Pässe, Pech und Pannen in Panama…

Pässe, Pech und Pannen in Panama…

La Playita – Vista Mar Marina  1.5.-18.5.2026

Der Ankerplatz vor La Playita ist weder schön noch ruhig. Es schaukelt erbärmlich, denn die Pazifikdünung kann ungehindert reinrollen und dazu kommt ein reger Verkehr von Ausflugschiffen und Motorbooten in die und aus der La Playita Marina am Ende der Bucht. Einige nehmen ein bisschen Rücksicht, andere brettern einfach mit Vollgas wenige Meter an uns vorbei. Teilweise fliegen bei uns sogar die Sachen vom Tisch – etwas, was sogar beim Segeln eher selten passiert. 

Wellenmacher…

Die einzigen positiven Aspekte sind, dass der Platz sehr zentral ist und guten Zugang zu Panama City bietet. Und einen wahrhaft einmaligen Blick auf den ständigen Strom an Ozeanriesen, die den Panamakanal in beiden Richtungen befahren. Wegen der Sperrung der Strasse von Hormus ist der Schiffsverkehr hier stärker geworden. Draussen liegen derart viele Frachtschiffe vor Anker, dass es nachts vor lauter Lichtern wie eine eigene Stadt draussen im Meer aussieht.

Chili in La Playita. Rechts am Horizont sind die vielen vor Anker liegenden Frachter zu sehen.

Wir nehmen uns noch ein Mietauto für die letzten Frischwareneinkäufe, bis wir wirklich alles haben, was man für eine Pazifiküberquerung brauchen kann. 

Aber während wir fleissig das Boot füllen brauen sich – für uns noch nicht erkennbar – dunkle Wolken über unserer Planung auf… 

Das Erste, was uns auf die Füsse fällt, ist unsere eigene mangelhafte Vorbereitung. Nein, nicht das Boot, aber die Administration. Unsere beiden Pässe laufen im Herbst diesen Jahres ab. Wir hatten vor der Reise beide neue Pässe machen lassen, aber die gelten nun mal leider nur fünf Jahre. Und die sind diesen Herbst um. Wahnsinn eigentlich, wir sind bald schon fünf Jahre unterwegs! Bis zu diesem Zeitpunkt gingen wir immer davon aus, dass wir die Pässe in Tahiti verlängern würden. Inzwischen wissen wir, dass das mangels Botschaften gar nicht möglich ist, die nächste Option wäre nach Australien zu fliegen um es dort zu machen.

Das hiesse aber Chili irgendwohin zu legen, um ein paar Wochen weg zu fliegen. Das ist uns schlichtweg zu aufwändig und vor allem viel zu teuer.

Also machen wir uns schlau, welche anderen Optionen uns bleiben. Nach vielem hin und her ist der Plan jetzt, dass ich anfangs Juni für zwei Tage nach Guatemala City fliege, in der Schwedischen Botschaft meinen Passantrag stelle und ihn einige Wochen später beim Konsulat in Panama City abhole. Biggi kann alles hier erledigen, da es in Panama City eine Deutsche Botschaft gibt. Vorher braucht sie (für uns absolut nicht nachvollziehbar) eine Geburtsurkunde im Original, die wir natürlich auch erst bestellen und hierher bekommen müssen. Alles zusammen rechnen wir mit 6-8 Wochen Wartezeit bis wir die neuen Dokumente in Händen halten können.

Bucht von Panama mit dem Perlas Archipel

Die Wartezeit wollen wir auf keinen Fall in La Playita verbringen und entscheiden uns, zu den etwa 40 Seemelien entfernten Las Parlas Inseln zu fahren. Lebensmittel usw. haben wir mehr als genug um dort lange bleiben zu können.

Slalomfahren zwischen den Frachtern

Keine 30 Minuten nachdem wir den Anker hochgeholt haben und uns zwischen den vielen vor Anker liegenden Frachtschiffen durchschlängeln, fängt der linke Motor an zu stottern. Er verliert Leistung, kann nur noch bis 1600 Umdrehungen hoch gedreht werden und fällt immer wieder auf 1200 runter. Das darf doch nicht wahr sein!!! Nach ein paar Minuten Fehlersuche ist schnell klar, dass es nicht am Getriebe liegt, oder das wir etwas im Propeller haben. Der Motor stellt zwar nicht ab, aber die Drehzahl geht immer wieder fast auf Leerlaufdrehzahl zurück. Es muss etwas mit der Dieselzufuhr zu tun haben, oder wir haben wieder Luft im System – genau dort, wo in Shelter Bay etwas repariert wurde…

Schnell ist der Entschluss gefasst zum einzig möglichen Ort abzudrehen, wo wir den Motor reparieren können. Die Vista Mar Marina ist ebenfalls etwa 40 Seemeilen weit weg. Inzwischen haben wir 20-25 Knoten Wind, in Böen sogar etwas mehr und können gut segeln.

