Bye, bye RARE BREED, Hello Latin America

Bye, bye RARE BREED, Hello Latin America

Dass ich RARE BREED wirklich verkaufe, ist auch für uns tatsächlich völlig unerwartet gekommen. Bis anfangs November gingen wir davon aus, dass wir mit diesem Boot weitersegeln würden. Aber eben es kam – wieder einmal – alles völlig anders. Doch alles der Reihe nach. Seit dem letzten Blogbeitrag ist ja auch schon fast ein halbes Jahr vergangen.

Sonnenauf- und Untergang in SBM
Die Seglercommunity ist eine geselliges Völklein
Beschauliches Leben an Bord in der Marina

Ab ca. Juli geht in Panama die Regensaison los. Nachdem es im letzten Jahr so wenig geregnet hat, dass der Betrieb vom Panamakanal wegen Wassermangel eingeschränkt werden musste, hat die Natur dieses Jahr wieder ausgeglichen. Und zwar mehr als ausgeglichen! Es hat in den letzten sechs Monaten so viel geregnet wie schon lange nicht mehr. Der Gatun Lake, das Wasser Reservoir für den Panama Kanal, musste zwischendurch sogar reguliert werden, weil er sonst überlaufen wäre.

Raindrops keep falling on my head…
Ideal um im Boot drin Spanisch zu üben

Einher mit dem vielen Regen kommen auch die Gewitter. Zentralamerika und vor allem die Karibikseite von Guatemala, Nicaragua und Panama gehören zu den gewitterreichsten Regionen der Erde. Es hat manchmal derart heftig gewittert, dass es einem sogar in der Marina Angst und Bange wurde. Der Blitz hat mehrmals in der Marina eingeschlagen und einmal konnte der Einschlag im Mast von einem Boot unmittelbar vor uns sogar auf Film festgehalten werden. Viele Boote erlitten Blitzschäden und auch bei uns gab es Geräte, die temporär den Geist aufgaben. Diese Gewitter waren auch der Grund, dass wir in der Marina geblieben sind, statt nach San Blas oder zu den Bocas del Toro zu segeln. Es macht irgendwie auch keinen Spass bei Dauerregen vor einer Tropeninsel zu liegen und Angst davor zu haben vom Blitz getroffen zu werden. In der Marina gibt es wenigstens die Möglichkeit in die Stadt zu fahren oder in ein Restaurant oder sonst wohin zu gehen.

Links Blitzeinschläge auf der Karte und rechts real!

Hier in der Marina konnten wir auch Spanischunterricht nehmen. Zwischen April und bis anfangs September haben wir bei Anisha Privatstunden genommen. Anfänglich kam sie drei Mal die Woche zur Marina für jeweils zwei volle Stunden Unterricht. Nach einem Monat haben wir es dann auf zwei Besuche pro Woche reduziert, weil wir mit den Stunden, dem Repetieren und den Hausaufgaben tatsächlich zu gar nichts mehr anderes als Spanisch büffeln kamen. Es war sehr intensiv hat aber auch sehr viel gebracht. Wir haben die grammatikalischen Grundlagen gelernt, aber das Tempo war so hoch, dass uns die Zeit es zu verfestigen gefehlt hat.

