Panamarina – Die Dschungelmarina, die eigentlich keine Marina ist

Panamarina – Die Dschungelmarina, die eigentlich keine Marina ist

6.2.-1.3.2026

Wir wollten aus zwei Gründen in die Panamarina: Dort gibt es einen wirklich guten Motorenmechaniker und ausserdem eines der besten Restaurants in Panama. Eigentlich wollen wir nur eine Woche bleiben, alles erledigen und dann für zwei-drei Wochen zurück nach San Blas. Das wir schlussendlich mehr als drei Wochen dort bleiben würden, hätten wir aber nicht gedacht.

Die Panamarina aus der Luft. Gut zu erkennen die schmale Einfahrt zwischen den Riffen im oberen Teil des Bildes.

Nach der ruppigen Überfahrt von San Blas hierher hatte Biggi so gar keine Lust an weiteren Segelabenteuern und so entscheiden wir es gemütlich zu nehmen und vorerst mal das Leben hier zu geniessen. 

Panamarina hat gar keine klassischen Stege wo man sein Boot festmachen kann, stattdessen liegen die Boote an Bojen in der Bucht. Dafür sind die Liegekosten mit $ 17.-/Tag für unseren Katamaran sehr erschwinglich. Und da die Katamarane im hinteren flachen Teil der Bucht liegen, ist es schon fast, wie wenn man vor Anker liegt. Um an Land zu kommen muss man ins Dinghy steigen. Der Dinghysteg von der Panamarina ist allerdings eine ziemlich wackelige und unebene Konstruktion. Einmal nicht aufgepasst und zack bin ich voll aufs Gesicht gefallen. Ungeachtet der spektakulären Verletzung habe ich trotz allem Glück im Unglück, dass ich „nur“ mit dem Kopf die Holzplanken knalle und nicht eine Klampe oder eine scharfe Kante treffe…

Um die Panamarina herum ist dichter Dschungel und mit den vielen Vögeln und Affen, die man täglich sieht und hört ist es richtig idyllisch. Zwischen dieser Bucht und der Linton Bay gibt es eine Verbindung über einen natürlichen Kanal durch die Mangroven, der so eng ist, dass man nur mit kleinen Motorbooten oder eben mit dem Dinghy durchfahren kann.

Die Durchfahrt ist ein Erlebnis für sich, da man grösstenteils unter einer geschlossenen Baumdecke – also wie durch einen Tunnel – fährt.

Im letzten Drittel öffnet sich der Kanal zu einem kleinen See, wo auch ein Seitenarm abzweigt. Dieser Seitenarm geht bis zum Meer raus, ist kristallklar und lädt zum Baden ein. Wir fahren mehrmals ganz bis zum Ende hoch und lassen uns dann mitsamt Dinghy bis zum See treiben. Sooo cool!

Wir fahren in den Wochen hier mehrmals mit dem Dinghy zur Linton Bay rüber. Erstens weil es dort einen gut ausgestatteten Schiffsausrüster hat und zweitens, weil es auch sonst einiges zu sehen gibt. Einmal am Sonntag bis zur Isla Grande – DAS Naherholungsgebiet in der Gegend, wo am Wochenende der Bär los ist. Die ganze Inselküste ist von Bars und Restaurants gesäumt, überall dröhnt laute Musik und die lokalen Schönheiten stolzieren – trotz teilweise üppiger Körpermasse – in sehr knapper Bademode von Lokal zu Lokal.

Dagegen ist die unbewohnte Isla Linton eine wohltuende Oase der Ruhe. Früher war hier einmal ein privater Zoo, welcher aber aufgelöst wurde, als die Amerikaner Panama verlassen haben. Zurückgeblieben ist „Sheila“, eine einsame alte Affendame. Sie ist sehr zutraulich und kommt oft angerannt, wann man dort an Land geht. Sie liebt es mit den Menschen zu kuscheln und quasselt sie dabei mit allen möglichen Geschichten voll. Leider sind ihre einzige Gesellschaft Menschen die extra ihretwegen hierherkommen. Es stimmt einen traurig sie so alleine hier zu sehen, aber ob sie sich, nach so langer Isolation, in ein Affenrudel integrieren könnte ist wohl fraglich.

Panamarina wird von einem älteren sehr sympathischen französischen Paar betrieben. Hier herrschen Europäische Regeln und ihr Vertrauen in ihre Kunden ist enorm. Hier müssen wir keine Kreditkarte hinterlegen, alles was wir im Shop kaufen, wird angeschrieben und gezahlt wird alles einfach am Schluss. So etwas ist in Panama sonst völlig undenkbar. Ihre Hilfsbereitschaft und Organisationstalent ist auch aussergewöhnlich. Sylvie hat immer versucht alle Fragen zu klären, wenn sie es nicht selber wusste, hat sie einfach solange rumtelefoniert, bis sie eine Antwort hatte. Etwas, was wir hier in Panama so noch nie erlebt haben. Kurzum – wir haben uns eher wie Freunde als wie Kunden gefühlt.

