Südamerikareise Teil 5: Peru

Südamerikareise Teil 5: Peru

Erster Stopp: Santiago de Chile. Ankunft 20:39 Uhr am Terminal 1, Weiterflug 23:05 Uhr am Terminal 2. Von wegen: Wir setzen uns erstmal irgendwo hin und essen unsere Brotzeit. Der Flughafen in Santiago de Chile ist riesig und das bedeutet eben auch weite Wege. Wir haben zwar das Gepäck durchgecheckt, aber Biggi hat trotzdem Sorge, dass es mit den zwei Stunden Aufenthalt knapp wird. Und sie sollte recht bekommen, denn wir haben echt gut zu tun und laufen fast im Stechschritt, dass wir rechtzeitig an unserem Abfluggate im Terminal 2 ankommen.

Nächster Stopp: Lima – Bienvenido a Peru. Zeitverschiebung 2 Stunden (nach Europa sind es jetzt wieder 6 Stunden Unterschied), Ankunft 00:55 Uhr – wir sind total müde. Der Flughafen kommt uns vor wie ein riesiger Massenschlag und hier verbringen wir quasi die Nacht. Auf dem Weg zu unserem Gate laufen wir an zig Menschen vorbei, die ihr Lager auf dem Boden aufgeschlagen haben. Das scheint hier total normal zu sein. Wir suchen uns noch ein Restaurant bevor wir zum Gate gehen – Biggi braucht dringend einen Kaffee und mich gelüstet ein Caesar Salat. Tschüss Lima – Nächster Stopp Cusco.

Um 06:15 Uhr ist die Nacht rum und wir starten Richtung Cusco. Praktisch einen Augenaufschlag später, bereits um 07:30 Uhr befinden wir uns im Landeanflug. Und der ist echt spektakulär. Wir fliegen eine Rechtskurve um einen Berg rum und landen mitten in der Stadt. Vor lauter Aufregung kann Biggi weder Foto noch Film machen. Aber wen das interessiert, es gibt auf Youtube Videos dazu. Man glaubt es kaum, aber schon beim Aussteigen aus dem Flugzeug merken wir, dass es wieder anfängt mit Kurzatmigkeit und Benommenheit. Ich kriege zudem noch Mordskopfschmerzen. Wen wundert’s? Wir sind für kurze Zeit wieder auf 3310 m. (…das hatten wir doch schonmal). Schon bald ist der letzte Flug in Sicht! Am Gate ist um die Zeit noch nicht viel los und so legt sich jeder von uns auf 3 Stühle und wir versuchen etwas zu schlafen. Bequem ist anders. Tschüss Cusco – nächster Stopp Puerto Maldonado

Um 11:45 Uhr treten wir leicht benommen den letzten von 4 Flügen an. Wir starten wieder mitten in der Stadt von Cusco und landen gerade mal eine Stunde später mit tiefen Ringen unter den Augen in Puerto Maldonado, wo rings rum nur Dschungel ist.

Der Klimaunterschied könnte grösser nicht sein – vom kalten und trockenen Patagonien direkt in den feuchtwarmen Amazonas. Wie Patagonien ist der Amazonas kein Land, sondern ein Gebiet, dass sich über mehrere (neun!) südamerikanische Länder erstreckt. Es gibt viele „Eingänge“ in den Amazonas Dschungel und Puerto Maldonado ist einer davon und liegt in Peru.

Hier, in der Gabelung der beiden Flüsse „Rio Madre de Dios“ und „Rio Tambopata“, liegt der kleine Ort Puerto Maldonado. Puerto Maldonado liegt im Regenwald des Amazonas-Tieflandes, 55 km westlich der Grenze zu Bolivien sowie an der Straße Transocéanica, die seit 2011 den Pazifik in Peru mit dem Atlantik in Brasilien verbindet. Unsere Unterkunft befindet sich im Reserva Nacional Tambopata, einem Naturschutzgebiet, direkt am Fluss und mitten im Dschungel. Tambopata ist der indigene Name für den Fluss und heisst übersetzt auf spanisch „Casa de Descanso“, auf deutsch „Haus der Ruhe“. Der Fluss entspringt in den Anden auf etwa 4550 m und mündet in Puerto Maldonado in den Rio Madre de Dios, ein Nebenfluss des Amazonas.

