CHILI segelt – oder San Blas zum Dritten

CHILI segelt – oder San Blas zum Dritten

Januar 2026: Shelter Bay – San Blas – Panamarina

Nach fast zwei Jahren (19. März 2024 bis 6. Januar 2026) in der Shelter Bay Marina sind wir erstmals wieder mit unserem eigenen Boot draussen auf dem Meer. Es ist ein fast schon surreales Gefühl und zudem sehr ungewohnt und neu, denn wir sind ja mit einem für uns neuem Boot unterwegs.

Abfahrt aus Shelter Bay Marina: Die Marineros winken zum Abschied, Victor hat nach den zwei Jahren sogar ein Tränchen verdrücken müssen.

Das erste Stück von Shelter Bay nach Linton Bay geht wie erwartet genau gegen den – zum Glück relativ schwachen – Wind und damit unter Motor. Dieser Schlag nach San Blas ist was man auf Englisch einen „Shake Down Cruise“ nennt, also ein Törn, wo es darum geht das Boot zu testen und bisher unbekannte Schwachstellen zu entdecken. Insofern sind längere Strecken unter Maschine(n) durchaus erstrebenswert, was CHILI problemlos meistert. RARE BREED hatte zwei grosse 55 PS Vierzylinderdiesel und grosse dreiflügelige Verstellpropeller, was zusammen zu sehr viel Vortrieb geführt hat. Bei CHILI haben wir zwei kleinere Dreizylinderdiesel mit je 30 PS, und entsprechend kleinere zweiflügelige Festpropeller, was eher etwas untermotorisiert ist. Entsprechend reagiert CHILI bei Hafenmanövern wesentlich träger und man muss beherzter Gas geben um etwas zu bewegen. Auch die Reisegeschwindigkeit von 5 Knoten unter Motor ist bei CHILI nur mit beiden Maschinen und höherer Drehzahl zu erreichen. Aber wir haben schliesslich ein Segel- und kein Motorboot.

Zum ersten Mal mit CHILI ankern.

Nach einer Nacht vor Anker hinter Isla Grande in Linton Bay geht es am nächsten Morgen um Acht weiter Richtung San Blas. Abgesehen von einem kleinen Ankermissgeschick, wo versehentlich die 125 Ampere Sicherung der Ankerwinsch durchbrennt (eben Boot testen 😉 ) geht so weit alles gut.

Zum ersten mal mit CHILI unter Segel 🙂

Nach kurzer Zeit bekommen wir den Wind nicht mehr genau von vorne und können auch die Genua ausrollen und kurz danach die Maschinen abstellen und endlich und zum ersten Mal wirklich segeln. Jetzt zeigt sich sehr schnell, dass unsere Vermutung, dass CHILI bessere Segeleigenschaften als RARE BREED hat, zutreffen. Bei 15-18 Knoten Wind von 60 Grad (also schräg von vorne) rauscht CHILI mit voller Genua und einem Reff im Gross immer wieder mit bis zu 8 Knoten durchs Wasser. Es ist auch eine wahre Freude zu sehen, wie die neue schwarze Genua perfekt steht und den Wind in Vortrieb umwandelt!

Unterwegs fangen wir sogar einen kleinen Fisch, welcher aber leider von einem Hai geschnappt wird, bevor wir ihn rausholen können. Janu, man kann nicht immer gewinnen.

Gegen 15 Uhr fällt der Anker in Chichime in den San Blas.

Der erste Ankerplatz in San Blas: Chichime
Kaum ist der Anker unten kommt schon der erste Kuna und möchte Lobster verkaufen. Wir haben für uns entschieden keine Lobster mehr zu essen und sind daher keine so gute Kunden, dafür…
… kaufen wir ihm eine neue Gastlandflagge für Guna Yala ab.

