten Nähprojekte sind sogenannte Dinghy-Shaps. Das ist ein passgenauer «Anzug» für das Schlauchboot. Die tropische Sonne zerstört über kurz oder lang die Oberfläche der Schläuche und lässt sie undicht werden. Daher machen viele Segler diesen Schutz hin. Von einem anderen Segler können wir das passende Material zu einem sehr vorteilhaften Preis kaufen und Paul, ein sehr erfahrener Segelmacher, erklärt sich bereit, uns die Shaps für einen ebenfalls sehr attraktiven Preis herzustellen. Und so bekommt unser Beiboot ein knallblauen Schutzüberzug.

Die Antibewuchsfarbe auf Booten ist dafür ausgelegt, dass sie den Bewuchs am besten verhindern, wenn das Boot in Fahrt ist. Wenn ein Boot still liegt ist sie wesentlich weniger effizient. Da wir uns seit dem Einwassern wahrlich nicht viel bewegt haben, ist unser Unterwasserschiff zur Seepockenbrutstätte mutiert.

Die kleinen „Vulkankrater“ auf der Muschel sind Seepocken (Barnacles)

Seepocken bauen kleine harte «Hüte» aus Kalk, die sich fest mit dem Rumpf verbinden. Inzwischen war die Kolonie von Seepocken über das ganze Unterwasserschiff verteilt – vermutlich mehrere tausend so kleine Hüte egal wo man hinlangt. Mit einer Bürste kann man da gar nichts mehr ausrichten. Da hilft nur eine Spachtel und ganz viel Kraft um die abzubekommen. Viele Boote haben deswegen spezielle Luftkompressoren mit einem sehr langen Schlauch und ein Mundstück an Bord mit dem man unter Wasser arbeiten kann ohne immer wieder auftauchen zu müssen um Luft zu holen. Diese Anlagen kann man für ein paar Tausender fixfertig kaufen. Oder für ein paar Hunderter selber bauen. Und so entsteht plötzlich das nächste Projekt – wir haben ja sonst nichts zu tun…

Einige Youtubevideos und Besuche im lokalen Do It Center später habe ich alles beisammen. Sogar einen akkubetriebenen ölfreien Luftkompressor gibt es hier zu kaufen. Hat mich schon erstaunt, weil sonst vieles hier in Panama nicht erhältlich ist. Der Kompressor hat einen 6 Liter «grossen» Drucktank und schafft es 8 Bar Druck aufzubauen, ausreichend um genügend Luft zum Atmen zu haben. Der Zusammenbau geht erstaunlich flott und siehe da, ist fast schon wie Flaschentauchen. Wobei man sich erst daran gewöhnen muss statt einer Tauchflasche auf dem Rücken einen 15m langen Luftschlauch hinter sich herzuziehen. Die Arbeit unter Wasser ist immer noch sehr anstrengend, aber um Welten einfacher als mit dem Schnorchel. Das Projekt hat sich definitiv gelohnt.

Noch ein Projekt: RaspberryPi mit HomeAssistant aufsetzen um Chili ein bisschen „smarter“ zu überwachen

Einige der Mastarbeiten, die wir in Shelter Bay haben machen lassen, haben leider nicht funktioniert. Vermutlich auch, weil der dortige «Rigger» eben kein Fachmann war und vieles schlichtweg nicht wusste. Das heisst, dass wir neben der Reparatur der Rollanlage noch einige Sachen im Masttopp werden erneuern/verbessern müssen. Hier in der Vista Mar Marina können keine Masten gelegt werden und alles muss am stehenden Rigg gemacht werden.

Aus diesen Gründen entscheiden wir, dieses Mal einen ausgewiesenen Profi zu engagieren. Davon gibt es aber leider keinen in Panama. Befreundete Segler hier haben auch Riggprobleme und so lernen wir Julian kennen, als er an deren Rigg arbeitet. Seine Arbeit und Fachwissen überzeugen uns so, dass wir ihn an Ort und Stelle engagieren, obwohl er für uns aus Guatemala wird anreisen müssen. Julian hat erst wieder anfangs Juli Termine frei, was zwar etwas später ist als uns lieb wäre, aber es geht halt nicht anders.

Manchmal hat es am Strand neben der Marina etwas grössere Brandung.

Kaum zurück in Guatemala hat Julian einen medizinischen Notfall und muss operiert werden, was natürlich die gesamte Planung über den Haufen wirft. Das ist aber kein Drama, denn inzwischen ist uns auch klar, dass Biggis Passdebakel uns um mindestens einen weiteren Monat zurückwerfen wird.

In der zweiten Julihälfte ist Julian wieder gesund und munter und kann zu uns kommen. Am 22. Juli holen wir ihn mit dem Mietwagen in Panama City ab. Gleichzeitig können wir auch die inzwischen aus USA angekommenen Lithiumbatterien abholen.

Spleissarbeiten

In zwei Tagen werden alle unsere Riggprobleme behoben und ausserdem einige Verbesserungen gemacht. Dabei wird auch das ganze Rigg neu eingestellt und auf Herz und Nieren geprüft. Auch wenn es nicht ganz billig war Julian hierher zu holen, sind Biggi und ich uns absolut einig, dass es gut investiertes Geld ist, denn jetzt haben wir wirklich ein gutes Gefühl in Bezug auf das Rigg.

Inzwischen haben wir das Segelreparaturmaterial und können den Code0 reparieren

Als letzte grosse Baustelle packe ich den Ausbau der alten Lithiumbatterien, Umbau des Batteriefachs und den Einbau der neuen Batterien an. Dies dauert drei Tage, weil ich dabei immer ein bisschen improvisieren muss, um keinen zu langen Stromunterbruch zu verursachen.

Anfangs August ist es soweit – wir sind tatsächlich mit allen Reparaturen fertig und könnten eigentlich die Marina verlassen. Wäre da nicht die Geschichte mit Biggis Pass, auf den wir immer noch am Warten sind. Wir müssen in der Nähe von Panama City bleiben, weil wir den Pass dort abholen müssen.

Und immer wieder findet Biggi einen Grund zum Backen 🙂
Besuch von Jürgen und Veronika aus Sora

Ausserdem sind in den letzten Tagen zwei heftige Gewitterstürme mit bis zu 60 Knoten Wind über die Marina gefegt. Dies an einem Ankerplatz zu erleben ist auch nicht ohne. Gewitter sind in Panama extrem häufig, aber derartig starke Stürme eigentlich nicht. Inwieweit dies dem El Niño zuzuschreiben ist, können wir nicht beurteilen, aber dass September und Oktober die schlimmsten Gewittermonate in der Regenzeit sind, ist allgemein bekannt. Das ist ja auch der Grund, dass wir eigentlich auf keinen Fall eine weitere Regenzeit in Panama verbringen wollten…

Aber die Aussicht weitere Monate in dieser Marina zu verbringen ist auch nicht so prickelnd. Als uns Karin und Alex von MABUL aus den Perleninseln schreiben und uns vorschwärmen, wie schön es ist dort vor Anker zu liegen, ist es um uns geschehen. Schnell noch Frischwaren einkaufen, alles seefest verstauen, die Wassertanks füllen und dann sind wir ready.

Der letzte Gang durchs Tor zu unserem Steg
Tschüss Vista Mar Marina

Am Dienstag den 11. August verlassen wir die Vista Mar Marina nach genau drei Monaten und einem Tag dort. Das erste Ziel ist die etwa 22 Seemeilen entfernte Insel Otoque, wo wir den ersten Übernachtungsstopp machen. Unterwegs testen wir natürlich sowohl die Motoren wie auch die reparierte Vorsegelrollanlage. Beides funktioniert, wobei der Backbordmotor immer noch gelegentliche Drehzahlschwankungen hat, allerdings nur minimal. Wir beschliessen damit vorerst zu leben.

Auf dem Weg nach Otoque
Endlich wieder vor Anker!

Am Tag darauf geht es etwa 35 Seemeilen weiter zu den Perlen Inseln. Dabei haben wir von gutem Segelwind bis zur kompletten Flaute alles. Die Überquerung des Fahrwassers zum Panamakanal artet ein wenig in ein Katz und Maus Spiel aus, weil wir zwischen den herandampfenden Frachtern im Zickzack ausweichen müssen.

MS Berge Ningbo querab

Am frühen Nachmittag fällt der Anker vor der Isla Chapera neben der MABUL. Wir sind endlich wieder vor einem tropischen Sandstrand vor Anker. Wobei der Strand bei den 5-6 m Tidenhub hier bei Hochwasser völlig verschwindet.

Morgenrot vor Isla Chapera

Am nächsten Tag will ich den Wassermacher in Betrieb nehmen. Der ist seit Februar eingemottet, da wir ihn im Hafen nicht laufen lassen wollen. Unser Wassertank ist immer noch zu 3/4 voll, aber aus einem mulmigen Bauchgefühl heraus mache ich es ganz bewusst bevor wir ihn tatsächlich brauchen werden. Und siehe da – ein kurzes Brummen und dann fliegt die Sicherung raus – er tut nicht! Und schon wieder bin ich am Basteln – diesmal tatsächlich an einem wunderschönen Ort.

Nach drei Tagen zerlegen und alles mögliche ausprobieren ist der Grund klar. Die Vorpumpe ist blockiert. Irgendwie bekommen wir sie wieder frei und der Wassermacher springt tatsächlich wieder an!

Die Wasserqualität ist einwandfrei und auch die Liefermenge von 140 l/Std ist OK. Frei nach dem Motto: “Use it or loose it” lassen wir ihn 3,5 Stunden laufen und füllen nicht nur unsere Tanks und Kanister, sondern auch die Tanks von MABUL, deren Wassermacher auch ein Problem hat. Das war es dann aber auch, denn am übernächsten Tag springt er wieder nicht an.

Als Notlösung wird eine elektrische Vor-Pumpe angebaut

Der Wassermacher ist für viele Segler unverzichtbar geworden. Ohne genügend sauberem Frischwasser ist das Leben an Bord einfach nicht mehr angenehm. Nicht mal unbedingt, weil man sich einschränken muss, sondern weil man sich immer fragt, wie lange man mit den 400 l auskommen muss, bis man wieder zu Wasser kommt – sei es durch Regenwasser sammeln oder weil man irgendwo ein paar Wasserkanister auffüllen kann. Also werden wir den inzwischen fünf Jahre alten Wassermacher revidieren und genügend Ersatzteile besorgen, bevor wir Panama verlassen.

Ironischerweise fängt es zwei Tage später an wie aus Kübeln zu regnen. Wir hätten also auch ohne den Wassermacher nicht verdursten müssen…

Einmal sehen wir in der Ferne Buckelwale

Ansonsten gehen wir natürlich auch schnorcheln, denn das Wasser ist teilweise wirklich sehr klar. Auch der Rumpf wird wieder geschrubbt und natürlich geht es auch zum Strand, wo wir mit Karin und Alex sowie Laura und Henri (zwei Biologen, die seit 10 Jahren mit ihrem Segelboot unterwegs sind) ein Krabbenrennen veranstalten.

Nach einer Woche geht es weiter zur Isla Pedro Gonzales, wo wir unter anderem am Lagerfeuer Stockbrot und Würste geniessen. Auch der ein oder andere Wanderausflug kreuz und quer über die Inseln wird gemacht.

Unterwegs fangen wir eine kleine Spanische Makrele

Was im Pazifik auch ganz anders als in der Karibik ist – wir haben hier wieder Gezeiten und zwar nicht wenig. Das Wasser geht um die fünf-sechs Meter hoch und runter. Das muss man beim Ankern natürlich berücksichtigen und auch die Tidenströme können ganz schön stark werden. Was sich unterwegs in mehr oder weniger Fahrt über Grund auswirkt ist beim Schnorcheln nicht ganz ohne. Und auch der Ausflug an Land will geplant sein, weil der Strand entweder völlig unter Wasser verschwindet oder man das Dinghy plötzlich 30-50m über den Sand schleppen muss, wenn man bei Ebbe zurückkommt. Daher verwenden wir je nach Situation einen Dinghy Anker und waten an Land statt das Dinghy den Strand hochzuziehen.

Bei Flut ist der Strand ganz schmal…
… und bei Ebbe ganz breit.
Das Dinghy zurück zum Wasser zu ziehen ist ganz schön anstrengend.

Wir rechnen damit, noch 2-3 Wochen hier in den Perleninseln zu bleiben. Danach geht es zurück nach La Playita vor Panama City um (hoffentlich…) Biggis Pass und die Wassermacher Ersatzteile abzuholen. Danach wären wir endlich frei um weiter zu segeln. Dazu mehr, wenn es soweit ist.

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Pässe, Pech und Pannen in Panama…

Pässe, Pech und Pannen in Panama…

La Playita – Vista Mar Marina  1.5.-18.5.2026

Der Ankerplatz vor La Playita ist weder schön noch ruhig. Es schaukelt erbärmlich, denn die Pazifikdünung kann ungehindert reinrollen und dazu kommt ein reger Verkehr von Ausflugschiffen und Motorbooten in die und aus der La Playita Marina am Ende der Bucht. Einige nehmen ein bisschen Rücksicht, andere brettern einfach mit Vollgas wenige Meter an uns vorbei. Teilweise fliegen bei uns sogar die Sachen vom Tisch – etwas, was sogar beim Segeln eher selten passiert. 

Wellenmacher…

Die einzigen positiven Aspekte sind, dass der Platz sehr zentral ist und guten Zugang zu Panama City bietet. Und einen wahrhaft einmaligen Blick auf den ständigen Strom an Ozeanriesen, die den Panamakanal in beiden Richtungen befahren. Wegen der Sperrung der Strasse von Hormus ist der Schiffsverkehr hier stärker geworden. Draussen liegen derart viele Frachtschiffe vor Anker, dass es nachts vor lauter Lichtern wie eine eigene Stadt draussen im Meer aussieht.

Chili in La Playita. Rechts am Horizont sind die vielen vor Anker liegenden Frachter zu sehen.

Wir nehmen uns noch ein Mietauto für die letzten Frischwareneinkäufe, bis wir wirklich alles haben, was man für eine Pazifiküberquerung brauchen kann. 

Aber während wir fleissig das Boot füllen brauen sich – für uns noch nicht erkennbar – dunkle Wolken über unserer Planung auf… 

Das Erste, was uns auf die Füsse fällt, ist unsere eigene mangelhafte Vorbereitung. Nein, nicht das Boot, aber die Administration. Unsere beiden Pässe laufen im Herbst diesen Jahres ab. Wir hatten vor der Reise beide neue Pässe machen lassen, aber die gelten nun mal leider nur fünf Jahre. Und die sind diesen Herbst um. Wahnsinn eigentlich, wir sind bald schon fünf Jahre unterwegs! Bis zu diesem Zeitpunkt gingen wir immer davon aus, dass wir die Pässe in Tahiti verlängern würden. Inzwischen wissen wir, dass das mangels Botschaften gar nicht möglich ist, die nächste Option wäre nach Australien zu fliegen um es dort zu machen.

Das hiesse aber Chili irgendwohin zu legen, um ein paar Wochen weg zu fliegen. Das ist uns schlichtweg zu aufwändig und vor allem viel zu teuer.

Also machen wir uns schlau, welche anderen Optionen uns bleiben. Nach vielem hin und her ist der Plan jetzt, dass ich anfangs Juni für zwei Tage nach Guatemala City fliege, in der Schwedischen Botschaft meinen Passantrag stelle und ihn einige Wochen später beim Konsulat in Panama City abhole. Biggi kann alles hier erledigen, da es in Panama City eine Deutsche Botschaft gibt. Vorher braucht sie (für uns absolut nicht nachvollziehbar) eine Geburtsurkunde im Original, die wir natürlich auch erst bestellen und hierher bekommen müssen. Alles zusammen rechnen wir mit 6-8 Wochen Wartezeit bis wir die neuen Dokumente in Händen halten können.

