Durchsuchen nach
Kategorie: Blogeintrag

Panamarina – Die Dschungelmarina, die eigentlich keine Marina ist

Panamarina – Die Dschungelmarina, die eigentlich keine Marina ist

6.2.-1.3.2026

Wir wollten aus zwei Gründen in die Panamarina: Dort gibt es einen wirklich guten Motorenmechaniker und ausserdem eines der besten Restaurants in Panama. Eigentlich wollen wir nur eine Woche bleiben, alles erledigen und dann für zwei-drei Wochen zurück nach San Blas. Das wir schlussendlich mehr als drei Wochen dort bleiben würden, hätten wir aber nicht gedacht.

Die Panamarina aus der Luft. Gut zu erkennen die schmale Einfahrt zwischen den Riffen im oberen Teil des Bildes.

Nach der ruppigen Überfahrt von San Blas hierher hatte Biggi so gar keine Lust an weiteren Segelabenteuern und so entscheiden wir es gemütlich zu nehmen und vorerst mal das Leben hier zu geniessen. 

Panamarina hat gar keine klassischen Stege wo man sein Boot festmachen kann, stattdessen liegen die Boote an Bojen in der Bucht. Dafür sind die Liegekosten mit $ 17.-/Tag für unseren Katamaran sehr erschwinglich. Und da die Katamarane im hinteren flachen Teil der Bucht liegen, ist es schon fast, wie wenn man vor Anker liegt. Um an Land zu kommen muss man ins Dinghy steigen. Der Dinghysteg von der Panamarina ist allerdings eine ziemlich wackelige und unebene Konstruktion. Einmal nicht aufgepasst und zack bin ich voll aufs Gesicht gefallen. Ungeachtet der spektakulären Verletzung habe ich trotz allem Glück im Unglück, dass ich „nur“ mit dem Kopf die Holzplanken knalle und nicht eine Klampe oder eine scharfe Kante treffe…

Um die Panamarina herum ist dichter Dschungel und mit den vielen Vögeln und Affen, die man täglich sieht und hört ist es richtig idyllisch. Zwischen dieser Bucht und der Linton Bay gibt es eine Verbindung über einen natürlichen Kanal durch die Mangroven, der so eng ist, dass man nur mit kleinen Motorbooten oder eben mit dem Dinghy durchfahren kann.

Die Durchfahrt ist ein Erlebnis für sich, da man grösstenteils unter einer geschlossenen Baumdecke – also wie durch einen Tunnel – fährt.

Im letzten Drittel öffnet sich der Kanal zu einem kleinen See, wo auch ein Seitenarm abzweigt. Dieser Seitenarm geht bis zum Meer raus, ist kristallklar und lädt zum Baden ein. Wir fahren mehrmals ganz bis zum Ende hoch und lassen uns dann mitsamt Dinghy bis zum See treiben. Sooo cool!

Wir fahren in den Wochen hier mehrmals mit dem Dinghy zur Linton Bay rüber. Erstens weil es dort einen gut ausgestatteten Schiffsausrüster hat und zweitens, weil es auch sonst einiges zu sehen gibt. Einmal am Sonntag bis zur Isla Grande – DAS Naherholungsgebiet in der Gegend, wo am Wochenende der Bär los ist. Die ganze Inselküste ist von Bars und Restaurants gesäumt, überall dröhnt laute Musik und die lokalen Schönheiten stolzieren – trotz teilweise üppiger Körpermasse – in sehr knapper Bademode von Lokal zu Lokal.

Dagegen ist die unbewohnte Isla Linton eine wohltuende Oase der Ruhe. Früher war hier einmal ein privater Zoo, welcher aber aufgelöst wurde, als die Amerikaner Panama verlassen haben. Zurückgeblieben ist „Sheila“, eine einsame alte Affendame. Sie ist sehr zutraulich und kommt oft angerannt, wann man dort an Land geht. Sie liebt es mit den Menschen zu kuscheln und quasselt sie dabei mit allen möglichen Geschichten voll. Leider sind ihre einzige Gesellschaft Menschen die extra ihretwegen hierherkommen. Es stimmt einen traurig sie so alleine hier zu sehen, aber ob sie sich, nach so langer Isolation, in ein Affenrudel integrieren könnte ist wohl fraglich.

Panamarina wird von einem älteren sehr sympathischen französischen Paar betrieben. Hier herrschen Europäische Regeln und ihr Vertrauen in ihre Kunden ist enorm. Hier müssen wir keine Kreditkarte hinterlegen, alles was wir im Shop kaufen, wird angeschrieben und gezahlt wird alles einfach am Schluss. So etwas ist in Panama sonst völlig undenkbar. Ihre Hilfsbereitschaft und Organisationstalent ist auch aussergewöhnlich. Sylvie hat immer versucht alle Fragen zu klären, wenn sie es nicht selber wusste, hat sie einfach solange rumtelefoniert, bis sie eine Antwort hatte. Etwas, was wir hier in Panama so noch nie erlebt haben. Kurzum – wir haben uns eher wie Freunde als wie Kunden gefühlt.

Und das abendliche Highlight ist der Besuch im Restaurant. Von aussen betrachtet gleicht es einem Imbiss auf einem Campingplatz, aber die Küche ist hervorragend und die Preise mehr als moderat. Hier merkt man eindeutig das französische „savoir vivre“. Kein Wunder ist das Lokal jeden Abend rappelvoll von hungrigen Seglern.

Nach ein paar Tagen an den Bojen schwemmt es ein riesiges Feld von Sargassoalgen in die Bucht. Alles ist von einem dicken Algenteppich bedeckt und wir blieben sogar manchmal mit dem Dinghy drin stecken. Nach ein paar Tagen ist der grösste Teil wieder weg. Obwohl es noch viele Algen entlang der Mangroven hat, ist der grösste Teil wie von Geisterhand über Nacht einfach wieder verschwunden. Irgendwie komisch, denn die Bucht hat keinen natürlichen Abfluss soweit wir das erkennen können.

Aber wir sind schliesslich nicht zum Vergnügen hier, sondern weil wird ein paar Probleme mit Motoren haben. Unsere beiden Aussenborder machen Ärger und der Backbord Motor von Chili hat manchmal Startprobleme. Also kommt Nelson an Bord. Nelson ist der Typ Mensch der seine Arbeit über alles liebt. Egal welcher Motor, Nelson nimmt sich ihm an und lässt erst locker, wenn er wieder perfekt läuft. Motoren zerlegen ist sein Leben und er wundert sich wohl, wenn er dafür auch noch Geld bekommt (wie wir später erfahren sollten). Entsprechend gefragt und mit Arbeit überhäuft, klappt es nicht immer so richtig mit seinen Terminzusagen, aber wenn er dann kommt, dann läuft es. Der Backbordmotor hat ein Problem mit dem Startrelais und zwei defekte Glühkerzen, was Nelson an Ort und Stelle löst, da wir zum Glück alle nötigen Ersatzteile an Bord haben. So nebenbei schafft er es sogar unseren altersschwachen Dieselgenerator zum Leben zu erwecken, was die Mechaniker in Shelter Bay nicht geschafft haben. Schlussendlich entscheiden wir uns trotzdem dafür, den Generator auszubauen, weil er zusätzlich noch ein Kühlungsproblem hat. Nelson hat schon drei andere vom gleichen Typ des Generators bei sich in der Werkstatt stehen und nimmt ihn gerne als Renovationsobjekt an.

Schlussendlich hat er auch beide Aussenborder und den kleinen Hondagenerator wieder fit gemacht und gewartet. Alles zusammen vermutlich 8-10 Stunden Arbeit. Als wir ihn fragen was wir ihm schulden meint er, dass er ja den Dieselgenerator bekommen hätte und ob $ 80.- für eine Arbeitsstunde OK sei? Als wir auf $ 100.- aufrunden, will er es erst gar nicht annehmen. Und danach offeriert er uns, dass er jederzeit für uns da sein würde, falls wir wieder mal ein Problem hätten – wir könnten ja per Videocall zusammen die Probleme lösen. Solche Typen sind im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbar! 

Nelson, der bescheidene venezolanische Motorenmech mit einem blauen und einem braunen Auge 😉

Neben uns liegt Alain mit seiner ANANDA, ein wunderschöner 55 Fuss Katamaran aus Holz. Alain kommt aus der Schweiz, allerdings aus dem Französischen Teil. Er segelt dieses grosse Boot meistens alleine, aber ist ein sehr geselliger Mensch. Wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut und unternehmen in der folgenden Woche viel zusammen. Unter anderem will ich ihm helfe, Bewuchs hemmende Säcke über seine Propeller zu fixieren, da er vor hat, sein Boot für längere Zeit hier liegen zu lassen. Also ziehen wir unsere Schnorchelsachen an und springen ins Wasser – nur um festzustellen, dass es so seicht ist, dass wir neben den Booten stehen können! Kein Wunder, dass hier nur Katamarane liegen! Das ist auch eine neue Erfahrung für mich den Bootsrumpf auf dem Grund stehend zu putzen.

In der Linton Bay Marina liegen unsere vier neuen Solarpaneele bereit. Sie sind leider ziemlich gross und unhandlich und ausserdem ist die Montage auf unseren Heckbügel im Wasser gar nicht möglich. Die einzige Art, da oben ran zu kommen ist rückwärts in die Liftbox vom Travellift in der Linton Bay Marina reinzufahren und es von Land aus zu machen. Diese Liftbox ist aber dafür da Boote rein und raus zu heben und kann nicht einfach blockiert werden. Nach einigen Gesprächen bekommen wir die Erlaubnis es am Wochenende zu machen, da dann niemand den Lift braucht. Am Samstag den 21.2. ist es so weit. Frühmorgens tuckern wir bei null Wind aussen herum zur Linton Bay rüber.

Kaum dort zieht ein grosse Regenwalze über die Bucht und im prasselnden Regen wird die Sicht auf wenige Meter reduziert. Nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei und wir können uns zwischen den vielen Schiffen bis zur Liftbox durchschlängeln. Kurze Zeit später stossen Swen von der KOKOI und Alain dazu. Zusammen demontieren wir die alten Paneele und bauen die neuen drauf.

Was sich so schnell schreibt ist in der Realität natürlich viel komplizierter, denn die Masse der alten und neuen Paneele sind zwar nahezu identisch, aber nicht die Montagelöcher. Und da die neuen Paneele auch etwas dünner als die alten sind, passen weder die Schrauben noch die aufgeschweissten Bolzen vom Träger. Mit Bohrmaschine und Winkelschleifer wird alles irgendwie passend gemacht und montiert. Weil der Träger so hoch ist und wir wegen der Heckbürzel nicht weit genug nach hinten fahren können, sind die Arbeitspositionen über dem Wasser hängend manchmal gelinde gesagt abenteuerlich. Ein Suva-Kontrolleur hätte wohl einen Herzinfarkt bekommen…

Nachmittags um 3 ist schon alles fertig und wir kommen sogar noch rechtzeitig vor 4 wieder in der Panamarina an, um an unseren vier Bojen festgemacht zu werden. Tags darauf schliesse ich die neuen Panele elektrisch an und seitdem haben wir kein einziges Mal zu wenig Strom gehabt. Im Gegenteil – inzwischen haben wir soviel Strom, dass wir alles elektrisch kochen und backen. Sogar unser grösster „Stromfresser“, der Wassermacher, schafft es nicht die Batterien zu beeindrucken. Wenn die Sonne scheint liefern die Sonnenzellen mehr Energie als der Wassermacher verbrauchen kann.  Diese Investition hat sich wirklich ausbezahlt! Seither haben wir auch ganze Tage ohne Sonnenschein erlebt und auch dann liefern die Solarpanele genug Energie um unsere Batterien bei Laune zu halten.

Bei Sonnenschein haben wir Ladeströme bis zu 130 Ampere gesehen

Der grosse Wassermacher, der bereits im Boot war als wir es gekauft haben, hat den langen Landaufenthalt nicht gut überstanden. Eine Reparatur ist hier in Panama nur sehr schwer möglich, da dieses Modell hier nicht geläufig ist und die benötigten Spezialteile hier nicht aufzutreiben sind. Wir haben immer noch unseren portablen Wassermacher von RARE BREED, welcher tadellos funktioniert und vor allem viel einfacher aufgebaut ist. Daher haben wir beschlossen, dass dieses schwere Metallgebilde auch von Bord muss. Um ihn rauszubekommen muss ich ihn in kleinere Teile zerlegen, was einen ganzen Tag in Anspruch nimmt. Als ich die gesammelten Einzelteile an Land bringe und eigentlich entsorgen will, werde ich von jemandem angequatscht, was ich damit vorhabe. Einer spontanen Eingebung folgend antworte ich, dass ich es verkaufen will – und siehe da, der Typ hätte einen Freund der so etwas suche. Nach ein paar Chatnachrichten mit seinem Bekannten steht der Deal und wir bekommen ungesehen $1’000.- überwiesen – für etwas, was wir eigentlich wegschmeissen wollten. Auch nicht schlecht 😉

Der Kanaltermin von Anfangs April rückt langsam näher und wir wollen noch ein paar grössere Lebensmitteleinkäufe machen. So schön die Panamarina ist, um nach Colon oder sogar Panama City zu kommen ist es zu abgelegen. Ausserdem warten einige Amazonpakete auf mich in Colon. Also müssen wir wieder in die Shelter Bay Marina zurück. 

Am 1. März verlassen wir widerwillig Panamarina und fahren die ca. 30 Meilen zur Shelter Bay. In der Ansteuerung von Colon sind wir wie immer von einem Haufen grosser Pötte umgeben.

Vor der Marina werden wir von den Marineros über Funk gewarnt, dass es in der Marina drin einen dicken Algenteppich hat. Wir versuchen trotzdem reinzufahren und bleiben prompt stecken. Nur mit Schlepphilfe vom Marinadinghy mit einem starken Aussenborder schaffen wir es schliesslich in unsere Box rein.

Loading

CHILI segelt – oder San Blas zum Dritten

CHILI segelt – oder San Blas zum Dritten

Januar 2026: Shelter Bay – San Blas – Panamarina

Nach fast zwei Jahren (19. März 2024 bis 6. Januar 2026) in der Shelter Bay Marina sind wir erstmals wieder mit unserem eigenen Boot draussen auf dem Meer. Es ist ein fast schon surreales Gefühl und zudem sehr ungewohnt und neu, denn wir sind ja mit einem für uns neuem Boot unterwegs.

Abfahrt aus Shelter Bay Marina: Die Marineros winken zum Abschied, Victor hat nach den zwei Jahren sogar ein Tränchen verdrücken müssen.

Das erste Stück von Shelter Bay nach Linton Bay geht wie erwartet genau gegen den – zum Glück relativ schwachen – Wind und damit unter Motor. Dieser Schlag nach San Blas ist was man auf Englisch einen „Shake Down Cruise“ nennt, also ein Törn, wo es darum geht das Boot zu testen und bisher unbekannte Schwachstellen zu entdecken. Insofern sind längere Strecken unter Maschine(n) durchaus erstrebenswert, was CHILI problemlos meistert. RARE BREED hatte zwei grosse 55 PS Vierzylinderdiesel und grosse dreiflügelige Verstellpropeller, was zusammen zu sehr viel Vortrieb geführt hat. Bei CHILI haben wir zwei kleinere Dreizylinderdiesel mit je 30 PS, und entsprechend kleinere zweiflügelige Festpropeller, was eher etwas untermotorisiert ist. Entsprechend reagiert CHILI bei Hafenmanövern wesentlich träger und man muss beherzter Gas geben um etwas zu bewegen. Auch die Reisegeschwindigkeit von 5 Knoten unter Motor ist bei CHILI nur mit beiden Maschinen und höherer Drehzahl zu erreichen. Aber wir haben schliesslich ein Segel- und kein Motorboot.

Zum ersten Mal mit CHILI ankern.

Nach einer Nacht vor Anker hinter Isla Grande in Linton Bay geht es am nächsten Morgen um Acht weiter Richtung San Blas. Abgesehen von einem kleinen Ankermissgeschick, wo versehentlich die 125 Ampere Sicherung der Ankerwinsch durchbrennt (eben Boot testen 😉 ) geht so weit alles gut.

Zum ersten mal mit CHILI unter Segel 🙂

Nach kurzer Zeit bekommen wir den Wind nicht mehr genau von vorne und können auch die Genua ausrollen und kurz danach die Maschinen abstellen und endlich und zum ersten Mal wirklich segeln. Jetzt zeigt sich sehr schnell, dass unsere Vermutung, dass CHILI bessere Segeleigenschaften als RARE BREED hat, zutreffen. Bei 15-18 Knoten Wind von 60 Grad (also schräg von vorne) rauscht CHILI mit voller Genua und einem Reff im Gross immer wieder mit bis zu 8 Knoten durchs Wasser. Es ist auch eine wahre Freude zu sehen, wie die neue schwarze Genua perfekt steht und den Wind in Vortrieb umwandelt!

Unterwegs fangen wir sogar einen kleinen Fisch, welcher aber leider von einem Hai geschnappt wird, bevor wir ihn rausholen können. Janu, man kann nicht immer gewinnen.

Gegen 15 Uhr fällt der Anker in Chichime in den San Blas.

Der erste Ankerplatz in San Blas: Chichime
Kaum ist der Anker unten kommt schon der erste Kuna und möchte Lobster verkaufen. Wir haben für uns entschieden keine Lobster mehr zu essen und sind daher keine so gute Kunden, dafür…
… kaufen wir ihm eine neue Gastlandflagge für Guna Yala ab.

In Chichime bleiben wir nur eine Nacht und am nächsten Tag geht es die letzten 17 Seemeilen nach Green Island weiter, wo Freunde auf uns warten. Der Wind hat noch weiter aufgefrischt und wir gehen dieses Mal mit einem zweifach gerefften Grosssegel „ins Rennen“. Auch heute zischt CHILI nur so durchs Wasser und wir überholen sogar einen etwa gleichgrosser Katamaran – SEHR Ego fördernd 😉

Fazit nach den ersten ca. 100 Seemeilen: Es macht echt Spass CHILI zu segeln und die Investition in eine neuen Genua hat sich wirklich gelohnt. Die neue Segelaufteilung mit einem wirklich grossen Grosssegel und einer kleinen Fock ist zwar kraftvoller, aber auch anspruchsvoller in der Handhabung. Konnte ich bei RARE BREED das Grosssegel schnell von Hand bis ganz nach oben ziehen, schaffe ich das bei CHILI – trotz doppelt geschorenem Grossfall – nur mit Hilfe der Winsch.