In Chichime bleiben wir nur eine Nacht und am nächsten Tag geht es die letzten 17 Seemeilen nach Green Island weiter, wo Freunde auf uns warten. Der Wind hat noch weiter aufgefrischt und wir gehen dieses Mal mit einem zweifach gerefften Grosssegel „ins Rennen“. Auch heute zischt CHILI nur so durchs Wasser und wir überholen sogar einen etwa gleichgrosser Katamaran – SEHR Ego fördernd 😉

Fazit nach den ersten ca. 100 Seemeilen: Es macht echt Spass CHILI zu segeln und die Investition in eine neuen Genua hat sich wirklich gelohnt. Die neue Segelaufteilung mit einem wirklich grossen Grosssegel und einer kleinen Fock ist zwar kraftvoller, aber auch anspruchsvoller in der Handhabung. Konnte ich bei RARE BREED das Grosssegel schnell von Hand bis ganz nach oben ziehen, schaffe ich das bei CHILI – trotz doppelt geschorenem Grossfall – nur mit Hilfe der Winsch.

Wir verbringen ziemlich genau einen Monat in San Blas und geniessen endlich das Leben vor Anker vor eine Palmeninsel mit Sandstrand. Nebenher arbeiten wir natürlich fleissig an CHILI weiter, wo einiges optimiert, umgestaut, weiter ausgemistet und ein paar kleine Projekte abgeschlossen werden. Aber natürlich wird auch der Ankeralltag mit anderen Seglern sehr genossen, einige neue Bekanntschaften gemacht und auch alte Freunde wieder getroffen. UND wir haben die Vorzüge von einem grossen Trampolinnetz zwischen den Bügen schätzen gelernt. Es gibt wohl keinen besseren Ort als dort vorne zu liegen und abends den Sternenhimmel zu beobachten 🙂 

Unser neuer Lieblingsplatz – das Trampolin
Biggi probiert unsere neue Sailrite Nähmaschine aus und näht eine Tasche für Schraubenschlüssel und Gurtbänder um das Dinghy zu sichern
Hier fahren die meisten Kunas in solchen selber gebauten Cayucos rum. Meistens mit Paddeln oder Segel, aber manchmal auch mit Aussenborder.
Der Cayucobau ist immer noch Handarbeit, aber halt mit der Motorsäge
Wir werden immer wieder von den Kunas angefragt, ihre Handys zu laden. Am Anfang kamen sie noch mit 1-2 Handys. Am Schluss hat es dann etwas absurde Ausmasse angenommen…
Diesen Dinghysteg gab es vor zwei Jahren noch nicht…
Und auch einige andere Bauten sind neu hinzugekommen
Das Wetter ist diesen Januar noch oft regnerisch und trüb, obwohl eigentlich Trockenzeit sein sollte
Segeln zwischen den Inseln in San Blas
Boccia spielen mit anderen Seglern
Portugiesische Galeeren findet man um diese Jahreszeit zuhauf. Da muss man beim Baden und am Strandspaziergang recht aufpassen um sich keine Verbrennungen zu holen.
Gemüseeinkäufe von den Kunas. Einmal für $9.- und das andere für $25.- Die Preisgestaltung ist wohl tagesformabhängig 😉
Genug Wind um Drachen steigen zu lassen
Auch das grössere Cockpit von CHILI eignet sich hervorragend um ein Mittagsschläfchen zu machen 😉

Im Grossen und Ganzen hat sich CHILI bzw. die Umbauten und Erweiterungen, die wir in den letzten Monaten gemacht haben bewährt, aber wir haben auch ein paar Sachen identifiziert, die wir noch vor dem Panamakanal beheben wollen. Daher setzen wir frühmorgens am Freitag den 6. Februar die Segel und verlassen das Chichime-Atoll in San Blas mit Ziel Panamarina. Das sind nur 50 Seemeilen, die es aber in sich haben…

Wenige Tage vorher ging eine mehrtägige Starkwindfront über Panama, die jetzt zwar vorbeigezogen ist, aber der verbliebene Seegang ist weitaus konfuser und höher als vorhergesagt. Biggi geht es schon am Vorabend mit Hals- und Kopfweh nicht sonderlich gut, aber da sich die nächste Front bereits am Samstag nähern wird, beschliessen wir trotzdem zu gehen.