Bucht von Panama mit dem Perlas Archipel

Die Wartezeit wollen wir auf keinen Fall in La Playita verbringen und entscheiden uns, zu den etwa 40 Seemelien entfernten Las Parlas Inseln zu fahren. Lebensmittel usw. haben wir mehr als genug um dort lange bleiben zu können.

Slalomfahren zwischen den Frachtern

Keine 30 Minuten nachdem wir den Anker hochgeholt haben und uns zwischen den vielen vor Anker liegenden Frachtschiffen durchschlängeln, fängt der linke Motor an zu stottern. Er verliert Leistung, kann nur noch bis 1600 Umdrehungen hoch gedreht werden und fällt immer wieder auf 1200 runter. Das darf doch nicht wahr sein!!! Nach ein paar Minuten Fehlersuche ist schnell klar, dass es nicht am Getriebe liegt, oder das wir etwas im Propeller haben. Der Motor stellt zwar nicht ab, aber die Drehzahl geht immer wieder fast auf Leerlaufdrehzahl zurück. Es muss etwas mit der Dieselzufuhr zu tun haben, oder wir haben wieder Luft im System – genau dort, wo in Shelter Bay etwas repariert wurde…

Schnell ist der Entschluss gefasst zum einzig möglichen Ort abzudrehen, wo wir den Motor reparieren können. Die Vista Mar Marina ist ebenfalls etwa 40 Seemeilen weit weg. Inzwischen haben wir 20-25 Knoten Wind, in Böen sogar etwas mehr und können gut segeln.

Über Whatsapp habe ich die Marina informiert, dass wir nur einen voll funktionsfähigen Motor haben und daher vielleicht Unterstützung beim Parkieren brauchen. 

Wir segeln bis kurz vor die Marinaeinfahrt und wollen dann das Vorsegel wieder einrollen. Das dauert normalerweise keine zwei Minuten, aber dieses Mal klemmt die Anlage kurz bevor das ganze Segel weg ist! Echt jetzt !?! 

Mit nur einem Motor UND den Windfang der nicht ganz eingerollten Genua können wir bei diesem Wind unmöglich in die Marina fahren. Es wäre unmöglich das Boot dort drin zu kontrollieren. Irgendwie schaffen wir es, das verbleibende Segel notdürftig von Hand ums Vorstag zu wickeln, damit es weniger Windangriffsfläche bietet. Die Vista Mar Marina ist zum Glück wirklich sehr grosszügig ausgelegt und bietet sehr viel Platz zum Manövrieren. So kann ich statt mit den Motoren zu steuern, mit entsprechend höherer Geschwindigkeit und Ruderwirkung rückwärts in die Box fahren. Die professionelle Mithilfe von den Marineros an den Leinen trägt dazu bei, dass alles und ohne Schaden zu Ende geht.

Festgemacht in der Vista Mar Marina – mit der notdürftig eingerollten Genua

Fazit vom Tag: Statt beim Sundowner in einer einsamen Ankerbucht in den Las Perlas Inseln, sitzen wir WIEDER in einer Marina fest UND habe dazu noch zwei technische Ausfälle zu beklagen. Der Frust ist an diesem Abend sehr präsent…

Impressionen bei Hoch- und Tiefwasser (die beiden rechten Bilder sind vom gleichen Standort aus gemacht). Es hat bis zu 5 m Tidenhub hier – gut am schwarzen Pfosten rechts von Chili zu sehen.

Zwei Tage später wissen wir, was mit dem Motor und der Rollanlage los ist. Beim Motor hat der Mechaniker in der SBM höchstwahrscheinlich doch nicht alles auseinander genommen bevor er das Gewinde geschnitten hat. Die unmittelbar unter diesem Loch liegende Dieselförderpumpe tut nicht mehr. Egal ob Zufall oder Folge von der Reparatur in der SBM, das Teil muss ersetzt werden und ist – wer hätte es anders erwartet – in Panama nicht vorrätig. Also bestellen und warten. Immerhin kostet uns das nicht ein Vermögen, aber was viel wichtiger ist: Es ist nicht im Panamakanal oder auf der Überfahrt nach Französisch Polynesien passiert. 

Unsere alte Facnor-Rollanlage, rechts eingekreist der Übeltäter

Bei der Vorsegel-Rollanlage sind die Kugellager vom Top Swivel hinüber. Fieserweise merkt man das nicht, wenn man es von Hand dreht, sondern erst, wenn Belastung drauf kommt – dann klemmt es plötzlich. Die Lager sind reingepresst und lassen sich nicht austauschen/reparieren, da muss auch ein neues Teil her. Unsere Rollanlage ist aber auch schon etwas älteren Datums und wird lange schon nicht mehr hergestellt. Aber eine ausgiebige Internetrecherche führt zu einer Firma in UK, die Ersatzteile für die alten, aber sehr weit verbreiteten Anlagen vorrätig haben. Also auch hier bestellen, dieses Mal wird es richtig teuer, die Firma verdient sich wohl mit diesem Lager eine goldene Nase, denn das unscheinbare Teil kostet uns einen vierstelligen Betrag!

Zum Glück ist unsere Freundin Karin von der MABUL gerade in der Schweiz und kann den Swivel (zusammen mit Biggis Geburtsurkunde) für uns mitbringen, wenn sie Ende Mai nach Panama zurückkommt. Allerliebsten Dank Karin!!

Beide Ausfälle hätten uns auch auf der Passage nach Französisch-Polynesien ereilen können. Vor allem das Problem mit der Rollanlage wäre dann eine absolute Katastrophe gewesen. Insofern muss man bei allem Frust doch ehrlicherweise zugeben, dass wir (bis jetzt…) doch immer ein Quäntchen Glück im Unglück hatten.

Diese Erkenntnis führt auch dazu, dass wir uns nachher wieder etwas besser fühlen und uns mit der neuen Lage besser abfinden können. Denn es kommt noch ein weiteres Thema dazu, die eine diesjährige Überfahrt nach Französisch-Polynesien überschattet. Wir sind jetzt schon spät dran und mit den Verzögerungen wird es immer später. Und es wird ein Rekord El Niño (ein natürliches Wetterphänomen) für 2026-27 vorhergesagt, der stärkste seit 150 Jahren.

Wir sind mit vielen Booten in Kontakt, die in den letzten Wochen westwärts losgefahren sind, und ausnahmslos alle berichten jetzt schon von widrigen Bedingungen dort draussen. Es hat nur schwache Winde und oft sogar Gegenwind, aber was noch schlimmer ist, sind die starken Strömungen die von Westen nach Osten gehen. Im Normalfall ist der Segeltörn von Galapagos bis nach Französisch-Polynesien eine der schönsten Strecken auf einer Weltumsegelung. Wind von hinten, mitlaufende Strömung und lange ruhige Wellen, also genau das Gegenteil von dem was dieses Jahr los ist, und der sich verstärkende El Niño wird das nur verschlimmern. 

Alles Gründe, die zur Erkenntnis geführt haben: Wir sind eigentlich zu spät dran und streichen vorerst eine Überfahrt nach Französisch-Polynesien für diese Saison.

Und wie geht es stattdessen weiter? 

Erstmal die anstehenden Reparaturen machen und die Pässe besorgen. Dann sind wir voraussichtlich bereits bei Ende Juni oder sogar im Juli – also in der Hurrikansaison bzw Regenzeit. Das heisst, wir können uns gar nicht soweit bewegen. Hier in Vista Mar befinden wir uns im sogenannten Dry Arch von Panama, wo es auch während der Regenzeit relativ wenig regnet. Etwas weiter nördlich, gegen die Grenze von Costa Rica hat es wieder ähnliche Verhältnisse wie in Shelter Bay: Unheimlich viel Regen, hohe Luftfeuchtigkeit und viel und heftige Gewitterstürme. Noch weiter nördlich – Richtung Mexico – wird es wieder trockener, aber dafür steigt die Hurrikangefahr. Wir sind hier ein bisschen gefangen. 

Vista Mar Marina vom Strand und von Land aus. Die Vegetation ist hier völlig anders als in Shelter Bay.

Vista Mar ist vom Klima her also um Welten besser als Shelter Bay, aber ansonsten eher trist und verlassen. Und es hat je nach Windrichtung richtig starke Dünung, die die Boote heftig durchschaukelt. Wir sind inzwischen mit 11(!!) Festmachern wie in einem Spinnennetz verzurrt um das schlimmste abzufangen.

Es hat keinen Laden, der fussläufig erreichbar wäre und auch keine fliegenden Händler, die Früchte und Gemüse verkaufen. Mit dem Bus oder Taxi ist es aber nicht mehr als 15 Minuten nach Coronado wo es alles gibt, was man sich an Lebensmittel usw. wünschen kann. Die nächsten Wochen ist das für uns völlig irrelevant, da wir das Boot voll mit Lebensmittel haben.

Panama City ist mit dem Bus in 2 Stunden erreichbar und eine Fahrt kostet nur $3.-

Fischer am Strand, die leider grosse Haie an Land bringen.

Und es hat einen schönen Strand neben der Marina, wo man im Pazifik baden oder (bei Tiefwasser) lange Spaziergänge machen kann. Zu guter Letzt sind die Las Perlas Inseln mit dem Boot auch gut in einem Tag zu erreichen.

Sogar einen kleinen Pool hat es hier

Es ist alles anders gekommen, als wir es uns vorgestellt haben, und das fuchst uns natürlich. Auf der anderen Seite ist es nicht soo schlimm, wenn wir hier ein paar Monate „vertrödeln“. 

Und wie es gegen Ende Jahr, wenn die Hurrikan- bzw. Regenzeit vorbei ist, weitergeht – das ist momentan noch völlig offen. 

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Panamakanal – Unter drei Brücken musst du fahren…

Panamakanal – Unter drei Brücken musst du fahren…

Shelter Bay Marina – La Playita 27.-30.4.2026

In den letzten paar Tagen bis zum Kanaltermin werden beide Motoren alle 1-2 Tage gestartet und auch die Propeller getestet. Alles läuft wie geschmiert. Na endlich!

Interessanter Fakt: Wenn man den Panamakanal vom Atlantik zum Pazifik durchquert, fährt man eigentlich von West nach Ost

Thomas und Wolfi sind inzwischen schon lange wieder in Deutschland und schlagen sich mit dem Jetlag rum. Und wir brauchen jetzt zwei neue Linehandler. Wir fragen Jürgen und Veronika, Freunde von uns, die wir vor zwei Jahren hier in Panama kennengelernt haben, ob sie Lust auf eine Panamakanaldurchfahrt hätten. Und ob sie hätten! Beide sind keine Segler, aber das ist kein Hexenwerk die Leinen zu bedienen, also wäre das schon mal gut. Wegen einer noch nicht ganz ausgeheilten Unfallverletzung an der Schulter ist Veronika etwas eingeschränkt. Daher suchen wir noch eine weitere Person, die wir mit Linda, eine (nach eigener Aussage) sehr erfahrene Katamaranseglerin, finden.

Bei einem Panama Kanal Transit werden vier dedizierte Linehandler und ein Skipper, der das Boot steuert, verlangt. Dazu gesellt sich dann ein Pilot oder Advisor, der die ganze Fahrt überwacht und die Manöver koordiniert. Neben Jürgen und Veronika, Linda und Biggi haben wir auch Alex, einen professionellen Linehandler engagiert. Ihn kennen wir von unserer Kanalpassage mit Frank und Heike von der SV Manatee vor genau zwei Jahren. Damit wären wieder beide Gästekabinen und das eine Bett im Salon belegt.

Die gesamte Crew v.l.n.r.: Jürgen & Veronika, Loic & Alex, Linda und die beiden Piloten.

Man weiss nie im voraus, ob man den Kanal in einem oder in zwei Tagen machen wird, das wird erst kurz vorher von der Kanalbehörde entschieden. Bei einer zweitägigen Passage übernachten alle (bis auf den Piloten) an Bord. Das heisst, man muss alle verpflegen und einen Schlafplatz anbieten – praktisch Hand gegen Koje. Mit drei Schlafkabinen und dem Salon als Bett umgebaut klappt das ganz gut mit den Schlafplätzen.

Auch die Zeit, wann man losfahren muss, wird erst am Tag vor der Passage kommuniziert. Entweder muss man den Piloten morgens um vier draussen vor dem Hafen aufnehmen (er wird mit einer Barkasse zu der wartenden Yacht gebracht) und dann geht man in einem Tag durch. Oder man nimmt ihn erst nachmittags um vier auf und dann macht man an dem Tag nur die erste Schleuse und übernachtet anschliessend an einer grossen Boje im Gatunsee.

Kanalfender & Leinen. Biggi mit der bezahlten Kanalrechnung.

Die letzten zwei Tage vor der Passage verbringen wir mit Vorkochen (Biggi) und Boot vorbereiten (Jan). Weil Veronika und Jürgen, wie auch Linda von der anderen Seite von Panama drei Stunden anreisen müssen, vereinbaren wir, dass sie am frühen Nachmittag am 27. eintreffen sollen. So sind wir auf alle Eventualitäten vorbereitet. Nachmittags am 27. erfahren wir von unserem Agenten, dass unsere Durchfahrt um einen Tag vom 28. auf den 29. verschoben wurde. Zum Glück hat unsere Crew genügend Zeit und alle können auch einen Tag länger bleiben (Rentner halt…).

Dass wir jetzt bald hier weggehen werden, wissen auch die Marineros. Immer wieder kommen sie und fragen, ob wir jetzt wirklich, wirklich hier wegwollen? In den letzten zwei Jahren sind wir wie Freunde geworden und der Abschied fällt auch uns nicht leicht.

Daril, Victor und Eddie – die guten Seelen von SMB. „Gracias por todo, amigos!“

Abends am 28. kommt ein junger Belgier zu uns und fragt, ob wir noch Linehandler bräuchten. Er müsse auf die Pazifikseite, wo er ein Boot hätte auf dem er als Crew nach Französisch-Polynesien segeln könne, und wolle unbedingt eine Kanaldurchfahrt miterleben. Im ersten Moment lehne ich ab, weil wir jetzt schon eine Person mehr als benötigt sind, aber dann realisiere ich, dass es eigentlich noch ein unbelegtes Bett hat. Nach einer kurzen Abstimmung mit Biggi schreibe ich ihm, dass er doch mitkommen kann. Sprudelnd vor Vorfreude kommt Loic am nächsten Morgen mit seinem grossen Tramperrucksack an Bord. Im Gespräch stellt sich heraus, dass Loic mit 29 Jahren genauso alt wie mein Sohn ist. Jetzt werden wir mit dem Piloten zu acht an Bord sein. Inzwischen wissen wir, dass es am 29. erst am Nachmittag losgeht und so geniessen wir noch ein letztes Mal die Annehmlichkeiten wie z.B. den Pool in Shelter Bay.

Zum letzten Mal aus der Shelter Bay Marina rausfahren
Warten auf den Advisor
Sergio, unser erste Advisor wird an Bord gebracht

Um kurz vor vier verlassen wir die Marina – ja beide Motoren schnurren zufrieden und auch die neuen Propeller funktionieren einwandfrei. Es kann losgehen. Um 16:30 Uhr kommt unser erster Pilot – Sergio – an Bord und wir nehmen sofort Kurs auf die Gatunschleuse auf. Das Wetter ist grau in grau und es nieselt immer wieder. Mal mehr, mal noch mehr…

Es ist schon ein spezielles Gefühl, als wir unter der riesigen Brücke „Puente Atlantico“ durchfahren. Über diese Brücke sind wir die letzten zwei Jahren unzählige Male mit dem Auto gefahren und haben auf die Boote runtergeschaut die zu den Schleusen fuhren und jetzt sind wir dran!

