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Schlagwort: Basteln

Jan alone at home…

Jan alone at home…

22.10.- 10.12.2022, Grenada – Martinique, Logstand seit Start 5964 sm

Am Samstag, den 22.10. haben wir die Leinen in der Marina Phare Bleu gelöst und uns auf den Weg zu den nördlich von Grenada liegenden Inseln gemacht. Wir hatten keinen Stress, da Biggi’s Flug von Martinique erst zwei Wochen später gehen würde. So sind wir zuerst um die SW-Ecke von Grenada nach St Georges um zu Tanken und danach die wenigen Meilen zurück zur Bucht Morne Rouge gefahren. Morne Rouge gilt als eine der schönsten Buchten auf Grenada und wir hatten sie schon ein paar Mal von Land aus besucht. Jetzt wollten wir auch mal mit dem eigenen Boot hier ankern. 

Sonnenuntergang Morne Rouge

Auf dem Weg entlang der Südküste von Grenada haben wir festgestellt, dass unser Windmesser, dessen Geber im Masttop während des Landaufenthaltes erneuert worden ist, völlig falsche Werte angezeigt hat. Das Instrument im Cockpit hat die Windrichtung ca. 120 ° falsch angezeigt und da der Wind ziemlich schwach von hinten kam, fiel das nicht sofort auf. Kein Wunder hat Biggi die Welt nicht mehr verstanden, als das Segel «auf der falschen» Seite vom Boot ausgerollt wurde. Ich sass hinten an der Reffleine und sah den mechanischen Windanzeiger im Masttop (der vom Cockpit aus nicht sichtbar ist und natürlich die richtige Windrichtung angezeigt hat) und habe mich gewundert , als Biggi an der «falschen» Winsch hantiert hat. «Ob sie denn nicht sehe woher der Wind komme?» Klar, dass sie dann betupft war… typisch besserwisserischer Skipper! In der Folge sind wir zwei Vollkreise gefahren, um das Instrument neu zu kalibrieren, was auf dem Plottertrack ganz amüsant aussieht:

Vollkreise

Nach einer rolligen Nacht sind wir entlang der Westküste von Grenada weiter nach Norden zu Sandy Island gesegelt.

Strecke nach Sandy Island
Unterwegs und später vor Anker vor Sandy Island

Dort blieben wir trotz eher durchzogenem Wetter zwei Tage, um den Feiertag am Montag abzuwarten. Man muss hier zwischen den Inseln immer Ein- bzw. Ausklarieren. Wenn man das an einem Feiertag oder ausserhalb der Bürozeiten macht, kostet es einen «Overtime» Zuschlag. Klar, dass wir das gerne vermeiden, wenn es geht. In Tyrell Bay auf Carriacou haben wir am Morgen am 25.10. ausklariert und Martinique als nächsten Stopp angegeben. Die Windvorhersage war für die kommenden Tage moderat und so wollten wir die Wetterlage ausnutzen um möglichst viel Strecke gegen den sonst vorherrschenden Nordostwind gut zu machen. Gleichzeitig hatten wir keine Lust alles in einem Rutsch nach Martinique durchzuziehen. Der Plan war Zwischenstopps «in Transit» zu machen, sprich ohne einzuklarieren. Solange man nicht lange bleibt und vor Allem nicht an Land geht ist das auch völlig legal.

Mit Zwischenstopps nach Bequia

Mein Allerwertester hat uns aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Seit ein paar Tagen hatte ich einen stark juckenden Ausschlag auf der linken Pobacke. Erst hat es ganz klein angefangen, aber es wuchs von Tag zu Tag. Alle Versuche mit Salben usw. Linderung zu verschaffen schlugen fehl, es wurde immer schlimmer. Irgendwann wurde natürlich Dr. Google zu Rate gezogen und dann war schnell der Verdacht da, dass es sich um Gürtelrose handeln könnte. Das wollte ich nicht einfach unbehandelt lassen.

Und so sind wir zu einem ungeplanten Stopp auf Bequia gekommen, wo ich nach einem Besuch in der örtlichen Notaufnahme am Donnerstagabend zum lokalen Arzt weitergereicht wurde. Am Freitagmorgen um 9 Uhr standen wir vereinbarungsgemäss vor der Arztpraxis, nur um zu erfahren, dass Frau Doktor ausnahmsweise heute (wegen des starken Regens 😬) erst am Nachmittag kommen wurde. Karibik halt… Nach etwas hin und her per WhatsApp konnte ich dann um 14 Uhr wieder antraben. Die Wartezeit zog sich in die Länge, da neben mir natürlich  ganz viele andere Leute auch einen Termin hatten. 

Vor, bzw. in der Arztpraxis auf Bequia

Kurz vor Feierabend kam ich dann dran und der erfahrenen Dame war schnell klar worum es sich handelte. Zum Glück keine Gürtelrose, sondern eine Infektion mit kleinen Larven unter der Haut! Das Viech war ein Hakenwurm, der in den Tropen über den Sand unter die Haut gelangen kann. An sich ungefährlich, aber halt sehr unangenehm und die Vorstellung, dass sich da kleine Larven ihre Gänge unter der Haut bohren/fressen war schon ziemlich gruselig. Mit den richtigen Medikamenten war die Sache in wenigen Tagen soweit entschärft, dass es nicht mehr gejuckt hat. Der Ausschlag selber hat aber noch ca. zwei Wochen gebraucht bis er ganz weg war.

Ausschlag am Allerwertesten!!