Wir verbringen ziemlich genau einen Monat in San Blas und geniessen endlich das Leben vor Anker vor eine Palmeninsel mit Sandstrand. Nebenher arbeiten wir natürlich fleissig an CHILI weiter, wo einiges optimiert, umgestaut, weiter ausgemistet und ein paar kleine Projekte abgeschlossen werden. Aber natürlich wird auch der Ankeralltag mit anderen Seglern sehr genossen, einige neue Bekanntschaften gemacht und auch alte Freunde wieder getroffen. UND wir haben die Vorzüge von einem grossen Trampolinnetz zwischen den Bügen schätzen gelernt. Es gibt wohl keinen besseren Ort als dort vorne zu liegen und abends den Sternenhimmel zu beobachten 🙂 

Unser neuer Lieblingsplatz – das Trampolin
Biggi probiert unsere neue Sailrite Nähmaschine aus und näht eine Tasche für Schraubenschlüssel und Gurtbänder um das Dinghy zu sichern
Hier fahren die meisten Kunas in solchen selber gebauten Cayucos rum. Meistens mit Paddeln oder Segel, aber manchmal auch mit Aussenborder.
Der Cayucobau ist immer noch Handarbeit, aber halt mit der Motorsäge
Wir werden immer wieder von den Kunas angefragt, ihre Handys zu laden. Am Anfang kamen sie noch mit 1-2 Handys. Am Schluss hat es dann etwas absurde Ausmasse angenommen…
Diesen Dinghysteg gab es vor zwei Jahren noch nicht…
Und auch einige andere Bauten sind neu hinzugekommen
Das Wetter ist diesen Januar noch oft regnerisch und trüb, obwohl eigentlich Trockenzeit sein sollte
Segeln zwischen den Inseln in San Blas
Boccia spielen mit anderen Seglern
Portugiesische Galeeren findet man um diese Jahreszeit zuhauf. Da muss man beim Baden und am Strandspaziergang recht aufpassen um sich keine Verbrennungen zu holen.
Gemüseeinkäufe von den Kunas. Einmal für $9.- und das andere für $25.- Die Preisgestaltung ist wohl tagesformabhängig 😉
Genug Wind um Drachen steigen zu lassen
Auch das grössere Cockpit von CHILI eignet sich hervorragend um ein Mittagsschläfchen zu machen 😉

Im Grossen und Ganzen hat sich CHILI bzw. die Umbauten und Erweiterungen, die wir in den letzten Monaten gemacht haben bewährt, aber wir haben auch ein paar Sachen identifiziert, die wir noch vor dem Panamakanal beheben wollen. Daher setzen wir frühmorgens am Freitag den 6. Februar die Segel und verlassen das Chichime-Atoll in San Blas mit Ziel Panamarina. Das sind nur 50 Seemeilen, die es aber in sich haben…

Wenige Tage vorher ging eine mehrtägige Starkwindfront über Panama, die jetzt zwar vorbeigezogen ist, aber der verbliebene Seegang ist weitaus konfuser und höher als vorhergesagt. Biggi geht es schon am Vorabend mit Hals- und Kopfweh nicht sonderlich gut, aber da sich die nächste Front bereits am Samstag nähern wird, beschliessen wir trotzdem zu gehen.

Trotz Migräne- und Seekrankheitsmittel geht es Biggi schlechter als je zuvor. Sie ist faktisch ausser Gefecht und bleibt den ganzen Tag im Bett. Ich bekomme zwangsläufig einen Crashkurs CHILI alleine zu segeln. RARE BREED war diesbezüglich einfacher, da man dort wirklich alles machen konnte ohne den Steuerstand zu verlassen, bei CHILI sind die Bedienelemente teilweise am Mast vorne und auf beiden Seiten vom recht breiten Cockpit. Aber mit ein bisschen Vorausplanen und Überlegung funktioniert es recht gut.

Unterwegs von San Blas nach Panamarina

Leider haben wir die Türe vom Küchenschrank nicht richtig eingehakt und sie geht bei dem elendigen Geschaukel natürlich auf und verteilt den Inhalt über den ganze Salonboden. Vier unserer sechs Dessertteller überleben die Landung leider nicht und ich darf unterwegs auch noch Scherben im ganzen Salon zusammen wischen. Auch sonst fliegt das eine oder andere durch die Gegend bzw. wechselt den Platz. Wir lagen eindeutig zu lange in der Marina! Notiz an mich selber: 1. auch ein Kat kann heftig schaukeln und 2. In Zukunft IMMER alles wegräumen, bevor man aufs offene Meer rausfährt….

Wir sind zum Glück recht schnell unterwegs und statt um 15 Uhr stehen wir schon um 13 Uhr vor der Einfahrt von Panamarina. Hier geht es tatsächlich nicht ohne Biggis Hilfe, denn man muss mit Wind und Welle im Rücken durch eine enge und sehr schlecht betonnte Einfahrt zwischen den Riffen durchfahren. Auch ohne Segel oben schieben Wind und Welle CHILI rasant auf die Engstelle zu und um den Steuereffekt von den Rudern nicht zu verlieren, muss ich genügend Speed durchs Wasser machen. So schnell auf den flachen Strand zuzufahren ist echt nervenaufreibend. Irgendwie schafft Biggi es, mich durch die kleinen Holzstecken, die die Einfahrt zwischen den Riffs markieren durchzulotsen und ich kann scharf nach links hinter der Insel abdrehen und schon befinden wir uns im ruhigem Wasser – Puh! 

Das ist der „Pass“ zwischen den Riffen von Land aus gesehen. Der Pfeil zeigt die Durchfahrtsrinne. Wer kann die Seezeichen erkennen?

Kaum sind wir an der Gäste-Boje festgemacht fällt Biggi wieder ins Bett und schläft ohne Unterbruch bis zum nächsten Morgen durch. Vom Umparken auf den definitiven Liegeplatz zwischen vier Bojen bekommt sie gar nichts mehr mit.

Der Name „Panamarina“ ist etwas irreführend. Hier gibt es nur einen Dinghysteg und die Boote liegen draussen an Bojen

Tags darauf geht es Biggi wieder gut und wir diskutieren darüber, wie das weitergehen soll. Fakt ist, dass die westliche Karibik sehr viel ruppiger und anspruchsvoller als bei den kleinen Antillen im Osten ist. Hier am westlichen Rand vom Atlantik prallen die ganzen  Wassermassen auf den Kontinent nachdem sie über tausende von km von Wind und Strömung nach Westen getrieben worden sind. Weil der Meeresgrund hier auch flacher wird türmen sich die Wellen entsprechend auf und verursachen auch bei moderaten Winden einen sehr unangenehmen steilen Seegang; und damit entsprechend Seekrankheit bei dafür anfälligen Personen. Da Biggi (ja tatsächlich) das Bootsleben genau wie ich liebt, ist das Aufhören zu segeln keine Option. Hier zu bleiben, oder womöglich zurück zu den Antillen zu segeln wäre wesentlich anspruchsvoller und vor allem anstrengender, als durch den Panamakanal in den Pazifik zu gehen. Also beschliessen wir, dass wir das machen. Aber da wir vorher noch ein paar Sachen erledigen müssen, planen wir erst Anfangs April durch den Panamakanal zu gehen.

Loading

Wir sind wieder Bootsbesitzer – aber noch keine Segler…

Wir sind wieder Bootsbesitzer – aber noch keine Segler…

Mai 2025 – Januar 2026, Shelter Bay Marina, Panama

Am 7. Mai kommen wir nachmittags wieder in Panama City an und einige Stunden später werden wir von Bryan, Sidsel und ihrem Sohn Viggo, die dänischen Besitzer von CHILI an Bord begrüsst. Nach einem gemütlichen Abendessen zusammen schlafen wir zum ersten Mal an Bord – noch als Gäste in einer der vorderen Gästekabinen. Irgendwie ein komisches Gefühl.

Am folgenden Tag prüfen wir das Schiff auf Herz und Nieren und lassen uns von Bryan alles Mögliche erklären. Die Besichtigung verläuft zu unserer Zufriedenheit und am 9. Mai ist es soweit. Wir bezahlen den vereinbarten Kaufpreis und sind wieder Bootsbesitzer. Ab sofort sind die Rollen gekehrt und Bryan, Sidsel und Viggo sind jetzt die Gäste an Bord, was uns allen etwas ungewohnt und skurril erscheint. Abends feiern wir alle zusammen den abgeschlossenen Kauf im Marinarestaurant.

Vertragsunterzeichnung!
Neue und alte Eigner feiern den Deal.

Am 10. Mai reisen die Vorbesitzer ab und wir sind zum ersten Mal alleine an Bord. Auch wieder ein ganz spezieller Moment. Es sollte noch einen Haufen „zum ersten Mal“ in den folgenden Tagen geben. 

Abreise der Vorbesitzer „mit leichtem Gepäck“ 😉

So, was haben wir uns jetzt für ein Boot gekauft? Es ist eine Lagoon 410 von 2000. Sie ist also zwei Jahre älter, etwa einen Meter länger und zwei Meter breiter als RARE BREED. Was im ersten Moment wenig erscheinen mag, macht in der Realität einen Riesenunterscheid aus, denn das Platzangebot ist auf CHILI wirklich viel grösser. Ich kann endlich im Salon aufrecht stehen und jetzt haben wir vier Doppelkabinen von denen die beiden hinteren als Eigner- und Gästekabine und die beiden vorderen als Technik/Stauräume einrichten werden. Statt ein, gibt es jetzt zwei Badezimmer und das Cockpit ist so gross, dass wir locker mit acht Leuten am Tisch sitzen können. Die Segelfläche ist mit 94 qm auch spürbar grösser als die 70 qm bei RARE BREED.

Wir haben die Standardversion mit vier Kabinen und zwei Bädern.
Der Tisch im Salon kann zur Liegefläche umgebaut werden.

Die Lagoon 410 ist die zweite Generation von Lagoon Katamaranen und hat bei ihrer Einführung viele Neuerungen gebracht, die später von anderen Herstellern übernommen wurden, wie z.B. die senkrechten Fenster im Salon, die sehr viel Licht, aber wesentlich weniger Wärme ins Boot reinlassen als die geneigten Fensterflächen bei RARE BREED. Sie ist definitiv keine Rennyacht, aber sollte um einiges besser segeln als RARE BREED.  

Der Vergleich von Rare Breed und Chili im selben Travellift zeigt den Breitenunterschied ziemlich deutlich

Vor dem Kauf ist uns schon klar, dass wir sehr viel an CHILI machen müssen bis sie unseren Ansprüchen genügen wird. Dies war natürlich im Preis berücksichtigt und wir haben uns ein (in unseren Augen) grosszügiges Refit-Budget eingeplant. Die Vorbesitzer hatten CHILI im 2024 für ein einjähriges Sabbatical ebenfalls von einem Dänen gekauft. Dadurch, dass sie CHILI nur ein Jahr hatten, haben sie (ausser die Erneuerung des Riggs, eine neue Bespannung vom Sonnendach, neue Matratzenbezüge und neue Cockpitpolster) wirklich nur das Nötigste gemacht. Dass sie uns ein so grossen Wartungsstau überlassen würden, war uns aber nicht bewusst. Ursprünglich dachten wir, dass wir nach zwei-drei Wochen in der Marina zuerst Mal für ein paar Wochen nach San Blas segeln würden, um dann im Herbst mit dem Refit anzufangen. 

In den ersten Tagen wird Chili rigoros ausgemistet und wir machen uns Stück für Stück mit dem verschiedenen Systemen an Bord vertraut. Dabei sehen wir schnell ein, dass unser Plan etwas zu blauäugig gewesen war. An vielen Orten, wo wir etwas auseinandernehmen, kommen neue „Überraschungen“ zu Tage und unsere To Do Liste wird immer länger und länger. Einige Systeme müssen zuerst wieder gewartet und repariert werden, bevor ich damit aufs Meer raus will.

Beurteilung der Segel
In jede Ecke wird reingekrochen
Gefühlte km von altem Kabel werden rausgerissen
Der neue Autopilot und Radar sind angekommen!

Ich muss zugeben, dass ich bei einigen Sachen vielleicht etwas zu „pingelig“ bin, aber es ist eben auch ein Unterschied, ob man ein Boot für Bucht-Hopping in Küstennähe verwendet (die Vorbesitzer haben CHILI nur hier in Panama genutzt und sind nur ein einziges Mal über Nacht gesegelt) oder damit den Pazifik überqueren will.  Hier in Panama haben wir noch die Möglichkeit Ersatzteile zu bekommen und Arbeitsleistungen zu einem verhältnismässig günstigen Preis zu nutzen. Alles was wir hier nicht machen (lassen) wird uns im Pazifik unter Umständen ein Vielfaches kosten bzw. gar nicht machbar sein.

Umbau vom Navigationstisch zum Ersten…
… und zum Zweiten
Die Wandverkleidung in der Gästekabine ist durch und muss runter. Stattdessen wird die Wand neu gemalt.
Leckende Luken abdichten

Also geben wir ziemlich bald den Plan nach San Blas zu segeln auf und fangen stattdessen an systematisch System für System zu überprüfen, zu warten und wo nötig zu reparieren oder umzubauen. Alles was wir im Wasser liegend machen können wird jetzt angepackt. Unter anderem werden beide Motoren einer grossen Wartung inkl. Ventileinstellen und Reinigung bzw. Ersatz des Auspuffsystems, Filter und Riemen unterzogen, das Grosssegel wird nachgenäht, die Genua und das Trampolinnetz werden ganz erneuert, das Dinghy und die Ankerwinschsteuerung geflickt, der Anker gegen einen grösseren ausgetauscht, x kg alte unbenutzte Kabel rausgerissen und neue verlegt, der gesamte Navigationsplatz ausgehöhlt und mit neuen Geräten wieder aufgebaut usw. usw. 

Im Wasser werden die ersten Motorwartungen gemacht – hier die Revision der Wärmetauscher und Erneuerung der Abgaskrümmer.

Auch die Winschen brauchen dringend eine Überholung.
Es geht an Land….

Anfangs August wird CHILI an Land gehoben.

Geplante Arbeiten: Das ganze Unterwasserschiff komplett abschleifen und von Grund auf neu aufbauen. Die Ruder ziehen und die Lager erneuern. Alle Rumpfdurchbrüche und Seeventile (Löcher im Boot wo Kühl- und Abwasser rein und rausfliesst) erneuern. Die Saildrives (Unterwasserteil vom Getriebe & Propeller) revidieren und neu abdichten. Die beiden Fluchtluken unten am Schiffsrumpf zulaminieren.

Wir hoffen, damit bis Mitte September fertig zu sein, weil wir dann für sechs Wochen nach Europa fliegen werden.

Der Zustand vom Unterwasserschiff lässt nur eine Lösung zu: Es muss alles restlos abgeschliffen und neu aufgebaut werden.
Auch die beiden riesigen Stauräume in den Bügen werden ausgemistet. Wahnsinn, was CHILI alles ausspuckt 🙂
Der zweite Teil der Motorenrevision – jetzt kommen die Saildrives und Unterwasserteile dran.
Die Ruder haben zu viel Spiel und die unteren Lager müssen ersetzt werden.
Löcher (für zusätzliche Bilgenpumpen) ins Boot machen ist immer etwas heikel.
Die Seeventile sind so alt wie das Boot und hätten schon lange ersetzt werden sollen.
Der Ausbau geht teilweise nur mit roher Gewalt…
… Blut, Schweiss und Fluchen 😉
Die alten Teile sind alle draussen und die Gegenplatten für die neuen stellen wir selber her.
Die neuen Borddurchlässe werden mit VIEL(!!) Dichtungsmasse eingebaut
Nach ein paar Tagen werden die Seeventile montiert. Insgesamt 11 Ventile sind erneuert worden.
Jetzt geht es den beiden Fluchtluken an den Kragen. Eigentlich sollten sie die Sicherheit erhöhen, aber in der Realität sind mehr Katamarane wegen dieser Luken gesunken als Menschen sich dadurch gerettet hätten. Ausserdem lecken diese Luken natürlich auch.
Also werden sie ausgebaut und die Löcher permanent verschlossen.
Beim Wegnehmen der Gummileisten am Heck klaffen Risse und Löcher zwischen den Rumpfhälften. Also werden stattdessen kleine Heckverlängerungen angebracht und alles zulaminiert.
Funprojekt: LED Streifen zur Beleuchtung in ansonsten dunklen Fächer anbringen.

Wie fast zu erwarten geht das natürlich nicht ganz auf und so verbringen wir nach der Rückkehr aus Europa noch ein paar Wochen an Land um alles fertig zu machen.

Der Neuaufbau vom Unterwasserschiff geht mit zwei Lagen reinem Epoxy los
Biggi hat etwas Epoxy in die Haare bekommen – da hilft nur Abschneiden!
Dann kommen zwei Schichten Epoxy Primer.
Die Lager sind erneuert und die Ruder werden wieder eingebaut.
Rainy season in Panama = Fonduewetter 🙂
Trotz ständiger Regengüsse schaffen wir es in drei Tagen drei Schichten Antifouling aufzutragen
Yayy! Der Klebestreifen kommt weg und die Arbeiten am neuen Unterwasserschiff sind geschafft!
Wo gearbeitet wird, darf auch gefeiert werden – Biggis Geburtstag
Kochen mit Fred und Anita auf CHILI

Am 14. November wird CHILI endlich wieder ins Wasser gehoben. Der Moment ist mit ziemlich viel Nervenkitzel verbunden, da wir jede erdenkliche Öffnung im Unterwasserbereich erneuert haben und es dadurch viel Potential für Undichtigkeiten gibt. Noch in den Gurten hängend renne ich im Schiff rum und überprüfe alle Bilgen – alles dicht! 

Also Gurte weg und Maschinen anlassen – ausser einem leisen Klicken tut sich aber nichts. Dass beide Starterbatterien altersschwach sind, war schon klar, aber dass beide trotz tagelangem Laden komplett versagen würden, hat uns doch etwas erstaunt. Zum Glück hatten wir die neuen Starterbatterien schon vor ein paar Tagen gekauft und jetzt werden sie halt notfallmässig in der Liftbox ausgetauscht. 

Weiteres Funprojekt: Den Cockpittisch verschönern
Definitiv KEIN Funprojekt: WC Schlauch erneuern…

Falls sich jetzt jemand nach diesen ganzen Ausführungen fragen sollte, ob wir unseren Beschluss das Boot zu tauschen bereuen – Nein, tun wir definitiv nicht! Ja, es war bzw. ist einiges mehr an Arbeit (und Kosten) als angenommen auf uns zugekommen, aber der Gewinn an Platz und Lebensqualität begeistert uns immer noch. Und unsere Budgetüberschreitung, lässt sich teilweise auch durch Neuanschaffungen wie zum Beispiel ein neues Leichtwindsegel (Code Zero) mitsamt dafür benötigtem Bugspriet erklären.

Das Fundament für den neuen Gennackerbaum wird angeschweisst.
Die neue Genua wird angeschlagen.
Neues Trampolinnetz
Und schliesslich bekommt CHILI endlich ihren Namensschriftzug!

Bei RARE BREED haben wir ständig mit einem überladenen Boot gekämpft (was bei einem Katamaran die Seetüchtigkeit einschränkt) und das ist jetzt kein Thema mehr. CHILI ist für acht Leute ausgelegt und kann wesentlich mehr Zuladung als RARE BREED vertragen. Auch wenn wir uns einschränken, müssen wir Wasser, Lebensmittel, Treibstoffe, Ersatzteile, Werkzeuge, Sicherheitsausrüstung und unseren persönlichen Krimskrams mitnehmen können.

Insbesondere, wenn wir wie geplant in den Pazifik segeln wollen, wo es nicht alle naselang einen Laden hat.

Unsere Pläne, jetzt so schnell wie möglich aus der Marina raus zu kommen werden abermals durchkreuzt – diesmal aber nicht wegen CHILI. Wegen einem gesundheitlichen Notfall in ihrer Familie fliegt Biggi Hals über Kopf nochmals nach Deutschland. Und als sie nach zwei Wochen zurückkommt bringt sie ihre Schwester Christl mit. Inzwischen haben die sogenannten Christmas Winds eingesetzt und damit ist das Segeln nach San Blas eine sehr ruppige Angelegenheit. Die Strecke geht nämlich zwei Tage lang voll gegen Wind und Wellen.

