
Eine unerwartete Europareise und wieso ein Klempner nicht vom Himmel fällt.
5.5.-13.7.2024, Shelter Bay Marina, Deutschland und Schweiz.
Es ist schon lange still auf unser Blog gewesen und das hat einen Grund. Kurz nach dem Veröffentlichen des letzten Blogbeitrags müssen wir aus familiären Gründen kurzfristig für sechs Wochen nach Europa reisen.

Biggi verbringt die ganze Zeit mit ihrer Familie in Deutschland







Ich verbringe die ersten fünf Wochen in der Schweiz und bin ein paar Tage in Bayern, wo Biggi dazustösst.










Sogar die an sich hervorragende Schweizer Bahn ist manchmal von Zugsausfällen betroffen.






Am 1. Juli ist es soweit und wir fliegen von Berlin über Paris zurück nach Panama. Wie immer sind die Koffer voller Ersatzteile und Sachen, die man hier nicht bekommen kann. Das Gewichtslimit ist bis zur Grenze ausgereizt und so nehmen wir gerne das Angebot an, unser Handgepäck gratis mit einzuchecken. So reist es sich doch wesentlich angenehmer.

Kaum zurück an Bord haut es uns beide mit einer Grippe(?) um. Biggi trifft es härter als mich und sie schläft fast fünf Tage lang mehr oder weniger durch. Aber auch das geht vorüber und nach etwas mehr als einer Woche können wir langsam anfangen unsere To Do Liste anzupacken.
Kurz vor unseren Rückflug entwickelt sich der erste schwere Hurrikan in dieser Saison. Beryl liegt genau in unserer Flugbahn und das Flugzeug macht einen grossen Bogen über die Grossen Antillen um dem Unwetter aus dem Weg zu fliegen.

Leider kommt es zum schlimmstmöglichen Szenario und Beryl ’s Auge geht direkt über die Insel Carriacou wenige Meilen nördlich von Grenada. Dort gibt es eine kleine dicht von Mangroven umgebene Bucht, die bis dahin als sehr sicheres Hurrican Hole galt. In den zwei Hurrikansaisons, die wir in Grenada verbracht haben, war die Flucht dorthin immer eine der möglichen Optionen für uns. Die Segler, die statt nach Trinidad zu fliehen, diese Option gewählt haben, hatten keine Chance. Beryl hat dort alle kurz und klein gemacht.


Auch wenn wir mit allen Bootsbesitzern, die ihr Boot verloren oder schwer beschädigt haben, ist es doch die Lokalbevölkerung, die den grossen Teil der Schäden ausbaden muss. Neben Carriacou hat es die meisten der Inseln im Umkreis von ca 50 Meilen sehr stark betroffen. Es hat wieder einmal die Ärmsten der Armen getroffen.
Der Plan ist nach wie vor bis ca. November hier in der Shelter Bay Marina zu bleiben. Hier hat die Regensaison inzwischen richtig angefangen und wir haben fast tägliche Gewitter und teilwiese richtig viel Regen. Es ist entsprechend warm und schwül und ohne unsere Klimanlage wäre ein Leben an Bord echt unangenehm – nicht zuletzt weil mit dem Regen auch die Mosquitos immer zahlreicher werden.

Stellvertretend für unsere Bastelaktivitäten möchte ich am Beispiel des Ersatzes von den Wasserhähnen in Bad und Küche aufzeigen, wie ein kleiner Punkt in der To Do Liste in eine mehrtägige Aktion ausarten kann. Meine Erfahrung als „Klempner“ beschränkt sich bis dahin auf meine eher unrühmliche Aktion in Grenada, als ich beim Ausbau vom Warmwasserboiler unsere Achterkabine in ein Erlebnisbad verwandelte… Entsprechend skeptisch gehe ich diese Aufgabe an. Als allererstes muss die Druckwasserpumpe abgestellt und der Absperrhahn am Auslauf des Wassertanks verschlossen werden (diesen Absperrhahn gibt es übrigens auch erst seitdem ich damals mit dem Boiler rumgespielt habe – denn Man(n) lernt am Besten aus seinen Fehlern…). Das heisst, während der Arbeiten haben wir kein fliessendes Wasser mehr an Bord. Man ist als bestrebt, diese Arbeiten in einem Rutsch zu erledigen.
Man definiere „Rutsch“…
Unser Boot ist inwischen 22 Jahre alt und der Originalwasserhahn im Bad war an seinem Lebensende angekommen. Wir haben natürlich sowohl einen neuen Küchenhahn, wie auch einen neuen Badezimmerhahn aus Deutschland mitgebracht. Erste Lernerfahrung: das hätten wir uns getrost sparen können, denn die Auswahl an Wasserhähnen ist auch hier in Panama mehr als genug gross, wie sich später herausstellen wird.

