Heute ist Donnerstag und während ich schreibe, ist auf dem Boot ganz schön was los. Unsere Dieseltanks werden gereinigt und Jan versucht, die Reparatur unseres Honda Generators zu organisieren. Dazu später mehr.
Tamarinden: Unsere neuen Gummibären? Aus reiner Neugier haben wir ein Tütchen mit Tamarinden auf dem Markt gekauft. Die sehen bisschen aus wie Erdnüsse, nur dass ihre Schale glatt ist und total fragil.
Drückt man die Tamarinde zu sehr, splittert die Schale.
Kennen tue ich Tamarinde nur vom Hörensagen, dass es ein Gewürz und als Paste zu bekommen sei. Probiert oder gar damit gekocht habe ich noch nie. Auf unsere Frage, wie man die essen würde, hat uns die Marktfrau ganz komisch angeschaut und mit der dazugehörigen Handbewegung erklärt: einfach aufbrechen, rauspulen und essen.
Gesagt, getan. Schale aufbrechen, Fäden abziehen und dann ab in den Mund mit der Frucht.
Den Dreh hatten wir schnell raus und ich muss sagen, die sind echt gut. Die Konsistenz erinnert an Datteln und irgendwie schmecken sie süsslich und säuerlich zugleich. Und gesund sollen sie obendrein sein durch ihren hohen Eisengehalt sowie enthaltenes Calcium, Phosphor und Vitamin D. Aber Obacht, innen sind kleine braune ziemlich harte Kerne, die sich wie Glasperlen anfühlen. Draufbeissen ist demnach keine gute Idee 😬
Habe schon versucht, mit dem Dremel ein Loch reinzubohren – habe ich nicht geschafft.
Apropos Draufbeissen, da ist mir ja was passiert. Freitagabend beim Essen hat es mir auf einmal einen Stich in den rechten unteren Backenzahn versetzt. Ok, dachte ich, hab nur auf irgendwas gebissen. Doch dann kamen die Schmerzen und das Gefühl, dass mein Zahn wachsen würde – dies würde auf eine Wurzelentzündung hindeuten??? Tja, Freitagabend in der Karibik – kein gutes Timing für einen Notfall. Ich konnte die Zähne nicht mehr zusammenbeissen, aber es blieb mir nichts anderes übrig. Es war erstaunlich gut auszuhalten und am Montagmittag würde es für uns eh in die Marina Martinique du Marin gehen und dort gibt es sicher einen Zahnarzt.
Am Sonntagabend haben uns Brigitta und Hannes von der MARIANOA zum Sundowner eingeladen. Hat gut getan die Ablenkung und ein netter Abend war es obendrein.
Jan&ich und die BLACKFIELDS Carsten&Susanne zu Besuch bei den MARIANOAS Brigitta&HannesMontag um 11.15 Uhr Anker auf vor St. Anne und um 13.15 Uhr in der Marina am Steg festgemacht.20 Jahre Katamaran-Design haben heutige Katamarane viel wuchtiger werden lassen. Wir sind mit Abstand der kleinste Katamaran am Steg.
So war unsere erste Aktion nach der Verlegung in die Marina auf Zahnarztsuche zu gehen. Die erste Praxis am anderen Ende der Bucht war zwar geöffnet, aber der Arzt befand sich in den Ferien. Und überhaupt gäbe es eine meterlange Warteliste, auf die ich nicht gesetzt werden konnte. Weiter spazierten wir zur nächsten Adresse in der Nähe der Marina. Da war gleich gar niemand anzutreffen – ein Zahnarztpaar, das sich ebenfalls in den Ferien befände – so informierte uns die Nachbarin. In der Apotheke haben wir dann die Adresse des Centre Dentiste in Fort de France erhalten, müssten aber telefonisch ein „Rendezvous“ ausmachen. Leider hat unsere SIM-Karte fürs Telefonieren nicht funktioniert und so langsam hatte ich einen genervten Skipper an meiner Seite, da wohl nichts klappen wollte. Also versuchten wir es noch mal im Telefonladen und dann gingen wir erst mal zurück zum Boot und weiter googeln. Gestern ist Jan mit unseren Bootsnachbarn Francois und Dominique ins Gespräch gekommen. Die beiden gaben uns den Tip mit dem Dentiste in Rivière-Salée und haben zudem direkt angeboten, uns die 25 km dorthin zu fahren und wieder heimzubringen. Merci Beaucoup! Und als Dankeschön wird es wohl ein „Rendezvous“ mit Apéro und Sundowner auf RARE BREED geben.
Die Gemeinschaftspraxis konnte mir tatsächlich für 17 Uhr einen „Rendezvous“-Termin anbieten. Eine sehr junge Ärztin, geschätzt 25 Jahre alt, hat sich meiner angenommen und die Röntgenbilder ausgewertet. Sie hat sich noch für ihr Englisch entschuldigt, ich konnte sie jedoch beruhigen, dass ihr Englisch wesentlich besser sei als mein Französisch. Und so hat die Kommunikation dann auch super geklappt. Um dem Übel auf den Grund zu kommen, wurde erstmal der Zahn aufgebohrt bis zum Grund, mit Nadeln in die Wurzel reingestochert und mit Kältemittel ausgiebig getestet. Nun gehört Martinique ja zu Frankreich und ist damit europäisch, aber das heisst nicht unbedingt, dass der Standard auf dem gleichen Niveau ist. So auch in der Zahnarztpraxis. All die Voruntersuchungen wurden gemacht, ohne dass ich die Möglichkeit hatte mal den Mund auszuspülen…
Der Behandlungsstuhl in Pink ist schon eine Augenweide – ein Mundspülbecken sucht man vergebens.
Ein geschulter Blick des Radiologen durch seine Lupenbrille auf mein Gebiss hat das Dilemma schliesslich zum Vorschein gebracht. Mein Zahn hat zwei Risse und würde über kurz oder lang auseinander brechen. Also hat die junge Dame das Loch wieder zugemörtelt, gegen die Entzündung Antibiotika verschrieben und 27.40 € für die „Consultation“ einschliesslich röntgen kassiert. Das nächste Rendezvous habe ich am 21. März, dann heisst es wohl Abschied nehmen – „Au revoir ma molaire“ – der Zahn wird per „Extraction d’une dent définitive“ entfernt, was sich immer noch besser anhört als „gerissen“, finde ich zumindest.
Unser Honda Generator weigert sich ja anzuspringen. Also wurde fluchs mit Luisa vom Mécanique Plaisance Service per E-Mail (auch) ein „Rendezvous“ vereinbart.
Erst haben wir den Generator weggebracht und auf dem Rückweg waren wir gleich noch einkaufen.
Seit Dienstag ist unser Geni jetzt in der Werkstatt, macht aber immer noch keinen Mucks. Die Kosten für die Versuche, ihn wieder zum Laufen zu bekommen betragen bis jetzt schon knapp 200 €. Dummerweise hat unser Verkäufer den Geni nie beim Hersteller registriert und daher sieht es für uns mit der Garantie mau aus. Jan ist nur am Hin- und Hermailen mit der Werkstatt und dem Verkäufer, damit wir nicht auf den Kosten sitzenbleiben und am Ende ohne Geni dastehen.
Für den Geni kommen alle Kommunikationsgeräte gleichzeitig zum Einsatz.
Schon wieder einen neuen kaufen wollen wir eigentlich nicht. Brauchen tun wir aber einen. Es ist kompliziert.
Ja, und da ist ja noch unser Dieselproblem. Jeder Motor hat einen separaten Kraftstofftank und diese sind mit Grobfiltern bzw. Wasserabscheidern ausgerüstet, die Jan immer im Auge behält und regelmässig kontrolliert. Bei seiner Kontrolle hat er so schlammige Ablagerungen in den durchsichtigen Behältern festgestellt.
Der braune Glibber hat nichts Gutes zu bedeuten.
Seine Befürchtung: Wir haben die Dieselpest an Bord 🙄 Ganz ungünstig! Vor allem, weil unsere Tanks normalerweise gesamthaft fast eine halbe Tonne Diesel fassen. Wir haben letzten Samstag noch versucht, die schleimige Masse mit der integrierten Pumpe und unter Zuhilfenahme einer Autobatterie abzulassen, haben es aber leider nicht geschafft. Das muss auf jeden Fall vom Fachmann beseitigt werden. Der muss dann zuerst mal gucken, ob es wirklich die Dieselpest ist! Auch hier haben wir mit einem kleinen Betrieb in der Marina ein „Rendezvous“ vereinbart. Und eben dieses Rendezvous ist grad in vollem Gange. Zwei fleissige Handwerker pumpen erst den Steuerbordtank ab und benutzen grosse Kanister als Zwischenlager.
Antoine schaut, dass nix daneben geht beim Zwischenlagern unseres Diesels.
Antoine und Benji geben sich die allergrösste Mühe und geben Liter für Liter des flüssigen Goldes (ist so, wenn man einen Blick auf die derzeitigen Spritpreise wirft) wieder gefiltert zurück in den Tank. Die erfreuliche Diagnose lautet: Es ist keine Dieselpest! HURRA! Die schlechte Nachricht: Unsere Tanks rosten von innen… Ich weiss nicht, welches Übel mir in diesem Moment lieber gewesen wäre. Die beiden Männer reinigen noch die Grobfilter bzw. Wasserabscheider, tauschen die Feinfilter aus und entlüften das gesamte System.
Links: Reinigung Wasserabscheider. Rechts: Feinfilter zum Vergleich, das schwarze Quadrat ist der alte Filter, daneben der neue.
Zum Testen wird die Steuerbordmaschine gestartet. Ein banger Moment, springt sie an oder ist noch Luft im System? Kurz Vorglühen und dann den Schlüssel bis zum Anschlag drehen – Motor läuft! Jan spitzt die Ohren, denn irgendetwas stimmt nicht. Der Motor ruckelt und der Drehzahlmesser schwankt um die 200 Umdrehungen/Minute. Das heisst, er hat jetzt was, das er vorher noch nicht hatte. Meine Güte… Ach ja, beim Backbordmotor ist nun die Dieselpumpe defekt und wir können nicht entlüften.
Man könnte sich fragen: Ist heute nicht unser Tag? Ja dann, packen wir es an – die Jungs von Loca-Yacht kommen wieder, morgen.
Anmerkung: Ich, der Französischen Sprache nicht mächtig, dachte ja immer, dass ein Rendezvous einen lieblichen Hintergrund hätte, das wäre dann ja auch geklärt 🤓
Nach der Zeit auf den ehemals britischen Inseln ist uns aufgefallen, wie wir uns hier auf Martinique fast schon wie in Europa fühlen. Klar ist es immer noch eine tropische Insel mit allem was dazu gehört, aber es ist eben auch ein Stück weit wie in Frankreich. Wein, Croissants, Baguette und Käse natürlich, aber auch sonst ist die Auswahl an Lebensmitteln verglichen mit den anderen Inseln enorm und dabei auch günstiger. Wobei «günstig» eigentlich irreführend ist, dann das Preisniveau ist in der ganzen Karibik echt hoch, hier einfach etwas weniger hoch. Abgesehen vom subventionierten Baguette für einen Euro bewegen wir uns hier fast schon auf Schweizer Preisniveau. Anscheinend scheint es der Bevölkerung hier auf Martinique finanziell wesentlich besser zu gehen als auf den anderen Inseln. Vermutlich auch, weil das Mutterland gehörig Geld hier reinpumpt.
Die grosse Ankerbucht vor St. Anne
Die Strassen sind richtig ausgebaut, es gibt Strassenschilder und Fahrbahnmarkierungen und vor allem, man fährt auf der «richtigen» Seite 😉.
Autofahren bei, na was wohl? … Regen natürlich.
Gut ausgebaute StrassenManchmal „zu gut“… Lemantin vor Fort-de-France – 3-spurig in jede Richtung.
Es gibt eine grosse Auswahl an Supermärkten und Läden wie Carrefour und Decathlon, wo man all die Sachen bekommen kann, die es auf den anderen Inseln schlichtweg nicht gibt. Auch bei den Kleidern – von denen wir zugegebener Weise nicht sehr viele brauchen – ist die Auswahl hier mit vielen kleinen Boutiquen wie in Europa.
Inspiriert durchs Plakat wurde eine spontane Shoppingtour gestartet – das Resultat lässt sich sehen!
Auch wenn die anderen Inseln ursprünglicher und «exotischer» und damit sehr spannend sind, war es ein klein wenig wie nach Hause (bzw. Frankreich) zu kommen, als wir hier auf Martinique das erste Mal an Land gingen. Es lässt sich wohl nicht leugnen, dass wir vom Leben in Europa geprägter sind, als wir wahrhaben wollen.
Nachdem wir unseren Anker endlich erfolgreich im Sandgrund vor St. Anne versenkt hatten, war uns klar, dass wir etwas mehr Zeit hier verbringen wollen. Der Ankerplatz hat was von einem Wohnquartier in der Agglo, ausser dass die Häuser (=Boote) ab und zu wechseln. Dass jede «Villa» ihren eigenen «Badepool» mitsamt regelmässigem Schildkrötenbesuch hat, ist natürlich auch nicht übel 😉. Der natürliche Treffpunkt ist das lange Dinghydock unmittelbar vor dem Dorfplatz von St. Anne, wo alle hinfahren, wenn sie an Land wollen. So zischen ständige kleine Gummiboote mehr oder weniger schnell hin und her durchs Ankerfeld – morgens häufig mit auffällig langen Papiersäcken von der lokalen Bäckerei unter dem Arm.
Das „gefährliche“ Dinghydock von St. Anne.
Auch wir benutzen regelmässig das Dinghydock. Was als völlig harmlos erscheint, hat offenbar doch seine Tücken. Erst hat es Biggi getroffen: Ihr ist das Dinghy unter den Füssen abgehauen, sie konnte sich nicht mehr mit den Fingern am Dock halten, ist runtergeplumpst wie ein Sack und ärschlings auf dem Schlauch gelandet. Schwein gehabt – ist nichts passiert! Tags darauf hat es mich erwischt. Ich wollte vom Dinghy aus barfuss (im Dinghy hat man nie Schuhe an) an der Badeleiter vom Dock hochkletttern und bin dabei auf den glitschigen Sprossen ausgerutscht, mit dem Brustkorb an die Leiter geknallt und habe mir den grossen Zeh aufgeschlitzt. Grosses Dinghydockkino!
Die meisten Boot bleiben etwas länger in der Bucht von St. Anne und so entstehen schnell soziale Strukturen und Aktivitäten. Das erste war eine «Pot Luck»-Party (typisch amerikanische Yachtietradition, bei der sich die Crews von mehreren Booten am Strand treffen und jedes Boot etwas zum Essen und/oder Trinken mitbringt). Das war cool, erstens, weil man so schnell mit vielen Leuten in Kontakt kommt und zweitens, weil die Auswahl am Buffet echt eindrücklich war. Da gab es Gerichte wie Paella mit Shrimps, Frikadellen, Spanische Omelette, Jackfruit Stew (Eintopf), gefüllte Eier, diverse Salate usw. Und dann natürlich diverse Getränke wie Bier oder Wein und einer hatte sogar einen 5l (!) Kanister mit Rumpunsch dabei – Karibik halt 😉
Crews von etwa 20 Jachten kamen zum Pot Luck.Segler*innen aus aller Herren Länder.Bunte Teller vom Buffet und ein toller Sonnenuntergang.
Vor dem Frühstück gab es ab und zu Yoga am Strand, was wir uns natürlich nicht entgehen liessen, auch wenn da mehr Neugier als Können vorhanden war. Überhaupt ist Sport und Bewegung auf dem Boot immer ein Thema, denn segeln alleine ist ja nicht wirklich so sportlich (erst recht nicht, wenn man so lange wie wir vor Anker liegt!). Morgens sieht man daher auf etlichen Booten, wie eine oder mehrere Personen auf dem Vorschiff im wahrsten Sinne des Wortes rumturnen. Wir haben dafür unsere Heckplattform und versuchen täglich mit etwas Sport in den Tag zu starten.
Als weitere sportliche Aktivität hat sich das Schrubben des Unterwasserschiffes entpuppt. Wenn man da nicht mindestens einmal wöchentlich das gesamte Unterwasserschiff mit Spachtel oder Wurzelbürste abkratzt bzw. abschrubbt entsteht eine veritable Biosphäre an den Rümpfen. Ohne Taucherflasche und nur mit Maske, Schnorchel und Flossen ist das wirklich anstrengend. Unser Boot ist zwar nur 1m tief, aber dafür hat es zwei Rümpfe und Kiele und etwa die doppelte Wasserlinienlänge wie ein gleich grosser Einrümpfer. Zum Glück ist das Wasser so schön warm und klar, aber nach 1,5-2h im Wasser ist man doch recht «erfrischt». Ausserdem hat man das Gefühl, dass sich die Kleinstlebewesen, denen man die Heimat genommen hat, auf der eigenen Haut gleich wieder ansiedeln und es juckt und kitzelt am ganzen Körper 😬.
Martinique lässt sich natürlich auch hervorragend per Pedes erkunden. Unsere erste Wanderung führte uns von St. Anne bis zum Point Saline an der SW-Seite der Insel.
Die ganzen 34 km haben wir dann doch nicht gemacht.
Vorbei an mehreren Buchten mit schönen Sandstränden: Anse Caritan, Anse Meunier bis zum Grand Anse des Salines sowie durch Mangroven und am Etang des Salines vorbei. Wir sind morgens los und da wir (also um genau zu sein, ich) annahmen, dass es unterwegs sicher Verpflegungsmöglichkeiten in Strandbuden geben würde, haben wir ausser Trinkwasser nichts mitgenommen. Mit Strandbuden war aber nix und so waren wir doch recht hungrig, als wir am frühen Nachmittag wieder in St. Anne ankamen.
Etwa 80% unserer Wanderung verlief im schattigen Wald.
Die Luftwurzeln der Mangroven sind recht beeindruckend.
Fallen für Kokoskrabben (links im Bild) sind hier alle paar Meter zu finden.
Hier in der Bucht von St. Anne lagen natürlich auch viele andere uns bekannte Schiffe, allen voran die FantaSea von Peter und Judith, mit denen wir einige vergnügliche Stunden beim Kaiserschmarrn-mit-Apfelmus-Essen und «TAC»-Spielen (jetzt steht es 2:2!), bei einem Ausflug zur Rumdestillerie und beim Basteln von Armbändern aus Kernen von lokalen Bäumen verbringen durften. Dass unser Cockpittisch seitdem ein paar kleine Bohrlöcher hat, können wir gut verkraften und zeigt wohl wie der Begriff «Dünnbrettbohrer» entstanden sein könnte 😉.
