Panama Kanal, zum Greifen nah…
Shelter Bay Marina, 1.3.-20.4.2026
Unser „Shake Down Cruise“ ist vorbei und mit einer soliden Liste an „To Dos“ planen wir etwa einen Monat in der Shelter Bay Marina zu bleiben um alles abzuschliessen bevor es anfangs April durch den Panama Kanal gehen soll. Soweit die Theorie…

Die ersten beiden Wochen sind wir noch alleine und werkeln fleissig drauf los.

Die grösste Baustelle ist der Stauraum, wo der Generator und der grosse Wassermacher gelebt haben. Beide wurden noch in der Panamarina ausgebaut, aber das war nur der Anfang. Der Dieseltank für den Generator muss geleert, die verrosteten Motorstützen abflext und alles gründlich gereinigt und schliesslich neu gemalt werden. Anschliessend wird unser Rainman Wassermacher dort drin fix eingebaut und direkt an den Wassertank angeschlossen, damit wir unterwegs Wasser machen können, ohne zuerst den Tankdeckel vorne am Boot aufmachen zu müssen. Und wenn wir schon dabei sind wird die jetzt unbenützte Seewasserzufuhr für die Kühlung des Dieselgenerators umfunktioniert. Wir schliessen stattdessen dort eine alte Wasserpumpe an und legen einen Schlauch von da zum Anker und fertig ist die Anker(ketten)waschvorrichtung. Jetzt schalten wir die Pumpe ein, bevor wir den Anker hochziehen und die Kette wird (hoffentlich) von Dreck und Schlamm befreit, ehe sie im Ankerkasten landet. „Upcycling“ nennt man das wohl auf Neuhochdeutsch.

Und schliesslich ist unser neuer Gasherd aus USA angekommen. Den hatten wir bestellt als wir noch in den San Blas Inseln waren. Wobei „angekommen“ ein dehnbarer Begriff ist. Als wir in Shelter Bay ankommen, gehe ich als erstes ins Marinaoffice und frage nach dem Paket für uns. „Nein, da sei nichts für uns angekommen!“ Dabei hätte es schon lange da sein sollen. Eine kurze Rückfrage beim Lieferanten bestätigt meine Vermutung, dass es schon hier abgeliefert worden sei. Als ich das Office mit dieser Information konfrontiere, ist das Paket dann plötzlich doch da, es stehe wegen seiner Grösse einfach in einem Lagerraum. Wer jetzt denkt, dass sich jemand im Büro wegen der Verirrungen entschuldigen würde, der irrt sich. Hier wird – auch bei offenkundigen Fehlern – niemals „Sorry“ gesagt. Ein kurzes Schulterzucken und die Angelegenheit ist für sie erledigt.

Kaum an Bord wird das gute Stück aus seiner wirklich sehr soliden Verpackung geschält und steht in seinem vollen Edelstahlglanz im Cockpit. Den Austausch machen wir übrigens, weil der alte Herd vor lauter Rost langsam auseinanderbricht. Und wer mag schon Backwaren auf denen die Rostbrösel einfach nicht mehr vom schwarzen Sesam zu unterscheiden sind…
Raus mit dem Alten (das ist in fünf Minuten geschafft). Dann nochmals 30 Minuten um den jetzt zugänglichen Raum, wo der Herd drinhängt, vom gefühlt 10 Jahre alten Dreck zu befreien. Und dann geht es an den Einbau vom Neuen. Eigentlich ein Klacks, denn es braucht nur einen Anschluss ans Gassystem und je eine Aufhängung rechts und links vom Herd. Der Herd ist nämlich kardanisch aufgehängt, um die Schaukelei beim Segeln kompensieren zu können. Dafür muss ich „nur“ die Aufhängungen vom alten Herd abbauen und die neuen hinbauen.