Metallteile, wie zum Beispiel dieser Wasserhahn, die seit 22 Jahren in der salzhaltigen Umgebung eines Bootes montiert sind, sitzen fest – bombenfest! Da braucht man schon ziemlich viel ÜberzeugungsKRAFT um das wieder zu lösen. Und genau das ist bei den beengten Verhältnissen an Bord gar nicht mal so einfach. Als erstes muss eine Wasserpumpe zum leeren des Duschsumpfs demontiert werden um überhaupt an die Unterseite vom Wasserhahn ranzukommen. Zudem muss ich alles quasi im Blindflug machen, da ich unmöglich zwei Hände und einen Kopf in den Unterschrank reinbringe. Beim Hahn selber ist es egal, wenn er dabei kaputtgeht (was auch prompt passiert) aber bei den Anschlüssen zu den Wasserleitungen, darf auf keinen Fall etwas kaputtgehen, denn das wäre der SuperGAU. Alle Leitungen sind nämlich beim Bau des Bootes VOR der Fertigstellung des Innenausbaus so verlegt worden, dass sie nachträglich zu grossen Teilen komplett unzugänglich sind. Wie ich das liebe…
Irgendwann ist der Hahn dann entfernt und sogar die Anschlüsse ohne Beschädigung gelöst und dann kommt die zweite Lernerfahrung: Wasseranschlüsse sind zwar (vermute ich wenigstens…) normiert, aber es scheint mehrere Normen zu geben. Die neuen Anschlüsse sind 3/8 Zoll gross, aber an Bord haben wir 1/2 Zoll Anschlüsse.
Zum Glück fangen wir solche Arbeiten immer morgens an, denn erstens ist es dann etwss kühler und zweites gibt es um 13 Uhr einen Shuttelbus zum Einkaufszentrum und den Baumärkten in Colon. Hier in der Marina gibt es sozusagen nichts. Der Ausflug dauert immer bis ca. 15:30 bis der Bus wieder in der Marina ist.

Wie zu erwarten gibt es in den Baumarkt kein passendes Reduzierstück, aber mit zwei Passstücken können wir die benötigte Reduzierung zusammenbasteln. Und siehe da, kurz vor 18 Uhr ist der neue Badhahn mit passenden und dichten Anschlüssen montiert und es sprudelt wieder Wasser im Boot. Noch schnell die Pumpe wieder einbauen und der Feierabend ist gerettet. War ja doch nicht so schlimm.
Mit den Erfahrungen vom Vortag (jetzt wissen wir ja wie es geht…) wird am nächsten Tag der leckende Hahn in der Küche in Angriff genommen. Nein, halt, stopp, zuerst müssen wir uns den Zugang zur Rückseite des Spülbeckens frei machen. D.h. als erstes wird unser Bett im Salon abgebaut und in der Achterkabine verstaut. Danach werden die Sitzbankpolster weggeräumt und eine Sitzbank komplett leergeräumt (die Sitzbänke im Salon sind der Hauptstauraum für unsere haltbaren Lebensmittel). Und zuletzt noch die kleine runde Zugangsklappe zur Rückseite von Spülbecken und Unterseite des Hahns öffnen.



Die Demontage geht dieses Mal trotz den etwas abstrusen Körperhaltungen ziemlich fix. Und auch der Einbau des neuen Hahns ist morgens um 10 Uhr schon fertig. Nur Wasser will keins kommen… Nach längerer Fehlersuche stellen wir erstaunt fest, dass der Hahn inwändig blockiert ist! Das lässt sich leider auch nicht reparieren, denn der Hahn (mit ausziehbarer Brause) ist derart schlau konstruiert, dass man ans Innenleben nicht rankommt.

Also wird wieder ein Ausflug zum Baumarkt fällig um einen neuen Küchenhahn zu erstehen. Und jetzt wissen wir auch, dass es hier in Colon keinen Mangel an Wasserhähnen in allen Formen und Farben hat. Es sei denn, man verguckt sich ausgerechnet in das chicke mattschwaze Modell, dass leider gerade ausverkauft ist. Und die Idee, dass man dem Kunden das Ausstellungsmodell verkaufen könnte, ist hier offenbar völlig unvorstellbar. Naja, dann wird es halt ein mattes silbriges Modell. Schnell die Anschlüsse visuell kontrolliert und sie „scheinen“ die richtige Grösse zu haben. Dritte Lernerfahrung: NIEMALS nur „gucken“, IMMER genau nachmessen…

Zurück an Bord ist der neue Hahn relativ schnell montiert, aber beim Anschliessen an den Wasserleitungen stellen wir fest, dass unsere Annahme „scheint die richtige Grösse zu sein“ eben nicht zutreffend war. Na, dann nehmen wir doch einfach die Zuleitungen vom Hahn der blockiert war (die Zuleitungsschläuche waren nicht blockiert). Also Hahn wieder demontieren. Geht inzwischen richtig fix von der Hand. Und danach die Zuleitungsschläuche beider Hähne abmontieren und austauschen, denn die Anschlüsse im Hahn selber sind doch standardisiert, oder? Sind sie nicht.
Zum Glück passen schlussendlich die Schläuche vom urspünglichen leckenden Hahn mit dem Neuen aus Colon und so wird nach drei Anläufen endlich die Montage abgeschlossen und abends heisst es endlich wieder Wasser marsch an Bord von RARE BREED. Lernerfahrung Nummer vier: Entsorge nie ein Altteil, bevor du nicht sicher bist, dass das Neue wirklich funktioniert.
Und nach diesen zwei Tagen ist schon mal einer der vielen Punkte auf unsere To Do Liste erledigt. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.