2 Bootsfrauen am Basteltisch.
Wenn man die Technik raus hat, ist es ganz einfach, Löcher in die Samen zu bohren.
Handgemachte Armbänder zieren nun unsere Handgelenke.
Der Ausflug zur Rumdestillerie Clément war ein tolles Erlebnis. Neben der Präsentation der historischen Rumherstellung hat das Anwesen auch einen weitläufigen botanischen Garten mit vielen eindrücklichen Kunstinstallationen. Der Duft in den Hallen, wo die Rumfässer gelagert werden, ist im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend.
Homére Clément, Mediziner und Politiker sowie Gründer der Habitation CLÉMENT. Kaum zu glauben, wie viel Aroma durch die Eichenfässer einfach verduftet.
Arbeitsgeräte aus vergangenen Tagen.Kunstinstallationen soweit das Auge reicht.Moderne Kunst eingetaucht im grünen Umfeld.Und Modern Art in (Über-)Lebensgrösse.
Die Abende an Bord läuten wir normalerweise mit einem Sundowner ein. Da wir hier immer mit dem Heck nach Westen liegen, geniessen wir den Sonnenuntergang (wenn es nicht regnet) in unseren beiden Klappstühlen auf der Heckplattform. Der Standard-Sundowner ist «Ti’Punch RARE BREED».
Man nehme …
1 kleines Glas
1 gestrichenen Teelöffel Rohrzucker
1 Schuss Limesaft (rühren)
1 (etwas grösseren) Schuss braunen Rum dazu (weiterrühren)
Auffüllen mit Wasser (wir wollen ja nicht zu Alkoholikern werden…)
Immer wieder schön die Sonnenuntergänge.
Santé! (Prost! 😉)
Wenn man ganz viel Glück hat, kann man beim Sonnenuntergang sogar den «Green Flash» sehen. Bei wolkenfreiem Himmel kann es sein, dass der obere Rand der Sonne in den letzten Sekundenbruchteilen bevor sie untergeht grün aufblitzt. Ein etwas stärkerer Sundowner soll die Wahrscheinlichkeit eines «Green Flashes» steigern, ist uns gesagt worden 😊.
Um Süsswasser zu produzieren, betreiben wir unseren 220V Wassermacher über den Inverter. Dieser läuft bei den hohen Temperaturen im Boot nach ca. 1,5 Stunden Dauerbetrieb heiss. Um den Tank doch noch ganz auffüllen zu können, müssen wir entweder eine halbstündige Abkühlungspause einlegen oder den kleinen Hondagenerator zu Hilfe nehmen. Da ein Generator ab und zu laufen muss, machen wir ihn daher von Zeit zu Zeit beim Wassermachen an. Das letzte Mal hat er noch brav seinen Dienst verrichtet, aber jetzt wollte er partout nicht starten. Alle Startversuche blieben erfolglos. Eine erste Diagnose deutete auf Probleme bei der Benzinversorgung hin. Um da dran zu kommen müssten wir die ganze Aussenhülle demontieren, was wiederum jegliche Garantieansprüche zunichte machen würde. Also ab zum Laden in Le Marin zur Vereinbarung eines Reparaturtermins. Den bekamen wir allerdings erst auf den 10. März. Wir sind ja bekanntlich Zeitmillionäre und da es uns hier in St. Anne gut gefällt, haben wir entschieden den Termin anzunehmen und etwas länger als gedacht hier zu bleiben.
Um etwas von Martinique zu sehen haben wir uns ein Auto gemietet – natürlich auch mit dem Hintergedanken, dabei die geplanten Einkäufe zu machen. Was wir völlig verpennt haben war, dass hier drei Tage lang Karneval ist und dabei (fast) alle Läden geschlossen sind. So haben wir den Rosenmontag und Faschingsdienstag stattdessen für Sightseeing verwendet.
Nettes Auto, bergauf ging es jedoch nur noch im 2. Gang. Hatten wir das nicht schon mal in La Palma?
Als erstes ging es zum Jardin de Balata (Botanischer Garten) etwas nördlich von Fort-de-France. Eine superschöne Anlage, die teilweise wie ein Spaziergang durch einen Regenwald war. Dies nicht zuletzt, weil es – wie könnte es denn anders sein – immer wieder intensive Regenfälle gab. Besonders cool (wenigstens für mich) war die mehrteilige Hängebrücke die geschätzt 10m hoch über dem Boden von Baum zu Baum ging. Insgesamt waren es wohl 10 Brücken aus Holz und Spannseilen, die ganz schön geschwankt haben als ich darüber lief. Biggi hat es vorgezogen die Strecke unten auf dem festen Boden zurückzulegen.
Gründer des Jardin de Balata ist Jean-Philippe Thoze (Blumenzüchter, Landschaftsgärtner und Künstler in spe)
Rund um das Haus seiner Grosseltern ist der Garten entstanden.
Einzigartige Pflanzen und Blüten lassen uns dem Zauber dieses Ortes regelrecht verfallen.
Links: Heliconia Vellerigera oder auch „King Kong Heliconia“. Rechts: Enorme Luftwurzeln einer Palme.
Jan nimmt den Baumwipfelpfad.Die Holzbretter sind vom vielen Regen recht rutschig.Ja, wo isser denn – ach, da isser ja 😊
Auf dem Rückweg sind wir am riesigen Einkaufsareal bei Lamentin vorbeigekommen. Die grosse Decathlonfiliale (Laden für Sport- und Spielausrüstung) und ein riesiger Baumarkt waren trotz Karneval geöffnet, sodass wir die lange auf unsere Einkaufsliste stehenden Sachen, wie ein Kajakpaddel (für das SUP), einen neuen Rucksack und eine Yogamatte sowie einen Wasserfilter besorgen konnten. Und nicht zu vergessen je eine neue leichte Regenjacke, um für die hiesigen Witterungsverhältnisse gerüstet zu sein… Habe ich schon erwähnt, dass es seit wir in der Karibik sind immer wieder ausgiebig regnet – obwohl jetzt eigentlich Trockenzeit sein sollte?
Düster, nass und nur noch 21 Grad.
Nebel steigt aus dem Wald.
Am Dienstag haben wir uns auf den Weg zu den Gorges de la Falaise im Norden von Martinique gemacht. Dort kann man eine Wanderung durch enge Schluchten in einem Fluss zu einem Wasserfall im Dschungel machen. Da man dabei hüfttief durchs Wasser waten muss, macht man das am besten in Badekleidung. Also alles eingepackt und los. Trotz der gut ausgebauten Strassen dauerte die Anreise wegen der kurvigen Streckenführung fast zwei Stunden. Im Google stand, dass die Anlage offen sei, doof nur, dass Google das Wetter nicht berücksichtigt. Wegen – wer errät es? – starken Regenfällen am Vortag und in der Nacht wäre die Flusswanderung zu gefährlich und folglich geschlossen, was wir aber erst erfahren haben, als wir vor verschlossenen Toren standen! Als Trost haben wir uns ein üppiges Mittagessen im angrenzenden Restaurant gegönnt. Und das war ein unverhoffter Volltreffer, denn das Essen war wirklich hervorragend!
Der Himmel über dem Restaurant spricht Bände – aber das Essen war super!
Um wenigstens ein bisschen Bewegung zu bekommen, haben wir kurzerhand den ersten Pfad in den Regenwald rein genommen. Das war echt eindrücklich. Der Pfad führte immer bergauf durch dichtestes Grün, riesige Bambushaine, Farne und von Lianen durchzogenes Dickicht. Die Vögel zwitscherten und es knackste beängstigend in den riesigen Bambussen als diese sich im Wind wiegten. Ab und zu kamen wir an Orten menschlicher Bewirtschaftung vorbei und sahen zum ersten Mal Felder voller Christophenes. Als wir an Papayabäumen vorbeikamen und überall Papayas am Boden rumlagen, haben wir uns erlaubt eine grosse grüne Papaya vor dem «Verfaulungstod» zu retten und haben sie in den – neu erstandenen – Rucksack gepackt.
Herrlich zum Spazieren.
Christophene-Plantage
Biggi kann es nicht lassen und sammelt überall den Abfall in der Natur auf, von dem es leider sehr viel hat.
Auf dem Rückweg sind wir wieder an Lamentin vorbeigekommen, aber dieses Mal war wirklich alles geschlossen, bis auf die Verkaufsstände mit Karnevalskleidung.
Eine karibische Schönheit verkleidet als Schmetterling. Und an den Ständen gibt’s Kostüme in allen Farben.
Der Karneval auf Martinique ähnelt eher den europäischen Karnevals als denen von Brasilien oder Trinidad. Statt Socasound und Pan-Bands sind hier Trommler und Pfeifer unterwegs. Ein klein wenig kam es mir vor wie in Luzern oder Basel, ausser, dass es hier natürlich viel wärmer ist und die Leute oft barfuss unterwegs waren. Die Kostümierungen sind eher einfach oder lustig gehalten, aber nicht mal ansatzweise so aufwändig wie zum Beispiel in Trinidad. Aber vielleicht haben wir auch nur einen Teil hier in St. Anne gesehen, da wir gar nicht in Karnevalsstimmung waren und nicht nach Fort-de-France gegangen sind, wo das Hauptgeschehen mit dem grossen Umzug stattgefunden hat.
Im Gegensatz zu den bisher von uns besuchten Karibikinseln hat Martinique ein Bussystem, was jenem in Europa ähnelt. Es gehen mehrmals täglich grosse klimatisierte Linienbusse nach einem vorgegebenen Fahrplan von St. Anne nach Le Marin. Die kleinen Busse, die auf den anderen Inseln gefühlt alle paar Minuten fröhlich hupend und mit lauter Musik aus den offenen Fenstern vorbeifahren sucht man hier vergeblich. Man muss also genau auf den Fahrplan achten, wenn man nicht plötzlich irgendwo 1-2 Stunden warten will.
03. – 17.02.2022, St. Anne, Martinique, Logstand seit Start: 5’522 sm
Vorwort: Wir hatten diesen Bericht kurz vor Putins Angriff auf die Ukraine schon fertig und haben dann entschieden ihn angesichts der schockierenden Ereignisse in der Ukraine vorerst nicht zu veröffentlichen. Wir sind immer noch entsetzt und traurig über diesen absolut unnötigen Krieg und wir sind natürlich auch in Sorge, was mit unseren Familien und Freunden passieren wird, die alle viel näher am Krisengebiet sind, als wir hier in der Karibik. Es bleibt uns nur zu hoffen, dass der Konflikt so bald wie möglich aufhört.
Wir können die Ereignisse nicht beeinflussen und veröffentlichen den Bericht jetzt trotzdem, in der Hoffnung, dass er ein klein wenig dazu beiträgt den Lesern einen Moment Ablenkung zu geben.
Am 3. Februar sind wir nach 2 ½ Wochen in der Le Phare Bleu Marina endlich wieder raus. Irgendwie haben Marinaaufenthalte die Tendenz sich in die Länge zu ziehen, wollten wir doch ursprünglich nur eine Woche bleiben. Die zu erledigenden Wartungsarbeiten gingen länger als geplant – vielleicht auch, weil wir durch die vielen sozialen Aktivitäten abgelenkt wurden – und ganz ohne Landausflüge wollten wir Grenada doch nicht verlassen.
Auslaufen von Le Phare Bleu. Mit einer schönen Backstagsbrise zum SW-Kap von Grenada
Der erste Schlag ging nur kurz «ums Eck» zur Bucht Grand Mal an der Westküste von Grenada. Dort ist der Moliniere Underwater Sculpture Park. Das ist eine Sammlung von Skulpturen vom britischen Künstler Jason DeCaires-Taylor, die er in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung erstellt hat. Viele der Skulpturen sind Zement-Abdrücke von lokalen Personen. Seine Intention war, die lokale Bevölkerung mit diesem Projekt für die delikate Unterwasserwelt vor ihren Küsten zu sensibilisieren. Die Einzelfiguren oder Gruppen von Menschen sowie andere Skulpturen sind über eine relativ grosse Fläche auf dem Meeresboden verteilt. Für uns als Hobbyschnorchler war leider nur ein Teil zu erreichen, der Rest liegt so tief, dass man richtig tauchen müsste. Es war trotzdem ganz eindrücklich.
Ankerbier und Abendstimmung in Grand Mal
Molinière Sculpture Park
Einen Teil der Scuplturen konnten wir mit Schnorcheln erreichen
Hin und zurück ging es mit unserem neuen Dinghy ganz zügig.
Nach zwei Nächten an der Boje ging es mit dem ersten Morgenlicht Richtung Norden los. Wegen des anhaltend frischen Nordostwinds hatten wir eine unangenehme Welle genau von vorne. Unser kleiner Katamaran kann zwar Ozeane überqueren, aber bei Wind und Welle von vorne ist er nicht mehr in seinem Element. Wegen seiner geringen Länge tendiert er dazu sich festzustampfen, d.h. der Bug knallt in die Welle, die Gischt spritzt über das ganze Boot und wir stehen kurzzeitig fast still. Danach nimmt er wieder Fahrt auf, um bei der nächsten grösseren Welle wieder aufgestoppt zu werden usw. usw. Dass es dabei immer 2-3 m hoch und runter geht macht das Leben an Bord sehr anstrengend. So waren wir auch sehr froh, als wir nach gerade mal 35 Seemeilen nachmittags den Anker vor Sandy Island fallen lassen konnten.
Aussicht vom Ankerplatz bei Sandy Island auf die Sister Rocks- bei Tag und in der Abenddämmerung
Endlich hatten wir auch unsere Vorsätze umgesetzt und jeden Morgen mit «Plank»-Übungen begonnen. Dann gab’s Frühstück und danach etwas rumwursteln (z.B. Blogschreiben oder den Hängestuhl ausprobieren) bis es zum Schnorcheln ging.
Morgensport und Blogschreiben
Hängestuhl testen – schaukelt aber arg viel, wenn das Boot sich bewegt.
V.a. Biggi hat das Schnorcheln für sich entdeckt und kann stundenlang im Wasser rumdümpeln und den Fischen zuschauen. Ich als ehemaliger Taucher bin wohl etwas verwöhnt, aber ich freue mich, wie es ihr Spass macht.
Ab ins Wasser!
Biggi schaut sich die Unterwasserwelt vorläufig noch von oben an
Sachen, die ein Abtauchen verlangen, wie den Anker kontrollieren, bleiben (noch) meine Aufgabe.
Und zurück zum Boot schwimmen
Wenn wir schon im Wasser sind, werden auch gleich die Rümpfe mit der Wurzelbürste und Spachtel gereinigt. Unsere bewuchshemmende Farbe ist noch erstaunlich wirksam, aber wir merken langsam, wie es anfängt nachzulassen. Bei gerade mal 2 ½ m Wassertiefe kann man schon fast am Grund stehen um das Schiff zu putzen.
Auch wir haben nicht mehr als 1.5-2m Wasser unter den Kielen
Propeller reinigen
Weniger als 1m Wassertiefe unter den Kielen ist mir persönlich zu riskant, hier sieht man aber manchmal ganz „wagemutige“ Skipper, die offenbar keine Hemmungen haben, ihr Schiff mit nur wenige Dezimeter Wasser unter dem Kiel zu ankern…
Ich weiss nicht, ob der Skipper von diesem Boot wusste, wie wenig Wasser er wirklich unter dem Kiel hatte…
Nach ein paar Tagen kam MOANA auch nach und wir verbrachten wieder schöne Stunden mit Gottfried und Sandra, sei es beim Schnorcheln, am Strand oder auch abends im Paradise Beach Club (Adieu Erholung fürs Portemonnaie…)
Auch RARE BREED hat nun ihr Schild im Paradise Beach Club
Mit Gottfried und Sandra und Allison, die Besitzerin vom Paradise Beach Club
Das Wetter ist seit wir in der Karibik sind ziemlich untypisch, denn eigentlich wäre jetzt Trockenzeit. Der Wind bläst oft stark bis teilweise sehr stark und es regnet verhältnismässig oft und intensiv. So war es dann auch vor Sandy Island. Der Ankerplatz ist dort ziemlich offen und so gab es einige bange Stunden, wenn der Wind mit bis zu 32 Knoten über uns hinwegfegte. Kurz nach dem Durchgang eines solchen Squalls war es wieder schön sonnig, aber schon eine halbe Stunde später herrschte wieder Weltuntergangsstimmung mit waagerecht peitschendem Regen und rabenschwarzen Wolken. An einigen Tagen war es so unruhig, dass wir nicht mal von Bord konnten um zu schnorcheln, geschweige denn mit dem Dinghy an Land zu fahren, weil die Wellen einfach über uns hinweg rollen würden. Auch unser neues Dinghy kam hier an seine Grenzen.
Squalls über Sandy Island
So war es hochwillkommen, als Rennie mit seinem Motorboot mit frischem Gemüse vorbeikam. Top Ware zu fairen Preisen direkt an die Bordwand geliefert. So blieben die Konserven doch wieder in der Bank.
Nach etwa einer Woche wollten wir langsam weiter gegen Norden, aber das Wetter spielte einfach nicht mit. So blieb es nur abzuwarten, bis sich ein Fenster mit etwas weniger Wind auftun würde. Aber wir beklagen uns nicht – es gibt wahrlich schlimmere Orte als Sandy Island, um etwas Zeit tot zu schlagen.
Biggi als Galionsfigur
Impressionen von Sandy Island
Eine Insel (fast) für uns alleine
Die Nordseite von Sandy Island ist dem Wind und den Wellen ausgesetzt
Gegen Ende Woche sagten die Wetterprognosen eine kurze Beruhigung für kommenden Montag und Dienstag voraus, danach sollte der Wind wieder auf über 30 Knoten hochgehen. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen und sind am Montag pünktlich zur Öffnungszeit um 8 Uhr morgens vor dem Büro der Immigration gestanden. Da wir das Gebiet von Grenada verlassen würden, mussten wir ausklarieren bevor wir loskonnten. Das kann ja eigentlich nur einem Schweizer einfallen, dass die Behörden in der Karibik am Montagmorgen pünktlich aufmachen würden. Naja wenigstens hat das Café rechtzeitig aufgemacht und wir konnten die Wartezeit mit einem Kaffee überbrücken. Um 8:40 Uhr kam dann der Beamte gemütlich gelaufen und meint nur «Give me some minutes to prepare the office.» Naja ca. 45 Minuten später («Sorry, the system is very slow today.»)… war unser Formular verarbeitet und wir ordnungsgemäss ausklariert.