Nach der Behandlung mussten wir schnell wieder weg, denn wir hatten eben nicht einklariert (wir haben das als Notstopp angesehen und sind wirklich nur zum Arzt und dann wieder an Bord zurück). Am Samstagnachmittag sind wir wieder ausgelaufen und in der Nacht auf Sonntag an St. Vincent und St. Lucia vorbei nach St. Anne auf Martinique gesegelt. Im Gegensatz zum letzten Mal als wir diese Strecke gemacht haben, hatten wir dieses Mal richtig gute Verhältnisse und konnten den grössten Teil der Strecke gut segeln – so gut, dass wir am Schluss die Geschwindigkeit drosseln (heisst Segelfläche verkleinern) mussten, um nicht im Dunkeln hier anzukommen.

Zügige Fahrt!

Die ersten Tage haben wir die Annehmlichkeiten von Martinique genossen und auch eine Wanderung zu unserem Lieblingsstrand Petite Anse des Salines gemacht.

Petite Anse des Salines

Dann war es soweit, Biggi musste ihre Abreise vorbereiten. Ihre Schwester musste sich einer grossen Operation unterziehen und Biggi wollte sie in der ersten Zeit zuhause unterstützen. Am 6.11. habe ich Biggi mit dem Mietwagen zum Flughafen gebracht und auf Wiedersehen gesagt. Der strömende Regen hat super zur Stimmung gepasst und die ganze Angelegenheit natürlich auch nicht besser gemacht.

Als ich wieder in St. Anne war, war ich natürlich entsprechend betrübt und nicht ganz bei der Sache. RARE BREED liegt hier vor Anker und ich muss mit dem Dinghy an Land und wieder zurück an Bord fahren. Beim Reinspringen ins Dinghy vom Dinghysteg bin ich mit dem Schlüsselbund, der an einem Schlüsselband am Rucksack hing, am Holzsteg eingehängt. Ein kurzer Blick hat genügt um zu sehen, dass das rote Schlüsselband noch am Rucksack dran war. So bin ich – immer noch bei strömenden Regen – zum Boot gefahren. Kaum an Bord habe ich entdeckt, dass das Schlüsselband zwar noch am Rucksack hing, aber vom Schlüsselbund war weit und breit keine Spur! Das Band hatte eine Plastikschnalle und die hat dem Ruck nicht standgehalten und sich gelöst. Jetzt muss man wissen, dass wir alle Luken mit Einbruchschutz gesichert haben und die stabile Gittertüre aus Edelstahl mit einem dicken Vorhängeschloss abgeschlossen ist. Ohne Schlüssel kommt man schlichtweg nicht ins Boot rein! Zudem ist das Hängeschloss derart eng drin, dass man mit Einbruchswerkzeuge fast nicht ran kommt – soll ja so sein! Das ist mir natürlich alles schlagartig bewusst geworden! Ich sass hier alleine, kannte niemanden und hatte keinen Reserveschlüssel, es wurde langsam dunkel und ich konnte nicht ins Boot rein – schlimmer konnte es eigentlich nicht kommen! Mein Puls ist schlagartig auf gefühlt 200 gestiegen und ich bin mit dem Dinghy sozusagen im Tiefflug zurück zum Dinghysteg gefahren. Die Erleichterung als ich den Schlüsselbund eingeklemmt zwischen zwei Holzplanken am Steg wiedergefunden habe lässt sich fast nicht beschreiben!

Das Corpus Delicti… Neues Schlüsselband OHNE Plastikschnalle!

Selbstredend habe ich als erstes verschiedene Vorkehrungen getroffen, damit eine solche Situation nie mehr passieren kann. Man lernt wohl wirklich nur wenn es weh tut!

Ich habe die Zeit alleine mit allerhand kleine Wartungsarbeiten und Projekten, die bis jetzt immer hinten angestanden sind, verbracht.

Basteln ist IMMER mit Chaos verbunden.
Neue Steckdosen am Navitisch installieren.
Ein neuer (temporärer) Cockpittisch machen.
Inventar von Lebensmittel und Ersatzteile.

Zudem habe ich meinem Tag einen Rhythmus gegeben, an dem ich mich orientieren konnte. Morgens habe ich wieder mit den Plank-Übungen angefangen, danach ins Wasser gesprungen und ein paar Runden ums Boot geschwommen. Danach gab es Kaffee – draussen im Cockpit oder auf der Heckplattform.

Kaffee!!
Trinken und Essen ist wichtig!!

Frühstück gab es keins, denn wir hatten schon in Grenada mit Intervallfasten nach dem 16/8 Plan angefangen. Das heisst, die erste Mahlzeit ist das Mittagessen um 12 Uhr. Vormittags habe ich entweder an Bord rumgewurstelt oder bin an Land gefahren um zu Laufen. Es gibt hier einen sehr schönen Wanderweg, der der Küste entlang an mehreren Stränden vorbei geht.

Impressionen von meiner Fitnessrunde.
Einsames Picknick in „unsere“ Bucht
Captain Jan Sparrow ;-). Schuh- und Geldwaschvorrichtung.
Coole Wandmalereien in St. Anne. „Geschickter“ Einbezug der baulichen und pflanzlichen Elemente…

Nachmittags wieder basteln oder lesen und Abends dann kochen. Und dann war es schon wieder dunkel und ein Tag vorbei.

Abendstimmung in St Anne.

Die Zeit verging schon langsam und so war es natürlich schön, als befreundete Segler vorbeikamen um zu reden. Neben Martin und Anke von der JAMBO sind auch Stefan und Barbara von der NOVA mit einem Gast bei mir an Bord zum Sundowner gewesen. 

Zudem habe ich Kurt, einen schwedischen Einhand (=Einsam)segler kennen gelernt. Er hatte Probleme mit seiner Ankerwinsch und zusammen haben wir das Teil (natürlich nicht ohne grobes Werkzeug, etwas Gewalt und den entsprechenden Karftausdrücken) ausbauen können. Unglaublich, wie sich etwas in dieser salzhaltigen Umgebung in 15 Jahren derart «festfressen» kann.