Nur – das Abbauen der alten Aufhängung geht gar nicht, denn sie wurde offenbar mit Bolzen und Gegenmuttern eingebaut BEVOR die restlichen Küchenschränke eingebaut wurden. Damit gibt es keine Art, wie ich an die Muttern rankomme ohne die Schränke zu zersägen. Also Plan B: Die bestehenden Halterungen vom alten Herd so anpassen, dass der neue reinpasst. Dremel sei Dank ist das dann auch relativ einfach machbar. Dann noch „schnell“ den Sperrriegel einbauen, mit dem man den Herd arretieren kann und nach einem schlappen Tag Basteln wäre der neue Herd schon einsatzbereit. Wäre, denn er ist es natürlich nicht! Der Gasanschluss am Herd ist amerikanischer Standard und wir haben ein Europäisches Boot. Also ab zum Schlauch kaufen. Im dritten Laden haben sie tatsächlich einen auf Lager und für schlappe $40.- habe ich einen Meter Gummischlauch mit dem passenden Fitting im Rucksack.

Zurück zum Boot fahren, alles anschliessen, Gas aufdrehen und Gasschnüffler ranhalten – Yeyy! – alles ist dicht und bereit zum Kochen. So kommt es, dass man gut zwei Tage braucht um einen simplen Herd auszutauschen. Stellt sich nur noch die Frage, wie wir künftig unseren täglichen Eisenbedarf decken, wenn es jetzt plötzlich keine Rostkrümel mehr auf dem Kartoffelgratin oder den Frühstücksbrötchen hat?
Parallel dazu haben wir Lebensmittel und andere Sachen (ja auch Klopapier…) im Hinblick auf den Pazifik aufgestockt. Erstens brauchen wir es natürlich für die vier bis sechswöchige Passage nach Französisch-Polynesien und zweitens ist so ziemlich alles in Französisch-Polynesien erheblich teurer als hier. Also macht es Sinn das Boot zu füllen, wobei wir gleichzeitig darauf achten müssen es nicht zu überladen. Die Diskussionen, ob und wieviel wir von etwas brauchen sind manchmal ziemlich hitzig. Aber am Ende ist das Boot so voll, dass jeder Corona Prepper glänzende Augen bekommen würde…




Unsere Ankerkette ist auch schon etwas rostig und besteht aus zwei 50m langen Stücken, welche mit einem Verbindungsglied gekoppelt sind. Damit wollen wir lieber nicht in den Pazifik segeln, wo wir viel mehr und vor allem oft auf grösseren Tiefen ankern werden. Also wird stattdessen eine neue Kette (80m in einem Stück) bestellt und nach Shelter Bay geliefert. Der Spruch, dass die Kette nur so stark wie das schwächste Glied ist, wird uns zufällig und sehr deutlich vor Augen geführt, als wir die alte Kette aus dem Boot hieven… Von den 10mm Materialdicke ist bei einem(!) Kettenglied gerade mal die Hälfte noch da… Und wer schaut schon jedes Glied der Ankerkette mit einer Lupe an…

Unser Kanaltermin ist auf den 3. April festgelegt. Das haben wir so gewählt, weil uns Biggis Brüder Thomas und Wolfi über Ostern für zwei Wochen besuchen kommen um mit uns durch den Kanal zu gehen. ABER – vier Tage vor Ankunft der beiden stellen wir fest, dass einer der beiden Schiffspropeller abgefallen ist! Den Propeller können wir zwar noch retten, aber einige andere Anbauteile fehlen und können nicht mehr gefunden werden.