Der Immigrationbeamte kommt gemütlich ins Büro
Tyrell Bay verabschiedet sich wie es sich gehört – mit regnerischem Wetter… Wir segeln mit schönem Wetter weg – noch..
Wir wollten direkt nach Martinique. Das sind rund 125 Seemeilen, vorbei an die Grenadinen, St. Vincent und St. Lucia auf einem nordöstlichen Kurs, also fast gegen den vorherrschenden Nordost- bis Ostwind. Wir rechneten mit ca. 24 Stunden Dauer, was einen Nachttörn bedeutete, um am nächsten Tag bei gutem Licht anzukommen.
Die Route von Carriacou bis Martinique – vorbei an St. Vincent und St. Lucia
Wieder mal eine Nacht auf See
Zwischen den Squalls kam manchmal der Mond zum Vorschein
Nun, die Wettervorhersage hat leider nicht gestimmt und wir hatten einen Törn zum Abgewöhnen. Hinter den Inseln war es sehr ruhig, aber in den drei, jeweils ca. 20-30 Seemeilen breiten Kanälen zwischen den Inseln, haben wir gehörig Prügel kassiert. Mehrere Squalls mit sintflutartigem Regen und vor allem Wind bis über 30 Knoten und den damit einhergehenden Wellen von schräg vorne waren alles andere als lustig. Unter gerefftem Grossegel und der kleinen Fock sind wir gegenan gestampft. Um wenigstens nicht zu weit nach Westen abgetrieben zu werden lief die leeseitige Maschine mit 1800-2100 Umdrehungen mit. Nach ziemlich genau 24 Stunden gingen wir in Le Marin, Martinique vor Anker. Fix und fertig und ziemlich frustriert, weil das Wetter alles andere als karibisch schön war, haben wir uns zuerst mal etwas Warmes zu Essen gemacht und das Boot rudimentär aufklariert.
Das Einklarieren in Martinique war wohltuend einfach. Am PC ein Formular ausfüllen, € 5.- bezahlen und gut ist. Keine Fragen nach irgendwelchen Papieren vom letzten Hafen oder nach einem PCR-Test. Französisches «Laissez-faire» halt. In allen ehemals britischen Inseln wird ein Riesen-Tam-Tam um’s Ein- & Ausklarieren, Cruisingpermits, Healthchecks und PCR-Tests gemacht. Damit lassen sich natürlich vorzüglich Arbeitsplätze erhalten und Einnahmen generieren. Vor allem die PCR-Tests sind zum Teil mit US$ 150-200.- pro Person absurd teuer. Kein Wunder, werden die Tipps, wo man günstigere Test machen kann und wie die Einklarierungen ablaufen unter Seglern rege ausgetauscht. Offiziell verlangt Martinique auch, dass man einen aktuellen PCR-Test vorweisen kann. Wir wussten aber von anderen Seglern, dass dies nicht kontrolliert wird und haben in Carriacou gar keine Tests gemacht.
Café Bou Bou mit dem Einklarierungs-PC
Das war mitunter auch ein Grund, dass wir die Inseln (St. Vincent und St. Lucia) unterwegs nicht anlaufen konnten. Wir haben die Hoffnung, dass die weltweiten Massnahmenlockerungen bis im Frühling auch in der Karibik ankommen und wir die Inseln auf dem Rückweg in den Süden ohne Tests anlaufen können. Aber wir haben so unsere Zweifel, ob die Inseln so ohne weiteres die für sie lukrativen Tests einfach aufgeben werden…
Auch auf Martinique blieb uns der Regen treu
Dafür sah man täglich mehrere Regenbögen
Ein weiterer Grund möglichst schnell nach Martinique zu gehen war technischer Natur. Hier bekommt man fast alles an Yachtzubehör was das Herz begehrt und zwar zu halbwegs fairen Preisen. Unsere Wasserversorgung an Bord hatte angefangen Ärger zu machen und der Fehler musste gefunden und behoben werden. Dafür wollte ich Zugang zu eventuell nötigen Ersatzteilen haben. Wir haben einen Wassertank der 400 l fasst, eine Wasserpumpe mit einem Drucktank um das Wasser unter Druck zu halten, einen Boiler für Warmwasser und ein Rohrsystem, das dies alles miteinander verbindet und alle Zapfstellen (Küche, zwei Bäder und die Aussendusche) an Bord bedient. Im Normalfall ist die Pumpe immer eingeschaltet und läuft jeweils nur kurz an, wenn irgendwo ein Hahn geöffnet wird. Vor ein paar Monaten hatte die Pumpe angefangen drei oder vier Mal pro Stunde für 1-2 Sekunden anzulaufen. Das deutet auf eine Undichtigkeit im System hin, aber ich konnte einfach nichts finden. Dazu muss gesagt sein, dass das gesamte Rohrsystem beim Bau des Bootes verlegt wurde und grösstenteils nicht mehr zugänglich ist, ohne dass man Wände oder Zwischenböden aufschneiden würde. Dies und die Tatsache, dass ich einfach nirgends Leckwasser im Boot finden konnte, hat dazu geführt, dass ich entschieden habe, dies erst im Sommer anzugehen, wenn das Boot ohnehin an Land geholt wird. Aber wie das so ist, die Realität hält sich nicht an Pläne und die Pumpe fing an immer öfter zu laufen. Abgesehen davon, dass das nervig war haben wir auch langsam realisiert, dass wir den Wassertank tatsächlich immer öfter auffüllen mussten. Jetzt war es sonnenklar, dass unser Süsswasser irgendwohin lief – aber wohin? Zum Schluss haben wir, obwohl wir sehr sparsam mit dem Wasser umgingen, pro Tag geschätzt 80-100 l Wasser verbraucht bzw. verloren! Das Wasser MUSSTE irgendwohin nach draussen laufen, denn sonst wären wir bei diesen Wassermengen schon lange abgesoffen!
Sobald wir eine Nacht geschlafen hatten und uns von dem anstrengenden Törn erholt hatten gingen wir ans Werk. Es wurde jede vorhandende Serviceöffnung aufgeschraubt, um zu sehen ob es irgendwo Leckspuren gibt, aber alles war staubtrocken. Mit dem Bordmanual von der Bauwerft (ja das gibt es tatsächlich!) haben wir versucht den Verlauf der Rohre zu folgen, Völlig unmöglich, da sie zwischen der Innen- und Aussenschale verlegt worden waren. Nebenbei haben wir auch festgestellt, dass die Rohrführungspläne im Manual gar nicht mit unserer Installation übereinstimmen konnten…
Kopfüber ins Staufach eintauchen, um an die Serviceöffnungen ranzukommen.
Das Innenleben von RARE BREED ist teilweise nur per Kamera zu erforschen.
Irgendwann sind wir beim Boiler angelangt und haben festgestellt, dass die Werft das Überdruckventil 180° verkehrt herum eingebaut und es mit einem Schlauch versehen hat, der durch ein Seeventil (verschliessbares Loch in der Aussenhaut vom Boot) direkt nach aussen geht… Mir ging langsam ein Licht auf!
Diese Öffnung liegt so nahe der Wasserlinie, dass dort vermutlich Seewasser reingekommen ist und das Ventil langsam aber stetig zum korrodieren gebracht hat. Das korrodierende Überdruckventil hat wohl langsam immer mehr geleckt und so unser Süsswasser über den Schlauch immer schneller aussenbords «entsorgt». Kein Wunder war drin alles trocken!
Kaum hatte ich das Seeventil vom Schlauch geschlossen, verstummte die Pumpe und der Wasserverlust stoppte! Die Erleichterung, als auch am Tag danach die Pumpe ruhig war und der frisch gefüllte Wassertank voll blieb, war enorm! Wir konnten wieder normal an Bord leben.
Am zweiten Tag in der Bucht von Le Marin wurden wir von den Behörden verscheucht, da wir angeblich in einer Fischereisperrzone lagen. In der Seekarte war es als Ankerbucht bezeichnet und es gab auch keine Seezeichen die auf irgendeine Sperrzone hinwiesen… Also zirkelten wir uns durch die vielen Riffe in der Einfahrt von Le Marin die paar Seemeilen nach St. Anne rüber. Als wir dort den Anker fallen lassen wollten, hat sich nichts getan. Die Kette war vom Aufholen so stark angezogen, dass die Ankerwinsch einfach geklemmt hat. Während ich versucht habe das Problem zu lösen ist natürlich wieder ein Sqall gekommen und wir waren kurzzeitig wegen dem Wind und dem vielen Regen ziemlich am rotieren. Nach wenigen Minuten war der Spuk vorbei und wir beide bis auf die Haut pitschnass.
Unser Track auf dem Kartenplotter nach dem Debakel mit der Ankerwinsch
Ankerplatz vor St Anne – bei Tag und bei Nacht…
… und tagsüber bei Regen – wie kann es anders sein…
Auf Martinique wollen wir ein noch eine Weile bleiben, da es hier noch viel zu sehen gibt.
Salz auf der Haut und Sand zwischen den Zehen – Life is good!
Im Auto auf der falschen Seite sitzen, mit links schalten, statt blinken den Scheibenwischer anstellen und dann auch noch falsch rum in den Kreisverkehr einfahren – damit hatte Jan im Gegensatz zu mir keine Probleme. Also hat Jan das Steuer übernommen. Fahrbahnmarkierungen sind sozusagen nicht vorhanden. Der Zustand der Strassen ist oft renovierungsbedürftig. An neuralgischen Stellen zwingen Bumps (installierte Bodenwellen) dazu, dass man die Geschwindigkeit erheblich reduziert. Die Gräben neben den Fahrbahnen lassen nur erahnen, was hier abgeht, wenn es so richtig regnet. Und falls man da von der Strasse abkommt, ist vermutlich ein Achsbruch vorprogrammiert.
Teils geht es im Graben einen halben Meter runter.
Top fanden wir unterwegs allerdings die Palmen als Fahrbahnbegrenzer, welche in den Landesfarben angestrichen sind.
Grün-Gelb-Rot – die Farben von Grenada.
7 Sisters Waterfalls
Am Freitagvormittag machen wir uns mit Gottfried und Sandra von der SY MOANA auf den Weg. Wir haben uns eine kleine Wanderung zu den 7 Sisters Wasserfällen vorgenommen, die sich so ziemlich im Herzen der Insel befinden. Ich finde es toll, nicht fahren zu müssen und geniesse den Ausblick auf das satte Grün von Grenada.
Am Ausgangspunkt unserer Wanderung bezahlen wir pro Nase 5 EC$ (etwa 1.50 €) und dürfen uns bei den Wanderstöcken aus der grünen Tonne bedienen.
Kassenhäuschen und Wanderstockausgabe.
Der nette Kassierer erklärt uns kurz, wo es lang geht und meint, der Walk dauert ca. 20 Minuten. Das hört sich doch gut an. Nach 20 Minuten sind wir jedoch erst beim Mangobaum, an dem wir abbiegen müssen, aber was soll’s, wir haben ja Zeit 😉 Die nächste knappe Stunde kämpfen wir uns den teils sehr steilen und rutschigen Weg rauf und runter. Die Vegetation ist sehr dicht und unheimlich abwechslungsreich. Während der Wanderung hören wir den Wasserfall schon recht gut und machen uns selber Mut dabei: Jetzt sind wir gleich da…
Neben dem riesigen Bambus kommt sich Jan richtig klein vor.
Und tatsächlich, die nächste Lichtung gibt die Sicht auf den ersten Wasserfall frei.
Nur noch einen Bach durchqueren, dann haben wir es geschafft.
Wir sind froh um unser gutes Schuhwerk.
Einer der drei jungen Männer, die uns auf den letzten Metern entgegenkommen, ist hier aufgewachsen und bietet geführte Wasserfalltouren an. Wie eine junge Gazelle springt er von Stein zu Stein durch den Bach und trägt dabei ADILETTEN!!! – das gibts ja wohl nicht, oder!!!
Die Männer gönnen sich ein erfrischendes Bad.
Ob sie es schaffen, an der Felswand hochzuklettern?
Sandra und ich verkneifen uns das, wir frösteln sogar ein bisschen, weil hier keine Sonne hinkommt und eine leichte Brise weht. Auf dem Rückweg treffen wir noch auf ein paar Touristen, die wie der junge Einheimische auch mit Badeschlappen unterwegs sind. Na denn, good luck!
Grand Etang Lake
Es ist erst halb Vier und wir haben noch genug Zeit, um den Grand Etang Lake zu besuchen. Kurz vor dem Parkplatz sehen wir von weitem einen Einheimischen, der aufgeregt immer wieder auf einen Baum deutet. Also stoppen wir, um zu gucken, was da los ist. Im Entgegenlaufen hören wir nur: Ich hole schnell Bananen! Super, das deutet auf Affen hin. Und siehe da, oben in den Baumwipfeln sitzen zwei Mona-Meerkatzen. Ein Äffchen lässt mit Lockrufen und angebotenen Bananen tatsächlich vom Baum locken und springt auf meine Schulter. Streicheln soll man das Tier nicht, nur die Hände nach vorne strecken und zusammennehmen, damit er sich darauf fortbewegen kann. Das Fliegengewicht fängt geschickt die ihm zugeworfene Banane und lässt es sich schmecken.
Die kleinen Hände fühlen sich warm an und mit dem Schwanz hält er sein Gleichgewicht.
Der Grand Etang Lake (wörtlich übersetzt: Grosser Teich-See) ist einer von zwei Kraterseen auf Grenada, liegt auf 550 m üM und hat einen Durchmesser von 400 m. Hier darf weder gefischt noch geschwommen werden.
Im Wasser tummeln sich zig Kois, Red Swordtails und Guppys
Ein wunderbarer Tag neigt sich dem Ende zu und wird gebührend in der Bar 61West an der Grand Anse verabschiedet.
Wir lassen den Tag gemütlich in der Grand Anse im 61West ausklingen.
Pearls Airport und Grenada Hash #1176
Am Samstagmittag setzen wir uns wieder mit den Moanas in Bewegung. Zuerst düsen wir zum alten Flughafen von Grenada, der landessprachlich Pearls Airport genannt wird. Er war der erste Flughafen des Inselstaates. Der Betrieb wurde nach Inbetriebnahme des neuen internationalen Flughafens Maurice Bishop im Jahr 1984 eingestellt. Die Reste des Flughafens liegen brach, Gebäude sind keine mehr zu finden und die Landebahn ist frei befahrbar. Am Rand der Landebahn grasen Kühe und zwei russische Flugzeugwracks zeugen von der Geschichte Grenadas.
Zwei Antonovs, die ihre besten Tage hinter sich haben.
Efeu wächst langsam ins Cockpit.
Auch innen sind die Maschinen in ruinösem Zustand.
Neben der Landebahn und auch im Dschungel: Kühe werden an den Hörnern angebunden.
Die sportliche Betätigung wird heute ganz gross geschrieben. Wir haben vor, am Grenada Hash #1176, der dieses mal direkt neben dem alten Flugplatz startet, teilzunehmen. Der Hash ist eine Art Schnitzeljagd und hat eine lange Tradition auf Grenada. Bei den samstägigen Veranstaltungen versammeln sich zwischen 150 und 300 laufwillige Geher und Läufer jeden Alters aus allen möglichen Nationen und mit verschiedensten Konditionslevels. Alle Teilnehmer tragen sich in einer Liste ein und bezahlen 3 EC$. Wir wussten nicht genau, was auf uns zukommt und lauschten gespannt den Einleitungen des Hash Masters und des „Hares“ namens Bling Ting, die kurz die Regeln erklären. Es hört sich einfach an. Immer den Markierungen (weisse Papierschnitzel am Boden) folgen und am Ende wieder auf dem Startfeld ankommen. Und ganz wichtig: Austragen aus der Liste, denn niemand darf verloren gehen. Denn wenn einer nicht zurückkommt, oder gar vergessen hat sich auszutragen, gehen andere auf die Suche und dann wird’s teuer – haben wir gehört 😬
Einleitende Worte des Hash Masters links und des Hares Bling Ting (verantwortlich für den Weg)
Mit dem Ausruf „On On“ setzte sich die Gruppe pünktlich um 15:30 Uhr in Bewegung. Erstmal schön eben, geradeaus, easy. Kaum um die Ecke gebogen, geht es plötzlich steil bergauf und dann durch den Dschungel steil wieder bergab 😜 Es kommt mir vor, als hätten die Organisatoren erst gestern mit der Machete den Weg freigeschlagen. Unterwegs haben wir umherliegende Stecken aufgesammelt, die waren aber so morsch, dass sie bei der ersten Belastung schon wieder zerfallen sind. Was hätten wir hier für Wanderstöcke gegeben! So hielten wir uns an Lianen fest (was auch keine gute Idee war – die waren zu dünn…) und versuchten, nicht auf den Hintern zu fallen oder zu stolpern. Immer wieder machten wir Platz für schnellere Läufer, wir wollten ja niemandem im Weg stehen.
Teilweise recht anspruchsvoll die Wegführung.
Die Strecke führte uns durch Wohnquartiere, vorbei an Bananenplantagen und Auberginenfeldern. Wir haben immer schön auf die Markierungen am Boden geachtet, damit wir auch „on on“ bleiben. Es hat total Spass gemacht, auch weil wir unterwegs immer wieder mit anderen Läufern ins Gespräch gekommen sind. Einheimische haben auf die Schnelle ihre Lebensgeschichte erzählt oder ein junges deutsches Pärchen, Felix und Rebecca, von ihrer Auszeit und den Reiseerlebnissen. Nach einer Stunde Dschungelwalk haben auch wir es geschafft und waren glücklich und zufrieden zurück am Startfeld. Ich hab dann am Stand für uns Bier holen wollen, wurde aber von der Schriftführerin aufgefordert, mich erstmal aus der Liste auszutragen. Wahnsinn, wie die den Überblick behalten…
Auf dem Startfeld gab es für die „Virgins“ (Erstteilnehmer) – und damit auch für uns – noch eine kleine Überraschung. Auf eine kurze Ansprache folgte eine gehörige Bierdusche und so wurden wir in den holden Kreis der Hasher aufgenommen. Wie cool ist das denn 🤓
Papierschnitzel verraten den richtigen Weg. Die Bierdusche macht uns zu „Harrier“ und „Harriette“ (m/w Form für Hasher)
Das Motto der Grenada Hasher:
Am Ende gab’s für uns noch eine Urkunde.
Nach dem Hash ist noch gemütliches Beisammensein angesagt und für’s leibliche Wohl ist auch gesorgt. Drinks: Stag and Carib 3 for 10 EC$ Food: Wild Meat, Chicken and Fries, BBQ, Curried Crab Wir werden im Sommer, wenn wir wieder hier sind, bestimmt noch mal teilnehmen!