Auf dieser Reise haben wir wieder den Äquator überquert und sind folglich wieder auf der Nordhalbkugel. Was wir in der Planung leider  übersehen haben (Anfänger…) war, dass wir mitten in die Regenzeit hier sein würden. 

Unsere Unterkunft ist eine kleine Eco-Lodge etwas ausserhalb vom Ort am Rande von Rio Tambopata. Um dort hin zu kommen, muss man etwa drei km über eine holprige Lehmpiste und über eine etwas wackelig aussehende Holzbrücke, über einen Seitenarm vom Rio Tambopata, fahren. Als wir bei der Brücke ankommen erklärt uns der Taxifahrer, dass sie nur ein Provisorium sei, bis die richtige Brücke wiederhergestellt sei. Der reissende Fluss hätte die alte Brücke einfach weggeschwemmt.

Die kleine Anlage mit gerade mal fünf Bungalows liegt wirklich mitten im Dschungel. Die verschiedenen Geräusche – vor allem nachts – sind schon speziell. 

Von hier aus kann man diverse Ausflüge in den Dschungel buchen. Ohne einen Guide ist es völlig unmöglich das Dickicht zu durchdringen und schon gar nicht wieder raus zu finden, wie wir ein paar Tage später selber erleben werden… Ausserdem gibt es ein paar giftige Krabbelviecher, denen man besser aus dem Weg geht.

Als erstes geht es am zweiten Nachmittag zu einem flachen See namens Yacumama, wo wir mit einem Holzkahn rausfahren, um Piranhas zu fischen. 

Mit einfachen Ruten und einem klitzekleinen Haken mit einem Köder aus Hühnerfleisch versuchen wir unser Glück. Man darf den Köder maximal 5-7 Sekunden im Wasser lassen, etwas länger und die Fische haben den Köder mit ihren rasiermesserscharfen Zähnen sauber vom Haken weggefressen. Wir (also um ehrlich zu sein – Biggi) kann ein paar der Fische rausholen, aber in 9 von 10 Fällen holen wir nur den blanken Haken hoch. Es ist echt unglaublich, wie schnell und präzise die kleinen Piranhas den Köder wegschnappen. Ich rede da eher von Fische füttern als angeln. Übrigens werden die Piranhas jeweils sofort vom Haken genommen und wieder ins Wasser zurückgelassen. Wir fischen sonst nicht so zum Spass, sondern nur um den Fisch nachher auch zu essen. Daher haben wir nach dem Ausflug etwas Gewissensbisse hier mitgemacht zu haben. Aber wenn man sieht, wie rasend schnell die kleinen Piranhas anbeissen, muss man fast davon ausgehen, dass jeder schon mehrmals in seinem Leben rausgezogen und wieder reingeworfen worden ist. Entweder macht es ihnen nichts aus, oder sie sind ziemlich lernresistent?

Aber die eigentlichen Stars vom Abend sind die schwarzen Kaimane, von denen es in diesem See offenbar recht viele hat. Wir sehen mehrere Exemplare, aber einer ist wirklich sehr neugierig und kommt immer wieder ganz nah ans Boot ran. Zuerst denke ich, dass Kaimane harmlos seien, aber wir erfahren vom Guide, dass sie bis zu vier Meter lang und mehrere hundert Kilo schwer werden können. Sie greifen im Normalfall keine Menschen an, aber sie können meterweit aus dem Wasser springen, um sich Vögel oder unvorsichtige Affen aus den unteren Ästen zu holen. Der neugierige Kerl, der um unser Böötchen – welches gerade mal 30 cm aus dem Wasser ragt – schwimmt und ganz genau anschaut, ist ca. zweieinhalb Meter lang. Die Vorstellung, dass er plötzlich auf die Idee kommen könnte, ins Boot zu springen, ist dann doch nicht so prickelnd.