In der ersten Dezemberwoche hat das Wetter angefangen verrückt zu spielen. Statt den üblichen östlichen Passatwinden gab es plötzlich tagelang Flaute und – was viel schlimmer war – westliche Winde!

Spiegelblankes Meer – Totale Flaute!

Hier in der Karibik sind westliche Winde sozusagen nie da. Entsprechend sind (fast) alle Ankerplätze gegen Westen völlig ungeschützt. Am 5.12. hat es dann tagsüber bis auf knapp 20 Knoten aus West aufgefrischt und der Ankerplatz vor St Anne wurde echt ungemütlich. Anfänglich war es ja noch OK, aber nach und nach haben Boote angefangen umzuankern, weil sie einander oder den Bojen, die das Ankergebiet abgrenzen zu nahe kamen. Mir blieb dann nichts anderes übrig als auch umzuankern. Es gibt hier leider keine Alternative, die gegen Westen geschützt wäre, ausser in Le Marin, wo aber alles voll ist mit Booten. So haben wir alle hier ausgeharrt (die Wettervorhersage hat abflauende Winde vorhergesagt) und abgewartet, während die Boote in den Wellen wie Rodeorösser gebockt haben. Zum Glück ist der Ankergrund hier sehr gut und so war es im Endeffekt einfach nur ungemütlich, aber nie wirklich gefährlich. Ich habe trotzdem alles soweit vorbereitet, dass ich die Motoren hätte starten können um gegenan zu halten und bereitete mich darauf vor die Nacht im Cockpit zu verbringen. Gegen Abend hat es zum Glück wie vorhergesagt abgeflaut und nachts war es wieder windstill.

Absolute Ausnahme: Westwindlage in der Karibik. Alle Schiffe zeigen mit dem Bug nach Westen.

Der 6.12. verlief genau wie der erste und zweite Advent völlig ereignislos. Alleine macht es einfach keinen Spass so etwas zu feiern. Biggi war jetzt genau einen Monat weg gewesen, d.h. 2/3 der Zeit bis sie am 20.12 zurückkommen würde waren schon um.

Bald gibt es wieder Sundowner zu zweit 🙂

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Martinique – Ein Stück Europa in der Karibik

Martinique – Ein Stück Europa in der Karibik

15.02. – 02.03.2022 Martinique

Nach der Zeit auf den ehemals britischen Inseln ist uns aufgefallen, wie wir uns hier auf Martinique fast schon wie in Europa fühlen. Klar ist es immer noch eine tropische Insel mit allem was dazu gehört, aber es ist eben auch ein Stück weit wie in Frankreich. Wein, Croissants, Baguette und Käse natürlich, aber auch sonst ist die Auswahl an Lebensmitteln verglichen mit den anderen Inseln enorm und dabei auch günstiger. Wobei «günstig» eigentlich irreführend ist, dann das Preisniveau ist in der ganzen Karibik echt hoch, hier einfach etwas weniger hoch. Abgesehen vom subventionierten Baguette für einen Euro bewegen wir uns hier fast schon auf Schweizer Preisniveau. Anscheinend scheint es der Bevölkerung hier auf Martinique finanziell wesentlich besser zu gehen als auf den anderen Inseln. Vermutlich auch, weil das Mutterland gehörig Geld hier reinpumpt. 

Die grosse Ankerbucht vor St. Anne

Die Strassen sind richtig ausgebaut, es gibt Strassenschilder und Fahrbahnmarkierungen und vor allem, man fährt auf der «richtigen» Seite 😉. 

Autofahren bei, na was wohl? … Regen natürlich.
Gut ausgebaute Strassen
Manchmal „zu gut“… Lemantin vor Fort-de-France – 3-spurig in jede Richtung.

Es gibt eine grosse Auswahl an Supermärkten und Läden wie Carrefour und Decathlon, wo man all die Sachen bekommen kann, die es auf den anderen Inseln schlichtweg nicht gibt. Auch bei den Kleidern – von denen wir zugegebener Weise nicht sehr viele brauchen – ist die Auswahl hier mit vielen kleinen Boutiquen wie in Europa.

Inspiriert durchs Plakat wurde eine spontane Shoppingtour gestartet – das Resultat lässt sich sehen!

Auch wenn die anderen Inseln ursprünglicher und «exotischer» und damit sehr spannend sind, war es ein klein wenig wie nach Hause (bzw. Frankreich) zu kommen, als wir hier auf Martinique das erste Mal an Land gingen. Es lässt sich wohl nicht leugnen, dass wir vom Leben in Europa geprägter sind, als wir wahrhaben wollen. 

Nachdem wir unseren Anker endlich erfolgreich im Sandgrund vor St. Anne versenkt hatten, war uns klar, dass wir etwas mehr Zeit hier verbringen wollen. Der Ankerplatz hat was von einem Wohnquartier in der Agglo, ausser dass die Häuser (=Boote) ab und zu wechseln. Dass jede «Villa» ihren eigenen «Badepool» mitsamt regelmässigem Schildkrötenbesuch hat, ist natürlich auch nicht übel 😉. Der natürliche Treffpunkt ist das lange Dinghydock unmittelbar vor dem Dorfplatz von St. Anne, wo alle hinfahren, wenn sie an Land wollen. So zischen ständige kleine Gummiboote mehr oder weniger schnell hin und her durchs Ankerfeld – morgens häufig mit auffällig langen Papiersäcken von der lokalen Bäckerei unter dem Arm.

Das „gefährliche“ Dinghydock von St. Anne.