St. Georges und Fort George
Ja, wir wurden einfach nicht müde mit unseren Aktivitäten. Schlag auf Schlag haben wir deshalb am Sonntag einen Ausflug nach St. Georges gemacht. In der Stadt war nicht viel los und so sind wir direkt den Berg hoch gelaufen und um das Fort George zu besichtigen. Dabei lag uns die Anstrengung vom Hash noch etwas in den Beinen. Aber gelohnt hat es sich allemal. Der Ausblick auf die Buch von St. Georges ist wirklich schön.
Im Fort George ist heute das Police Headquarters und die Royal Grenada Police Force Training School angesiedelt.
Vom Fort hat man einen tollen Ausblick über die Bucht von St. Georges.
Auf dem Nachhauseweg haben wir nochmal an der Grand Anse gestoppt und einen feinen Virgin Colada im 61West genossen.
Kräuter und Schoggi
Auch am Montag sind wir wieder losgetigert Richtung Norden um 2 Destinationen zu besuchen. Also ab ins Auto und losgefahren. Ich war total auf die Schokoladenfabrik fixiert und während wir so quasselten meinte Jan ganz nebenbei: „Wolltest du nicht den Laura Herb and Spice Garden anschauen?“ Ähm – ja klar! Kurzer Blick in die Karte – bieg links ab, hier ist eine Abkürzung. Die Strasse ist auf der Karte von Granada eingezeichnet, also kann ja nix schief gehen. …so dachten wir. Anfangs war es noch eine Teerstrasse, dann ging sie über in eine Schotterpiste, einen Feldweg und wurde letztendlich zu einem holprigen Dschungelpfad.
Als dann noch ein Ziegenbock mitten in der Landschaft auf einem Baum stand, blickten mich ZWEI mit grossen Augen an.
Der Weg ist das Ziel – und am Ende war es der richtige.
Zum Glück waren wir mit einem 4×4 unterwegs! Mit einem normalen PKW wären wir wohl gescheitert, denn die eine Abfahrt – eine betonierte Piste, war so steil wie wir es von den Schweizer Bergen kennen. Und manchmal haben wir Tränen gelacht, von wegen Abkürzung…
Im Herb and Spice Garden haben wir eine interessante und vor allem rasante Führung bekommen. Die Dame mittleren Alters hatte dabei einen sehr flotten Schritt drauf und wusste über jede Pflanze etwas zu berichten. Schnell ein Blatt abgerissen, uns hingestreckt zum Probieren, zackzack ging’s weiter zum nächsten Grün. Eine Geschmacksexplosion nach der anderen spielte sich in unseren Mündern ab, bitter, süss, zitronig, minzig, pfeffrig, scharf und richtig scharf. Obendrein dann noch bekannte Gewürze wie Thymian oder Rosmarin. Von den vielen übermittelten Informationen, die die Lady wie ein Maschinengewehr runtergerattert hat, hab ich nur die Hälfte verstanden, geschweige denn behalten können. Schade eigentlich. Ziemlich allen Pflanzen wird wohl eine heilende Wirkung zugesprochen, denn Wörter wie Bluthochdruck, Fieber, Schwangerschaft, Diabetes sind immer wieder gefallen. Gerne würde ich hier viel mehr Zeit verbringen.
Später haben wir uns selbst über uns gewundert, dass wir alles so vertrauensvoll und ohne Weiteres probiert haben.
Zum Abschluss durften wir noch zuschauen, wie Zimt gewonnen wird. Um die Rinde verwenden zu können, müssen die Bäume gefällt werden. Im ersten Schritt wird grob entrindet, das heisst, die äussere Rinde entfernt. Im zweiten Schritt wird die freigelegte innere Rinde rundrum im Abstand von 20 bis 30 Zentimetern eingeritzt mit der Machete. Im dritten Schritt wird auf die Rinde geklopft (hier mit einer Colaflasche – man nimmt, was man hat) und mit einem Messer vom Stamm gelöst. Alles in Handarbeit. Wir konnten noch einen Blick in die Halle werfen, in der die Weiterverarbeitung und Verpackung stattfinden. Zuhause war ja Zimt „nur“ Dekoration an Weihnachten und wurde als Gewürz für Plätzchen oder Apfelmus verwendet. Sobald man jedoch sieht, wie viel Arbeit dahinter steckt, weiss man es viel mehr zu schätzen – also mir geht es so. Einfach nur toll!
Unser nächster Stopp: Belmont Estate mit Chocolate Factory
Nach einem üppigen 3-Gänge-Menu im Freiluft Restaurant ging’s gestärkt zur Führung. Und die hätte toller nicht sein können. Kein Vergleich zu Laura Herb and Spice Garden. Lenny, unser Guide, erzählte uns in einem fast 2-stündigen Rundgang von der Historie der Plantage und erklärte uns mit Herzblut den Prozess der Schokoladenproduktion. Von der Blüte bis zur fertigen Schokolade. Er schlug eine Kakaofrucht für uns auf und wir lutschten die ganze Zeit leckere Kakaobohnen während wir seinen ausführlichen Erklärungen lauschten .
Die Blüten wachsen direkt am Stamm. Frische Kakaokerne lutschen – ein Hochgenuss 😋
Nach dem Fermentieren werden die Bohnen draussen ausgelegt zum Trocknen. Das Wenden erfolgt durch Fussarbeit 🤓
Die Verarbeitung der Kakaobohnen erfolgt in relativ kleinen Räumlichkeiten. Gemäss Aussage von Lenny sind die Kakaobohnen von Grenada besonders fein und werden nicht mehr exportiert. Somit kann die ganze Wertschöpfung in Grenada erzielt werden. Die Schoggi schmeckt hervorragend und hat auch ihren Preis. Das Geheimnis ihres Rezeptes wollte Lenny uns aber komischerweise nicht verraten. Nach der Degustation des hausgemachten Schokoladendrinks sind wir noch in den Laden um unseren Schokoladenvorrat aufzufüllen.
Schokoladenmanufaktur und Aging Room. Ein feiner Schokoladendrink zum Probieren – Schokolade macht glücklich.
Nachtrag zum Hash: Hab ich mich beim Hash noch gewundert, dass „Wild Meat“ angeboten wird. Ich dachte dabei nur an Hasen, Rehe und Hirsche 😂 So hat uns unser flotter Guide aufgeklärt, was mit Wild hier gemeint ist: Leguan, Mona-Meerkatzen (also solche Äffchen, wie ich einen auf dem Arm hatte 🙄), Opossum und Gürteltier. Waren wir froh, dass wir es nicht gegessen haben!
12.01. – 04.02.2022 – Tyrell Bay, Carriacou – Grenada, Logstand seit Start: 5341 Seemeilen
Seit ein paar Tagen hab ich mal wieder Rippe. Das kommt davon, wenn man in meinem Alter mit 2 Kindern, die volle Wasserratten sind, auf dem SUP rumtollt 🙄 Jan meint, dies sei wohl meine Achillesferse…
Die Insel Union war für eine Nacht unser letzter Stopp in St. Vincent and The Grenadines.
Clifton Harbour: Ein traumhafter Spot zum Ankern, trotz Wind.
Unser Plan: PCR-Test machen und Ausklarieren. Gesagt – getan. Um das Dinghydock zu erreichen, müssen wir durch eine sehr schmale Brückenzufahrt manövrieren. Dahinter sieht aus wie in Klein-Venedig.
Um Punkt 9 Uhr ging es von hier aus zu Fuss zur „Nurse Janell“ im Bouganvillea-Hotel für den PCR-Test. Hier ist Pünktlichkeit angesagt, denn um 9.15 Uhr ist die Nurse schon wieder weg, um die Tests ans Labor zu geben. Der Vorteil: Mittags bekommen wir bereits unsere Ergebnisse. Nach dem Test sind wir ins Immigration Office um uns ordnungsgemäss abzumelden, um danach in die Tyrell Bay, Carriacou weitersegeln zu können. Angeschaut haben wir auf Union nichts, kommen aber bestimmt nochmal zurück. Es gibt auch hier einiges zu entdecken.
Zum PCR-Test gehts in den eingewachsenen Pavillon und zum Ausklarieren ins grün getünchte Immigration-Office.So schön bunt hier. Viel haben wir von Union Island nicht gesehen – wir kommen wieder!Kurz vor der Tyrell Bay: Ein Satz mit X das war wohl nix. Das Anglerglück blieb aus.
Am 12. Januar um 13.15 Uhr fällt der Anker in der Tyrell Bay auf Carriacou. Um 16 Uhr haben wir das Einklarierprocedere abgeschlossen.
Der Health-Check ist im weissen Pavillon neben dem roten Container und Einklarieren im türkis getünchten Customs and Immigration-Office.
In der Tyrell Bay liegen auch Peter und Judith von der FANTASEA. Die Wiedersehensfreude ist gross und gleich am ersten Abend gehts mit ihnen in den Paradise Beach Club zum Sundowner.
Eine tolle Location mit sehr freundlichem Personal und feinem Essen (Blue Marlin mit Avocado)
Da sind wir nun und erkunden die Insel mit dem Bus. Einen Bus stoppen ist super einfach: Entweder winken, oder vorbeifahrende Busse hupen und die Fahrer fragen, ob man mitfahren möchte. Wir lernen schnell, denn wer aussteigen möchte, ruft laut, klopft an die Scheibe oder aufs Blech – einen Ausstiegsknopf, den man drücken könnte, gibt es nicht. Oder man sagt gleich beim Einsteigen, wo man aussteigen möchte, dann hält der Bus auch. Die einfache Fahrt gibt es für 3,50 EC$ und beim Bezahlen wird das Geld von hinten nach vorne und zurück durchgegeben. Frischen Fisch dabei? Kein Problem, der wird während der Fahrt kurzer Hand in einer Schüssel zwischengelagert. Kleinkinder werden vor der Haustüre abgeholt und mitgenommen, Kurierdienstleistungen werden unter Einbezug der vorbeilaufenden Bevölkerung erbracht – alles ganz easy. Und der Bus hält auch dann, wenn keine Haltestelle zu sehen ist. All das funktioniert einwandfrei und ganz ohne Fahrplan. Wir sind begeistert.
Hier auf Carriacou möchten wir uns die Booster Impfung holen. Der erste Tipp erweist sich als Nullnummer, im Health Center gibt es keinen Impfstoff. Aber donnerstags, also heute, kann man sich im Hillsborough-Hospital impfen lassen. Also schwingen wir uns subito in einen Bus und düsen in die Hauptstadt. Vielversprechend ist auf dem Aufkleber im Innenraum zu lesen: (CAUTION) STUNT DRIVER – die Erwartungen sind hoch. Ja, er fährt ganz gut, aber den Weg zum Hospital kennt er nicht, da wäre uns ein „RALLYE DRIVER“ hilfreicher gewesen.
Das ist mal eine Ansage.
Nach zwei Kreisfahrten im Ort werden wir von einem mittlerweile mürrischen Fahrer einfach am Busterminal ausgeladen. 15.30 Uhr, wir müssen selber suchen wo das Hospital ist, das schliesst um 16 Uhr. Zum Glück lag es eigentlich nur um die Ecke hinter der Schule und so sind wir beide um 15.45 Uhr „gepfizert“ – kostenlos und unbürokratisch. Eine kleine Spende wird von der Ärztin gerne angenommen.
Carriacou Botanical Gardens war leider „Under Construction“, aber am Wegesrand gab es auch schöne Blumen zu sehen.
Tags darauf ziehen um in die Sandy Island Bucht. Sandy Island ist eine kleine unbewohnte Insel mit einigen Palmen und Mangroven drauf, die man in gut 30 Minuten umlaufen kann. Auf der Nordseite ist ein Wall aus abgestorbenen Korallen, die eine schöne Brandung erzeugen. Einzig Eremitenkrebse haben wir in allen Grössen gesehen. Touristen lassen sich mit Wassertaxis dort hinbringen, um zu grillen und zu chillen. Vor der Insel sind ein paar Sandflecken, der Rest sind kleine Riffe. Und da macht Schnorcheln so richtig Laune. Ich versuche den Fischschwärmen näher zu kommen und kann mich kaum satt sehen an den vielen bunten kleinen und grösseren Meeresbewohnern. Ich war mit der GoPro bewaffnet und bereit ein paar scharfe Bilder zu schiessen. Das Ergebnis ist eher ernüchternd mit meiner Ausrüstung, also geniesse ich nur.
Nur ein kleiner Schlag rüber nach Sandy Island. Der Eremitenkrebs und wir beide, sonst war niemand auf der Insel.
Abends kommen Peter und Judith an Board und wir spielen erneut TAC mit den beiden. Am Ende steht es 1:1, das heisst es wird irgendwo wohl eine Entscheidungsrunde geben.
Am Montag reisen die FANTASEA’s weiter Richtung Norden und wir machen uns nach Süden auf. Unser nächstes Ziel ist Grenada. Also gehen wir um 08.30 Uhr Anker auf und beschliessen unterwegs mal wieder die Angel auszuwerfen. Es hat relativ lang gedauert, aber dann schien sich plötzlich etwas zu tun. Die Leine schnurrte und Jan machte sich daran einzuholen. Zu der Zeit war es echt ungemütlich an Bord, eine dunkle Regenfront vor uns und RARE BREED wurde mal wieder zum Spielball der Wellen. Jan stemmte sich in den Heckkorb und kurbelte schweissgebadet unter grossem Kraftaufwand, um den Fang an Bord zu holen. Sein Ausruf „Da muss ein Buckelwal dranhängen“ machte mir kurzfristig etwas Sorge – wäre ja doch ein bisschen zu gross… Langer Rede kurzer Sinn – nach 20 Minuten rödeln war der Köder aus dem Wasser und es hing nur gelbes Seegras dran. Petri Dank 😜
Wir erreichen nach knapp 40 Seemeilen um 14.30 Uhr die Marina „Le Phare Bleu“. Und bereits um 16 Uhr geht’s rüber zu Gottfried und Sandra von der MOANA. Ich habe die beiden in Amsterdam das letzte Mal getroffen und Jan in L’Aber Wrach – welch eine Freude, die beiden wiederzusehen 😊
Zudem können wir bei ihnen unser neues Dinghy und den neuen Aussenborder (der jetzt bisschen mehr Horsepower hat) sichten. Gottfried hat uns beides netterweise besorgt, denn das ist hier grad Mangelware und sehr gefragt.
Unsere neue Familienkutsche, ein Highfield UL 260 mit einem Tohatsu 9.8 Motor dran.
Der erste Ausflug mit unserer Familienkutsche geht in die Whisper Cove Bay zum Sundowner und Pizzaessen. Die Fahrt dorthin ist etwas knifflig – entlang an gelben Bojen, damit wir nicht am Riff hängenbleiben und vorbei an Schiffswracks – und dauert normal nur ca. 20 Minuten. Wir haben mit dem neuen Motor im Schneckentempo doppelt so lang gebraucht – Gasstellung: Viertel, Halb, Viertel…. Motor einfahren. Bei der Rückfahrt in die Marina ist es stockfinster. Zum Glück sind die gelben Bojen mit Blinklichtern versehen und die beiden anderen Crews geben uns mit reduziertem Speed Geleit.
Von links nach rechts die Crews von „EXIT ONE“, „MOANA“ und „RARE BREED“
Mittlerweile habe ich die 2. Dinghyfahrstunde absolviert und bin mit Jan als Galionsfigur sogar ins Gleiten gekommen 😉
Jiiichaaaa – geht ab wie Nachbars Lumpi
Bei beiden Volvomotoren ist wieder mal der Ölwechsel fällig.
An der Steuerbordmaschine ist der Zugang relativ bequem.Fundstück des Tages: Ein tadelloser Werkstattwagen 😬 – TÜV-geprüft? Keine Ahnung…
Am Sonntag machen wir spontan mit der Crew von EXIT ONE einen Dinghyausflug nach Hog Island. Dort soll es die besten Hamburger geben. Wieder geht’s entlang der gelben Bojen, dann quer durch die Woburn Bay und unter einer Brücke durch, schon sind wir da. Hog Island kommt uns vor wie eine grosse Familie von Hippies und hängengebliebenen Yachties. Aus riesigen Boxen tönt Reggae- und Soca-Sound und die Luft ist von süsslichem Duft geschwängert. Wir würden an einem Stand gern was zu essen bestellen, müssen aber warten, bis der Grillbetreiber die Tüte für die Girls fertig gedreht hat, die vor uns da waren – first come – first smokes 🤓
Dann hat uns der Typ einfach vergessen – nicht nur einmal, ich glaub, Jan ging 4 Mal wieder zum Grill um unsere Bestellung zu erneuern. Irgendwann kam’s dann auch – Yo Man! An einem kunterbunten Stand haben wir unseren Obst- und Gemüsebestand wieder aufgefüllt. Wechselgeld – ja, haben wir bekommen – in Form von Bananen. Auch gut.
Hog Island ist einen Sonntagsausflug wert.Auf dem Rückweg überholt uns noch ein Dinghyhund.
Wissenswertes zur Marina Le Phare Bleu (das blaue Leuchtfeuer) und dem Lighthouse Ship
Die Geschichte des Feuerschiffs ist ziemlich spannend und Jan’s Ohren spitzten sich, als er den Werdegang gelesen hat. Das Schiff wurde 1900/1901 in Stockholm als „Lightship nr. 23“ gebaut und lief unter dem Namen Västra Banken. Bis 1970 war es in Schweden als Feuerschiff an 3 Orten im Einsatz: Kopparstenarna, Grundkallen und Västra Banken. Später diente es als Personalunterkunft und als Hausschiff und wurde 2005 zum 3. Mal verkauft, dieses Mal an die Besitzer von Le Phare Bleu. Diese liessen das Schiff in Rostock restaurieren und anschliessend auf einem Frachter nach Grenada bringen.
Ein Schiff mit Flair 🤩
Heute dient das Leuchtschiff den Yachties mit Dusch- und WC-Anlagen.
Ja, die Armaturen könnten schon etwas älter sein 😉
Le Phare Bleu ist auch ein herziges Ferien-Resort mit einem eigenen Strandabschnitt, einem Pool, Kayaks, Hobicats und einer Badeinsel im Hafenbecken. Alles in Bootsnähe und darf auch genutzt werden. Weiter gibts noch ein Restaurant mit feiner Küche. Wirklich schön hier. 😊
Hier gibt es den allerbesten Cold Brew-Coffee, man sitzt unter Palmen und hat den Blick auf die Bucht. Herrlich!
Geführt wird das La Belle Vie Café von Marc und Anni, beide aus Kanada und während Corona – zu unserer Freude – hier mit dem Boot hängengeblieben.