Über Whatsapp habe ich die Marina informiert, dass wir nur einen voll funktionsfähigen Motor haben und daher vielleicht Unterstützung beim Parkieren brauchen. 

Wir segeln bis kurz vor die Marinaeinfahrt und wollen dann das Vorsegel wieder einrollen. Das dauert normalerweise keine zwei Minuten, aber dieses Mal klemmt die Anlage kurz bevor das ganze Segel weg ist! Echt jetzt !?! 

Mit nur einem Motor UND den Windfang der nicht ganz eingerollten Genua können wir bei diesem Wind unmöglich in die Marina fahren. Es wäre unmöglich das Boot dort drin zu kontrollieren. Irgendwie schaffen wir es, das verbleibende Segel notdürftig von Hand ums Vorstag zu wickeln, damit es weniger Windangriffsfläche bietet. Die Vista Mar Marina ist zum Glück wirklich sehr grosszügig ausgelegt und bietet sehr viel Platz zum Manövrieren. So kann ich statt mit den Motoren zu steuern, mit entsprechend höherer Geschwindigkeit und Ruderwirkung rückwärts in die Box fahren. Die professionelle Mithilfe von den Marineros an den Leinen trägt dazu bei, dass alles und ohne Schaden zu Ende geht.

Festgemacht in der Vista Mar Marina – mit der notdürftig eingerollten Genua

Fazit vom Tag: Statt beim Sundowner in einer einsamen Ankerbucht in den Las Perlas Inseln, sitzen wir WIEDER in einer Marina fest UND habe dazu noch zwei technische Ausfälle zu beklagen. Der Frust ist an diesem Abend sehr präsent…

Impressionen bei Hoch- und Tiefwasser (die beiden rechten Bilder sind vom gleichen Standort aus gemacht). Es hat bis zu 5 m Tidenhub hier – gut am schwarzen Pfosten rechts von Chili zu sehen.

Zwei Tage später wissen wir, was mit dem Motor und der Rollanlage los ist. Beim Motor hat der Mechaniker in der SBM höchstwahrscheinlich doch nicht alles auseinander genommen bevor er das Gewinde geschnitten hat. Die unmittelbar unter diesem Loch liegende Dieselförderpumpe tut nicht mehr. Egal ob Zufall oder Folge von der Reparatur in der SBM, das Teil muss ersetzt werden und ist – wer hätte es anders erwartet – in Panama nicht vorrätig. Also bestellen und warten. Immerhin kostet uns das nicht ein Vermögen, aber was viel wichtiger ist: Es ist nicht im Panamakanal oder auf der Überfahrt nach Französisch Polynesien passiert. 

Unsere alte Facnor-Rollanlage, rechts eingekreist der Übeltäter

Bei der Vorsegel-Rollanlage sind die Kugellager vom Top Swivel hinüber. Fieserweise merkt man das nicht, wenn man es von Hand dreht, sondern erst, wenn Belastung drauf kommt – dann klemmt es plötzlich. Die Lager sind reingepresst und lassen sich nicht austauschen/reparieren, da muss auch ein neues Teil her. Unsere Rollanlage ist aber auch schon etwas älteren Datums und wird lange schon nicht mehr hergestellt. Aber eine ausgiebige Internetrecherche führt zu einer Firma in UK, die Ersatzteile für die alten, aber sehr weit verbreiteten Anlagen vorrätig haben. Also auch hier bestellen, dieses Mal wird es richtig teuer, die Firma verdient sich wohl mit diesem Lager eine goldene Nase, denn das unscheinbare Teil kostet uns einen vierstelligen Betrag!

Zum Glück ist unsere Freundin Karin von der MABUL gerade in der Schweiz und kann den Swivel (zusammen mit Biggis Geburtsurkunde) für uns mitbringen, wenn sie Ende Mai nach Panama zurückkommt. Allerliebsten Dank Karin!!

