„Take your Time“ and „God’s Will“

„Take your Time“ and „God’s Will“

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Dieser Beitrag hat nicht viel mit Segeln zu tun, da wir ausschliesslich im Haus am Sunset Drive gelebt haben. RARE BREED lag derweil an einer Boje bei Hog Island und wir haben sie zwei bis drei Mal die Woche besucht. Mit jeder an Bord erledigten Kleinigkeit (unter anderem in den Mast für einen Riggcheck hochzuklettern) wurde die «To Do Liste» jede Woche ein wenig kürzer.

Die Affen steigen – das Wetter wird schön
Biggi hat einen Schutzmantel ums Vorsegelfall angenäht

Danach gab es tatsächlich nicht mehr zu tun, als an Bord nach dem Rechten zu sehen.

Der Weg zum Boot ist jetzt etwas aufwändiger, im Gegensatz als es noch in der Marina lag. Zuerst müssen wir ca. 15-20 Minuten mit dem Auto zu Clarkes Court Boat Yard fahren. Danach steigen wir in unser Dinghy um, welches dort am Steg liegt und tuckern nochmals zehn Minuten durch die Woburn Bay nach Hog Island. Etwas länger, aber ein abwechslungsreicher «Arbeitsweg».

Die viele freie Zeit im Haus haben wir dazu genutzt Aufgaben zu erledigen, die wir schon lange vor uns hergeschoben haben. Mit dem unbegrenzten Internetzugang und dem (fast immer…) vorhandenen Strom lag es auf der Hand unsere Computer, Bilder und Musik endlich mal auszumisten und aufzuräumen. An Bord heisst das immer zuerst den Inverter anzumachen und den Computerarbeitsplatz einzurichten. Im Haus ist das wesentlich einfacher.

Ich habe den einzigen klimatisierten Raum im Haus vom Fernseh-Zimmer zum Büro umfunktioniert. Mit zwei Arbeitsböcken und Holzplatten aus der Werkstatt entstand ein Arbeitstisch und als Monitor hat der grosse TV herhalten müssen. Ergonomisch wäre anders, aber so einen grossen Bildschirm habe ich echt cool gefunden.

Biggi hat derweil die windzugewandte und damit angenehm kühle Ost-Terrasse zu ihrem Computerarbeitsplatz auserkoren. Sie hat in wochenlanger Geduldsarbeit abertausende von Bildern gelöscht und die verbleibenden in Alben organisiert. Am Anfang ging es mit dem Löschen noch ziemlich harzig, aber mit der Zeit wurde sie immer rigoroser. Natürlich war das Ganze nicht ganz freiwillig… Die Tatsache, dass sogar ihr neues Laptop mit der exponentiell wachsenden Bilderflut überfordert war, hat sie zur Einsicht gebracht, dass man nicht jeden schönen Sonnenuntergang in x Bildern aufbewahren muss. 

Bei mir war es die Musikbibliothek, die aus mir unerfindlichen Gründen verloren gegangen ist. Ich hatte plötzlich gar keine Musik mehr auf dem Handy. Für die meisten Leute ist das heutzutage egal, weil man immer online ist und alles streamen kann. Auf dem Boot ist das etwas anders. Unsere lokalen SIM-Karten haben eine Datenbegrenzung und das Starlink erst recht, wenn wir ausserhalb von den Landbereichen sind. Auf See wird jedes MB richtig teuer. Mit Spotify, Netflix etc. ist also nix. Nur «Lokales ist Wahres« und die Musikbibliothek musste wiederhergestellt werden, was mich bei den 30-40’000 Titeln auch für einige Wochen ziemlich beschäftigt hat.