Der kleine aber feine Laden „Meat and Meet“ bietet so manchen Gaumenschmauss, wie frisches Fleisch, Fisch oder selbstgemachte Quiche. Lecker!
Hier führt ein aus Frankreich gestrandetes Ehepaar die Geschäfte. Es läuft auch immer gute Musik, während Gilles sein Fleisch filetiert.
Das Wichtigste: Freitagabends findet immer Karaoke im Lighthouse Ship statt. Anstelle auf dem Boot zu hocken beschliessen wir uns direkt vor Ort beschallen zu lassen. Und das war die absolut richtige Entscheidung. Es hat total Spass gemacht, Locals und Yachties, Gross und Klein, Alt und Jung beim Singen zuzuhören bzw. auch mal lauthals mitzugrölen.
Unsere Lieblingsinterpretin mit ihrer Soulstimme und der DJ rechts im Bild bei jedem Song mit Herzblut dabei.
Auch das gibt’s in der Marina zu sehen. Diese Yachties haben ihre Schiffe wohl schon länger nicht mehr bewegt.
Manche bleiben einfach hängen oder wenn Leinen lange Bärte wachsen. Vom Bewuchs an den Schiffen ganz zu schweigen.
Grenadinen statt Clementinen – Weihnachten in der Karibik
21.12.2021 – 11.01.2022 St. Vincent / Grenadinen, Logstand seit Start: 5289 Seemeilen
Welcome to Bequia!
Am Tag nach unserer Ankunft ging es mit der Einklarierung los. Über Funk habe ich angefragt, ob wir wegen Quarantäne usw. überhaupt von Bord dürfen. Alles ganz easy, einfach an Land fahren und zu «Daffodil’s Yacht Service» gehen, die hätten unsere Akte schon vorliegend. Gesagt getan, Dinghy ins Wasser, Motor dran und ab die Post. Nach knapp 19 Tagen zum ersten Mal wieder festes Land unter den Füssen zu spüren war ein spezielles feeling. Biggi musste zum ersten Mal im Leben das Beiboot anbinden und von dort auf den Steg rauf. Das alleine war schon eine kleine Herausforderung, in Kombination mit dem «schwankenden» Land ist sie fast umgefallen. Halb so schlimm, das Wasser ist ja schön warm hier 🙂
Funkanfrage vor dem Anlandgehen
Das ganze Prozedere war in wenigen Minuten abgeschlossen. Stand da nicht etwas von einem Health Check in den Einreisebestimmungen? Fehlanzeige! Einfach Zettel unterschreiben und Gebühr bezahlen, Passierschein erhalten und wir konnten quer über die Admiralty Bay zu den restlichen Behörden (Immigration und Customs) tuckern. Auch dort x Unterschriften und den üblichen Obolus bezahlen. Nach weniger als einer Stunde waren wir einklariert und hatten die Erlaubnis, für 30 Tage im Land zu bleiben. Fast schon eine Antiklimax nach all den Sorgen, Voranmeldungen usw. die wir noch in den Kanaren gemacht hatten. Aber besser so als an Bord Quarantäne machen zu müssen.
Impressionen von der Admiralty Bay, Bequia
Hier regnet es nahezu täglich – mal mehr, mal noch mehr. So auch am Tag nach unserer Ankunft. Es hat geschüttet, wie wenn jemand alle Himmelsschleusen aufgemacht hätte. Und das ganze Salz von der Überfahrt war somit auch vom Boot gewaschen. Wer braucht da eine Marina mit Wasserschlauch?
Bequia ist eine kleine und sehr beschauliche Karibikinsel. Es ist sehr sicher und die Leute sind hilfsbereit und aufgestellt. Wir haben uns sofort wohl gefühlt, sind überall rumgelaufen und haben uns an den farbenfrohen Häusern und den handgemalten Schildern erfreut. Egal wo wir durchgelaufen sind, wir haben uns niemals auch nur ansatzweise unsicher oder unwohl gefühlt.
Port Elizabeth, Dinghy Dock
Port Elizabeth, Bequia
Lower Beach, Bequia
Ausser ein paar Mal umankern bzw. an Bojen gehen haben wir das Boot nicht bewegt. RARE BREED ist zum schwimmenden Campinghäusle mutiert. Vorerst hatten wir keine Lust auf Segeln und haben uns auf Weihnachten gefreut. Hier lagen bzw. kamen noch weitere Schiffe aus unsere «Lossegler»-Gruppe dazu und allabendliche «Sundowner» wurden zur Regel. Nach drei Wochen auf dem Atlantik hatten alle das Bedürfnis mit anderen zusammen zu sein und das Erlebte zu verarbeiten. Logisch haben wir dann alle auch zusammen Weihnachten gefeiert. Statt Familie haben wir die Feiertage dieses Mal mit neu gewonnenen Freunden verbracht. Aber ausser Weihnachtsdekoration und dem ein oder anderen mitgebrachten Lebkuchen, ist eigentlich kein richtiges Weihnachtsgefühl aufgekommen. Aber das hat wohl niemand wirklich gestört. Der Reiz des Neuen, die Wärme, das warme klare Wasser und der allgegenwärtige «Soca»-Sound hat uns «Last Christmas» nicht vermissen lassen 😉
Weihnachten mit den Crews von TANGAROA, LILY und ROSA II
Ausser Früchten, Gemüse und etwas Frischwaren mussten wir nicht gross einkaufen. Unsere Vorräte sind immer noch prall gefüllt, was aber bei den hiesigen Preisen sehr angenehm ist. Wir fragen uns schon, wie die Leute hier zurechtkommen, denn vieles ist auf schweizer Preisniveau. Sogar die Früchte und das Gemüse ist relativ teuer. Und da wir mitbekommen haben, was die Einheimischen bezahlen mussten, wissen wir auch, dass sie von uns keine Fantasiepreise verlangt haben. Vermutlich läuft vieles über eigenen Anbau oder über Tauschgeschäfte. Wo es aber schon sehr krasse Unterschiede gibt, ist bei den Restaurants. Bei den bekannten Touristenrestaurants (wo man aber auch keine Einheimischen als Gäste sieht) kann man gut 100.- EC$ (ca. €33.-) für eine einfache Pizza zahlen. In kleinen unscheinbaren Restaurants bekommt man für 15-20 EC$ einen grossen Teller karibische Hausmannskost. Dort waren wir dafür die einzigen Touristen und die Einheimischen haben sich echt über unsere Begeisterung für ihre Küche gefreut.
Gemüsemarkt, Bequia
Das Leben an Bord ist hier auch ganz anders als in Europa. Es gibt fast keine Marinas, man liegt stattdessen vor Anker oder manchmal auch an einer Boje in einer Bucht. Das heisst, um an Land zu kommen muss man das Beiboot oder SUP nehmen oder schwimmen. Das Beiboot wird zum Autoersatz und ist ständig im Einsatz. Dabei geht es natürlich immer über welliges Wasser und alles wird mehr oder weniger nass. Das Salzwasser ist allgegenwärtig und alles ist leicht klamm und klebrig. Süsswasser ist dafür ein kostbares Gut, da es schlichtweg keinen Wasserhahn oder Schlauch gibt. Da es aber schön warm ist, braucht man viel weniger Kleider und so kann man mit einer kleinen Handwäsche die am meisten benützen Shorts, T-Shirts und Badesachen immer wieder auswaschen. Das Abduschen mit Süsswasser wird natürlich erst nach dem Abwaschen der Seife mittels Sprung ins Meer «erlaubt». Unser Badezimmer wird ohnehin nur noch zum Zähneputzen verwendet, die restlichen Waschaktivitäten passieren im Cockpit bzw. auf der Badeplattform.
Freiluftbadezimmer
Auch die Steckdosen sind hier draussen ziemlich dünn gesät und der benötigte Strom muss erst selber produziert werden. Jetzt zahlt sich unsere Investition in die Solarzellen und die Lithium-Akkus erst richtig aus. Wir haben immer genug Strom, um Wasser zu machen, zu kochen und alle elektrischen Verbraucher zu betreiben. Das ist ein enormer Luxus und gleichzeitig ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz, da wir für die Strom- oder Wasserherstellung keine fossilen Brennstoffe benötigen. Der Aussenborder braucht nicht sehr viel Benzin und unsere Dieselmotoren laufen wirklich nur zum An- oder Ablegen. Die Dieseltanks sind immer noch randvoll mit Diesel aus den Kanaren.
Bequia ist ca. 18 qkm gross und hat um die 5’000 Einwohner. An Sehenswürdigkeiten gibt es ausser Natur und einige Strände eigentlich nur eine Schildkrötenaufzuchtstation und das Bootsmuseum. Zusammen mit drei anderen Yachten haben wir uns ein Taxi (Sprich ein Pick-Up mit zwei Längsbänken und ein Dach über der Ladepritsche) organisiert und beides besucht.
Das Turtle Sanctuary wird von einem inzwischen 83-jährigen Mann betrieben. Er sammelt jedes Jahr einige Dutzend frisch geschlüpfter Karettschildkröten am Strand ein. Diese werden dann fünf bis sieben Jahre grossgezogen und als ausgewachsene Schildkröten ins Meer entlassen. Auch wenn es pro Jahr nur relativ wenige Schildkröten sind, hat es doch eine grosse Wirkung, denn die Überlebenschance der frischgeschlüpften Schildkröten liegen bei 1% – sprich von 100 Jungtieren wird nur eins das Erwachsenenalter erreichen. Bei ihm ist die Erfolgsrate sehr hoch, denn die Tiere lassen sich relativ einfach halten und grossziehen. Die kleinen werden mit Thunfisch aus der Dose, die grösseren mit Sardinen gefüttert. Er hat es auch mit den Leatherback Schildkröten probiert, aber diese ernähren sich von Quallen und fressen in Gefangenschaft nicht. Leider wird er seit einiger Zeit nicht mehr von der Regierung unterstützt und ist auf Spenden angewiesen. Auch die Nachfolge ist noch nicht ganz klar, aber er hofft, dass seine Tochter, die heute auf St. Vincent als Lehrerin arbeitet, das übernehmen wird.
Old Hegg Turtle Sanctuary
Karettschildkröten
Bequia hat vom IWC nach wie vor das Recht jedes Jahr vier Buckelwale zu erlegen. Das wird noch mit offenen Booten und Handharpunen gemacht und ist alle andere als ungefährlich. Es gibt immer weniger Personen, die die dafür benötigten Fähigkeiten und Kenntnisse haben und so wird manche Jahre kein einziger Wal erlegt. Da man zu Recht die Sinnhaftigkeit vom Walfang auf dieser Insel – die davon in keiner Weise abhängig ist – hinterfragen muss, ist zu hoffen, dass es bald ganz aufhört.
Das kombinierte Boots- und Walfangmuseum war gar nicht offen, aber durch die offene Bauweise vom Gebäude konnten wir trotzdem gut in den einzigen Ausstellungsraum reinschauen.
Nach etwa einer Woche im «Rummel» mit all den anderen Booten in Bequia hatten wir wieder den Wunsch nach etwas mehr Ruhe und sind zu den Tobago Cays aufgebrochen. Das ist ein weitläufiger Ankerplatz hinter einem grossen Riff (Horseshoe Reef) umgeben von ein paar unbewohnten Inseln. Hier lagen zwar auch viele Schiffe, aber durch unseren geringen Tiefgang konnten wir fast ganz vor bis zum Riff fahren und relativ einsam ankern.
Impressionen vom Ankern am Horseshoe Reef, Tobago Cays
Park Ranger, Boat Boys, Sicht aufs Riff, Zeichensprache beim Ankern
Lichtverschmutzung am Riff
Statt Landausflüge und Schiffsbesuche haben wir jetzt die Zeit gefunden ausgiebig zu schnorcheln und das SUP auszuprobieren. Das Schnorcheln war für Biggi Neuland. Vor Jahren hat sie das mal gemacht und jetzt hat sie es bei Strömung, kabbeliger See und viel Wind zum zweiten Mal probiert. Nachdem sie nach wenigen Minuten bereits Kofferfische und Rochen gesehen hat, war es um sie geschehen und sie ist fortan bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit Maske, Schnorchel und Flossen ins Wasser gesprungen.
Schnorcheln im türkisfarbigem Wasser
Aller Anfang ist schwer!
Eine kleines Fotoshooting haben wir natürlich auch gemacht 🙂
Wegen dem als «Christmas Winds» gekannten starken Passats in dieser Jahreszeit waren die offenen Ankerplätze in den Tobago Cays sehr unruhig. Der Anker hält im Sandgrund zwar bombenfest – beim drüber schnorcheln konnte man ihn gar nicht mehr sehen, so tief hatte er sich eingegraben- aber das Boot hat doch recht gerollt und geruckelt. Der Schutz vor der Atlantikdünung ist nur durch die Riffkante gegeben, die aber nicht die gesamte Dünung auffangen kann. Vor dem Riff liegt der offene Atlantik und der Wind pfeift ungehindert ans Boot. Aber das türkisfarbige Wasser und das Gefühl mit dem Boot auf weniger als 2m Wassertiefe über weissem Sand zu ankern ist schon einmalig. So eine einsame Silvesternacht ist wohl schwer sonst wo zu erleben. Statt Feuerwerk waren abermillionen Sterne über uns zu sehen.
Am Neujahrstag sind wir «um’s Eck» zur Insel Mayreau getuckert, wo wir das Silvesterdinner nachgeholt haben.
Mayreau, Saline Bay, Blick rüber zu den Cays
Nach einem kurzen Fussmarsch zur anderen Inselseite waren wir in der «Escapade Ranch» angekommen. Eine absolut einmalige Location am Strand mit Blick rüber zu den Tobago Cays. Als einzige (!) Gäste wurde uns ein sehr leckerer Lobster (Hummer) serviert. Das Strandlokal war liebevoll eingerichtet und hatte sogar eine offene Terrasse auf Stelzen direkt am Meer mit einer Schaukel. Wir hoffen, dass sie bald wieder mehr Gäste begrüssen können, denn es wäre wirklich schade, wenn diese Perle schliessen müsste.
Auf dem Weg zu Escapade Ranch
Fantastische Location!
… und fantastisches Essen!
Da auch der Ankerplatz auf Mayreau ziemlich unruhig (=rollig) war, haben wir nicht lange überlegt, als Marco und Kerstin von der Segelyacht ROSA II uns gefragt haben, ob wir nicht Lust hätten nochmals zu den Cays zu kommen um mit ihnen zu schnorcheln.
Das zweite Mal in den Cays sind wir nicht bis ganz zum Riff vor und haben im tieferen Wasser neben der ROSA II geankert
Sie sind mit ihren zwei Kindern Sofia und Jonas unterwegs. Die Kinder sind natürlich voller Energie und unternehmungslustig und so wurden es ein paar kurzweilige Tage mit Schnorcheln mit Rochen und Schildkröten, Strandwandern, Leguane suchen und ein Lobster-BBQ am Strand.
Stachelrochen am StrandLeguane und Eidechsen wo man hinblicktLobster BBQ
Die «Rosas» hatten wir schon in Bequia kennen gelernt und manche vergnügliche Stunde zusammen verbracht. Das ist wieder so ein Beispiel, wie man unterwegs innert kürzester Zeit Leute kennen und mögen lernt. Dadurch, dass wir – wortwörtlich – alle im gleichen Boot sitzen – entstehen Freundschaften innerhalb von Tagen, die so zuhause vermutlich nie zustande gekommen wären.
Nach einer guten Woche «in der Wildnis» wollten wir wieder nach Bequia hoch, um von dort den Absprung nach Martinique zu machen. Statt wie der erwartete (eher unangenehme) Kurs gegen den vorherrschenden Nordostwind wurden wir mit einem angenehmen Südostwind beglückt und sind unter vollen Segeln und mit wenig Welle nach Bequia gerauscht. Biggi sass dabei die längste Zeit vorne im rechten Bugkorb und genoss die Fahrt und den warmen Wind. Trotz Geschaukel ist ihr dabei nicht schlecht geworden und wir hoffen beide, dass das ein gutes Zeichen ist.
Auf dem Weg zurück nach Bequia
Traumsegeln!
Immer wieder Algenfelder
In Bequia kamen wir uns schon fast wie Heimkehrer vor und haben unsere morgendliche Wanderung über einen kleinen Trail am Wasser entlang über drei Strände wieder aufgenommen. Wir hatten damit angefangen, um etwas mehr Bewegung zu bekommen.
Princess Margaret Trail
RARE BREED – Das liegt doch auf der Hand!
Bei der letzten Wanderung hat uns ein schwarzer Hund begleitet. Obwohl ich Tiere an Bord eigentlich nicht gut finde, wäre ich hier fast schwach geworden. Wenn er nicht irgendwann wieder verschwunden wäre, weiss ich nicht, ob wir nicht plötzlich einen Bordhund gehabt hätten…
Mein neuer vierbeiniger Freund
Direkt neben uns war ein Partyfloss verankert. Am Samstagabend war dort der Bär los und wir hatten Soca-Sound bis in unser Cockpit. Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung und am Sonntagabend schwangen wir uns und alle anderen umliegenden Yachties in die Beiboote und fuhren zum Sundowner zum Floss. Dort draussen war die Lautstärke ohrenbetäubend und das Floss hat auch vor den Drinks ordentlich geschwankt. Irgendwie cool, wenn statt Autos x Beiboote auf dem «Parkplatz» angebunden sind.
…und die Party geht ab!
Nickerchen am Tag danach
Wir wollten eigentlich nach Martinique, um uns dort die Boosterimpfung zu holen und danach weiter nach St. Maarten segeln. Dort wollten wir unter anderem ein neues Beiboot kaufen, da unseres langsam Alterserscheinungen (=Lecks und versagende Klebstellen) zeigt. Die Sonne hier in der Karibik ist Gift für ein altes PVC-Boot und es ist nur eine Frage der Zeit, bis ihm endgültig die Puste ausgeht. Diese starke Sonneneinstrahlung halten nur Schlauchboote aus Hypalon langfristig aus. Da das Neue in unsere Davits (Beiboot-Halterung hinten am Boot) reinpassen und möglichst robust, aber trotzdem gleichzeitig so leicht wie möglich sein sollte, ist die Auswahl sehr begrenzt. Wegen Covid sind ausserdem die Lieferzeiten für neue Boote völlig unberechenbar, man muss also das nehmen was an Lager ist. Auf St. Maarten hatten sie noch ein passendes Modell an Lager. Also war klar, dass wir ziemlich zügig dorthin wollten. Aber wie so oft kommt alles anders…
Unsere Familienkutsche
Gottfried und Sandra von der MOANA lagen schon seit Weihnachten in Grenada und hatten dadurch einen guten Überblick was es dort so alles gab. Da er sich überlegte einen neuen (leichteren) Aussenborder zu kaufen, habe ich ihn gebeten auch wegen einem Beiboot für uns zu schauen. Da es dort genau unser Wunschboot (1/3 leichter als unser heutiges) und den passenden stärkeren Aussenborder gab, hat er kurzerhand beides für uns gekauft und wir unsere Pläne geändert und sind stattdessen nach Süden Richtung Grenada gesegelt.