Auch wir benutzen regelmässig das Dinghydock. Was als völlig harmlos erscheint, hat offenbar doch seine Tücken. Erst hat es Biggi getroffen: Ihr ist das Dinghy unter den Füssen abgehauen, sie konnte sich nicht mehr mit den Fingern am Dock halten, ist runtergeplumpst wie ein Sack und ärschlings auf dem Schlauch gelandet. Schwein gehabt – ist nichts passiert! Tags darauf hat es mich erwischt. Ich wollte vom Dinghy aus barfuss (im Dinghy hat man nie Schuhe an) an der Badeleiter vom Dock hochkletttern und bin dabei auf den glitschigen Sprossen ausgerutscht, mit dem Brustkorb an die Leiter geknallt und habe mir den grossen Zeh aufgeschlitzt. Grosses Dinghydockkino! 

Die meisten Boot bleiben etwas länger in der Bucht von St. Anne und so entstehen schnell soziale Strukturen und Aktivitäten. Das erste war eine «Pot Luck»-Party (typisch amerikanische Yachtietradition, bei der sich die Crews von mehreren Booten am Strand treffen und jedes Boot etwas zum Essen und/oder Trinken mitbringt). Das war cool, erstens, weil man so schnell mit vielen Leuten in Kontakt kommt und zweitens, weil die Auswahl am Buffet echt eindrücklich war. Da gab es Gerichte wie Paella mit Shrimps, Frikadellen, Spanische Omelette, Jackfruit Stew (Eintopf), gefüllte Eier, diverse Salate usw. Und dann natürlich diverse Getränke wie Bier oder Wein und einer hatte sogar einen 5l (!) Kanister mit Rumpunsch dabei – Karibik halt 😉

Crews von etwa 20 Jachten kamen zum Pot Luck.
Segler*innen aus aller Herren Länder.
Bunte Teller vom Buffet und ein toller Sonnenuntergang.

Vor dem Frühstück gab es ab und zu Yoga am Strand, was wir uns natürlich nicht entgehen liessen, auch wenn da mehr Neugier als Können vorhanden war. Überhaupt ist Sport und Bewegung auf dem Boot immer ein Thema, denn segeln alleine ist ja nicht wirklich so sportlich (erst recht nicht, wenn man so lange wie wir vor Anker liegt!). Morgens sieht man daher auf etlichen Booten, wie eine oder mehrere Personen auf dem Vorschiff im wahrsten Sinne des Wortes rumturnen. Wir haben dafür unsere Heckplattform und versuchen täglich mit etwas Sport in den Tag zu starten. 

Als weitere sportliche Aktivität hat sich das Schrubben des Unterwasserschiffes entpuppt. Wenn man da nicht mindestens einmal wöchentlich das gesamte Unterwasserschiff mit Spachtel oder Wurzelbürste abkratzt bzw. abschrubbt entsteht eine veritable Biosphäre an den Rümpfen. Ohne Taucherflasche und nur mit Maske, Schnorchel und Flossen ist das wirklich anstrengend. Unser Boot ist zwar nur 1m tief, aber dafür hat es zwei Rümpfe und Kiele und etwa die doppelte Wasserlinienlänge wie ein gleich grosser Einrümpfer. Zum Glück ist das Wasser so schön warm und klar, aber nach 1,5-2h im Wasser ist man doch recht «erfrischt». Ausserdem hat man das Gefühl, dass sich die Kleinstlebewesen, denen man die Heimat genommen hat, auf der eigenen Haut gleich wieder ansiedeln und es juckt und kitzelt am ganzen Körper 😬.

Martinique lässt sich natürlich auch hervorragend per Pedes erkunden. Unsere erste Wanderung führte uns von St. Anne bis zum Point Saline an der SW-Seite der Insel.

Die ganzen 34 km haben wir dann doch nicht gemacht.

Vorbei an mehreren Buchten mit schönen Sandstränden: Anse Caritan, Anse Meunier bis zum Grand Anse des Salines sowie durch Mangroven und am Etang des Salines vorbei. Wir sind morgens los und da wir (also um genau zu sein, ich) annahmen, dass es unterwegs sicher Verpflegungsmöglichkeiten in Strandbuden geben würde, haben wir ausser Trinkwasser nichts mitgenommen. Mit Strandbuden war aber nix und so waren wir doch recht hungrig, als wir am frühen Nachmittag wieder in St. Anne ankamen.

Etwa 80% unserer Wanderung verlief im schattigen Wald.
Die Luftwurzeln der Mangroven sind recht beeindruckend.
Fallen für Kokoskrabben (links im Bild) sind hier alle paar Meter zu finden.

Hier in der Bucht von St. Anne lagen natürlich auch viele andere uns bekannte Schiffe, allen voran die FantaSea von Peter und Judith, mit denen wir einige vergnügliche Stunden beim Kaiserschmarrn-mit-Apfelmus-Essen und «TAC»-Spielen (jetzt steht es 2:2!), bei einem Ausflug zur Rumdestillerie und beim Basteln von Armbändern aus Kernen von lokalen Bäumen verbringen durften. Dass unser Cockpittisch seitdem ein paar kleine Bohrlöcher hat, können wir gut verkraften und zeigt wohl wie der Begriff «Dünnbrettbohrer» entstanden sein könnte 😉.

2 Bootsfrauen am Basteltisch.
Wenn man die Technik raus hat, ist es ganz einfach, Löcher in die Samen zu bohren.
Handgemachte Armbänder zieren nun unsere Handgelenke.

Der Ausflug zur Rumdestillerie Clément war ein tolles Erlebnis. Neben der Präsentation der historischen Rumherstellung hat das Anwesen auch einen weitläufigen botanischen Garten mit vielen eindrücklichen Kunstinstallationen. Der Duft in den Hallen, wo die Rumfässer gelagert werden, ist im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend.