Mein zweites Projekt hiess OpenCPN. Wir navigieren bis jetzt fast ausschliesslich mit einer Navigationssoftware, die auf Tablets und Smartphones läuft. Hier in der Karibik sind diese Karten auch sehr genau und zuverlässig, aber schon wenige Tagesreisen weiter westlich in Panama, stimmen sie zum Teil überhaupt nicht. D.h. es macht Sinn ein zweites oder sogar drittes Set von Karten zur Verfügung zu haben. Elektronische (und auch Papier-)Seekarten sind ziemlich teuer, v.a. wenn man sie nur kurz braucht und nachher das Gebiet wieder verlässt. Daher haben sich einige Leute zusammengetan und ein offenes (Open Source) Seekartenprogramm entwickelt, welches auch in der Lage ist, Karten aus unterschiedlichen Quellen zu verwenden. Diese Software heisst OpenCPN und läuft auf PCs, Macs und sogar Kleincomputern wie der Raspberry Pi. Aber, wie bei solchen Open Source Programmen üblich, muss man sich doch recht intensiv einarbeiten und rumprobieren, bis es so läuft wie man es gerne hätte. Das fängt damit an, dass man die GPS-Position mittels einer externen GPS-Maus «reinbringen» muss, denn ohne WLAN hat kein Computer eine Position. Da ist nichts mit Plug&Play, und nur schon unsere aktuelle Schiffsposition ins OpenCPN zu bringen hat mich eine Weile beschäftigt. Dann muss man die richtigen Karten finden und laden und zum Schluss besteht die Möglichkeit aus Satellitenkarten (wie z.B. Google Maps) selber Karten-Overlays zu erstellen. Grosse Teile der Seegebiete die uns Segler interessieren, sind nämlich nur ungenügend kartografiert (wo es keine kommerziellen Interessen für die Seefahrt gibt, werden auch keine genauen Karten gemacht). Einige der Karten stammen noch aus den Zeiten der ersten Entdecker und sind zum Teil massiv falsch. Bei hohen Inseln oder grossen Landmassen ist das nicht so tragisch, aber bei den flachen Korallenatollen kann ein Versatz von ein paar Meilen den Unterschied zwischen Schiffsverlust und traumhaftes Segeln bedeuten. Auch heute gehen z.B. in den San Blas Inseln vor Panama jedes Jahr noch Schiffe verloren, weil der Navigator den fehlerhaften Karten blind vertraut hat… 

OpenCPN und Satellitenbilder als Navigationshilfsmittel. Als Beispiel eine Satellitenaufnahme von einem Atoll in den Tuamotus in Französisch Polynesien. Von oben links bis unten rechts ist immer weiter reingezoomt, bis man den Pass (=die Einfahrt) in die Lagune erkennen kann.

Was heutzutage fast immer sehr genau und in guter Qualität vorhanden ist, sind Satellitenaufnahmen. Bei den Satelliten-Overlays geht es darum, Satellitenaufnahmen über einen Abschnitt der Seekarte zu legen. Das bringt natürlich nur etwas, wenn man sicherstellt, dass die Satellitenaufnahme im richtigen Massstab am richtigen Ort in der Seekarte eingefügt wird. Ausserdem muss sichergestellt werden, dass sie sich massstabsgetreu verändert, wenn man in der Karte rein- oder rauszoomt. Wenn das alles klappt UND man die tatsächliche Schiffsposition in dieses Bild einblenden kann, sollte man eigentlich eine realere Darstellung als mit einer ungenauen Karte bekommen. Dies alles kann man natürlich nicht ohne die entsprechende GIS (= Geographic Information System) Software machen, die es aber auch als Open Source gibt. Für einen gelernten Geographen wäre das alles wohl einfach gewesen, aber für mich war die komplexe Software erst mal ein Buch mit sieben Siegeln. Alles zusammen hat mich das Ganze etliche Tage YouTube-Tutorials schauen und Handbücher lesen gekostet, bis die ersten Erfolge kamen. Zum Glück bin ich Zeitmillionär, denn sonst hätte ich das nie geschafft. Und es zeigt wieder einmal wieviel Neues man lernen kann, wenn man mit einem Boot unterwegs ist.