Je dämmriger es wird, desto mehr Kaimane sehen wir. Wenn sie mit der Taschenlampe angestrahlt werden, leuchten ihre Augen wie grüngelbe Glutkugeln. 

Zurück in der Lodge gibt es Abendessen. Biggi bestellt Fisch und bekommt einen halben „Paco“, wie die Piranhas hier genannt werden. Dies ist ein ausgewachsenes Exemplar und die Zähne sind in der Tat furchteinflössend, aber er schmeckt wirklich hervorragend.

Die Wettervorhersage für den nächsten Tag ist sehr eindeutig – Regen – mal viel, mal noch mehr… Also bevor wir im Zimmer versauern und zusehen, wie das Lodgegelände langsam am Absaufen ist, machen wir uns mit dem Taxi auf in die Stadt. Yuri, unser „Taxista“ (er hat uns schon vom Flughafen in die Lodge gebracht) holt uns um 13 Uhr ab und bringt uns für 20 Soles in die City.

Im Preis inbegriffen ist sein Restauranttip: Im Faro soll es leckeres Essen zu einem guten Preis geben, und die Portionen seien ausreichend. Das können wir bestätigen. Die Sopa de la Casa ist kein Snack, sondern eine ausgewogene Mahlzeit mit Nudeln, Käse und Ei drin und total lecker. Ich bestelle mir – zum grossen Erstaunen von Biggi – einen Quinoasalat. Mit dem Cheesecake mit Erdbeertopping gewinnt das Faro dagegen keinen Blumentopf. Er schmeckt so wie er aussieht, total schwammig. Von 13 bis 16 Uhr ist hier Siesta, dementsprechend leergefegt sind die Strassen. Macht nix. So ist die Stadt unser und wir erkunden sie zu Fuss auf eigene Faust. Wir laufen einmal über die Puente Billinghurst rüber nach El Triunfo und wieder zurück. Die Brücke ist ein Teilstück der Tranoceanis zwischen der Pazifikküste Perus und der Atlantikküste Brasiliens. Wir schauen uns den Platz Paseo de Marinos Illustres und den Obelisco auf dem Plaza de Armas an. Das wär‘s dann auch schon mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Puerto Maldonado.

Hier gibt es scheinbar mehr Motorräder als Menschen (das hat uns Ronald, unser Tourguide von gestern erzählt) und mehr Tuk Tuks als PKWs. Übrigens muss nur der Fahrer vom Motorrad einen Helm tragen – die 2 bis 3 Beifahrer sowie Kleinkinder, die im Schneidersitz auf dem Tank sitzen sind davon ausgenommen. Hier sehen wir auch zum ersten Mal Mototaxis. Das sind Motorradfahrer mit einer gelben Weste, die Passagiere – natürlich ohne Helm – gegen Geld befördern. Jetzt noch einen Pisco Sour und dann ab nach Hause.

Am folgenden Tag steht ein Ausflug zum Lago Sandoval auf unserem Programm. Als erstes geht es einen etwa 30-minütigen Trail entlang, bis wir bei den Holzbooten ankommen. Unterwegs zeigt uns der Guide allerlei Pflanzen und Tiere, die wir alleine vermutlich gar nicht gesehen hätten.

Kaum auszumachen die Vogelspinne, oder?

Den grössten Teil der Strecke laufen wir über einen langen Holzsteg, weil der Untergrund zu sumpfig ist. An diesem Steg hat es teilweise Handläufe, von denen uns der Guide dringend abrät – man soll sich nur im Notfall dort festhalten, weil sich Bullet Ants gerne dort aufhalten. Die Bullet Ant ist mit 2,5 cm Länge die weltweit grösste Ameise und deren Biss ist der schmerzhafteste Insektenbiss, den es gibt. Der Schmerz klingt erst nach 24-48 Stunden ab und sei so stark, dass es sich anfühlt, als wenn man bei lebendigem Leib verbrennt. 

Als wir vorne bei den Booten ankommen, entdecken wir tatsächlich auch eine Bullet Ant am Geländer. Uns läuft es kalt den Rücken runter…

Der Paddelausflug über den See ist sehr eindrücklich. Neben diversen Vögeln, Wasserschildkröten und zwei Kaimanen sehen wir auch viele Affen in den Bäumen herumturnen. Die erhofften Tapire lassen sich aber leider nicht blicken.