Ausserdem hat mein Schulfreund Lukas ebenfalls seinen Besuch angekündigt und am 18. Dezember wird auch noch Biggis Bruder Thomas zu uns stossen. Also bleiben wir erstmals in der Marina und machen von hier aus Tagesausflüge in der Umgebung. Wegen der anhaltenden starken Winde wird auch nichts aus der Idee Weihnachten und Neujahr in San Blas zu verbringen. Unser Besuch sind keine Segler und auch ich habe Hemmungen mit einem für mich komplett neuen Boot bei ungünstigen Bedingungen raus zu gehen.

CHILI bewährt sich schon mal gut als gastfreundlichere Unterkunft und wir verbringen einige schöne Wochen als „Full House“. Weihnachten und Silvester werden gemeinsam gefeiert und am 4. Januar fliegen Christl und Thomas gemeinsam zurück nach Deutschland. 

Tierische Begegnungen im Dschungel und auf den Strassen in Shelter Bay (Capybaras, Brüllaffe, Ameisenbär und Kaiman)

Genau zwei Tage später schaffen wir es, die Festmacher zu lösen und fahren am Vormittag des 6. Januar 2026 endlich aus der Shelter Bay Marina raus – Ziel San Blas. 

Loading

Südamerikareise: 1. Quartal 2025

Südamerikareise: 1. Quartal 2025

Es ist tatsächlich schon mehr als ein Jahr her seit unserem letzten Blogbeitrag. Völlig verrückt, aber das hat seine Gründe. Als Erstes haben wir unser Boot RARE BREED auf das Jahresende 2024 verkauft, was sehr zeitintensiv war. Dann sind wir vier Monate kreuz und quer durch Südamerika gereist und schlussendlich haben wir ab Mai bis zum Jahresende sehr intensiv an unserem neuen Boot gearbeitet. Dabei ist das Thema Blogschreiben völlig vernachlässigt worden – und schwupps ist ein Jahr vorbei!

Das erste Quartal 2025 stand ganz im Zeichen der Südamerikareise, die Biggi in Polarsteps dokumentiert hat. Wer sich interessiert, kann die einzelnen Reiseberichte dieser Landreise im Menu unter Mit dem Rucksack durch Südamerika finden.

Die restlichen drei Quartale vom 2025 werden in als separater Blogbericht veröffentlicht.

Loading

Bye, bye RARE BREED, Hello Latin America

Bye, bye RARE BREED, Hello Latin America

Dass ich RARE BREED wirklich verkaufe, ist auch für uns tatsächlich völlig unerwartet gekommen. Bis anfangs November gingen wir davon aus, dass wir mit diesem Boot weitersegeln würden. Aber eben es kam – wieder einmal – alles völlig anders. Doch alles der Reihe nach. Seit dem letzten Blogbeitrag ist ja auch schon fast ein halbes Jahr vergangen.

Sonnenauf- und Untergang in SBM
Die Seglercommunity ist eine geselliges Völklein
Beschauliches Leben an Bord in der Marina

Ab ca. Juli geht in Panama die Regensaison los. Nachdem es im letzten Jahr so wenig geregnet hat, dass der Betrieb vom Panamakanal wegen Wassermangel eingeschränkt werden musste, hat die Natur dieses Jahr wieder ausgeglichen. Und zwar mehr als ausgeglichen! Es hat in den letzten sechs Monaten so viel geregnet wie schon lange nicht mehr. Der Gatun Lake, das Wasser Reservoir für den Panama Kanal, musste zwischendurch sogar reguliert werden, weil er sonst überlaufen wäre.

Raindrops keep falling on my head…
Ideal um im Boot drin Spanisch zu üben

Einher mit dem vielen Regen kommen auch die Gewitter. Zentralamerika und vor allem die Karibikseite von Guatemala, Nicaragua und Panama gehören zu den gewitterreichsten Regionen der Erde. Es hat manchmal derart heftig gewittert, dass es einem sogar in der Marina Angst und Bange wurde. Der Blitz hat mehrmals in der Marina eingeschlagen und einmal konnte der Einschlag im Mast von einem Boot unmittelbar vor uns sogar auf Film festgehalten werden. Viele Boote erlitten Blitzschäden und auch bei uns gab es Geräte, die temporär den Geist aufgaben. Diese Gewitter waren auch der Grund, dass wir in der Marina geblieben sind, statt nach San Blas oder zu den Bocas del Toro zu segeln. Es macht irgendwie auch keinen Spass bei Dauerregen vor einer Tropeninsel zu liegen und Angst davor zu haben vom Blitz getroffen zu werden. In der Marina gibt es wenigstens die Möglichkeit in die Stadt zu fahren oder in ein Restaurant oder sonst wohin zu gehen.

Links Blitzeinschläge auf der Karte und rechts real!

Hier in der Marina konnten wir auch Spanischunterricht nehmen. Zwischen April und bis anfangs September haben wir bei Anisha Privatstunden genommen. Anfänglich kam sie drei Mal die Woche zur Marina für jeweils zwei volle Stunden Unterricht. Nach einem Monat haben wir es dann auf zwei Besuche pro Woche reduziert, weil wir mit den Stunden, dem Repetieren und den Hausaufgaben tatsächlich zu gar nichts mehr anderes als Spanisch büffeln kamen. Es war sehr intensiv hat aber auch sehr viel gebracht. Wir haben die grammatikalischen Grundlagen gelernt, aber das Tempo war so hoch, dass uns die Zeit es zu verfestigen gefehlt hat.

Wir haben in diesen Monaten auch ein paar administrative Sachen erledigen können, wie zum Beispiel panamaische Führerscheine zu besorgen. Nach drei Monaten darf man in Panama nicht mehr mit seinem ausländischen Führerschein fahren und muss ihn in einen panamaischen umschreiben lassen. „Umschreiben“ ist eine masslose Untertreibung, denn in Panama wiehert der Amtsschimmel lauter als sonstwo.  Zuerst muss der Schweizer Führerschein von der Schweizer Botschaft beglaubigt werden. In Panama hat es nur einen Schweizer Honorarkonsul, der die Führerscheine und Pässe kopiert und zur Botschaft nach Costa Rica schickt. Schritt eins hat uns zwei Tagesreisen nach Panama City, zwei Wochen Wartezeit und 160 Dollar Gebühren gekostet. Als nächstes müssen diese beglaubigten Dokumente von der entsprechenden panamaischen Behörde natürlich auch beglaubigt werden, und diese Behörde gibt es – wo auch sonst – nur in Panama City. Jede Fahrt von der Marina nach Panama City und zurück ist ein Ganztagesausflug, welche Fahrten mit zwei Buslinien, Taxis/Uber und manchmal auch die Metro umfasst. Die Fahrkarten sind zwar sehr günstig, aber man muss schon sehr geduldig sein bis man endlich am Ziel ist. Also sind wir zu einem dritten Ganztagesausflug zu den zuständigen Behörden aufgebrochen. Um die Dokumente beglaubigen zu lassen muss VORHER eine Gebühr von 4.- Dollar pro Dokument auf eine Bank eingezahlt werden (die Behörde nimmt kein Geld). Wer die Arbeitsweise der panamaischen Banken kennt, der weiss, dass diese Einzahlung für einen Ausländer ohne lokales Bankkonto nahezu unmöglich ist. Also zahlen wir gerne einen weiteren Dollar an ein Dienstleistungsbüro (welches rein zufällig neben der Behörde ist…) damit sie diese Einzahlung für uns machen. Dann eine Stunde anstehen und schon können wir die inzwischen doppelt beglaubigten Dokumente in Empfang nehmen und die nächste Hürde – die Laboruntersuchung – in Angriff nehmen. Hier braucht man nämlich einen Blut- und Drogentest um den Führerschein zu bekommen. Das ging dann dafür schnell und unkompliziert und hat auch wieder nur 15.- Dollar pro Person gekostet. Und endlich hatten wir alles beisammen und konnten zur Sertracen, so etwas wie unser Strassenverkehrsamt gehen, alles abgeben, einen Seh- und Hörtest machen (ja, auch ich habe beide bestanden!!) und wieder warten. Als sie dann fertig waren, hatte die Kasse schon geschlossen. Ohne Moos nix los – alles Diskutieren half nichts und wir mussten am nächsten Tag wiederkommen um die letzten 72.- Dollar zu bezahlen und die ersehnten Kärtchen abzuholen. Zusammengefasst kann man sagen, dass man zwar nicht wirklich viel Gebühren bezahlen muss, aber der Zeitaufwand den man braucht um hier etwas mit den Behörden zu machen ist unglaublich.

Obwohl wir daheim beide die gleichen Fahrzeugkategorien, also identische Führerscheine haben, bekam Biggi nur den Autoführerschein, während ich zusätzlich noch Motorrad und – was eigentlich unverständlich ist – die Zulassung bekam Lastwagen bis 8 Tonnen und Busse bis 16 Passagiere zu führen. Es lebe die panamaische Behördenwillkür, oder vielleicht eher Dusseligkeit?

Anfangs September ist Biggi nochmals für sechs Wochen nach Berlin geflogen um ihren Bruder zu unterstützen. Ich habe derweil das Boot gehütet, kleinere Bastelarbeiten gemacht (an Bord gibt es IMMER etwas zu reparieren oder zu optimieren) und weiter Spanisch geübt. Die Privatstunden haben wir mit Biggis Abreise beendet und stattdessen individuell weiter gelernt. Ich habe regelmässige Gesprächsstunden mit einem der Marineros hier gemacht und Biggi hat trotz einer stressigen Zeit in Berlin mit Duolingo angefangen und jeden Tag knallhart Spanisch geübt. Seit sie zurück ist haben wir ein Familienabo gelöst und üben täglich weiter um unsere „Streaks“ nicht zu verlieren 😉 Inzwischen verstehen wir Spanisch recht gut, aber das Reden fällt uns immer noch schwer. Vermutlich braucht es einfach etwas mehr Zeit, wenn man nicht mehr so jung und aufnahmefähig ist?

Der Kühlschrankkompressor wird zwangsbelüftet
Ein Do-It-Yourself Navigationssystem mit einem Raspberry Pi Minicomputer
Die Warnung sollte man wohl ernst nehmen. Alle Bilder sind hier aus der Marina…
Tierbeobachtung in und um die Marina

Kurz nachdem Biggi zurück war, haben wir RARE BREED aus dem Wasser geholt, um sie für die kommende Segelsaison fit zu machen. Dieses Mal gab es nicht so viel zu machen, schliesslich hatte ich schon alles was man im Wasser liegend machen konnte vorher erledigt. Wir mussten vor allem das Unterwasserschiff malen. Weil es ausgerechnet dann wirklich tagelang ohne Unterbruch wie aus Kübeln geregnet hat, wurden aus den geplanten sechs, dann doch neun Tage an Land.

Die Malerarbeiten mussten immer wieder wegen Regen unterbrochen werden.
Die Verwandlung eines Propellers…
Endlich fertig – ab ins Wasser, dieses Mal mit einem roten Bauch!
RARE BREED ist „über die Toppen“ geflaggt, weil Biggi Geburtstag hat!
Kaffee und Geburtstagskuchen mit Freunden

Und dann ist es passiert. Einige Tage bevor wir wieder ins Wasser gehoben worden sind, kamen dänische Freunde uns besuchen. Sie haben beiläufig erwähnt, dass sie noch nicht wissen, was sie mit ihrem Katamaran CHILI machen sollten, wenn ihr Sabbatical im Sommer 2025 zu Ende geht. Behalten und nach Dänemark segeln oder es verchartern oder vielleicht doch verkaufen?  Mehr als Witz, haben wir dann gemeint, dass wir sie doch kaufen könnten. Was wirklich als spontaner Witz begann, ist im Laufe der folgenden Tage zur realen Option gewachsen. Man muss dazu sagen, dass wir andere Boote von diesem Modell schon früher angeschaut hatten und uns das Modell schon immer sehr gut gefallen hat. Es hat aus verschiedenen Gründen einfach nie für uns gepasst. Entweder standen die Boote gar nicht zum Verkauf, oder sie waren in einem (zu) schlechten Zustand. Dieses Mal hat sich eine für beide Parteien vorteilhafte Situation ergeben. Wir würden unser Traumboot kaufen und haben vorher genug Zeit um RARE BREED verkaufen zu können. Für sie war es vorteilhaft, weil sie bis zum letzten Moment ihres Sabbaticals mit dem Boot segeln können und keine Zeit in einem Bootsverkauf investieren müssen.

CHILI, eine Lagoon 410

Wir haben zusammen einen Vertrag aufgesetzt um alle möglichen Unabwägbarkeiten eines solchen Geschäfts so weit wie möglich abzudecken. Da noch kein Geld geflossen ist, ist unser einziges Risiko, dass wir am Schluss ohne Boot dastehen würden, wenn nach dem Verkauf von RARE BREED doch etwas mit CHILI passieren würde. Aber manchmal muss man auch ein Risiko eingehen…

RARE BREED wird zum Verkauf ausgeschrieben

Kaum hatten wir RARE BREED segelfertig gemacht, mussten wir umdenken und sie stattdessen verkaufsfertig machen. Der Hauptgrund, dass wir auf einen etwas grösseren Kat umsteigen ist, dass wir zu viel Zeugs dabei haben und RARE BREED einfach überladen ist. Das Problem ist, dass wir auf vieles einfach nicht verzichten können, wenn wir weiterhin lange Ozeanreisen machen wollen. Essensvorräte, Wasser, Diesel, Sicherheitsausrüstung, Werkzeuge und Ersatzteile alleine sind eigentlich schon zu viel Gewicht. Dann kommen noch persönliche Sachen, Bücher, Kajak, SUP, Computer, Haushaltgeräte usw. dazu. Es macht eben doch einen Unterschied, ob man nur für ein paar Wochen segeln geht, oder das Boot das dauerhafte Zuhause ist. Die Folge war auch, dass wir schon lange keine nutzbare Gästekabine mehr haben, da sie als Stauraum umfunktioniert worden war. Was uns im Laufe der Zeit auch immer mehr gestört hat, war, dass ich nur in den Rümpfen Stehhöhe habe und überall sonst den Kopf einziehen muss (unsere Eingangstüre ist z.B. nur 130 cm hoch). Daher war der Gedanke auf ein etwas grösseres Boot umzusteigen schon lange ein Thema für uns.

Die erste Massnahme um RARE BREED „verkaufstauglich“ zu machen, war daher sie massiv zu entrümpeln. Zum Glück gibt es hier in der Marina Lagerräume in verschiedenen Grössen zu mieten. Im  Einkaufszentrum 4Altos haben wir uns 10 grosse Stauboxen aus Plastik gekauft, weil Karton bei der Luftfeuchtigkeit hier gänzlich ungeeignet und die Kakerlakenbrutstätte schlechthin sind. Tagelang sind wir mit dem Schubkarren voller Sachen vom Boot zur Lagerhalle gepilgert. Die zehn Kisten haben natürlich bei Weitem nicht gereicht und alle paar Tage sind wir noch mehr Kisten holen gegangen. Der Raum wurde voller und voller, aber irgendwie waren immer noch so viele Sachen an Bord. Am Anfang waren wir noch diszipliniert und haben jede Kiste systematisch erfasst, nach ein paar Tagen haben wir nur noch die Kisten gefüllt und eingelagert – wir werden es ja alles im Mai wieder auspacken und dann sehen wir schon was wo war… Die Nachbarn amüsieren sich schon über unseren gefühlt nie endenden Strom von Zügelgut, gaben aber sofort zu, dass es bei ihnen mindestens genauso schlimm wäre. Inzwischen haben wir noch einen zusätzlichen kleineren Raum dazu gemietet und wir fragen uns wie wir all das Zeugs auf RARE BREED unterbringen konnten?

Alles was RARE BREED ausspuckt wandert in unsere Lagerräume

RARE BREED ist ohne die ganzen Sachen inzwischen richtig geräumig geworden und 5 cm aus dem Wasser raus gekommen… Vielleicht müssen wir doch noch einiges hinterfragen bevor wir es eins zu eins auf das neue Boot umziehen…?

Aber zuerst mal ziehen wir aus, und zwar am 8. Januar. Die neuen Eigner – Zak & Rami, ein Pärchen aus Litauen – kommen am 9. Januar hierher um RARE BREED zu übernehmen. Für die Übergabe haben wir 2 Tage eingeplant. Glücklicherweise können wir für diese Zeit auf der LUWINA übernachten, ein herzliches Dankeschön an Luise und Uwe – ihr seid toll!

Am 12. Januar geht es dann mit dem Mietwagen zur Pazifikküste von Panama. Der erste Versuch diesen Teil von Panama zu erkunden, ist wegen dem Mietwagendebakel an Ostern ja gescheitert. Hoffentlich klappt es dieses Mal besser…

Statt Caquelon und Rechaud, tut es auch eine Pfanne auf der Induktionsplatte. Hauptsache. dass wir unser feines „Emmi“-Fondue noch verwerten können bevor wir den Kühlschrank ausschalten müssen.

Am 24. Januar fliegen wir von Panama nach La Paz in Bolivien, dort haben wir eine Unterkunft für die erste Woche gebucht. Wie es danach weiter geht ist noch nicht entschieden. Wir haben bei der Vorbereitung der Reise schnell realisiert, dass Südamerika so riesig ist, dass wir mit unseren drei Monaten Zeit  nur einen Teil werden anschauen können. Wir sind selber gespannt wohin es uns verschlagen wird.

Wenn alles (hoffentlich) so klappt wie geplant werden wir anfangs Mai hierher zurückkehren um CHILI zu übernehmen.

Loading

Eine unerwartete Europareise und wieso ein Klempner nicht vom Himmel fällt.

Eine unerwartete Europareise und wieso ein Klempner nicht vom Himmel fällt.

5.5.-13.7.2024, Shelter Bay Marina, Deutschland und Schweiz.

Es ist schon lange still auf unser Blog gewesen und das hat einen Grund. Kurz nach dem Veröffentlichen des letzten Blogbeitrags müssen wir aus familiären Gründen kurzfristig für sechs Wochen nach Europa reisen.

RARE BREED lassen wir in der Shelter Bay Marina zurück, wo Freunde während unserer Abwesenheit auf sie aufpassen.

Biggi verbringt die ganze Zeit mit ihrer Familie in Deutschland

Velofahren auf dem Tempelhofer Feld
Unterwegs in Berlin und Umgebung
4 Würste und 1 Flasche Champus für 220 Euro – ein Schnäppli bei CURRY WOLF
Lieblingsessen: Speise, die satt und fröhlich macht; Anzahl der freigesetzten Glückshormone meist proportional zu den enthaltenen Kalorien 🙂

Ich verbringe die ersten fünf Wochen in der Schweiz und bin ein paar Tage in Bayern, wo Biggi dazustösst.

Panorama vom Bachtelturm aus
Erste Wanderung von Gibswil nach Hinwil über den Bachtel zusammen mit Angi
Besuch bei meinen ehemaligen Tauchfreunden Rolf & Gaby in Kloten
MISS MARPLE, mein ehemaliges Boot auf dem Zürichsee durfte ich nach Lust und Laune leihen. Danke Regula und Curdin!
Und ein paar typische Leckereien mussten natürlich auch sein.
Zweite kleine „Abschiedswanderung“ zusammen mit Angi entlang der alten Holzbrücke bei Rapperswil
Leider war es die meiste Zeit, die ich in der Schweiz war, miserables Regenwetter. aber die wenigen schönen Tage habe ich wirklich ausgenutzt.
Sogar die an sich hervorragende Schweizer Bahn ist manchmal von Zugsausfällen betroffen.
Alle Amazonbestellungen und das „Godis“ passen ins Gepäck rein.
Danach düsen wir im ICE mit fast 300 KM/h zurück nach Berlin
Die Fanmeile der Schweizer Fans in Berlin. Die Stadt war vollends in ihrer Hand
Auch Thomas hat mir eine Fanecke in seiner Wohnung eingerichtet. Leider hat es alles nichts geholfen und die Nati war aus der EM draussen.