Beide Ausfälle hätten uns auch auf der Passage nach Französisch-Polynesien ereilen können. Vor allem das Problem mit der Rollanlage wäre dann eine absolute Katastrophe gewesen. Insofern muss man bei allem Frust doch ehrlicherweise zugeben, dass wir (bis jetzt…) doch immer ein Quäntchen Glück im Unglück hatten.

Diese Erkenntnis führt auch dazu, dass wir uns nachher wieder etwas besser fühlen und uns mit der neuen Lage besser abfinden können. Denn es kommt noch ein weiteres Thema dazu, die eine diesjährige Überfahrt nach Französisch-Polynesien überschattet. Wir sind jetzt schon spät dran und mit den Verzögerungen wird es immer später. Und es wird ein Rekord El Niño (ein natürliches Wetterphänomen) für 2026-27 vorhergesagt, der stärkste seit 150 Jahren.

Wir sind mit vielen Booten in Kontakt, die in den letzten Wochen westwärts losgefahren sind, und ausnahmslos alle berichten jetzt schon von widrigen Bedingungen dort draussen. Es hat nur schwache Winde und oft sogar Gegenwind, aber was noch schlimmer ist, sind die starken Strömungen die von Westen nach Osten gehen. Im Normalfall ist der Segeltörn von Galapagos bis nach Französisch-Polynesien eine der schönsten Strecken auf einer Weltumsegelung. Wind von hinten, mitlaufende Strömung und lange ruhige Wellen, also genau das Gegenteil von dem was dieses Jahr los ist, und der sich verstärkende El Niño wird das nur verschlimmern. 

Alles Gründe, die zur Erkenntnis geführt haben: Wir sind eigentlich zu spät dran und streichen vorerst eine Überfahrt nach Französisch-Polynesien für diese Saison.

Und wie geht es stattdessen weiter? 

Erstmal die anstehenden Reparaturen machen und die Pässe besorgen. Dann sind wir voraussichtlich bereits bei Ende Juni oder sogar im Juli – also in der Hurrikansaison bzw Regenzeit. Das heisst, wir können uns gar nicht soweit bewegen. Hier in Vista Mar befinden wir uns im sogenannten Dry Arch von Panama, wo es auch während der Regenzeit relativ wenig regnet. Etwas weiter nördlich, gegen die Grenze von Costa Rica hat es wieder ähnliche Verhältnisse wie in Shelter Bay: Unheimlich viel Regen, hohe Luftfeuchtigkeit und viel und heftige Gewitterstürme. Noch weiter nördlich – Richtung Mexico – wird es wieder trockener, aber dafür steigt die Hurrikangefahr. Wir sind hier ein bisschen gefangen. 

Vista Mar Marina vom Strand und von Land aus. Die Vegetation ist hier völlig anders als in Shelter Bay.

Vista Mar ist vom Klima her also um Welten besser als Shelter Bay, aber ansonsten eher trist und verlassen. Und es hat je nach Windrichtung richtig starke Dünung, die die Boote heftig durchschaukelt. Wir sind inzwischen mit 11(!!) Festmachern wie in einem Spinnennetz verzurrt um das schlimmste abzufangen.

Es hat keinen Laden, der fussläufig erreichbar wäre und auch keine fliegenden Händler, die Früchte und Gemüse verkaufen. Mit dem Bus oder Taxi ist es aber nicht mehr als 15 Minuten nach Coronado wo es alles gibt, was man sich an Lebensmittel usw. wünschen kann. Die nächsten Wochen ist das für uns völlig irrelevant, da wir das Boot voll mit Lebensmittel haben.

Panama City ist mit dem Bus in 2 Stunden erreichbar und eine Fahrt kostet nur $3.-

Fischer am Strand, die leider grosse Haie an Land bringen.

Und es hat einen schönen Strand neben der Marina, wo man im Pazifik baden oder (bei Tiefwasser) lange Spaziergänge machen kann. Zu guter Letzt sind die Las Perlas Inseln mit dem Boot auch gut in einem Tag zu erreichen.

Sogar einen kleinen Pool hat es hier

Es ist alles anders gekommen, als wir es uns vorgestellt haben, und das fuchst uns natürlich. Auf der anderen Seite ist es nicht soo schlimm, wenn wir hier ein paar Monate „vertrödeln“. 

Und wie es gegen Ende Jahr, wenn die Hurrikan- bzw. Regenzeit vorbei ist, weitergeht – das ist momentan noch völlig offen. 

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