Links sieht man das Satellitenbild vom ganzen Pazifik, rechts reingezoomt bis auf ein kleines Atoll, dass im linken Bild nicht mal die Grösse eines Stecknadelkopfes hat. Nur schon das Finden der kleinen Atolle im Pazifik ist auf dem Satellitenbild eine echte Herausforderung. Es gibt nämlich keine Suchfunktion, da es keine Karte sondern einfach nur ein (Satelliten)Bild ist.

Wir haben die Zeit hier auf Grenada auch dazu genutzt unser Boot auszumisten. Vieles von dem wir mal dachten, dass wir es brauchen könnten, hat sich als ziemlich nutzloser Ballast erwiesen. Und auch wenn gewisse Sachen als Backup gedacht waren, müssen wir Prioritäten setzen und nur das mit an Bord nehmen, was uns wirklich einen Nutzen bringt. Einiges konnten wir verkaufen, da es hier sehr viele Segler hat, die immer Teile suchen und vieles haben wir verschenkt. 

Unter anderem haben wir uns schweren Herzens vom Kajak getrennt, dass uns in St. Marteen «zugeflogen» ist. Es hat zwar viel Spass gemacht, aber es war einfach zu gross für unser kleines Boot. Da wir jetzt wieder längere Passagen planen, wollten wir kein so grosses Teil auf Deck fahren müssen. 

Das Kajak hat einen erheblichen Teil vom Vordeck in Beschlag genommen

Ausserdem haben Sachen wie ein Grill, Dampfkochtopf, Akkubohrer (der zweite den wir an Bord hatten…), zwei überzählige Solarzellen (auch aus St. Marteen…), einen grossen Rucksack, Drucker, Solarlampen, Walkie-Talkies, überzählige Seile und tausend andere Kleinteile unser Boot verlassen.

Die Verkaufsfotos…

Einiges wurde über Facebook Marketplace verkauft, einiges am Flohmarkt auf Hog Island. Dort versammeln sich die Leute am ersten Samstag im Monat zum «Boat Jumble» und bauen ihre Verkaufsstände auf. So auch wir.  

Es ist erstaunlich was die Boote so alles mit sich rumschleppen. Den Vogel abgeschossen haben die Australier, die von Europa kommend immer noch ihre Ski und Skistiefel dabei hatten (7 Jahre mitgeschleikt und nicht mehr benutzt) und diese hier verkaufen wollten! Das hat viel Heiterkeit und Kommentare ausgelöst. Schlussendlich haben sie die Ski an Roger, den Besitzer der Barefoot Beach Bar verschenkt, der sie als Deko an der Wand aufgehängt hat. Skihüttenfeeling am karibischen Palmenstrand.

Boat Jumble sozusagen neben RARE BREED. Alpine Skiausrüstung zum Schnäppchenpreis.

Wir wurden an diesem Flohmarkt einiges los, aber ehrlicherweise müssen wir auch zugeben, dass wir das ein oder andere dort erstanden haben, was uns sinnvoll erschien. Nicht zuletzt ein kleineres (und leichteres!) 1-Mann Kajak, welches wir als Ersatz für das grosse dort gefunden haben.

Vom Porsche zum VW Käfer… Ein Vernunftsentscheid, aber das „kleine rosarote Schweinchen“, wie es Biggi sofort getauft hat, ist halt um einiges leichter und weniger sperrig als das andere Kajak.

Unter dem Strich war die Entrümpelung ein Erfolg. Man kann es tatsächlich am Boot sehen, dass es jetzt etwas höher im Wasser liegt und unsere Staufächer und Schränke haben wieder etwas freien Platz – Ziel erreicht.