Homére Clément, Mediziner und Politiker sowie Gründer der Habitation CLÉMENT. Kaum zu glauben, wie viel Aroma durch die Eichenfässer einfach verduftet.
Arbeitsgeräte aus vergangenen Tagen.
Kunstinstallationen soweit das Auge reicht.
Moderne Kunst eingetaucht im grünen Umfeld.
Und Modern Art in (Über-)Lebensgrösse.

Die Abende an Bord läuten wir normalerweise mit einem Sundowner ein. Da wir hier immer mit dem Heck nach Westen liegen, geniessen wir den Sonnenuntergang (wenn es nicht regnet) in unseren beiden Klappstühlen auf der Heckplattform. Der Standard-Sundowner ist «Ti’Punch RARE BREED».

Man nehme …

  • 1 kleines Glas
  • 1 gestrichenen Teelöffel Rohrzucker
  • 1 Schuss Limesaft (rühren)
  • 1 (etwas grösseren) Schuss braunen Rum dazu (weiterrühren)
  • Auffüllen mit Wasser (wir wollen ja nicht zu Alkoholikern werden…) 
Immer wieder schön die Sonnenuntergänge.
Santé! (Prost! 😉)

Wenn man ganz viel Glück hat, kann man beim Sonnenuntergang sogar den «Green Flash» sehen. Bei wolkenfreiem Himmel kann es sein, dass der obere Rand der Sonne in den letzten Sekundenbruchteilen bevor sie untergeht grün aufblitzt. Ein etwas stärkerer Sundowner soll die Wahrscheinlichkeit eines «Green Flashes» steigern, ist uns gesagt worden 😊.

Um Süsswasser zu produzieren, betreiben wir unseren 220V Wassermacher über den Inverter. Dieser läuft bei den hohen Temperaturen im Boot nach ca. 1,5 Stunden Dauerbetrieb heiss. Um den Tank doch noch ganz auffüllen zu können, müssen wir entweder eine halbstündige Abkühlungspause einlegen oder den kleinen Hondagenerator zu Hilfe nehmen. Da ein Generator ab und zu laufen muss, machen wir ihn daher von Zeit zu Zeit beim Wassermachen an. Das letzte Mal hat er noch brav seinen Dienst verrichtet, aber jetzt wollte er partout nicht starten. Alle Startversuche blieben erfolglos. Eine erste Diagnose deutete auf Probleme bei der Benzinversorgung hin. Um da dran zu kommen müssten wir die ganze Aussenhülle demontieren, was wiederum jegliche Garantieansprüche zunichte machen würde. Also ab zum Laden in Le Marin zur Vereinbarung eines Reparaturtermins. Den bekamen wir allerdings erst auf den 10. März. Wir sind ja bekanntlich Zeitmillionäre und da es uns hier in St. Anne gut gefällt, haben wir entschieden den Termin anzunehmen und etwas länger als gedacht hier zu bleiben. 

Um etwas von Martinique zu sehen haben wir uns ein Auto gemietet – natürlich auch mit dem Hintergedanken, dabei die geplanten Einkäufe zu machen. Was wir völlig verpennt haben war, dass hier drei Tage lang Karneval ist und dabei (fast) alle Läden geschlossen sind. So haben wir den Rosenmontag und Faschingsdienstag stattdessen für Sightseeing verwendet. 

Nettes Auto, bergauf ging es jedoch nur noch im 2. Gang. Hatten wir das nicht schon mal in La Palma?

Als erstes ging es zum Jardin de Balata (Botanischer Garten) etwas nördlich von Fort-de-France. Eine superschöne Anlage, die teilweise wie ein Spaziergang durch einen Regenwald war. Dies nicht zuletzt, weil es – wie könnte es denn anders sein – immer wieder intensive Regenfälle gab. Besonders cool (wenigstens für mich) war die mehrteilige Hängebrücke die geschätzt 10m hoch über dem Boden von Baum zu Baum ging. Insgesamt waren es wohl  10 Brücken aus Holz und Spannseilen, die ganz schön geschwankt haben als ich darüber lief. Biggi hat es vorgezogen die Strecke unten auf dem festen Boden zurückzulegen.

Gründer des Jardin de Balata ist Jean-Philippe Thoze (Blumenzüchter, Landschaftsgärtner und Künstler in spe)
Rund um das Haus seiner Grosseltern ist der Garten entstanden.
Einzigartige Pflanzen und Blüten lassen uns dem Zauber dieses Ortes regelrecht verfallen.
Links: Heliconia Vellerigera oder auch „King Kong Heliconia“. Rechts: Enorme Luftwurzeln einer Palme.
Jan nimmt den Baumwipfelpfad.
Die Holzbretter sind vom vielen Regen recht rutschig.
Ja, wo isser denn – ach, da isser ja 😊

Auf dem Rückweg sind wir am riesigen Einkaufsareal bei Lamentin vorbeigekommen. Die grosse Decathlonfiliale (Laden für Sport- und Spielausrüstung) und ein riesiger Baumarkt waren trotz Karneval geöffnet, sodass wir die lange auf unsere Einkaufsliste stehenden Sachen, wie ein Kajakpaddel (für das SUP), einen neuen Rucksack und eine Yogamatte sowie einen Wasserfilter besorgen konnten. Und nicht zu vergessen je eine neue leichte Regenjacke, um für die hiesigen Witterungsverhältnisse gerüstet zu sein… Habe ich schon erwähnt, dass es seit wir in der Karibik sind immer wieder ausgiebig regnet – obwohl jetzt eigentlich Trockenzeit sein sollte?

Düster, nass und nur noch 21 Grad.
Nebel steigt aus dem Wald.