Am 1. Juli ist es soweit und wir fliegen von Berlin über Paris zurück nach Panama. Wie immer sind die Koffer voller Ersatzteile und Sachen, die man hier nicht bekommen kann. Das Gewichtslimit ist bis zur Grenze ausgereizt und so nehmen wir gerne das Angebot an, unser Handgepäck gratis mit einzuchecken. So reist es sich doch wesentlich angenehmer.

Zurück in der Shelter Bay Marina. RARE BREED ist zum Glück wohlauf.


Kaum zurück an Bord haut es uns beide mit einer Grippe(?) um. Biggi trifft es härter als mich und sie schläft fast fünf Tage lang mehr oder weniger durch. Aber auch das geht vorüber und nach etwas mehr als einer Woche können wir langsam anfangen unsere To Do Liste anzupacken.

Kurz vor unseren Rückflug entwickelt sich der erste schwere Hurrikan in dieser Saison. Beryl liegt genau in unserer Flugbahn und das Flugzeug macht einen grossen Bogen über die Grossen Antillen um dem Unwetter aus dem Weg zu fliegen.

Leider kommt es zum schlimmstmöglichen Szenario und Beryl ’s Auge geht direkt über die Insel Carriacou wenige Meilen nördlich von Grenada. Dort gibt es eine kleine dicht von Mangroven umgebene Bucht, die bis dahin als sehr sicheres Hurrican Hole galt. In den zwei Hurrikansaisons, die wir in Grenada verbracht haben, war die Flucht dorthin immer eine der möglichen Optionen für uns. Die Segler, die statt nach Trinidad zu fliehen, diese Option gewählt haben, hatten keine Chance. Beryl hat dort alle kurz und klein gemacht.

Auf marinetraffic.com konnte man den Exodus von Booten, die nach Trinidad geflohen sind, gut sehen.
Das „Hurrican Hole“ von Tyrell Bay nach dem Durchgang von Beryl. Da schwimmen nur noch ein Bruchteil der Boote.

Auch wenn wir mit allen Bootsbesitzern, die ihr Boot verloren oder schwer beschädigt haben, ist es doch die Lokalbevölkerung, die den grossen Teil der Schäden ausbaden muss. Neben Carriacou hat es die meisten der Inseln im Umkreis von ca 50 Meilen sehr stark betroffen. Es hat wieder einmal die Ärmsten der Armen getroffen.


Der Plan ist nach wie vor bis ca. November hier in der Shelter Bay Marina zu bleiben. Hier hat die Regensaison inzwischen richtig angefangen und wir haben fast tägliche Gewitter und teilwiese richtig viel Regen. Es ist entsprechend warm und schwül und ohne unsere Klimanlage wäre ein Leben an Bord echt unangenehm – nicht zuletzt weil mit dem Regen auch die Mosquitos immer zahlreicher werden.

Auch an Bord kann man die letzten EM-Spiele anschauen. Deutschland – Spanien.


Stellvertretend für unsere Bastelaktivitäten möchte ich am Beispiel des Ersatzes von den Wasserhähnen in Bad und Küche aufzeigen, wie ein kleiner Punkt in der To Do Liste in eine mehrtägige Aktion ausarten kann. Meine Erfahrung als „Klempner“ beschränkt sich bis dahin auf meine eher unrühmliche Aktion in Grenada, als ich beim Ausbau vom Warmwasserboiler unsere Achterkabine in ein Erlebnisbad verwandelte… Entsprechend skeptisch gehe ich diese Aufgabe an. Als allererstes muss die Druckwasserpumpe abgestellt und der Absperrhahn am Auslauf des Wassertanks verschlossen werden (diesen Absperrhahn gibt es übrigens auch erst seitdem ich damals mit dem Boiler rumgespielt habe – denn Man(n) lernt am Besten aus seinen Fehlern…). Das heisst, während der Arbeiten haben wir kein fliessendes Wasser mehr an Bord. Man ist als bestrebt, diese Arbeiten in einem Rutsch zu erledigen.
Man definiere „Rutsch“…

Unser Boot ist inwischen 22 Jahre alt und der Originalwasserhahn im Bad war an seinem Lebensende angekommen. Wir haben natürlich sowohl einen neuen Küchenhahn, wie auch einen neuen Badezimmerhahn aus Deutschland mitgebracht. Erste Lernerfahrung: das hätten wir uns getrost sparen können, denn die Auswahl an Wasserhähnen ist auch hier in Panama mehr als genug gross, wie sich später herausstellen wird.


Metallteile, wie zum Beispiel dieser Wasserhahn, die seit 22 Jahren in der salzhaltigen Umgebung eines Bootes montiert sind, sitzen fest – bombenfest! Da braucht man schon ziemlich viel ÜberzeugungsKRAFT um das wieder zu lösen. Und genau das ist bei den beengten Verhältnissen an Bord gar nicht mal so einfach. Als erstes muss eine Wasserpumpe zum leeren des Duschsumpfs demontiert werden um überhaupt an die Unterseite vom Wasserhahn ranzukommen. Zudem muss ich alles quasi im Blindflug machen, da ich unmöglich zwei Hände und einen Kopf in den Unterschrank reinbringe. Beim Hahn selber ist es egal, wenn er dabei kaputtgeht (was auch prompt passiert) aber bei den Anschlüssen zu den Wasserleitungen, darf auf keinen Fall etwas kaputtgehen, denn das wäre der SuperGAU. Alle Leitungen sind nämlich beim Bau des Bootes VOR der Fertigstellung des Innenausbaus so verlegt worden, dass sie nachträglich zu grossen Teilen komplett unzugänglich sind. Wie ich das liebe…


Irgendwann ist der Hahn dann entfernt und sogar die Anschlüsse ohne Beschädigung gelöst und dann kommt die zweite Lernerfahrung: Wasseranschlüsse sind zwar (vermute ich wenigstens…) normiert, aber es scheint mehrere Normen zu geben. Die neuen Anschlüsse sind 3/8 Zoll gross, aber an Bord haben wir 1/2 Zoll Anschlüsse.


Zum Glück fangen wir solche Arbeiten immer morgens an, denn erstens ist es dann etwss kühler und zweites gibt es um 13 Uhr einen Shuttelbus zum Einkaufszentrum und den Baumärkten in Colon. Hier in der Marina gibt es sozusagen nichts. Der Ausflug dauert immer bis ca. 15:30 bis der Bus wieder in der Marina ist.


Wie zu erwarten gibt es in den Baumarkt kein passendes Reduzierstück, aber mit zwei Passstücken können wir die benötigte Reduzierung zusammenbasteln. Und siehe da, kurz vor 18 Uhr ist der neue Badhahn mit passenden und dichten Anschlüssen montiert und es sprudelt wieder Wasser im Boot. Noch schnell die Pumpe wieder einbauen und der Feierabend ist gerettet. War ja doch nicht so schlimm.


Mit den Erfahrungen vom Vortag (jetzt wissen wir ja wie es geht…) wird am nächsten Tag der leckende Hahn in der Küche in Angriff genommen. Nein, halt, stopp, zuerst müssen wir uns den Zugang zur Rückseite des Spülbeckens frei machen. D.h. als erstes wird unser Bett im Salon abgebaut und in der Achterkabine verstaut. Danach werden die Sitzbankpolster weggeräumt und eine Sitzbank komplett leergeräumt (die Sitzbänke im Salon sind der Hauptstauraum für unsere haltbaren Lebensmittel). Und zuletzt noch die kleine runde Zugangsklappe zur Rückseite von Spülbecken und Unterseite des Hahns öffnen.


Die Demontage geht dieses Mal trotz den etwas abstrusen Körperhaltungen ziemlich fix. Und auch der Einbau des neuen Hahns ist morgens um 10 Uhr schon fertig. Nur Wasser will keins kommen… Nach längerer Fehlersuche stellen wir erstaunt fest, dass der Hahn inwändig blockiert ist! Das lässt sich leider auch nicht reparieren, denn der Hahn (mit ausziehbarer Brause) ist derart schlau konstruiert, dass man ans Innenleben nicht rankommt.


Also wird wieder ein Ausflug zum Baumarkt fällig um einen neuen Küchenhahn zu erstehen. Und jetzt wissen wir auch, dass es hier in Colon keinen Mangel an Wasserhähnen in allen Formen und Farben hat. Es sei denn, man verguckt sich ausgerechnet in das chicke mattschwaze Modell, dass leider gerade ausverkauft ist. Und die Idee, dass man dem Kunden das Ausstellungsmodell verkaufen könnte, ist hier offenbar völlig unvorstellbar. Naja, dann wird es halt ein mattes silbriges Modell. Schnell die Anschlüsse visuell kontrolliert und sie „scheinen“ die richtige Grösse zu haben. Dritte Lernerfahrung: NIEMALS nur „gucken“, IMMER genau nachmessen…


Zurück an Bord ist der neue Hahn relativ schnell montiert, aber beim Anschliessen an den Wasserleitungen stellen wir fest, dass unsere Annahme „scheint die richtige Grösse zu sein“ eben nicht zutreffend war. Na, dann nehmen wir doch einfach die Zuleitungen vom Hahn der blockiert war (die Zuleitungsschläuche waren nicht blockiert). Also Hahn wieder demontieren. Geht inzwischen richtig fix von der Hand. Und danach die Zuleitungsschläuche beider Hähne abmontieren und austauschen, denn die Anschlüsse im Hahn selber sind doch standardisiert, oder? Sind sie nicht.
Zum Glück passen schlussendlich die Schläuche vom urspünglichen leckenden Hahn mit dem Neuen aus Colon und so wird nach drei Anläufen endlich die Montage abgeschlossen und abends heisst es endlich wieder Wasser marsch an Bord von RARE BREED. Lernerfahrung Nummer vier: Entsorge nie ein Altteil, bevor du nicht sicher bist, dass das Neue wirklich funktioniert.


Und nach diesen zwei Tagen ist schon mal einer der vielen Punkte auf unsere To Do Liste erledigt. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Loading

Das kommt uns Spanisch vor…

Das kommt uns Spanisch vor…

10.4. – 4.5.2024, Shelter Bay Marina

Die Shelter Bay Marina (und Rare Breed 😉 ) von oben

Kurz nach unserer Rückkehr von der Reise mit dem Mietwagen, sitzen wir zusammen mit Tom und Hajo von der Segel.BAR im Marina Restaurant „The Dock“. Es ist Mittwochabend und damit “Pizza Special Night”, wo die ohnehin ziemlich preiswerten Pizzen mit 25% Rabatt angeboten werden. Irgendwie habe ich keine rechte Lust zu essen, und mir wird von Minute zu Minute mieser. Als die Pizza schlussendlich serviert wird, bekomme ich keinen Bissen runter und gehe stattdessen zurück an Bord, wo ich sofort einschlafe. Auch am nächsten Tag bin ich krank. Anfänglich denken wir uns nichts Grosses dabei, die üblichen Grippesymptome halt. Aber irgendwie wird es auch nach ein paar Tagen nicht wirklich besser – im Gegenteil, ich schlafe fast nur noch. Zu allem Überfluss fällt Biggi noch die Treppen zum Backbordrumpf runter – sie kommt mit nassen Füssen ins Boot und zack, sitzt sie mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der untersten Stufe. Zum Glück gibts ausser blauen Flecken keine weiteren Schäden zu verzeichnen. Inzwischen haben unsere Nachbarn natürlich auch mitbekommen, dass unser Boot eine Art Krankenstation geworden ist und sie erkundigen sich täglich nach dem werten Befinden. Als ich dann auch den Appetit verliere, besteht Biggi darauf, dass ich mal Fieber messe. Selbstverständlich bedeutet das, im Notfallset nach dem Thermometer zu graben und zu sehen, ob es überhaupt noch tut. Es tut – und wie es tut: Es zeigt nämlich 40,3° Fieber an! 

Während ich sozusagen rund um die Uhr schlafe, bringt sich Biggi fast selber um…

Inzwischen ist es Freitagabend (wie könnte es anders sein…) und stockdunkel draussen. Biggi berät sich mit den anderen Seglern (inzwischen stehen sechs Leute neben unserem Boot rum, inklusive einer Krankenschwester) und plötzlich fällt das Wort “Denguefieber!” Meine Symptome passen anscheinend ziemlich gut auf Denguefieber und da diese Krankheit manchmal mit inneren Blutungen einhergeht, bin ich – wenn auch nur widerwillig – überredet, dass es Zeit ist ins Krankenhaus zu fahren.

Nachts im Krankenhaus und mein Medikamentencocktail.

Jetzt merken wir wieder einmal, wie die sprichwörtliche Solidarität unter den Seglern zum Tragen kommt. Während Biggi in aller Eile die nötigsten Sachen zusammen packt, falls wir im Krankenhaus bleiben müssen, organisiert unser Nachbar Dietmar ein Taxi für uns. Ich bin ziemlich apathisch, aber nicht so sehr, wie ich angesichts der hohen Temperatur hätte sein müssen. Trotzdem begleitet Dietmar uns zum Taxi und stellt sicher, dass ich nicht unterwegs ins Wasser plumpse. Quer durch die Nacht geht es dann nach Colon ins Krankenhaus. Dort angekommen werden zuerst die Vitalwerte von einer Krankenschwester gemessen, die danach – ohne uns die Ergebnisse zu zeigen – wortlos verschwindet. Irgendwie erstaunt uns das, denn bei über 40 Grad Fieber würde man meinen, dass dies irgendwelche Massnahmen auslösen würde. Stattdessen kommt irgendwann ein Arzt und fragt mich, was denn das Problem sei. Wir erklären es ihm und bitten um einen Bluttest, um sicherzugehen, dass es kein Denguefieber ist. Ich schlafe immer wieder ein und habe kein richtiges Zeitgefühl, aber es wird ein Test gemacht und auch vor Ort ausgewertet. Nix Denguefieber, sondern eine ganz normale Virusinfektion, welche hier anscheinend auch nicht ganz unüblich ist. Unser Taxifahrer wartet die ganze Zeit geduldig auf uns und fährt noch mit uns zu einer nachtoffenen Apotheke bevor er uns schlussendlich zurück zur Marina bringt – inkl. persönliche Begleitung bis zum Boot. Als wir zahlen wollen (also eigentlich Biggi, denn ich will nur ins Bett), winkt er nur ab und meint, dass das alles schon passiert sei. Am Tag darauf weigert sich auch Dietmar, Geld von uns zu nehmen. “Das sei doch selbstverständlich und schon gut, für das seien sie schliesslich da!” 

Inzwischen geht es Biggi auch langsam schlechter – das Virus hat auch sie erwischt und auch bei ihr zeigt das Thermometer knapp 40 Grad an. Sie ist aber trotzdem noch halbwegs fit und so fangen wir langsam an, die Messwerte vom Thermometer anzuzweifeln. 

Auch ein Batteriewechsel im Thermometer ändert nichts an den Ergebnissen. 

Unsere Nachbarn erkundigen sich alle immer wieder nach uns, aber das Ganze scheint eine zähe Angelegenheit zu sein. In diesen Tagen bewährt sich die Klimaanlage übrigens hervorragend, denn so können wir wenigstens das Boot ein wenig runterkühlen und uns  etwas Linderung verschaffen. Als Dietmar und Susan uns so rumhängen sehen, bekommen sie wohl noch mehr Mitleid und eines Abends klopft es an der Bordwand und wir bekommen zwei schön gefüllte Teller mit einem leckeren Nudelgericht mit Hähnchen rüber gereicht. Was für coole Nachbarn wir doch haben!

Das Essen von den Nachbarn, derweil auch Biggi erhöhte Temperatur hat.

Irgendwann beschliessen wir, dass wir fit genug sind, um wieder einkaufen zu gehen, und als erstes wird ein neues Fieberthermometer besorgt. Und siehe da – das neue Thermometer zeigt durchs Band 1,5 Grad weniger an als das Alte!  Jetzt verstehen wir auch, wieso wir trotz dem hohen Fieber funktioniert haben und auch wieso sie im Krankenhaus so entspannt waren. Was für eine Aufregung für nichts! (Als nächstes schauen wir nach einer Waage, die auch ein paar Kilo weniger anzeigt 🙂 …)

Jeden Sonntagabend ist BBQ-Pot Luck-Night in der Shelter Bay Marina. Jeder bringt sein Fleisch, seine Getränke und einen Salat oder ähnliches zum Teilen mit den anderen.
Inzwischen sind auch Uwe und Luise von der LUWINA in Shelter Bay angekommen. Das ist ein fröhliches Wiedersehen 🙂

Frank und Heike von der MANATEE haben uns schon seit längerem gefragt, ob wir ihnen helfen könnten, wenn sie durch den Panamakanal gehen. Jedes Boot, welches den Panamakanal durchfährt, muss nämlich neben dem Skipper vier weitere Personen als Line Handler an Bord haben. Jedes Boot braucht vier 40m lange Leinen und pro Leine eine Person, der dieselbe bedient. Zum Glück ist unsere Grippe rechtzeitig vorbei, damit wir unser Versprechen, bei ihnen als Line Handler mitzukommen, einlösen können.

Der Panamakanal. Die gelben Kreise zeigen die drei Schleusenanlagen des Kanals (License: Creative Commons Attribution 4.0 International)

Am Sonntag, 28. April fahren wir mit der MANATEE am frühen Nachmittag aus der Marina raus, um den Lotsen draussen in den “Flats” in der Limon Bay an Bord zu nehmen. Wie fast erwartet, verspätet er sich um zwei Stunden und wir dürfen vor Anker warten. Als er dann kommt, stellt er sich als Rick vor und fragt nach unseren Namen. Von da an spricht er jeden an Bord mit dem Namen an. Als er Biggi fragt, wie oft sie schon durch den Kanal gefahren sei und sie antwortet, dass es ihr erstes Mal sei, meint er: “ Ja, für mich auch – heute! 😉 ”. In bester Laune machen wir uns auf den Weg zur ersten Schleuse. Mit so einem Lotsen macht es richtig Spass.

Warten auf den Lotsen
Unterwegs zur ersten Schleuse.
Unter der Brücke vom „Punto Atlantico“ durch. Biggi mit dem „Oh, Shit!“-Fender 😉

Vom Atlantik kommend wird man in den Gatunschleusen in drei Stufen auf das Niveau des Gatunsees hoch geschleust, um auf der Pazifikseite durch die zwei Schleusen „Pedro Miguel Locks“ und „Miraflores Locks“ auf das Niveau des Pazifiks runtergeschleust zu werden.

Das Querprofile des Panamakanals (Quelle: Wikipedia)

Dabei werden wir vor der Schleuse zusammen mit einem grossen Katamaran und einer weiteren Yacht zu einem Verbund zusammengebunden. Als Dreierpäckchen mit dem grossen Kat in der Mitte fahren wir in die erste Kammer rein.

Der „Oh-shit“-Fender kommt beim Zusammenbinden zum Einsatz 🙂

Auf jeder Seite der Schleusenkammer (gaaaanz weit über uns) warten jeweils zwei Mitarbeiter vom Kanal. Weil es nicht möglich ist, unsere dicken Leinen so weit zu werfen (die Kammer ist riesig und wir sind ca. 10-20 m von der Wand weg) werden uns stattdessen von den Kanalmitarbeitern dort oben dünne Leinen mit einer sog. “Affenfaust” am Ende zugeworfen. Die Affenfaust ist eine von Schnur ummantelte Bleikugel in der Grösse eines Golfballes. Die ist entsprechend schwer und ermöglicht ein halbwegs zielgenaues Werfen. Die Kanalmitarbeiter versuchen natürlich so genau wie möglich zu zielen, aber wenn die Affenfäuste durch die Luft sausen heisst es unten auf dem Boot gut aufzupassen, damit man sie nicht an den Kopf kriegt. Uns hat es nicht erwischt, aber leider ist eine der Affenfäuste auf eine der Decksluken von der MANATEE gelandet, die prompt einen grossen Riss bekommt.