Als wir 2021 losgefahren sind, hatten wir zwei Drohnen an Bord. Da uns aber die Flugroutine fehlte, haben wir uns nie getraut damit zu fliegen – jeder Fehler hätte einen Absturz ins Meer bedeuten können. Die grössere Drohne (eine DJI Phantom 4) haben wir schon im ersten Jahr in der Karibik an deutsche Youtuber verkauft, die ihre Drohne – ja, was wohl? – im Meer versenkt hatten. Jetzt schlummerte noch die kleine DJI Mavic Mini Drohne unbenutzt in einem Staufach. Also haben wir sie auch zum Verkauf ausgeschrieben. Vor dem Verkauf wollten wir noch sehen, ob sie funktionierte. Nach dem Laden der Akkus und dem Update des Microcodes habe ich sie beim Haus ausprobiert und (wieder) gemerkt, was für coole Aufnahmen man mit einer Drohne machen kann. Und so sind wir zum Schluss gekommen, dass wir sie doch lieber selber behalten wollen und haben das Inserat wieder gelöscht. Seither übt Biggi fleissig das Drohnefliegen. Hier können wir – abgesehen von den vielen Palmen und Büschen im Garten – relativ gefahrlos üben. Allfällige Abstürze enden nämlich nicht im Meer (wobei der Pool natürlich auch nicht ganz ungefährlich ist…). Vor allem Coco wird völlig aufgeregt, wenn sie die Drohne sieht und würde sie vermutlich sofort zerbeissen, wenn sie dran käme. Daher können wir sie nur fliegen, wenn die Hunde eingesperrt oder weit weg sind.

Drohnenflugstunden im Garten

Das Ziel ist irgendwann auch mal vom Boot aus zu fliegen und v.a. fotografieren zu können, aber dafür müssen wir uns erst etwas sicherer im Umgang mit der Drohne fühlen. So nebenbei konnten wir bei den Übungsflügen einige schöne Luftaufnahmen vom Haus und der Umgebung machen.

So sieht „unser Haus“ von oben aus
Das Südkap von Fort Jeudy und die Steilküste unmittelbar vor dem Grundstück.

Die Ausflüge zum Boot verbinden wir jeweils meistens mit Einkaufen und andere Besorgungen erledigen. Das Einkaufen ist hier nämlich etwas aufwändiger als zuhause. Anstatt einfach in den Laden zu gehen und mit dem wieder raus zu kommen, was auf der Einkaufsliste stand, müssen wir hier immer damit leben, dass es (für uns) elementare Sachen einfach plötzlich nicht gibt – und das teilweise wochenlang. So bekamen wir während Wochen keine Butter, alle Läden waren leergefegt. Das lokale Brot ist allesamt weiches Weissbrot. Genau ein Laden hat alle paar Wochen ein paar Pakete importiertes Vollkornbrot und das von uns bevorzugte dunklere Toastbrot gibt es seit August nicht mehr. Jogurt, Milch und Eier sind auch eine Glückssache und Tomaten gibt es schon seit bald zwei Monaten nicht mehr. D.h. improvisieren und dann zuschlagen, wenn etwas erhältlich ist.

Jetzt hatten wir auch Zeit weniger dringende Erledigungen zu machen. Unser Tisch, den wir draussen im Cockpit haben, hat langsam angefangen Schlagseite zu bekommen. Das Tischbein bzw. das Drehgelenk ist langsam ausgeleiert. Hier ist so etwas nicht zu bekommen und so haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, wie wir es verstärken könnten. Über Empfehlungen sind wir auf Martin Vincent gestossen, der weitab vom Schuss eine kleine mechanische Werkstatt betreibt. Auf den ersten Blick denkt man «Oh je, wie soll er in diesem Chaos etwas Gutes herstellen können?», aber der Eindruck hat getäuscht. Zusammen haben wir eine neue Konstruktion gebastelt und jetzt ist der Tisch wieder einsatzbereit – und das Ganze zu einem Bruchteil von den Kosten für ein Ersatztischbein.

Der Workshop von Martin Vincent. Sein „Materiallager“ im Freien und seine völlig überfüllte Werkstatt.
Martin bei der Arbeit, meine „Konstruktionsskizze“ und das fertige Resultat.