Am Dienstag haben wir uns auf den Weg zu den Gorges de la Falaise im Norden von Martinique gemacht. Dort kann man eine Wanderung durch enge Schluchten in einem Fluss zu einem Wasserfall im Dschungel machen. Da man dabei hüfttief durchs Wasser waten muss, macht man das am besten in Badekleidung. Also alles eingepackt und los. Trotz der gut ausgebauten Strassen dauerte die Anreise wegen der kurvigen Streckenführung fast zwei Stunden. Im Google stand, dass die Anlage offen sei, doof nur, dass Google das Wetter nicht berücksichtigt. Wegen – wer errät es? – starken Regenfällen am Vortag und in der Nacht wäre die Flusswanderung zu gefährlich und folglich geschlossen, was wir aber erst erfahren haben, als wir vor verschlossenen Toren standen! Als Trost haben wir uns ein üppiges Mittagessen im angrenzenden Restaurant gegönnt. Und das war ein unverhoffter Volltreffer, denn das Essen war wirklich hervorragend!

Der Himmel über dem Restaurant spricht Bände – aber das Essen war super!

Um wenigstens ein bisschen Bewegung zu bekommen, haben wir kurzerhand den ersten Pfad in den Regenwald rein genommen. Das war echt eindrücklich. Der Pfad führte immer bergauf durch dichtestes Grün, riesige Bambushaine, Farne und von Lianen durchzogenes Dickicht. Die Vögel zwitscherten und es knackste beängstigend in den riesigen Bambussen als diese sich im Wind wiegten. Ab und zu kamen wir an Orten menschlicher Bewirtschaftung vorbei und sahen zum ersten Mal Felder voller Christophenes. Als wir an Papayabäumen vorbeikamen und überall Papayas am Boden rumlagen, haben wir uns erlaubt eine grosse grüne Papaya vor dem «Verfaulungstod» zu retten und haben sie in den –  neu erstandenen – Rucksack gepackt.

Herrlich zum Spazieren.
Christophene-Plantage
Biggi kann es nicht lassen und sammelt überall den Abfall in der Natur auf, von dem es leider sehr viel hat.

Auf dem Rückweg sind wir wieder an Lamentin vorbeigekommen, aber dieses Mal war wirklich alles geschlossen, bis auf die Verkaufsstände mit Karnevalskleidung.

Eine karibische Schönheit verkleidet als Schmetterling. Und an den Ständen gibt’s Kostüme in allen Farben.

Der Karneval auf Martinique ähnelt eher den europäischen Karnevals als denen von Brasilien oder Trinidad. Statt Socasound und Pan-Bands sind hier Trommler und Pfeifer unterwegs. Ein klein wenig kam es mir vor wie in Luzern oder Basel, ausser, dass es hier natürlich viel wärmer ist und die Leute oft barfuss unterwegs waren. Die Kostümierungen sind eher einfach oder lustig gehalten, aber nicht mal ansatzweise so aufwändig wie zum Beispiel in Trinidad. Aber vielleicht haben wir auch nur einen Teil hier in St. Anne gesehen, da wir gar nicht in Karnevalsstimmung waren und nicht nach Fort-de-France gegangen sind, wo das Hauptgeschehen mit dem grossen Umzug stattgefunden hat.

Im Gegensatz zu den bisher von uns besuchten Karibikinseln hat Martinique ein Bussystem, was jenem in Europa ähnelt. Es gehen mehrmals täglich grosse klimatisierte Linienbusse nach einem vorgegebenen Fahrplan von St. Anne nach Le Marin. Die kleinen Busse, die auf den anderen Inseln gefühlt alle paar Minuten fröhlich hupend und mit lauter Musik aus den offenen Fenstern vorbeifahren sucht man hier vergeblich. Man muss also genau auf den Fahrplan achten, wenn man nicht plötzlich irgendwo 1-2 Stunden warten will.

Raindrops keep falling on our heads.

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Bastelwoche in l’Aber Wrac’h

Bastelwoche in l’Aber Wrac’h

17.07.-24.07.2021

Kaum war ich wieder alleine an Bord war es vorbei mit Ferien und Sightseeing und ich habe stattdessen RARE BREED vom Segelboot zur Baustelle verwandelt. Es scheint so, wie wenn jede Segelwoche soundsoviele Wartungstage gegenüberstehen. Der „Segel-zu-Bastel-Faktor“ ist mir noch nicht klar, aber ist wohl ungünstiger als man wahrhaben will… Und weil alles gut verstaut ist, entsteht innert kürzester Zeit ein unvorstellbares Chaos an Bord, wenn man Werkzeuge und Ersatzteile hervorkramen muss.

Chaos im Salon. Mangels Werkbank müssen die Werkzeuge auf dem Salonboden ausgebreitet werden…

Es hatte sich in den letzten Wochen so einiges an To-Do’s auf meiner Liste angesammelt. Dazu kamen natürlich auch die Sachen, die ich schon lange im Kopf hatte, aber für die es bis jetzt noch nicht gereicht hatte – allem voran unsere Heckplattform. Als der Geräteträger am Heck für die Sonnenzellen gebaut wurde, musste er untenherum mit einem Rohrgerüst stabilisiert werden. Es hat sich angeboten, dieses Gerüst so zu machen, dass man später eine Art Plattform draufmachen konnte. Dieses „später“ war jetzt gekommen. Die Idee war, eine möglichst leichte, aber trotzdem stabile Konstruktion zu erstellen, damit wir bei schönem Wetter dort hinten – quasi unter dem Sternenhimmel – auch schlafen konnten.

Boot oder Schreinerei?