Die beiden hübschesten Mädels an Bord 😉
Die Kanalmitarbeiter laufen erstmal neben uns her bis wir soweit in der Schleuse drin sind, dass es Zeit wird die Leinen rüber zu holen. In ihren Händen sieht man die aufgeschossenen Wurfleinen mit der Affenfaust dran.
1, 2, 3, und Wurf!

Jetzt werden die dicken Festmacher von den Line Handlern mit den dünnen Leinen zusammengebunden und von den Kanalmitarbeitern hochgezogen. Während des Schleusenvorgangs wird das Dreierpäckchen Boote von vier Festmacherleinen in der Mitte der Kammer gehalten. Dabei sind nur zwei der Line Handler der beiden äusseren Booten in Aktion, um die Leinen schön straff zu halten, die restliche Mannschaft kann sich derweil ausruhen.

Hier werden die dicken Festmacherleinen mit den Wurfleinen verknotet. Rechts sieht man die Affenfaust.

Wenn die Kammer voll ist, ertönt ein Ton und die Line Handler holen die Festmacher so schnell wie möglich wieder ein. Dabei bleiben die dünnen Leinen an den Festmachern dran, damit die Verbindung für die nächste Kammer schon da ist.

Zwischen den Kammern fahren wir langsam als Dreiergespann weiter während die Kanalmitarbeiter oben mitlaufen und uns an den dünnen Leinen “festhalten”. Das Ganze wiederholt sich drei Mal und dann sind wir auf dem Niveau des Gatunsees.

Das Tor hinter uns geht zu. Vor uns liegt nur ein kleines Kriegsschiff der Ecuadorianischen Marine.

Der Gatunsee ist beim Bau des Kanals künstlich aufgestaut worden und ist von dichtem Dschungel umgeben. An sich ist nur schon die Durchfahrt durch den See ein Erlebnis für sich, denn es wimmelt von Vögeln und anderen Tieren, die man aber nicht immer sieht. Freizeitboote dürfen nachts hier nicht fahren und so ist bei uns nach der Gatunschleuse schon fertig für heute und wir binden uns im letzten Abendlicht für die Nacht an eine grosse Festmachertonne im See. Rick wird mit einem Pilotboot abgeholt und wir richten uns für die Nacht ein. 

Ausfahrt aus der letzten Schleusenkammer und festgemacht an der Übernachtungstonne.
Bye, bye Rick! War cool mit dir!

Eigentlich hätte ich gerne ein Bad im See genommen (wann bin ich zum letzten Mal in Süsswasser geschwommen?), denn es ist stickig warm, aber das ist wegen der Krokodile untersagt. Rick meinte noch, ich solle mir vorher überlegen, was ich den Krokodilen anbieten möchte, einen Arm oder ein Bein. Ich nehme Rick das nicht wirklich ab, aber halte mich an die Vorgaben.

Am nächsten Morgen kommt der neue Lotse schon um 06:30 an Bord und ab jetzt ist es fertig mit der Ruhe. Im Gegensatz zu Rick, der völlig entspannt war und mit dem wir viel Spass hatten, hat Jose wohl einen Stock geschluckt und nimmt sich selbst sehr wichtig. Kaum an Bord (eine Vorstellung gab es keine, denn unsere Namen haben ihn nicht interessiert) verlangt er von Frank, den er übrigens immer mit „Captain“ anspricht, dass er sofort mit Höchstgeschwindigkeit losfahren soll. Wir schauen uns alle etwas verwundert an, und trauern schon bald Rick nach.

Kaum ist der Jose an Bord sind wir schon unterwegs.
Morgenstimmung auf dem Gatunsee.

Vor uns liegen ca. 40 Seemeilen bis zu den beiden Schleusen an der Pazifikküste des Kanals. Der grösste Teil der Strecke geht durch den See und ist alles andere als eng. Jose zwingt uns ganz nah an den Tonnenstrich, also am Rand des Fahrwassers zu fahren, und zwar so nahe ran, dass wir fast die Tonnen touchieren. Das ist erstens gar nicht nötig und zweitens müssen wir deswegen ständig den Kurs anpassen. Alle paar Minuten kommt ein “Port!” oder “Starboard!” von Jose. Irgendwie hat er wohl noch nicht verstanden, dass der Autopilot einer Yacht immer leichte Kursschwankungen hat. Irgendwann wird es uns zu blöde und wenn er wieder mal eine unnötige Kurskorrektur verlangt, drückt der Rudergänger einfach je einmal auf 1° Steuerbord und danach auf 1° Backbord, so hört Jose zwei Piepser und ist zufrieden.

Noch ist die Stimmung an Bord OK, aber als wir merken wie Jose tickt, sinkt sie langsam ab. So stand er den ganzen Tag an der Seite vom Boot und hat nach Tonnen Ausschau gehalten und Steuerungskommandos gegeben…

Auf dem Weg durch den See sehen wir tatsächlich insgesamt fünf zum Teil richtig grosse Krokodile vorbeischwimmen. Hat vielleicht doch was mit dem Badeverbot… Schni, schna, schnappi… 😉

Schwer zu erkennen, aber die Biester sind auch gut getarnt.

Unterwegs lässt Jose nach und nach die Geschwindigkeit reduzieren und will, dass wir auf ein Zehntelsknoten genau seine Vorgaben einhalten. Wir tun wie geheissen, aber innerlich können wir nur über ihn lachen. Hier hat er mit Leuten zu tun, die schon seit Jahren mit ihrem Boot um die Welt segeln und schon x Mal durch enge Fahrwasser gefahren sind und bereits diverse Schleusen bewältigt haben, und er verhält sich wie wenn es ohne ihn gar nicht gehen würde. Naja, irgendwie muss er seine Anwesenheit an Bord wohl rechtfertigen.

Ruhig ist, wer sich trotzdem entspannen kann 🙂

Am Ende des Sees müssen wir dann doch warten, weil wir zu schnell waren und zu früh am engeren Teil, dem “Gaillard Cut”, angekommen sind. Sowas aber auch…

Gegen Mittag kommen wir vor den Schleusen auf der Pazifikseite an und binden uns wieder mit denselben beiden Booten zu einem Päckchen zusammen.

Jetzt geht es wieder abwärts, zuerst durch die Einzelkammer der Pedro Miguel Schleuse und nach einer kurzen Weiterfahrt zu den beiden Kammern der Miraflores Schleuse. Auch hier fliegen die Affenfäuste, aber wir haben dazugelernt und alle Fenster und Luken mit Kissen und anderem Material abgedeckt.

Beim Abwärtsschleusen fahren die grossen Schiffe nach den Yachten in die Schleuse rein. Dieses hier ist etwas grösser als das Kriegsschiff von gestern und füllt die ganze Breite der Kammer.
Und in der zweitletzten Schleuse entleert sich ein tropischer Regenguss über uns – kurz aber heftig!
Bald geht es zum letzten Mal abwärts und dann geht das Tor zum Pazifik auf!

Nach dem letzten Schleusengang wird Jose vom Pilotboot abgeholt und wir müssen es tatsächlich schaffen, die letzten paar Meilen ohne seine Anweisungen weiter zu fahren…

Ohne Jose an Bord ist es gleich viel entspannter.

Gegen 15 Uhr machen wir in der Flamenco Marina in Panama Stadt fest. Nach einem etwas traurigen Abschied – es wird wohl eine Weile dauern, bis wir Frank und Heike wiedersehen – machen wir uns per Uber auf den Rückweg zur Shelter Bay, wo wir gerade noch rechtzeitig zur Happy Hour ankommen 🙂

In der Woche bevor wir durch den Kanal fahren und auf dem letzten Drücker der Grippe, hat unser Spanischunterricht angefangen. Drei Mal die Woche kommt Anisha, eine junge, sehr sympathische Inderin, die in Indien ein Sprachinstitut aufgebaut hat, zu uns in die Marina. Vor kurzem hat sie geheiratet und ist zu ihrem Mann nach Panama gezogen, wo sie Privatunterricht in Spanisch und Englisch und sogar auch Deutsch gibt. Es hat hier einen klimatisierten Aufenthaltsraum mit Arbeitstischen und anderen Sitzgelegenheiten. Dort findet der Unterricht statt und wir verbringen zusätzlich einige Stunden pro Tag dort, um zu repetieren und die Hausaufgaben zu machen. Wir haben die Schulungsintensität für die erste Zeit bewusst hoch angesetzt, um eine Art “Kick-start” zu bekommen. Inzwischen haben wir realisiert, dass unser Programm wirklich SEHR anspruchsvoll ist, denn wir kommen daneben zu fast gar nichts mehr. Dieser Bericht entsteht in einer kurzen Lernpause wegen des lokalen Feiertags. Anisha wollte den freien Tag zwar kompensieren indem wir drei Tage nacheinander Unterricht hätten, aber wir haben dankend abgelehnt. Irgendwie müssen sich unsere Hirne zuerst an dieses Lerntempo anpassen. Nichtsdestotrotz merken wir erstaunlicherweise, wie wir nach nur zwei Wochen Unterricht schon in der Lage sind, einfache Konversationen zu betreiben. Und jeder Panamaer, der nicht bei “drei auf’m Baum“ sitzt, wird gnadenlos von mir auf “Spanisch” angequatscht. 

Loading

Welcome to Panama! – Oder wie ein Mietwagen einfach verschwindet…

Welcome to Panama! – Oder wie ein Mietwagen einfach verschwindet…

23.02.-09-04.2024, San Blas – Panama Festland, Logstand seit Start 8‘369 sm

Unser Lieblingsankerplatz in San Blas vor der Insel Banedup hält uns fast auf den Tag genau einen Monat „gefangen“. Viele Ankerplätze in den San Blas sind relativ ungeschützt oder man ankert in eher tiefem Wasser, und viele der Inseln sind bis ans Wasser mit dichtem Gestrüpp bewachsen, sodass man nicht wirklich an Land gehen kann. Banedup in den Holandes Cays bietet einen gut geschützten Ankerplatz in eher flachem Wasser und es hat einige Inseln, die man komplett am Strand entlang umrunden kann. Dass es auch noch eine kleine Strandbar, ein Restaurant und sogar zwei Beachvolleyballfelder hat ist natürlich ein Extrabonus, den wir und viele andere Segler gerne schätzen. So ist hier immer etwas los und schwupps ist ein Monat um 😉

Die Kunas dort kennen uns auch langsam und so entstehen immer wieder nette Begegnungen und Gespräche. Mit unserem (noch) sehr holperigem Spanisch ist es manchmal etwas schwierig, aber irgendwie versteht man sich dann doch. Als wir einen Dinghyausflug zur Nachbarinsel machen, werden wir sofort von einigen Kunakindern in Empfang genommen und händchenhaltend zeigen sie uns ihre schöne Insel. Rein „zufällig“ endet der Ausflug neben einer Hütte, wo handgemachter Schmuck verkauft wird. Ganz schön geschäftstüchtig die Kleinen 😉 Logisch, dass wir ein Armband kaufen wollen. Es kostet 5.- Dollar, aber auf der ganzen Insel findet sich niemand, der eine 20.- Dollar Note wechseln kann. Kein Problem – mit Händen und Füssen erklären wir, dass wir zum Boot zurückfahren um einen passenden Schein zu holen. Die Kunakinder wachsen sozusagen auf dem Wasser auf und so wollen sie alle natürlich zu unserem Boot mitkommen. Die inzwischen auf 8 Kinder angewachsene Gruppe hilft eifrig mit, das Dinghy ins Wasser zu ziehen und völlig überladen tuckern wir mit der ganzen Kinderschar zu RARE BREED zurück. Der Kleinste ist gerade mal vier Jahre alt und der Älteste 14. Da wir keine Ahnung haben, ob die Kinder schwimmen können sind wir natürlich extra vorsichtig und halten den kleinsten Mitfahrer die ganze Zeit an der Hand. An Bord finden alle rasch einen Sitzplatz im Cockpit und schauen sich etwas scheu um. Als dann ein Teller Kekse auf den Tisch kommt ist der Bann gebrochen und es dauert keine Minute und alles ist aufgefuttert. Auch der Inhalt vom zweiten Teller verschwindet in rekordverdächtiger Geschwindigkeit in den Mündern der Krümelmonster. Nach der Rückreise und Bezahlung des Armbandes winkt uns die ganze Schar zum Abschied vom Strand aus zu. Ein schönes Erlebnis, welches uns wieder vor Augen führt, dass wir dringend Spanisch lernen sollten.

Gegen Ende unserer Zeit in den San Blas kaufen wir nochmals einen lebendigen Hummer von einem lokalen Fischer. Erst nach dem Kauf wird uns bewusst, dass bereits Schonzeit ist und gar keine Hummer gefangen, geschweige denn verkauft werden dürften. Also beschliessen wir eine gute Tat zu machen und lassen das Tier wieder frei.

In den San Blas ist die Versorgung mit Benzin nur an wenigen Orten möglich und wir hatten daher alle Kanister vor der Abfahrt in Linton Bay gefüllt. Schlussendlich haben wir nur sehr wenig Benzin gebraucht und konnten damit einem anderen Segler eine grosse Freude machen, indem wir ihm kurz vor der Abfahrt 45 l Benzin verkaufen.

Aber auch der schönste Ankerplatz muss irgendwann verlassen werden. Unsere Aufenthaltsbewilligung in Panama läuft Ende März aus und wir müssen aus- und wieder einreisen, um wieder ein neues Touristenvisum zu bekommen.

Hoch und trocken sitzt das Wrack vom Frachter auf dem Riff bei den Chichime Cays – ein Mahnmal an den Navigator…

Nach den vier Wochen am gleichen Ort, dauert es eine ganze Weile, bis wir den tief vergrabenen Anker wieder an Deck bekommen. In zwei Tagestörns mit einem Übernachtungsstopp in Portobelo wollen wir nach Colon in die Shelter Bay Marina. In Portobelo besucht uns abends noch ein Delfin in der Ankerbucht und die Brüllaffen geben ein lautes Abendkonzert.

In Portobelo sind wir fast alleine

Tags darauf geht es bei diesigem Wetter die wenigen Meilen nach Colon weiter. Schon von weitem sind die vielen Pötte zu sehen, die draussen auf Reede liegen und auf ihre Kanalpassage warten. Die Einfahrt nach Colon ist gleichzeitig die Zufahrt zur Atlantikseite vom Panamakanal und wird entsprechend genau überwacht und geregelt.

Ca. 8 Seemeilen vor der Einfahrt muss man sich über Funk bei der Balboa Pilot Station anmelden und bekommt kurz vor der Einfahrt dann von ihnen das OK, um im riesengrossen Vorhafen einzufahren. 15 Minuten später sind wir schon an unserem Liegeplatz in der Marina angekommen. Die Einfahrt in der Box gestaltet sich wegen den engen Verhältnissen und dem Seitenwind etwas schwieriger als erwartet, aber mit Ruhe und einem weiteren Anlauf hat Biggi RARE BREED ohne Schrammen an den Steg gebracht.

Nach so langer Zeit vor Anker ist der Kontrast zum Marinaleben schon krass. Man kann jederzeit an Land steigen, hat Strom und Wasser im Überfluss und vor allem Nachbarn unmittelbar neben dem eigenen Boot. Am ersten Abend gibt es ein schönes Wiedersehen mit den Crews von der USI und der SEGEL.BAR, die wir zuletzt vor mehr als einem Jahr in St. Martin getroffen haben.

Da wir auf dem Weg von Curaçao nach Panama Kolumbien ausgelassen haben, bietet es sich an, zwecks Erneuerung des Touristenvisums einen Kurzausflug nach Cartagena zu machen, um diese schöne Stadt auch zu sehen.

Nach einem kurzen Flug landen wir am 22. März in Cartagena. Zuerst müssen wir am Flughafen einen Bankautomaten finden, um Kolumbianische Pesos für das Taxi in der Stadt zu ergattern. Bei dem geringen Wert des Pesos wird man dabei schnell zum Millionär 😉

Mit einem Bündel Geld im Hosensack lassen wir uns mit dem Taxi zu unserem Airbnb bringen, welches sich mitten in Getsemani, DAS Ausgehviertel von Cartagena befindet. Von der Terrasse von unserem Zimmer aus sieht man direkt auf die bekannte Gasse mit den vielen aufgehängten Schirmen, zentraler geht nimmer!

Wir waren vorgewarnt, dass es hier laut sein würde und die Ohrenstöpsel, die uns der Vermieter auf den Kopfkissen bereitgelegt hat, sprechen eine deutliche Sprache… So ist es dann auch, das Quartier pulsiert vor Lebensfreude und der Salsasound ist allgegenwärtig. Die Party geht JEDE Nacht bis in die frühen Morgenstunden und danach kommen die Jungs von der Strassenreinigung, die selbstverständlich ihre Arbeit mit lautem Salsasound aus grossen Bluetoothlautsprechern versüssen… Irgendwann kann man auch beim grössten Lärm einschlafen, aber wie die Ortsansässigen das tagaus, tagein aushalten ist uns ein Rätsel.

Der Nobelpreisträger Gabriel Jose Garcia Marquez hat neben der Tür von unserem Airbnb gesessen und aus seinem Werk „100 Jahre Einsamkeit“ gelesen.

Abends und nachts sind die Strassen voll mit feiernden Menschen, es gibt unzählige Bars, die ihre Sitzgelegenheiten auf dem Trottoir haben und das Durchkommen dadurch noch schwieriger machen.

Man wird quasi dazu „genötigt“ 😉 einen der vielen Cocktails zu probieren… Zwei Mojitos kosten gerade mal 20‘000.- Pesos was ungefähr 5.- Dollar entspricht. Die Preise sind überhaupt erstaunlich tief, was man wegen den immensen Beträgen auf den Preislisten erst mal realisieren muss. Und die Küche ist vielseitig und gut. Die Auswahl ist ebenfalls riesig und von wirklich sehr günstigem Street Food über Tapas bis zum Steak bekommen wir alles was das Herz begehrt.

Street Food
Sonnenaufgang über Cartagena

Cartagena hat, neben dem Kunst- und Partyviertel Getsemani, auch eine schöne ummauerte Altstadt und einen kleinen Stadtpark, wo wir sogar Faultiere und Affen frei rumwuseln sehen. Wobei man bei den Faultieren wohl eher von „Abhängen“ reden sollte 😉

Gar nicht so einfach zu sehen, die Faultiere, die perfekt in ihrer Umgebung „verschwinden“.

Mit dem „Hop on, hop off“-Bus erfahren wir (im wahrsten Sinn des Wortes) alle Sehenswürdigkeiten von Cartagena.

Die Helmpflicht gilt hier offenbar nur für den Fahrer…!

Ein Besuch im bekannten Caféhaus „San Alberto“ darf natürlich auch nicht fehlen. Dort erfahren wir viel über den Kolumbianischen Kaffee und können über unterschiedliche Zubereitungsarten die verschiedenen Geschmacksnoten erleben.

Vollbepackt mit neuen Eindrücken und feinem kolumbianischen Kaffee, fliegen wir nach fünf Tagen wieder nach Panama zurück.