Ähnlich erging es uns mit unseren Schuhen und einem Rucksack. Beides war schon kurze Zeit nach dem Kauf kaputt. Dabei waren die Schuhe von Merrell und richtig teuer gewesen, aber nach weniger als einem Jahr waren schon diverse Klebestellen aufgegangen. Wir haben das und noch weitere Sachen zu einem einhändigen(!!) Schuster gebracht, der seine «Werkstatt» in einem kleinen überdachten Stand am Strassenrand eingerichtet hat. Er hat alles neu verklebt und zusätzlich vernäht, sodass die Schuhe jetzt besser als neu sind. Und der Rucksack ist ebenso wieder voll belastbar. All das wieder für einen mehr als fairen Preis. Es ist auch schön zu sehen, dass hier Sachen geflickt und repariert werden, die wir zuhause – wenn auch zähneknirschend – vermutlich weggeworfen hätten.

Die Schusterwerkstatt am Strassenrand. Hier wird repariert, statt weggeschmissen.

Als sogar das Trinkwasser plötzlich ausverkauft war, haben wir unsere Filter von Bord ins Haus geholt. Jetzt füllen wir das Hahnenwasser – nachdem es durch einen Sediment- und Aktivkohlefilter gelaufen ist – selber in Kanister. Problem gelöst und dabei noch Geld und Ressourcen gespart! Das hätten wir viel früher machen sollen!

Trinkwasserproduktion im Garten

Unser Tagesablauf ist durch die Hunde in einem klaren Rhythmus eingeteilt. Morgens nach dem Aufstehen gehen wir meistens zusammen die Gassirunde und danach werden die Hunde gefüttert. 

Danach kommt der schönste Teil vom Tag – Den Morgenkaffee im Pool geniessen! Es ist noch nicht so heiss und der Pool ist noch angenehm kühl.

Wenn wir nicht zum Boot gehen, werden noch ein paar Kleinigkeiten erledigt und zwischen 10 und 11 essen wir «Frühstück». Die Computerarbeiten gehen – selbstverständlich unterbrochen durch regelmässige Abstecher zum Pool und eine Kaffeepause am Nachmittag – bis um 16-17 Uhr.

Dann gehe ich die zweite Gassirunde mit den Hunden während Biggi mit der Drohne übt. Nach der zweiten Hundefütterung ist der zweite «heilige» Tagestermin fällig – ein kühles Bier im Pool! 

Das Leben als Hundehalter ist auch etwas Neues für uns. Nach vier Monaten sind Coco und Macey uns recht ans Herz gewachsen. Sie sind beide total lieb und gut erzogen, aber Hund bleibt Hund und manchmal werden sie schlagartig schwerhörig… Inzwischen kennen wir ihre Macken und Vorlieben (und sie wohl auch unsere) und können rechtzeitig einschreiten. Zum Beispiel wenn Macey sich in Schlammpfützen langlegen will. Inzwischen reicht ein deutliches «No Macey!» und sie trollt sich etwas beleidigt vom Schlammloch weg ohne sich reinzulegen. Aber trotzdem kommt es auch jetzt noch zu Überraschungen, wie zum Beispiel als sie (zum ersten Mal) quer vom Pfad zum Meer runter gerannt ist und sich ins Wasser gestürzt hat. Nach ein paar Minuten kam sie von selber klatschnass und glücklich zurück getrabt. 

Ein Hund ist etwas sehr Schönes und Treues, egal was du machst, der Hund findet dich toll und zeigt das überschwänglich. Gleichzeitig ist ein Hund irgendwie wie ein kleines Kind, das nie erwachsen wird und immer betreut werden muss.

Wir wollten den Hunden eine Freude machen und haben ihnen je einen Hundeknochen besorgt. Coco war sofort dabei und den Rest vom Nachmittag mit Gnagen beschäftigt. Macey hingegen wusste nicht so recht was sie damit anfangen sollte und hat den Knochen nur verlegen rumgetragen und irgendwann versucht ihn zu vergraben.

Es war schön diese Erfahrung machen zu dürfen, aber ich glaube nicht, dass ich je einen eigenen Hund haben wollte. Damit kann Biggi leben, aber um eine Katze werde ich wohl nicht kommen… Einfach nur nicht solange wir auf einem Boot leben. Gell, Biggi?

Kurz nach 18 Uhr geht die Sonne unter und Biggi verschwindet in die Küche um das Abendessen zuzubereiten. Die Küche nach dem Essen aufräumen ist Männersache – also mein Part. Ein letzter Poolbesuch im Dunkeln und noch etwas lesen und dann ist der Tag auch schon wieder rum. Und ja, es ist uns schon SEHR bewusst, welches Luxusleben wir hier führen können!

Abendstimmung

Neben den Hunden und Mücken wimmelt es auch sonst von Tieren hier im Haus. Geckos in allen Grössen und Varianten düsen kreuz und quer durchs Haus und fangen Mücken. Abends und nachts krabbeln wahre Heerscharen von Eremitkrebsen durch den Garten und ins Haus, welches nach aussen völlig offen ist. 

Der Frosch links oben ist in der Realität nur so gross wie ein Fingernagel. Ihrem Namen „Johnstons Pfeiffrosch“ machen diese Frösche alle Ehre, denn sie machen einen Höllenkrach in der Nacht.
Und manchmal bleibt sogar ein Leguan im Lüftungsgitter stecken und braucht etwas Hilfe um dort wieder raus zu kommen.

Das ist ja alles noch ganz lustig, aber leider können die vielen Vögel nicht mit den riesigen Glasflächen von diesem Haus umgehen. Im besten Fall verirren sie sich rein und wir müssen sie irgendwie fangen und rausbefördern. Aber leider fliegen auch viele in vollem Tempo in die Scheiben rein und wir finden sie dann tot irgendwo auf dem Boden. 

Der Vogel links hat es nicht überlebt. Der oben rechts schon, obschon er wohl fast einen Herzinfarkt bekam, als er im Netz war.
So einen grossen Reiher im Haus zu finden war schon etwas speziell, aber er fand den Weg selber wieder raus

Hier gibt es auch «Fire Ants», extrem aggressive Ameisen, deren Biss bei mir immer ziemliche Schwellungen auslöst – ist halt nicht immer so paradiesisch im Paradies…

Solch einem geschwollenen Fuss hilft auch die schönste Aussicht nicht.

Der September ist der Höhepunkt der Hurrikanzeit. Zum Glück sind wir bis jetzt verschont geblieben, aber manchmal sah es schon ziemlich haarig aus auf den Wetterkarten vom Atlantik.

Jetzt wo unser Aufenthalt auf Grenada langsam zu Ende geht, haben wir gefunden, dass es Zeit ist ein Fazit zu ziehen.

Wir haben mehr als ein Drittel vom 2023 auf Grenada verbracht. Die weitaus grösste Zeit davon im Haus am Sunset Drive. Von den bald zwei Jahren, die wir in der Karibik verbracht haben, sind wir alles in allem etwa 7 Monate auf Grenada gewesen. Von einer exotischen und unbekannten Insel ist sie zu einer Art Heimat geworden. Wir kennen uns langsam aus und haben hier auch schon viele Freunde und Bekannte kennen und schätzen gelernt. Wir haben die meisten der Sehenswürdigkeiten besucht, waren mehrmals «hashen», aber wir haben vor allem auch den Alltag hier erleben dürfen.

Sonntags gehen wir manchmal mit unserem Nachbarn Marvin essen, wie hier zum Lobsteressen bei Rocky’s Beach Bar in der Morne Rouge.

Zwei Ausdrücke, die wir hier immer wieder zu hören bekommen sind «Take your Time» und «God’s Will». Beide treffen den Lebensstil der Leute hier sehr gut. Ersteres spiegelt die entspannte Einstellung zum Leben – warum stressen, bringt doch eh nichts! «Take it easy, and enjoy life, Man!». Der zweite Ausdruck kommt immer dann zum Zug, wenn man von etwas Zukünftigem spricht, weil jede Abmachung ist natürlich nur soweit gültig, wie es Gott gefällt. Wenn es ihm gefällt, dass man lieber ein Bierchen trinkt als zur Arbeit zu kommen. Ja nu, dann ist es so. Karibik halt.