Wir haben in diesen Monaten auch ein paar administrative Sachen erledigen können, wie zum Beispiel panamaische Führerscheine zu besorgen. Nach drei Monaten darf man in Panama nicht mehr mit seinem ausländischen Führerschein fahren und muss ihn in einen panamaischen umschreiben lassen. „Umschreiben“ ist eine masslose Untertreibung, denn in Panama wiehert der Amtsschimmel lauter als sonstwo.  Zuerst muss der Schweizer Führerschein von der Schweizer Botschaft beglaubigt werden. In Panama hat es nur einen Schweizer Honorarkonsul, der die Führerscheine und Pässe kopiert und zur Botschaft nach Costa Rica schickt. Schritt eins hat uns zwei Tagesreisen nach Panama City, zwei Wochen Wartezeit und 160 Dollar Gebühren gekostet. Als nächstes müssen diese beglaubigten Dokumente von der entsprechenden panamaischen Behörde natürlich auch beglaubigt werden, und diese Behörde gibt es – wo auch sonst – nur in Panama City. Jede Fahrt von der Marina nach Panama City und zurück ist ein Ganztagesausflug, welche Fahrten mit zwei Buslinien, Taxis/Uber und manchmal auch die Metro umfasst. Die Fahrkarten sind zwar sehr günstig, aber man muss schon sehr geduldig sein bis man endlich am Ziel ist. Also sind wir zu einem dritten Ganztagesausflug zu den zuständigen Behörden aufgebrochen. Um die Dokumente beglaubigen zu lassen muss VORHER eine Gebühr von 4.- Dollar pro Dokument auf eine Bank eingezahlt werden (die Behörde nimmt kein Geld). Wer die Arbeitsweise der panamaischen Banken kennt, der weiss, dass diese Einzahlung für einen Ausländer ohne lokales Bankkonto nahezu unmöglich ist. Also zahlen wir gerne einen weiteren Dollar an ein Dienstleistungsbüro (welches rein zufällig neben der Behörde ist…) damit sie diese Einzahlung für uns machen. Dann eine Stunde anstehen und schon können wir die inzwischen doppelt beglaubigten Dokumente in Empfang nehmen und die nächste Hürde – die Laboruntersuchung – in Angriff nehmen. Hier braucht man nämlich einen Blut- und Drogentest um den Führerschein zu bekommen. Das ging dann dafür schnell und unkompliziert und hat auch wieder nur 15.- Dollar pro Person gekostet. Und endlich hatten wir alles beisammen und konnten zur Sertracen, so etwas wie unser Strassenverkehrsamt gehen, alles abgeben, einen Seh- und Hörtest machen (ja, auch ich habe beide bestanden!!) und wieder warten. Als sie dann fertig waren, hatte die Kasse schon geschlossen. Ohne Moos nix los – alles Diskutieren half nichts und wir mussten am nächsten Tag wiederkommen um die letzten 72.- Dollar zu bezahlen und die ersehnten Kärtchen abzuholen. Zusammengefasst kann man sagen, dass man zwar nicht wirklich viel Gebühren bezahlen muss, aber der Zeitaufwand den man braucht um hier etwas mit den Behörden zu machen ist unglaublich.

Obwohl wir daheim beide die gleichen Fahrzeugkategorien, also identische Führerscheine haben, bekam Biggi nur den Autoführerschein, während ich zusätzlich noch Motorrad und – was eigentlich unverständlich ist – die Zulassung bekam Lastwagen bis 8 Tonnen und Busse bis 16 Passagiere zu führen. Es lebe die panamaische Behördenwillkür, oder vielleicht eher Dusseligkeit?

Anfangs September ist Biggi nochmals für sechs Wochen nach Berlin geflogen um ihren Bruder zu unterstützen. Ich habe derweil das Boot gehütet, kleinere Bastelarbeiten gemacht (an Bord gibt es IMMER etwas zu reparieren oder zu optimieren) und weiter Spanisch geübt. Die Privatstunden haben wir mit Biggis Abreise beendet und stattdessen individuell weiter gelernt. Ich habe regelmässige Gesprächsstunden mit einem der Marineros hier gemacht und Biggi hat trotz einer stressigen Zeit in Berlin mit Duolingo angefangen und jeden Tag knallhart Spanisch geübt. Seit sie zurück ist haben wir ein Familienabo gelöst und üben täglich weiter um unsere „Streaks“ nicht zu verlieren 😉 Inzwischen verstehen wir Spanisch recht gut, aber das Reden fällt uns immer noch schwer. Vermutlich braucht es einfach etwas mehr Zeit, wenn man nicht mehr so jung und aufnahmefähig ist?

Der Kühlschrankkompressor wird zwangsbelüftet
Ein Do-It-Yourself Navigationssystem mit einem Raspberry Pi Minicomputer
Die Warnung sollte man wohl ernst nehmen. Alle Bilder sind hier aus der Marina…
Tierbeobachtung in und um die Marina

Kurz nachdem Biggi zurück war, haben wir RARE BREED aus dem Wasser geholt, um sie für die kommende Segelsaison fit zu machen. Dieses Mal gab es nicht so viel zu machen, schliesslich hatte ich schon alles was man im Wasser liegend machen konnte vorher erledigt. Wir mussten vor allem das Unterwasserschiff malen. Weil es ausgerechnet dann wirklich tagelang ohne Unterbruch wie aus Kübeln geregnet hat, wurden aus den geplanten sechs, dann doch neun Tage an Land.