Bei der Passkontrolle werden wir von einem Beamten angewiesen, in einer gesonderten „Expressschlange“ anzustehen. Erst nach ein paar Minuten dämmert es uns, dass Senioren hier (wie an vielen anderen Stellen in Panama auch) ungefragt bevorzugt behandelt werden. Ist ja grundsätzlich nett, aber irgendwie ist es ernüchternd feststellen zu müssen, dass wir inzwischen offenbar zu den „senior Citizens“ gehören. Immerhin ist der Panamaische Begriff „Jubilado“ irgendwie sympathischer als Rentner…

Panama City by Night

Nach einer Nacht in einem Hotel in Panama City wollen wir am nächsten Tag unseren schon vor Wochen reservierten Mietwagen bei Avis abholen. Aber daraus wird nix, denn die Dame bei Avis erklärt uns, dass sie keine Autos mehr haben! Das gibt es doch nicht!? Wir fallen aus allen Wolken, so etwas haben wir beide noch nie im Leben erlebt! Da nützt alles Bitten, Toben und Fluchen nichts. Kein Auto da – weder in der Stadt noch am Flughafen und ihr Chef sei schon in den Osterferien verschwunden… „Lo siento!“ Ich koche vor Wut, aber das bringt ja nichts. Es ist wie es ist und Biggi meint nur lakonisch „Welcome to Panama!“

In unserer Not – wir brauchen wirklich ein Auto, da wir eine Reise entlang der Panamaischen Pazifikküste mitsamt vorreservierten Unterkünften geplant haben – mieten wir einen Wagen bei der Konkurrenz auf der anderen Strassenseite. Teurer, kleiner und nur für 11 statt 30 Tage. Grummel!

Dass wir offenbar kein Einzelfall sind wird uns klar, als wir bei „Crown Rent a Car“ ein Pärchen treffen denen genau dasselbe widerfahren ist, aber bei einem anderen Vermieter. Später haben uns andere panamaerfahrene Leute erzählt, dass das tatsächlich nicht so ungewöhnlich sei – vor allem so kurz vor den Feiertagen in der Hauptsaison. Anscheinend werden vorreservierte Autos von der Mietstation in Eigenregie kurzfristig zu höheren Preisen an Laufkundschaft vermietet. Welcome to Panama.

Sundowner in der Shelter Bay Marina

Wir haben inzwischen entschieden, die Regen- und Gewitterzeit von April bis November in der Shelter Bay Marina zu verbringen. Die Idee nach Bocas del Toro zu segeln, uns dort in die Marina zu legen und die Sprachschule vor Ort zu besuchen, haben wir verworfen. Erstens können wir dort keinen Platz reservieren (Strictly first come, first served) und zweitens haben wir von mehreren Seglern zu hören bekommen, dass es dort wegen dem intensiven Taxi-Bootsverkehr in der Marina sehr unruhig sei. Da ist es hier in der Shelter Bay Marina wesentlich ruhiger.

Panama hat zwar keine tropischen Wirbelstürme, stattdessen gibt es während der Regenzeit heftige Gewitterstürme, gegen die man sich auf einem Boot fast nicht schützen kann. Wenn ein Blitz im Mast einschlägt kann der Schaden sehr gross werden. In einer Marina gibt es rund um uns herum viele höhere Masten, und wir denken uns, dass das Risiko, dass es ausgerechnet uns trifft, hier kleiner ist, als wenn wir irgendwo alleine vor Anker liegen. Wir hoffen, dass wir uns da nicht täuschen…

Zudem bietet die Marina einige Annehmlichkeiten, die sehr praktisch sind, wenn man länger an einem Ort bleibt. Es gibt einen kleinen Lebensmittelladen und einen Gemüsestand in bzw. vor der Marina, ausserdem fährt der kostenlose Shuttlebus zwei Mal täglich zum grossen Einkaufzentrum Cuatro Alto in Colon. In der Marina selber gibt es einen Pool und sogar ein kleines klimatisiertes Fitnesscenter, einen klimatisierten Aufenthaltsraum mit WLAN und Arbeitstischen und eine überdachte Grillstelle. Alles das ist in den Liegeplatzgebühren enthalten.

Der Gemüsestand vor der Marina

Die Marina liegt mitten in einem Naturschutzgebiet und unmittelbar vor dem Tor fängt der Regenwald an, wo es Brüllaffen, Faultiere, Nasenbären und sehr viele Vögel usw. zu sehen bzw. hören gibt. Und gelegentlich schwimmt sogar ein Krokodil durch die Marina…

Diese Nasenbären werden hier auch Coatis genannt, und die sieht man wirklich häufig um die Marina herum.

Es ist also kein Wunder, dass es viele Yachten hier hat, und die Seglergemeinschaft ist wirklich sehr aktiv und unternehmungslustig. Alle sind in der Shelter Bay WhatsApp-Gruppe und es wird täglich rege diskutiert, gefragt, geholfen und Aktivitäten angeboten. Sonntags ist ein regelrechter „Stresstag“: Morgens um 10 ist Gottesdienst (wer das möchte) und um 13 Uhr kann man beim Mexican Domino Train mitspielen. Um 17 Uhr wird der Grill eingeheizt und jeder der will bringt sein Grillgut, etwas zu trinken und eine Beilage zum Teilen.

Das Restaurant hat täglich von 16:30-18:30 Happy Hour, wo ein Bier für gerade mal 1.75 Dollar zu haben ist und mehrmals die Woche wird ein Special Menu angeboten, welches um die 12 bis 15.- Dollar kostet. Also leisten wir uns auch ab und zu ein Auswärtsessen.

ABER, das Leben an Bord in der Marina hat auch seine Herausforderungen. Das Klima ist hier nämlich während der Regenzeit brutal warm und feucht. Im Schiff hat es locker 35 Grad und der Schweiss läuft einem nur schon vom Nichtstun in Strömen runter. Das ist einerseits sehr anstrengend und andererseits fängt alles im Boot an zu schimmeln. Die einzige sinnvolle Lösung ist eine Klimaanlage im Boot. Dadurch wird es nicht nur weniger heiss – „nur“ noch 30 Grad, aber vor allem viel trockener im Boot.

Auf dem Rückweg von Panama City kaufen wir uns daher eine portable Klimaanlage, die wir mit dem Mietwagen einfach zum Boot bringen können. Nachdem wir sie endlich zum Laufen bekommen (ich dachte irrtümlicherweise, dass sie 110 Volt braucht, dabei ist es ein 220V Gerät…) ist es wieder möglich tagsüber im Boot zu sein, ohne tropfnass zu werden. Wir haben sie bewusst auf kleiner Stufe laufen, da wir keinen zu grossen Unterschied zur Aussentemperatur wollen, aber bereits 5 Grad weniger als draussen und es ist richtig angenehm im Boot.

Der Einbauort ist zwar etwas suboptimal, aber es wird alles wieder entfernt, wenn wir die Marina wieder verlassen.

Am 30. März fahren wir nach Coronado bzw. San Carlos an der Pazifikküste um diesen Teil von Panama zu sehen.

Panama 1 = Panamericana
Sonnenuntergang über der Panamericana.
Hier ist das Gendern noch nicht angekommen…

Wir haben ein herziges Airbnb mitten im Nirgendwo gebucht. Vor unserer Terrasse ist ein Fischteich, die Hühner laufen durch den Garten und die drei Katzen werden auf der Stelle von Biggi „adoptiert“. Aber das coolste ist die Aussenküche auf der Terrasse, so etwas hätten wir auch gerne an Bord.

Hier bekommen wir neben einem Dutzend Bio-Eier auch sofort Familienanschluss und Ayana, die erwachsene Tochter erzählt uns bei einem Kaffee auf unserer Terrasse viel über Panama und die Umgebung. So haben wir schnell ein paar Ausflugsziele ausgemacht und verbringen die nächsten Tage damit die Gegend zu erkunden.

Links die trockene Vegetation am Pazifikstrand, rechts der Regenwald auf der Atlantikseite.

Dieser Teil von Panama wird auch der „Dry Arch“ (Trockener Bogen) genannt, weil es hier wesentlich trockener als im übrigen Land ist. Aber sobald man die Küste verlässt und ins Hochland im Landesinneren fährt wird es wieder grüner und fruchtbarer. Die dichten Regenwälder, die wir von der Atlantikseite kennen, sind hier aber nicht vorhanden, es wirkt eher subtropisch.

Der Pazifik!

Nach Rückgabe des Mietwagens richten wir uns auf einen längeren Aufenthalt in der Marina ein. Rare Breed wandelt sich vom Segelboot zum Haus und vieles was beim Segeln verstaut ist, kann jetzt stehen bleiben. Mit einem „geregelten“ Tagesablauf hoffen wir die Zeit hier gut dazu nutzen zu können um z.B. unsere To Do Liste abzuarbeiten. Viele kleinere und weniger wichtige Aufgaben/Verbesserungen sind schon länger drauf und es wäre cool, wenn wir die mal abhaken können. Ausserdem machen wir täglich ein bisschen Sport und haben auch schon das Fitnesscenter in unser Sportprogramm eingebaut. Und ab übernächster Woche fängt unser Spanischunterricht an. Wir haben eine Privatlehrerin engagiert, die drei Mal in der Woche zu uns in die Marina kommt um uns jeweils für zwei Stunden zu unterrichten. Schlussendlich war das günstiger als einen Klassenkurs zu buchen, den es sowieso nur in Bocas del Toro gegeben hätte.

Loading

Die Südsee muss warten!

Die Südsee muss warten!

20.01.-22.02.2024, San Blas, Logstand seit Start 8‘285 sm

Je weiter südlich man in den San Blas geht, desto trüber wird das Wasser. Nicht weil es verschmutzt wäre, aber weil die vielen Flüsse vom Festland Sediment ins klare Atlantikwasser schwemmen. Diese Flüsse mäandern sich durch dichten Dschungel bis sie ins Meer münden. Da es dort Trinkwasser gibt, liegen auch die „grösseren“ Kuna-Siedlungen in der Nähe solcher Flussmündungen. Einen solchen Fluss wollen wir erkunden und machen uns auf den Weg zum Rio Diablo, der direkt neben den beiden Inseln „Nargana-Yandup“ und „Corazon de Jesus-Akuanusatupu“ mündet. Die beiden Inseln sind über eine Brücke miteinander verbunden und so dicht bebaut, dass man vor lauter Häuser und Hütten fast keinen Flecken Land mehr sieht. Die äusserste Reihe von kleinen Häuschen liegt durchwegs über dem Wasser und es braucht nicht viel Fantasie um zu verstehen, was deren Zweck ist. Baden (oder Wasser machen) wollen hier auf keinen Fall…

Die Flussmündung ist im Dickicht vom Dschungel fast nicht zu finden und ausserdem ist es so flach, dass wir den Aussenborder hochklappen und mit den Paddeln einen Weg ertasten müssen.

Wo ist denn die Einfahrt…? Von innen ist es dann ganz einfach zu sehen.

Einmal drin, ist es wie wenn man in eine völlig andere Welt eintaucht. Es ist sehr ruhig. Ausser das Knacken der Äste und das Zwitschern der Vögel ist nichts zu hören. Tiere sehen wir nicht sehr viele, vermutlich, weil der Fluss doch einiges an Verkehr hat, da die Wasserquelle weiter oben fleissig von den Kunas angesteuert wird.

Nach der Flussfahrt gehen wir auf den Inseln an Land. Es wimmelt regelrecht von Menschen und wir wundern uns ein bisschen, dass die Leute alle so eng beieinander leben, wo es doch auf dem Festland, nur wenige Bootsminuten weg unendlich viel Land hätte, wo sie auch eine Hütte hinstellen könnten.

Von Nargana im Süden segeln wir via Canbombia zu den Lemon Cays.

Strand von Canbombia. Unser Früchtevorrat in den Netzen
Endlich mal guter Segelwind. Von Canbombia zu den Lemon Cays.
Aussicht vom Ankerplatz in den Lemon Cays, bei Tag und in der Abenddämmerung.

Karin von der Deutsch/Schweizer Yacht MABUL fliegt für ein paar Tage in die Schweiz und ist so lieb wichtige Post von uns wieder mit zurück nach Panama zu bringen. Nach sechs Wochen in den San Blas machen wir uns anfangs Februar auf den Weg nach Linton Bay, wo wir Alex und Karin treffen wollen. Das sind rund 45 Seemeilen (ca. 7 Stunden) entlang der Panamaischen Festlandküste gegen Westen. Nach der langen Zeit in den geschützten Gewässern der San Blas segeln wir zum ersten Mal wieder in der Atlantikdünung und das Boot rollt ganz ordentlich. Ich freue mich über die gute Fahrt, Biggi leider weniger… Sie wird dieses Mal richtig seekrank und muss sich mehrfach übergeben. Weil wir wieder auf dem offenen Meer sind, haben wir auch wieder die Angel draussen und prompt beisst ein Fisch an.  Biggi ist nicht in der Lage ihre Umklammerung vom Eimer zu lösen und so muss ich den Fisch alleine reinholen. Es ist der grösste Gelbflossenthunfisch, den wir bis jetzt gefangen haben. In dieser Hitze muss das Fleisch so schnell wie möglich in den Kühlschrank. Das Riesenvieh passt nicht mal ansatzweise dort rein und so muss ich den Fisch zuerst fiLletieren und auch die Filets in Stücke schneiden, damit alles an die Kälte kommt. Das tönt jetzt nicht so wild, aber das Ganze muss wegen der Sauerei draussen auf der Heckplattform gemacht werden, während das Boot mit 7-8 Knoten durch die Wellen schaukelt. Wenn wir das zu zweit machen, geht es noch, aber alleine artet es in einen Jonglier- und Balanceakt aus, damit ich nicht den Fisch verliere oder die Messer über Bord gehen. Dabei bleibt sogar das obligate Bild vom Fisch auf der Strecke. Aber sechs Kilo Thunfischfilet im Kühl- bzw. Gefrierschrank ist schon was Tolles und die Mühe wert.

Die erste Nacht ankern wir in der Linton Bay. Das wird die bisher schlimmste Nacht vor Anker. Das Boot rollt derart (obwohl es ein Katamaran ist!), dass wir kaum schlafen können und Biggi gar nie richtig fit wird. Um neun Uhr am nächsten Morgen sind wir schon in der Marina festgemacht. Endlich Ruhe im Boot!

Nach drei Versuchen hält der Anker endlich. Die Fahrt vom Ankerplatz zur Marina bedeutet, sich durch eine enge Durchfahrt zwischen den Riffen zu schlängeln.
Linton Bay Marina – eine regelrechte Dschungelmarina.

Am Tag darauf kommt Karin mit unserer Post und bekommt als kleines Dankeschön dafür ein grosses Paket mit gefrorenem Thunfischfilet, win-win Situation.

Hier können wir zum ersten Mal unseren Abfall entsorgen. Das ist alles was sich seit Curaçao (Mitte Dezember – bis Anfang Februar) an Abfall angesammelt hat.

Die Linton Bay Marina liegt mitten im Dschungel und morgens werden wir vom Gebrüll der Brüllaffen geweckt. Das ist schon speziell, eine Gruppe am Festland hat mit einer anderen auf der Isla Linton kommuniziert und das Brüllen ging hin und her über unser Boot. Gesehen haben wir allerdings keinen einzigen Affen.

Abendstimmung in der Linton Bay Marina. Aussicht auf die Linton Bay.

Wenige Meilen weiter östlich liegt die Panamarina. Das ist eigentlich keine Marina mit Stegen, sondern eher eine Werft mit einem Trockenstellplatz und ein paar Bojen davor, wo die Boote im Wasser festgemacht werden können. Rund herum ist dichter Dschungel und Mangroven. Es gibt eine innere Zufahrt zwischen Linton Bay und der Panamarina, die durch einen kleinen Mangrovenfluss führt. Dieser Fluss ist nur mit Kanus oder kleinen Motorbooten befahrbar und streckenweise wölbt sich das Blätterdach der Mangrovenbäume zu einer geschlossenen Decke über dem Fluss. Norbert und Kerstin von der ODINE liegen schon länger in Linton Bay und wir machen uns gemeinsam auf den Weg mit den Dinghys. In der Flussmündung liegt ein anderes Dinghy mit hochgeklapptem Motor und die Insassen paddeln wie wild. Da wir vermuten, dass sie Motorprobleme haben, fahren wir zu ihnen hin um zu helfen. Und laufen beide prompt auf’s Riff auf, denn sie haben nicht Motorprobleme sondern sind einfach auf Grund gelaufen – wie wir jetzt auch… Im trüben Wasser ist nichts zu erkennen und so stochern jetzt drei Dinghy-Crews mit den Paddeln durch die Untiefen, bis sie endlich den Weg ins tiefere Wasser und den Fluss finden.

Mit Norbert und Kerstin machen wir auch einen Sonntagsausflug zu Isla Grande mit den Dinghys.

Sea Front von Isla Grande
Der ausrangierte Leuchtturm von Isla Grande bietet einen eindrücklichen Rundumblick.
Sonnenuntergang von Isla Grande aus.
Mit dem Dinghy geht es kurz vor dem Eindunkeln zurück zur Marina
Ausflug nach Portobelo, wo es …
eine verfallene Festung (Unesco Weltkulturerbe) mit vielen Geiern…
… eine Bucht voller Wracks…
… und eine Kirche mit der bekannten Statue vom „Black Christ“ gibt.

Der Weg von Linton Bay zum nächsten grösseren Ort Sabanitas führt über eine asphaltierte, aber sehr hügelige und kurvige Strasse durch den Dschungel. Es sind zwar nur etwa 50 km, aber es dauert mit dem lokalen Bus manchmal 2 Stunden – für einen Weg!

Googles Zeitangaben mögen mit einem Auto stimmen. Mit dem Buss braucht es nahezu die doppelte Zeit!
Auf der Strasse wird schon mal für den Karneval geübt.

Dafür ist die Fahrt schon sehr abenteuerlich und beim ersten Mal schwitzen wir Blut und Wasser und fragen uns was wohl das Letzte ist, was wir sehen werden, bevor wir sterben. Die Busse sind bunt bemalt und auch die Windschutzscheibe ist davon nicht ausgenommen.

Wer annimmt, dass die Farbe auf der Windschutzscheibe von innen durchsichtig ist – der irrt sich …

Innen ist alles mit Plüsch, Federn und sonstigem Schnickschnack geschmückt, sodass dem Fahrer gerade mal ein kleiner Sehschlitz übrig bleibt um die Strasse zu sehen.

Und in der Schweiz wird man gebüsst, wenn im Winter nicht die ganze Scheibe freigekratzt ist…

Die Busse selber sind alles uralte ehemalige US-Schulbusse und da es in Panama wenig bis gar keine Regulationen oder Motorfahrzeugkontrollen gibt, muss man davon ausgehen, dass die Busse niemals kontrolliert worden sind.

Abgaskontrollen? Was ist das?

Was aber mit Garantie funktioniert ist die Hupe (laut wie ein Schiffshorn) und die Musikanlage. Gehupt wird gefühlt alle 2-3 Minuten, sei es um mögliche Fahrgäste zu informieren, dass jetzt der Bus kommt, oder um jemand am Strassenrand zu begrüssen. Die Musik ist nicht einfach laut – sie ist teilweise ohrenbetäubend. Welcome to Latin America…

Dazu kommt, dass der Fahrer in der Regel während der Fahrt unaufhörlich mit seinem Handy spielt. In einem Fall ist es besonders krass: Der Fahrer ist nonstop am Nachrichten Schreiben und Lesen, dafür kriecht er regelrecht die Strasse entlang. Kaum legt er das Handy weg, drückt er derart auf’s Gaspedal, dass wir zu Gott beten, dass ihm jemand doch bitte eine Nachricht schreiben möge, damit er endlich weniger rasen wird. Aber auch diese Fahrt überleben wir irgendwie.