Und das abendliche Highlight ist der Besuch im Restaurant. Von aussen betrachtet gleicht es einem Imbiss auf einem Campingplatz, aber die Küche ist hervorragend und die Preise mehr als moderat. Hier merkt man eindeutig das französische „savoir vivre“. Kein Wunder ist das Lokal jeden Abend rappelvoll von hungrigen Seglern.

Nach ein paar Tagen an den Bojen schwemmt es ein riesiges Feld von Sargassoalgen in die Bucht. Alles ist von einem dicken Algenteppich bedeckt und wir blieben sogar manchmal mit dem Dinghy drin stecken. Nach ein paar Tagen ist der grösste Teil wieder weg. Obwohl es noch viele Algen entlang der Mangroven hat, ist der grösste Teil wie von Geisterhand über Nacht einfach wieder verschwunden. Irgendwie komisch, denn die Bucht hat keinen natürlichen Abfluss soweit wir das erkennen können.

Aber wir sind schliesslich nicht zum Vergnügen hier, sondern weil wird ein paar Probleme mit Motoren haben. Unsere beiden Aussenborder machen Ärger und der Backbord Motor von Chili hat manchmal Startprobleme. Also kommt Nelson an Bord. Nelson ist der Typ Mensch der seine Arbeit über alles liebt. Egal welcher Motor, Nelson nimmt sich ihm an und lässt erst locker, wenn er wieder perfekt läuft. Motoren zerlegen ist sein Leben und er wundert sich wohl, wenn er dafür auch noch Geld bekommt (wie wir später erfahren sollten). Entsprechend gefragt und mit Arbeit überhäuft, klappt es nicht immer so richtig mit seinen Terminzusagen, aber wenn er dann kommt, dann läuft es. Der Backbordmotor hat ein Problem mit dem Startrelais und zwei defekte Glühkerzen, was Nelson an Ort und Stelle löst, da wir zum Glück alle nötigen Ersatzteile an Bord haben. So nebenbei schafft er es sogar unseren altersschwachen Dieselgenerator zum Leben zu erwecken, was die Mechaniker in Shelter Bay nicht geschafft haben. Schlussendlich entscheiden wir uns trotzdem dafür, den Generator auszubauen, weil er zusätzlich noch ein Kühlungsproblem hat. Nelson hat schon drei andere vom gleichen Typ des Generators bei sich in der Werkstatt stehen und nimmt ihn gerne als Renovationsobjekt an.

Schlussendlich hat er auch beide Aussenborder und den kleinen Hondagenerator wieder fit gemacht und gewartet. Alles zusammen vermutlich 8-10 Stunden Arbeit. Als wir ihn fragen was wir ihm schulden meint er, dass er ja den Dieselgenerator bekommen hätte und ob $ 80.- für eine Arbeitsstunde OK sei? Als wir auf $ 100.- aufrunden, will er es erst gar nicht annehmen. Und danach offeriert er uns, dass er jederzeit für uns da sein würde, falls wir wieder mal ein Problem hätten – wir könnten ja per Videocall zusammen die Probleme lösen. Solche Typen sind im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbar! 

Nelson, der bescheidene venezolanische Motorenmech mit einem blauen und einem braunen Auge 😉

Neben uns liegt Alain mit seiner ANANDA, ein wunderschöner 55 Fuss Katamaran aus Holz. Alain kommt aus der Schweiz, allerdings aus dem Französischen Teil. Er segelt dieses grosse Boot meistens alleine, aber ist ein sehr geselliger Mensch. Wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut und unternehmen in der folgenden Woche viel zusammen. Unter anderem will ich ihm helfe, Bewuchs hemmende Säcke über seine Propeller zu fixieren, da er vor hat, sein Boot für längere Zeit hier liegen zu lassen. Also ziehen wir unsere Schnorchelsachen an und springen ins Wasser – nur um festzustellen, dass es so seicht ist, dass wir neben den Booten stehen können! Kein Wunder, dass hier nur Katamarane liegen! Das ist auch eine neue Erfahrung für mich den Bootsrumpf auf dem Grund stehend zu putzen.