Am dritten Tag geht es für einen Zweitages-Ausflug tief in den Amazonas-Dschungel rein. Zuerst mit dem 4×4 Pickup eineinhalb Stunden über eine Holperpiste bis zum Bootsanleger. Dort setzen wir schräg über den Fluss, wo wir in unserer Unterkunft für die kommende Nacht ankommen. Da es Regenzeit und daher Nebensaison ist, sind wir tatsächlich die einzigen Gäste in der schönen Anlage. 

Nach einem leckeren Mittagessen geht es mit unseren persönlichen Guide in den Dschungel rein. Auf sein dringendes Anraten hin ziehen wir die angebotenen Gummistiefel an. Das war der beste Tipp ever, denn die folgende etwa zweistündige Wanderung geht zum grossen Teil durch bis zu 50 cm tiefes Wasser. Unterwegs zeigt Ronald uns alles Mögliche, sein Wissen über die Pflanzen- und Tierwelt ist wirklich beeindruckend. Gegen Ende des Ausflugs versperrt ein umgekippter Baum unser Weiterkommen. Jetzt muss Ronald einen anderen Weg suchen, damit wir irgendwie wieder aus dem Wald rauskommen. Wir haben schon lange die Orientierung verloren und stapfen vertrauensselig durch immer tiefer werdendes Wasser hinter ihm her. Kurze Zeit später erreichen wir doch wieder die Lodge.

Eigentlich würde als nächstes ein nächtlicher Ausflug im Dschungel auf dem Programm stehen. Aber bereits vor der Dämmerung beginnt ein heftiger tropischer Wolkenbruch, der einfach nicht aufhören will. Es schüttet wie verrückt – Regenzeit halt… und so fällt dieser Ausflug im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

Beim Abendessen erzählt Ronald, wie er sich vor vielen Jahren tatsächlich verlaufen hat und die Nacht im Dschungel verbringen musste. Er meinte, dass es nicht primär Jaguare oder Anakondas sind, die einen auffressen können, sondern die Mücken. Es wimmelt von diesen Biestern und irgendwann ist jedes Mückenmittel nutzlos. Irgendwann hat man soviel Gift intus, dass es zu schmerzen anfängt und man fast wahnsinnig wird. Nach unseren Erfahrungen vom Nachmittag können wir das bildlich nachvollziehen.

Nach einer kurzen Nacht geht es am nächsten Morgen bereits um vier Uhr morgens – also in stockfinsterer Nacht – los. Wir besteigen ein Holzboot mit einem grossen Aussenborder dran und einem sympathischen jungen Burschen als Bootsführer. Das Ziel ist ein bekannter Lehmhang, wo vor allem Ara-Papageien täglich hinkommen, um den mineralhaltigen Lehm zu essen. Viele Tiere im Dschungel, die sich von stark säurehaltigen Früchten ernähren, müssen regelmässig von dem alkalischen Lehm essen um ihre Magen- und Darmflora auszugleichen.  

Die Bootsfahrt dauert etwa 1,5 Stunden. In absoluter Dunkelheit fährt unser Steuermann mit ziemlich hoher Geschwindigkeit flussaufwärts los. Wir sind beide baff, wie er im Dunkeln überhaupt etwas sehen kann, als es plötzlich heftig rummst und das Boot durchgeschüttelt wird. Wir sind offenbar auf einen der vielen hier schwimmenden Baumstämme gedonnert! Der Guide und der Fahrer nehmen es gelassen und fahren einfach weiter. Anscheinend sind die Boote für solche Kollisionen ausgelegt. Wir hoffen, dass er nicht auch auf einen Fels fährt und sind beide spürbar erleichtert, als es endlich langsam dämmert und man sehen kann, wohin er fährt.

Leider hat der nächtliche Regen alles aufgeweicht und es nieselt auch am Morgen stetig weiter. Das sind gar keine idealen Bedingungen für die Aras und wir bekommen nur eine Handvoll davon zu Gesicht. Das ist halt der Unterschied zwischen Zoo und der realen Natur.

Während dem Warten auf die Papageien bekommen wir ein wahres Luxusfrühstück im Boot serviert. Mit Brot, Käse, Eiern, Pfannkuchen usw. usw. Das hätten wir nie erwartet!

Nach einem feucht-trüben, aber trotzdem erlebnisreichen Tag auf dem Fluss geht es zurück zu unserer ersten Lodge in Tambopata.

Auf dem Weg zurück müssen wir wieder die Lehmpiste von Puerto Maldonado zur Lodge fahren. Dieses Mal geht es aber nicht mehr so einfach, über die Holzbrücke zu fahren. Diese ist nämlich im gestiegenen Wasser des Rio Tambopata hüfttief unter Wasser. Daher hat irgendjemand einen provisorischen „Fährdienst“ organisiert. Es wird einfach mit einem Flussboot mit hochgeklappten Aussenborder mit langen Stecken über den Fluss gestakt. Der Ein- und Ausstieg ist abenteuerlich, aber wenigstens kommen wir so zu unserer Unterkunft zurück. 

Eine Eco-Lodge hat selbstverständlich keine Klimaanlage und so auch keine Möglichkeit, die Luft zu trocknen – es ist alles feucht, richtig feucht!. Nach dem inzwischen eingesetzten Dauerregen sind wirklich alle unsere Klamotten klamm-feucht und muffig.

Die Vorstellung den Flug am übernächsten Tag mit einem unsicheren Fährdienst rechtzeitig zu erreichen und die Tatsache, dass unser gesamtes Gepäck feucht ist, bewegt uns dazu am nächsten Tag in ein Hotel in Puerto Maldonado umzuziehen. Am Morgen danach werden wir mit einem altersschwachen Tuk-Tuk von der Lodge abgeholt. Auf den wenigen Kilometern zur (nicht mehr befahrbaren Brücke) stirbt das Teil mindestens fünf Mal kläglich ab. Ist an sich kein Thema, wenn es sich anschliessend wieder hätte starten lassen. Dem ist aber nicht so. Es muss jedes mal einer zur Batterie unter der Ladefläche hinkommen, um sie irgendwie wieder dazu zu bewegen Strom für den Startvorgang zu liefern…

Nach der – mit dem ganzen Gepäck auf dem Rücken – sehr abenteuerlichen Flussüberquerung geht es mit dem auf der anderen Seite wartenden Taxi weiter zum Hotel. Die wenige Kilometer lange Odyssee hat geschlagene zwei Stunden gedauert. Alles irgendwie amüsant aber was man wirklich sagen muss: Die Einheimischen, egal ob Fahrer, die Leute von der Lodge oder generell jeder, dem wir begegnen, ausnahmslos alle bemühen sich wirklich, uns Touristen zu helfen. Wenn man sich überlegt, dass sie selber nicht einfach abhauen können, sondern in der feuchten Umgebung bleiben müssen, ist es umso beeindruckender, wie sie alles für uns Fremde machen.

Im Hotel können wir sogar unsere Kleider waschen  und bis abends um 21 Uhr wieder bringen lassen. Mit der Klimaanlage auf volle Pulle bekommen wir auch die Rucksäcke und Taschen im Zimmer trocken. Und da unser nächstes Ziel ein Wüstenklima haben wird, wird es auch trocken bleiben.

Am nächsten Morgen geht es mit frisch duftenden Kleidern zum Flughafen. Auf dem Weg dorthin erfahren wir vom Taxifahrer, dass der improvisierte Fährdienst heute morgen nicht in Betrieb war… Wenn wir nicht gestern schon umgezogen wären, hätten wir unseren Flug garantiert nicht mehr erwischt! Schwein gehabt!

Am Mittag landen wir wieder in Lima. Lima wird allgemein als nicht sonderlich schöne und auch eher gefährliche Stadt beschrieben. Der Weg vom Flughafen zu unserem Hotel scheint diese Aussage zu bestätigen.