Puente Atlantico – die erste Brücke…

Beim Heraufschleusen fahren die Yachten HINTER einem Frachter in die Schleuse. Just als dieser in die erste Schleusenkammer fahren will, prasselt der Regen derart stark runter, dass er nicht mehr genug Sicht hat um reinfahren zu können. Also müssen wir anhalten und treibend warten bis es besser wird, was zum Glück innerhalb weniger Minuten der Fall ist. 

Gute Laune trotz Regen

Trotzdem – es wird sich herausstellen, dass wir bei fast jeder der insgesamt sechs Schleusenkammern alles im Regen machen müssen. Aber der Regen ist warm und so kommen wir wenigstens nicht ins Schwitzen.

Nass bis auf die Unterhosen….

Das Hochschleusen geschieht in drei Schritten. Vor der ersten Kammer werden wir mit einer anderen Yacht zu einem Päckchen verbunden und fahren dann als „Gespann“ rein. Im Gegensatz zu vielen anderen Schleusen (wie z. B. im Nordostseekanal) werden wir nicht an einer Wand oder einem Schwimmsteg festmachen, sondern mit vier dicken Tauen in der Mitte der Kammer gehalten. Diese dicken Leinen sind viel zu schwer um an Land geworfen zu werden – zumal der obere Rand der Wand etwa 15m über uns ist. Stattdessen werden von Land aus mehrere dünne Leinen mit sogenannten „Affenfäusten“ als Wurfgewicht zu uns rüber geworfen. Das ist nicht ganz ohne, denn die „Affenfäuste“ sind mit Seil ummantelte Stahlkugeln, die – wenn sie eine Decksluke, ein Solarpanel oder gar einen Kopf treffen würden – einen ziemlichen Schaden anrichten können. Aber alles geht gut. An diesen dünnen Seilen werden die dicken Leinen von den Linehandlern festgebunden und von dem Personal an Land hochgezogen und um grosse Poller gelegt. Die Aufgabe der Linehandler ist dafür zu sorgen, dass diese Leinen immer straff gespannt und sicher an Bord belegt sind, weil die starken Verwirbelungen beim Einlassen/Rauslassen des Wassers die Boote sonst unkontrolliert rum schieben würde.

Wenn die erste Kammer geflutet ist, gehen die Tore zur zweiten auf, der Frachter wird von Lokomotiven in der Spur gehalten und fährt aus eigener Kraft (zum Glück für uns Kleinvieh dahinter) ganz langsam in die nächste Kammer. Dann werden unsere Leinen mit dem Kommando „Slack the Lines!“ gelöst und wir fahren als Päckchen hinterher. Derweil laufen die Leute an Land mit und halten die dünnen Leinen fest. Dabei gilt es ganz langsam zu fahren, damit die armen Kerle, die ja wieder 15 m hochsteigen müssen, nicht zu schnell laufen müssen. An der richtigen Position angekommen, werden die dicken Leinen wieder hochgezogen und über die Poller gelegt. 

Einfahrt in die zweite Kammer der Schleuse

Der Aufenthalt in jeder der drei Kammern dauert etwa 45 Minuten und so verschwindet das Tageslicht im Laufe der Schleusungen. Die Schleusen sind von grossen Flutlichtscheinwerfen hell ausgeleuchtet. In Kombination mit dem strömenden Regen ergibt das eine ganz spezielle fast surreale Stimmung. Vor allem Loic ist hellauf begeistert wie er tropfnass im Regen draussen steht: „This is like in a movie!!“ Und das hat was, denn ausserhalb unseres hell erleuchteten „Universums“ ist es pechschwarze Nacht.

Ausfahrt aus der dritten Kammer in den Gatunsee

Um 19:30 Uhr geht das letzte Schleusentor auf, wir lösen unser Päckchen auf und fahren in der Dunkelheit in den Gatunsee rein. Entlang der rot leuchtenden Fahrwassertonnen geht es noch eine halbe Stunde zum Übernachtungsplatz an einer grossen Boje.

Festgemacht an der Boje gibt es für alle ein ausgiebiges Abendessen, welches Biggi und Veronika in der letzten Schleusenkammer zu kochen angefangen hatten. Und was könnte es denn auf CHILI anderes sein als eben – ein CHILI con Carne! Nach dem Essen wird Sergio abgeholt und wir richten uns für die Nacht ein. Kurz nach zehn sind schon alle am Schlafen, war wohl doch etwas viel Aufregung heute…

Am nächsten Morgen um acht kommt der neue Pilot – Eduard – an Bord und kurz darauf sind wir schon wieder unterwegs. Zuerst tuckern wir etwa fünf Stunden durch den Gatunsee. Unterwegs gibt es zuerst belegte Brötchen zum Frühstück und später frisch aufgeschnittene Ananas als Snack. Das Fahrwasser mäandert durch eine interessante Dschungellandschaft und immer wieder begegnen wir riesigen Frachtschiffen auf Tuchfühlungsdistanz. Ist schon eindrücklich, wenn so ein Ozeanriese ganz nah vorbeifährt.

Puente Centenario, die zweite Brücke, die wir auch schon mehrmals mit dem Auto befahren haben.

Gegen Mittag kommen wir bei der ersten Schleuse, den Pedro Miguel Locks an, wo wir uns wieder mit der gleichen Yacht wie gestern zu einem Päckchen zusammenschnüren.

Beim Runterschleusen fahren die Yachten VOR dem Frachter in die Schleusenkammer und werden unmittelbar vor dem Tor festgemacht. Dann kommt der Ozeanriese – dieses Mal ein riesiger Autofrachter, der wirklich die ganze Schleusenbreite beansprucht – GAAAANZ langsam reingefahren. Es ist ein etwas mulmiges Gefühl, wenn er immer näher und näher kommt und man überlegt sich unwillkürlich was wäre, wenn er nicht rechtzeitig anhalten könnte… Aber er kann.

Und so sieht es von aussen aus, gar nicht so nah wie wir dachten
Sicht auf dem Kartenplotter

Und da das Ganze wirklich sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, geniessen wir in aller Ruhe unser gemeinsames Mittagessen (Spiralnudeln mit einer hellen Hähnchensauce) festgemacht in der Schleusenkammer. Auf dem Nachbarschiff geht es kulinarisch offenbar eher karg zu und der Pilot schaut ganz hungrig zu uns rüber.

Auf Chili ist das Essen immer gut!

Pedro Miguel hat nur eine Kammer und danach geht es noch etwa 2 km bis zur Miraflores-Schleuse, die zwei Kammern hat, und wieder sind wir im Päckchen unterwegs. Aus mir unerfindlichen Gründen lässt die andere Yacht ihren Motor die ganze Zeit im Leerlauf und wir müssen das Päckchen mit unseren beiden Motoren manövrieren. Inzwischen haben wir kräftigen Rückenwind und auch eine mitlaufende Strömung. Da wir nicht schneller als 2 Knoten fahren sollen, habe ich alle Hände voll zu tun unseren Verband in der Mitte des Fahrwassers zu halten. 

In der Miraflores Schleuse wird es dem Piloten auf dem anderen Boot schliesslich zu bunt und er frägt lautstark nach, wann es denn endlich was zu essen gäbe auf diesem Boot… Kurz danach läuft er mit einem Stück Kuchen an Deck rum und beneidet wohl seinen Kollegen Eduard, der an einem Müsliriegli knabbert und satt und zufrieden bei uns im Cockpit sitzt… 

Und dann ist es endlich soweit – das letzte Schleusentor geht auf und vor uns liegt der Pazifik! Ein letztes Mal konzentriert fahren, denn die Stromwirbel die entstehen, wenn das salzige Pazifikwasser sich mit dem Süsswasser vom Gatunsee und dem Kanal vermischt, sind heftig und zerren unser Päckchen einmal rechts und einmal links weg. Endlich lösen wir das Päckchen auf und jeder fährt alleine weiter. 

Die dritte Brücke: Puente de las Américas
An der Skyline von Panama City vorbeifahren

Es ist (wieder) ein unbeschreibliches Gefühl unter dem Wahrzeichen vom Panamakanal – der „Puente de las Américas“ – durch zu fahren. Nach der langen Anspannung lässt auch meine Konzentration nach und ich fahre etwas zu entspannt entlang dem Tonnenstrich bis ich beinah in eine grosse Fahrwassertonne reinfahre! Zum Glück sass die halbe Crew vorne im Netz und warnte mich im allerletzten Moment lautstark. Das wäre es noch gewesen, ohne Probleme durch den ganzen Panamakanal und dann eine Fahrwassertonne rammen… Eduard meint nur: „I said keep close to the bouys – but not THAT close…“

Um etwa drei Uhr nachmittags fällt der Anker in der Bucht vor La Playita. Grosses Danke und Tschüss sagen und dann bringe ich die Crew und die grossen Fender und Leinen in mehreren Etappen mit dem Dinghy an Land.

Und dann sind wir wieder zu zweit alleine an Bord und lassen das Erlebte bei einem Ankerbier vorne im Netz Revue passieren.

Es ist fast nicht zu glauben, aber wir sind tatsächlich im Pazifik angekommen!

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Panama Kanal, zum Greifen nah…

Panama Kanal, zum Greifen nah…

Shelter Bay Marina, 1.3.-20.4.2026

Unser „Shake Down Cruise“ ist vorbei und mit einer soliden Liste an „To Dos“ planen wir etwa einen Monat in der Shelter Bay Marina zu bleiben um alles abzuschliessen bevor es anfangs April durch den Panama Kanal gehen soll. Soweit die Theorie…

Die Marina leidet tagelang unter eine regelrechten Sargassumplage.

Die ersten beiden Wochen sind wir noch alleine und werkeln fleissig drauf los.

Resteverwertung: Filtergehäuse vom alten Wassermacher werden als interne Filter im Wassersystem an Bord wiederverwertet. Übrig gebliebene Farbe wird benutzt um die Anker zu malen. Und der Autopilot wird mit neuem Oel gefüllt.

Die grösste Baustelle ist der Stauraum, wo der Generator und der grosse Wassermacher gelebt haben. Beide wurden noch in der Panamarina ausgebaut, aber das war nur der Anfang. Der Dieseltank für den Generator muss geleert, die verrosteten Motorstützen abflext und alles gründlich gereinigt und schliesslich neu gemalt werden. Anschliessend wird unser Rainman Wassermacher dort drin fix eingebaut und direkt an den Wassertank angeschlossen, damit wir unterwegs Wasser machen können, ohne zuerst den Tankdeckel vorne am Boot aufmachen zu müssen. Und wenn wir schon dabei sind wird die jetzt unbenützte Seewasserzufuhr für die Kühlung des Dieselgenerators umfunktioniert. Wir schliessen stattdessen dort eine alte Wasserpumpe an und legen einen Schlauch von da zum Anker und fertig ist die Anker(ketten)waschvorrichtung. Jetzt schalten wir die Pumpe ein, bevor wir den Anker hochziehen und die Kette wird (hoffentlich) von Dreck und Schlamm befreit, ehe sie im Ankerkasten landet. „Upcycling“ nennt man das wohl auf Neuhochdeutsch.

Und schliesslich ist unser neuer Gasherd aus USA angekommen. Den hatten wir bestellt als wir noch in den San Blas Inseln waren. Wobei „angekommen“ ein dehnbarer Begriff ist. Als wir in Shelter Bay ankommen, gehe ich als erstes ins Marinaoffice und frage nach dem Paket für uns. „Nein, da sei nichts für uns angekommen!“ Dabei hätte es schon lange da sein sollen. Eine kurze Rückfrage beim Lieferanten bestätigt meine Vermutung, dass es schon hier abgeliefert worden sei. Als ich das Office mit dieser Information konfrontiere, ist das Paket dann plötzlich doch da, es stehe wegen seiner Grösse einfach in einem Lagerraum. Wer jetzt denkt, dass sich jemand im Büro wegen der Verirrungen entschuldigen würde, der irrt sich. Hier wird – auch bei offenkundigen Fehlern – niemals „Sorry“ gesagt. Ein kurzes Schulterzucken und die Angelegenheit ist für sie erledigt.  

Kaum an Bord wird das gute Stück aus seiner wirklich sehr soliden Verpackung geschält und steht in seinem vollen Edelstahlglanz im Cockpit. Den Austausch machen wir übrigens, weil der alte Herd vor lauter Rost langsam auseinanderbricht. Und wer mag schon Backwaren auf denen die Rostbrösel einfach nicht mehr vom schwarzen Sesam zu unterscheiden sind…

Raus mit dem Alten (das ist in fünf Minuten geschafft). Dann nochmals 30 Minuten um den jetzt zugänglichen Raum, wo der Herd drinhängt, vom gefühlt 10 Jahre alten Dreck zu befreien. Und dann geht es an den Einbau vom Neuen. Eigentlich ein Klacks, denn es braucht nur einen Anschluss ans Gassystem und je eine Aufhängung rechts und links vom Herd. Der Herd ist nämlich kardanisch aufgehängt, um die Schaukelei beim Segeln kompensieren zu können. Dafür muss ich „nur“ die Aufhängungen vom alten Herd abbauen und die neuen hinbauen.

Nur – das Abbauen der alten Aufhängung geht gar nicht, denn sie wurde offenbar mit Bolzen und Gegenmuttern eingebaut BEVOR die restlichen Küchenschränke eingebaut wurden. Damit gibt es keine Art, wie ich an die Muttern rankomme ohne die Schränke zu zersägen. Also Plan B: Die bestehenden Halterungen vom alten Herd so anpassen, dass der neue reinpasst. Dremel sei Dank ist das dann auch relativ einfach machbar. Dann noch „schnell“ den Sperrriegel einbauen, mit dem man den Herd arretieren kann und nach einem schlappen Tag Basteln wäre der neue Herd schon einsatzbereit. Wäre, denn er ist es natürlich nicht! Der Gasanschluss am Herd ist amerikanischer Standard und wir haben ein Europäisches Boot. Also ab zum Schlauch kaufen. Im dritten Laden haben sie tatsächlich einen auf Lager und für schlappe $40.- habe ich einen Meter Gummischlauch mit dem passenden Fitting im Rucksack.

Der passende Schlauch wäre bei Amazon um ein Vielfaches günstiger zu haben gewesen…

Zurück zum Boot fahren, alles anschliessen, Gas aufdrehen und Gasschnüffler ranhalten – Yeyy! – alles ist dicht und bereit zum Kochen. So kommt es, dass man gut zwei Tage braucht um einen simplen Herd auszutauschen. Stellt sich nur noch die Frage, wie wir künftig unseren täglichen Eisenbedarf decken, wenn es jetzt plötzlich keine Rostkrümel mehr auf dem Kartoffelgratin oder den Frühstücksbrötchen hat?