Trotz Migräne- und Seekrankheitsmittel geht es Biggi schlechter als je zuvor. Sie ist faktisch ausser Gefecht und bleibt den ganzen Tag im Bett. Ich bekomme zwangsläufig einen Crashkurs CHILI alleine zu segeln. RARE BREED war diesbezüglich einfacher, da man dort wirklich alles machen konnte ohne den Steuerstand zu verlassen, bei CHILI sind die Bedienelemente teilweise am Mast vorne und auf beiden Seiten vom recht breiten Cockpit. Aber mit ein bisschen Vorausplanen und Überlegung funktioniert es recht gut.

Unterwegs von San Blas nach Panamarina

Leider haben wir die Türe vom Küchenschrank nicht richtig eingehakt und sie geht bei dem elendigen Geschaukel natürlich auf und verteilt den Inhalt über den ganze Salonboden. Vier unserer sechs Dessertteller überleben die Landung leider nicht und ich darf unterwegs auch noch Scherben im ganzen Salon zusammen wischen. Auch sonst fliegt das eine oder andere durch die Gegend bzw. wechselt den Platz. Wir lagen eindeutig zu lange in der Marina! Notiz an mich selber: 1. auch ein Kat kann heftig schaukeln und 2. In Zukunft IMMER alles wegräumen, bevor man aufs offene Meer rausfährt….

Wir sind zum Glück recht schnell unterwegs und statt um 15 Uhr stehen wir schon um 13 Uhr vor der Einfahrt von Panamarina. Hier geht es tatsächlich nicht ohne Biggis Hilfe, denn man muss mit Wind und Welle im Rücken durch eine enge und sehr schlecht betonnte Einfahrt zwischen den Riffen durchfahren. Auch ohne Segel oben schieben Wind und Welle CHILI rasant auf die Engstelle zu und um den Steuereffekt von den Rudern nicht zu verlieren, muss ich genügend Speed durchs Wasser machen. So schnell auf den flachen Strand zuzufahren ist echt nervenaufreibend. Irgendwie schafft Biggi es, mich durch die kleinen Holzstecken, die die Einfahrt zwischen den Riffs markieren durchzulotsen und ich kann scharf nach links hinter der Insel abdrehen und schon befinden wir uns im ruhigem Wasser – Puh! 

Das ist der „Pass“ zwischen den Riffen von Land aus gesehen. Der Pfeil zeigt die Durchfahrtsrinne. Wer kann die Seezeichen erkennen?

Kaum sind wir an der Gäste-Boje festgemacht fällt Biggi wieder ins Bett und schläft ohne Unterbruch bis zum nächsten Morgen durch. Vom Umparken auf den definitiven Liegeplatz zwischen vier Bojen bekommt sie gar nichts mehr mit.

Der Name „Panamarina“ ist etwas irreführend. Hier gibt es nur einen Dinghysteg und die Boote liegen draussen an Bojen

Tags darauf geht es Biggi wieder gut und wir diskutieren darüber, wie das weitergehen soll. Fakt ist, dass die westliche Karibik sehr viel ruppiger und anspruchsvoller als bei den kleinen Antillen im Osten ist. Hier am westlichen Rand vom Atlantik prallen die ganzen  Wassermassen auf den Kontinent nachdem sie über tausende von km von Wind und Strömung nach Westen getrieben worden sind. Weil der Meeresgrund hier auch flacher wird türmen sich die Wellen entsprechend auf und verursachen auch bei moderaten Winden einen sehr unangenehmen steilen Seegang; und damit entsprechend Seekrankheit bei dafür anfälligen Personen. Da Biggi (ja tatsächlich) das Bootsleben genau wie ich liebt, ist das Aufhören zu segeln keine Option. Hier zu bleiben, oder womöglich zurück zu den Antillen zu segeln wäre wesentlich anspruchsvoller und vor allem anstrengender, als durch den Panamakanal in den Pazifik zu gehen. Also beschliessen wir, dass wir das machen. Aber da wir vorher noch ein paar Sachen erledigen müssen, planen wir erst Anfangs April durch den Panamakanal zu gehen.

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