Wir sind wieder Bootsbesitzer – aber noch keine Segler…
Mai 2025 – Januar 2026, Shelter Bay Marina, Panama
Am 7. Mai kommen wir nachmittags wieder in Panama City an und einige Stunden später werden wir von Bryan, Sidsel und ihrem Sohn Viggo, die dänischen Besitzer von CHILI an Bord begrüsst. Nach einem gemütlichen Abendessen zusammen schlafen wir zum ersten Mal an Bord – noch als Gäste in einer der vorderen Gästekabinen. Irgendwie ein komisches Gefühl.
Am folgenden Tag prüfen wir das Schiff auf Herz und Nieren und lassen uns von Bryan alles Mögliche erklären. Die Besichtigung verläuft zu unserer Zufriedenheit und am 9. Mai ist es soweit. Wir bezahlen den vereinbarten Kaufpreis und sind wieder Bootsbesitzer. Ab sofort sind die Rollen gekehrt und Bryan, Sidsel und Viggo sind jetzt die Gäste an Bord, was uns allen etwas ungewohnt und skurril erscheint. Abends feiern wir alle zusammen den abgeschlossenen Kauf im Marinarestaurant.


Am 10. Mai reisen die Vorbesitzer ab und wir sind zum ersten Mal alleine an Bord. Auch wieder ein ganz spezieller Moment. Es sollte noch einen Haufen „zum ersten Mal“ in den folgenden Tagen geben.

So, was haben wir uns jetzt für ein Boot gekauft? Es ist eine Lagoon 410 von 2000. Sie ist also zwei Jahre älter, etwa einen Meter länger und zwei Meter breiter als RARE BREED. Was im ersten Moment wenig erscheinen mag, macht in der Realität einen Riesenunterscheid aus, denn das Platzangebot ist auf CHILI wirklich viel grösser. Ich kann endlich im Salon aufrecht stehen und jetzt haben wir vier Doppelkabinen von denen die beiden hinteren als Eigner- und Gästekabine und die beiden vorderen als Technik/Stauräume einrichten werden. Statt ein, gibt es jetzt zwei Badezimmer und das Cockpit ist so gross, dass wir locker mit acht Leuten am Tisch sitzen können. Die Segelfläche ist mit 94 qm auch spürbar grösser als die 70 qm bei RARE BREED.





Die Lagoon 410 ist die zweite Generation von Lagoon Katamaranen und hat bei ihrer Einführung viele Neuerungen gebracht, die später von anderen Herstellern übernommen wurden, wie z.B. die senkrechten Fenster im Salon, die sehr viel Licht, aber wesentlich weniger Wärme ins Boot reinlassen als die geneigten Fensterflächen bei RARE BREED. Sie ist definitiv keine Rennyacht, aber sollte um einiges besser segeln als RARE BREED.

Vor dem Kauf ist uns schon klar, dass wir sehr viel an CHILI machen müssen bis sie unseren Ansprüchen genügen wird. Dies war natürlich im Preis berücksichtigt und wir haben uns ein (in unseren Augen) grosszügiges Refit-Budget eingeplant. Die Vorbesitzer hatten CHILI im 2024 für ein einjähriges Sabbatical ebenfalls von einem Dänen gekauft. Dadurch, dass sie CHILI nur ein Jahr hatten, haben sie (ausser die Erneuerung des Riggs, eine neue Bespannung vom Sonnendach, neue Matratzenbezüge und neue Cockpitpolster) wirklich nur das Nötigste gemacht. Dass sie uns ein so grossen Wartungsstau überlassen würden, war uns aber nicht bewusst. Ursprünglich dachten wir, dass wir nach zwei-drei Wochen in der Marina zuerst Mal für ein paar Wochen nach San Blas segeln würden, um dann im Herbst mit dem Refit anzufangen.

In den ersten Tagen wird Chili rigoros ausgemistet und wir machen uns Stück für Stück mit dem verschiedenen Systemen an Bord vertraut. Dabei sehen wir schnell ein, dass unser Plan etwas zu blauäugig gewesen war. An vielen Orten, wo wir etwas auseinandernehmen, kommen neue „Überraschungen“ zu Tage und unsere To Do Liste wird immer länger und länger. Einige Systeme müssen zuerst wieder gewartet und repariert werden, bevor ich damit aufs Meer raus will.




Ich muss zugeben, dass ich bei einigen Sachen vielleicht etwas zu „pingelig“ bin, aber es ist eben auch ein Unterschied, ob man ein Boot für Bucht-Hopping in Küstennähe verwendet (die Vorbesitzer haben CHILI nur hier in Panama genutzt und sind nur ein einziges Mal über Nacht gesegelt) oder damit den Pazifik überqueren will. Hier in Panama haben wir noch die Möglichkeit Ersatzteile zu bekommen und Arbeitsleistungen zu einem verhältnismässig günstigen Preis zu nutzen. Alles was wir hier nicht machen (lassen) wird uns im Pazifik unter Umständen ein Vielfaches kosten bzw. gar nicht machbar sein.