Mit nur einem Propeller lässt sich ein Katamaran fast nicht manövrieren und eine Durchfahrt des Kanals ist so absolut ausgeschlossen. In Panama sind keine Ersatzteile aufzutreiben, es muss in USA oder Europa bestellt werden und inklusive Anbau dauert so etwas mindestens drei Wochen.
Also bleibt uns nichts anderes übrig als schweren Herzens den Kanaltermin zu verschieben, was natürlich auch für Thomas und Wolfi enttäuschend ist. Oder wie Thomas es formuliert, als er es erfährt: „Mit euch Scheissseglern kann man einfach nichts ausmachen!“

Um die Ferien von Thomas und Wolfi trotz der Planänderung doch ein wenig abwechslungsreich gestalten zu können, mieten wir für die ganzen zwei Wochen ein Auto und machen einige Ausflüge. Wolfi als begnadeter Handwerker verzichtet sogar auf den einen oder anderen Ausflug und hilft mir stattdessen sachkundig bei einigen Reparaturen. Dabei kann ich auch einige Tricks vom alten Hasen dazulernen. Da merkt man schon wer etwas gelernt und wer es sich nur erlesen hat… Und schon ist unsere Bordwaschmaschine endlich wieder einsatzbereit und auch sonst das eine oder andere erledigt – sogar beim defekten WC-Schlauch hat er keinerlei Berührungsängste!


Ganz herzlichen Dank dafür, Wolfi! Thomas ist derweil in der Küche in seinem Element und zaubert für uns einige Delikatessen auf den Teller. Muchas Gracias!

Aus dem Missgeschick mit dem verlorenen Propeller machen wir das beste – eine Verbesserung. Statt den starren zweiflügeligen Propellern wollen wir dreiflügelige Faltpropeller anbauen. Das kostet zwar etwas (oder eher viel) mehr, bringt aber sehr viele Vorteile – sowohl beim Segeln, wie auch bei der Motorfahrt bzw. beim Manövrieren.
Die neuen Propeller müssen ausgesucht und genau auf unser Boot angepasst (berechnet) sein. Bis das alles erledigt ist, vergehen ein paar Tage, aber kurz vor Ostern werden die neuen Propeller aus Dänemark verschickt und nach nur drei Tagen (!) sind sie tatsächlich schon in Panama City. Aber dann ist erstmal Ostern und wir dürfen drei weitere Tage warten bis das DHL-Büro in Panama wieder öffnet.

Am Ostermontag – hier kein Feiertag – stehen Biggi und ich morgens um neun schon auf der Matte im DHL-Büro in Panama City. In der naiven Annahme, dass wir die Pakete einfach abholen können, sagen wir zu Thomas und Wolfi (die bei uns an Bord geblieben sind), dass wir sicher zu Mittag wieder zurück seien. Dabei hätten wir es doch besser wissen sollen – JEDE Amtshandlung dauert in Panama mindestens fünf Mal so lange wie in Europa – so auch bei DHL. Denn einfach hinkommen und sich ausweisen geht gar nicht. Wir sehen unsere Pakete zwar hinter dem Tresen liegen, aber wir MÜSSEN zuerst eine E-Mail an die Hauptgeschäftsstelle von DHL schreiben, dass wir dem Schalterbeamten erlauben die Pakete an uns herauszugeben. Und dann wird wieder eine Stunde gewartet, bis die Hauptgeschäftsstelle ihrerseits eine Freigabe erteilt. Erst dann wird der IT-Prozess eingeleitet um die Pakete aus dem System auszuchecken, und der dauert auch seine Zeit. Kurz vor Mittag wäre es eigentlich so weit, aber dummerweise ist just der Mitarbeiter, der die Pakete vor der Ausgabe einscannen muss, gerade in die Mittagspause entschwunden. „Wir sollen doch um 15 Uhr zurückkommen…“ WTF!?! Jetzt war aber genug! Zum Glück kennen wir inzwischen ein paar Leute hier in Panama und machen einen Anruf – und siehe da – 10 Minuten später haben wir die beiden Pakete in der Hand. (Vitamin B ist in Panama alles!) Ach ja, das DHL-Büro war auf 16 (!!) Grad runtergekühlt und wir haben die ganze Wartezeit geschlottert. Am Abend hatten wir beide sogar einen rauen Hals.

Die drei „Beier-Gschwisda“ machen statt der Kanaldurchfahrt einen längeren Ausflug und verbringen die letzten Tage von Thomas und Wolfis Ferien auf der Pazifikseite von Panama.