Die Malerarbeiten mussten immer wieder wegen Regen unterbrochen werden.
Die Verwandlung eines Propellers…
Endlich fertig – ab ins Wasser, dieses Mal mit einem roten Bauch!
RARE BREED ist „über die Toppen“ geflaggt, weil Biggi Geburtstag hat!
Kaffee und Geburtstagskuchen mit Freunden

Und dann ist es passiert. Einige Tage bevor wir wieder ins Wasser gehoben worden sind, kamen dänische Freunde uns besuchen. Sie haben beiläufig erwähnt, dass sie noch nicht wissen, was sie mit ihrem Katamaran CHILI machen sollten, wenn ihr Sabbatical im Sommer 2025 zu Ende geht. Behalten und nach Dänemark segeln oder es verchartern oder vielleicht doch verkaufen?  Mehr als Witz, haben wir dann gemeint, dass wir sie doch kaufen könnten. Was wirklich als spontaner Witz begann, ist im Laufe der folgenden Tage zur realen Option gewachsen. Man muss dazu sagen, dass wir andere Boote von diesem Modell schon früher angeschaut hatten und uns das Modell schon immer sehr gut gefallen hat. Es hat aus verschiedenen Gründen einfach nie für uns gepasst. Entweder standen die Boote gar nicht zum Verkauf, oder sie waren in einem (zu) schlechten Zustand. Dieses Mal hat sich eine für beide Parteien vorteilhafte Situation ergeben. Wir würden unser Traumboot kaufen und haben vorher genug Zeit um RARE BREED verkaufen zu können. Für sie war es vorteilhaft, weil sie bis zum letzten Moment ihres Sabbaticals mit dem Boot segeln können und keine Zeit in einem Bootsverkauf investieren müssen.

CHILI, eine Lagoon 410

Wir haben zusammen einen Vertrag aufgesetzt um alle möglichen Unabwägbarkeiten eines solchen Geschäfts so weit wie möglich abzudecken. Da noch kein Geld geflossen ist, ist unser einziges Risiko, dass wir am Schluss ohne Boot dastehen würden, wenn nach dem Verkauf von RARE BREED doch etwas mit CHILI passieren würde. Aber manchmal muss man auch ein Risiko eingehen…

RARE BREED wird zum Verkauf ausgeschrieben

Kaum hatten wir RARE BREED segelfertig gemacht, mussten wir umdenken und sie stattdessen verkaufsfertig machen. Der Hauptgrund, dass wir auf einen etwas grösseren Kat umsteigen ist, dass wir zu viel Zeugs dabei haben und RARE BREED einfach überladen ist. Das Problem ist, dass wir auf vieles einfach nicht verzichten können, wenn wir weiterhin lange Ozeanreisen machen wollen. Essensvorräte, Wasser, Diesel, Sicherheitsausrüstung, Werkzeuge und Ersatzteile alleine sind eigentlich schon zu viel Gewicht. Dann kommen noch persönliche Sachen, Bücher, Kajak, SUP, Computer, Haushaltgeräte usw. dazu. Es macht eben doch einen Unterschied, ob man nur für ein paar Wochen segeln geht, oder das Boot das dauerhafte Zuhause ist. Die Folge war auch, dass wir schon lange keine nutzbare Gästekabine mehr haben, da sie als Stauraum umfunktioniert worden war. Was uns im Laufe der Zeit auch immer mehr gestört hat, war, dass ich nur in den Rümpfen Stehhöhe habe und überall sonst den Kopf einziehen muss (unsere Eingangstüre ist z.B. nur 130 cm hoch). Daher war der Gedanke auf ein etwas grösseres Boot umzusteigen schon lange ein Thema für uns.