Wenn sich jetzt jemand frägt, wieso wir auch einen Aussenborder gekauft haben: Unser 3.5 PS Modell ist bei dem Wind und Wellen an den Ankerplätzen hier etwas unterdimensioniert (wenigstens behaupte ich das immer, wenn ich Biggi auf alle die tollen schnellen Beiboote, die in Gleitfahrt an uns vorbeirauschen aufmerksam mache ;-)) Das Beiboot und der Aussenborder ist, wenn man fast nur vor Anker liegt, sowas wie ein Familienauto und da ist es natürlich schön, wenn man bei Bedarf auch grössere Strecken zügig zurücklegen kann.
Am 11. Januar sind wir von Bequia nach Union Island im Süden gesegelt. 30 Seemeilen herrlichstes Segeln. Der Wind ist hier so konstant und zuverlässig, dass man auch durch engere Passagen segeln kann, ohne Angst zu haben irgendwo abzutreiben oder aufzulaufen. Als Biggi sich etwas hinlegt hat, habe ich kurzerhand eine kleine «Abkürzung» zwischen der Insel und ein paar vorgelagerten Untiefen gemacht und bin ganz nah an Mayreau ran gesegelt. So macht das Segeln wirklich Spass!
Mayreau vorbei an der Saltwhistle Bay
Clifton Harbour, Union Island
Auf Union machten wir den für Grenada verlangten PCR Test, klarierten aus und tuckerten zur 11 Meilen entfernten Tyrell Bay auf der Nachbarinsel Carriacou, wo wir für Grenada einklarieren konnten. Der nächste Karibikstaat liegt vor uns.
02.12.21 / 14.00 Uhr bis 20.12.21 / 23.28 Uhr El Hierro, Porto De La Estaca – Bequia, Admiralty Bay Logstand seit Start: 5195 Seemeilen
Jippie – es kann endlich losgehen
Präpariert mit allen möglichen Mitteln gegen Seekrankheit (also ich), frisch geduscht und hochmotiviert (wir beide) legen wir bei Sonnenschein in El Hierro ab und starten mit sehr viel Wind im Rücken und ordentlich Welle (selbst für Jan) zu unserer ersten gemeinsamen Atlantiküberquerung. Eine zeitlang haben wir noch Mobilfunk und können uns per Sprachnachricht bei unseren Familien abmelden. Die ersten Tage bin ich so „beschäftigt“, dass ich ganz vergessen habe, mich wie vereinbart über das Iridium (Satellitentelefon) bei meinem Bruder zu melden. Ab dem 4. Tag auf See hat dann auch das geklappt. Jan und ich haben letztendlich beschlossen, diese Nachrichten ungekürzt als eine Art Tagebuch für diesen Bericht zu verwenden.
so 05.12.2021 09.11 Uhr hey bru wir sind nun den 4. tag unterwegs. das wetterrouting stimmt nicht so mit dem überein, was wir erleben 😉 jan nervt sich wegen der flauten, die sich direkt wieder mit starken böen abwechseln. und ständig dreht der wind. das heisst für uns, wir wechseln öfters von fock auf genua und umgekehrt. wir kreuzen in die karibik, aber wir kommen trotzdem gut voran. am freitag haben wir den spibaum ausprobiert. den zu montieren war das reinste abenteuer – er ist 6 m lang. kaum war er hochgezogen, ist das teil abgebrochen, dass am mast befestigt war. der spibaum schlug um sich wie ein besen aus harry potter. leggo mio, bis wir den wieder sicher verstaut hatten. aufregung pur. die letzten tage waren regnerisch und heute ist blauer himmel, herrlich. wir hatten bisher 2 schiffsbegegnungen. nicht viel los hier draussen 😉 schönen sonntag dir und liebe grüsse, biggi&jan (antworten sollte funktionieren)
Hinter uns ein Squall. Und rechts das abgebrochene Corpus Delicti vom Spibaum.
mo 06.12.2021 11.32 uhr hey bru 5. tag heute, im moment bei sonnenschein und generatorbrummen. die batterien müssen per geni geladen werden, da die sonne zu tief steht. gestern war eine sehr unruhige nacht. jan hat gelesen und ich hab ukulele geübt. auf einmal war jan draussen. ein squall hat uns erwischt und ich habs nicht bemerkt und fröhlich weitergeklimpert 😬. erst als jan triefend reinkam hab ichs geschnallt. wir hatten heftigen regen von hinten ins cockpit, wind bis zu 30 knoten und waren teils 16 (!) knoten surfen auf der welle. hammer! erst am morgen hat sich alles bisschen beruhigt. meine seekrankheit hält sich in grenzen und gestern konnte ich schon bananenpfannkuchen machen 🤤 zurzeit reisen wir mit 5 bis 6 knoten, das ist angenehm. delfine und wale haben wir bisher keine gesehen. kommt vielleicht noch. na denn, einen schönen tag für dich, bussi bri 😘
di 07.12.2021 12.02 uhr hey bru 6. tag auf dem atlantik. die nacht war sehr ruhig mit wenig wind und welle, wir sind aber trotzdem gut vorangekommen. jan meint, jetzt sind wir in tropischen gewässern angekommen, denn heute vormittag haben wir einen fliegenden fisch an deck gefunden. leider hat er es nicht überlebt, er hat sich beim aufprall den kopf eingeschlagen. habs mal einen tag ohne pflaster probiert – geht ned. aber mit ist es super. hab frühstück gemacht und den brotbackautomaten gefüttert. coole sache mit dem teil. als nächstes versuche ich jogurt zu machen, soll auch im brotbackautomat funktionieren. gestern hab ich wieder ukulele geübt. manche griffe sind gar nicht so einfach. spielst du die 4. saite auch mit dem kleinen finger, wenn die 3 anderen schon auf den übrigen saiten sind? da muss ich mal ein filmli gucken. anyway, uns geht es gut, alles in ordnung. wir hoffen, bei dir auch. bussi bri
Fliegender Fisch und liegender Jan
mi 08.12.2021 10.57 uhr hey bru 7. tag unserer überfahrt. die nächte werden immer länger. um 18 uhr geht die sonne unter – zack finster – und um 8 uhr morgens dämmerts langsam. heute nacht ist wieder der punk abgegangen. mit der welle surfen wir 12 bis 14 knoten. da schläft man nicht wirklich tief. aber wir holen das tagsüber nach. schiffsbegegnungen: 0, fischsichtungen: 1 fliegender fisch. ha! heute morgen habe ich rühreier gemacht in der pantry, ohne dass mir schlecht wurde. scopoderm sei dank! es ist so viel schöner, wenn ich auch was in der küche machen kann. hier läuft grad wieder der generator um die batterien zu füllen – es stinkt nach abgasen 😬. gestern hatte jan noch eine gute idee, wie wir die segel auch ohne spibaum, nämlich mit dem grossbaum (da zieht man normal das grosssegel hoch) ausbaumen können, es funktioniert super! ich bin praktisch mit mac gyver unterwegs 🙂 pfiadi
Sonnenaufgang um 8- Rühreier – naja, vielleicht eher Omelette 🙂 um 9 und überraschend ein Vogel am Himmel (…so weit draussen!).
Wer braucht schon einen Spibaum, wenn er einen Grossbaum hat 🤓
do 09.12.2021 16.51 uhr hey bru heute haben wir die ersten 1000 seemeilen geschafft, jetzt sind es noch ca. 1800 💪🏻 wir schreiben im logbuch immer auf, wieviele seemeilen wir in 24 stunden machen. das geht bei uns immer von 14 bis 14 uhr und nennt sich etmal. von gestern auf heute waren es 149 seemeilen, das ist ganz ordentlich 😉. der wind bläst stetig mit ca. 20 knoten und die wellenhöhe liegt bei ca. 2.5 metern (gefühlt 4 m). hab 2 lebensmittelmotten entdeckt und erlegt. jetzt kontrollieren wir alle behälter, um den biestern auf die spur zu kommen – gar nicht so einfach, aber muss gemacht werden. dummerweise haben wir keine mottenklebstreifen dabei, nur kakerlakenhotels, maus- und rattenfallen. ja nu, vergessen halt 😬. wenn wir nicht gerade auf ungezieferjagd sind, vertreiben wir uns die zeit mit lesen oder karten spielen. langeweile kommt keine auf. hoffe bei dir ist alles ok, die schule offen und alle gesund und munter!?! es grüessli von uns 😘
Schon wieder eine Regenfront. Und rechts im Bild eine der erlegten Motten 💪🏻
fr 10.12.2021 18.18 uhr hey bru etmal heute 145 seemeilen. wir kommen gut voran. manchmal guck ich unsere position auf google earth, unfassbar dass wir da unseren standort sehen – irgendwo im atlantik 🤓 und hammer, wie die zeit rennt, schon wieder freitag. die nacht war gut (1 schiffsbegegnung) und der tag heute war sommerlich warm. die langen hosen haben jetzt ausgedient und liegen unbeachtet neben den socken. gestern haben wir noch lebensmittelkontrolle gemacht und 2 tüten kleie, die noch nicht umverpackt waren, weggeschmissen. da war alles voller grusliger spinnweben und vermutlich die brutstätte der motten. bisher haben wir keine mehr gesehen. ich versuche mal samstag- oder sonntagabend dich anzurufen. bis dahin ein schönes adventswochenende. bussi bri 😘
Morgens 8.30 lässt sich die Sonne blicken. Teamwork beim Kochen. Und Sowosama (= Google Maps auf bayrisch)
sa 11.12.2021 17.07 uhr hey bru heute doch wieder mottenalarm! wir haben alle lebensmittel kontrolliert und jetzt meint jan, es könnten klamottenmotten sein 🙄 keine ahnung wie die aussehen. und schon haben wir wieder einen job gegen langeweile: kleider kontrollieren 🤓. etmal war heute 142 seemeilen. die ganze nacht und heute tagsüber elendes geschaukel und wellen von allen seiten. haben jetzt wieder die genua gesetzt, nun ist es etwas besser. fliegende fische hatten wir bisher schon 4 an bord. die armen kerle werden wohl von böen an deck geschleudert und schaffen es dann selbstständig nicht mehr zurück ins meer. landen tun sie bisher immer nachts und da können wir nix für sie tun 😔. heute hat es die sonne lediglich am morgen durch die wolkendecke geschafft. die sonnenzellen laden die batterien trotzdem, welch ein glück. denn so können wir das steuern unbekümmert dem autopilot überlassen! eine riesen erleichterung für uns. geht es ins konzert oder kino? geniesse es 🤗
So eine herrliche Morgenstimmung
sa 11.12.2021 21.38 uhr hey bru war schön, deine stimme zu hören 😊. es klang alles bissle abgehackt, aber besser als nix! deine nachrichten kommen leider nicht an. verstehen wir nicht, denn jans vater zum beispiel oder katrin konnten antworten. magst du mal versuchen, eine neue sms zu schreiben? vielleicht geht’s dann. hab grad noch geklimpert und es wird immer besser. hab schon leichten ansatz von hornhaut auf den fingerkuppen 😜. immer wenn es sich taub anfühlt mach ich pause. und jan, der kann super einschlafen daneben. ich hau mich jetzt auch aufs ohr. schlaf gut und danke fürs anrufen vorhin 😘
So geht glücklich 🙂
so 12.12.2021 17.58 uhr hey bru also für heute hatten wir genug action. jan war im bad und ich hab die borduhr um 1 h auf 07.15 uhr zurück gestellt, als just in diesem moment die ganze elektrik ausgefallen ist. es hat nur kurz piep gemacht, dann ging nix mehr. vor allem kein autopilot. jan ist raus ins cockpit und meinte, wir müssen jetzt von hand steuern. ok, ich also das steuer übernommen. als wenn das schon nicht reichen würde, hat uns noch ein squall erwischt. bis zu 40 knoten wind, regengüsse von hinten und das boot wurde zum spielball der wellen. echt heftig! hab ich gestern noch vom autopilot geschwärmt… nun ja, der ganze zinnober hat 1 h gedauert, dann war der squall durch und jan konnte alles wieder starten 🤓. scheinbar hat 1 batterie im sommer mehr schaden genommen als gedacht. jetzt laufen nur noch die wichtigsten gerätschaften. den 2. kühlschrank haben wir abgetaut und ausser betrieb genommen und den autopiloten neu eingestellt, dass auch der weniger strom braucht. ich sags dir, so ein schiff auf kurs zu halten unter den bedingungen – holla die waldfee. halt uns die daumen, dass das system hält für den rest der überfahrt. apropos, wir hatten bereits das „bergfest“, also die hälfte der strecke geschafft 💪🏻 das wird eigentlich immer begossen, aber dazu waren wir beide heute nicht in stimmung, das kannst du dir vielleicht vorstellen. und meine seebeine sind auch noch nicht gewachsen. das heisst, ohne scopoderm geht nix, mit ein wenig mehr 😜. ach ja, unser etmal war 149 seemeilen. damit sind wir sehr zufrieden. im moment rauschen wir mit 6 bis 8 knoten in richtung karibik. vor uns kreuzt seit 2 stunden ein segelboot namens salty fish, er gibt keine antwort am funk, bestimmt ein franzose 😬. 3. advent heute, zur feier des tages gibt’s den letzten lebkuchen. und heute nacht werden wir wieder abwechselnd wache halten. das mussten wir bisher nicht, aber sicher ist sicher. dir noch einen erholsamen abend und liebe grüsse, bri
Das macht einem schon bisschen Sorgen
mo 13.12.2021 18.35 uhr hey bru wir gehen ab wie schmitz katze 🤓. etmal 160 seemeilen. das sind im schnitt 6,67 knoten. heute war ein richtig schöner tag. einzig das wellentheater lässt uns rollen. türen schlagen auf und zu und kaffeetassen werden durch die pantry gewirbelt 😜. spaghetti mit lauch und schwammerl zu kochen hat über 1 h gedauert. aber geschmeckt hat es super 😋. unsere neue beschäftigung ist herauszufinden, welche wolken nun die passatwolken sind – keine ahnung! jetzt mache ich halt immer wieder wolkenfotos und wenn wir wieder netz haben, wird’s gegoogelt. schönen abend und schaukelgrüsse, bri
Abends halb Neun ist es wieder ruhiger. Und auf Maps sieht es so aus, als hätten wir die Hälfte. GOOD MOOD
Passatwolken: Isses die da, die da am Himmel steht, oder die da, die ganz schnell mit uns zieht…
di 14.12.2021 17.18 uhr hey bru wir hatten eine ruhige nacht und bisher einen sonnigen tag. wir starten morgens immer mit einem warmen getränk, sitzen im cockpit und schauen zu, wie die sonne aufgeht. seit gestern vormittag fährt eine ketch (2-master) parallel zu uns. nachts kam sie immer näher ran und heute morgen hat sie gekreuzt und war sehr gut mit dem blossen auge zu sehen. jetzt ist der abstand wieder grösser, sie verschwindet hinter der kimm (nicht mehr zu sehen aufgrund der erdkrümmung) und läuft laut ais wieder zu unserer linken. unser etmal betrug 145 seemeilen. da hätte ich viel weniger geschätzt, jan war mit seinen 140 seemeilen nah dran. die gute nachricht: es sind unter 1000 seemeilen bis bequia 🤓 zum kochen haben wir von strom auf gas umgestellt. also muss jan mindestens 2 bis 3 mal angegurtet aufs vorschiff klettern, um die gasflaschen im aussenstaufach auf- und zuzudrehen. wir laufen immer noch auf dem steuerbordbug. meist mit dem kleinen segel, der fock. zum testen obs was bringt haben wir sie um 13.30 gegen die genua getauscht. kein bisschen schneller, aber ein wenig bewegung für uns, wurde die genua wieder gegen die fock getauscht. im schiff hat es um die 32 grad, draussen im cockpit mit dem lüftchen von hinten angenehme 25/26 grad. sonnige grüsse, bri
Chillen im Cockpit
mi 15.12.2021 18.28 uhr hey bru unser etmal heute 125 seemeilen. wir sind etwas langsamer unterwegs, weil weniger wind geht. der vorteil: wir konnten direkt die gunst der stunde nutzen und wasser machen. dazu haben wir das segel eingerollt und unseren kurs auf 285 grad geändert, damit wir nur driften. und hier kommt wieder die ketch ins spiel, die wir seit tagen immer in der nähe haben. netterweise haben sie uns angefunkt um zu fragen, ob bei uns alles ok sei, weil kein segel gehisst ist. alles in bester ordnung und danke fürs nachfragen 😉. der wassermacher lief heute erstmalig unter fahrt (ohne segel ist unser speed immer noch um die 3 knoten) der ansaugschlauch bleibt bei der geschwindigkeit nicht freiwillig unter wasser, also hat jan kurzerhand 2 kilo blei drangebunden, dann ging’s 🤓 der auf- und abbau des schwergewichtigen wassermachers ist eine schweisstreibende angelegenheit. deshalb haben wir uns direkt mit einer süsswasserdusche belohnt 🤓 obwohl wir sehr sparsam mit wasser umgehen, war unser 400 l süsswasservorrat nach den letzten 12 tagen auf etwa 100 l geschrumpft. jetzt ist er wieder bumsvoll und gibt uns ein gutes gefühl. übrigens laufen wir seit heute auf dem backbordbug (segel auf der linken seite) und steuern direkt auf st. lucia zu – nicht mehr auf brasilien. unsere essenszeiten sind aufgrund der zeitverschiebung irgendwie durcheinander. die borduhr zeigt 16 uhr, mein magen knurrt und wir hatten noch kein mittagessen. das werde ich bald ändern. wir freuen uns auf wraps 😋. sonnige grüsse, biggi&jan
do 16.12.2021 20.46 uhr hey bru der 14. tag auf see 🤩 seit unserem letzten abend in santa cruz, la palma, rätseln wir von wem das lied „raindrops keep fallin‘ on my head“ ist. wird zeit, dass wir wieder googlen können 😬 die nacht war ok bis genau 01.07 uhr. ich hatte freiwache und schlief, als jan ziemlich laut rief: biggi, du musst raufkommen, es ist wieder passiert! in 0 komma 5 stand ich oben und sah, was jan meinte. für etwa 20 sekunden war der strom wieder komplett aus – also weder autopilot noch ais am laufen. gedanklich sah ich mich schon wieder von hand steuern, als wie von geisterhand auf einmal alle instrumente wieder liefen. puuh! noch schnell den kurs korrigieren und wieder auf autopilot stellen – fertig. mann waren wir froh. ich hab dann gleich die wache übernommen und jan ist in die koje gekrochen. der rest der nacht war ruhig. der heutige tag war durchwegs sonnig mit stetem wind von bis zu 20 knoten – perfektes segelwetter 😉 unser etmal betrug 139 seemeilen und um 12.11 uhr kanarenzeit haben wir die 2000-seemeilen-marke geknackt. die borduhr haben wir erneut um 1 h zurückgestellt. zum essen gabs bratkartoffel mit lyoner und coleslaw 😋 du siehst, immer was los hier auf der rare breed – ob wir wollen oder nicht 😉 hab micha und kili noch glückwünsche geschickt und er konnte sogar antworten. so doof, dass es bei dir nicht klappen mag 😔
Ordentlich Welle heute
Hm, manchmal funktioniert es …
fr 17.12.2021 17.44 uhr hey bru heute ist es ein grauenhaftes geschaukel 🤪. eigentlich schon seit heute nacht. am morgen hab ich wasser gekocht für tee und kaffee. war das schon eine herausforderung, dass der topf nicht vom herd sprang. jans kaffee war save im thermosgefäss, mein tee in einer tasse und stand wo er immer steht, auf der ablage zum salon. wir sind so stark in eine welle gekracht, dass meine tasse einen satz gemacht hat und sich der tee über die salonbank und am boden bis zum navitisch ergossen hat. ächz, in zweierlei hinsicht! kein warmes getränk für mich und eine riesensauerei im schiff 🙄 die gute nachricht: unser etmal 157 seemeilen 💪🏻 und „nur“ noch 490 seemeilen bis bequia ⛵️ dafür brauchen wir ca. 3 ½ tage. yes! einen guten start ins wochenende 🤗
Läuft bei uns – mit 4711 (2200 Seemeilen geschafft) und ein Vollmondbild
sa 18.12.2021 17.43 uhr hey bru tag 16 – es geht voran 🤓 etmal 150 seemeilen. die gute nachricht: gemäss wetterrouting wird uns der wind auch in den nächsten tagen mit bis zu 20 knoten die segel aufblähen. wir fahren den perfekten kurs nach bequia – leider ist uns barbados im weg. ob wir nördlich oder südlich daran vorbeigehen wird sich zeigen. allerdings, wenn wir weiter diesen speed fahren würden, wären wir irgendwann in der nacht am ziel 😬 schneller können wir nicht, aber bremsen geht immer. momentan gehen wir davon aus, dass wir am dienstag unser ziel erreichen werden. also nur noch 3 schaukelnächte 🤓 es bleibt spannend 😉 du bist ja schon im endspurt vor den weihnachtsferien. ich hoffe, die schule ist noch immer offen und gut besucht!?! geniesse dein wochenende, bussi bri 😘
Der vorletzte Sonnenuntergang auf See
so 19.12.2021 18.56 uhr hey bru tag 17 🤩 unser etmal betrug 143 seemeilen. nachdem ich gestern noch problemlos für uns gekocht hatte, gings heute gar nicht gut. kalter schweissausbruch schon beim wasser kochen 🙄 erholung gabs anschliessend im cockpit bei einem warmen getränk 😬. wir haben beide so aufs wasser geguckt, als ich tropfen spürte. kaum ausgesprochen: „du, es regnet“ hatte uns der squall schon voll erwischt. regen peitschte von hinten quer ins cockpit, das licht änderte sich von strahlend sonnig auf total difus und der wind pustete ordentlich ins segel. so gut es ging haben wir alles in sicherheit gebracht und dann abgewartet bis das schauspiel vorüber war. ich hab noch versucht, was bildlich festzuhalten, aber es kommt irgendwie nicht so gut rüber. das gleiche gilt übrigens für vollmondbilder. das habe ich gestern ausprobiert. ein wunderbares licht, dass sich auf dem wasser spiegelt und man sieht enorm viel! sodele, noch 70 seemeilen bis zum nordkap von barbados! das heisst, die erste landsichtung wird heute am frühen abend sein 😉 unter 200 seemeilen bis bequia – auf zum endspurt 🤓. schönen sonntagabend dir und morgen einen guten start in die letzte arbeitswoche 😊😘
Einfach ein phänomenales Licht in der Nacht
mo 20.12.2021 14.25 uhr hey bru tag 18 ⛵️ letzte nacht sind wir stundenlang bis in die frühen morgenstunden an barbados vorbeigesegelt. so um 08.00 ist die insel im dunst hinter uns verschwunden. der wind hat nachgelassen und weht noch mit 7 bis 10 knoten. wir kommen noch mit 4 bis 5 knoten voran. unser etmal war 149 seemeilen. bis bequia sind es noch ca 50 seemeilen (gute 90 kilometer). das heisst, wir werden in 10 bis 11 stunden dort ankommen. wir geniessen den letzten tag unserer atlantiküberquerung bei ganz wenig welle (und ganz wenig geschaukel 🤓) und beobachten fliegende babyfische und möven. relaxen und den bauch in die sonne strecken ist angesagt. gechillte grüsse 🤗😘
di 21.12.2021 00.21 uhr hey bru um 23.28 uhr ortszeit sind wir glücklich und zufrieden in der admiralty bay von bequia vor anker gegangen. jetzt wird ne runde geschlafen 🤓. dir einen tollen start in den tag 🤗😘⛵️
Daten und Fakten
Reisezeit: 18 Tage 13 Stunden 28 Minuten Motorstunden: 2,5 Gesamtstrecke: 2684 Seemeilen Bestes Etmal: 160 Seemeilen Durchschnittsgeschwindigkeit über die gesamte Strecke: 6 Knoten Topspeed: 16,5 Knoten Gefangene Fische: 0 (Könnte daran liegen, dass wir nie Lust zum Fischen hatten)
Mein Fazit der Reise
Bedingungen Der Wettergott war uns sehr gnädig – kein Sturm oder Gewitter, keine Flaute. Bis auf die Hafenmanöver und zum Wasser machen sind wir unter Segel unterwegs gewesen. Eindrücke ALLES war eindrücklich für mich. Nur wir, der Himmel und das Meer. So viel Wasser um unser kleines Boot, mehr Meer geht nicht! Die Kraft der Wellen, wenn wir mit bis zu 16 Knoten gesurft sind und uns ungläubig angeguckt haben. Erschrocken, wenn das Wasser nicht nur ein Mal wie Beton an die Unterseite vom Brückendeck geknallt ist. Fasziniert über Wolken, die über uns hinweggezogen sind, uns begleitet haben und sich das ein oder andere Mal über uns nahezu in einem Schwupp geleert haben. Genossen, dass es mit jedem Tag den wir unterwegs waren merklich wärmer wurde. Gestaunt über den Neumond, der die unfassbar unzähligen Sterne erst so richtig zum Leuchten gebracht hat. Gefreut über den Vollmond, der sich hinter uns im Wasser spiegelte und ausserdem eine super gute Sicht bescherte. Und Jan’s Kommentar zu alldem ganz trocken: Und das alles, nur weil sich die Erde dreht. Ich mag seine Art von Humor 🙂 Nebenwirkungen die mir weder Arzt noch Apotheker vorhergesagt haben: Seit der Atlantiküberquerung schmeckt mir weder Kaffee noch Bier (!) oder sonstiger Alkohol 🤪 Mal sehen, ob sich das wieder gibt. Stimmung an Bord Hervorragend 🙂 Wir haben oft gelacht, so gut wie nie gezankt und Langeweile ist nie aufgekommen. Wir hatten Zeit zum Kartenspielen, oder ich hab Jan vorgelesen und allabendlich auf der Ukulele was vorgeklimpert (Blowing in the wind, ein Garant, dass er eingeschlafen ist 🤓). GoodNews Ich bin mitten auf dem grossen Teich wieder Grosstante geworden! Herzlich Willkommen Georg, hast dir tolle Eltern ausgesucht 😊 Nice to know Das Lied „Raindrops Keep Fallin‘ on My Head“ wurde 1969 von Hal David und Burt Bacharach für den Film „Butch Cassidy an the Sundance Kid“ geschrieben, Interpret B. J. Thomas – Google sei Dank 🤓 Nicht so toll Auch während dieser Reise sind mir dummerweise nicht wirklich Seebeine gewachsen. Darum hab ich meistens oben im Salon geschnibbelt und Jan hat in der Pantry alles in die Pfanne gehauen. Wir sind mittlerweile ein eingespieltes Team. Wiederholungsgefahr Würde ich es wieder machen? Ja, aber vielleicht nicht gleich nächste Woche. Aber wenn, dann auf jeden Fall mit Jan – Danke, dass du mich auf dieses Abenteuer mitgenommen hast.
15.11.-02.12.2021 La Gomera – La Palma – El Hierro, Logstand seit Start: 2511 Seemeilen
Wir sind vor ein paar Tagen in Bequia angekommen, wieder online und gehen zurück zum 15. November 2021.
Nach der ersten Nacht vor Anker an der Südspitze von Lanzarote war uns klar, dass wir hier nicht allzu lange bleiben wollten. Die Bucht war zwar schön anzusehen, aber so rollig, dass wir uns vor Anker wie beim Segeln vorkamen. An Land zu gehen war bei den Brechern am Strand auch ausgeschlossen wenn wir nicht das Risiko eingehen wollten mit dem Dinghy zu kentern. Also fragten wir bei den nächsten Häfen auf unserer Route nach Südwesten wegen einem Liegeplatz an und bekamen überall die gleiche Antwort (so sie denn überhaupt antworteten) «Sorry we’re full!». Es war Hochsaison und offenbar gar nicht so einfach einen Hafenplatz für einen Katamaran zu bekommen. Nachdem wir auf La Gomera eine Zusage bekamen (allerdings für max. 7 Tage) beschlossen wir, unseren ursprünglichen Plan per Inselhopping durch die Kanaren zu segeln, aufzugeben. Stattdessen gingen wir nun in einem Schlag auf direktem Weg, vorbei an Fuerteventura, Gran Canaria und Teneriffa nach La Gomera, zu unserem geplanten Endziel vor der Atlantiküberquerung. Dann geht es halt eine Woche früher rüber als ursprünglich geplant, aber das war uns eigentlich auch recht. Und wir freuten uns auf ein paar Tage Sightseeing auf La Gomera als Ausgleich für den ausgefallenen Inselhoppingtörn.
Bye, bye Lanzarote
Nach einer sehr ruhigen Nachtfahrt, meistens unter Motor, da die Winde zu schwach waren um unter Segel rechtzeitig bei Tageslicht anzukommen, legten wir uns am Nachmittag des 18. November in den letzten freien Katamaranplatz in San Sebastian auf La Gomera. Jetzt hatten wir sieben Tage Zeit um das Boot atlantikklar zu machen und noch ein wenig von La Gomera zu sehen.
Unser Liegeplatz für sieben Tage in La Gomera
Auf der Überfahrt dorthin war mir ein komisches Quietschen im Mast aufgefallen. Jedes Mal, wenn der Wind das Vorsegel blähte hat es im Masttop gequietscht. Das musste unbedingt vor der Atlantiküberquerung angeschaut werden. Am Freitag konnten wir einen Riggspezialisten auftreiben, der am Samstagmittag in den Mast hochgehievt wurde. Der Grund für das Quietschen war schnell gefunden und mit etwas Fett behoben, aber was er noch entdeckte, hat uns fast die Sprache verschlagen: Der Bolzen, der die Umlenkrollen für das Grosssegelfall und die Dirk (beides Seile, die elementar sind, um das Grosssegel verwenden zu können bzw. den Grossbaum daran zu hindern runter zu fallen), war schon halb draussen. Beide Umlenkrollen waren rausgefallen und die Seile hingen nur am Bolzenrest bzw. am Ausschnitt im Alumast. Beide Seile waren schon ziemlich schwer beschädigt und kurz vor dem Brechen und es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen bis uns entweder das Grosssegel geklemmt hätte oder der ganze Baum runtergefallen wäre. Wie den Galliern der Himmel wäre uns womöglich der Baum auf den Kopf gefallen und zwar höchstwahrscheinlich irgendwann während der Atlantiküberquerung… Nach einigen Stunden Aufwand waren wir nicht nur emotional, sondern auch um ein paar Hundert Euro erleichtert, aber hatten dafür das gute Gefühl einen Schaden rechtzeitig entdeckt und behoben zu haben, um schlimmeres zu verhindern.
Bilder einer drohenden Katastrophe im Masttop
Für Dienstag hatten sich Freunde aus Deutschland, die gerade auf Teneriffa Ferien machten, bei uns zu Besuch angemeldet. Sie wollten mit der Fähre rüberkommen und wir würden zusammen eine Wanderung machen. Das liess uns noch zwei Tage Zeit, um das inzwischen leck geschlagene Beiboot zu flicken und die noch fehlenden Lebensmittel für die Atlantiküberquerung einzukaufen. Als Abfahrtstermin war Donnerstag, der 25. November geplant.
Bei Gesprächen mit anderen Seglern war plötzlich die Rede von einem herannahendem Sturm. Das hat mich bewogen, schon am Wochenende die Wetterprognosen zu studieren. Und tatsächlich: Ein für diese Jahreszeit und die Gegend völlig untypischer Tropensturm war im Anzug. Das rotierende Tief «Karim» sah alles andere als lustig aus. In den Kanaren wurde für Teneriffa, La Gomera, La Palma und teilweise Gran Canaria «Warnstufe Gelb» ausgesprochen. Es wurde vor Windstärken mit bis 60 Knoten (ca. 110 km/h) und bis zu vier Meter hohen Wellen gewarnt. Und das sollte kurz nach unserer geplanten Abfahrt über die Kanaren und damit zwangsläufig auch über uns draussen auf dem Atlantik hereinbrechen.
Zitat von Sebastian Wache von Wetterwelt.de, Windstärken und Wellenhöhen in der Wetterapp
Also mussten wir schauen, welche Optionen uns blieben. Bewusst in den Sturm reinlaufen – No Way! Ein Sprichwort sagt: Es gibt alte und es gibt mutige Segler. Es gibt aber keine alten mutigen Segler. Also – No Way! Im Hafen San Sebastian bleiben ging auch nicht, da uns – trotz der Sturmwarnung! – keine Verlängerung gewährt wurde. Der einzige Hafen, der noch Platz hatte und uns eine Reservation anbot war Santa Cruz auf La Palma. La Estaca auf El Hierro hat gar nicht geantwortet, wäre wohl aber noch frei gewesen. Bei der Wettervorhersage auf gut Glück nach El Hierro zu segeln war uns aber zu riskant und wir entschieden uns für La Palma. Der Vulkan war ja weit auf der anderen, westlichen Inselseite und der Hafen und der Flughafen an der Ostküste waren ja offen.
Um bei den noch schwachen südlichen Winden nach La Palma zu kommen, haben wir uns schweren Herzens entschieden, den Freunden samt Ausflug abzusagen und sind frühmorgens am Dienstag, den 23. November nach La Palma gefahren. Die See war spiegelblank und kein Windhauch hat die Wasseroberfläche gekräuselt. War das die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm?
Kurz vor La Palma wurde RARE BREED das erste Mal mit Vulkanasche gepudert… Wenn wir da schon gewusst hätten was uns die nächsten Tage bevorstehen sollte, ich weiss nicht, ob wir nicht lieber den Sturm genommen hätten?
Masken gegen Vulkanstaub sowie Corona in La Palma
Der Vulkan liegt südwestlich von Santa Cruz und die ganze Aschewolke hing über die Stadt. Man konnte förmlich zuschauen, wie alles langsam von der runterrieselnden Vulkanasche schwarz wurde. Am ersten Abend haben wir das Schiff bis lange nach Einbruch der Dunkelheit mit Wasser abgespritzt, um die Asche von Bord zu bekommen. Als wir am nächsten Morgen aufwachten war wieder alles voll. Und so ging es vier Tage lang bis der Wind endlich auf Nordost kehrte. Am Mittwoch nach unserer Ankunft war es wenigstens noch warm und sonnig, aber danach fielen die Temperaturen und es setzte ein Dauerregen ein, der uns die restliche Zeit auf La Palma begleiten sollte. Entgegen meiner naiven Vermutung, dass der Regen die Situation verbessern würde, geschah das genaue Gegenteil – er wusch noch mehr Asche aus der Luft und unser Boot versank im schwarzen Regen.
Asche, Asche, Asche….Paddington Bär?Schwarzer AscheregenRegenbogen im Hafen von La PalmaRaindrops keep falling on my head…Santa Cruz de La Palma ist für seine verschnörkelten Balkone bekanntStadtbummel bei „Traumwetter“….
Da wir an der Situation sowieso nichts ändern konnten, haben wir uns wenigstens zwei Mal ein Auto gemietet und konnten endlich mal etwas Sightseeing machen. La Palma ist wunderschön! Wir sind auf unserer Nordtour durch Urwälder aus Lorbeerbäumen und Farnen gewandert und bestaunten die grössten Pinienwälder Europas.
Impressionen vom nördlichen Teil von La Palma
Wir erkundeten mit einem Fiat 500 (eine Rakete! Bergauf im 2. Gang mit 30 km/h) auf der Südtour die überall vorhandenen Bananenplantagen, besuchten schwarze Vulkanstrände und Felsen und picknickten mit Stechmücken und unzähligen roten Krabben am Strand von El Aljibe.
Unsere Rennsemmel trug uns (wenn auch mit spürbarer Anstrengung) um den Südteil von La PalmaBananen soweit das Auge reichtAlles Banane oder was?