Parallel dazu haben wir Lebensmittel und andere Sachen (ja auch Klopapier…) im Hinblick auf den Pazifik aufgestockt. Erstens brauchen wir es natürlich für die vier bis sechswöchige Passage nach Französisch-Polynesien und zweitens ist so ziemlich alles in Französisch-Polynesien erheblich teurer als hier. Also macht es Sinn das Boot zu füllen, wobei wir gleichzeitig darauf achten müssen es nicht zu überladen. Die Diskussionen, ob und wieviel wir von etwas brauchen sind manchmal ziemlich hitzig. Aber am Ende ist das Boot so voll, dass jeder Corona Prepper glänzende Augen bekommen würde…

Alle Konservendosen vom Papier befreien und (wasserfest) beschriften.
Und alle Vorräte schön säuberlich in die Excel-Tabelle eintragen.
Diesel bunkern

Unsere Ankerkette ist auch schon etwas rostig und besteht aus zwei 50m langen Stücken, welche mit einem Verbindungsglied gekoppelt sind. Damit wollen wir lieber nicht in den Pazifik segeln, wo wir viel mehr und vor allem oft auf grösseren Tiefen ankern werden. Also wird stattdessen eine neue Kette (80m in einem Stück) bestellt und nach Shelter Bay geliefert. Der Spruch, dass die Kette nur so stark wie das schwächste Glied ist, wird uns zufällig und sehr deutlich vor Augen geführt, als wir die alte Kette aus dem Boot hieven… Von den 10mm Materialdicke ist bei einem(!) Kettenglied gerade mal die Hälfte noch da… Und wer schaut schon jedes Glied der Ankerkette mit einer Lupe an…

Unser Kanaltermin ist auf den 3. April festgelegt. Das haben wir so gewählt, weil uns Biggis Brüder Thomas und Wolfi über Ostern für zwei Wochen besuchen kommen um mit uns durch den Kanal zu gehen. ABER – vier Tage vor Ankunft der beiden stellen wir fest, dass einer der beiden Schiffspropeller abgefallen ist! Den Propeller können wir zwar noch retten, aber einige andere Anbauteile fehlen und können nicht mehr gefunden werden.

Da fehlt etwas…

Mit nur einem Propeller lässt sich ein Katamaran fast nicht manövrieren und eine Durchfahrt des Kanals ist so absolut ausgeschlossen. In Panama sind keine Ersatzteile aufzutreiben, es muss in USA oder Europa bestellt werden und inklusive Anbau dauert so etwas mindestens drei Wochen. 

Also bleibt uns nichts anderes übrig als schweren Herzens den Kanaltermin zu verschieben, was natürlich auch für Thomas und Wolfi enttäuschend ist. Oder wie Thomas es formuliert, als er es erfährt: „Mit euch Scheissseglern kann man einfach nichts ausmachen!“

Thomas und Wolfi bringen zwei Koffer voller Ersatzteile und Zubehör aus Deutschland mit – sogar eine kleine Siebträgerkaffeemaschine ist im Gepäck – Luxus pur!

Um die Ferien von Thomas und Wolfi trotz der Planänderung doch ein wenig abwechslungsreich gestalten zu können, mieten wir für die ganzen zwei Wochen ein Auto und machen einige Ausflüge. Wolfi als begnadeter Handwerker verzichtet sogar auf den einen oder anderen Ausflug und hilft mir stattdessen sachkundig bei einigen Reparaturen. Dabei kann ich auch einige Tricks vom alten Hasen dazulernen. Da merkt man schon wer etwas gelernt und wer es sich nur erlesen hat… Und schon ist unsere Bordwaschmaschine endlich wieder einsatzbereit und auch sonst das eine oder andere erledigt – sogar beim defekten WC-Schlauch hat er keinerlei Berührungsängste!

Ganz herzlichen Dank dafür, Wolfi! Thomas ist derweil in der Küche in seinem Element und zaubert für uns einige Delikatessen auf den Teller. Muchas Gracias!

Der Aussenborder bekommt einen Flügel verpasst um leichter ins Gleiten zu kommen. Das klappt jetzt auch mit vier Personen an Bord – Testfahrt erfolgreich!

Aus dem Missgeschick mit dem verlorenen Propeller machen wir das beste – eine Verbesserung. Statt den starren zweiflügeligen Propellern wollen wir dreiflügelige Faltpropeller anbauen. Das kostet zwar etwas (oder eher viel) mehr, bringt aber sehr viele Vorteile – sowohl beim Segeln, wie auch bei der Motorfahrt bzw. beim Manövrieren. 

Die neuen Propeller müssen ausgesucht und genau auf unser Boot angepasst (berechnet) sein.  Bis das alles erledigt ist, vergehen ein paar Tage, aber kurz vor Ostern werden die neuen Propeller aus Dänemark verschickt und nach nur drei Tagen (!) sind sie tatsächlich schon in Panama City. Aber dann ist erstmal Ostern und wir dürfen drei weitere Tage warten bis das DHL-Büro in Panama wieder öffnet.  

Abwarten und das Marinakrokodil beobachten.

Am Ostermontag – hier kein Feiertag – stehen Biggi und ich morgens um neun schon auf der Matte im DHL-Büro in Panama City. In der naiven Annahme, dass wir die Pakete einfach abholen können, sagen wir zu Thomas und Wolfi (die bei uns an Bord geblieben sind), dass wir sicher zu Mittag wieder zurück seien. Dabei hätten wir es doch besser wissen sollen – JEDE Amtshandlung dauert in Panama mindestens fünf Mal so lange wie in Europa – so auch bei DHL. Denn einfach hinkommen und sich ausweisen geht gar nicht. Wir sehen unsere Pakete zwar hinter dem Tresen liegen, aber wir MÜSSEN zuerst eine E-Mail an die Hauptgeschäftsstelle von DHL schreiben, dass wir dem Schalterbeamten erlauben die Pakete an uns herauszugeben. Und dann wird wieder eine Stunde gewartet, bis die Hauptgeschäftsstelle ihrerseits eine Freigabe erteilt. Erst dann wird der IT-Prozess eingeleitet um die Pakete aus dem System auszuchecken, und der dauert auch seine Zeit. Kurz vor Mittag wäre es eigentlich so weit, aber dummerweise ist just der Mitarbeiter, der die Pakete vor der Ausgabe einscannen muss, gerade in die Mittagspause entschwunden. „Wir sollen doch um 15 Uhr zurückkommen…“ WTF!?! Jetzt war aber genug! Zum Glück kennen wir inzwischen ein paar Leute hier in Panama und machen einen Anruf – und siehe da – 10 Minuten später haben wir die beiden Pakete in der Hand. (Vitamin B ist in Panama alles!) Ach ja, das DHL-Büro war auf 16 (!!) Grad runtergekühlt und wir haben die ganze Wartezeit geschlottert. Am Abend hatten wir beide sogar einen rauen Hals.

Die drei „Beier-Gschwisda“ machen statt der Kanaldurchfahrt einen längeren Ausflug und verbringen die letzten Tage von Thomas und Wolfis Ferien auf der Pazifikseite von Panama. 

Am Montag den 13. April heisst es Abschied nehmen für die Gschwisda. Thomas und Wolfi fliegen wieder zurück in die Kälte und wir machen noch ein zwei Grosseinkäufe bevor wir das Auto am 15. April zurückbringen.

Weil wir noch auf zwei „Spacer“ von Volvo Penta warten müssen, um die Propeller einbauen zu können, vergehen schlussendlich auf den Tag genau (!) die drei Wochen, die ich vorhergesagt habe, bis wir endlich fertig fürs Rausheben sind. Am 16. April ist es soweit. Mit den zwei Marinadinghis werden wir kurz vor Mittag zum Travellift gezogen bzw. geschubst, da wir mit nur einem Motor bzw. Propeller auf dem engen Raum nicht manövrieren können. 

Die Montage der Faltpropeller ist in weniger als zwei Stunden erledigt (das hatte ich bei RARE BREED so oft gemacht, dass ich es sozusagen im Schlaf beherrsche) und CHILI wird plangemäss nach der Mittagspause wieder ins Wasser gelassen.

Jetzt die Motoren starten und eine Probefahrt mit den neuen Propellern machen – denkste, der linke Motor lässt sich partout nicht mehr starten! Also werden wir stattdessen wieder mit den Dinghis zu einem Liegeplatz zurückgebracht. Wie zwei begossene Pudel sitzen wir im Cockpit und fassen nicht was jetzt wieder los ist.  Der einzige Trost der uns bleibt: Wir liegen jetzt vorne am C-Steg und nicht mehr am F-Steg hinten im Hafen. Das bedeutet, wir sind jetzt etwa 300 m näher am Panama Kanal…  Um die Stimmung etwas zu heben stelle ich fest, dass wir jetzt ein paar Mal Glück im Unglück hatten: Den Propeller haben wir – fest vertäut am Liegeplatz – in der Marina verloren und auch der Motor ist „am bestmöglichen Ort“ ausgestiegen. Denn wenn etwas davon erst im Kanal passiert wäre, dann wäre es RICHTIG teuer geworden! Biggi meint dazu ganz lakonisch „Dann bleiben wir doch einfach hier in der Marina liegen, damit das nächste Missgeschick auch am bestmöglichen Ort passiert…“ (Randbemerkung der Redaktion: Frustrierenderweise ist ihre Aussage gar nicht so absurd, wie wir ein paar Wochen später erfahren würden, aber dazu im übernächsten Bericht mehr.)

Wenn man frustriert ist, hilft es gute Freunde zu haben um sich abzulenken. Feuchtfröhlicher Grillabend mit Peter und Iris von der IP.

Tags darauf kommt der Dieselmechaniker zu uns an Bord und die Fehlersuche beginnt. Es stellt sich heraus, dass das Gewinde der Entlüftungsschraube eine Macke hat.

Das reicht, damit ganz langsam Luft in die Dieselzufuhr eindringen kann und irgendwann ist es halt soviel, dass der Motor nicht mehr startet. Kleine Ursache – grosse Wirkung. An sich keine grosse Sache, denn das ist ein leicht auszutauschendes Ersatzteil, nur – wer errät es? – gibt es dieses Teil natürlich nicht in Panama. Aber der Mechaniker meint, dass er stattdessen ein neues Gewinde reinschneiden kann und das Problem so lösen könne. Er will es vor Ort machen (also am Motor) aber da interveniere ich! Ich bitte ihn, das gesamte Teil vorher abzubauen und bevor er es zur Werkstatt trägt weise ihn nochmal ausdrücklich darauf hin wirklich ALLES auseinander zu bauen, bevor er das Gewinde schneidet, damit wirklich keine Metallspäne ins System fallen können. „Sí, sí, Señor!“ Am Nachmittag kommt er mit dem Teil zurück und es sieht alles gut aus. Eingebaut, Motor entlüftet und er startet sofort und läuft wie ein Uhrwerk! Freude herrscht!

Jetzt ist endlich alles klar und wir beantragen einen neuen Kanaltermin, den wir für den 28. April bekommen. 

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Panamarina – Die Dschungelmarina, die eigentlich keine Marina ist

Panamarina – Die Dschungelmarina, die eigentlich keine Marina ist

6.2.-1.3.2026

Wir wollten aus zwei Gründen in die Panamarina: Dort gibt es einen wirklich guten Motorenmechaniker und ausserdem eines der besten Restaurants in Panama. Eigentlich wollen wir nur eine Woche bleiben, alles erledigen und dann für zwei-drei Wochen zurück nach San Blas. Das wir schlussendlich mehr als drei Wochen dort bleiben würden, hätten wir aber nicht gedacht.

Die Panamarina aus der Luft. Gut zu erkennen die schmale Einfahrt zwischen den Riffen im oberen Teil des Bildes.

Nach der ruppigen Überfahrt von San Blas hierher hatte Biggi so gar keine Lust an weiteren Segelabenteuern und so entscheiden wir es gemütlich zu nehmen und vorerst mal das Leben hier zu geniessen. 

Panamarina hat gar keine klassischen Stege wo man sein Boot festmachen kann, stattdessen liegen die Boote an Bojen in der Bucht. Dafür sind die Liegekosten mit $ 17.-/Tag für unseren Katamaran sehr erschwinglich. Und da die Katamarane im hinteren flachen Teil der Bucht liegen, ist es schon fast, wie wenn man vor Anker liegt. Um an Land zu kommen muss man ins Dinghy steigen. Der Dinghysteg von der Panamarina ist allerdings eine ziemlich wackelige und unebene Konstruktion. Einmal nicht aufgepasst und zack bin ich voll aufs Gesicht gefallen. Ungeachtet der spektakulären Verletzung habe ich trotz allem Glück im Unglück, dass ich „nur“ mit dem Kopf die Holzplanken knalle und nicht eine Klampe oder eine scharfe Kante treffe…

Um die Panamarina herum ist dichter Dschungel und mit den vielen Vögeln und Affen, die man täglich sieht und hört ist es richtig idyllisch. Zwischen dieser Bucht und der Linton Bay gibt es eine Verbindung über einen natürlichen Kanal durch die Mangroven, der so eng ist, dass man nur mit kleinen Motorbooten oder eben mit dem Dinghy durchfahren kann.

Die Durchfahrt ist ein Erlebnis für sich, da man grösstenteils unter einer geschlossenen Baumdecke – also wie durch einen Tunnel – fährt.

Im letzten Drittel öffnet sich der Kanal zu einem kleinen See, wo auch ein Seitenarm abzweigt. Dieser Seitenarm geht bis zum Meer raus, ist kristallklar und lädt zum Baden ein. Wir fahren mehrmals ganz bis zum Ende hoch und lassen uns dann mitsamt Dinghy bis zum See treiben. Sooo cool!

Wir fahren in den Wochen hier mehrmals mit dem Dinghy zur Linton Bay rüber. Erstens weil es dort einen gut ausgestatteten Schiffsausrüster hat und zweitens, weil es auch sonst einiges zu sehen gibt. Einmal am Sonntag bis zur Isla Grande – DAS Naherholungsgebiet in der Gegend, wo am Wochenende der Bär los ist. Die ganze Inselküste ist von Bars und Restaurants gesäumt, überall dröhnt laute Musik und die lokalen Schönheiten stolzieren – trotz teilweise üppiger Körpermasse – in sehr knapper Bademode von Lokal zu Lokal.

Dagegen ist die unbewohnte Isla Linton eine wohltuende Oase der Ruhe. Früher war hier einmal ein privater Zoo, welcher aber aufgelöst wurde, als die Amerikaner Panama verlassen haben. Zurückgeblieben ist „Sheila“, eine einsame alte Affendame. Sie ist sehr zutraulich und kommt oft angerannt, wann man dort an Land geht. Sie liebt es mit den Menschen zu kuscheln und quasselt sie dabei mit allen möglichen Geschichten voll. Leider sind ihre einzige Gesellschaft Menschen die extra ihretwegen hierherkommen. Es stimmt einen traurig sie so alleine hier zu sehen, aber ob sie sich, nach so langer Isolation, in ein Affenrudel integrieren könnte ist wohl fraglich.

Panamarina wird von einem älteren sehr sympathischen französischen Paar betrieben. Hier herrschen Europäische Regeln und ihr Vertrauen in ihre Kunden ist enorm. Hier müssen wir keine Kreditkarte hinterlegen, alles was wir im Shop kaufen, wird angeschrieben und gezahlt wird alles einfach am Schluss. So etwas ist in Panama sonst völlig undenkbar. Ihre Hilfsbereitschaft und Organisationstalent ist auch aussergewöhnlich. Sylvie hat immer versucht alle Fragen zu klären, wenn sie es nicht selber wusste, hat sie einfach solange rumtelefoniert, bis sie eine Antwort hatte. Etwas, was wir hier in Panama so noch nie erlebt haben. Kurzum – wir haben uns eher wie Freunde als wie Kunden gefühlt.

Und das abendliche Highlight ist der Besuch im Restaurant. Von aussen betrachtet gleicht es einem Imbiss auf einem Campingplatz, aber die Küche ist hervorragend und die Preise mehr als moderat. Hier merkt man eindeutig das französische „savoir vivre“. Kein Wunder ist das Lokal jeden Abend rappelvoll von hungrigen Seglern.

Nach ein paar Tagen an den Bojen schwemmt es ein riesiges Feld von Sargassoalgen in die Bucht. Alles ist von einem dicken Algenteppich bedeckt und wir blieben sogar manchmal mit dem Dinghy drin stecken. Nach ein paar Tagen ist der grösste Teil wieder weg. Obwohl es noch viele Algen entlang der Mangroven hat, ist der grösste Teil wie von Geisterhand über Nacht einfach wieder verschwunden. Irgendwie komisch, denn die Bucht hat keinen natürlichen Abfluss soweit wir das erkennen können.

Aber wir sind schliesslich nicht zum Vergnügen hier, sondern weil wird ein paar Probleme mit Motoren haben. Unsere beiden Aussenborder machen Ärger und der Backbord Motor von Chili hat manchmal Startprobleme. Also kommt Nelson an Bord. Nelson ist der Typ Mensch der seine Arbeit über alles liebt. Egal welcher Motor, Nelson nimmt sich ihm an und lässt erst locker, wenn er wieder perfekt läuft. Motoren zerlegen ist sein Leben und er wundert sich wohl, wenn er dafür auch noch Geld bekommt (wie wir später erfahren sollten). Entsprechend gefragt und mit Arbeit überhäuft, klappt es nicht immer so richtig mit seinen Terminzusagen, aber wenn er dann kommt, dann läuft es. Der Backbordmotor hat ein Problem mit dem Startrelais und zwei defekte Glühkerzen, was Nelson an Ort und Stelle löst, da wir zum Glück alle nötigen Ersatzteile an Bord haben. So nebenbei schafft er es sogar unseren altersschwachen Dieselgenerator zum Leben zu erwecken, was die Mechaniker in Shelter Bay nicht geschafft haben. Schlussendlich entscheiden wir uns trotzdem dafür, den Generator auszubauen, weil er zusätzlich noch ein Kühlungsproblem hat. Nelson hat schon drei andere vom gleichen Typ des Generators bei sich in der Werkstatt stehen und nimmt ihn gerne als Renovationsobjekt an.

Schlussendlich hat er auch beide Aussenborder und den kleinen Hondagenerator wieder fit gemacht und gewartet. Alles zusammen vermutlich 8-10 Stunden Arbeit. Als wir ihn fragen was wir ihm schulden meint er, dass er ja den Dieselgenerator bekommen hätte und ob $ 80.- für eine Arbeitsstunde OK sei? Als wir auf $ 100.- aufrunden, will er es erst gar nicht annehmen. Und danach offeriert er uns, dass er jederzeit für uns da sein würde, falls wir wieder mal ein Problem hätten – wir könnten ja per Videocall zusammen die Probleme lösen. Solche Typen sind im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbar! 

Nelson, der bescheidene venezolanische Motorenmech mit einem blauen und einem braunen Auge 😉

Neben uns liegt Alain mit seiner ANANDA, ein wunderschöner 55 Fuss Katamaran aus Holz. Alain kommt aus der Schweiz, allerdings aus dem Französischen Teil. Er segelt dieses grosse Boot meistens alleine, aber ist ein sehr geselliger Mensch. Wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut und unternehmen in der folgenden Woche viel zusammen. Unter anderem will ich ihm helfe, Bewuchs hemmende Säcke über seine Propeller zu fixieren, da er vor hat, sein Boot für längere Zeit hier liegen zu lassen. Also ziehen wir unsere Schnorchelsachen an und springen ins Wasser – nur um festzustellen, dass es so seicht ist, dass wir neben den Booten stehen können! Kein Wunder, dass hier nur Katamarane liegen! Das ist auch eine neue Erfahrung für mich den Bootsrumpf auf dem Grund stehend zu putzen.

In der Linton Bay Marina liegen unsere vier neuen Solarpaneele bereit. Sie sind leider ziemlich gross und unhandlich und ausserdem ist die Montage auf unseren Heckbügel im Wasser gar nicht möglich. Die einzige Art, da oben ran zu kommen ist rückwärts in die Liftbox vom Travellift in der Linton Bay Marina reinzufahren und es von Land aus zu machen. Diese Liftbox ist aber dafür da Boote rein und raus zu heben und kann nicht einfach blockiert werden. Nach einigen Gesprächen bekommen wir die Erlaubnis es am Wochenende zu machen, da dann niemand den Lift braucht. Am Samstag den 21.2. ist es so weit. Frühmorgens tuckern wir bei null Wind aussen herum zur Linton Bay rüber.

Kaum dort zieht ein grosse Regenwalze über die Bucht und im prasselnden Regen wird die Sicht auf wenige Meter reduziert. Nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei und wir können uns zwischen den vielen Schiffen bis zur Liftbox durchschlängeln. Kurze Zeit später stossen Swen von der KOKOI und Alain dazu. Zusammen demontieren wir die alten Paneele und bauen die neuen drauf.

Was sich so schnell schreibt ist in der Realität natürlich viel komplizierter, denn die Masse der alten und neuen Paneele sind zwar nahezu identisch, aber nicht die Montagelöcher. Und da die neuen Paneele auch etwas dünner als die alten sind, passen weder die Schrauben noch die aufgeschweissten Bolzen vom Träger. Mit Bohrmaschine und Winkelschleifer wird alles irgendwie passend gemacht und montiert. Weil der Träger so hoch ist und wir wegen der Heckbürzel nicht weit genug nach hinten fahren können, sind die Arbeitspositionen über dem Wasser hängend manchmal gelinde gesagt abenteuerlich. Ein Suva-Kontrolleur hätte wohl einen Herzinfarkt bekommen…

Nachmittags um 3 ist schon alles fertig und wir kommen sogar noch rechtzeitig vor 4 wieder in der Panamarina an, um an unseren vier Bojen festgemacht zu werden. Tags darauf schliesse ich die neuen Panele elektrisch an und seitdem haben wir kein einziges Mal zu wenig Strom gehabt. Im Gegenteil – inzwischen haben wir soviel Strom, dass wir alles elektrisch kochen und backen. Sogar unser grösster „Stromfresser“, der Wassermacher, schafft es nicht die Batterien zu beeindrucken. Wenn die Sonne scheint liefern die Sonnenzellen mehr Energie als der Wassermacher verbrauchen kann.  Diese Investition hat sich wirklich ausbezahlt! Seither haben wir auch ganze Tage ohne Sonnenschein erlebt und auch dann liefern die Solarpanele genug Energie um unsere Batterien bei Laune zu halten.

Bei Sonnenschein haben wir Ladeströme bis zu 130 Ampere gesehen

Der grosse Wassermacher, der bereits im Boot war als wir es gekauft haben, hat den langen Landaufenthalt nicht gut überstanden. Eine Reparatur ist hier in Panama nur sehr schwer möglich, da dieses Modell hier nicht geläufig ist und die benötigten Spezialteile hier nicht aufzutreiben sind. Wir haben immer noch unseren portablen Wassermacher von RARE BREED, welcher tadellos funktioniert und vor allem viel einfacher aufgebaut ist. Daher haben wir beschlossen, dass dieses schwere Metallgebilde auch von Bord muss. Um ihn rauszubekommen muss ich ihn in kleinere Teile zerlegen, was einen ganzen Tag in Anspruch nimmt. Als ich die gesammelten Einzelteile an Land bringe und eigentlich entsorgen will, werde ich von jemandem angequatscht, was ich damit vorhabe. Einer spontanen Eingebung folgend antworte ich, dass ich es verkaufen will – und siehe da, der Typ hätte einen Freund der so etwas suche. Nach ein paar Chatnachrichten mit seinem Bekannten steht der Deal und wir bekommen ungesehen $1’000.- überwiesen – für etwas, was wir eigentlich wegschmeissen wollten. Auch nicht schlecht 😉

Der Kanaltermin von Anfangs April rückt langsam näher und wir wollen noch ein paar grössere Lebensmitteleinkäufe machen. So schön die Panamarina ist, um nach Colon oder sogar Panama City zu kommen ist es zu abgelegen. Ausserdem warten einige Amazonpakete auf mich in Colon. Also müssen wir wieder in die Shelter Bay Marina zurück. 

Am 1. März verlassen wir widerwillig Panamarina und fahren die ca. 30 Meilen zur Shelter Bay. In der Ansteuerung von Colon sind wir wie immer von einem Haufen grosser Pötte umgeben.

Vor der Marina werden wir von den Marineros über Funk gewarnt, dass es in der Marina drin einen dicken Algenteppich hat. Wir versuchen trotzdem reinzufahren und bleiben prompt stecken. Nur mit Schlepphilfe vom Marinadinghy mit einem starken Aussenborder schaffen wir es schliesslich in unsere Box rein.

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CHILI segelt – oder San Blas zum Dritten

CHILI segelt – oder San Blas zum Dritten

Januar 2026: Shelter Bay – San Blas – Panamarina

Nach fast zwei Jahren (19. März 2024 bis 6. Januar 2026) in der Shelter Bay Marina sind wir erstmals wieder mit unserem eigenen Boot draussen auf dem Meer. Es ist ein fast schon surreales Gefühl und zudem sehr ungewohnt und neu, denn wir sind ja mit einem für uns neuem Boot unterwegs.

Abfahrt aus Shelter Bay Marina: Die Marineros winken zum Abschied, Victor hat nach den zwei Jahren sogar ein Tränchen verdrücken müssen.

Das erste Stück von Shelter Bay nach Linton Bay geht wie erwartet genau gegen den – zum Glück relativ schwachen – Wind und damit unter Motor. Dieser Schlag nach San Blas ist was man auf Englisch einen „Shake Down Cruise“ nennt, also ein Törn, wo es darum geht das Boot zu testen und bisher unbekannte Schwachstellen zu entdecken. Insofern sind längere Strecken unter Maschine(n) durchaus erstrebenswert, was CHILI problemlos meistert. RARE BREED hatte zwei grosse 55 PS Vierzylinderdiesel und grosse dreiflügelige Verstellpropeller, was zusammen zu sehr viel Vortrieb geführt hat. Bei CHILI haben wir zwei kleinere Dreizylinderdiesel mit je 30 PS, und entsprechend kleinere zweiflügelige Festpropeller, was eher etwas untermotorisiert ist. Entsprechend reagiert CHILI bei Hafenmanövern wesentlich träger und man muss beherzter Gas geben um etwas zu bewegen. Auch die Reisegeschwindigkeit von 5 Knoten unter Motor ist bei CHILI nur mit beiden Maschinen und höherer Drehzahl zu erreichen. Aber wir haben schliesslich ein Segel- und kein Motorboot.

Zum ersten Mal mit CHILI ankern.

Nach einer Nacht vor Anker hinter Isla Grande in Linton Bay geht es am nächsten Morgen um Acht weiter Richtung San Blas. Abgesehen von einem kleinen Ankermissgeschick, wo versehentlich die 125 Ampere Sicherung der Ankerwinsch durchbrennt (eben Boot testen 😉 ) geht so weit alles gut.

Zum ersten mal mit CHILI unter Segel 🙂

Nach kurzer Zeit bekommen wir den Wind nicht mehr genau von vorne und können auch die Genua ausrollen und kurz danach die Maschinen abstellen und endlich und zum ersten Mal wirklich segeln. Jetzt zeigt sich sehr schnell, dass unsere Vermutung, dass CHILI bessere Segeleigenschaften als RARE BREED hat, zutreffen. Bei 15-18 Knoten Wind von 60 Grad (also schräg von vorne) rauscht CHILI mit voller Genua und einem Reff im Gross immer wieder mit bis zu 8 Knoten durchs Wasser. Es ist auch eine wahre Freude zu sehen, wie die neue schwarze Genua perfekt steht und den Wind in Vortrieb umwandelt!

Unterwegs fangen wir sogar einen kleinen Fisch, welcher aber leider von einem Hai geschnappt wird, bevor wir ihn rausholen können. Janu, man kann nicht immer gewinnen.

Gegen 15 Uhr fällt der Anker in Chichime in den San Blas.

Der erste Ankerplatz in San Blas: Chichime
Kaum ist der Anker unten kommt schon der erste Kuna und möchte Lobster verkaufen. Wir haben für uns entschieden keine Lobster mehr zu essen und sind daher keine so gute Kunden, dafür…
… kaufen wir ihm eine neue Gastlandflagge für Guna Yala ab.

In Chichime bleiben wir nur eine Nacht und am nächsten Tag geht es die letzten 17 Seemeilen nach Green Island weiter, wo Freunde auf uns warten. Der Wind hat noch weiter aufgefrischt und wir gehen dieses Mal mit einem zweifach gerefften Grosssegel „ins Rennen“. Auch heute zischt CHILI nur so durchs Wasser und wir überholen sogar einen etwa gleichgrosser Katamaran – SEHR Ego fördernd 😉

Fazit nach den ersten ca. 100 Seemeilen: Es macht echt Spass CHILI zu segeln und die Investition in eine neuen Genua hat sich wirklich gelohnt. Die neue Segelaufteilung mit einem wirklich grossen Grosssegel und einer kleinen Fock ist zwar kraftvoller, aber auch anspruchsvoller in der Handhabung. Konnte ich bei RARE BREED das Grosssegel schnell von Hand bis ganz nach oben ziehen, schaffe ich das bei CHILI – trotz doppelt geschorenem Grossfall – nur mit Hilfe der Winsch.

Wir verbringen ziemlich genau einen Monat in San Blas und geniessen endlich das Leben vor Anker vor eine Palmeninsel mit Sandstrand. Nebenher arbeiten wir natürlich fleissig an CHILI weiter, wo einiges optimiert, umgestaut, weiter ausgemistet und ein paar kleine Projekte abgeschlossen werden. Aber natürlich wird auch der Ankeralltag mit anderen Seglern sehr genossen, einige neue Bekanntschaften gemacht und auch alte Freunde wieder getroffen. UND wir haben die Vorzüge von einem grossen Trampolinnetz zwischen den Bügen schätzen gelernt. Es gibt wohl keinen besseren Ort als dort vorne zu liegen und abends den Sternenhimmel zu beobachten 🙂 

Unser neuer Lieblingsplatz – das Trampolin
Biggi probiert unsere neue Sailrite Nähmaschine aus und näht eine Tasche für Schraubenschlüssel und Gurtbänder um das Dinghy zu sichern
Hier fahren die meisten Kunas in solchen selber gebauten Cayucos rum. Meistens mit Paddeln oder Segel, aber manchmal auch mit Aussenborder.
Der Cayucobau ist immer noch Handarbeit, aber halt mit der Motorsäge
Wir werden immer wieder von den Kunas angefragt, ihre Handys zu laden. Am Anfang kamen sie noch mit 1-2 Handys. Am Schluss hat es dann etwas absurde Ausmasse angenommen…
Diesen Dinghysteg gab es vor zwei Jahren noch nicht…
Und auch einige andere Bauten sind neu hinzugekommen
Das Wetter ist diesen Januar noch oft regnerisch und trüb, obwohl eigentlich Trockenzeit sein sollte
Segeln zwischen den Inseln in San Blas
Boccia spielen mit anderen Seglern
Portugiesische Galeeren findet man um diese Jahreszeit zuhauf. Da muss man beim Baden und am Strandspaziergang recht aufpassen um sich keine Verbrennungen zu holen.
Gemüseeinkäufe von den Kunas. Einmal für $9.- und das andere für $25.- Die Preisgestaltung ist wohl tagesformabhängig 😉
Genug Wind um Drachen steigen zu lassen
Auch das grössere Cockpit von CHILI eignet sich hervorragend um ein Mittagsschläfchen zu machen 😉

Im Grossen und Ganzen hat sich CHILI bzw. die Umbauten und Erweiterungen, die wir in den letzten Monaten gemacht haben bewährt, aber wir haben auch ein paar Sachen identifiziert, die wir noch vor dem Panamakanal beheben wollen. Daher setzen wir frühmorgens am Freitag den 6. Februar die Segel und verlassen das Chichime-Atoll in San Blas mit Ziel Panamarina. Das sind nur 50 Seemeilen, die es aber in sich haben…

Wenige Tage vorher ging eine mehrtägige Starkwindfront über Panama, die jetzt zwar vorbeigezogen ist, aber der verbliebene Seegang ist weitaus konfuser und höher als vorhergesagt. Biggi geht es schon am Vorabend mit Hals- und Kopfweh nicht sonderlich gut, aber da sich die nächste Front bereits am Samstag nähern wird, beschliessen wir trotzdem zu gehen.

Trotz Migräne- und Seekrankheitsmittel geht es Biggi schlechter als je zuvor. Sie ist faktisch ausser Gefecht und bleibt den ganzen Tag im Bett. Ich bekomme zwangsläufig einen Crashkurs CHILI alleine zu segeln. RARE BREED war diesbezüglich einfacher, da man dort wirklich alles machen konnte ohne den Steuerstand zu verlassen, bei CHILI sind die Bedienelemente teilweise am Mast vorne und auf beiden Seiten vom recht breiten Cockpit. Aber mit ein bisschen Vorausplanen und Überlegung funktioniert es recht gut.

Unterwegs von San Blas nach Panamarina

Leider haben wir die Türe vom Küchenschrank nicht richtig eingehakt und sie geht bei dem elendigen Geschaukel natürlich auf und verteilt den Inhalt über den ganze Salonboden. Vier unserer sechs Dessertteller überleben die Landung leider nicht und ich darf unterwegs auch noch Scherben im ganzen Salon zusammen wischen. Auch sonst fliegt das eine oder andere durch die Gegend bzw. wechselt den Platz. Wir lagen eindeutig zu lange in der Marina! Notiz an mich selber: 1. auch ein Kat kann heftig schaukeln und 2. In Zukunft IMMER alles wegräumen, bevor man aufs offene Meer rausfährt….

Wir sind zum Glück recht schnell unterwegs und statt um 15 Uhr stehen wir schon um 13 Uhr vor der Einfahrt von Panamarina. Hier geht es tatsächlich nicht ohne Biggis Hilfe, denn man muss mit Wind und Welle im Rücken durch eine enge und sehr schlecht betonnte Einfahrt zwischen den Riffen durchfahren. Auch ohne Segel oben schieben Wind und Welle CHILI rasant auf die Engstelle zu und um den Steuereffekt von den Rudern nicht zu verlieren, muss ich genügend Speed durchs Wasser machen. So schnell auf den flachen Strand zuzufahren ist echt nervenaufreibend. Irgendwie schafft Biggi es, mich durch die kleinen Holzstecken, die die Einfahrt zwischen den Riffs markieren durchzulotsen und ich kann scharf nach links hinter der Insel abdrehen und schon befinden wir uns im ruhigem Wasser – Puh! 

Das ist der „Pass“ zwischen den Riffen von Land aus gesehen. Der Pfeil zeigt die Durchfahrtsrinne. Wer kann die Seezeichen erkennen?

Kaum sind wir an der Gäste-Boje festgemacht fällt Biggi wieder ins Bett und schläft ohne Unterbruch bis zum nächsten Morgen durch. Vom Umparken auf den definitiven Liegeplatz zwischen vier Bojen bekommt sie gar nichts mehr mit.

Der Name „Panamarina“ ist etwas irreführend. Hier gibt es nur einen Dinghysteg und die Boote liegen draussen an Bojen

Tags darauf geht es Biggi wieder gut und wir diskutieren darüber, wie das weitergehen soll. Fakt ist, dass die westliche Karibik sehr viel ruppiger und anspruchsvoller als bei den kleinen Antillen im Osten ist. Hier am westlichen Rand vom Atlantik prallen die ganzen  Wassermassen auf den Kontinent nachdem sie über tausende von km von Wind und Strömung nach Westen getrieben worden sind. Weil der Meeresgrund hier auch flacher wird türmen sich die Wellen entsprechend auf und verursachen auch bei moderaten Winden einen sehr unangenehmen steilen Seegang; und damit entsprechend Seekrankheit bei dafür anfälligen Personen. Da Biggi (ja tatsächlich) das Bootsleben genau wie ich liebt, ist das Aufhören zu segeln keine Option. Hier zu bleiben, oder womöglich zurück zu den Antillen zu segeln wäre wesentlich anspruchsvoller und vor allem anstrengender, als durch den Panamakanal in den Pazifik zu gehen. Also beschliessen wir, dass wir das machen. Aber da wir vorher noch ein paar Sachen erledigen müssen, planen wir erst Anfangs April durch den Panamakanal zu gehen.

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Wir sind wieder Bootsbesitzer – aber noch keine Segler…

Wir sind wieder Bootsbesitzer – aber noch keine Segler…

Mai 2025 – Januar 2026, Shelter Bay Marina, Panama

Am 7. Mai kommen wir nachmittags wieder in Panama City an und einige Stunden später werden wir von Bryan, Sidsel und ihrem Sohn Viggo, die dänischen Besitzer von CHILI an Bord begrüsst. Nach einem gemütlichen Abendessen zusammen schlafen wir zum ersten Mal an Bord – noch als Gäste in einer der vorderen Gästekabinen. Irgendwie ein komisches Gefühl.

Am folgenden Tag prüfen wir das Schiff auf Herz und Nieren und lassen uns von Bryan alles Mögliche erklären. Die Besichtigung verläuft zu unserer Zufriedenheit und am 9. Mai ist es soweit. Wir bezahlen den vereinbarten Kaufpreis und sind wieder Bootsbesitzer. Ab sofort sind die Rollen gekehrt und Bryan, Sidsel und Viggo sind jetzt die Gäste an Bord, was uns allen etwas ungewohnt und skurril erscheint. Abends feiern wir alle zusammen den abgeschlossenen Kauf im Marinarestaurant.

Vertragsunterzeichnung!
Neue und alte Eigner feiern den Deal.

Am 10. Mai reisen die Vorbesitzer ab und wir sind zum ersten Mal alleine an Bord. Auch wieder ein ganz spezieller Moment. Es sollte noch einen Haufen „zum ersten Mal“ in den folgenden Tagen geben. 

Abreise der Vorbesitzer „mit leichtem Gepäck“ 😉

So, was haben wir uns jetzt für ein Boot gekauft? Es ist eine Lagoon 410 von 2000. Sie ist also zwei Jahre älter, etwa einen Meter länger und zwei Meter breiter als RARE BREED. Was im ersten Moment wenig erscheinen mag, macht in der Realität einen Riesenunterscheid aus, denn das Platzangebot ist auf CHILI wirklich viel grösser. Ich kann endlich im Salon aufrecht stehen und jetzt haben wir vier Doppelkabinen von denen die beiden hinteren als Eigner- und Gästekabine und die beiden vorderen als Technik/Stauräume einrichten werden. Statt ein, gibt es jetzt zwei Badezimmer und das Cockpit ist so gross, dass wir locker mit acht Leuten am Tisch sitzen können. Die Segelfläche ist mit 94 qm auch spürbar grösser als die 70 qm bei RARE BREED.

Wir haben die Standardversion mit vier Kabinen und zwei Bädern.
Der Tisch im Salon kann zur Liegefläche umgebaut werden.

Die Lagoon 410 ist die zweite Generation von Lagoon Katamaranen und hat bei ihrer Einführung viele Neuerungen gebracht, die später von anderen Herstellern übernommen wurden, wie z.B. die senkrechten Fenster im Salon, die sehr viel Licht, aber wesentlich weniger Wärme ins Boot reinlassen als die geneigten Fensterflächen bei RARE BREED. Sie ist definitiv keine Rennyacht, aber sollte um einiges besser segeln als RARE BREED.  

Der Vergleich von Rare Breed und Chili im selben Travellift zeigt den Breitenunterschied ziemlich deutlich

Vor dem Kauf ist uns schon klar, dass wir sehr viel an CHILI machen müssen bis sie unseren Ansprüchen genügen wird. Dies war natürlich im Preis berücksichtigt und wir haben uns ein (in unseren Augen) grosszügiges Refit-Budget eingeplant. Die Vorbesitzer hatten CHILI im 2024 für ein einjähriges Sabbatical ebenfalls von einem Dänen gekauft. Dadurch, dass sie CHILI nur ein Jahr hatten, haben sie (ausser die Erneuerung des Riggs, eine neue Bespannung vom Sonnendach, neue Matratzenbezüge und neue Cockpitpolster) wirklich nur das Nötigste gemacht. Dass sie uns ein so grossen Wartungsstau überlassen würden, war uns aber nicht bewusst. Ursprünglich dachten wir, dass wir nach zwei-drei Wochen in der Marina zuerst Mal für ein paar Wochen nach San Blas segeln würden, um dann im Herbst mit dem Refit anzufangen. 

In den ersten Tagen wird Chili rigoros ausgemistet und wir machen uns Stück für Stück mit dem verschiedenen Systemen an Bord vertraut. Dabei sehen wir schnell ein, dass unser Plan etwas zu blauäugig gewesen war. An vielen Orten, wo wir etwas auseinandernehmen, kommen neue „Überraschungen“ zu Tage und unsere To Do Liste wird immer länger und länger. Einige Systeme müssen zuerst wieder gewartet und repariert werden, bevor ich damit aufs Meer raus will.

Beurteilung der Segel
In jede Ecke wird reingekrochen
Gefühlte km von altem Kabel werden rausgerissen
Der neue Autopilot und Radar sind angekommen!

Ich muss zugeben, dass ich bei einigen Sachen vielleicht etwas zu „pingelig“ bin, aber es ist eben auch ein Unterschied, ob man ein Boot für Bucht-Hopping in Küstennähe verwendet (die Vorbesitzer haben CHILI nur hier in Panama genutzt und sind nur ein einziges Mal über Nacht gesegelt) oder damit den Pazifik überqueren will.  Hier in Panama haben wir noch die Möglichkeit Ersatzteile zu bekommen und Arbeitsleistungen zu einem verhältnismässig günstigen Preis zu nutzen. Alles was wir hier nicht machen (lassen) wird uns im Pazifik unter Umständen ein Vielfaches kosten bzw. gar nicht machbar sein.

Umbau vom Navigationstisch zum Ersten…
… und zum Zweiten
Die Wandverkleidung in der Gästekabine ist durch und muss runter. Stattdessen wird die Wand neu gemalt.
Leckende Luken abdichten

Also geben wir ziemlich bald den Plan nach San Blas zu segeln auf und fangen stattdessen an systematisch System für System zu überprüfen, zu warten und wo nötig zu reparieren oder umzubauen. Alles was wir im Wasser liegend machen können wird jetzt angepackt. Unter anderem werden beide Motoren einer grossen Wartung inkl. Ventileinstellen und Reinigung bzw. Ersatz des Auspuffsystems, Filter und Riemen unterzogen, das Grosssegel wird nachgenäht, die Genua und das Trampolinnetz werden ganz erneuert, das Dinghy und die Ankerwinschsteuerung geflickt, der Anker gegen einen grösseren ausgetauscht, x kg alte unbenutzte Kabel rausgerissen und neue verlegt, der gesamte Navigationsplatz ausgehöhlt und mit neuen Geräten wieder aufgebaut usw. usw. 

Im Wasser werden die ersten Motorwartungen gemacht – hier die Revision der Wärmetauscher und Erneuerung der Abgaskrümmer.

Auch die Winschen brauchen dringend eine Überholung.
Es geht an Land….

Anfangs August wird CHILI an Land gehoben.

Geplante Arbeiten: Das ganze Unterwasserschiff komplett abschleifen und von Grund auf neu aufbauen. Die Ruder ziehen und die Lager erneuern. Alle Rumpfdurchbrüche und Seeventile (Löcher im Boot wo Kühl- und Abwasser rein und rausfliesst) erneuern. Die Saildrives (Unterwasserteil vom Getriebe & Propeller) revidieren und neu abdichten. Die beiden Fluchtluken unten am Schiffsrumpf zulaminieren.

Wir hoffen, damit bis Mitte September fertig zu sein, weil wir dann für sechs Wochen nach Europa fliegen werden.

Der Zustand vom Unterwasserschiff lässt nur eine Lösung zu: Es muss alles restlos abgeschliffen und neu aufgebaut werden.
Auch die beiden riesigen Stauräume in den Bügen werden ausgemistet. Wahnsinn, was CHILI alles ausspuckt 🙂
Der zweite Teil der Motorenrevision – jetzt kommen die Saildrives und Unterwasserteile dran.
Die Ruder haben zu viel Spiel und die unteren Lager müssen ersetzt werden.
Löcher (für zusätzliche Bilgenpumpen) ins Boot machen ist immer etwas heikel.
Die Seeventile sind so alt wie das Boot und hätten schon lange ersetzt werden sollen.
Der Ausbau geht teilweise nur mit roher Gewalt…
… Blut, Schweiss und Fluchen 😉
Die alten Teile sind alle draussen und die Gegenplatten für die neuen stellen wir selber her.
Die neuen Borddurchlässe werden mit VIEL(!!) Dichtungsmasse eingebaut
Nach ein paar Tagen werden die Seeventile montiert. Insgesamt 11 Ventile sind erneuert worden.
Jetzt geht es den beiden Fluchtluken an den Kragen. Eigentlich sollten sie die Sicherheit erhöhen, aber in der Realität sind mehr Katamarane wegen dieser Luken gesunken als Menschen sich dadurch gerettet hätten. Ausserdem lecken diese Luken natürlich auch.
Also werden sie ausgebaut und die Löcher permanent verschlossen.
Beim Wegnehmen der Gummileisten am Heck klaffen Risse und Löcher zwischen den Rumpfhälften. Also werden stattdessen kleine Heckverlängerungen angebracht und alles zulaminiert.
Funprojekt: LED Streifen zur Beleuchtung in ansonsten dunklen Fächer anbringen.

Wie fast zu erwarten geht das natürlich nicht ganz auf und so verbringen wir nach der Rückkehr aus Europa noch ein paar Wochen an Land um alles fertig zu machen.

Der Neuaufbau vom Unterwasserschiff geht mit zwei Lagen reinem Epoxy los
Biggi hat etwas Epoxy in die Haare bekommen – da hilft nur Abschneiden!
Dann kommen zwei Schichten Epoxy Primer.
Die Lager sind erneuert und die Ruder werden wieder eingebaut.
Rainy season in Panama = Fonduewetter 🙂
Trotz ständiger Regengüsse schaffen wir es in drei Tagen drei Schichten Antifouling aufzutragen
Yayy! Der Klebestreifen kommt weg und die Arbeiten am neuen Unterwasserschiff sind geschafft!
Wo gearbeitet wird, darf auch gefeiert werden – Biggis Geburtstag
Kochen mit Fred und Anita auf CHILI

Am 14. November wird CHILI endlich wieder ins Wasser gehoben. Der Moment ist mit ziemlich viel Nervenkitzel verbunden, da wir jede erdenkliche Öffnung im Unterwasserbereich erneuert haben und es dadurch viel Potential für Undichtigkeiten gibt. Noch in den Gurten hängend renne ich im Schiff rum und überprüfe alle Bilgen – alles dicht! 

Also Gurte weg und Maschinen anlassen – ausser einem leisen Klicken tut sich aber nichts. Dass beide Starterbatterien altersschwach sind, war schon klar, aber dass beide trotz tagelangem Laden komplett versagen würden, hat uns doch etwas erstaunt. Zum Glück hatten wir die neuen Starterbatterien schon vor ein paar Tagen gekauft und jetzt werden sie halt notfallmässig in der Liftbox ausgetauscht. 

Weiteres Funprojekt: Den Cockpittisch verschönern
Definitiv KEIN Funprojekt: WC Schlauch erneuern…

Falls sich jetzt jemand nach diesen ganzen Ausführungen fragen sollte, ob wir unseren Beschluss das Boot zu tauschen bereuen – Nein, tun wir definitiv nicht! Ja, es war bzw. ist einiges mehr an Arbeit (und Kosten) als angenommen auf uns zugekommen, aber der Gewinn an Platz und Lebensqualität begeistert uns immer noch. Und unsere Budgetüberschreitung, lässt sich teilweise auch durch Neuanschaffungen wie zum Beispiel ein neues Leichtwindsegel (Code Zero) mitsamt dafür benötigtem Bugspriet erklären.