Mit nur ein paar Tagen Zeit zur Verfügung ging ich davon aus, dass der erste Wurf noch nicht das Gelbe vom Ei werden würde und dass es später mit richtigen Schaum- oder Honey-Comb-Platten nochmals gemacht werden wird. Also habe ich (noch als Cynthia dabei war) im Baumarkt grosse 10 mm dünne Sperrholzplatten besorgt. Das Beladen des kleinen Miet-Peugeots mit 3 Platten von 220 cm Länge war eine Sache für sich. Mangels Dachträger mussten die Cockpitkissen herhalten und verspannt wurde das ganze, indem wir die Spanngurte durch die Türöffnungen zogen und so die ganze Ladung „um’s Dach herum“ sicherten. Cynthia hatte schon im Vorfeld ihre Bedenken geäussert und sich geweigert das Auto so zu fahren. Also bin ich gefahren und langsam und gemütlich kamen wir heil am Ziel an. Ich denke aber, dass die Franzosen solchen Fuhren eher gelassen gegenüberstehen und es hat uns niemand gestoppt oder komisch geschaut.

Sitzpolster statt Dachträger tut’s auch 🙂

Da diese Platten zwar leicht, aber nicht genügend stabil waren, habe ich mir eine Art „hängende“ Konstruktion, welche mit einem Aluprofil und dünnen Seilen nach oben an den Geräteträger versteift werden soll, ausgedacht. Den grössten Teil der Arbeit konnte ich alleine bewältigen, aber wie so oft liegt die Tücke im Detail und zum Glück hat ein befreundeter Segler, Gottfried von der Schweizer Yacht MOANA, mir dabei geholfen, das Aluprofil und die letzten Schrauben von unten an das Holz zu schrauben. Alleine wäre es schlichtweg unmöglich gewesen. Der arme Gottfried musste dafür unter der Plattform auf dem Rücken liegend im Beiboot arbeiten. An sich nicht so schlimm, wenn das Beiboot nicht dicht unter der Plattform in seinen Halterungen (Davits) hängen würde. Er musste sich also zuerst dort reinrobben und dann über Kopf arbeiten. Dass es einer der wenigen wirklich heissen Tage in l‘Aber Wrac’h war, hat es auch nicht einfacher gemacht. Was zuerst wie eine kurze Sache ausschaute, hat uns dann doch geschlagene 3 Stunden beschäftigt. Gottfrieds lakonischer Kommentar: „Ich konnte wenigstens im Schatten arbeiten!“

Das „Fundament“ bzw. Stabilsierungsgerüst vom Geräteträger, wo die Plattform montiert werden soll.
Es wird gesägt, geschliffen und gebohrt, dass ich mich langsam gewundert habe, dass niemand von der Marina reklamiert hat…
Zum Thema: „Aus Erfahrung wird man klug…“ oder die „Anti-„Plopp!“-Werkzeugsicherung… Also wenn jemand zufällig einen 8er-Ringgabelschlüssel zu viel hat, ich hätte Interesse….
Die temporäre Aufhängung zur Stabilisiserung ist angebracht. Jetzt kann man auch drauf stehen. Positiver Nebeneffekt der Plattform: Das Beiboot hängt zukünftig im Schatten, was seiner Lebensdauer in den Tropen sehr zutäglich sein wird. Das starke Sonnenlicht frisst sich regelrecht durch die Gummihülle.
Erste Farbschicht drauf und die Alukiste montiert
Handläufe mit angeklebter Holzplatte als Sicherung und Verstärkung montieren
Nachtansicht mit den „Begrenzungsleuchten“. Der Gag musste sein 🙂

Daneben gab es natürlich diverses anderes zu machen, um RARE BREED für den nächsten geplanten Schlag über die Biskaya und runter zu den Kanaren fit zu machen. Dies war das erste Mal, wo wir mehrere Tage weit weg von Land segeln würden – ausserhalb Mobilfunkabdeckung und weit weg von Schutzhäfen. Das heisst, ich musste endlich die Wettervorhersagen auch über das Satellitengerät reinholen können und die „Grab-Bags“ (wasserdichte Taschen mit Lebensmitteln und anderen Überlebensutensilien, die wir im Ernstfall mit in die Rettungsinsel nehmen würden) einrichten und Reservewasserkanister sicher aber greifbar unterbringen.

Zwei Fenster hatten kleine Lecks entwickelt, die abgedichtet werden sollten, alle Splinte und Sicherungsringe am Rigg und an der Reling (das Geländer ums Schiff) mussten überprüft und mit Tape abgeklebt werden. Dann waren noch der kleine Benzingenerator und die Notlenzpumpe, die in Betrieb genommen werden sollten usw. usw.

Die Notlenzpumpe geht ganz schön ab – 10’000 Liter/Stunde Förderleistung sollte auch mit etwas grösseren Lecks klar kommen
Und alles zusammen griffbereit in der Alukiste auf der Plattform versorgt

Und nicht zuletzt das ganze Boot putzen und die gesamte Bettwäsche und angesammelte Schmutzwäsche der letzten Wochen waschen und die Frischwarenvorräte aufstocken. Kurzum – ich war locker die ganze Woche beschäftigt. (Nennt man das nicht Ferien…?)

Waschtag
Neue Halterung für den kleinen Cockpittisch
Und wieder einkaufen und alles an Bord so versorgen, dass sich die Frischware lange hält

L’Aber Wrac’h hatte, wie alle Häfen hier in der Bretagne, auch einen erheblichen Tidenhub von ca. 5 m. Um auf den Schwimmsteg zu kommen, muss man ca. 50 m lange Fussrampen benutzen, die bei Hochwasser mehr oder weniger waagerecht zum Steg führen und sich bei Tiefwasser steil nach unten neigen. Um Gepäck oder Einkäufe den langen Weg vom Parkplatz zum Schiff zu transportieren gab es grosse Schubkarren, die locker den Inhalt eines kompletten Kofferraums schluckten. Logisch, dass wir auch so einen Karren verwendeten, um unsere Einkäufe zum Boot zu bringen, und logischerweise war es ausgerechnet dann Tiefwasser…