Die erste Massnahme um RARE BREED „verkaufstauglich“ zu machen, war daher sie massiv zu entrümpeln. Zum Glück gibt es hier in der Marina Lagerräume in verschiedenen Grössen zu mieten. Im  Einkaufszentrum 4Altos haben wir uns 10 grosse Stauboxen aus Plastik gekauft, weil Karton bei der Luftfeuchtigkeit hier gänzlich ungeeignet und die Kakerlakenbrutstätte schlechthin sind. Tagelang sind wir mit dem Schubkarren voller Sachen vom Boot zur Lagerhalle gepilgert. Die zehn Kisten haben natürlich bei Weitem nicht gereicht und alle paar Tage sind wir noch mehr Kisten holen gegangen. Der Raum wurde voller und voller, aber irgendwie waren immer noch so viele Sachen an Bord. Am Anfang waren wir noch diszipliniert und haben jede Kiste systematisch erfasst, nach ein paar Tagen haben wir nur noch die Kisten gefüllt und eingelagert – wir werden es ja alles im Mai wieder auspacken und dann sehen wir schon was wo war… Die Nachbarn amüsieren sich schon über unseren gefühlt nie endenden Strom von Zügelgut, gaben aber sofort zu, dass es bei ihnen mindestens genauso schlimm wäre. Inzwischen haben wir noch einen zusätzlichen kleineren Raum dazu gemietet und wir fragen uns wie wir all das Zeugs auf RARE BREED unterbringen konnten?

Alles was RARE BREED ausspuckt wandert in unsere Lagerräume

RARE BREED ist ohne die ganzen Sachen inzwischen richtig geräumig geworden und 5 cm aus dem Wasser raus gekommen… Vielleicht müssen wir doch noch einiges hinterfragen bevor wir es eins zu eins auf das neue Boot umziehen…?

Aber zuerst mal ziehen wir aus, und zwar am 8. Januar. Die neuen Eigner – Zak & Rami, ein Pärchen aus Litauen – kommen am 9. Januar hierher um RARE BREED zu übernehmen. Für die Übergabe haben wir 2 Tage eingeplant. Glücklicherweise können wir für diese Zeit auf der LUWINA übernachten, ein herzliches Dankeschön an Luise und Uwe – ihr seid toll!

Am 12. Januar geht es dann mit dem Mietwagen zur Pazifikküste von Panama. Der erste Versuch diesen Teil von Panama zu erkunden, ist wegen dem Mietwagendebakel an Ostern ja gescheitert. Hoffentlich klappt es dieses Mal besser…

Statt Caquelon und Rechaud, tut es auch eine Pfanne auf der Induktionsplatte. Hauptsache. dass wir unser feines „Emmi“-Fondue noch verwerten können bevor wir den Kühlschrank ausschalten müssen.

Am 24. Januar fliegen wir von Panama nach La Paz in Bolivien, dort haben wir eine Unterkunft für die erste Woche gebucht. Wie es danach weiter geht ist noch nicht entschieden. Wir haben bei der Vorbereitung der Reise schnell realisiert, dass Südamerika so riesig ist, dass wir mit unseren drei Monaten Zeit  nur einen Teil werden anschauen können. Wir sind selber gespannt wohin es uns verschlagen wird.

Wenn alles (hoffentlich) so klappt wie geplant werden wir anfangs Mai hierher zurückkehren um CHILI zu übernehmen.

Loading

6 Gedanken zu „Bye, bye RARE BREED, Hello Latin America

  1. Ein neues spannendes Abenteuer steht bevor.
    Eigentlich zwei. Einmal die Reise ohne Cat durchs Land (nicht vergessen diese Reise zu bloggen) und dann neuer Cat.
    Spannendes 2025
    Liebe Grüsse Tatjana

  2. Hallo Jan,
    dann wünsche ich Euch die nächsten 3 Monate eine super Zeit auf dem Land.
    Hat ja nun doch mit dem Verkauf geklappt. Und gleich einen Wechsel vor Ort, besser geht es nicht.
    Also, schönes neues Jahr Euch Beiden und auf gehts zu neuen Ufern.
    Viele Grüsse, Michael und Cordula, SV Mora-Mora

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert