Südamerikareise Teil 2: Argentinien nördlicher Teil
Mit einem Zwischenstopp in Santa Cruz, Bolivien geht es nach Buenos Aires und damit ins zweite Land unserer Reise – Argentina. Und wieder kommen wir nach Mitternacht an. Hier in Südamerika gibt es keine Nachtruhe, der Flugbetrieb läuft rund um die Uhr. Es sei anscheinend sogar so, dass viele Flüge extra nachts landen, weil die Flughafenkosten dann niedriger sind.

Eigentlich mögen wir es nicht nachts irgendwo anzukommen, vor allem nicht in Grossstädten, die in Südamerika nachts oft nicht ganz ungefährlich sind. Zumal wir eher in private Airbnb-Wohnungen statt in Hotels absteigen. So müssen wir uns jeweils vorher überlegen, wie wir nachts zur Unterkunft kommen bzw. dort dann in die Wohnung reinkommen, wenn es kein 7×24 Portier hat.
Aber es hat auch hier geklappt und irgendwann sind wir erschöpft in der Wohnung ins Bett gefallen.

Neues Land, neue Währung, wir brauchen Argentinische Pesos. In Argentinien ist es wegen der ehemals sehr hohen Inflation zu einem Kuriosum gekommen – der Blue Dollar. Ganz genau wie bzw. warum es so ist, haben wir immer noch nicht verstanden, aber in den inoffiziellen (aber legalen) Wechselstuben bekommt man für US$ mehr Argentinische Pesos als wenn man z. B. an einem Bankautomaten Bargeld bezieht. Dafür gibt es spezielle Websites, wo der Tageskurs publiziert wird. Mit dem Wissen kann man dann in den Wechselstuben fragen, was sie bieten. Interessanterweise ist der Kurs besser, je grösser die US$-Noten sind.

Die nächsten Tage sind wir kreuz und quer durch Buenos Aires oder CABA, wie es hier genannt wird gelaufen. Buenos Aires ist ein riesiger Landbezirk mit der Stadt „Comuna Autonoma Buenos Aires“ (daher CABA) drin. Die Stadt ist zwar weitläufig, aber sehr flach, daher lässt sie sich gut zu Fuss oder auch per Mietrad erkunden.

Am ersten Tag haben wir eine „Free Walking Tour“ durch das Quartier Recoleta gemacht. Diese Touren finden täglich statt und man kann sich online anmelden. Beim Treffpunkt sind je nach Anzahl Angemeldete ein oder mehrere Guides, mit denen die Touristen 2-3 Stunden durch die Stadt wandern. Die Touren sind zwar gratis, aber am Schluss ist es üblich, dem Guide ein (grosszügiges) Trinkgeld zu zahlen. Das macht wirklich Spass und man erfährt viel mehr über die Stadt, die Geschichte, Politik und Gebäude, als wenn man selber durchläuft.


Der einzige „Nachteil“ ist, dass wir so nur einen kleinen Teil dieser riesigen Stadt sehen, also kaufen wir am selben Tag noch zwei 24-Stundentickets für eine Hop on, Hop off Bustour durch die ganze Stadt für den folgenden Tag.
Da wir beim ersten Aufenthalt drei Tage Zeit für die Stadt haben, wollen wir sie auch gut nutzen. Daher gehen wir schon am ersten Abend in ein typisches Argentinisches Steakhouse essen. Auf die Argentinischen Steaks haben wir uns schon lange gefreut und nach der mehrstündigen Stadtwanderung sollte auch der nötige Appetit kein Problem sein. Voller Vorfreude bestellen wir zwei grosse Entrecots und eine gute Flasche Argentinischen Rotwein. Als „cubierto“ stellt der Kellner ungefragt zwei Empanadas, Brot und die typischen Beilagen hin. Ausgehungert wie wir sind überlegen wir nicht gross, sondern geniessen die wirklich leckeren (und gar nicht kleinen) Empanadas. Dann kommt das Essen – zwei riesige Stücke perfekt gegrilltes Fleisch, jedes sicher 400 gr schwer, dazu eine grosse Schüssel Salat und eine ebenfalls grosse Portion Kartoffelstock – für zwei Personen!



Das Essen war wirklich ausgezeichnet und wir haben (bis auf etwas Kartoffelstock) alles aufgegessen (und getrunken).
Die Nacht schlafen wir beide nicht sonderlich gut und die geplante Abfahrt mit dem Bus wird am nächsten Morgen erstmal einstimmig von neun Uhr morgens verschoben bis wir fertig verdaut haben. Man lerne – eine grosse Portion Fleisch ist in Argentinien riesig und nichts für ungeübte Europäer.
Im Laufe des Tages schaffen wir es dann doch irgendwie aus dem Bett und erwischen den Bus am Nachmittag. Kein Problem, die Tickets gelten 24 Stunden und jetzt teilen wir es einfach auf zwei Tage auf. So können wir die gesamte drei Stunden dauernde Runde erst einmal durchfahren und uns überlegen, wo wir am nächsten Tag überall aussteigen wollen. Aus unerfindlichen Gründen mag nämlich keiner von uns heute viel rumlaufen…


Tag drei besteht zum grössten Teil aus Hop on / Hop off fahren bzw. laufen. Die Stadt hat viele unterschiedliche Quartiere, wo jedes ein ganz eigenes Flair hat. Mit so einer Tour sieht man überall ein bisschen rein. Das Quartier La Boca mit seinen farbenfrohen Häusern und kleinen Gässchen begeistert uns am meisten. Überhaupt gefällt uns Buenos Aires sehr gut. Die Stadt wirkt mit ihren vielen Strassencafes, Parkanlagen, grossen Alleen und formidablen Architektur eher wie eine Europäische als eine Südamerikanische Grossstadt. Der Kontrast zu La Paz könnte nicht grösser sein.







Nach drei Tagen haben wir vieles, aber bei weitem nicht alles gesehen. Zum Glück kommen wir nochmals hierher – aber zuerst machen wir einen Abstecher zu den Iguazu Falls an der Grenze zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay.
Ursprünglich wollten wir den Trip von Buenos Aires nach Iguazu und zurück mit dem Bus machen. Beim Recherchieren stellen wir aber fest, dass der knapp zweistündige Flug etwa genauso teuer wie die 23-stündige Busfahrt ist. Da ist die Entscheidung für den Flug schnell gemacht.


Die Iguazu Falls sind die grössten Wasserfälle der Welt (da werden sogar die Niagara Falls bleich vor Neid ;-). Wie wir sehen werden, sind es eigentlich unzählige Wasserfälle neben-, über- und untereinander. Das in Worte zu beschreiben ist fast nicht möglich – die Eindrücke sind einfach überwältigend!


Am ersten Tag sind wir auf der Argentinischen Seite, wo der grösste Anteil der Fälle ist. Über verschiedene Wanderwege, kann man sowohl unten, wie oben an den Fällen entlang laufen. Nach jeder Kurve öffnet sich ein neuer Blickwinkel auf die Fälle. Einfach genial!




Den zweiten Tag verbringen wir auf der Brasilianischen Seite. Dort sieht man die Fälle sozusagen von der gegenüberliegenden Seite. Auch hier kommen wir nicht aus dem Staunen heraus.


Der Höhepunkt ist aber eindeutig die Fahrt mit dem Speed Boat zu – und vor allem – IN einen Wasserfall rein. Zuerst geht es mit 2 x 250 PS durch die Stromschnellen vom Rio Iguazu und danach von unten in einen der Fälle rein. Adrenalin pur, einfach geil – kann man nicht anders sagen! Dabei wurden wir alle bis auf die Unterhosen nass, kein Problem bei 30 Grad Lufttemperatur und wir wussten ja vorher was auf uns zukommen würde.


Nach zwei Tagen Natur pur geht es wieder zurück nach Buenos Aires, wo wir noch vier Tage verbringen. In dieser Zeit haben wir eine weitere Free Walking Tour gemacht, diverse weitere Stadtteile zu Fuss erkundet, das Bus und U-Bahn Netz ausprobiert und generell so ziemlich jede Sehenswürdigkeit angeschaut, die wir sehen wollten. Selbstredend haben wir nochmals Argentinische Steaks und Parilladas ausprobiert, aber dieses Mal mit etwas mehr Augenmass 😉 …








Nach den insgesamt 11 Tagen in der angenehmen Wärme in Buenos Aires und Iguazu, geht es jetzt ein ordentliches Stück weiter in den Süden nach Patagonien, wo es wieder frischer zugehen sollte.

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