Am Montag den 13. April heisst es Abschied nehmen für die Gschwisda. Thomas und Wolfi fliegen wieder zurück in die Kälte und wir machen noch ein zwei Grosseinkäufe bevor wir das Auto am 15. April zurückbringen.

Weil wir noch auf zwei „Spacer“ von Volvo Penta warten müssen, um die Propeller einbauen zu können, vergehen schlussendlich auf den Tag genau (!) die drei Wochen, die ich vorhergesagt habe, bis wir endlich fertig fürs Rausheben sind. Am 16. April ist es soweit. Mit den zwei Marinadinghis werden wir kurz vor Mittag zum Travellift gezogen bzw. geschubst, da wir mit nur einem Motor bzw. Propeller auf dem engen Raum nicht manövrieren können.

Die Montage der Faltpropeller ist in weniger als zwei Stunden erledigt (das hatte ich bei RARE BREED so oft gemacht, dass ich es sozusagen im Schlaf beherrsche) und CHILI wird plangemäss nach der Mittagspause wieder ins Wasser gelassen.

Jetzt die Motoren starten und eine Probefahrt mit den neuen Propellern machen – denkste, der linke Motor lässt sich partout nicht mehr starten! Also werden wir stattdessen wieder mit den Dinghis zu einem Liegeplatz zurückgebracht. Wie zwei begossene Pudel sitzen wir im Cockpit und fassen nicht was jetzt wieder los ist. Der einzige Trost der uns bleibt: Wir liegen jetzt vorne am C-Steg und nicht mehr am F-Steg hinten im Hafen. Das bedeutet, wir sind jetzt etwa 300 m näher am Panama Kanal… Um die Stimmung etwas zu heben stelle ich fest, dass wir jetzt ein paar Mal Glück im Unglück hatten: Den Propeller haben wir – fest vertäut am Liegeplatz – in der Marina verloren und auch der Motor ist „am bestmöglichen Ort“ ausgestiegen. Denn wenn etwas davon erst im Kanal passiert wäre, dann wäre es RICHTIG teuer geworden! Biggi meint dazu ganz lakonisch „Dann bleiben wir doch einfach hier in der Marina liegen, damit das nächste Missgeschick auch am bestmöglichen Ort passiert…“ (Randbemerkung der Redaktion: Frustrierenderweise ist ihre Aussage gar nicht so absurd, wie wir ein paar Wochen später erfahren würden, aber dazu im übernächsten Bericht mehr.)

Tags darauf kommt der Dieselmechaniker zu uns an Bord und die Fehlersuche beginnt. Es stellt sich heraus, dass das Gewinde der Entlüftungsschraube eine Macke hat. Das reicht, damit ganz langsam Luft in die Dieselzufuhr eindringen kann und irgendwann ist es halt soviel, dass der Motor nicht mehr startet. Kleine Ursache – grosse Wirkung. An sich keine grosse Sache, denn das ist ein leicht auszutauschendes Ersatzteil, nur – wer errät es? – gibt es dieses Teil natürlich nicht in Panama. Aber der Mechaniker meint, dass er stattdessen ein neues Gewinde reinschneiden kann und das Problem so lösen könne. Er will es vor Ort machen (also am Motor) aber da interveniere ich! Ich bitte ihn, das gesamte Teil vorher abzubauen und bevor er es zur Werkstatt trägt weise ihn nochmal ausdrücklich darauf hin wirklich ALLES auseinander zu bauen, bevor er das Gewinde schneidet, damit wirklich keine Metallspäne ins System fallen können. „Sí, sí, Señor!“ Am Nachmittag kommt er mit dem Teil zurück und es sieht alles gut aus. Eingebaut, Motor entlüftet und er startet sofort und läuft wie ein Uhrwerk! Freude herrscht!

Jetzt ist endlich alles klar und wir beantragen einen neuen Kanaltermin, den wir für den 28. April bekommen.

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