Wenn wir uns eine Insel in der Karibik aussuchen «müssten» um dort zu leben, wäre es vermutlich Grenada. Die Insel ist von der Natur her sehr vielfältig, neben schönen Stränden gibt es unendlich viele Wandermöglichkeiten durch den Dschungel zu Wasserfällen. Sogar kleinere Bergwanderungen sind hier möglich. Die Leute sind extrem freundlich und wirken zufrieden. Die Kriminalität ist hier tatsächlich kein grösseres Problem und man kann sich auch als weisser Tourist überall frei und sorglos bewegen. Die wenigen schweren Verbrechen sind fast ausnahmslos im Bereich des Drogenhandels passiert.

Die Insel liegt am südlichen Ende des Hurrikangürtels und entsprechend unwahrscheinlich ist es hier einen Hurrikan zu erleben.

Mondaufgang am 1. September 2023: Ein „Blue Moon“, der alles andere als blau war.

Aber das Land hat natürlich auch seine Schattenseiten. Dass die karibischen Inseln alle ein Problem mit dem Abfall haben ist nachvollziehbar. Es fehlen einfach die Ressourcen um diesem Problem Herr zu werden. Was wir aber gar nicht verstehen können, ist das gedankenlose Littering. Hier wird einfach alles in den nächst besten Busch geschmissen, anstatt es mitzunehmen und in einen Abfallkübel zu legen. Anfänglich haben wir bei jeder Wanderung und bei jedem Spaziergang Abfall gesammelt, aber irgendwie ist es uferlos. Die Umgebung von unserer Gassirunde war nach unseren ersten Runden frei von Abfall, weil wir alles eingesammelt und entsorgt haben. Inzwischen liegt wieder überall Müll rum. Dabei gilt diese Ecke mit dem Blow Hole als Naherholungsgebiet und Leute kommen von weit her um sich das anzuschauen. Vor ein paar Wochen kamen sogar zwei Kleinbusse voll mit Schulkindern hierher. Als sie weggefahren sind, war alles mit leeren Chipstüten und Getränkedosen und Flaschen übersäht… Wir geben nicht auf und fischen Flaschen etc. aus Büschen und manchmal sogar aus dem Meer, an der Einstellung der Leute wird das aber leider nichts ändern.

Die Meeresschildkröten sind vom Aussterben bedroht und eigentlich weltweit geschützt. Hier auf Grenada darf man sie aber fangen. Bis jetzt haben wir das nie miterlebt – bis vor ein paar Tagen. Wir waren am Boot als zwei Fischer mit etwas Grossem in einem Netz an Bord vorbeigefahren und auf Hog Island an Land gegangen sind. Ich war oben im Mast und Biggi hat mich gesichert. So haben wir miterlebt, wie die Fischer eine grosse Schildkröte an Land gezogen haben und angefangen haben sie bei lebendigem Leib zu zerlegen. Es war ein verstörender Anblick, aber wir konnten nichts machen, denn sie taten nichts Illegales. 

Unser Umgang mit Masttierhaltung ist wohl auch nicht besser, aber es hat uns trotzdem im Herzen weh getan zu sehen wie das arme Tier qualvoll verendet ist. Als wir Beverly, die zwei Mal die Woche ins Haus kommt, davon erzählt haben, hat sie sich auch aufgeregt. Auch sie würde nie im Leben eine Schildkröte essen. Sie wisse nicht mal wo man das kaufen könne. So kann man wenigstens hoffen, dass es nicht allzu oft vorkommt.