In der Linton Bay Marina liegen unsere vier neuen Solarpaneele bereit. Sie sind leider ziemlich gross und unhandlich und ausserdem ist die Montage auf unseren Heckbügel im Wasser gar nicht möglich. Die einzige Art, da oben ran zu kommen ist rückwärts in die Liftbox vom Travellift in der Linton Bay Marina reinzufahren und es von Land aus zu machen. Diese Liftbox ist aber dafür da Boote rein und raus zu heben und kann nicht einfach blockiert werden. Nach einigen Gesprächen bekommen wir die Erlaubnis es am Wochenende zu machen, da dann niemand den Lift braucht. Am Samstag den 21.2. ist es so weit. Frühmorgens tuckern wir bei null Wind aussen herum zur Linton Bay rüber.

Kaum dort zieht ein grosse Regenwalze über die Bucht und im prasselnden Regen wird die Sicht auf wenige Meter reduziert. Nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei und wir können uns zwischen den vielen Schiffen bis zur Liftbox durchschlängeln. Kurze Zeit später stossen Swen von der KOKOI und Alain dazu. Zusammen demontieren wir die alten Paneele und bauen die neuen drauf.

Was sich so schnell schreibt ist in der Realität natürlich viel komplizierter, denn die Masse der alten und neuen Paneele sind zwar nahezu identisch, aber nicht die Montagelöcher. Und da die neuen Paneele auch etwas dünner als die alten sind, passen weder die Schrauben noch die aufgeschweissten Bolzen vom Träger. Mit Bohrmaschine und Winkelschleifer wird alles irgendwie passend gemacht und montiert. Weil der Träger so hoch ist und wir wegen der Heckbürzel nicht weit genug nach hinten fahren können, sind die Arbeitspositionen über dem Wasser hängend manchmal gelinde gesagt abenteuerlich. Ein Suva-Kontrolleur hätte wohl einen Herzinfarkt bekommen…

Nachmittags um 3 ist schon alles fertig und wir kommen sogar noch rechtzeitig vor 4 wieder in der Panamarina an, um an unseren vier Bojen festgemacht zu werden. Tags darauf schliesse ich die neuen Panele elektrisch an und seitdem haben wir kein einziges Mal zu wenig Strom gehabt. Im Gegenteil – inzwischen haben wir soviel Strom, dass wir alles elektrisch kochen und backen. Sogar unser grösster „Stromfresser“, der Wassermacher, schafft es nicht die Batterien zu beeindrucken. Wenn die Sonne scheint liefern die Sonnenzellen mehr Energie als der Wassermacher verbrauchen kann.  Diese Investition hat sich wirklich ausbezahlt! Seither haben wir auch ganze Tage ohne Sonnenschein erlebt und auch dann liefern die Solarpanele genug Energie um unsere Batterien bei Laune zu halten.

Bei Sonnenschein haben wir Ladeströme bis zu 130 Ampere gesehen

Der grosse Wassermacher, der bereits im Boot war als wir es gekauft haben, hat den langen Landaufenthalt nicht gut überstanden. Eine Reparatur ist hier in Panama nur sehr schwer möglich, da dieses Modell hier nicht geläufig ist und die benötigten Spezialteile hier nicht aufzutreiben sind. Wir haben immer noch unseren portablen Wassermacher von RARE BREED, welcher tadellos funktioniert und vor allem viel einfacher aufgebaut ist. Daher haben wir beschlossen, dass dieses schwere Metallgebilde auch von Bord muss. Um ihn rauszubekommen muss ich ihn in kleinere Teile zerlegen, was einen ganzen Tag in Anspruch nimmt. Als ich die gesammelten Einzelteile an Land bringe und eigentlich entsorgen will, werde ich von jemandem angequatscht, was ich damit vorhabe. Einer spontanen Eingebung folgend antworte ich, dass ich es verkaufen will – und siehe da, der Typ hätte einen Freund der so etwas suche. Nach ein paar Chatnachrichten mit seinem Bekannten steht der Deal und wir bekommen ungesehen $1’000.- überwiesen – für etwas, was wir eigentlich wegschmeissen wollten. Auch nicht schlecht 😉

Der Kanaltermin von Anfangs April rückt langsam näher und wir wollen noch ein paar grössere Lebensmitteleinkäufe machen. So schön die Panamarina ist, um nach Colon oder sogar Panama City zu kommen ist es zu abgelegen. Ausserdem warten einige Amazonpakete auf mich in Colon. Also müssen wir wieder in die Shelter Bay Marina zurück. 

Am 1. März verlassen wir widerwillig Panamarina und fahren die ca. 30 Meilen zur Shelter Bay. In der Ansteuerung von Colon sind wir wie immer von einem Haufen grosser Pötte umgeben.

Vor der Marina werden wir von den Marineros über Funk gewarnt, dass es in der Marina drin einen dicken Algenteppich hat. Wir versuchen trotzdem reinzufahren und bleiben prompt stecken. Nur mit Schlepphilfe vom Marinadinghy mit einem starken Aussenborder schaffen wir es schliesslich in unsere Box rein.

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