Also geben wir ziemlich bald den Plan nach San Blas zu segeln auf und fangen stattdessen an systematisch System für System zu überprüfen, zu warten und wo nötig zu reparieren oder umzubauen. Alles was wir im Wasser liegend machen können wird jetzt angepackt. Unter anderem werden beide Motoren einer grossen Wartung inkl. Ventileinstellen und Reinigung bzw. Ersatz des Auspuffsystems, Filter und Riemen unterzogen, das Grosssegel wird nachgenäht, die Genua und das Trampolinnetz werden ganz erneuert, das Dinghy und die Ankerwinschsteuerung geflickt, der Anker gegen einen grösseren ausgetauscht, x kg alte unbenutzte Kabel rausgerissen und neue verlegt, der gesamte Navigationsplatz ausgehöhlt und mit neuen Geräten wieder aufgebaut usw. usw.



Anfangs August wird CHILI an Land gehoben.
Geplante Arbeiten: Das ganze Unterwasserschiff komplett abschleifen und von Grund auf neu aufbauen. Die Ruder ziehen und die Lager erneuern. Alle Rumpfdurchbrüche und Seeventile (Löcher im Boot wo Kühl- und Abwasser rein und rausfliesst) erneuern. Die Saildrives (Unterwasserteil vom Getriebe & Propeller) revidieren und neu abdichten. Die beiden Fluchtluken unten am Schiffsrumpf zulaminieren.
Wir hoffen, damit bis Mitte September fertig zu sein, weil wir dann für sechs Wochen nach Europa fliegen werden.
















Wie fast zu erwarten geht das natürlich nicht ganz auf und so verbringen wir nach der Rückkehr aus Europa noch ein paar Wochen an Land um alles fertig zu machen.










Am 14. November wird CHILI endlich wieder ins Wasser gehoben. Der Moment ist mit ziemlich viel Nervenkitzel verbunden, da wir jede erdenkliche Öffnung im Unterwasserbereich erneuert haben und es dadurch viel Potential für Undichtigkeiten gibt. Noch in den Gurten hängend renne ich im Schiff rum und überprüfe alle Bilgen – alles dicht!

Also Gurte weg und Maschinen anlassen – ausser einem leisen Klicken tut sich aber nichts. Dass beide Starterbatterien altersschwach sind, war schon klar, aber dass beide trotz tagelangem Laden komplett versagen würden, hat uns doch etwas erstaunt. Zum Glück hatten wir die neuen Starterbatterien schon vor ein paar Tagen gekauft und jetzt werden sie halt notfallmässig in der Liftbox ausgetauscht.


Falls sich jetzt jemand nach diesen ganzen Ausführungen fragen sollte, ob wir unseren Beschluss das Boot zu tauschen bereuen – Nein, tun wir definitiv nicht! Ja, es war bzw. ist einiges mehr an Arbeit (und Kosten) als angenommen auf uns zugekommen, aber der Gewinn an Platz und Lebensqualität begeistert uns immer noch. Und unsere Budgetüberschreitung, lässt sich teilweise auch durch Neuanschaffungen wie zum Beispiel ein neues Leichtwindsegel (Code Zero) mitsamt dafür benötigtem Bugspriet erklären.




Bei RARE BREED haben wir ständig mit einem überladenen Boot gekämpft (was bei einem Katamaran die Seetüchtigkeit einschränkt) und das ist jetzt kein Thema mehr. CHILI ist für acht Leute ausgelegt und kann wesentlich mehr Zuladung als RARE BREED vertragen. Auch wenn wir uns einschränken, müssen wir Wasser, Lebensmittel, Treibstoffe, Ersatzteile, Werkzeuge, Sicherheitsausrüstung und unseren persönlichen Krimskrams mitnehmen können.
Insbesondere, wenn wir wie geplant in den Pazifik segeln wollen, wo es nicht alle naselang einen Laden hat.
Unsere Pläne, jetzt so schnell wie möglich aus der Marina raus zu kommen werden abermals durchkreuzt – diesmal aber nicht wegen CHILI. Wegen einem gesundheitlichen Notfall in ihrer Familie fliegt Biggi Hals über Kopf nochmals nach Deutschland. Und als sie nach zwei Wochen zurückkommt bringt sie ihre Schwester Christl mit. Inzwischen haben die sogenannten Christmas Winds eingesetzt und damit ist das Segeln nach San Blas eine sehr ruppige Angelegenheit. Die Strecke geht nämlich zwei Tage lang voll gegen Wind und Wellen.
Ausserdem hat mein Schulfreund Lukas ebenfalls seinen Besuch angekündigt und am 18. Dezember wird auch noch Biggis Bruder Thomas zu uns stossen. Also bleiben wir erstmals in der Marina und machen von hier aus Tagesausflüge in der Umgebung. Wegen der anhaltenden starken Winde wird auch nichts aus der Idee Weihnachten und Neujahr in San Blas zu verbringen. Unser Besuch sind keine Segler und auch ich habe Hemmungen mit einem für mich komplett neuen Boot bei ungünstigen Bedingungen raus zu gehen.






CHILI bewährt sich schon mal gut als gastfreundlichere Unterkunft und wir verbringen einige schöne Wochen als „Full House“. Weihnachten und Silvester werden gemeinsam gefeiert und am 4. Januar fliegen Christl und Thomas gemeinsam zurück nach Deutschland.

Genau zwei Tage später schaffen wir es, die Festmacher zu lösen und fahren am Vormittag des 6. Januar 2026 endlich aus der Shelter Bay Marina raus – Ziel San Blas.

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