Etwas anderes was uns hier aufgefallen ist, ist die gesetzliche/behördliche Willkür. Von einem Tag auf den anderen wird eine neue Regel aufgestellt und sofort in Kraft gesetzt. Oder es wird jahrelang versucht eine Regelung zu finden und derweil kann die Polizei nach Belieben entscheiden was gerade gültig ist. Ein typisches Beispiel ist als einem Segler bei der Einreise die Drohne am Zoll konfisziert wurde, weil er keinen gültigen Grenada-Drohnenausweis hätte. Pikantes Detail: Einen solchen Ausweis gibt es gar nicht! Grenada versucht schon seit Jahren eine Regelung bezüglich eines Drohnenausweises zu finden. Derweil muss jeder, der eine Drohne fliegen will, zur Polizei gehen und um eine Bewilligung fragen. Ob er diese bekommt liegt völlig im Ermessen des gerade anwesenden Polizeibeamten. 

Ein weiteres Beispiel sind unsere Führerscheine: Wir müssen alle drei Monate einen lokalen Führerschein kaufen. Dafür müssen wir unseren Schweizerischen Fahrausweis zeigen. Logisch. Beim letzten Mal haben sie sich aber fast geweigert den Grenadischen Fahrausweis zu erneuern, weil das Bild auf dem Schweizerischen Fahrausweis nicht den Passbildvorgaben entspricht. Dass unsere Schweizer Fahrausweise lange vor dieser Regelung ausgestellt wurden und kein Ablaufdatum haben, hat den Polizisten nicht interessiert. Hier gelten halt die Grenadischen Regeln… Interessanterweise hat diese Regelung bis jetzt keinen Beamten interessiert.

Nach vier Monaten Landleben haben wir natürlich auch die «Zuverlässigkeit» der Grenadischen Infrastruktur hautnah miterlebt. Dass der Wasserdruck immer wieder sehr schwach wird und das Wasser teilweise ganz ausbleibt ist hier völlig normal. Nicht umsonst haben die Hausbesitzer einen riesigen Regenwassertank und eine eigene elektrische Wasserpumpe eingebaut. 

Im Normalfall regnet es mehr als genug um den riesigen Wassertank zu füllen. Eigene Wasserpumpe im Haus.

Die haben wir schon ein paar Mal benutzen müssen. Wenn dann aber auch der Strom ausfällt ist natürlich nichts mehr mit selber Wasserpumpen betreiben. Das ist zum Glück erst wenige Male passiert, dafür dann an vier aufeinanderfolgenden Tagen. Der Strom kam jeweils nach 3-4 Stunden wieder zurück, aber es war jedes Mal eine Zitterpartie, ob der grosse Gefrierschrank nicht auftaut. Zumal der lokale Stromlieferant keinerlei proaktive Informationen ausgegeben hat. 

Wegen der Wärme haben wir nachts im Schlafzimmer alle Türen und Fenster sperrangelweit offen und wegen der vielen Mücken schlafen wir unter einem grossen Mückennetz. Leider gibt es auch bei offenen Türen und Fenstern keinen richtigen Durchzug und so ein Netz blockiert erstaunlich viel vom Luftzug. Da es hier auch nachts über 30 Grad warm bleibt, kann man wählen, ob man unter dem Netz vor Hitze eingeht oder ob man es weglässt und von den Mücken aufgefressen wird. Not macht erfinderisch und wir haben uns zwei(!) grosse Ventilatoren direkt auf das Bett gerichtet um hinter dem Netz genügend Luftzirkulation zu haben. Und dass die Ventilatoren ausfallen würden wäre fast die schlimmste Folge vom Stromunterbruch! Das ist zum Glück nur in einer Nacht für ein paar Stunden passiert.

Unser Schlafzimmer mit den zwei Ventilatoren.

Die Möglichkeit hier soviel Zeit verbringen zu können, war auf jeden Fall eine einmalige und sehr wertvolle Erfahrung, die wir auf keinen Fall missen wollen. Jetzt ist es aber an der Zeit für eine Veränderung. In dem Sinne werden wir anfangs Oktober die Segel hissen um neue Ufer zu erkunden – God’s will. 

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