Das Fundament für den neuen Gennackerbaum wird angeschweisst.
Die neue Genua wird angeschlagen.
Neues Trampolinnetz
Und schliesslich bekommt CHILI endlich ihren Namensschriftzug!

Bei RARE BREED haben wir ständig mit einem überladenen Boot gekämpft (was bei einem Katamaran die Seetüchtigkeit einschränkt) und das ist jetzt kein Thema mehr. CHILI ist für acht Leute ausgelegt und kann wesentlich mehr Zuladung als RARE BREED vertragen. Auch wenn wir uns einschränken, müssen wir Wasser, Lebensmittel, Treibstoffe, Ersatzteile, Werkzeuge, Sicherheitsausrüstung und unseren persönlichen Krimskrams mitnehmen können.

Insbesondere, wenn wir wie geplant in den Pazifik segeln wollen, wo es nicht alle naselang einen Laden hat.

Unsere Pläne, jetzt so schnell wie möglich aus der Marina raus zu kommen werden abermals durchkreuzt – diesmal aber nicht wegen CHILI. Wegen einem gesundheitlichen Notfall in ihrer Familie fliegt Biggi Hals über Kopf nochmals nach Deutschland. Und als sie nach zwei Wochen zurückkommt bringt sie ihre Schwester Christl mit. Inzwischen haben die sogenannten Christmas Winds eingesetzt und damit ist das Segeln nach San Blas eine sehr ruppige Angelegenheit. Die Strecke geht nämlich zwei Tage lang voll gegen Wind und Wellen.

Ausserdem hat mein Schulfreund Lukas ebenfalls seinen Besuch angekündigt und am 18. Dezember wird auch noch Biggis Bruder Thomas zu uns stossen. Also bleiben wir erstmals in der Marina und machen von hier aus Tagesausflüge in der Umgebung. Wegen der anhaltenden starken Winde wird auch nichts aus der Idee Weihnachten und Neujahr in San Blas zu verbringen. Unser Besuch sind keine Segler und auch ich habe Hemmungen mit einem für mich komplett neuen Boot bei ungünstigen Bedingungen raus zu gehen.

CHILI bewährt sich schon mal gut als gastfreundlichere Unterkunft und wir verbringen einige schöne Wochen als „Full House“. Weihnachten und Silvester werden gemeinsam gefeiert und am 4. Januar fliegen Christl und Thomas gemeinsam zurück nach Deutschland. 

Tierische Begegnungen im Dschungel und auf den Strassen in Shelter Bay (Capybaras, Brüllaffe, Ameisenbär und Kaiman)

Genau zwei Tage später schaffen wir es, die Festmacher zu lösen und fahren am Vormittag des 6. Januar 2026 endlich aus der Shelter Bay Marina raus – Ziel San Blas. 

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Südamerikareise: 1. Quartal 2025

Südamerikareise: 1. Quartal 2025

Es ist tatsächlich schon mehr als ein Jahr her seit unserem letzten Blogbeitrag. Völlig verrückt, aber das hat seine Gründe. Als Erstes haben wir unser Boot RARE BREED auf das Jahresende 2024 verkauft, was sehr zeitintensiv war. Dann sind wir vier Monate kreuz und quer durch Südamerika gereist und schlussendlich haben wir ab Mai bis zum Jahresende sehr intensiv an unserem neuen Boot gearbeitet. Dabei ist das Thema Blogschreiben völlig vernachlässigt worden – und schwupps ist ein Jahr vorbei!

Das erste Quartal 2025 stand ganz im Zeichen der Südamerikareise, die Biggi in Polarsteps dokumentiert hat. Wer sich interessiert, kann die einzelnen Reiseberichte dieser Landreise im Menu unter Mit dem Rucksack durch Südamerika finden.

Die restlichen drei Quartale vom 2025 werden in als separater Blogbericht veröffentlicht.

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Bye, bye RARE BREED, Hello Latin America

Bye, bye RARE BREED, Hello Latin America

Dass ich RARE BREED wirklich verkaufe, ist auch für uns tatsächlich völlig unerwartet gekommen. Bis anfangs November gingen wir davon aus, dass wir mit diesem Boot weitersegeln würden. Aber eben es kam – wieder einmal – alles völlig anders. Doch alles der Reihe nach. Seit dem letzten Blogbeitrag ist ja auch schon fast ein halbes Jahr vergangen.

Sonnenauf- und Untergang in SBM
Die Seglercommunity ist eine geselliges Völklein
Beschauliches Leben an Bord in der Marina

Ab ca. Juli geht in Panama die Regensaison los. Nachdem es im letzten Jahr so wenig geregnet hat, dass der Betrieb vom Panamakanal wegen Wassermangel eingeschränkt werden musste, hat die Natur dieses Jahr wieder ausgeglichen. Und zwar mehr als ausgeglichen! Es hat in den letzten sechs Monaten so viel geregnet wie schon lange nicht mehr. Der Gatun Lake, das Wasser Reservoir für den Panama Kanal, musste zwischendurch sogar reguliert werden, weil er sonst überlaufen wäre.

Raindrops keep falling on my head…
Ideal um im Boot drin Spanisch zu üben

Einher mit dem vielen Regen kommen auch die Gewitter. Zentralamerika und vor allem die Karibikseite von Guatemala, Nicaragua und Panama gehören zu den gewitterreichsten Regionen der Erde. Es hat manchmal derart heftig gewittert, dass es einem sogar in der Marina Angst und Bange wurde. Der Blitz hat mehrmals in der Marina eingeschlagen und einmal konnte der Einschlag im Mast von einem Boot unmittelbar vor uns sogar auf Film festgehalten werden. Viele Boote erlitten Blitzschäden und auch bei uns gab es Geräte, die temporär den Geist aufgaben. Diese Gewitter waren auch der Grund, dass wir in der Marina geblieben sind, statt nach San Blas oder zu den Bocas del Toro zu segeln. Es macht irgendwie auch keinen Spass bei Dauerregen vor einer Tropeninsel zu liegen und Angst davor zu haben vom Blitz getroffen zu werden. In der Marina gibt es wenigstens die Möglichkeit in die Stadt zu fahren oder in ein Restaurant oder sonst wohin zu gehen.

Links Blitzeinschläge auf der Karte und rechts real!

Hier in der Marina konnten wir auch Spanischunterricht nehmen. Zwischen April und bis anfangs September haben wir bei Anisha Privatstunden genommen. Anfänglich kam sie drei Mal die Woche zur Marina für jeweils zwei volle Stunden Unterricht. Nach einem Monat haben wir es dann auf zwei Besuche pro Woche reduziert, weil wir mit den Stunden, dem Repetieren und den Hausaufgaben tatsächlich zu gar nichts mehr anderes als Spanisch büffeln kamen. Es war sehr intensiv hat aber auch sehr viel gebracht. Wir haben die grammatikalischen Grundlagen gelernt, aber das Tempo war so hoch, dass uns die Zeit es zu verfestigen gefehlt hat.

Wir haben in diesen Monaten auch ein paar administrative Sachen erledigen können, wie zum Beispiel panamaische Führerscheine zu besorgen. Nach drei Monaten darf man in Panama nicht mehr mit seinem ausländischen Führerschein fahren und muss ihn in einen panamaischen umschreiben lassen. „Umschreiben“ ist eine masslose Untertreibung, denn in Panama wiehert der Amtsschimmel lauter als sonstwo.  Zuerst muss der Schweizer Führerschein von der Schweizer Botschaft beglaubigt werden. In Panama hat es nur einen Schweizer Honorarkonsul, der die Führerscheine und Pässe kopiert und zur Botschaft nach Costa Rica schickt. Schritt eins hat uns zwei Tagesreisen nach Panama City, zwei Wochen Wartezeit und 160 Dollar Gebühren gekostet. Als nächstes müssen diese beglaubigten Dokumente von der entsprechenden panamaischen Behörde natürlich auch beglaubigt werden, und diese Behörde gibt es – wo auch sonst – nur in Panama City. Jede Fahrt von der Marina nach Panama City und zurück ist ein Ganztagesausflug, welche Fahrten mit zwei Buslinien, Taxis/Uber und manchmal auch die Metro umfasst. Die Fahrkarten sind zwar sehr günstig, aber man muss schon sehr geduldig sein bis man endlich am Ziel ist. Also sind wir zu einem dritten Ganztagesausflug zu den zuständigen Behörden aufgebrochen. Um die Dokumente beglaubigen zu lassen muss VORHER eine Gebühr von 4.- Dollar pro Dokument auf eine Bank eingezahlt werden (die Behörde nimmt kein Geld). Wer die Arbeitsweise der panamaischen Banken kennt, der weiss, dass diese Einzahlung für einen Ausländer ohne lokales Bankkonto nahezu unmöglich ist. Also zahlen wir gerne einen weiteren Dollar an ein Dienstleistungsbüro (welches rein zufällig neben der Behörde ist…) damit sie diese Einzahlung für uns machen. Dann eine Stunde anstehen und schon können wir die inzwischen doppelt beglaubigten Dokumente in Empfang nehmen und die nächste Hürde – die Laboruntersuchung – in Angriff nehmen. Hier braucht man nämlich einen Blut- und Drogentest um den Führerschein zu bekommen. Das ging dann dafür schnell und unkompliziert und hat auch wieder nur 15.- Dollar pro Person gekostet. Und endlich hatten wir alles beisammen und konnten zur Sertracen, so etwas wie unser Strassenverkehrsamt gehen, alles abgeben, einen Seh- und Hörtest machen (ja, auch ich habe beide bestanden!!) und wieder warten. Als sie dann fertig waren, hatte die Kasse schon geschlossen. Ohne Moos nix los – alles Diskutieren half nichts und wir mussten am nächsten Tag wiederkommen um die letzten 72.- Dollar zu bezahlen und die ersehnten Kärtchen abzuholen. Zusammengefasst kann man sagen, dass man zwar nicht wirklich viel Gebühren bezahlen muss, aber der Zeitaufwand den man braucht um hier etwas mit den Behörden zu machen ist unglaublich.

Obwohl wir daheim beide die gleichen Fahrzeugkategorien, also identische Führerscheine haben, bekam Biggi nur den Autoführerschein, während ich zusätzlich noch Motorrad und – was eigentlich unverständlich ist – die Zulassung bekam Lastwagen bis 8 Tonnen und Busse bis 16 Passagiere zu führen. Es lebe die panamaische Behördenwillkür, oder vielleicht eher Dusseligkeit?

Anfangs September ist Biggi nochmals für sechs Wochen nach Berlin geflogen um ihren Bruder zu unterstützen. Ich habe derweil das Boot gehütet, kleinere Bastelarbeiten gemacht (an Bord gibt es IMMER etwas zu reparieren oder zu optimieren) und weiter Spanisch geübt. Die Privatstunden haben wir mit Biggis Abreise beendet und stattdessen individuell weiter gelernt. Ich habe regelmässige Gesprächsstunden mit einem der Marineros hier gemacht und Biggi hat trotz einer stressigen Zeit in Berlin mit Duolingo angefangen und jeden Tag knallhart Spanisch geübt. Seit sie zurück ist haben wir ein Familienabo gelöst und üben täglich weiter um unsere „Streaks“ nicht zu verlieren 😉 Inzwischen verstehen wir Spanisch recht gut, aber das Reden fällt uns immer noch schwer. Vermutlich braucht es einfach etwas mehr Zeit, wenn man nicht mehr so jung und aufnahmefähig ist?

Der Kühlschrankkompressor wird zwangsbelüftet
Ein Do-It-Yourself Navigationssystem mit einem Raspberry Pi Minicomputer
Die Warnung sollte man wohl ernst nehmen. Alle Bilder sind hier aus der Marina…
Tierbeobachtung in und um die Marina

Kurz nachdem Biggi zurück war, haben wir RARE BREED aus dem Wasser geholt, um sie für die kommende Segelsaison fit zu machen. Dieses Mal gab es nicht so viel zu machen, schliesslich hatte ich schon alles was man im Wasser liegend machen konnte vorher erledigt. Wir mussten vor allem das Unterwasserschiff malen. Weil es ausgerechnet dann wirklich tagelang ohne Unterbruch wie aus Kübeln geregnet hat, wurden aus den geplanten sechs, dann doch neun Tage an Land.

Die Malerarbeiten mussten immer wieder wegen Regen unterbrochen werden.
Die Verwandlung eines Propellers…
Endlich fertig – ab ins Wasser, dieses Mal mit einem roten Bauch!
RARE BREED ist „über die Toppen“ geflaggt, weil Biggi Geburtstag hat!
Kaffee und Geburtstagskuchen mit Freunden

Und dann ist es passiert. Einige Tage bevor wir wieder ins Wasser gehoben worden sind, kamen dänische Freunde uns besuchen. Sie haben beiläufig erwähnt, dass sie noch nicht wissen, was sie mit ihrem Katamaran CHILI machen sollten, wenn ihr Sabbatical im Sommer 2025 zu Ende geht. Behalten und nach Dänemark segeln oder es verchartern oder vielleicht doch verkaufen?  Mehr als Witz, haben wir dann gemeint, dass wir sie doch kaufen könnten. Was wirklich als spontaner Witz begann, ist im Laufe der folgenden Tage zur realen Option gewachsen. Man muss dazu sagen, dass wir andere Boote von diesem Modell schon früher angeschaut hatten und uns das Modell schon immer sehr gut gefallen hat. Es hat aus verschiedenen Gründen einfach nie für uns gepasst. Entweder standen die Boote gar nicht zum Verkauf, oder sie waren in einem (zu) schlechten Zustand. Dieses Mal hat sich eine für beide Parteien vorteilhafte Situation ergeben. Wir würden unser Traumboot kaufen und haben vorher genug Zeit um RARE BREED verkaufen zu können. Für sie war es vorteilhaft, weil sie bis zum letzten Moment ihres Sabbaticals mit dem Boot segeln können und keine Zeit in einem Bootsverkauf investieren müssen.

CHILI, eine Lagoon 410

Wir haben zusammen einen Vertrag aufgesetzt um alle möglichen Unabwägbarkeiten eines solchen Geschäfts so weit wie möglich abzudecken. Da noch kein Geld geflossen ist, ist unser einziges Risiko, dass wir am Schluss ohne Boot dastehen würden, wenn nach dem Verkauf von RARE BREED doch etwas mit CHILI passieren würde. Aber manchmal muss man auch ein Risiko eingehen…

RARE BREED wird zum Verkauf ausgeschrieben

Kaum hatten wir RARE BREED segelfertig gemacht, mussten wir umdenken und sie stattdessen verkaufsfertig machen. Der Hauptgrund, dass wir auf einen etwas grösseren Kat umsteigen ist, dass wir zu viel Zeugs dabei haben und RARE BREED einfach überladen ist. Das Problem ist, dass wir auf vieles einfach nicht verzichten können, wenn wir weiterhin lange Ozeanreisen machen wollen. Essensvorräte, Wasser, Diesel, Sicherheitsausrüstung, Werkzeuge und Ersatzteile alleine sind eigentlich schon zu viel Gewicht. Dann kommen noch persönliche Sachen, Bücher, Kajak, SUP, Computer, Haushaltgeräte usw. dazu. Es macht eben doch einen Unterschied, ob man nur für ein paar Wochen segeln geht, oder das Boot das dauerhafte Zuhause ist. Die Folge war auch, dass wir schon lange keine nutzbare Gästekabine mehr haben, da sie als Stauraum umfunktioniert worden war. Was uns im Laufe der Zeit auch immer mehr gestört hat, war, dass ich nur in den Rümpfen Stehhöhe habe und überall sonst den Kopf einziehen muss (unsere Eingangstüre ist z.B. nur 130 cm hoch). Daher war der Gedanke auf ein etwas grösseres Boot umzusteigen schon lange ein Thema für uns.

Die erste Massnahme um RARE BREED „verkaufstauglich“ zu machen, war daher sie massiv zu entrümpeln. Zum Glück gibt es hier in der Marina Lagerräume in verschiedenen Grössen zu mieten. Im  Einkaufszentrum 4Altos haben wir uns 10 grosse Stauboxen aus Plastik gekauft, weil Karton bei der Luftfeuchtigkeit hier gänzlich ungeeignet und die Kakerlakenbrutstätte schlechthin sind. Tagelang sind wir mit dem Schubkarren voller Sachen vom Boot zur Lagerhalle gepilgert. Die zehn Kisten haben natürlich bei Weitem nicht gereicht und alle paar Tage sind wir noch mehr Kisten holen gegangen. Der Raum wurde voller und voller, aber irgendwie waren immer noch so viele Sachen an Bord. Am Anfang waren wir noch diszipliniert und haben jede Kiste systematisch erfasst, nach ein paar Tagen haben wir nur noch die Kisten gefüllt und eingelagert – wir werden es ja alles im Mai wieder auspacken und dann sehen wir schon was wo war… Die Nachbarn amüsieren sich schon über unseren gefühlt nie endenden Strom von Zügelgut, gaben aber sofort zu, dass es bei ihnen mindestens genauso schlimm wäre. Inzwischen haben wir noch einen zusätzlichen kleineren Raum dazu gemietet und wir fragen uns wie wir all das Zeugs auf RARE BREED unterbringen konnten?

Alles was RARE BREED ausspuckt wandert in unsere Lagerräume

RARE BREED ist ohne die ganzen Sachen inzwischen richtig geräumig geworden und 5 cm aus dem Wasser raus gekommen… Vielleicht müssen wir doch noch einiges hinterfragen bevor wir es eins zu eins auf das neue Boot umziehen…?

Aber zuerst mal ziehen wir aus, und zwar am 8. Januar. Die neuen Eigner – Zak & Rami, ein Pärchen aus Litauen – kommen am 9. Januar hierher um RARE BREED zu übernehmen. Für die Übergabe haben wir 2 Tage eingeplant. Glücklicherweise können wir für diese Zeit auf der LUWINA übernachten, ein herzliches Dankeschön an Luise und Uwe – ihr seid toll!

Am 12. Januar geht es dann mit dem Mietwagen zur Pazifikküste von Panama. Der erste Versuch diesen Teil von Panama zu erkunden, ist wegen dem Mietwagendebakel an Ostern ja gescheitert. Hoffentlich klappt es dieses Mal besser…

Statt Caquelon und Rechaud, tut es auch eine Pfanne auf der Induktionsplatte. Hauptsache. dass wir unser feines „Emmi“-Fondue noch verwerten können bevor wir den Kühlschrank ausschalten müssen.

Am 24. Januar fliegen wir von Panama nach La Paz in Bolivien, dort haben wir eine Unterkunft für die erste Woche gebucht. Wie es danach weiter geht ist noch nicht entschieden. Wir haben bei der Vorbereitung der Reise schnell realisiert, dass Südamerika so riesig ist, dass wir mit unseren drei Monaten Zeit  nur einen Teil werden anschauen können. Wir sind selber gespannt wohin es uns verschlagen wird.

Wenn alles (hoffentlich) so klappt wie geplant werden wir anfangs Mai hierher zurückkehren um CHILI zu übernehmen.

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Eine unerwartete Europareise und wieso ein Klempner nicht vom Himmel fällt.

Eine unerwartete Europareise und wieso ein Klempner nicht vom Himmel fällt.

5.5.-13.7.2024, Shelter Bay Marina, Deutschland und Schweiz.

Es ist schon lange still auf unser Blog gewesen und das hat einen Grund. Kurz nach dem Veröffentlichen des letzten Blogbeitrags müssen wir aus familiären Gründen kurzfristig für sechs Wochen nach Europa reisen.

RARE BREED lassen wir in der Shelter Bay Marina zurück, wo Freunde während unserer Abwesenheit auf sie aufpassen.

Biggi verbringt die ganze Zeit mit ihrer Familie in Deutschland

Velofahren auf dem Tempelhofer Feld
Unterwegs in Berlin und Umgebung
4 Würste und 1 Flasche Champus für 220 Euro – ein Schnäppli bei CURRY WOLF
Lieblingsessen: Speise, die satt und fröhlich macht; Anzahl der freigesetzten Glückshormone meist proportional zu den enthaltenen Kalorien 🙂

Ich verbringe die ersten fünf Wochen in der Schweiz und bin ein paar Tage in Bayern, wo Biggi dazustösst.

Panorama vom Bachtelturm aus
Erste Wanderung von Gibswil nach Hinwil über den Bachtel zusammen mit Angi
Besuch bei meinen ehemaligen Tauchfreunden Rolf & Gaby in Kloten
MISS MARPLE, mein ehemaliges Boot auf dem Zürichsee durfte ich nach Lust und Laune leihen. Danke Regula und Curdin!
Und ein paar typische Leckereien mussten natürlich auch sein.
Zweite kleine „Abschiedswanderung“ zusammen mit Angi entlang der alten Holzbrücke bei Rapperswil
Leider war es die meiste Zeit, die ich in der Schweiz war, miserables Regenwetter. aber die wenigen schönen Tage habe ich wirklich ausgenutzt.
Sogar die an sich hervorragende Schweizer Bahn ist manchmal von Zugsausfällen betroffen.
Alle Amazonbestellungen und das „Godis“ passen ins Gepäck rein.
Danach düsen wir im ICE mit fast 300 KM/h zurück nach Berlin
Die Fanmeile der Schweizer Fans in Berlin. Die Stadt war vollends in ihrer Hand
Auch Thomas hat mir eine Fanecke in seiner Wohnung eingerichtet. Leider hat es alles nichts geholfen und die Nati war aus der EM draussen.


Am 1. Juli ist es soweit und wir fliegen von Berlin über Paris zurück nach Panama. Wie immer sind die Koffer voller Ersatzteile und Sachen, die man hier nicht bekommen kann. Das Gewichtslimit ist bis zur Grenze ausgereizt und so nehmen wir gerne das Angebot an, unser Handgepäck gratis mit einzuchecken. So reist es sich doch wesentlich angenehmer.

Zurück in der Shelter Bay Marina. RARE BREED ist zum Glück wohlauf.


Kaum zurück an Bord haut es uns beide mit einer Grippe(?) um. Biggi trifft es härter als mich und sie schläft fast fünf Tage lang mehr oder weniger durch. Aber auch das geht vorüber und nach etwas mehr als einer Woche können wir langsam anfangen unsere To Do Liste anzupacken.

Kurz vor unseren Rückflug entwickelt sich der erste schwere Hurrikan in dieser Saison. Beryl liegt genau in unserer Flugbahn und das Flugzeug macht einen grossen Bogen über die Grossen Antillen um dem Unwetter aus dem Weg zu fliegen.

Leider kommt es zum schlimmstmöglichen Szenario und Beryl ’s Auge geht direkt über die Insel Carriacou wenige Meilen nördlich von Grenada. Dort gibt es eine kleine dicht von Mangroven umgebene Bucht, die bis dahin als sehr sicheres Hurrican Hole galt. In den zwei Hurrikansaisons, die wir in Grenada verbracht haben, war die Flucht dorthin immer eine der möglichen Optionen für uns. Die Segler, die statt nach Trinidad zu fliehen, diese Option gewählt haben, hatten keine Chance. Beryl hat dort alle kurz und klein gemacht.

Auf marinetraffic.com konnte man den Exodus von Booten, die nach Trinidad geflohen sind, gut sehen.
Das „Hurrican Hole“ von Tyrell Bay nach dem Durchgang von Beryl. Da schwimmen nur noch ein Bruchteil der Boote.

Auch wenn wir mit allen Bootsbesitzern, die ihr Boot verloren oder schwer beschädigt haben, ist es doch die Lokalbevölkerung, die den grossen Teil der Schäden ausbaden muss. Neben Carriacou hat es die meisten der Inseln im Umkreis von ca 50 Meilen sehr stark betroffen. Es hat wieder einmal die Ärmsten der Armen getroffen.


Der Plan ist nach wie vor bis ca. November hier in der Shelter Bay Marina zu bleiben. Hier hat die Regensaison inzwischen richtig angefangen und wir haben fast tägliche Gewitter und teilwiese richtig viel Regen. Es ist entsprechend warm und schwül und ohne unsere Klimanlage wäre ein Leben an Bord echt unangenehm – nicht zuletzt weil mit dem Regen auch die Mosquitos immer zahlreicher werden.

Auch an Bord kann man die letzten EM-Spiele anschauen. Deutschland – Spanien.


Stellvertretend für unsere Bastelaktivitäten möchte ich am Beispiel des Ersatzes von den Wasserhähnen in Bad und Küche aufzeigen, wie ein kleiner Punkt in der To Do Liste in eine mehrtägige Aktion ausarten kann. Meine Erfahrung als „Klempner“ beschränkt sich bis dahin auf meine eher unrühmliche Aktion in Grenada, als ich beim Ausbau vom Warmwasserboiler unsere Achterkabine in ein Erlebnisbad verwandelte… Entsprechend skeptisch gehe ich diese Aufgabe an. Als allererstes muss die Druckwasserpumpe abgestellt und der Absperrhahn am Auslauf des Wassertanks verschlossen werden (diesen Absperrhahn gibt es übrigens auch erst seitdem ich damals mit dem Boiler rumgespielt habe – denn Man(n) lernt am Besten aus seinen Fehlern…). Das heisst, während der Arbeiten haben wir kein fliessendes Wasser mehr an Bord. Man ist als bestrebt, diese Arbeiten in einem Rutsch zu erledigen.
Man definiere „Rutsch“…

Unser Boot ist inwischen 22 Jahre alt und der Originalwasserhahn im Bad war an seinem Lebensende angekommen. Wir haben natürlich sowohl einen neuen Küchenhahn, wie auch einen neuen Badezimmerhahn aus Deutschland mitgebracht. Erste Lernerfahrung: das hätten wir uns getrost sparen können, denn die Auswahl an Wasserhähnen ist auch hier in Panama mehr als genug gross, wie sich später herausstellen wird.


Metallteile, wie zum Beispiel dieser Wasserhahn, die seit 22 Jahren in der salzhaltigen Umgebung eines Bootes montiert sind, sitzen fest – bombenfest! Da braucht man schon ziemlich viel ÜberzeugungsKRAFT um das wieder zu lösen. Und genau das ist bei den beengten Verhältnissen an Bord gar nicht mal so einfach. Als erstes muss eine Wasserpumpe zum leeren des Duschsumpfs demontiert werden um überhaupt an die Unterseite vom Wasserhahn ranzukommen. Zudem muss ich alles quasi im Blindflug machen, da ich unmöglich zwei Hände und einen Kopf in den Unterschrank reinbringe. Beim Hahn selber ist es egal, wenn er dabei kaputtgeht (was auch prompt passiert) aber bei den Anschlüssen zu den Wasserleitungen, darf auf keinen Fall etwas kaputtgehen, denn das wäre der SuperGAU. Alle Leitungen sind nämlich beim Bau des Bootes VOR der Fertigstellung des Innenausbaus so verlegt worden, dass sie nachträglich zu grossen Teilen komplett unzugänglich sind. Wie ich das liebe…


Irgendwann ist der Hahn dann entfernt und sogar die Anschlüsse ohne Beschädigung gelöst und dann kommt die zweite Lernerfahrung: Wasseranschlüsse sind zwar (vermute ich wenigstens…) normiert, aber es scheint mehrere Normen zu geben. Die neuen Anschlüsse sind 3/8 Zoll gross, aber an Bord haben wir 1/2 Zoll Anschlüsse.


Zum Glück fangen wir solche Arbeiten immer morgens an, denn erstens ist es dann etwss kühler und zweites gibt es um 13 Uhr einen Shuttelbus zum Einkaufszentrum und den Baumärkten in Colon. Hier in der Marina gibt es sozusagen nichts. Der Ausflug dauert immer bis ca. 15:30 bis der Bus wieder in der Marina ist.


Wie zu erwarten gibt es in den Baumarkt kein passendes Reduzierstück, aber mit zwei Passstücken können wir die benötigte Reduzierung zusammenbasteln. Und siehe da, kurz vor 18 Uhr ist der neue Badhahn mit passenden und dichten Anschlüssen montiert und es sprudelt wieder Wasser im Boot. Noch schnell die Pumpe wieder einbauen und der Feierabend ist gerettet. War ja doch nicht so schlimm.


Mit den Erfahrungen vom Vortag (jetzt wissen wir ja wie es geht…) wird am nächsten Tag der leckende Hahn in der Küche in Angriff genommen. Nein, halt, stopp, zuerst müssen wir uns den Zugang zur Rückseite des Spülbeckens frei machen. D.h. als erstes wird unser Bett im Salon abgebaut und in der Achterkabine verstaut. Danach werden die Sitzbankpolster weggeräumt und eine Sitzbank komplett leergeräumt (die Sitzbänke im Salon sind der Hauptstauraum für unsere haltbaren Lebensmittel). Und zuletzt noch die kleine runde Zugangsklappe zur Rückseite von Spülbecken und Unterseite des Hahns öffnen.


Die Demontage geht dieses Mal trotz den etwas abstrusen Körperhaltungen ziemlich fix. Und auch der Einbau des neuen Hahns ist morgens um 10 Uhr schon fertig. Nur Wasser will keins kommen… Nach längerer Fehlersuche stellen wir erstaunt fest, dass der Hahn inwändig blockiert ist! Das lässt sich leider auch nicht reparieren, denn der Hahn (mit ausziehbarer Brause) ist derart schlau konstruiert, dass man ans Innenleben nicht rankommt.


Also wird wieder ein Ausflug zum Baumarkt fällig um einen neuen Küchenhahn zu erstehen. Und jetzt wissen wir auch, dass es hier in Colon keinen Mangel an Wasserhähnen in allen Formen und Farben hat. Es sei denn, man verguckt sich ausgerechnet in das chicke mattschwaze Modell, dass leider gerade ausverkauft ist. Und die Idee, dass man dem Kunden das Ausstellungsmodell verkaufen könnte, ist hier offenbar völlig unvorstellbar. Naja, dann wird es halt ein mattes silbriges Modell. Schnell die Anschlüsse visuell kontrolliert und sie „scheinen“ die richtige Grösse zu haben. Dritte Lernerfahrung: NIEMALS nur „gucken“, IMMER genau nachmessen…


Zurück an Bord ist der neue Hahn relativ schnell montiert, aber beim Anschliessen an den Wasserleitungen stellen wir fest, dass unsere Annahme „scheint die richtige Grösse zu sein“ eben nicht zutreffend war. Na, dann nehmen wir doch einfach die Zuleitungen vom Hahn der blockiert war (die Zuleitungsschläuche waren nicht blockiert). Also Hahn wieder demontieren. Geht inzwischen richtig fix von der Hand. Und danach die Zuleitungsschläuche beider Hähne abmontieren und austauschen, denn die Anschlüsse im Hahn selber sind doch standardisiert, oder? Sind sie nicht.
Zum Glück passen schlussendlich die Schläuche vom urspünglichen leckenden Hahn mit dem Neuen aus Colon und so wird nach drei Anläufen endlich die Montage abgeschlossen und abends heisst es endlich wieder Wasser marsch an Bord von RARE BREED. Lernerfahrung Nummer vier: Entsorge nie ein Altteil, bevor du nicht sicher bist, dass das Neue wirklich funktioniert.


Und nach diesen zwei Tagen ist schon mal einer der vielen Punkte auf unsere To Do Liste erledigt. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

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