Der handysüchtige Busfahrer…

Bezahlt wird am Schluss und zwar $2.75 pro Person. Echt ein Spottpreis. In jedem Lunapark würde man ein Vielfaches für ein ähnliches Erlebnis bezahlen. Das würde dann aber nur ein paar Minuten und nicht zwei Stunden dauern…

Eine unserer Starterbatterien hat in den letzten Tagen in San Blas den Geist aufgegeben und es muss eine Neue her. Das geht dann doch besser mit einem eigenen Mietwagen, den man wiederum nur in Colon bekommt. Zum Glück kann man heutzutage alles über’s Internet buchen und wir reservieren uns einen Kleinwagen für drei Tage. Um ihn zu holen müssen wir natürlich zuerst drei Stunden mit dem Bus nach Colon fahren. So schön die Dschungelmarina ist, praktisch ist es nicht, wenn man für’s Einkaufen 4-6 Stunden Fahrzeit einplanen muss.

Der günstige Tagespreis für die Mietwagen entpuppt sich als ein richtiges Lockvogelangebot. Wenn alle Versicherungen und Steuern dazu kommen werden aus $ 16.-  plötzlich $ 70.- pro Tag. Das muss natürlich amortisiert werden und wir fahren kreuz und quer rum, um neben den Besorgungen auch möglichst viele Sehenswürdigkeiten mitzunehmen.

Die Agua Clara Schleusen sind sehr eindrücklich. Sicht auf den Gatun Lake, wo die grossen Schiffe auf die Einfahrt in die Schleuse warten.
Einfahrt in die Schleuse. Die neuen Schleusen können wesentlich grössere Boote (Schiffe mit bis zu 11’000 Containern an Bord!) als die alte Panamax-Klasse aufnehmen. Es werden auch keine Loks mehr, sondern Bugsierboote verwendet, um den Grossen rein zu helfen. Im rechten unteren Bild sieht man, wie die Schiebetore hinter dem Frachter zugehen.
Blick auf den Chagres River vom Fort San Lorenzo, welches aus zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, aus gesehen.
Tierbegegnung: Ein Coati (Nasenbär) kreuzt unseren Weg.
Puente Atlantico, die Brücke über den Panamakanal auf der Atlantikseite. Im Hintergrund vom rechten unteren Bild ist die Verkehrstrennung zwischen den alten Gatun-Schleusen und den neuen Agua Claro Schleusen zu sehen.

Am Samstag den 10.2. fahren wir zur Shelter Bay Marina, wo Uschi und Albert von der USI an Land stehen. Sie sind am Vorabend mit dem Flugzeug angekommen und haben uns freundlicherweise einen Ersatz für unser defektes Garmin InReach Gerät aus Deutschland mitgebracht. Die Wiedersehensfreude mit ihnen und Tom und Hajo, die mit ihrer SEGELBAR unmittelbar danebenstehen, ist gross. Leider bleibt uns nicht so viel Zeit, denn wir müssen den Mietwagen um zwei Uhr nachmittags in Colon wieder abgeben.

Der Autovermieter fährt uns von seinem Büro zum Busterminal in Colon. Colon ist eine Stadt mit einigen Gegenden in denen man nicht unbedingt zu Fuss unterwegs sein sollte. Und das Büro liegt in einer solchen Gegend, was auch unschwer zu erkennen ist, wenn man die heruntergekommenen Gebäude und die Stacheldrahtzäune sieht.

Hier sollte man als Fremder besser nicht alleine rumlaufen…

Wir haben uns entschieden mit dem Expressbus nach Panama City zu fahren, um die Stadt anzuschauen. Mitunter auch, weil es gerade Karnevalszeit ist und wir uns diesen gerne anschauen wollen. Ab Colon auf der Atlantikseite bis nach Panama City auf der Pazifikseite dauert es auf der Schnellstrasse gerade mal eine Stunde. Welch ein Kontrast zu der Dschungelstrasse zwischen Colon und Linton Bay!

Unser Hotel liegt zentral und wir können in zwanzig Minuten zu Fuss zur Altstadt Casco Viejo laufen. In der anderen Richtung geht es zur grossen Strand Avenue Cinta Costera. Beide Gebiete sind sehr schön, aber dazwischen kommt der zerfallene Teil von Panama City zum Vorschein. Es wimmelt regelrecht von Polizisten und so fühlen wir uns eigentlich ziemlich sicher, auch wenn wir alleine im Dunkeln zu Fuss unterwegs sind.

Die Skyline von Panama City und Casco Viejo by Night.

Das Hotelzimmer ist hingegen etwas speziell. Es ist gross und sauber und hat sogar eine kleine Bar und eine Küchenzeile mit Microwelle und Kaffeemaschine. Aber es hat keine Fenster nach draussen und damit kein natürliches Tageslicht. Das einzige Fenster geht einfach zum Hotelkorridor raus. Dafür ist die Zimmerbeleuchtung umso greller und verbreitet den Charme eines Operationssaales… Kein Wunder, dass wir nur zum Schlafen dort sind. Mangels Fenster ist es aber wirklich ruhig. Dafür hat das Hotel eine grosse Roof-Top Bar mit Swimmingpool und ohrenbetäubend lauter Musik.

Zimmer ohne Fenster, aber es hat wenigstens ein Spiegel um das neue Kleidchen für den Karneval anzuprobieren 😉
„Flucht“ auf die Dachterrasse vom Hotel
Abends in der Roof Top Bar vom Hotel

In Casco Viejo haben sie extra für den Karneval eine kleine Bühne auf dem Platz vor der Kathedrale aufgestellt, wo wir allerlei Tanzdarbietungen anschauen können. Jede Region von Panama hat seine eigenen Trachtenmuster, welche in den Tänzen stolz vorgeführt werden. Es ist alles sehr klein und ein bisschen improvisiert, sodass man hautnah an die Mitwirkenden rankommt.

Selbstverständlich haben wir uns als Touristen ausgetobt und neben diversen Kirchen und Museen haben wir auch den ein oder anderen Kaffee genossen. Sowohl Panama wie das nahegelegene Kolumbien sind für ihren Kaffee berühmt. Wie auch für die echten Panamahüte, welche aber tatsächlich in Ecuador hergestellt werden.

Rechts oben im Bild: Ein Pfund Geisha Kaffee hat 2013 einen Rekordpreis von $350.25 erzielt. Total crazy. Eine Tasse frisch gebrüht kostet heute $9 – das verkneifen wir uns 😉
Grafitti auf der Markthalle
Wer die Wahl hat, hat die Qual…
Biggi steht mein Hut auch nicht schlecht 🙂
Coole Effekte im Mola Museum.
Bisschen klein geschrieben die Schilder hier….
Die San Jose Kirche mit dem berühmten goldenen Altar.
Hier schaut man besser wo man hintritt… Solche Löcher gibt es überall entlang der Strassen und Trottoirs.

Am zweiten Abend wollen wir den grossen Karnevalsumzug entlang der Cinta Costera anschauen. Kaum dort, sehen wir eine riesenlange Schlange von Menschen, die für etwas anstehen. Da wir nicht so recht wissen warum sie dort stehen suchen wir uns jemand, der aussieht, als ob er Englisch sprechen würde um zu erfahren, ob wir uns auch dort anstellen sollen. So lernen wir David, einen Belgier, der schon seit 12 Jahren in Panama lebt kennen. Er ist mit seinem Hund und seine panamaischen Freundin Natalia dort. Natalia spricht auch sehr gut Englisch und die beiden nehmen uns unter ihre Fittiche. Die Schlange führt zur Sicherheitskontrolle um auf’s Festgelände zu kommen. Da es eine Leibesvisitation umfasst, müssen die Frauen und Männer getrennt anstehen. Da ist es gut, dass jeder von uns Nicht-Spanischsprechenden von jemand begleitet wird, der sich hier auskennt. David und ich sind schnell durch und Natalia und Biggi stossen ein paar Minuten später auch zu uns. Zusammen gehen wir durchs Festgelände und warten auf den Umzug, der eigentlich schon vor einer knappen Stunde hätte anfangen sollen. Nach einer weiteren Stunde in der wir uns mit den beiden sehr gut unterhalten haben, aber vom Karnevalsumzug noch weit und breit nichts zu sehen ist, reisst sogar ihnen der Geduldsfaden. Kurzentschlossen laden sie uns zu sich nach Hause ein. David hat ein Appartement unmittelbar an der Cinta Costera und wir können das Festgelände auch von dort sehen. Was uns dann erwartet, hat unsere kühnsten Erwartungen gesprengt. Das Appartement liegt im 19. Stock eines Appartementblocks im typisch amerikanischen Stil. Unten ist der Conciergebereich und es kommen nur Zutrittsberechtigte rein. Auf der Dachterrasse befindet sich ein grosser Pool und das hauseigene Fitnesscenter ist direkt daneben. Alles ist natürlich voll klimatisiert, denn die Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind in Panama City recht krass. Die Wohnung selber ist auf der einen Seite voll verglast und hat eine formidable Aussicht auf den Pazifik und die Skyline von Panama City. Und wenn man direkt runter schaut sieht man die Cinta Costera und das gesamte Festgelände. Wir sind ziemlich geflashed und quetschen die beiden im Laufe des Abends über das Leben und die Gebräuche in Panama regelrecht aus. Vor allem seine Sicht als Europäer, der die letzten 20 Jahre in verschiedenen Ländern in Lateinamerika gelebt hat ist für uns sehr interessant. Die Wohnungen in Panama City sind im Vergleich zu USA oder Europa sehr günstig. Der Leerwohnungsbestand ist sehr gross, dass ist sogar uns aufgefallen, als wir durch Panama City gelaufen sind, und es wird weiterhin sehr viel gebaut. So kostet seine 100 qm Wohnung voll möbliert inkl. Gas und Wasser und einem Garageneinstellplatz unter 1‘000- US$ im Monat. Eine vergleichbare Wohnung an einer solchen Top Lage wäre in USA oder Europa um ein Mehrfaches teurer.

Wohnen an bester Lage. Unverbaubare Sicht auf den Golf von Panama und die Cinta Costera. Hier sehen wir das Festgelände von oben und das Feuerwerk.

Am nächsten Tag wollen wir eine Tour mit dem Hop-on Hop-off Bus machen. An der Haltestelle werden wir von einem Taxifahrer angesprochen, der uns dieselbe Tour für einen günstigeren Preis als reine Privattour offeriert. Nach kurzer Überlegung schlagen wir ein und haben danach mit Junior unseren eigenen Privatchauffeur. Da wir einige Sehenswürdigkeiten, wie den Panama Kanal bereits auf der Colonseite angeschaut haben, können wir die Tour auf unsere Wünsche anpassen. Junior spricht ungefähr so gut (bzw. schlecht) Englisch wie ich Spanisch und so gestaltet sich die Unterhaltung mitunter etwas holprig. Gemeinsam schaffen wir das aber und das eine oder andere Missverständnis führt zu viel Gelächter im Auto.

Down Town Panama City
Sicht auf Panama durch den Dschungel vom 199 m hohen Cerro Ancon (ein Hügel mit Aussicht) aus.
Bridge of the Americas: Das Tor zum Pazifik am Ende vom Panamakanal.

Abends gehen wir nochmals zum Festgelände und heute sind wir schon wie alte Hasen, was das Anstehen usw. angeht. Dieses Mal ist der Umzug tatsächlich halbwegs pünktlich unterwegs, aber im grossen Ganzen finden wir es jetzt nicht unbedingt sooo toll. Es wurde uns im Vorfeld schon gesagt, dass es bessere Orte als Panama City gäbe um den Karneval zu erleben. Der Karneval-Hot-Spot schlechthin sei Las Tablas, aber das war uns mit mehreren Stunden Autofahrt von Panama City aus definitiv zu weit weg.

Tags darauf machen wir uns auf die Rückreise. Das Expressbus Terminal von Panama City ist unmittelbar neben der Albrook Mall, einem riesigen Einkaufszentrum. Und mit riesig meinen wir auch riesig! So etwas haben wir bis jetzt noch nie gesehen. Es sei das zweitgrösste Einkaufzentrum auf dem gesamten amerikanischen Kontinent (also inkl. USA…). Da sind sogar diverse Autohäuser im Einkaufszentrum drin.

Zu Fuss ein ideales Marathontraining…
Jeder der vielen Eingänge ist nach einem Tier benannt
Autoverkauf im Einkaufzentrum. Eine Wand voll Sneakers, jedes Paar 24.90 $

„Schatz hol auf dem Heimweg bitte etwas Käse und Milch und bring auch gerade ein neues Auto mit!“ Alles ist einfach gigantisch und wir sind schlichtweg überfordert.

Mit dem Expressbus geht es zurück nach Colon bzw. Sabanitas, wo wir auf den altbekannten Ex-US-Schulbus umsteigen und die letzten zwei Stunden über die Dschungelpiste nach Linton Bay gondeln.

Der Kulturschock könnte nicht grösser sein – morgens noch im immensen Shoppingparadies und abends wieder in der Dschungelmarina bei den Brüllaffen. Panama ist wirklich ein Land der Extreme.

Abendstimmung in Linton Bay

Kaum zurück an Bord haut es Biggi im wahrsten Sinn des Wortes um. Sie wird krank und schläft 36 Stunden einfach durch, dann ist sie ein paar Stunden wach (kurz das Schiff rauswischen und Wäsche waschen 🙂 ), nur um nochmals für 12 Stunden wegzudösen. Sie ist quasi vom Mittwochabend bis Freitagmittag komplett ausgefallen. Wir können uns nicht erklären, was das gewesen sein könnte, aber zum Glück ist der Spuk danach vorbei. Zum Glück auch, weil ein Wetterfenster mit schwachen nordwestlichen Winden für den Sonntag vorhergesagt wird. Die Strecke von Linton Bay zurück zu den San Blas ist nämlich im Normalfall gegen Wind und Welle und das wollen wir natürlich gerne vermeiden.

Am Samstag fahren wir nochmals mit dem Bus nach Sabanitas um unseren Frischwarenvorrat aufzustocken. Der Busfahrer übersieht uns fast und legt dann eine Vollbremsung hin, sodass die Hinterräder blockieren und es nach verbranntem Gummi riecht. Im Bus drin lachen alle als wir an Bord springen. Das muss man sich mal in Europa vorstellen… So ein Manöver und der Fahrer hätte vermutlich eine Anzeige am Hals. Hier löst das nur Heiterkeit aus. Uns ist Panama langsam richtig sympathisch.

Anstatt „nur“ ein paar Frischwaren zu kaufen, machen wir den Fehler nochmals in ein grossen Heimwerkermarkt rein zu laufen. Natürlich haben sie die lange von uns gesuchte Bratpfanne, eine grosse Plastikwanne (für zukünftige Fischfänge) und sonst einige Sachen, die auf unsere „Möchten wir gerne haben“-Liste stehen. Am Schluss stehen wir bepackt wie die Mulis an der Bushaltestelle um nach Linton Bay zurück zu kommen. Die Schulbusse haben keinen Gepäckraum und sind meistens völlig überfüllt, also müssen wir durch die Türe am Heck einsteigen und zurückfahren. Biggi ergattert noch einen normalen Sitz, aber ich muss auf einer grossen Holzbox neben unserem Gepäck sitzen. Jetzt verstehe ich auch woher die wummernden Bässe der Musikanlage kommen. Ich sitze nämlich auf der vibrierenden Holzbox mit dem Subwoofer drin… Die Musik geht wahrlich durch Mark und Bein und die ohnehin anstrengende Fahrt kommt mir unendlich vor…

Mitfahren sozusagen im Gepäckraum.

Mit dem ersten Tageslicht und dem Morgengebrüll der Brüllaffen tuckern wir aus der Marina raus. Der Wind hat tatsächlich komplett nachgelassen und die See ist ungewöhnlich ruhig.

Verlassen der Marina

Nach acht Stunden ruhiger Motorfahrt (ohne Seekrankheit!) fällt der Anker im klaren Wasser und wir sind wieder an unserem Lieblingsankerplatz in den San Blas hinter der Insel Banedup in den Hollandes Cays angekommen.

Banedup von oben. (Drohnenaufnahme von Alex Kiermayer und Karin Wenger von der MABUL)
In der ersten Reihe liegt es sich am schönsten 🙂

Endlich wieder im klaren Wasser baden und die neu erstandene Hängematte ausprobieren

Erster Versuch: Auf dem Vordeck. Nicht schlecht, aber voll in der Sonne…
Zweiter Versuch: Im Cockpit. Schon besser, da im Schatten, aber irgendwie auch nicht optimal, da es das ganze Cockpit blockiert.
Dritter Anlauf: Perfekt!!

Unsere ursprünglichen Pläne Mitte März durch den Panama Kanal zu gehen haben wir inzwischen begraben und den Kanaltermin abgesagt. Wir wollen lieber etwas mehr Zeit in Panama verbringen. Dieses Land fasziniert uns und wir haben bis jetzt nur einen kleinen Teil davon gesehen. Die Südsee muss warten.

Loading

San Blas – Eine Insel für jeden Tag im Jahr

San Blas – Eine Insel für jeden Tag im Jahr

24.12.2023 – 19.01.2024, San Blas, Logstand seit Start 8’156 sm

Wir sind nun seit kurz vor Weihnachten in San Blas bzw. Kuna Yala (oder Guna Yala) wie die Indianer ihr Territorium lieber nennen. Die Guna- (oder Kuna-, beide Schreibweisen scheinen OK zu sein) Indianer verwalten dieses Gebiet mehrheitlich autonom, obwohl es eigentlich zu Panama gehört. Das führt dann auch zu einem etwas kuriosen Anmeldeprozedere, da beide „Nationen“ ihre Administration haben. Nachdem man es verstanden und alles korrekt gemacht hat, ist man frei ein wahrhaft traumhaftes Inselparadies zu erkunden.

Porvenir, die „Einklarierungsinsel“. Sogar mit richtigen Telefonzellen!
Das grösste Bauwerk auf Porvenir ist diese Landebahn, die aus Korallenblöcken vom Riff aufgeschüttet ist. Sie bedeckt die ganze Insel, ist aber nicht gerade in einem vertrauenserweckendem Zustand…
Die Regeln an die man sich in San Blas halten soll und die Tarife für die Segelerlaubnis

Dieses Gebiet umfasst fast 365 kleine bis sehr kleine Inseln unweit des Panamaischen Festlandes und erstreckt sich von der Kolumbianischen Grenze bis nach Colon. Das dahinterliegende Festland ist der „Darien“ und ist meistenteils völlig unwegsames Dschungelgebiet. In dieser Inselwelt gibt es eine Vielzahl von Ankerplätzen, wie man sie aus Ferienprospekten kennt – ausser, dass es keinerlei Infrastruktur hat. Lass alles weg, was wir so als selbstverständlich kennen und du bekommst eine Vorstellung davon wie es hier ist. Hier gibt es keine Autos – und daher natürlich auch keine Verkehrsstaus – nicht mal Roller sieht man hier. Es gibt hier schlichtweg gar keine Fahrzeuge oder ausgebaute Strassen. Das braucht es gar nicht, denn die Inseln sind so klein, dass man sie locker zu Fuss umrunden kann – manchmal in weniger als 10 Minuten. Schuhe braucht man übrigens auch keine, denn meistens läuft man barfuss entlang den Sandstränden oder über von Hand angelegte Pfade auf den Inseln, wo es anscheinend keine stacheligen Pflanzen gibt.