Und wir sind nachts auch in die Nähe des Vulkans Cumbre Vieja gefahren, um die Lavaströme und den Ausbruch live zu sehen. Extra «Vulkantourismus» zu betreiben finden wir fragwürdig, aber da wir schon hier waren, wollten wir uns dieses einmalige Naturschauspiel nicht entgehen lassen. Es war übrigens erstaunlich, wie «cool» und gelassen die Leute auf La Palma mit dem Vulkanausbruch umgingen. Niemand wirkte nervös oder ängstlich, das Leben schien seinen normalen Gang zu gehen (bis auf die Tatsache, dass die Leute hier konsequent auch draussen Maske trugen), wenigstens auf der Ostseite der Insel. Bei den Menschen, die näher am Vulkan leben, die Gase und Asche aushalten müssen oder womöglich sogar ihre Häuser und Lebensgrundlagen verloren haben sieht das natürlich anders aus. Diese Leute tun einem unheimlich leid und es ist nur zu hoffen, dass es bald ein Ende hat und die gespendeten und gesammelten Hilfsgelder sinnvoll eingesetzt werden können. (Aktuelle Meldung: Seit 25. Dezember 2021 ist der Vulkanausbruch laut Behörden offiziell beendet – Dauer der Eruption 85 Tage und 18 Stunden)
Eruption, Lavaströme und „glühende“ WolkenDer Rauch vom Vulkan hing sogar im Tunnel
Karim – ach ja, der hat sich übrigens «in Luft aufgelöst» und aus den angesagten Sturmwinden wurde nur ein manchmal etwas frischer Wind. Wenn wir das vorher gewusst hätten…
Während der Tage auf La Gomera und La Palma kam uns immer öfter der Gedanke, die Atlantiküberquerung um ein Jahr zu verschieben und stattdessen ein Jahr die Kanaren zu bereisen. Es gab hier soviel Schönes und wir hatten bis jetzt noch fast nichts davon gesehen. Seit dem Losfahren im Juni waren wir ständig unter Druck weiter zu kommen oder hatten die Hafenzeiten für Reparaturen und Besorgungen verwendet. Urlaub, Land und Leute kennen zu lernen ist immer viel zu kurz gekommen. Wir waren – so komisch es manchem vielleicht vorkommen mag – ausgelaugt und gestresst. Die Vorstellung, ein paar Monate hier zubleiben war durchaus reizvoll. Was uns aber schlussendlich dazu bewog doch weiter zu fahren, war die Tatsache, dass es eben nicht nur ein paar Monate, sondern ein ganzes Jahr hier werden würde. Wegen der Wirbelstürme im Sommerhalbjahr macht es keinen Sinn mehr in die Karibik zu segeln und zu den Azoren oder ins Mittelmeer wollten wir jetzt (noch) nicht. Und schlussendlich hatten wir uns und das Boot so gut auf diese Überquerung vorbereitet, dass es irgendwie schade gewesen wäre, sie jetzt nicht zu machen.
Also doch über den Atlantik, aber vorher mussten wir irgendwie diesen ganzen Aschestaub loswerden. Inzwischen sah auch das Wetter wieder gut aus. Also wurde geplant.
Wegen Corona muss man schon vor der Abfahrt diverse Anmeldungen und Dokumente an den Zielort in der Karibik schicken. Je nach Land sind die Formalitäten unterschiedlich, aber allen gemeinsam ist, dass nur vollständig Geimpfte MIT einem negativen PCR-Test, der frühestens 72 Stunden vor dem Verlassen des Abfahrtshafens gemacht werden muss, reingelassen werden.
Die Papiere von den spanischen Behörden für die Karibik mussten besorgt, ein PCR-Test gemacht werden und zwar alles nicht länger als 72 Std vor Abfahrt. Tricky, da alles nur mit Voranmeldung über spanische Webseiten möglich war. Am Montagmorgen, am 29. November haben wir ausklariert, am Mittag den PCR-Test gemacht und am Dienstag vor Sonnenaufgang sind wir Richtung El Hierro ausgelaufen.
Ausfahrt aus Santa Cruz de La Palma vor Sonnenaufgang
Als wir nach einer schnellen (Rückenwind :-)) Reise nachmittags in El Hierro ankamen, kamen auch die Mails mit den Resultaten der PCR-Tests an. Bingo, die Rechnung ist aufgegangen! Dienstagabend und der Mittwoch gingen drauf, um RARE BREED innen und aussen zu putzen, inkl. alle Segel, Leinen usw. vom besagten Aschestaub zu befreien. Als Stegnachbarn hatten wir Peter und Judith von der FANTASEA, mit denen wir uns auf Anhieb sehr gut verstanden haben. Es ist immer schön, dass die Kontakte unter Langfahrtseglern so schnell geknüpft sind. Man hat ja nur wenig Zeit um sich kennen zu lernen, aber für ein gemeinsames Mittagessen und abendlichen Klönschnack hat es gereicht.
Die FantaSea mit Peter und Judith
Die meisten Boote hier waren entweder lokale Boote oder Langfahrtsegler, die sich auf die Atlantiküberquerung vorbereiteten. Jeden Tag liefen zwei bis drei Boote aus und wurden von den anderen mit Jubelgeschrei und Gehupe verabschiedet.
Zwei Stunden vor Abfahrt
Am Donnerstag, den 2. Dezember um 14 Uhr – genau 73 Std nach den Tests (fast geschafft, aber unser «Abwaschstopp» in El Hierro war ohnehin incognito ;-)) sind auch wir unter lautem Abschiedsgetröte von den anderen Booten zur Atlantiküberquerung ausgelaufen. Ca. 2’800 Seemeilen (etwa 5’200 km) bis Bequia in den Grenadinen lagen vor uns.
…unterbrechen wir die gewohnte chronologische Berichterstattung um euch darüber zu informieren, dass wir morgen von El Hierro aus zur Atlantiküberquerung ansetzen. Wir rechnen mit einer Reisedauer von ca. drei Wochen. Wenn alles klappt, melden wir uns in gewohnter Form, wenn wir drüben angekommen sind (und eine lokale SIM-Karte besorgt haben).
Die Vorhersage aus dem Wetter Routing Programm sieht gut aus. Mal sehen, ob das Wetter sich auch daran hält…
Den Liegeplatz in der Marina in Lanzarote haben wir bis zum 15. November bezahlt, also blieben uns ziemlich genau zwei Wochen nach unserer Ankunft Ende Oktober, um unsere To-Do-Liste abzuarbeiten, bevor wir wieder loswollten.
Der Sattler, der unser Bimini (Stoffabdeckung über dem Cockpit) bis zu unserer Rückkehr hätte fertigmachen sollen, hatte das alte Bimini zwar abgenommen, aber das Neue war – was zu erwarten war – natürlich noch nicht fertig: „Waaas, ihr seid schon hier, ich dachte, ihr kommt erst im November?!?“. Das Wetter war wunderschön sonnig und windstill, was nach dem Morgenfrost der letzten Tage in Bayern hochwillkommen war, aber so ganz ohne Beschattung stieg das Thermometer im Bootsinneren teilweise auf über 35°! Das war dann des Guten doch etwas zu viel. Ja, ja ich weiss, bei den meisten Lesern wird das angesichts des Novemberwetters zuhause nur mässiges Mitleid auslösen ;-).
Die vielleicht dringendste Aufgabe nach der Rückkehr: Das Boot aussen vom allgegenwärtigen Saharasand und Staub zu befreien, damit wir das nicht dauernd ins Boot schleppten. Da Sand bekanntlich den Gesetzen der Schwerkraft gehorcht, bin ich mitsamt Wasserschlauch in den Mast hochgeklettert und habe von oben runter alles wo ich hinkam abgespritzt, um danach mit dem Deck weiter zu machen. Wenn ich damals schon gewusst hätte, wieviel schlimmer Vulkanasche als Sand ist, hätte ich diese Arbeit wohl genossen.
Um Platz im Boot zu schaffen, wurde alles was an Deck gehörte, wie die Rettungsinsel, Rettungskragen, Leinen und auch die Segel so schnell wie möglich raus- und wieder angebracht bzw. angeschlagen.
Danach ging es innen weiter. Es hatte sich bei längerer Motorfahrt immer etwas Wasser im rechten Motorraum angesammelt, nicht viel, aber ich wollte die Ursache finden. Also haben wir die ganze Gästekabine ausgeräumt, damit ich an die Rückwand und an den dort befindlichen Deckel zum hinteren Teil des Rumpfes rankam. Dort verläuft der Abgasschlauch und dessen Ende, welches zum Motorraum hinging hatte tatsächlich Spuren von einem Leck. Das heisst, das Wasser kam nicht von aussen rein, sondern wurde vom Motor während des Laufens „produziert“. Seitdem die Schlauchschellen vom Abgasschlauch nachgezogen sind, scheint es jetzt dicht zu sein – toi toi toi, dass es so bleibt.
Als wir eh schon an diesem schlecht zugänglichen Ort waren, hat Biggi gleich in mühevoller Kleinarbeit den verrosteten Ruderquadranten entrostet und geschmiert.
Vorher – nachher!
Unsere Dauerbeschäftigung – Lebensmittel bunkern und umstauen – kam auch dieses Mal nicht zu kurz. Wollten wir jetzt doch das Boot im Hinblick auf die Atlantiküberquerung und die Zeit in der Karibik fertig verproviantieren. Konserven und Grundnahrungsmittel haben wir immer noch mehr als genug vom Rieseneinkauf in Neustadt an Bord, jetzt ging es mehr um „Details“ wie spanischer Rotwein, Olivenöl usw. Insbesondere der Wein war ein Thema. Da Flaschen an Bord aus gewichtsgründen generell vermieden werden, hatten wir meistens Wein in Kartonboxen an Bord. Komischerweise gab es aber davon fast keinen mehr in der Bilge (der Raum unter den Bodenbrettern – quasi der Keller). Aber hier in Spanien gibt es den bei Seglern wohlbekannten „Don Simon“ in Einliterbriks mit Schraubverschluss. Nach einer Verkostung wurde von der gesamten Mannschaft einhellig entschieden zulasten vom Bier den vorhandenen Stauraum eher mit Rotwein zu füllen. Dass wir bereitwillig weniger Bier mitnehmen hat einen guten Grund: Während unserer Abwesenheit sind mehrere Dosen vom „Faxe“-Bier in der Bilge leck geschlagen und ausgelaufen. Die ausgelaufene Sauerei stank zum Himmel und hat zu einer explosionsartigen Vermehrung von Fruchtfliegen geführt. Noch Tage nach dem Reinigen schwirrten die ungebetenen Gäste im Schiff rum. Unser Vertrauen in Bierdosen ist seither etwas angeknackst.
Wie schon im Sommer war auch jetzt kein Mietwagen zu bekommen und so fiel einerseits das erhoffte Sightseeing aus, aber auch die Einkäufe mussten alle zu Fuss angeschleppt werden. Während ich an Bord oder mit Handwerkern beschäftigt war, ist Biggi daher mit dem Rucksack zum Einkaufen gelaufen. Da die Läden teilweise kilometerweit weg waren, hat sie sich gehörig abgeschleppt. Als die wichtigsten Sachen an Bord erledigt waren, sind wir zusammen losgetigert und haben insgesamt drei (!) Touren zum örtlichen Ikea („nur“ 3.5 km weg von der Marina) gemacht, um dort unter anderem neues Geschirr und grosse Plastikboxen zu besorgen. Fünf grosse Boxen passen perfekt in den grossen Stauraum zwischen Wassertank und Salonsitzbank und damit sind unsere Sachen besser organisiert. Der Clou war wohl, als wir im lokalen „Mediamarkt“ neben dem Ikea noch einen Brotbackautomaten kauften und zu Fuss zur Marina geschleppt haben. Wieso einen Brotbackautomaten an Bord, wird sich jetzt wohl mancher fragen? Ganz einfach: Wir haben in der Regel mehr als genug Strom und laden die Batterien mit den Sonnenzellen täglich neu auf. Unser Gasofen wird – wie der Name sagt – mit Gas betrieben, welches wir jeweils nachkaufen müssen. Daher kochen (und jetzt auch backen) wir soweit irgend möglich nur noch elektrisch. Als positiver Nebeneffekt heizt sich der Innenraum vom Boot nicht so auf und wir haben weniger Sorgen vor einem allfälligen Gasleck. Mit dem kleinen Induktionskochfeld, dem Wasserkocher und der Microwelle sind wir – also eigentlich Biggi – in der Lage, fast jedes Gericht zu kochen.
Backautomatenbrot und sonstige kulinarsche Verwöhnungen an Bord
Zurück zum Sattler: Als der schliesslich das neue Bimini gebracht hat, war es natürlich noch nicht ganz perfekt und so ging es dann schlussendlich anderthalb Wochen und x Besuche an Bord bis alles fertig war. Zusätzlich zum Bimini haben wir uns zwei weitere kleine Sonnendächer und Sonnenabdeckungen für die Fenster, wo wir keine Sonnenblenden hatten, anfertigen lassen. Die schrägstehenden Fensterflächen sind in nördlichen Breiten toll, hier im Süden führen sie zu einer enormen Aufheizung des Innenraumes. Die zusätzlichen Abschattungen machen einen erstaunlichen Unterschied aus.
Wir hatten im Vorfeld zuhause aus Resten von Tauwerk sogenannte Tausendfüssler oder Baggywrinkles geflochten. Diese lagen immer noch an Bord und jetzt war es an der Zeit sie anzubringen. Das sind ca. zwei Meter lange Fransengirlanden, welche von unten nach oben um die Wanten (Metalldrähte, die den Mast daran hindern seitlich umzukippen) gewickelt werden, um zu verhindern, dass das Gross-Segel sich gegen das Metall reibt. Durch die konstante Bewegung und Reibung zwischen Tuch und Metall während langer Segelpassagen wird jedes Tuch zerstört. Man muss zuerst rausfinden, wo genau sie hinmüssen, denn sie werden nur dort angebracht, wo das Segel anliegen würde. Wenn sie angebracht sind, sieht es ein bisschen wie längliche Wattebausche oder Vogelnester aus. Das Anbringen selber ist eine Fleissarbeit, welche sitzend in einem Bootsmannsstuhl (ein Sitz der durch ein Seil nach oben in den Mast gezogen werden kann) gemacht wird. Genau wie alle Arbeiten im Rigg bedingt sie eine gewisse Schwindelfreiheit – ähm – die mir aus unerfindlichen Gründen abhanden gekommen ist. So muss ich mich für jede Arbeit dort oben regelrecht überwinden. Ich hoffe, dass ich das mit der Zeit wieder hinbekomme. Und so war ich froh, als das alles endlich erledigt war.
An den grossen Luken montierten wir eine Edelstahlgewindestange als Einbruchschutz. Es ist zwar kein 100%-er Schutz, aber genug, um zu verhindern, dass jemand unbemerkt durch die Luke ins Schiff einsteigt. So können wir die Luken zum Lüften offenlassen, während wir schlafen.
Jetzt hat Rare Breed endlich auch den Heimathafen angeschrieben.
Dazwischen lag noch Biggi‘s Geburtstag. Mit der Ukulele, die ich tatsächlich in Arrecife auftreiben konnte, erfüllte ich ihr einen unausgesprochenen Wunsch. Wobei „in“ Arrecife wohl etwas übertrieben ist, denn der Laden lag in einem Industriegebiet weit ausserhalb des Stadtzentrums. Aber Bewegung ist gesund und davon hatte ich weniger als Biggi in den letzten Tagen. Auf meiner Tour entdeckte ich nebenan einen Decathlon und so sind wir tags darauf zusammen losmarschiert, um ein SUP mit Pumpe und Paddel, ein Neopren-Shorty, Flossen, Brille und Schnorchel für Biggi und je einen Bleigurt inkl. Gewichte zu kaufen. Als wir schwerbeladen zum Laden raus sind und Biggi meinte, dass wir damit die 4 bis 5 km zum Hafen laufen, habe ich gestreikt und auf ein Taxi beharrt! Alles hat seine Grenzen!
Happy Birthday to you!!
Langsam war ein Ende in Sicht. Die letzten beiden offenen Punkte auf der To-Do-Liste: Wäsche waschen und den Aussenborder fürs Beiboot testen. Wie testet man einen Aussenborder? Man lädt die Mannschaft zu einer kleinen Hafenrundfahrt mit dem Schlauchboot ein. Das Schlauchboot war seit Reiseanfang nie zum Einsatz gekommen, hing schlapp in der Aufhängung und musste erstmal richtig aufgepumpt werden. Dann den Motor hinmachen und es konnte losgehen. Der Motor war in Fehmarn frisch gewartet worden und somit würde das eine reine Vergnügungsfahrt werden. Denkste! Das Biest ist erst fast nicht angesprungen und dann, schon nach wenigen Metern unvermittelt wieder verstummt. Erinnerungen an eine traumatische Beibooterfahrung aus den Dänemarkferien vor zwei Jahren wurden plötzlich wach… Aber er war doch frisch gewartet worden? Irgendwie konnte ich ihn wieder ankriegen und wir sind mutig weiter raus in den Vorhafen getuckert, bis der Motor nach ein paar Minuten endgültig schlapp machte und sich auch nicht mehr starten liess. Einfach tot, und dabei war er doch erst ca. 15 Jahre alt! So ein Mist. Reparieren fiel aus (hier wollten wir definitiv kein Geld mehr reinstecken!) und ohne Motor, wären wir künftig am Ankerplatz verloren. Es ist nahezu aussichtslos ein Schlauchboot gegen Wind und Welle zu rudern bzw. zu paddeln (…im Hafen geht’s J). Ein neuer Aussenborder musste her und zwar subito. Entgegen den Aussagen von Arrecifekennern: „Hier bekommst du das nicht, alles ausverkauft!“ hatten wir Glück und ein Laden hatte tatsächlich einen neuen 3,5 PS Mercury an Lager. Und sogar zu einem absolut fairen Preis. Es hat sich seither mehrfach gezeigt, dass man nicht immer die Aussagen der alteingesessenen Yachties für bare Münze nehmen soll, sondern besser selber recherchiert und rum frägt. Am nächsten Vormittag konnte ich den frisch in Betrieb genommenen Motor in Empfang nehmen und bekam obendrauf eine gründliche Einführung in dessen Bedienung, zwar auf Spanisch und mit Händen und Füssen, aber durchaus verständlich. Die Lieferung im Uraltlastwagen umfasste sogar einen extra Tankstopp, um die neu erstandenen Benzinkanister zu füllen. Die versprochene Hafenrundfahrt führte mit dem neuen Motor doch noch zu einem Happy End J. Der alte Motor wurde mir beim Entsorgen von einem Spanier, der sich immer im Hafen rumtrieb regelrecht aus den Händen gerissen. Ich hoffe, er weiss auf was er sich da einlässt…
Am Sonntagvormittag, am 14. November – ein Tag vor Plan – liefen wir endlich aus dem Hafen aus. Nur ein kurzer Sprung um die Südspitze von Lanzarote zu einem Ankerplatz vor einem Sandstrand. Dort wollten wir ein bisschen Ferien machen und die Rümpfe und Propeller vom Bewuchs durch das lange Stillliegen im Hafen reinigen.
Danach sollte es in gemütlichen kleinen Sprüngen von Insel zu Insel durch die Kanaren Richtung SW gehen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, aber dazu im nächsten Beitrag mehr.