Beim ersten Mal sind wir von Lima sofort weiter geflogen, dieses Mal nehmen wir uns immerhin anderthalb Tage Zeit, um Lima wenigstens gesehen zu haben, wenn wir schon mal hier sind. Lima ist die mit Abstand grösste Stadt von Peru. Um die 10 Millionen Menschen wohnen hier.

Unser Hotel liegt im Bezirk Baranco, welches zusammen mit seinem Nachbarbezirk Miraflores als sicher gilt. Es heisst, wir können uns draussen Tag und Nacht frei bewegen. Das Wetter ist solala, nicht zu warm und nicht zu kalt, aber vor allem kein Regen und keine hohe Luftfeuchtigkeit. Wen wundert’s? Wir sind vom Regenwald ins Wüstenklima umgezogen. Niederschlagsmenge hier pro Jahr etwa 13 mm. Da müssen wir fast lachen, hatten wir doch doppelt soviel Regen am letzten Tag im Dschungel. Der Himmel ist total trüb, wir haben noch nicht rausgefunden, ob es Smog, Nebel oder einfach nur bewölkt ist. Im Hotel angekommen buchen wir als erstes online eine Free Walking Tour für den Folgetag.

Danach geht es auf Restaurantsuche. Die Dame am Empfang empfiehlt ein typisches lokales Restaurant. Als wir dort ankommen stellt sich heraus, dass es ein riesiger Esssaal mit einem noch riesigerem  Buffet ist. Aber dort sitzen tatsächlich nur Einheimische, also gesellen wir uns dazu. Der Kellner scheint sich zum persönlichen Ziel gesetzt zu haben, dass niemand das Lokal hungrig verlässt. Und fordert uns immer wieder dazu auf nochmals zum Buffet zu gehen und mehr zu holen.

Das Essen ist wirklich der Hammer, besonders der nette Herr am Grill, der jeden Gast persönlich berät und seine Empfehlung danach perfekt grilliert.

Irgendwann können wir nicht mehr und rollen fast aus dem Lokal raus. Trotz drohendem  Schnitzelkoma, raffen wir uns zusammen und erkunden das Quartier zu Fuss. Und es stellt sich heraus, dass diese Gegend richtig nett ist. Ein klein wenig erinnert es uns an das Künstlerquartier Getsemani in Cartagena. Viele Wandmalereien, Kunstgalerien und überall kleine Stände, wo selbstgemachtes „Kunst“-Handwerk von Hippies angeboten wird. Die vielen Restaurants und Cafes können uns allerdings nicht wirklich locken und das Abendessen wird ersatzlos gestrichen…

Die Free Walking Tour war gar nicht richtig beschrieben und so wissen wir nur, wo wir uns morgens treffen sollen, aber weder wohin es gehen würde, noch wie lange es dauern wird.

Die Tour fängt vor dem Tor von „Museo de Sitio Huaca Pucllana, einer gut erhaltenen Inkaruine mitten in der Stadt an. Die Anlage ist wirklich gross und das Wissen des Guides erscheint schier unerschöpflich. Egal was wir fragen, er hat eine ausführliche und schlüssige Antwort dazu. So vergeht die Zeit im Flug und wir erfahren enorm viel über die Inkakultur und ihre manchmal grausamen Opferrituale. 

Nach zwei Stunden im Freilichtmuseum geht es von Miraflores zum Nachbarbezirk San Isidro rüber, wo wir unter anderem einen riesigen Park mit mehreren hundert uralten Olivenbäumen erwandern. Im Park selber hat es viele alte Häuser, die alle möglichen Architekturstile aus Europa kopiert haben. So findet man z. B. Landhäuser mit  spitzen Dächern, was im trockenen Wüstenklima von Lima gar keinen Sinn macht.

Nach fast vier Stunden sind wir platt und kehren voller Eindrücke zu unserem Hotel zurück. Nachmittags noch ein Ausflug ins Quartier und dann ist schon wieder Zeit zum Packen. Am nächsten Morgen verlassen wir Peru mit Ziel Kolumbien.

Weiter nach Kolumbien

Zurück zur Reiseübersicht

Loading