Eine typische Kuna Hütte, welche innen erstaunlich kühl ist
Wer Schuhe trägt ist over dressed:-)

Ausser auf ganz wenigen Inseln nahe am Festland gibt es nirgends Strom oder fliessend Wasser. Auch Häuser sucht man vergebens, die meisten Behausungen sind aus Holz, Bambus und Palmwedeln gemacht. Als Boden dient ein Erdboden und auch Möbel sind unbekannt – ein paar Hängematten und grob zusammengezimmerte Holzbänke ist alles was es braucht. Apropos brauchen – es gibt hier auch keine Supermärkte, auf den allermeisten Inseln gibt es nicht mal einen kleinen Laden. Es gibt einfach nichts zu kaufen. Wir gehen davon aus, dass der Januar 2024 der billigste Monat unsere bisherigen Reise sein wird. Auch mal gut.

Wie in den Ferien 🙂

Viele der Kleinstinseln sind trotzdem bewohnt, wenn auch nur von einer Familie. Alles was sie vom Festland benötigen, wird mit kleinen offenen Motorbooten oder sogar mit von Hand gepaddelten Einbäumen gebracht. Denn ausser Fisch und Kokosnüssen gibt es auf den Inseln nichts, nicht mal Trinkwasser! Abends gehen manchenorts ein paar vereinzelte Solarlampen an. Manchmal hört man einen kleinen Benzingenerator surren, aber meistens ist es dunkel und still. Das einzige Geräusch was immer zu hören ist, ist die Brandung auf den vorgelagerten Riffen – ein ewiges Rauschen und Grollen, das niemals aufhört.

Coco Bandero: Die Insel im linken Bild ist tatsächlich von einer Familie bewohnt. Ihre Hütte nimmt einen grossen Teil der Insel ein.
Green Island, hinter der Insel ist das Riff, wo die Brandung nie aufhört.

Mehr als einmal werden wir von den Kunas nach Wasser gefragt, was wir ihnen selbstverständlich gerne geben. Einen eigenen Wassermacher zu haben ist hier ein wahrer Segen. Aber um den zu betreiben braucht man Energie was hier ebenfalls Mangelware ist. Obwohl wir es mit eigenen Augen sehen, ist es schwer zu verstehen, wie die Leute in so einfachen Verhältnissen leben können und trotzdem sehr zufrieden und glücklich wirken. Wie anders sind wir doch, die wir denken ohne all diesen Luxus nicht auskommen zu können? Solche Erlebnisse stimmen nachdenklich und führen uns wieder einmal vor Augen, wie unendlich privilegiert wir sind.

Ein Einbaum „Cayuco“ vor den ankernden Yachten. Zwei Welten prallen aufeinander.
Gemeinsames Feuer und Fischgrillen am Strand in Bandedup

Etwas was hier auch komplett „fehlt“ ist Kriminalität. Die Kunas sind extrem friedlich, freundlich und unaufdringlich und wir haben uns selten irgendwo so sicher gefühlt, wie hier. So wie es scheint ist die Kunagesellschaft in dieser Hinsicht selbstregulierend und Verstösse gegen ihre Ordnung werden intern vom Ältestenrat im „Congresso“ beraten und gegebenenfalls Massnahmen zur Wiedergutmachung verhängt. Obwohl es inzwischen einige Hundert Yachten hier hat, ist seit Jahren kein einziger Fall von einem Diebstahl bekannt.

Auf einigen Inseln haben die Kunas einfache Strandbars oder Restaurants eröffnet, die von den Yachties gerne besucht werden. So auch auf Banedup, eine Insel, vor der wir einige Tage lagen. Die Strandbar wird abends zum Treffpunkt und auch wir besuchen sie gerne. Eines Abends wollen wir wieder zur Strandbar fahren als wir feststellen, dass unser Portemonnaie fehlt. Schnell wird uns klar, dass wir es am Vorabend in der Bar haben liegen lassen (Man soll seine Sachen IMMER sofort einpacken…). Kaum dort angekommen, werde ich von der Barbetreiberin, eine ältere Kuna freundlich angelächelt und mit einem „Billetera?“ begrüsst. Auf mein aufgeregtes „Si, Si!“ bekomme ich unseren Geldbeutel ausgehändigt – inkl. des gesamten Inhalts! Es wurde nichts rausgenommen, vermutlich haben sie nicht mal reingeschaut. Selbstredend, bekommt sie einen grosszügigen Finderlohn.

Besuch in der Beachbar, wo wir unser Portemonnaie vergessen haben mit den Crews der CATHERINE (NL), ELIN (SWE) und ODINE (D).
Drei Blondinen an der Bar. 🙂

Die Strecken zwischen den Ankerplätzen sind hier schon fast absurd kurz, oft weniger als 5 Seemeilen. Bei diesen Abständen lohnt sich das Segeln nicht wirklich. Das liegt jetzt weniger an unserer (zugegeben) ausgeprägten Faulheit, sondern daran, dass wir unsere Motoren nur dann anstellen, wenn wir das Boot bewegen. Viele andere benutzen ihre Maschinen um die Batterien zu laden. Das haben wir mit genügend Solarzellen bewusst anders gelöst, weil es ziemlich ineffizient ist, einen grossen Dieselmotor laufen zu lassen nur um die Batterien zu laden. Im Gegenzug schauen wir, dass unsere Maschinen – wenn sie denn gebraucht werden – auch richtig warm werden. Da ist es sinnlos die Motoren sofort nach dem Anker heben wieder abzustellen, 4 Meilen zu segeln und sie dann wieder anzustellen. So mutiert RARE BREED hier ein wenig zum Motorboot.

Links was wir im Dezember gesegelt sind. Die Strecke im rechten Bild ist was wir seither hier in San Blas gemacht haben und umfasst gerade mal 50 sm…
Gemütliche Kurztörns von Insel zu Insel
Obwohl wir jedes Mal unseren Köder baden, hat hier bis jetzt noch nichts angebissen. Übrigens ist diese günstige Handleine viel einfacher und effizienter als die teure Angelrute mit Rolle… wenn dann mal einer anbeisst.

Die Ankerplätze die wir aufsuchen sind oft wirklich im Niemandsland, wo es ausser unbewohnten Palmeninseln (für Strandspaziergänge und vielleicht ein abendliches Strandfeuer) und Riffe (zum Schnorcheln) nichts gibt.

Vor Anker in der kleinen Lagune bei Esnadup

Manchmal kommen ein paar Kunas in einem Cayuco (Einbaum) angepaddelt und bieten Fisch, Krabben oder Lobster an. Alles zu sehr moderaten Preisen. Ab und zu kaufen wir ihnen etwas ab, denn so können sie etwas dazu verdienen und wir haben dafür etwas Besonderes zum Abendessen. So bekommen wir z.B. im Coco Bandero Atoll eine grosse Krabbe angeboten. Erst nachdem wir mit der Krabbe alleine sind und uns überlegen, wie wir das Riesenvieh zubereiten sollen, wird uns klar, dass es sich um eine Königskrabbe (auch Monsterkrabbe genannt) handelt. Diese Krabben sollen anscheinend eine heiss begehrte Delikatesse sein. Uns schmeckt sie auf jeden Fall sehr gut und die fünf(!!) Dollar, die wir dafür bezahlt haben stehen in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Wert. Das wissen wohl auch die Kunas nicht, denn die Lobster (Hummer) werden üblicherweise für den dreifachen Preis angeboten, was aber immer noch sehr moderat ist. Bisher haben wir erst einmal einen Lobster gekauft, denn meistens sind die angebotenen Tiere viel zu klein und hätten gar nicht erst gefangen werden dürfen. Leider hält sich niemand an diese Regeln, aber wir wollen es wenigstens nicht noch fördern indem wir solche Babylobster kaufen.

Regelmässig kommen fliegende (oder eher schwimmende) Händler mit ihren Booten vorbei und bieten Gemüse, Früchte, Eier und manchmal auch Bier, Wein, Softdrinks, Benzin und sogar ganze Hühner inkl. Kopf und Füsse an. Da es die einzige Einkaufsmöglichkeit ist, wird dieser Service von den Yachties sehr geschätzt.

Manchmal ist das Gemüseboot am Strand…
… und manchmal kommen sie direkt zum Boot.

Das Schnorcheln ist hier schon anders als in der östlichen Karibik. Das Wasser ist oft nicht wirklich klar, da die Flüsse vom Festland Sediment bis zu den Inseln raustragen. Die Riffe sind mit vielen Weichkorallen oft in einem besseren Zustand und man sieht hier öfter mal grössere Spezies wie Adlerrochen und Ammenhaie. Fische sieht man leider wenig, was uns wundert und traurig stimmt. Die Befischung ist wohl auch hier zu stark.

Anscheinend soll es hier auch Bullen- und Zitronenhaie und sogar vereinzelte Krokodile geben, von dem wir bisher (zum Glück) keine gesehen haben. Die beiden grossen Ammenhaie, die in Coco Bandero immer wieder um unser Boot schwimmen, sind für Biggi schon Grund genug auf’s Schnorcheln zu verzichten. Ich hätte wohl besser nichts gesagt, als ich die Tiere unter dem Boot entdecke just in dem Moment wo sie sich zum Schnorcheln bereit macht…

Neugierige Ammenhaie am Heck von RARE BREED

Ein Ankerplatz wird der „Hot Tub“ genannt. Es ist eine Art Pool zwischen den Riffen. Da das Wasser zuerst relativ weit über das flache Riff strömt, wärmt es sich entsprechend in der Sonne auf. Leider kann man dort aber gar nicht ins Wasser, da es mit einer Strömung von etwa drei Konten durch den Ankerplatz „düst“. Ich wundere mich noch, dass RARE BREED beim Ankern so schnell nach hinten treibt. Als wir dann still liegen gurgelt es von der Wasserströmung am Heck, wie wenn wir noch segeln würden. Wer da unvorbereitet ins Wasser springt (z.B. um den Anker zu kontrollieren) findet sich urplötzlich weit hinter dem Boot ohne Chance selbst zurück zu kommen… Unangenehme Vorstellung…

Die Einfahrt in den Hot Tub zwischen den Riffen. Wenn man hier nicht ganz vorsichtig und genau navigiert kann man ganz schnell in Schwierigkeiten geraten.
Die Reste einer Yacht, die auf ein Riff aufgelaufen ist…

Unser SUP hat sich hier leider auch „in Luft aufgelöst“. Plötzlich macht es draussen ein lautes „Pffsschhh“ und das prall aufgeblasene SUP verwandelt sich in eine runzelige Wurst. Eine Reparatur ist zwecklos, denn die Klebenähte weisen an viel zu vielen Stellen Ablöseerscheinungen auf. Gerade mal zwei Jahre alt und schon futsch, obwohl es die meiste Zeit unter Deck in seinem Sack verbracht hat – das ist ärgerlich. Getreu dem Motto „Jeder Schaden hat auch sein Gutes“ wird die Aufnahme für die kleine Finne unten am SUP weggeschnitten und stattdessen an „Pinky“, unserem kleinen Kajak aus Grenada geklebt, damit das Ding endlich einen etwas besseren Geradeauslauf bekommt. Doof nur, dass wir erst nach dem Ankleben merken, dass wir die Aufnahme 180 Grad verkehrt herum angebracht haben – jetzt schaut die Finne halt nach vorne statt nach hinten. Shit happens…

Nicht ganz so wie wir uns das vorgestellt hatten…

Gewisse Ankerplätze sind regelrechte „Cruiser-Hot Spots“, wo es eine Strandbar oder vielleicht sogar ein kleines Restaurant hat. Nach ein paar Tagen Robinsonleben ist es manchmal ganz schön wieder andere Yachties zu treffen. Von den Booten, die wir in Curaçao kennen gelernt haben, sind noch einige hier und daneben haben wir hier auch ein paar neue Freunde gewonnen. Über WhatsApp tauscht man sich aus und schaut, dass man sich immer wieder irgendwo trifft. „Isla Banedup“ in den Cayos Holandeses ist so ein Ort. Dort gibt es Ibin’s Restaurant, eine rustikale aus Holzbrettern zusammengebastelte Hütte am Strand bzw. über dem Wasser.

Gekocht wird auf uralten Gasherden, abgewaschen mit Meerwasser (es gibt auf Banedup kein fliessend Wasser) und der Kühlschrank und das Licht wird von Sonnenzellen und einem kleinen Benzingenerator mit Energie versorgt. Eine Speisekarte gibt es nicht, denn gekocht wird, was jeweils gerade verfügbar ist und das ist was Elmer, der Besitzer vom Gemüseboot, in Panama bekommen und was die anderen Kunas im Meer fangen konnten. Auf den ersten Blick würde man dort bestenfalls einfachstes Essen erwarten, aber weit gefehlt! Ibin (ebenfalls ein Kuna) ist ausgebildeter Koch und hat früher in wirklich guten Restaurants gearbeitet. Was er mit diesen begrenzten Mitteln auf den Teller zaubert grenzt schon bald an ein Wunder! Hier verbringen wir auch Weihnachten und geniessen zusammen mit vielen Freunden ein hervorragendes, wenn auch etwas ungewohntes, Weihnachtsdinner.

Weihnachtsdinner am 25. Dezember 2023 mit den Crews von KUJIRA (NZL) und CATHERINE (NL)
Natürlich besuchen wir Ibin nochmals. Auch seine Pizzen sind sensationell!
Silvester verbringen wir auf einem einsamen Ankerplatz in Waisaladup, weil wir dem Rummel in Banedup aus dem Weg gehen wollen
Ein feines Silvestermenu à la Biggi: Panierte Auberginenscheiben mit Kartoffelgratin und einen kühlen Weisswein – Lecker!

Jeder, der schon eine Zeit in den San Blas ist, kennt die „Molas“. Das sind bunte von Hand bestickte Vierecke aus mehreren Stofflagen. Ursprünglich dienten sie als Schmuck auf den Vorder- und Rückseiten auf den Blusen der Frauen. Inzwischen werden sie vor allem als kunstvolle Souvenirs verkauft. Sie sind allesamt sehr schön anzuschauen und haben verschiedene Muster mit Tier- oder Pflanzenmotiven, geometrische Muster oder spirituelle Symbole. Die Qualitätsunterschiede sind erst beim genauen Hinschauen zu entdecken. Die „einfacheren“ Molas werden für USD 15-20.- gehandelt, es gibt aber durchaus solche, die 100.- oder mehr kosten.

„Touristen-Molas“ in Porvenir

In Waisaladup in den westlichen Cayos Holandeses kommt Venacio, ein etwa 70-jähriger Kuna zu uns ans Boot um Molas zu verkaufen. Anfänglich lehnen wir dankend ab, da wir ein paar Tage zuvor zwei (in unseren Augen) schöne Molas erstanden hatten. Aber Venacio gibt so leicht nicht auf. Er hat eine verschmitzte und doch überzeugende Art, spricht ein wenig Englisch und so dauert es nicht lange bis er bei uns im Cockpit sitzt und seine Schätze ausbreitet. Was folgt ist eine ca. zweistündige „Mola-Ausbildung“ und nach und nach kommen immer teurere und tatsächlich auch wirklich viel aufwändigere Molas zum Vorschein. Es kommt wie es kommen muss – am Schluss kaufen wir ihm doch zwei Molas ab und zwar für USD 180.- (!!) Das nenne ich einen super Verkäufer! Aber wir müssen wirklich zugeben, dass diese beiden Molas in einer ganz anderen Liga als die ersten beiden sind, die wir vorher erstanden haben. Diese Molas sind bis ins Detail haargenau gefertigt und eine wahre Pracht zum Anschauen. Im nachfolgenden Gespräch (mit unseren begrenzten Spanischkenntnissen teilweise ziemlich holperig) versucht Venacio uns einige Brocken der Kuna-Sprache beizubringen. Alles in allem ein teurer, aber doch sehr lehrreicher und vergnüglicher Nachmittag.

Detailaufnahme einer richtig guten Mola. Das ist alles von Hand genäht.

Ein Wermutstropfen bleibt aber. Obwohl so abgelegen und von der Zivilisation unberührt, sind die San Blas Inseln leider von Plastikabfall übersäht. Dabei ist es kein selbergemachtes Problem, sondern die Tatsache, dass die Riffe und Inseln der San Blas wind- und strömungstechnisch gesehen „am Ende“ vom Karibischen Meer liegen. Hier wird täglich neuer Plastikabfall angeschwemmt. Die Strände sind von Petflaschen, Crocs, Flipflops, Styropor, Plastiksäcken, Rucksäcken und sonstigem Müll übersäht. Es sind unvorstellbare Mengen, die hier rumliegen und es kommt täglich Neues hinzu. Anfänglich sammeln wir es noch ein, aber nachdem es keine Möglichkeit gibt, es hier los zu werden müssen wir schweren Herzens damit aufhören. Wenn man das sieht fällt es einem sehr schwer daran zu glauben, dass unser Planet nicht im Müll ersticken wird.

PET Flaschen, Crocs und anderen (Plastik-)Müll ist leider auf allen Inseln zu sehen.

Um dem beschaulichen Leben hier etwas entgegen zu setzen, haben wir wieder angefangen jeden Morgen Sport zu machen. Das ist auch bitter nötig, denn ausser ein paar Strandspaziergängen und etwas Schnorcheln bewegen wir uns viel zu wenig. Im Heimaturlaub haben wir ausserdem beide (wen wundert‘s…) ein paar Pfunde zugelegt, also muss etwas gemacht werden. Mit der Wiederaufnahme vom 16/8 Speiseplan und dem Sport, merken wir langsam erste Ergebnisse. Yess! Ein positiver Nebeneffekt ist, dass wir wegen 16/8 tatsächlich weniger essen und unsere Vorräte an Frischwaren länger herhalten. Das ist etwas was hier durchaus von Vorteil ist. Unsere Gefriertruhe, die wir letzten Frühling in St. Martin gekauft haben, wird plötzlich zum richtigen Luxusgut. So haben wir immer noch Fleisch vom Thunfisch eingefroren, den wir auf dem Weg hierher gefangen haben.

Die Regentage nutzen wir, um kleinere Arbeiten an Bord zu erledigen.
Unsere nicht mehr benötigten Sonnenschütze der vorderen Fenster werden zu seitlichen Schattenspendern im Cockpit – „Up Cycling Projekt 1“
Die Gurtbandrolle für den Heckanker bekommt einen Sonnenschutz aus Stoffresten.- „Up Cycling Projekt 2“
Mit der richtigen Beschattung kann man auch auf der Heckplattform den Blog pflegen
Und wenn es schön ist, machen wir Strandspaziergänge
Besuch auf Tiadup, einer Insel die am Verschwinden ist. Vor ein paar Jahren standen hier noch ausgewachsene Palmen. Jetzt sieht man die Strünke noch im Wasser. Der steigende Wasserspiegel ist auch in den San Blas ein Riesenproblem und die Inseln schrumpfen immer weiter, bis sie irgendwann einfach verschwinden bzw. noch als Untiefe in der Seekarte stehen.
Nächtlicher Besucher
Der Katamaran „SIRIUS 2“ fängt die Sonne ein

Die ruhigen Tage hier in den San Blas geniessen wir ganz bewusst, denn danach wird es mit grösseren Segelstrecken losgehen. Wenn die Planung aufgeht wollen wir Mitte März durch den Panamakanal gehen und dann liegt das grösste Meer der Welt – der Pazifik – vor uns. Dann ist für lange Zeit nichts mehr mit kurzen Tagestörns.

Loading