Der Hafen in l’Aber Wrac’h bei Tiefwasser
Die Rampe zum Steg: Bei Hoch- und bei Tiefwasser…

Was auf ebener Strecke problemlos zu meistern war, erwies sich auf der steilen Rampe als schlichtweg unhaltbar. Oben auf der Rampe stehend dachte ich noch, dass der Wagen ziemlich schieben würde, aber was dann kam hat meine Befürchtungen um einiges übertroffen. Ich hatte keine Chance die Fuhre zu halten. Nur indem ich den Wagen ins Geländer der Fussrampe reinfahren liess und mich zusätzlich dagegen verkeilte, konnte ich in letzter Sekunde verhindern, dass unsere gesamten Einkäufe 5 Meter ins Hafenbecken runter gefallen sind. Schritt um Schritt und mit tatkräftiger Bremshilfe durch Gottfried kamen wir schliesslich nassgeschwitzt, aber heil unten an. Eine Chartercrew hatte das ganze Manöver beobachtet und ihr ursprüngliches Vorhaben, ihre Reisetaschen mit so einem Schubkarren zum Auto zu bringen schnell verworfen und alle Taschen einzeln hoch geschleppt. Naja, es steht jeden Tag ein Depp auf, von dem man lernen kann… 

Und da der Plan war sofort abzulegen, wenn Biggi wieder kam und es dieses Mal mindestens 3, wenn nicht noch mehr Seetage geben würde, habe ich am Samstag vorgekocht.

Chickencurry und Chilli con Carne 🙂

Kurz nach RARE BREED kam auch die MOANA aus Roscoff nach l‘Aber Wrac’h und die Freude war gross Gottfried und Sandra, die Biggi und ich in Amsterdam kennengelernt hatten, wiederzusehen. Da wir ein Mietauto für die ganze Woche gemietet hatten, konnten die beiden natürlich auch ihre Besorgungen damit erledigen. Teilweise waren wir auch miteinander damit unterwegs. Gottfried hatte sich wenige Tage vorher einen kleinen Metallsplitter im Finger eingefangen und beim Rausnehmen hat sich der Finger entzündet. Dies wurde schnell schlimmer und immer schmerzhafter. So suchten wir gemeinsam nach einem Arzt und da mein Französisch einen Tick besser als das von Gottfried war, habe ich den Dolmetscher gemacht. Nachdem die lokale Ärztin den Finger angeschaut hatte, war ihr Entscheid eindeutig – da müsse so schnell wie möglich geröntgt werden um zu sehen, ob noch etwas im Finger drin sei. Das hat uns zur abendlichen Odyssee durch den Notfall im Brest geführt. Als wir nach dem Röntgen (es war kein Metall mehr im Finger) – Stunden später – endlich in den Untersuchungsraum reinkamen, lagen da schon das Skalpell und Verbandsmaterial bereit. Gottfrieds (und auch meine) Erleichterung war gross, als es dann aber hiess, dass er nur eine starke Antibiotikakur und Schmerzmittel brauche. Die Vorstellung, dass an der Hand rumgeschnibbelt wird, ist alles andere als erfreulich, zu gross ist das Risiko später mit den Folgen von eventuellen Fehlern leben zu müssen. 

Mit Gottfried in der Notfallaufnahme in Brest

Gottfrieds Erleichterung und Dankbarkeit mich als Dolmetscher dabei zu haben kannte keine Grenzen, und so wurde ich am Abend danach zur Grillparty auf der MOANA eingeladen. Jetzt muss man wissen, dass die MOANA ein sehr grosses und perfekt ausgestattetes Boot ist. Sie hatten bei der Bestellung alle Optionen einbauen lassen – insbesondere auch einen fest installierten Grilltisch auf der ausklappbaren Heckplattform. Und zwar keinen 08-15-Grill, sondern einen regelrechten Profigrill mit allem drum und dran. Dahinter stand nun Gottfried in seiner Schürze mit dem Spruch „Küchen-Kapitän“ und hat gegrillt, dass es jedem Argentinier Freudentränen in die Augen getrieben hätte. Die Leute, die am Steg an uns vorbeigelaufen sind, haben alle gestaunt und der Hund vom Nachbarn konnte nur mit Mühe und Not daran gehindert werden, wegen dem unwiderstehlichen Grillduft bei uns an Bord zu springen.

Der Küchen Kapitän in Action
… und der zufriedene Bewirtete im bequemen Cockpit der MOANA

Und mit einigen Besuchen zu dem urigen Hafenrestaurant, wo es Austern und Muscheln aus eigener Zucht gab, haben wir einige vergnügliche Abende zusammen verbracht. Die MOANA Crew hat sich rührend um mich als temporären „Einhandsegler“ gekümmert.

Dies ist einer der Aspekte, die ich an diesem Leben so liebe: Man lernt innert kürzester Zeit Leute kennen, die man im normalen Leben vermutlich nie getroffen hätte. Und weil alle wortwörtlich im gleichen Boot sitzen (Gottfried und Sandra mussten dringen Ersatzteile für ihr WC haben…) hat man sofort Anknüpfungspunkte und gemeinsame Interessen, auch wenn man womöglich aus einem ganz unterschiedlichem sozialem Umfeld stammt. Man verbringt in kurzer Zeit sehr viel Zeit miteinander, erlebt Sachen zusammen, lernt voneinander und hilft sich gegenseitig, wenn Not am Mann ist. So entsteht sehr schnell eine Vertrautheit, für die es zuhause oft Jahre gebraucht hätte. Umso trauriger ist es dann, wenn sich die Wege wieder trennen, aber ein Wiedersehen irgendwo auf der Welt wird es sicher geben.

Gottfried und Sandra von der MOANA

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